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185. Jahrgang

»t.168 Elfter Blatt 185. Jahrgang Montag, 22. Inti ,455

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infolge höherer Gewalt fcrmäfttgte Grundpreise:

General-Anzeiger für Oberhessen ZWZ

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Abessinien braucht Gelb und Waffen.

Der neue abessinische Gesandte in London will eine Anleihe aufnehmen und die Waffenausfuhr durchsetzen.

London. 22.Juli (DNB. Funkspruch).Daily Opreß meldet, der neue abessinische Gesandte in London habe in einer Unter­redung erklärt: Ich bin nach London gekommen, um ene Anleihe von zwei Millionen P und Sterling für Abessinien aufzunehmen. Dr haben Geld bitter nötig, nicht nur ftr einen Krieg, sondern auch um die aus­gedehnten Bodenschätze unseres Landes zu ermitteln. Der Gesandte erklärte, wenn die Ber- hcrdlungen mit britischen Finanzleuten fehlschlagen llrrden, so hoffe er, mit dem amerikanischen Ban- k-r Morgan zusammenzutreffen, der gegen- mrtig in England sei, um über eine Anleihe zu o handeln. Ferner habe er den Auftrag, die britische Regierung zu veranlassen, Abessiniens Sache zu urerstützen, und seinen Einfluß zu gebrauchen, d nit der Völkerbund Sanktionen zur An- Endung bringe, rote z. B. die Schließung des Suez-Kanals. Ferner wolle er sich dafür Petzen, daß die britische Regierung das Aus­fuhrverbot für Waffen aufhebe.

Huf die Frage, ob Abessinien für einen baldigen D-g vorbereitet fei, habe der Gesandte gesagt, L^ssinien habe bereits große Mengen tzen Munition in den Befestigungen von A!2is Abeba, ferner Maschinengewehre, Lewis- Mchütze und Luftabroehrgeschütze. Die Truppen hfe Kaisers feien mit modernen Gewehren aus- Uustet. aber auch die irreguläre Armee habe zu- M ästige Feuerwaffen. Die Abessinier legten mehr Mrt auf ihre Gewehre als auf andere moderne 35V ff en. Die einzige Gefahr drohe aus der Luft. Sfetr dem Feinde werde es an Zielen fehlen. Den Soraud) von Luftgas betrachteten die Abessinier als niedrigste Form der Barbarei.

Ler Korrespondent derTimes" berichtet aus Ws Abeba, in allen patriotischen Reden werde Inner größeres Gewicht auf die Einigkeit der ch istlichen und der mohammedani- chsen Abessinier gelegt. Die Einigkeit der Regionen für die vaterländische Sache sei tat- oMich hergestellt. Zum ersten Male habe man >ei den Kundgebungen am Sonntag Aeuherungen übr gemeinsamen Widerstand der LlHwarzen Rasse -gegen den Angriff |)e" weißen Rasse gehört. Z. B. sei erklärt poiben,Unsere Hautfarbe i st unsere ßt hne" oderWir Schwarzen müssen zusarnrnen- hialKn", uyd auffallenderweise hytte sich dabei b e- | Dib e r s d i e Mohammedaner hervör- gd:m.

l.em Reuterberichterstatter erklärte der Kaiser ka- legrisch, daß er jede Art eines Protekto- ra: 5 oder Mandats über Abessinien »blehnen müsse. Italien suche nur einen Nor­m' d, um Abessinien zu überfallen. Er habe in eir=r letzten Rede lediglich sein Volk über die Ge- vedrigfeit der abessinischen Sache unterrichtet, die :r verfechte. Abessinien sei entschlossen, seine Frei- .teil gegen ein Volk zu verteidigen, das seine inter­zonalen Verpflichtungen verletze. Die Völker- : rriQssatzung sehe Sanktionen gegen solche Völker vor, aber nicht gegen Abessinien, das feine ' 8apfüd)tungen erfülle. Abessinien sei entschlossen, ?in* Unversehrtheit und Unabhängigkeit zu vertei- ijfldtn, die von allen Völkerbundsrnit- , A.e b e r n garantiert sei. Es sehe daher dem II, Juli und dem 25. August mit Zuversicht ent- ।n. Die britische Gesandtschaft in 'Ms Abeba hat 1 Million S a n d s ä ck e erhalten. Sn Zeichen, daß man den Krieg im Augenblick ür unvermeidlich hält.

England vor ernsten Entscheidungen.

