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Der wirtschaftliche Wahnsinn desVersaillerDiklats

1. Die Nation hat einen Ueberfluß an Ar­beitskraft.

2. Sie besitzt ein großes Bedürfnis zum Ersatz der ihrem gewohnten hohen Lebens­standard entsprechenden, durch den Krieg, die Inflation und die Wiedergutmachung aber ent­zogenen Lebensgüter.

3. Sie leidet an einem im eigenen Lebensraum begründeten Mangel von Nahrungs­mitteln und Rohstoffen.

4. Der zur Behebung von all dem notwendige internationale Absatzmarkt ist zu klein und wird außerdem praktisch durch zahlreiche Maßnahmen und eine gewisse' zwangsläufige Entwicklung immer weiter eingeengt.

Es stellt ein schlechtes Zeugnis für das wirtschaft­liche Verständnis unserer damaligen politischen Geg­ner aus, daß sie die Unmöglichkeit der wei­teren Erfüllung unbegrenzter, ja manchesmal ge­radezu unverständlicher Forderungen erst dann ein­zusehen begannen, als durch dieses ihr Verhalten nicht nur die deutsche Nationalwirt­schaft re st los zugrunde gerichtet war, sondern auch die Wirtschaft der anderen Länder dem nachzufolgen beaann.

Dos Ergebnis dieses Wahnsinns aber war in Deutschland eine stillgelegte Industrie, eine vernich­tete Landwirtschaft, ein ruinierter Mittelstand, ein verödeter Handel, eine überschuldete Gesamtwirt-

schast, durch und durch zerrüttete öffentliche Finan­zen, 6,5 Millionen registrierte, in Wirklichkeit aber mehr als 7,5 Millionen tatsächliche Erwerbslose.

Wollte man allein dieser wirtschaftlichen Kata-; strophe entgegentreten, dann waren schon hierzu sehr harte Entschlüsse notwendig. Die deutsche Nation konnte einst auf einem begrenzten Lebensraum ihren Menschenreichtum anhäufen, dank der ausreichenden Lebensbedingungen, die sich aus ihrer Teilnahme an der internationalen Weltwirtschaft ergaben. So­lange diese Voraussetzung bestand, waren die 67 Millionen Menschen auf dem engen deutschen Le­bensraum nicht nur in ihren inneren eigenen Le­bensansprüchen gesichert, sondern auch ein nütz­licher Wirtschaftsfaktor für die an­dere Welt. Der Verlauf des Krieges und beson­ders die Folgen der Nachkriegspolitik werden der­einst als eine klassische, wenn auch furchtbare Wider­legung gelten können jener naiven Meinung die aber leider vor dem Kriege das Denken mancher Staatsmänner beherrschte, daß der wirtschaft­liche Vorteil eines europäischen Staates am b e st e n gefördert würde durch die wirtschaftliche Ver­nichtung eines anderen. (Sehr richtig?) Die wirtschaftliche Friedensbelastung der deutschen Na­tion auf der einen Seite, sowie ihre welt- und bin­nenwirtschaftliche Benachteiligung auf der anderen, zwingen aber jede Staatsführung, sie mag nun wollen oder nicht, den gegebenen Verhält­nissen Rechnung zu tragen.

Die Unvernunft einer wirtschaftspolitischen Autarkie.

wir alle sind der lleberzeugung, daß die rest­lose Durchführung des Gedankens der wirt­schaftlichen Autarkie aller Staaten, wie sie sich heute anzubahnen droht, von einer höheren warte aus gesehen unklug und in ihrem Er­gebnis für alle Völker nur schädlich sein kann. Cs ist wirtschaftlich gesehen wenig ver­nünftig, aus natürlich gegebenen Agrar- und Rohsioffgebieten künstlich 3 n b u - sirieländer zu machen und umgekehrt die menschenüberfüllten Industrie st aaten zu einer primitiven Rohstoff- oder gar Roh- stoffersaherzeugung zu zwingen. Für Europa wird diese Entwicklung dereinst von sehr unerfreulichen und bösen Folgen sein. Allein eine Aenderung dieser von einem höhe­ren wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus unver­nünftigen Tendenz liegt leider nicht im Vermögen Deutschlands. In eben dem wahe, in dem der fehlende internationale Ab­satz uns zur Einschränkung im Einkauf ver­pflichtet, wird, um die deutsche Arbeitskraft nicht brach liegen zu lassen, versucht werden müssen, die fehlenden Rohstoffe entweder durch komplizierte Verfahren selbst zu gewinnen oder, wenn dies nicht möglich ist, sie zu ersehen.

