Nr.M vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, 22. Mai (935
Das Wehrgezetz.
Schluß des Wehrgesetzes aus dem dritten Blatt.
§ 27. Heiratserlaubnis. Die Angehörigen der Wehrmacht bedürfen zur Heirat der Erlaubnis ihrer Vorgesetzten.
§28. Nebenbeschäftigung. Soldaten und Wehrmachtbeamte bedürfen der Erlaubnis ihrer Vorgesetzten zum Betreiben eines Gewerbes für sich und ihre Hausstandsmitglieder und zur Uebernahme einer mit Vergütung verbundenen Nebenbeschäftigung. Die Erlaubnis darf nur in begründeten Ausnahmefällen erlaubt werden. Diese Vorschrift findet auf die zu Hebungen ober zu sonstigem aktiven Wehrdienst einberufenen Personen des Beurlaubten st andes hinsichtlich ihrer Berufstätigkeit keine Anwendung.
§ 29. Vormundschaften und Ehrenämter. Soldaten und Wehrmachtbeamte können die Uebernahme des Amtes eines Vormundes, Gegenvormundes, Pflegers, Beistandes oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit im Reichs-, Landes- oder Gemeindedienst a b l e h n e n. Zur Uebernahme eines solchen Amtes ist die Erlaubnis der Vorgesetzten erforderlich. Sie darf nur in zwingenden Fällen versagt werden.
§ 30 Gebührnisse. Die Ansprüche der Angehörigen der Wehrmacht auf Gebührnisse und auf Heilfürsorge werden durch das R e i ch s b e s o l - dungsgesetz geregelt.
§ 31. Rechtsweg. Für vermögensrechtliche Ansprüche aus der Zugehörigkeit zur Wehrmacht steht der ordentliche Rechtsweg offen. Der Klage gegen das Reich muß die Entscheidung des Reichskriegsministers vorangehen. Die Klage muß bei Verlust des Klagerechts innerhalb von sechs Monaten angebracht sein, nachdem die Entscheidung des Reichs- kriegsministers dem Beteiligten bekanntgegeben worden ist. Die Entscheidung der militärischen Dienststellen über Dienstuntauglichkeit, Zurückstellung und Entlassung ist für die Gerichte bindend. Das Gleiche trifft für die Entscheidung über vorläufige Dienstenthebung und über ein Zurückbehalten im aktiven Wehrdienst zu.
§ 32. Versorgung. Soldaten, die nach Erfüllung der aktiven Dienstpflicht in Ehren aus dem aktiven Wehrdienst ausscheiden, haben bei Bewerbung um Beschäftigung im öffentlichen Dienst den Vorrang vor sonstigen Bewerbern gleicher Eignung. Bei Vermittlung in Arbeitsplätze der freien Wirtschaft find sie bevorzugt äu berücksichtigen. Bei Rückkehr in den Zivilberuf darf ihnen aus der durch den aktiven Wehrdienst bedingten Abwesenheit kein Nachteil erwachsen. Die gesetzlich festgelegten Rechte der Kriegsbeschädigten werden hierdurch nicht berührt. In allen übrigen Fällen wird die Versorgung der Soldaten und ihrer Hinterbliebenen durch das Wehrmachtsversorgungsgesetz, die Versorgung der Wehrmachtbeamten und ihrer Hinterbliebenen durch die hierfür erlassenen Gesetze und Vorschriften geregelt.
§ '33. Verabschiedung mit Uniform. Den aus der Wehrmacht ousscheidenden Angehörigen der Wehrmacht kann das Recht zum Tragen der Uniform eines Wehrmachtteiles mit einem für Verabschiedete vorgeschriebenen Abzeichen widerruflich verliehen werden. Dieses Recht wird in der Regel nur nach einer in Ehren geleisteten Dienstzeit von mindestens 12 Jahren verliehen.
§ 34. Offiziere und Beamte des Bell r l a u b t e n st a n d e s. Bei Bewährung und Eignung können Unteroffiziere und Mannschaften, die nach ehrenvollem Dienst aus dem aktiven Wehrdienst ausscheiden, zu Offizieren oder Beamten des Beurlaubten st andes ausgebildet ober befördert werden. Offiziere und Wehrmachtbeamte, die nach ehrenvollem Dienst aus dem aktiven Dienst ausscheiden, können zu Offizieren und Beamten des Beurlaubtenstandes überführt werden.