Meinte wieder Sondersitzung des britischen Kabinetts.

ßio n b o n , 22. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das . Iitmett wird sich heute in einer Sondersitzung i Oöe erum mit der abessinischen Frage befassen. Es :M!' berichtet, daß die Minister sich über die Not- : nrDigteit einer möglichst baldigen deutlichen in.'t unmißoer st ändlichen Erklärung ite die britische Haltung klar seien. In politischen .freien soll die Ansicht vorherrschen, dqß eine Lcusttagung des Völkerbundsrates nur dazu füh- r<n würde, die knappe Zeitspanne, die noch für , )i> 'Erhaltung des Friedens verfügbar bleibt, zu jirpeuben. Wie ernst die diplomatische Spannung i«!,er italienisch-abessinischen Krise beurteilt wird, jdr auch aus der Nachricht hervor, daß die Be« imien des Foreign Office zum Teil a u f ii|ne Auguftferien verzichtet haben, und jMi Teil Vorkehrungen treffen, um jeder Zeit in i tir^fter Frist auf ihre Posten zurückkehren zu llönnen.Daily Telegraph" schreibt, die Entschei- die die britische Regierung treffen müsse, sei i Mcrscheinlich d i e ernsteste seit dem Som - ine 1914. Sie berühre die Interessen des gan- M Empire. Britische Gebiete hätten mit Abessinien itimeinsame Grenzen von 3000 Kilometer : iinge, während die italienisch-abbessinischen Gren- lien weniger als die Hälfte dieser Länge hätten, live müsse die Frage der Ausfuhr von egs material nach Abessinien sofort ent- jjchcoen werden. Verschiedene Länder, darunter jifnifreid), hätten es abgelehnt, die erforderlichen iSiicnzen zu erteilen. Großbritannien habe bisher .) lickhaltung geübt. Wenn die Regierung über­

zeugt fei, daß Abessinien Waffen zur Selbst­verteidigung brauche, so würden bestehende Dertragspflichten die Erteilung von Aus­fuhrlizenzen notwendig machen.

Kein Kompromiß.

Der Fehler von Versailles mutz wieder gut gemacht werden.

p a r i s, 22. Juli. (DRV. Funkspr.) Dem römischen Korrespondenten desJour" hat ein früherer, na­mentlich nicht genannter italienischer Kolonialminister, erklärt:Ls ist Italien im Grunde genommen gleichgültig, auf welchem Wege man zu einer Lösung kommt. Aber diese Lösung muh auf jeden Fall Italien in zweierlei Hinsicht Sicherheit verschaffen: erstens, die Sicherheit nicht nur seiner Grenzen, sondern auch eine uneingeschränkte Kontrolle der mili­tärischen Streitkräfte Abessiniens

durch Italien, zweitens, die Expansion, d. h. die Möglichkeit, Abessinien zu kolonisieren und zivilisieren, wie Frankreich dies in Ma­rokko und England in Mesopotamien getan hat. Italien würde eine friedliche Regelung anneh­men, aber ein Krieg erschreckt es nicht und es will auch keine Kompromißlösung. Italien ist durch den Friedensvertrag von Versailles ent­täuscht worden, heute sucht es diesen Fehler wieder gut zu machen."

Ehemalige türkische Offiziere als Freiwillige für Abessinien.

Jerusalem, 21. Juli. (DNB.) Nach Blätter­meldungen haben sich viele ehemalige Offiziere des türkischen Heeres aus Palästina nachTrans- j o r d a n i e n freiwillig dem abessinischen Heer zur Verfügung gestellt. Die Offiziere sind sogar bereit, die Reisekosten nach Abessinien selbst zu tragen.

Warum hat das Kabinett Baldwin den Resormplan Lloyd Georges abgelehnt?

London, 22. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Gründe für die Verwerfung des Planes wirtschaft­licher und sinanzieller Reformen, den Lloyd George der Regierung unterbreitet hatte, wurden am Mon­tag bekanntgegeben. Die Regierung erklärt in ihrer Begründung u. a., die Vorschläge hätten einen zu allgemeinen Charakter und würden in mancher Beziehung die bereits gemachten Fortschritte schäbigen. Die vorgeschlagene W o h l s a h r t s anleihe von 250 Millionen Pfund Sterling würde die englischen Finanzen in Unordnung bringen und eine infla­tionistische Wirkung haben. Die Berech­nungen über die Möglichkeit einer Verminderung der Arbeitslosigkeit beruhten größten Teils auf Mutmaßungen. Es sei ein Irrtum, zu glauben, daß viele bisher noch nicht entdeckten Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung beständen. Der 23orfchlag, 500000 Arbeiter auf dem Lande anzusie­deln, könne nur verwirklicht werden, um den

Parlamentswahlen in Polen.