Diese Aufgabe kann aber nur durch eine plan­mäßig geleitete Wirtschaft gelöst wer­den. Ein gefährliches Unternehmen, weil jeder Planwirtschaft nur zu leicht die V e r Bürokratisierung und damit die E r st i k » kung der ewig schöpferischen privaten Einzelinitiative folgt. Wir können aber im Interesse unseres Volkes nicht wünschen, daß durch eine sich dem Kommunismus nähernde Wirtschaft und der dadurch bedingten Einschläferung der Pro­duktionsenergie die mögliche Ge s a m t l e i st u n g unserer vorhandenen Arbeitskraft sich vermindert und somit der allgemeine Lebensstandard statt eine

Verbesserung, erst recht eine Verschlechterung er­fährt. Diese Gefahr wird noch erhöht durch die Tatsache, daß jede Planwirtschaft nur zu leicht die harten Gesetze der wirtschaftlichen Auslese der Besseren und der Vernichtung der Schwächeren aufhebt oder zumindest einschränkt zugunsten einer Garantierung der Erhaltung auch des m i n - d erwertiyste n Durchschnitts a u f Ko­sten der höheren Fähigkeit, des hohen Fleißes und Wertes und damit zu L a st e n des allgemeinen Nutzens. Wenn wir also trotz solcher Erkenntnis diesen Weg beschritten haben, dann geschah es unter dem härtesten Zwang der Notwendigkeit. Was in den zweieinhalb Jahren auf den Gebieten einer plan­mäßigen Arbeitsbeschaffung, einer planmäßigen Marktregulierung, einer planmäßigen Preis- und Lohngestaltung erreicht wurde, hat man noch wenige Jahre vorher für gänzlich unmöglich gehalten. Allein es gelang nur dadurch, daß wir hinter diese scheinbar so trockenen wirtschaftlichen Maßnahmen die lebendige Energie der ganzen Nation stellten. Eine Unzahl sachlicher und psy­chologischer Voraussetzungen mußte zu dem Zwecke aber erst geschaffen werden. Um das Funktionieren der nationalen Wirtschaft sicherzustellen, war es notwendig, zunächst eine unbedingte Ruhe in die ewige Bewegung der Lohn - und Preisbildung zu bringen. Es war weiter er­forderlich, allen nicht aus einem höheren national­wirtschaftlichen Interesse kommenden Eingriffen die treibenden Voraussetzungen zu entziehen, d. h. die von der Lohn- und Preispolitik lebenden Klassen- Organisationen beider Lager aufzuheben. Die Zer- schlaguna der Kampfgewerk s ch a s t e n sowohl der Arbeitgeber wie auch der Arbeitnehmer erforderte die analoge Beseitigung der von diesen Jnteressentengruppen ausgehaltenen und sie dafür stützenden politischen Parteien. Dies wieder zwang zur Einführung einer neuen konstruktiven und lebendigen Ver­fassung und zu einem neuen inneren Reichs- und Staatsaufbau.

Die Gefahren der planwirischast

Nur die lebendige Energie der Nation vermag die Schäden zu mildern.

Sollte das alles aber mehr fein als rein äußer­liche OrganifaNonsänderungen, bann muhte das Volk selbst zu einem neuen gesell­schaftlichen Denken unb Leben erzogen werben. Lauter Aufgaben, von benen jebe für sich ein Iahrhunbert zu erfüllen vermag unb über bie schon Völker unb Staaten zerbrochen sind. Denn man aber ein solches Programm, bas entweber im Großen gelingt ober sonst von vornherein in allen Einzelheiten mißlingen muß, zur Verwirklichung bringen will, bann hängt bas Gelingen von zwei Voraussetzungen ab: Vom Ausmaß bet vorhanbenen Ruhe unb von ber Dauer ber jur Verfügung stehenben

Zelt. (Lebhafter Beifall.)

