Oer Kampf gegen den Krebs.
Vortrag von Professor Dr. von Zaschke. — Aufführung eines Zweckdramas
ständige Gesundheitskontrolle mit sich bringen. Man blicke in dieser Hinsicht durchaus hoffnungsvoll in die Zukunft, und er (Redner) glaube, daß wir auch diesen Kampf um die Erhaltung unseres Volkes gewinnen würden. Der Entwurf für ein Gesetz zur Krebsbekämpfung fei bereits in Vorbereitung. Durch dieses Gesetz würden sich die Verhältnisse grundlegend ändern. Die Aerzteschaft werde dann auch in umfangreicherem Maße als bisher für die Krebsbekämpfung geschult. In Zukunft würde es dann so fein, daß nur noch jene Volksgenossen der Krankheit zum Opfer fallen, die an ganz besonders heimtückischen Formen des Krebses leiden. Die Ausführung des Abends solle zeigen, wie tragisch sich das „Zu-spät-kommen" auswirken könne.
Nach diesem Vortrag kam in ausgezeichneter Darstellung das pädagogisch-hygienische Zweckdrama „Zu spät" (von Müller-Manger und Schwank-Telfan) zur Aufführung, das in geschickter Form, in aufschlußreichen Zwiegesprächen und in folgerichtig gesteigerter Handlung die Auswirkungen erkennen lieh, die ein vernachlässigtes und verheimlichtes Krebsleiden nach sich ziehen muß. Das Drama wurde von den zahlreichen Besuchern der Veranstaltung mit großem Interesse verfolgt.
Im Saale des Caf6 Leib fand gestern abend eine Veranstaltung statt, die in eindrucksvoller Form Aufklärung über die gefährliche Volkskrankheit, den Krebs, schuf. Die Veranstaltung war, ins- besondere von Frauen, außerordentlich gut besucht.
Den Auftakt des Abends bildete ein Vortrag, den der Direktor der Universitäts-Frauenklinik
Professor Or. von Zaschke
über das Thema „Der Krebs und seine Bekämpfung" hielt. Das Ausmaß der Gefahr sei, so führte der Redner u. a. aus, abhängig von dem Willen zum Kampf gegen die Gefahr. Nach dem Jahre 1918, da Deutschland am Boden lag unb weite Volkskreise von großer Hoffnungslosigkeit erfüllt gewesen seien, habe man geglaubt, alles treiben lassen zu müssen. Heute sei die Haltung des ganzen deutschen Volkes eine völlig andere. Deutschland habe den unerschütterlichen Willen, sich einer ganzen Welt gegenüber zu behaupten. Und dieser Wille übertrage sich auch auf den Kampf gegen den Krebs.
Lange fei der Glaube der gewesen, man könne gegen den Krebs nichts tun. Krebs fei eine Neubildung am Körper des Menschen. Jedes Organ unseres Körpers könne davon befallen werden. Jedes Organ unseres Körpers könne auch Sitz eines Gewächses, einer Neubildung sein, deren Mehrzahl aber durchaus harmlos sei. Man unterscheide hierbei grundsätzlich zwei Formen von Neubildungen: die gutartige, die auf den Platz beschränkt bleibe, und die bösartige (Krebs), die die Neigung habe, sich weiter auszubreiten. Die bösartige Neubildung halte sich nicht an die Grenzen des zuerst befallenen Organs, Krebszellen könnten vielmehr durch die Blutbahn über den ganzen Körper weitergetragen werden. -Wenn dieser Fall bereits eingetreten sei, könne