Die Sicherung

llm das autoritäre Regime.

Die Opposition arbeitet mit der Parole: Wahlenthaltung.

Zu den Staaten, die nach dem Weltkriege neu entstanden und mit einer Muster-Demokratie ä la Franchise beglückt wurden, gehört auch Polen. Aber das parlamentarische System führte hier wie in anderen Ländern zu einer völligen Verantwor­tungslosigkeit und Ko r r u p t i o n in der staatlichen Verwaltung. Marschall P i l s u d s k i hat Kübel von Spott und Hohn über die Parteienwirtschast aus­gegossen, solange er noch abseits stand. Als er bann im Jahre 1926 mit einem revolutionären Akt sich und seine Legionäre in die Regierung einsetzte, hielt er es für seine höchste und schwierigste Aufgabe, diese, parlamentarischen Sümpfe auszutrocknen und an ihrer Stelle das feste Gebäude eines autori­tären Regiments aufzurichten.

Pilsudski hat dieses Vorhaben bewußt nicht mit einer Gewaltaktion durchgeführt, obwohl er die Macht dazu gehabt hätte. Er war mit dem Staats­neubau noch an dem Tage beschäftigt, an dem er die Augen für immer fchloß. Es ist oft gefragt worden, warum der Marschall nicht schneller und energischer mit den Widerständen des Parteiismus aufgeräumt habe. Don offizieller Seite ist eine Antwort darauf nie gegeben worden, aber wenn man die innere Situation des polnischen Volkes und den Charakter Pilfudfkis studiert, bann versteht man, daß alle äußere Gleichschaltung solange ver­geblich fein mußte, als nicht das polnische Volk f e l b ft und seine Vertreter im Parlament z u einer Staatsidee erzogen waren. Wie ein guter Familienvater seine Kinder zum Guten ermahnt, so hat der Marschall immer wieder ver­sucht, die Opposition durch Vernunftgründe, durch gütliches Zureden, und wo es not tat, durch drako­nische Strenge von der Notwendigkeit einer autori­tären Regierung zu überzeugen. Er wollte nicht mit der Peitsche regieren.

Wie weit diese Politik Erfolg gehabt hat, konnte man solange nicht ermessen, als Pilsudski am Leben war. Denn wenn auch Pilsudski in allen Volksschich­ten als Führer der Nation anerkannt wurde, so war es doch keineswegs sicher, ob sich die Liebe und Ver­ehrung, die seiner großen Persönlichkeit überall be­zeugt wurde, auch mit der Anerkennung seiner staats­politischen Idee gleichsetzen ließ. Erst jetzt, da seine Nachfolger das von ihm vorbereitete Reform­programm verwirklichen müssen, kann es sich zeigen, ob die politische Ernenernngskrast des Marschalls im Volke so ti'fe Wurzeln geschlagen Hal, daß die

des Erbes pilfudfkis.

1926 begonnene Entwicklung zu ihrem Ab- s ch l u ß^ebracht werden kann.

Die Warschauer Regierung hat den Sejm, das polnische Parlament, a u f g e l ö st und Neu­wahlen gemäß den neuen Derfassungsgesetzen ausgeschrieben. Eine Wiederkehr der Parteien ist damit so gut wie ausgeschlossen. Denn die Wahl­kandidaten werden nicht mehr durch die Parteien, sondern durch Berussverbände aufge- st e 111, wobei der Wähler nur die Möglichkeit hat unter vier Kandidaten zwei auszuwählen. Die Senatswahlen vollends sind ein Vorrecht für diejenigen geworden, die sich um den Aufbau des neuen Polen besonders verdient gemacht haben. Es besteht somit kaum eine Möglichkeit, auf legalem Wege das gegenwärtige System zu stürzen. Die Opposition, deren hauptsächliche Stützen die Nationaldemokraten, die Bäuerliche Volkspartei und die Sozialdemokraten sind, ist sich der für sie ge­fahrvollen Lage durchaus bewußt. Sie hält für das einzige Mittel, das ihren völligen Untergang ver­hindern könnte, einen möglichst umfangreichen Wahlboykvtt. Da die große bäuerliche Be­völkerung, die in Not ist und zudem von Politik nicht viel versteht, nicht mehr den leuchtenden Namen Pilfudfkis vor sich steht, glaubt die Oppo­sition, einen beachtlichen Teil des Volkes zur Wahl­enthaltung überreden zu können. Dagegen zeigen die Gewerkschaften eine sehr unsichere Hal­tung. Es hängt von den Bauern und Arbeitern ab, ob sich die jetzige Regierung als Testamentsvoll­streckerin des großen Marschalls bestätigen lassen kann.