Wir Deutsche können nur beklagen, daß die üb­rige Welt sich'noch immer so wenig Mühe nimmt, eine objektive Prüfung dessen, was in Deutschland in den letzten zweieinhalb Jahren ge­schehen ist vorzunehmen und daß sie nicht das We­sen einer Weltanschauung studiert, der diese Lei­stungen ausschließlich zuzuschreiben sind.

Denn die Zielsetzung sowohl als die Durchführung der Aufgaben, die dem heutigen Deutschland seinen eigenartigen Stempel aufprägen, sind ausschließ­lich aus dem national soziali st ischen Gedankengut gekommen, sind der National­sozialistischen Partei, ihrer Organisation und der ihr zu eigenen und entströmenden Tatkraft zuzuschrei­ben. In Deutschland hat sich in den letzten zwei Jahren eine Revolution vollzogen, die größer ist, als dies dem Durchschnitt der Menschheit zur Zeit zum Bewußtsein kommt. Der Umfang und die Tiefe dieser Revolution haben nicht gelitten durch die Schonung, ipit der sie ihre einstigen Gegner behandelte. Denn diese Schonung ent­sprang durchaus nicht einem Gefühl ber Schwäche, als vielmehr der Ueberzeugung einer turm­hohen Ueberlegenheit, sowie einer selbst­sicheren, durch nichts zu erschütternden Siegeszu­versicht. Dieses neue Deutschland kann daher nicht in Vergleich gebracht werden mit dem Deutschland der Vergangenheit. Seine Ideen sind ebenso neu wie seine Handlungen. Der Geist des bürgerlichen Hurra-Patriotismus ist als politisch bestimmender Faktor genau so überwunden wie die Tendenzen des marxistischen Internationalismus.

Wenn das heutige Deutschland für den Frieden Eintritt, dann tritt es für ihn ein weder aus

Schwache noch aus Feigheit. Es tritt für den Frieden ein aus einer anderen Vorstel­lung, die der Rationalsozialismus von Volk und Staat besitzt. Denn dieser sieht in der machtmäßig erzwungenen Einschmelzung eines Volkes in ein anderes, wesensfremdes nicht nur kein erstrebenswertes politisches Ziel, sondern als Ergebnis eine Gefährdung der inne­ren Einheit und damit der Stärke eines Volkes auf lange Zeit gerechnet. Seine Lehre lehnt daher den Gedanken einer nationalen Assi­milation dogmatisch ab. Damit ist auch der bür­gerliche Glaube einer möglichen(Bermanifa- tion widerlegt. Es ist daher weder unser Wunsch noch unsere Absicht, fremden volks­teilen das Volkstum, die Sprache oder die Kul­tur wegzunehmen, um ihnen dafür eine fremde deutsche aufzuzwingen. Wir geben keine Anwei­sung für die Verdeutschung nichtdeutscher Hamen aus, im Gegenteil, wir wünschen dies nicht. (Lebhafter Beifall.) Unsere völkische Lehre sieht daher in jedem Kriege zur Unterjochung und Beherrschung eines fremden Volkes einen Vorgang, der früher oder später den Sieger innerlich verändert und schwächt und damit in der Folge zum Be­siegten macht.

Wir glauben aber auch gar nicht daran, daß in Europa die durch und durch national erhärteten Völker im Zeitalter des Nationalitätenprinzips überhaupt noch national enteignet werden können! Die letzten 150 Jahre bieten hier belehrende und warnende Beispiele mehr als genug. Die europäischen Nationalstaaten werden bei deinem kommenden Kriege abgesehen von vor­übergehenden Schwächungen ihrer Gegner mehr erreichen können als geringfügige und im Verhältnis zu den dargebrachten Opfern gar nicht ins Gewicht fallende volkliche Grenzkorrekturen. Der permanente K r i e g s z u st a n d, der aber durch solche Absichten zwischen den einzelnen Völ­kern aufgerichtet wird, mag verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Interessenten vielleicht als nütz­lich erscheinen, für die Völker bringt er nur Lasten und Unglück. Das Blut, das auf dem europäischen Kontinent seit 300 Jahren vergasten wurde, steht außer jedem Verhältnis zu dem volk- lichen Resultat der Ereigniste. Frankreich ist am

