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KrJ4^ viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverheffen)

jumstag, 22.)uni (935

Die Heilstätte (Vorderansicht von der Körnerstraße aus).

Das Inhalatorium.

Der mit neuzeitlichsten Geräten eingerichtete Operationsraum.

Gemütliche Ecke eines Aufenthaltsraumes.

Belichtungsraum.

der oberen Luftwege be.

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Die Südseite der Heilstätte mit zahlreichen Liegehallen vor den Krankenzimmern.

230

203

226

269

Kranken mit Tuberkulose trägt:

1931:

1932:

1933:

1934:

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Dies entspricht an Pflegetagen:

1931: 22 060

1932: 21 079

1933: 21 459

1934: 24 034

Die durch die angegebenen Pfleaetage erzielten Einnahmen genügten, um die entstehenden Aus­gaben an Gehältern und Löhnen, Naturalverpfle­gung, Medikamenten, Licht, Kraft, Heizung usw. voll zu decken. Bei der Einweisung der Kranken waren die verschiedensten Kostenträger beteiligt. Mehrere Landesoersicherungsanstalten, Reichsoer- sicherungsanstalt, Versorgungsämter, Krankenkassen, Wohlfahrtsämter haben Patienten eingewiesen. Ein kleiner Teil der Patienten konnte die Kosten aus eigenen Mitteln bestreiten.

Für einen ordnungsgemäßen Betrieb in der Heil­stätte sind neben den Aerzten (Direktor, Oberarzt, Assistenzarzt) noch eine Reihe von Hilfskräften er­forderlich. Es arbeiten noch in der Heilstätte: 6 Schwestern, 1 Bademeister, 1 Wärter, 2 Labo­rantinnen, 2 Bürokräfte, 1 Heizer, 1 Pförtner, 1 Gärtner, 1 Hausdiener, 1 Näherin, 1 Plätterin, 1 Wäscherin, 1 Oberköchin und 13 Haus- und Küchenmädchen

So bedeutet die Heilstätte Seltersberg einen Fort­schritt im Kampf gegen die Tuberkulose, die in viel- gestaltiger Form auftreten kann und die noch tu erschreckender Weise am Volke zehrt.

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tenen Stadien erweist sich menschliche Hilfe als ungenügend Nur die rechtzeitige und dann aber auch richtige Behandlung verspricht sicheren und dauerhaften Erfolg. Es ist aber auch ärztliche Kunst bei den genannten fortgeschrittenen Stadien der Tuberkulose der oberen Luftwege, in denen Essen und Trinken Qualen bedeuten, erfolgreich lin­dern zu können. Auch darin hat sich das Bemühen der Heilstättenleitung und ihrer Mitarbeiter segens­reich auswirken können.

Die rechtzeitige Erkennung der besprochenen Er­krankung macht in manchen Fällen oft erhebliche Schwierigkeiten. Sie läßt sich oft erst nach genauer Beobachtung von anderen Erkrankungen, wie nicht- tuberkulöse Entzündungen oder von Geschwulstbil­dungen gutartiger oder bösartiger Natur, unter­scheiden. Die Abgrenzung einer besonderen Be­obachtungsabteilung ist deshalb notwendig gewesen. Erst wenn die Tuberkulose erkannt ist, wird der Patient auf die eigentliche Tuberkulosestation ver­legt, im anderen Falle zur Verhütung der Mög­lichkeit einer Infektion in der abgetrennten Ab­teilung behandelt.

Es werden auch einzelne Patienten eingewiesen, die nur eine Lungentuberkulose, aber keine Er­krankung der oberen Luftwege haben. Für diese ist eine besondere Station eingerichtet, die der Medi­zinischen Klinik untersteht.

Um noch einen kurzen Einblick in die wirtschaft­lichen Verhältnisse der Heilstätte zu geben, seien die Zahlen der verpflegten Patienten in den Jahren 1931/34 angegeben. Da die Heilstätte im April 1930 in Betrieb genommen wurde, kann dieses Jahr nicht als Dolljahr zählen. Die Zahl der verpflegten

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Die Heilstätte Seltersberg tn Gießen dient dem besonderen Zwecke, Kranken mit Tuberkulose der -- ' oberen Luftwege Rat und Hilfe zukommen zu lassen. Sie ist seit nunmehr fünf Jahren in Betrieb. Unter den verschiedenen Tuberkulose-Heilanstalten, die es heute in allen Kulturländern gibt, ist die Heilstätte Seltersberg die einzige, die dem genannten Ziele dient.

Seit der Frankfurter Laryngologe Professor Schmidt zum ersten Male in den 80er Jahren Patienten mit Kehlkopftuberkulose, die vorher als * unrettbar verloren galten, heilen konnte, ist das Bestreben, diesen Kranken zu helfen, immer mehr hervorgetreten. Es hat sich aber zunächst gezeigt, daß dieses Ziel nur schwer zu erreichen ist und daß die Hoffnungen, die sich an die Erfolge Schmidts knüpften, sich nur in sehr bescheidenem Maße ner- wirklichen ließen. So gilt auch heute noch die Tuber­kulose des Kehlkopfs, des Rachens, des Mundes als sehr ernste Komplikation. Wenn diese Erkran­kung erfolgreich bekämpft und geheilt werden soll, bedarf es der engsten Zusammenarbeit zwischen dem Lungenarzt und dem Hals-Nasen-Ohrenarzt. Die seitherigen Erfahrungen haben jedenfalls ge- lehrt, daß sich die verschiedenen Behandlungs­methoden ungenügend oder sogar nachteilig aus­wirken können, wenn sie ohne genügende Berück­sichtigung aller erkrankten Organe zu einseitig an­gewandt werden.