Oer zweitgrößte GewerkschastSverband beschließt Wahlbeteiligung.

Warschau, 22. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die dem Regierungslager angehörende Gewerkschaft Verband der Berufsverbände", deren Stellungnahme zu den Wahlen mit allgemeiner Spannung erwartet wurde, da der Führer dieser Gewerkschaft, M o r a c z e w s k i, ein alter Mit­kämpfer Pilsudskis, sich energisch gegen dieBe­te i l i g u n g der Gewerkschaften an den Wahlen ausgesprochen hatte, hat mit einer ge­ringen Mehrheit die Teilnahme an den Parlamentswahlen beschlossen. Der Be­schluß dieses nächst der sozialistischen Gewerkschaft zweitgrößten polnischen Gewerkschaftsoerbandes, der 155 000 eingeschriebene Mitglieder zählt, ist von wesentlicher Bedeutung für die Wahlbeteiligung der Arbeiterschaft.

Preis einer weitgehenden künstlichen Erhö­hung der Lebensmittelpreise, einer Schädigung der Handelsbeziehungen mit den ande­ren Teilen des britischen Reiches, einer Verschlech­terung des Ausfuhrhandels und einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit in der Industrie. Die Vorschläge über Häuserbau würden die augenblickliche lebhafte Bautätigkeit in England nur beeinträch­tigen. Die Vorschläge für die Neuordnung der I n d u st r i e enthielten nichts Neues oder praktisch Durchführbares. Der P e n s i o n s p l a n , der be- ftimrtit fei, alte Arbeiter aus dem industriellen Leben zu entfernen, würde eine, jährliche Steuer­erhöhung. von 100 Millionen Pfund Sterling erfordern.

Lloyd George, dem die Antwort der Re­gierung schon seit mehreren Tagen Vorgelegen hat, soll beabsichtigen, am Montag eine Antwort darauf zu geben.

Krontsoldatenium.

Don Or. Paul Harms

Der Krieg ist ein großer Erzieher zur Sachlich­keit. Mit einem Gegner, der herüberschießt, muß ich mich sachlich auseinandersetzen, indem ich hinüber- schieße. Mit vorgefaßten Meinungen, mehr oder minder schönen Redensarten und verwandten Kün­sten ist da nichts zu machen. Weil sie aus der Schule dieses Erziehers zur Sachlichkeit kommen verstehen deshalb Frontsoldaten einander so viel besser als sie sich mit denFederfuchsern" verstehen, die, während sie im Feuer lagen, daheim die Staatsgeschäfte und andere Geschäfte be­sorgten?

Frontsoldaten, die aus langem Kriege heimkehren, kommen in eine Welt, die ihnen fremd geworden ist, die sie nicht verstehen und in der sie sich un­behaglich fühlen. Das war nicht nur nach dem Weltkriege so, und wenn wir nach den Bismarckschen Einigungskriegen nicht viel davon bemerk! haben, so nur deshalb, weil diese Kriege, von Meisterhand vorbereitet und von Meisterhand geführt, ungewöhnlich kurz waren. Um so stärker hat sich der Gegensatz zwischen Front- soldatentum und überalterten Zuständen der Hei­mat geltend gemacht nach den Freiheits­kriegen, die die napoleonische Aera abschlosfen. Nur daß die Nutznießer des alten, des Metternich- schen Systems, nicht von Frontsoldaten sprachen, sondern von Demagogen. Und der Dem­agogie beschuldigten diese verstaubten Perücken nicht nur die heimkehrende Jugend, die ungestüm ein einiges Deutschland als Preis unsäglicher Mühen forderte, sondern auch die Blücher, Stein und Gneisenau,. die ja gleichfalls in vorderster Front des Kampfes gegen Napoleon gestanden hatten. Die Demagogen-Verfolgung das war der Kampf des fterbensreifen Metternichfchen Sy­stems gegen das Frontgeschlecht und feine Forde­rungen sie erstreckte sich bann auch auf ben Nach­wuchs, ber unter bem Einfluß bes Frontfolbaten- tums groß geworben war. Wohl bas bekannteste Opfer ber Derfolgungswut ist aus bieser Schicht ber gottgesegnete Dichter nieberbeutschen Humors, Fritz Reuter, geworben, ber zum Tobe ver­urteilt würbe,weil er auf einer beutschen Univer­sität am hellichten Tage die deutschen Farben getra­gen hatte".