Ende Frankreich geblieben, Deutschland Deutsch­land, Polen Polen, Italien Italien. Was dynasti­scher Egoismus, politische Leidenschaft und patrio­tische Verblendung an scheinbaren tiefgreifen­den staatspolitischen Veränderungen unter Strömen von Blut erreicht haben, hat in nationaler Bezie­hung stets nur bie Oberfläche der Völker geritzt, ihre grundsätzliche Markierung aber wesentlich kaum mehr verschoben. Hätten diese Staa­ten nur einen Bruchteil ihrer Opfer für klügere Zwecke angesetzt, so wäre der Erfolg sicher größer unb dauerhafter gewesen.

Wenn ich als Nationalsozialist in allem Freimut diese Auffassung vertrete, dann bewegt mich dabei noch folgende Erkenntnis: Jeder Krieg verzehrt

zunächst d i e A u s l e s e d e r B e st e n. Da es in Europa aber einen leeren Raum nicht mehr gibt, wird jeder Sieg ohne an der grundsätzlichen europäischen Not etwas zu ändern höchstens eine ziffernmäßige Vermehrung der Einwohner eines Staates mit sich bringen können. Wenn aber den Völkern daran soviel liegt, dann können sie dies, statt mit Tränen, auf eine einfachere und vor allem natürlichere Weise erreichen. Eine ge­sunde Sozialpolitik kann bei einer Stei­gerung der Geburtenfreudigkeit einer Nation i n wenigen Jahren mehr Kinder des eigenen Volkes schenken, als durch einen Krieg an fremden Menschen erobert und damit unterworfen werden könnten.

Wem nur die Mm den Frieden wollen, die Völker haben noch nie den Krieg gewünscht.

Heini Das nationalsozialistische Deutschland will den Frieden aus tiefinner st en weltanschaulichen Ueberzeugun- g e n. Es will ihn weiter aus ber einfachen primitiven Erkenntnis, daß kein Krieg geeignet fein. Keine der gestellten Aufgaben ideeller päifchen Hot zu beheben, wohl aber diese zu vermehren. Das heutige Deutschland lebt in einer gewaltigen Arbeit der Wie- dergutmachnng seiner inneren Schäden. Keines unserer Projekte sachlicher Hatur wird vor 10 bis 20 Jahren vollendet sein. Keine der gestellten Angaben ideeller Art kann vor 50 Jabren oder vielleicht auch 100 Jahren ihre Erfüllung finden. Ich habe einst die nationalfozialistische Revolution durch die Schaffung ber Bewegung begonnen unb feitbem als Aktion geführt. Ich weiß, wir alle werben nur ben allerer ft en Beginn biefer großen nmwälzenben Entwicklung er­leben. Was könnte ich anbers wünschen als

Ruhe unb Frieben. Denn man aber sagt, bah bies nur ber Wunsch ber Führung sei, so kann ich barauf folgenbe Antwort geben: Denn nur die Führer und Regierenden den Frieden wollen, bie v Ülker selbst haben sich noch nie ben Krieg gewünscht. (Lang­anhaltender stürmischer Beifall.)

Deutschland braucht den Frieden und es wllk den Frieden. Wenn ich nun aus dem Munde eines englischen Staatsmannes höre, daß solche Versiche­rungen nichts sind und nur in der Unter­schrift unter kollektive Verträge die Gewähr der Aufrichtigkeit liegt, so bitte ich Mi­nister Eden bedenken zu wollen, daß es sich i n jedem Fall um eineVersicherung" handelt. Es ist manches Mal viel leichter, einen Namen unter Verträge zu setzen mit dem inneren Vorbe­halt einer letzten Nachprüfung feiner Haltung in der entscheidenden Stunde, als angesichts einer ganzen Nation in voller Oefsentlichkeit sich zu einer Politik zu bekennen, die dem Frieden dient, weil sie die Voraus­setzungen für den Krieg ablehnt.