§ 35. Zivilange stellte in der Wehrmacht. Der Reichskriegsminister kann die im Bereich der Wehrmacht angestellten Zivilpersonen den für Soldaten geltenden gesetzlichen Vorschriften ganz oder teilweise unterwerfen, wenn und solange militärische Notwendigkeit dies erfordert. Sie sind für die Dauer dieser Anordnung Angehörige der Wehrmacht im Sinne des § 21.
IV. Uebergangsvorschnst.
§ 36. Unteroffiziere und Mannschaften, die beim Reichsheer vor d e m 1. April 1933 ober bei der Reichsmarine vor bem 1. Juli 1933 eingestellt finb, unb deren Verpflichtungsschein nach dem Wehrgesetz vom 23. März 1921 a u f 12 Jahre ausgestellt ist, können bis zum Ablauf dieser Zeit im aktiven Wehrdienst belassen werden. Im übrigen gelten für sie uneingeschränkt die Vorschriften dieses Gesetzes
Absatz 1 ist sinngemäß auf die V e r p s l i ch t u n g der Offiziere und Offiziersanwärter des Reichsheeres und der Reichsmarme und die die Wehrmacht übernommenen Angehörigen der Landespolizei anzuwenden.
Auf die beim Reichsheer nach dem 31 Marz 1933 und bei der Reichsmarme nach dem 30. Ium 1933 eingestellten Dffaiere, Unteroffiziere unb Mannschaften findet das vorliegende Gesetz uneingeschränkt Anwendung.
Die auf Grund des § 40 a des Wehrgesetzes vom 23. März 1921 angestellten Zivilpersonen können für die Dauer der in ihrem Dienstvertrag vereinbarten Zeit nach näherer Bestimmung des Reichskriegsministers in den aktiven Wehr- dienst übernommen werden.
V. Gchlußvorschnsten.
§37. Der Führer unb Reichskanzler übt bas militärische Verordnungsrecht aus. er erläßt bie zur Durchführung bes Gesetzes ersorber- lichen Rechtsverorbnungen unb Verwaltungsbestim- mungen. Die Rechtsverorbnungen können St^s- anbrohungen enthalten. Der Führer unb vteidjs« kanzler kann bem Reichskriegsmi niste r unb in ben Fragen bes Ersatzwesens unb ber Wehrüberwachung bem Reichsmini st er bes In - n e r n entsprechend Befugnisse übertragen. Die Verorbnungen können außer in ben im Gesetz über Verkünbung von Reichsverorbnungen vom 13. Oktober 1923 (RGBl. I, Seite 959) vorgesehenen Blätter auch in ben Verordnungsblättern ber Wehrmacht verkündet werben.
§ 38. Dieses Gesetz tritt mit bem 21. Mai
H&5 itt Kraft.
„Hitler wird Erleichterung und Hoffnung bringen."
„Times" stellt fest: „Vernünftig, offenherzig und großzügig."
Landon, 22. Mai. (DNB. Funkspruch.) Im Leitartikel der „Time s" heißt es u. a., die Rede des Führers habe sich als vernünftig, offenherzig und großzügig herausgestellt. Niemand, Der sie in unparteiischem Geiste lese, könne daran zweifeln, daß d i e Punkte der Politik, die Hitler bezeichnet habe, sehr wohl die Grundlage einer vollkommenen Regelung mit Deutschland darstellen könnten — einem freien, gleichgestellten und starken Deutschland anstatt einem zu Boden gestürzten Deutschland, dem vor 16 Jahren der Frieden „auferlegt" worden sei.
Der wesentliche Inhalt der Erklärungen Hitlers sei. daß es keine zurücksehenbe Behandlung geben solle und geben könne.