Um diesen Forderungen in bestmöglichster Weise nachzukommen, erwog schon in den Jahren vor dem Kriege der frühere Direktor der Gießener Hals-, Nasen- und Ohrenklinik, Professor Dr. von Eicken, den Plan, eine Abteilung zu gründen, in der Kranke mit Tuberkulose der oberen Luftwege

Brüggemann) Direktor der Anstalt. Der Ober» grzt, der ein Lungenspezialist sein muß, ist mit der gleichzeitigen Beurteilung und modernen Behänd- »*ng der Lungentuberkulose betraut. Um das vor- sesteckte Ziel zu erreichen, ist die Anstalt neben der ärztlichen Versorgung auch mit all den zahlreichen Hilfsmitteln ausgestattet, die wir nach den heutigen Erfahrungen für den Kampf gegen die Tuberkulose ter oberen Luftwege und der Lunge besitzen.

Da die Behandlung meist längere Zeit, zum min= testen einige Monate in Anspruch nimmt, ist das innere des Hauses und der Zimmer in freund- lidjen Farben gehalten, um einen möglichst wohn- 1' d)en Eindruck zu erzielen. Zur Durchführung der Äegekuren sind direkt mit den Krankenzimmern in Verbindung stehende Liegebalkons, ferner im Gar- ten Liegehallen vorhanden. In Operationsräumen tonn eine notwendig werdende chirurgische Lungen- tehandlung (Pneumothorax, Phrenicoexhairese

usw.) durchgeführt werden. Zur Erkennung und genauen Untersuchung der Erkrankung stehen Untersuchungszimmer, Röntgenzimmer, Laborato­rien zur Verfügung. Für die speziellen Erforder­nisse der Untersuchung der oberen Luftwege sind besondere Untersuchungsräume mit zahlreichen, fei­neren technischen Einrichtungen vorhanden

Zur Behandlung der Tuberkulose der oberen Luftwege gibt es fein bestimmtes Spezialmittel. Es braucht vielmehr jeder einzelne erkrankte Kehl­kopf sowohl an Art wie an Zahl der Eingriffe seine besondere Behandlung, die durch regelmäßige, sorgfältige Untersuchungen jedesmal neu bestimmt werden müssen. Für jede Möglichkeit im Kehlkopf einzuwirken, sei es durch chirurgische ober chirur gisch-elektrische Verfahren, sei es durch Röntgen­strahlen oder Lichtstrahlen, lei es durch Jnhalatio nen oder Bäder, sind besondere Räume und Appa­raturen erforderlich. Es ist Sorge getragen, daß auch Schwerkranken oder Bettlägerigen alle Be­handlungsmöglichkeiten zugänglich gemacht werden können. Daneben soll durch besondere Aufenthalts­räume mit Büchereien, Radio usw den Kranken die Möglichkeit gegeben fein, sich zu zerstreuen, um sich nicht nur mit ihrer Krankheit zu beschäftigen. Die Einrichtung des Hauses ermöglicht es auch, neben der Beobachtung am Krankenbett die Er­krankung der oberen Luftwege auf experimentellem Wege zu erforschen und zu ergründen. Es ist auch Gelegenheit gegeben, daß Aerzte ober Studierenbe bie Eigenart bes oorliegenben Leibens erlernen können. Durch ben Anschluß an bie Universität ist bie Verwirklichung bieses Gebankens am besten gewährleistet

Es haben auch schon Aerzte aus anberen Heil­stätten bie Gelegenheit wahrgenommen, burch mehr­wöchentliche Mitarbeit die Besonderheiten und die technischen Grundlagen der Behandlung der Tuber­kulose der oberen Luftwege zu erlernen. Die Heil­stätte hat auch weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus Beachtung und Würdigung ge­funden. Sie wurde von Aerzten aus allen europä­ischen Staaten und aus allen Weltteilen besucht.

Daß der vorgezeichnete Weg der richtige ist, be­weisen die Erfahrungen, die man seit dem Bestehen der Heilstätte machen konnte. Von Jahr zu Jahr nahm die Zahl der hilfesuchenden Kranken zu, und seit den beiden letzten Jahren ist die Heilstätte voll belegt. Aus allen deutschen Gauen kommen die Patienten mit der genannten Krankheit nach Gießen. Vielen konnte geholfen werden, wo vorher der Er- folg ausbleiben wollte.

Bei der Art der Erkrankung bleiben aber natür­lich auch Mißerfolge nicht aus. In weit vorgeschrit-

(Aufnahmen |6|: Photo-Pfaff, Gießen.)

. imb der praktisch immer gleichzeitig bestehenden Tuberkulose der Lungen ausgenommen und behan- leit werden sollten. Eine solche Abteilung konnte rur den Charakter einer Heilstätte haben, in der t.eben den speziellen Behandlungsmethoden der i beren Luftwege auch alle anderen Heilfaktoren für Tuberkulose, nämlich Licht, Luft, Ruhe, geeig­nete Unterkunft usw. angewandt werden können.

Erst nach dem Ueberstehen der Kriegs- und In- Hationsiahre konnten durch den jetzigen Direktor ifer Hals-Nasen-Ohrenklinik, Prof. Dr. Brugge- mann, diese Gedanken in die Tat umgesetzt wer- I den. Da der Tuberkulose der oberen Luftwege in I >iefer Heilstätte besondere Beachtung gewidmet j Qerben soll, ist im Gegensatz zu anberen Tuber- . i-ulofeheilftätten ein Hals-Nasen-Ohrenarzt (Prof.

Oie Heilstätte Settersverg in Gießen

Fünf Jahre Arbeit im Kampf gegen die Tuberknlofe der oberen Lustwege.