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Ich hätte die Unterschrift unter 10 Verträge setzen können, so würde das Gewicht dieser Hand­lungen nicht gleichbedeutend fein mit der Erklä­rung, die ich anläßlich der Saarabstim- rnung Frankreich gegeben habe. Wenn ich als Führer und Beauftragter der deutschen Na­tion vor der Welt und meinem Volke die Versiche­rung abgebe, daß es mit der Lösung der Saar­frage an Frankreich keine territorialen Forderungen mehr stellen wird, so ist dies ein Beitrag zum Frieden, der größer ist als manche Unterschrift unter manchem Pakt. Ich glaube, daß mit dieser feierlichen Erklärung eigentlich e i n lange dauernder Streit zwischen bei­den Nationen abgeschlossen fein müßte. Wir gaben sie ab in der Empfindung, daß dieser Konflikt und die mit ihm verbundenen Opfer für beide Nationen in keinem Verhältnis stehen zu dem Objekt, das, ohne jemals selbst gefragt zu werden, immer wieder die Ursache von soviel allgemeinem Leid und Unglück gewesen ist und sein würde. Wenn aber eine solche Erklärung nur die Würdi­gung findet, zurKenntnis" genommen zu werden, dann bleibt natürlich auch uns nichts anderes übrig, als diese Antwort ebenfalls zurKenntnis" zu nehmen.

Ich muß aber an dieser Slelle Protest einlegen gegen jeden Versuch, den Werl von Erklärungen je nach Bedarf verfchieden zu laxieren. Wenn die deutsche Reichsregierung versichert namens des deutschen Volkes, nichts anderes als ben Frieben zu wünschen, bann ist blefe Erklärung entweber genau so viel wert als ihre Unterschrift unter irgenbeine befonbete Paktformulierung, ober biefe könnte fonff nicht mehr wert fein als bie erste feier­liche Erklärung. (Lebhafte Zustimmung!)

Prüfung der Vernunft nur schwer standhalten könnten. Seit einiger Zeit lebt die Welt z. B. in einer förmlichen Manie von kollektiver Zu­sammenarbeit, kollektiver Sicherheit, kollek­tiven Verpflichtungen usw., die alle auf den ersten Blick konkreten Inhalts zu sein scheinen, bei näherem Hinsehen « aber zumindest vielfachen Deutungen Spielraum geben. Was heißt kollektive Zufammen- arbeit? Wer stellt fest, was kollektive Zusammen­arbeit ist und was nicht? Ist nicht der Beariff kollektive Zusammenarbeit" seit 17 Jahren in öer verschiedensten Weise interpretiert worden?

Ich glaube, ich spreche es richtig aus, wenn ich sage, daß neben vielen anderen Rechten sich die Sieger st aaten des Versailler Ver­trages auch das Recht vorweggenommen haben, unwidersprochen zu definieren, waskollektive Zu­sammenarbeit" ist und waskollektive Zusammen­arbeit" nicht ist. (Sehr richtig!)

Wenn ich mir an dieser Stelle erlaube, eine Kritik an diesem Verfahren zu üben, dann geschieht es, weil dadurch am ehesten die innere Not­wendigkeit der letzten Entschlüsse der Reichs­regierung klargelegt und das Verständnis für unsere wirklichen Absichten ge­weckt werden kann.

Der heutige Gedanke der kollektiven Zusammen­arbeit der Nationen ist ursächliches und wesentliches geistiges Eigentum des amerikanischen Präsidenten Wilson. Die Politik der Vorkriegszeit wurde mehr bestimmt von der Idee der Bündnisse

Es ist eigentümlich, daß im geschichtlichen Leben ber Völker manchesmal förmliche Begriffs - Inflationen vorkommen, die einer genauen

von durch gemeinsame Interessen zusammengeführten Nationen. Mit Recht oder Unrecht machte man diese Politik einst verantwortlich für den Aus­bruch des Weltkrieges. Seine Beendigung wurde mindestens soweit es Deutschland betrifft beschleunigt durch die Doktrin der 14 Punkte Wilsons und der drei sie später noch ergänzenden. In ihnen war im wesentlichen zur Verhütung ber Wiederkehr einer ähnlichen Menschheitskatastrophe folgender Gedankengang niedergelegt:

Versailles war das Todesurteil für kollektive Zusammenarbeit.