Er habe deutlich zugegeben, baß sich Deutschlanb von vertraglichen Verpflichtungen losgerissen habe (?), aber von Verpflichtungen, die nicht freiwillig eingegangen wurden. Er habe höchst feierlich erklärt, daß die deutsche Regierung unbedingt alle bisherigen Verpflichtungen innehalten werde, auch wenn sie von früheren deutschen Regierungen eingegangen seien. „Times" sagt, .Leute, die noch immer an dem ehrlichen Willen Hitlers zweifelten, konnten darauf hingewiesen werden, daß es leicht für ihn gewesen wäre, bem' östlichen Sicherheitspakt unter den von anderen vorgeschlagenen Bedingungen zuzustimmen, wenn er nur bereit gewesen wäre, ihn mit innerlichen Vorbehalten anzunehmen. Bei alledem aber schließe er bie Möglichkeit von Vertragsrevision nicht aus, die, wie er mit vollem Recht sagte, bem Gesetz ber ewigen Entwicklung entspreche. Hoffentlich werbe die Rede anderswo als eine aufrichtige und wohlüberlegte Aeußerung aufgenommen werben, die genau das bedeute, was sie sage:
Der Friede Europas habe keine größeren Feinde als solche Leute, die eine Atmosphäre des Mißtrauens gegenüber einer wichtigen und seit langem erwarteten Erklärung dieser Art verbreiten wollten, sogar bevor noch ihr Inhalt bekannt war. 3m vorliegenden Falle habe die bloße Wahrscheinlichkeit, daß Hitlers Haltung im ganzen versöhnlich und friedfertig sein werde, zu einer voreingenommenen Propaganda geführt, die darauf hinausgelaufen sei. daß ein von dieser Seile gereichter Oelzweig vergiftet sein müsse, und daß jedes Argument Deutschlands zugunsten eines Nachlassens im Wellrüsten nur bedeuten könne, daß der Sprecher noch nicht kriegsbereit sei. Selbst wenn diese Ansicht im gegenwärtigen Augenblick begründet wäre, würde es ein Verbrechen gegen den Frieden sein, sie zur Grundlage einer ständigen Politik zu machen.
Auf jeden Fall könne unb dürfe sie keinen Einfluß auf bas neue Luftbauprogramm ber britischen Regierung haben, bas sich auf bie bestehenbe Lage unb nicht auf Mißtrauen hinsichtlich ber Zukunft grünbe.
„Time s" schließt, bie gestrige Rebe bestätige in weitem Maße Die Worte Sir John Simons in Kilmarnock vor einer Woche, baß bie Aussicht a u f eine Vereinbarung über ben Stanb ber Rü st ungen sich nicht oerminbert, sondern vermehrt habe infolge ber Tatsache, baß es jetzt kein so großes Mißverhältnis mehr gäbe, als früher. Für alle Menschen unb Nationen guten Willens fei bies eine große Gelegenheit, eine praktische Begrenzung ber Rüstungen zustanbe zu bringen.
„Morning Po st" hebt zwei wichtige Erklärungen hervor, bie in Hitlers Rebe enthalten seien, nämlich bie Ankünbigung, baß Deutschlands Aufrüstungsprogramm enbgüttig unb unwiber - ruf Hd) sei, unb bie Erklärung, baß Deutschlanb bereit sei, gewisse Waffenarten abzuschaffen bzw. ihre Größe einzuschränken, Angriffe auf bie Zivilbevölkerung für ungesetzlich zu erklären unb ein We11rüsten burch Vereinbarungen zu begrenzen. Diese letzteren Vorschläge seien sicher ein förberlicher Beitrag zur Befriebung unb würben sich wohl als weiterer Prüfung wert erweisen. Es sei auch beruhigenb, zu erfahren, baß Deutschlanb nicht beabsichtige, sich mit Englanb in ein Wettrüsten zur See einzulassen, obwohl es fraglich fei, ob bie 35 v. H. ber für Deutschlanb gefolgerten Flottenstärke angesichts ber auf bie ganze Welt verteilten Verpflichtungen Großbritanniens nicht bereits einen Wettbewerb bebeuteten. Anberfeits zwinge das beutfche Luftprogramm Englanb sofortige Gleichheit mit einer Nation herzustellen, bie vor einigen Monaten amtlich noch kein einziges Flugzeug be
sessen habe. Im übrigen habe bie Rebe Hitlers wenig Neues gebracht.
„Daily Mail" spricht von einer leidenschaftlichen Befürwortung des Friedens, einem Aufruf an die Nationen, auf den diese in gleichem Geiste antworten sollten. Die besorgt erwartete Rede sei der Gelegenheit würdig gewesen und werde vielleicht eine Epoche in der Geschichte bezeichnen. Hitler werde Erleichterung und Hoffnung bringen. Da Deutschland bereit zur Mitarbeit an der Sache des Friedens fei, sollte ihm auf halbem Dege entgegengekommen werden. Bei allen Verhandlungen sollte die britische Regierung ihr Möglichstes tun, um Deutschlands berechtigte Wünsche zu erfüllen.