auch der Erfolg einer Operation illusorisch gemacht werden. Die Möglichkeit einer Verschleppung von Krebszellen durch die Blutbahn mache die Bösartigkeit des Krebses aus. Solange der Krebs auf das ursprünglich befallene Organ beschränkt und als solcher erkannt sei, sei eine Heilung ohne Gefahr für Gesundheit und Leben durchaus möglich. Leider seien bis jetzt nicht mehr als ein Viertel bis ein Fünftel aller Krebskranken zu heilen, denn kaum mehr als dieser Teil der Krebskranken komme rechtzeitig zum Arzt. Viele erkrankte Frauen könnten deshalb nicht geheilt werden, weil sie viel zu spät kommen. Für die Krebsbekämpfung fei es notwendig und wichtig, daß sich jeder Mensch selbst beobachte und schon auf die
ersten verdächtigen Anzeichen hin zum Arzt gehe. Neubildungen an der Haut eien nicht zu übersehen, lieber Gut- oder Bösartigkeit dieser Neubildung könne nur der Arzt entsche den. Neubildungen, die an der Lippe oder an der Zunge entstehen, sollten unter allen Umständen als Aufforderung, zum Arzt zu gehen, aufgefaßt werden. Schwieriger fei es, den Magenkrebs zu erkennen. Aber auch hier werde man bei einiger Selbstbeobachtung Veranlassung finden, zum Arzt zu gehen. Eine unmotivierte Uedelkeit, die viele Ursachen haben und durchaus harmlos sein könne, fei vielleicht auch das Zeichen einer Krebserkrankung. Die Entscheidung darüber könne erst der Arzt nach genauer Prüfung treffen. Der Darmkrebs könne ebenfalls leicht erkannt werden an Blutbeimengungen im Stuhlgang. Die Blutbeimengung im Stuhlgang müsse aber auch nicht unbedingt Krebs bedeuten, sondern könne ebenfalls harmlose Ursachen haben. Auch hier vermöge erst der Arzt nach genauer Untersuchung zu entscheiden, ob Krebs vorliege oder nicht.
In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner mit typischen Erscheinungsformen des Krebses bei Frauen und erläuterte im einzelnen die Möglichkeiten einer frühen Erkennung der Krebserkrankung. Einen bedeutenden Schritt vorwärts in der Krebsbekämpfung werde.erst eine
Gynt". — Astoria-Lichtspiels, Seltersweg: „Die Sporckschen Jäger".
— Stadttheater Gießen. Heute abend Wiederholung der Schauspiel-Neueinstudierung, der dramatischen'Dichtung „Der Traum ein Leben" von Grillparzer. Spielleitung hat Karl Löser; die Rolle des Zanga spielt in der heutigen Vorstellung Peter Schorn.
Versammlung der Oberhessischen Evangelischen Irauenhissen.
Im Saale des Cafä Leib waren am gestrigen Donnerstag nachmittag die oberhessischen Frauen- Hilfen sehr zahlreich versammelt. Nach drei Versen des Liedes „Mir nach, spricht Christus unser Held" begrüßte die Vorsitzende Frau Heraeus, Offenbach a. M., die Versammlung und berichtete über den Stand der Verbandsarbeit. Das Erholungsheim Hirschgarten, das gemietet war, ging in den Besitz der Landesversicherungsanstalt über, die es der NS.-Volkswohlfahrt zur Verfügung stellte. Dafür soll Nieder-Namstadt ausgebaut werden. Die Frauenhilfe sollen unverzinsliche Anteilscheine zeichnen.