Der Friede fi.il nicht sein ein Friede einseitigen Rechtes, sondern ein Friede allgemeiner Gleichheit und damit des allgemeinen Rechtes. Es soll sein ein Friede der Versöhnung, der Abrüstung aller und dadurch der Sicherheit aller. Daraus resultierte als Krönung die Idee einer internationalen kollektiven Zusammenarbeit aller Staaten und Nationen im Völkerbunde.

Ich muß an diesem Platz noch einmal versichern, bah es kein Volk gab, bas gegen Enbe bes Krieges biefe Ibeen begierlicher aufgegriffen hal als bas beulfche. Seine Leiben unb Opfer waren weitaus am größten von allen ber am Kriege teilnehmenben Staaten. 3m Ver­trauen auf biefe Versprechen legten bie beutschen Solbafen bie Waffen niebcr. Als im 3ahre 1919 ber Triebe von Versailles bem beutschen Volke biftiert würbe, war ber kollek­tiven Zusamenarbeit bet Völker bamit zunächst

bas Todesurteil gesprochen worden. Denn an Stelle ber Gleichheit aller trat bie Klassifikation in Sieger unb Besiegte. An Stelle bes gleichen Rechts bie Untetscheibung in Be­rechtigte unb Rechtlose. An bie Stelle ber Ver­söhnung alter bie Bestrafung ber Unterlegenen. An bie Stelle ber internationalen Abrüstung bie Abrüstung ber Besiegten. An bie Stelle ber Sicherheit aller trat bie Sicherheit der Sieger.

Dennoch mürbe noch im Friedensdiktat von Ver­sailles ausdrücklich festgestellt, daß die Abrüstung Deutschlands nur vorausgehen solle zur Er­möglichung der Abrüstung der ande­ren. Und nun ist an diesem einen Beispiel fest­zustellen, wie sehr die Idee der kollektiven Zusam­menarbeit gerade von denen verletzt wurde, die heute ihre laute st en Fürsprecher sind.

Deutschland hat abgerüstet!

Deutschland hatte die im Friedensvertrag aufer­legten Bedingungen mit einem förmlichen Fanatismus erfüllt. Finanziell bis zur vollständigen Zerrüttung feiner Finanzen, wirt­schaftlich bis zur totalen Vernichtung seiner Wirtschaft, militärisch bis zur vollkommenen Wehrlosigkeit. Ich wiederhole hier in großen Zügen noch einmal die von niemand zu bestteitenden Tat­sachen der deutschen Erfüllung der Verträge.

Es wurden zerstört im Heer: 1. 59 000 Ge­schütze und Rohre, 2. 130 000 Maschinengewehre, 3. 31 000 Minenwerfer und Rohre, 4. 6 007 000 Ge­wehre unb Karabiner, 5. 243 000 MG.-Läufe, 6. 28 000 Lafetten, 7. 4390 MW.-Lafetten, 8. 38750000

Geschosse, 9. 16 550 000 Hand- unb Gewehrgranaten, 10. 60 400 000 scharfe Zünder, 11. 491 000 000 Handwaffenmunition, 12. 335 000 Tonnen Ge- schoßhülsen, 13. 43 515 Tonnen Kartusch- unb Patronenhülsen, 14. 37 600 Tonnen Pulver, 15. 79 000 Munitionsleeren, 16. 212 000 Fernsprecher, 17. 1072 Flammenwerfer usw. usw. Es wurden weiter zerstört: Schlitten, fahrbare Werkstätten, Flakgeschützwagen, Protzen, Stahlhelme, Gasmas­ken, Maschinen der ehemaligen Kriegsindustrie, Ge­wehrläufe. Es wurden weiter zerstört in bet Luft: 1. 15714 Jagd- und Bombenflugzeuge, 2. 27 757 Flugzeugmotore. Und zur See wurden zerstört: 26 Grohkampsschiffe, 4 Küstenpanzer,

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