Das Blatt geht bann zu einer Würbigung ber Persönlichkeit bes Führers über, ber seinen Ruhm Durch Sei ft ungen erworben habe, bie von feinem mobernen Staatsmann ober Führer übertroffen worben feien.
Das Arbeiterblatt „Daily H e r a l b" sagt in einem Leitartikel, bie Antwort Großbritanniens auf bie Rebe Hitlers bürfe keinesfalls in ber bloßen Erklärung bestehen, bas möglichst schleunigst eine ft ä r E e r e Luftflotte gebaut werben müsse. Hitlers Rebe bebürfe sorg
fältiger Prüfung, ihr Ton unb Inhalt unb ihre Hauptgebanken seien klar genug. Keinesfalls könne sie so hingestellt werben, als ob biefe Gedanken nicht indiskutabel seien unb keine Möglichkeit für eine Vereinbarung enthielten.
Hillers Beitrag zum Sicherheitsproblem sei alles andere als unbedeutend. Er fei fraglos eine gute Grundlage, auf der die Verhandlungen wieder aufgenommen werden könnten.
Die schwache Stelle sei, wie erwartet, bie, baß Hitler es unterlassen habe, ber Sowjetunion bie Hanb entgegenzustrecken. Diese ernste Lücke müsse ausgefüllt werben, wenn es wirkliche Befriebung geben solle. In ber Frage ber Äbrü - ftung fei Hitler über bie hoffnungsvollsten Voraussagen hinausgegangen, er habe eine Abrüstungskonvention zitiert, bereu Abschluß als gewaltiger Erfolg ber Abrüstungskonferenz begrüßt werben würbe. Die Rebe enthalte somit in allgemeinen Zügen ein Programm für Verhanblungen, baß, wenn auch nicht alle Punkte mit bem englisch-französischen Kommunique vom Februar übereinstimmten, keineswegs sehr verschieben bavon sei.
Hitler habe Grunbsätze für eine allgemeine Regelung aufgestellt. An ben anberen Mächten, unb be- sonbers an Großbritannien sei es nun, im gleichen Geiste zu antworten.
Das erste Echo aus Paris.
Paris, 22. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die mit Spannung erwartete Reichstagsrebe bes Führers wirb von ber Pariser Morgenpresse in größter Ausmachung roiebergegeben. Die Blätter roibmen ben Ausführungen Abolf Hitlers fast eine ganze Seite, halten aber mit einer eigenen Stellungnahme vorläufig noch zurück. Der Grunb hierfür dürfte in erster Linie barin liegen, baß bie Erklärungen bes Reichskanzlers erst verhältnismäßig spät in Paris bekannt würben unb eine Fühlungnahme mit ben amtlichen französischen Stellen baher nicht mehr möglich war. Die Abwesenheit bes französischen Außenministers scheint hierzu noch besonbers beigetragen zu haben. Im ganzen genommen finben bie Erklärungen bes Führers baher vorläufig noch eine sehr zurückhaltenbe Aufnahme. Wis man bies von ber französischen Presse kaum anbers erwarten burfte, machen eine Reihe von Blättern bem Führer auch heute roieber ben Vorwurf, nur wenig Neues gesagt zu haben, obgleich sie zugeben müssen, baß seine Ausführungen über ben Kommunismus, seine Kritik an ber Haltung Litauens unb schließlich seine aufflärenben Angaben über bie ^MtenpoLitit nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig ließen. Man unterstreicht ferner bie Versicherung bes Reichskanzlers, baß Deutschlanb nichts sehnlicher wünsche, als mit Frankreich einen bauernben Frieben herzustellen.
Der Außenpolitiker bes „E ch o b e Pari s", Pertinax, behauptet, ber Führer versuche, burch Vorschläge in bie Reihe ber bem Frieben ergebenen Völkern Verwirrung zu tragen (!). Die interessantesten Stellen aus ben Ausführungen bes Reichskanzlers beziehen sich nach Ansicht bes Blattes auf bie Flottenpolitik, weil ber Führer bamit bie Zweifel aus ber Welt geschafft habe, bie über bie beabsichtigte Flottenstärke Deutschlanbs bestauben hätten. Das beutsche Problem bleibe jebenfalls auch nach feiner Rebe vollauf bestehen, unb bas hauptsächlichste Verdienst bieses Problems sei bas, baß es bie Unterzeichnung bes französisch-russischen Beistanb- paktes rechtfertige.