Fräulein Dr. N o p i t s ch , Nürnberg, sprach dann über den kirchlichen Mutterdienst. Er geht auf Luther zurück, der der Frau und Mutter wieder ihr Recht gegeben hat. In Bayern hat der Evangelische Mutterdienst 1000 Mütter aus eigenen Mitteln in Erholung geschickt. Das Hilfswerk „Mutter und Kind" hat diesen evangelisch-kirchlichen Dienst nicht überflüssig gemacht. Für diese ergänzende Hilfe ist der Staat der Kirche dankbar. In Bayern besteht der Evangelische Mütterdienst seit zwei Jahren. Mit 2,80 Mark fing man an und erfuhr in wunderbarer Weise Gottes Hilfe. Mitglieder der Frauenhilfe nahmen die Kinder der in Erholung geschickten Mütter auf, und die daheimgebliebenen Männer lernten die Arbeit der Mutter und Hausfrau achten. In der Zeit der Erholung lernt die Mutter wieder Gott vertrauen und wird in kurzer Zeit ein anderer Mensch. Der HerzenshunAer. der Mytter wird so gestillt. Gemeindemütterfreizeiten haben sich gut bewährt, z. B. in Nürnberg und München. Da wird Gemeinde erlebt. In Hamburg beschreitet man mit Müttergruppen neue Wege zur Bekämpfung der Unkirchlichkeit. Da häufen sich die nachgeholten Taufen und Trauungen. In Notzeiten zeigt es sich, ob die Mutter dem Kind das Beste mitgegeben hat. Hier haben die Mütterabende ihre besonderen Aufgaben. Ungeliebt in die Welt gekommene Menschen haben es besonders schwer. Die Mutter muß sich an jedem Tag eine Viertelstunde für ihr Kind erobern; ebenso einen andern Tag für ihren Mann, einen für das Jnsichhineinhorchen, zumal in der Passionszeit. In Nürnberg wurden 30 Kurse für Konfirmandenmütter gehalten. „Mit der Mutter durch den ganzen Tag" hilft auch durch die Zeiten der Backfisch- und Flegelzeit. Baldur von Schirachs Freigabe des Sonntags ist eine Frage an die deutsche Mutter. Ernst und Fröhlichkeit gehen zusammen im Familienleben, in dem die Frau die erste Stelle ist.
Nach dem mit lebhaftem Beifall und herzlichem Dank aufgenommenen Vortrag schloß die Versammlung mit zwei Versen des Liedes „Ich singe dir mit Herz und Mund".
Man begab sich dann in die Stadtkirche, wo Pfarrer Becker das Jefuswort gegen die Sorge aus der Bergpredigt (Matth. 6) verlas.
Mit Vaterunser, dem Lied „Erhalt uns Herr bei deinem Wort" und dem Segen schloß die Tagung. Sonnenschein in versiegelten Paketen.
Von der Bezirks-Eierverwertungs-Genossenfchaft Gießen wird uns geschrieben:
Das Ei enthält bekanntlich alle Nahrungsstoffe, die der Körper zum Aufbau von Knochen, Haaren, Nerven, Gehirn, Blut und Fleisch braucht: wie könnte sonst nach drei Wochen Bebrütung das quicklebendige Küken daraus entstehen? Es ist auch das einzige Nahrungsmittel, das, von noch keiner Menschenhand berührt, unter „Originalverschluß"
Oie Zfflandstöchter und ihre Freier.
Vornan von J. Schneider Hoerstl
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 11 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Und nun hatte er einen Katzenjammer, der so fürchterlich war, wie noch nie in seinem Leben. Der Kopf tobte. Der Magen rebellierte. Die Zunge lag trocken und brennend am Gaumen. Die Hände zitterten. Und wenn er die Füße aufstellte, stach es darin wie tausend Nadeln.
Ein verdammter Zustand war das! Dabei hämmerte sein Gewissen immerzu: Verlobt! — Verlobt! — Verlobt.!
Was wußte er eigentlich von dieser schwarzhaarigen Ellen Panys? — Nichts, als daß sie ein forsches Mädel war, und einen aroßen, frechen Mund hatte. Jawohl, groß und frechl Das vermochten auch die schönen weißen Zähne hinter den geschminkten Lippen nicht völlig wettzumachen.
Man hatte ihm gratuliert, und er, in halber Be- trunkenheit, nahm alles mit einem Lachen entgegen: Verlobung und Glückwünsche.--£>h. Maraot!
Margot! Margot!
James preßte die Schläfen mit den Fäusten zusammen und warf plötzlich den Kopf in die zerwühlten Kissen. Was tat man denn, wenn man sich in halber Bewußtlosigkeit verlobt hatte? Zu Cllen Panys gehen und sagen: „Es war nur ein öa)er3! Ich Hobe das Ganze nur als Spielerei betrachtet. Sie sind wieder frei, wie auch ich wieder ungebunden zu sein wünsche."
Das gab einen Skandal, wie er noch keinen erlebt hatte, und seine Verbindung mit Amerika war ein für allemal erledigt.