Und das Ergebnis? Das Sturmjahr 18 4 8 mit seinen Irrungen und Wirrungen, seinen ver­geblichen Anstrengungen und der nachfolgenden Reaktion, die der Metternich-Zeit eine Nachblüte zu bringen schien! Ein halbes Jahrhundert hatte seit der Beendigung der Freiheitskriege verfließen müs­sen, ehe es wieder Licht wurde in Deutschland und Bismarcks überlegene Führung die Wege wies, auf denen wenigstens ein Teil dessen verwirklicht wer­den konnte, wofür die deutsche Jugend auf den Schlachtfeldern von 1813 geblutet hatte. Und für uns Deutsche war das Völkerringen von damals doch siegreich beendet worden, während wir uns nach dem seelischen Niederbruch von 1918 dem Größenwahn von Kriegsgewinnern ausgeliefert sahen, die nicht an der Front gestanden, die nicht ihre Erziehung zur Sachlichkeit genossen hatten, und die den Krieg glaubten abschließen zu können mit dem unsachlichsten Friedenswerk, das die Welt­geschichte kennt.

Am 28. ?hmi jährte sich zum 17. Male der Tag, an dem Vertreter deutscher Parteien, die vom Geiste des Frontsoldatentums keinen Hauch ver­spürt hatten, die deutsche Unterschrift setzten unter den Zwangsfrieden, der uns Deutsche er­niedrigte zu Menschen minderer Ordnung, zu Tri­butsklaven des Siegerkapitalismus. Die aus Klein­mut das falsche Ja zu diesem Frieden der Selbstentmannung gesprochen hatten, dachten un­sachlich genug, um zu glauben, sie könnten im Staate der deutschen Ohnmacht ihre Herrschaft für immer aufrichten und befestigen. Gegen diese un­sachliche Denkweise, die eine neue staatliche Ord­nung aufbauen wollte auf dem Willen, das Uner­füllbare zu erfüllen, lehnte sich von Anfang an das seiner selbst bewußte Frontsoldatentum auf. Es stand in Opposition zur Weimarer Republik, nicht weil das eine Republik war, sondern weil sie be­lastet war mit der Preisgabe von Freiheit und Selbstbestimmung eines Volkes, das im ehrenwerten Widerstand von vier Kriegsjahren Uebermenschliches geleistet und erduldet hatte.

Keiner von den deutschen Frontsoldaten hat die Opposition gegen den unmöglichen Staat von Wei­mar und feine Politik so sachlich und so folgerichtig geführt wie Adolf Hitler. Ihm ist daher mit Recht d i e Führung des neuen Deutsch­land anvertraut worden, dessen Aufgabe es war, das Weimarer System und seine auf einem falschen Ja aufgebaute Politik zu überwinden. Und diese Tatsache, daß der Mann, der den Typus des deut­schen Frontsoldaten in seiner vollendetsten Form vertritt, zur Staatsführung in Deutschland berufen war, scheint befreiend und erlösend über hie deutschen Grenzen hinaus wirken zu sollen. Es ist die Erlösung von der Unsachlichkeit und Unnatur des Versailler Systems, die sich hier nach weltgeschichtlichen Gesetzen voll­zieht. Angelpunkt bes ganzen Systems war die Kriegsscbuldlüge, die Behauptung, Deutsch­land allein sei Schuld am Ausbruch des Weltkrieges mit all feinen Greueln, es habe ihn gewollt und be­wußt herbeigeführt. Diese größte Lüge der Geschichte hatte kein Frontsoldat ausgetiftelt, sie war eine Ausgeburt des Denkens von haßerfüllten Hinter­frontpolitikern, Gesellen, die man seit den Friedens­schlüssen von 1814 und 15 unter den Begriff ber Feberfuchser" zusammenzufassen sich genr-hn» bat.

Von ber Kriegsschulb einzelner 3?. n ist ein blanker Unsinn unb beweist nur b*» garznck"'- Mangel an Erfahrung, an biflorif.i-em T-k» 1 jr