Im „Petit Journal" weist ber Berliner Berichterstatter auf bie Kritik bes Führers am Kommunismus hin, stellt aber aleichzeitig fest, baß seine Rebe zahlreiche, vom beutschen Standpunkt aus nützliche Vorschläge enthalte. Befördere Beachtung oerbiene jeboch sein konkreter Vorschlag über bie Abrüstung unb bie feierliche Versicherung bezüglich bes Locarnovertrages unb besonbers ber entmilitarisierten Rheinlanbzone.
Die Versicherung, bah Deutschland nicht daran denke, die territorialen Klauseln des Versailler Vertrages gewaltsam umzuslohen, müsse mit Genugtuung ausgenommen werden. Die dreizehn Punkte des Reichskanzlers könnten jedenfalls zu — allerdings heiklen — Verhandlungen führen.
Der halbamtliche „Petit P a r i f t e n" faßt fein Urteil folgendermaßen zusammen: „Die Rebe enthält eher die erneute Versicherung des beutschen Willens auf Gleichberechtigung, eine Kritik am Versailler Vertrag unb an ber europäischen Politik zur Organisierung des Friedens, gegen bie der Reichskanzler sich besonders heftig zeigt, unb ganz besonbers gegen ben französisch-russischen Pakt, als neue Gedankengänge". Die Rebe, so schreibt bas Blatt weiter, sei aeschickt, verwirrt, wiberspruchs- voll und gebieterisch zugleich. Geschickt, weil sie Aufzeichnungen enthalte, die dem Versuch bienten, die deutsche Aufrüstung als eine gezwungene Folge der Haltung der übrigen Mächte hinzustellen, verwirrt, weil bie einzelnen behandelten Fragen in- einanber übergingen, ohne baß man immer ein klares Binbeglieb feststellen könne, widerspruchsvoll, weil der Führer auf der einen Seite die friedliche Absicht erkläre unb auf der anderen Seite das System regionaler Abkommen kritisiere, bas geeignet sei, diese Absicht zu begünftigen, gebieterisch, weil er ganz besonders gegen ben französisch-russischen Beistanbspakt eine äußerst scharfe Haltung eingenommen habe.
Die kommunistische „H u m a n i t e" ist natürlich wutentbrannt unb erklärt, die Rede des Führers fei eine wahre Kriegserklärung an den Kommunismus unb an Sowjetrußlanb.
Im „Figar o" nimmt Wlabimir b 'Ormes- son zu den Ausführungen des Führers ausführlich Stellung. Er gibt zu, daß diese Ausführungen in ifjrer Gesamtheit günstig aufgenommen würden.
Aus den 13 Punkten ergebe sich der Eindruck dah man nunmehr in einem Zeitabschnitt der Entspannung und Verhandlungen eintreten werde.
Besonders der letzte Teil der Erklärungen beute auf ben Wunsch nach einer Befriedung unb Verstänbi- gung hin. Er fei sehr geschickt abgefaßt unb sehr sinnreich durch das, was er sage, was er durchblicken lasse und was er schließlich nicht sage. Die Wilhelrnstraße habe ungefähr den dreifachen Wunsch gehabt, England ein Höchstmaß an Garantien zu geben, sich nur vorsichtig auf das Gebiet der Pakte vorzuwagen und trotzdem die Tür für Verhandlungen offenzulasfen. Besonders der Hinweis darauf, daß eine Verständigung nur schrittweise vollzogen werden könne, indem man das Ziel nicht aus den Augen verlieren dürfe, zeuge vom besten politischen Teil. Was jedoch die Abrüstungsvorschläge angehe, so müsse man sie mit größter Aufmerksamkeit prüfen, denn hierbei handele es sich um ein Manöver, das darauf hinausgehe, die Abschaffung ber Waffen vorzufchlagen, über bie Deutschlanb augenblicklich gar nicht ober nur in geringem Umfange verfüge.
Der „Populaire" schreibt u. a., bie beruhi- genfte Erklärungen seien wertlos, wenn Deutschland sich nicht einem System ber Organisierung bes Frie- bens anschließe, besten Mittelpunkt in Genf liegen müsse.
Aus aller Well.