Es konnte keinen größeren Schimpf geben für eine Frau, die liebte, als den, daß man sie an den Pranger stellte. Und das tat er, wenn er sein Wort nicht hielt. Denn sie selbst würde es nie und nimmer zurückgeben.
Oh, Margot! Margot! Margot! Er glaubte ihre leichte Gestalt wieder im Arm zu halten, fühlte ihre Hände wieder über sein Gesicht streicheln. Dann vermeinte er, ihr leises Weinen zu vernehmen, das ihn damals so erschüttert hatte, und wie sie sagte: „Weil ich dich so maßlos liebe!"
Im kleinen Salon nebenan klingelte das Tele- phon. Und wenn's ein König wäre! dachte James. Selbst wenn es Ellen Panys sein sollte! Ich will jetzt in Ruhe gelassen werden.
„Herr Pick!" mahnte die Stimme des Etagenkellners, der lautlos eingetreten war und den gebürsteten Smoking über eine Stuhllehne legte. „Das Telephon!"
bis auf den Tisch kommt. Die Hausfrau hat in letzter Zeit nicht nur mit Befriedigung festgestellt, daß die Eier billiger geworden sind, sie hat auch gesehen, daß sie in den letzten Monaten von Woche zu Woche immer besser wurden. Die Stempel mit dem Gewichtsbuchstaben sind deutlich erkennbar, das Gewicht ist unbedingt zuverlässig, und vor allem hat sich die Güte von Woche zu Woche gehoben. Durch die Kontrolltätigkeit des Reichsnährstandes wurde das erreicht.
Als im vergangenen Jahre die Gütekontrolle bei den Eiern im Interesse der Hausfrau auf fast alle anfallenden Eier in Deutschland ausgedehnt wurde, mangelte es zunächst an geübten Fachleuten. Die Kennzeichnungsstellen sind jedoch feit dem vorigen Sommer immer wieder in kurzen Abständen unvermutet scharf kontrolliert worden. Für die kleinsten Mängel, die der Hausfrau kaum an den Eiern auffallen, wie Lichtsprünge und berg!., werden empfindliche Ordnungsstrafen bei den Kennzeichnungsleitern erhoben. Anderseits bekommen tüchtige Durchleuchter für gut bearbeitete Ware Prämien gezahlt. (Kennzeichnungsstelle Gießen 2. Preis für Bezirk Hessen). Alle Eiersendungen, die gestempelt in die Läden kommen, werden nochmals stich-
„Fragen Sie!" befahl Pick.
Dann horchte er auf und stürzte in der nächsten Sekunde durch die Portieren. „Margot!"
Der Etagenkellner wunderte sich nicht im geringsten, daß ihm das Hörrohr aus der Hand gerissen wurde und verschwand diskret.
„Margot!" keuchte James atemlos, als hätte er eben das Rekordschwimmen hinter sich. „Margot!"
Ihre Stimme klang dunkel aus dem Hörer: „Wann kann ich dich sprechen?"
„Warum hast du nichts von dir hören lassen, Margot?"
Er glaubte ein Aufweinen zu vernehmen. „Ich habe inzwischen meinen Vater begraben."
„Um Gott?"
„Heute früh habe ich von deiner Verlobung gelesen, James."
„Unsinn."
„Alle Zeitungen berichten davon", beharrte sie.
„Ein Sektscherz, Margot! Wo kann ich dich treffen?"
Er mußte einige Sekunden warten, bis die Antwort kam. „Es dürfte ja eigentlich nicht mehr sein, James! Jetzt, wo du einer anderen gehörst!"
„Ich gehöre nur oir! Immer!" schrie, er in das Sprechrohr. „Habe nur immer dir gehört, Margot!".. Wieder glaubte er dieses Aufweinen zu vernehmen, das ihn so grenzenlos elend machte. „Wo denn, Margot?" bettelte er. „Sag' eine Stunde, einen Ort. Soll ich bei dir telephonisch anrufen? Du wohnst noch bei deinen Verwandten?"
„Ja! Aber rufe nicht an, bitte, James!"