Eine ganze Familie burch Gas vergiftet. — Vater, Mutter und zwei Kinder tot aufgefunden. In Düsseldorf wurde die Familie Josten, der Ehemann, die Ehefrau sowie die beiden drei bzw. ein Jahr alten Kinder, durch Gas vergiftet t o t auf- qefunben. Die Milchfrau, bie morgens nach mehrfachem vergeblichen Klopfen an ber Wohnungstur die Wohnung betrat, fanb ben Ehemann Hubert Josten tot auf bem Sofa, baneben auf bem Hoben liegenb ebenfalls tot bas breijährige Töchterchen. In bemfelben Raum würbe auch bie Ehefrau unb bas zweite etwa ein Jahr alte Kinb aufgefunben Die näheren Feststellungen ergaben, baß ber Gashahn geöffnet war. Zweifellos hanbelt es sich um einen bebauerlichen Unglücksfall.
Grohfeuer in Vorpommern.
Arn Donnerstagnachmittag entstaub in Tribsees in einem Stall Feuer, bas burch ben Wind schnell größere Ausdehnung nahm. Insgesamt mürben fünf Stallgebäube unb eln Wohnhaus vollkommen vernichtet. Die Flammen sprangen auch auf d i er w eit er e Wohnhäuser über, bie zum Teil schwer belobigt würben. Eine Frau konnte sich aus einem dieser Häuser nur durch einen Sprung aus bem Feyster retten. Den Feuerwehren gelang es schließlich, den Brand zu löschen, Mitoerbrannt finb
größere Holz- unb Futteryorräte, währenb bas Vieh gerettet werben konnte. Die Beschäbigten finb kleiner Besitzer.
Hinrichtung in Halle.
In Halle a. b. S. würbe ber am 7. Juli 1901 geborene Walter Gorzawski hingerichtet, ber wegen Ermordung ber Tschechin Flora Braun (Halle a. b. S.) vom Schwurgericht Halle zum Tobe verurteilt worben war. Um sich von ber ihm lästig geworbenen Geliebten unb mit ihr von ben zu erroartenben Vaterpflichten zu befreien, hatte er sie unter falschen Vorspiegelungen an eine einsame Stelle gelockt unb ihr kaltblütig hinterrücks durch zwei Steinschläge den Kopf zertrümmert. Der Führer unb Reichskanzler hat von bem Begnabigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil ber mehrfach vorbestrafte Verurteilte burch seine egoistische Grausamkeit eine berart rohe Gesinnung bewiesen hat, baß er sich hierdurch selbst aus ber Volksgemeinschaft ausgeschlossen hat.
Von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.
5509 Schiffbrüchige, bavon 89 im Jahre 1934 unb 20 feit bem 1. Januar b. I. finb von ber Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger seit ihrer Grünbung 1865 ber See entrissen worben. Die' nunmehr verflossenen sieben
Jahrzehnte seit ber Grünbung ber Gesellschaft geben Anlaß zu einer festlichen Tagung bes Gesellschaftsausschusses Anfang Juni in Bremen, bem Sitz bes Vorftanbes ber Gesellschaft. An biefer Veranstaltung werben als Ehrengäste Vertreter ber Reichsregierung, ber Wehrmacht, ber Partei unb ber Staats» beworben teilnehmen
Die Pflegemutter ermordet und sich selbst verbrannt.
Der 24jährige Pflegesohn bes Ehepaars Bahr, aus Tschier (Ostpreußen), ber feit einem Jahr nach einem schweren Unfall kränkelte, hat am Donnerstagmittag in Abwesenheit feines alten Pflegevaters seine Pflegemutter ermorbet. Danach versuchte er sich bie Pulsaber zu burchschneiben, legte sich bann ins Bett unb zünbete es an. als ber Pflegevater nach Hause kam, fanb er bie Wohnung verschlossen. Er brach bie Tür auf und entbecfte bie Leiche feiner Frau unb in bem schwel» lenben Bett ben bereits ebenfalls toten Pflegesohn.
Drei argentinische Petroleumtanks in Flammen.
In ben Petroleumslagern ber Campania de Petroleo in Campagna (Argentinien), wo bereits im August bes vorigen Jahres eine verheerenbe Feuersbrunst wütete, finb brei Petroleumstank aus bisher ungeklärter Ursache in Branb geraten. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik in Erinnerung an bie vorjährige Katastrophe; sie verließ fluchtartig ihre Wohnungen. Nach ben letzten Meldungen brennen bie Tanks lichterloh, bas Feuer ist jeboch auf den Brandherd beschränkt.