„Margot!" Im Hörer blieb alles ruhig. „Margot!" schrie Pick. „Du! Hab' doch Erbarmen, Margot!" Ein leichtes Knacken, das er vernahm, jagte einen Schrecken durch seinen Körper.
„Ich konnte plötzlich nichts mehr hören, James", meldete sich Margots Stimme wieder. „Komm' abends an den Parkeingang. Ich bin Punkt sieben Uhr dort. — Kommst du, James?"
„Schon eine halbe Stunde früher, Margot! Du läßt mich doch nicht vergebens warten? Ich bin ja am Verzweifeln!"
„Auf abends also", erwiderte sie nur.
Dann hörte er nichts mehr. —
*
Dort, wo eine Laterne schwachen Schimmer gab, sah er sie stehen. Sie war früher gekommen als er, obwohl es noch weit vor der Zeit war, die sie verabredet hatten. In dem schwarzen Kleide und dem langen Schleier erschien Margot ihm noch schlanker,^ noch Kindhafter. Die Hände ausstreckend, zog
Fröstelnd schmiegte sie sich an ihn, duldete es, oafj er ihr Gesicht mit Küssen bedeckte und dann ihre Hände wärmend zwischen die seinen nahm. „Wann wirst du sie heiraten, James?"
„Nie!"
„Soll ich zu ihr gehen und ihr sagen, daß du mir gehörst?"
probenweise nachgeprüft. Alle Eier, die nicht den Güteanforderungen entsprechen, bleiben ungestempelt.
Darum weg mit dem von unverantwortlicher Seite hervorgebrachten Gerede, daß gestempelte Eier nicht einwandfrei seien. Man kann sich heute auf deutschgestempelte Eier verlassen, und jedes deutsche Geschäft wird nur Eier verkaufen, wo das Schild „G 1, vollfrische Eier" angebracht werden kann. Die Kennzeichnungsstelle und der Kaufmann übernehmen damit selbst die Gewähr für die Güte. Darum, Hausfrau, nur G 1, vollfrische Eier!
Zur Wühlmausplage.
Von der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, Obstbauinspektion Friedberg-Gießen, wird uns geschrieben:
Es wird kaum einen Obstzüchter geben, der nicht schon einmal über Schaden durch Wühlmäuse zu klagen gehabt hätte. Soweit sich die Schäden nur auf einzelne Bäume beschränkten, versucht man mit den bekannten Mitteln, wie Ausräuchern, Vergiften, Abschiehen, Gießen von Jauche in die Löcher, durch- Stellen der bekannten Maulwurfsfallen dsr Nager Herr zu werden. Nun haben sich aber diese Tiere in
„Ich werde es selbst tun, Margot. Morgen bin ich wieder frei. Du glaubst mir nicht?" fragte er, als sie die Stirn gegen feine Schulter drückte. „Hältst du mich für so feig?"
„Nicht für feig, James. Aber du bedenkst nicht, wozu eine verschmähte Frau fähig ist."
„Was kann sie mir schon anhaben?"
„Sie wird dich unmöglich machen, James!"
Margot hatte recht. Das war das erste, was Ellen Panys tun würde: Ihn unmöglich machen, um alle Früchte bringen, die er sich errungen hatte, ihm die Wege versperren, die ihm auf Grund seines Sieges offen standen. Er hatte sich das eigentlich selbst schon vorgehalten. Diese Amerikanerin war keine von den Frauen, die opferbereit entsagen, wenn es das Glück des Mannes ihrer Liebe erforderte. Sie würde ihn halten, nicht vielleicht so sehr aus Zuneigung, als aus Trotz und Eigensinn. Ganz einfach, um etwas zu besitzen, wonach auch eine andere greifen wollte ...
„Hast du Mut?" fragte er jetzt in das beiderseitige Schweigen hinein.
„Ich glaube, James."
„Viel Mut?" Dabei legte er sein Gesicht so dicht an das ihre, daß sie seinen Atem darüberstreichen fühlte.
Merkwürdig, daß nun doch so etwas wie Angst in ihr hochkkoch. „Was soll ich denn?" fragte sie zögernd.
Während seiner flüsternd gesprochenen Worte jagte Schauer um Schauer über ihren Leib. Seine und ihre Kinderstube waren durch Welten getrennt. Sie hatte nie Karussells geschoben, hie Zündhölzer an Straßenecken feilgehalten oder Zeitungen. „Ich kann nicht!" stammelte sie. „James!" schrie sie auf, als seine Hände von ihr abfielen. „Begreif es doch! Du mußt mich doch verstehen, James!"
Er sah sich um, ob niemand ihre Worte gehört hatte. „Ich begreif' dich ja", sagte er bann mit einer unsäglichen Traurigkeit in der stimme. „Du stehst nur mit einem Fuß in meiner Welt. Hängst nur mit halbem Herzen mit mir zusammen." •
„Versteh' mich doch richtig, James!"
„Ich verstehe dich ja, mein Liebes. Wein' doch nicht, um Gottes willen! Es wäre ja bloß der einzige Ausweg, den es überhaupt gibt."
Aus der Richtung, in der die Villa lag, drang ein matter Hall. Möglicherweise rührte er von den eisernen Rolläden her, mit denen die großen Terrassenfenster des Nachts verschlossen wurden.
Beide Hände um seinen Hals werfend, flehte sie nun zu ihm auf: Zch will nicht ohne dich sein!"
„Was dann?"
„Mit dir leben, James."
„Du kannst doch nicht, Margot!" entgegnete er mit einem Lächeln, in dem schon Hoffnung stand. Ein Wagen kam die Straße herauf und veranlaßte das Paar, in den Schatten zu treten.
Margots „Doch!" erstickte unter einer wilden Flut von Küssen. —
vielen Gemarkungen so vermehrt, daß jährlich viel,, auch große Bäume zum schnellen Eingehen gebracht worden sind. Um diesen Schäden Einhalt zu gebieten, darf nichts unversucht bleiben. Deshalb hat sich die Landesbauernschaft Hessen-Nassau entschlaf- sen, durch einen Wühlmausfänger in verschiedenen Gemarkungen des Bezirks Fangkurse kostenlos abhalten zu lassen. Interessenten werden auf diese Kurse aufmerksam gemacht und ihnen empfohlen, daran teilzunehmen. Im Bezirk der Obstbau- inspektion Friedberg-Gießen findet in Stammheim ein solcher Fangkursus am 1. April, morgens 8 Uhr, statt. Teilnehmer aus dem Kreise Gießen, die zu den Orten Alsfeld, Laubach oder Nidda näher liegen, können auch dort teilnehmen, und zwar findet je ein Kursus statt am 26. März in Al'sfeld, am 27. März in Laubach und am 29. März in Nidda.
♦* * Berufung an d i e Universität Leipzig. Der Direktor der Augenklinik der Universität Gießen, Professor Dr. I e ß, hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Augenheilkunde an der Universität Leipzig und als Direktor der dortigen Universitäts-Augenklinik erhalten.
** Musikalische Abendfeier in der Johanneskirche. Aus Anlaß der 250. Wiederkehr des Geburtstages des großen Tondichter- Johann Sebastian Bach findet am nächsten Sonntag um 18 Uhr in der Johanneskirche eine musika- lische Abendfeier statt, bet der ausschließlich Werke Bachs bargeboten werden. Darunter finden sich der Orgelchoral „O Mensch, bewein dein Sünden groß", Präludium und Fuge f-Moll, Andante aus der Sonate O-Dur für Cello und Orgel, Allegro ander Sonate G-Moll für Cello und Orgel und die Arie aus der Johannespafsion für Sopran und obligate Flöte. Mitwirkenbe sind die Frankfurter Sängerinnen Else Zinner und Tilly Wernecke, die Gießener Musiker Rudolf Meyer und Albert Krämer sowie der Organist der Johanneskirche Johannes N e b e l i n g.
** Die Schneiderinnen-Jnnung des Kreises Gießen veranstaltete am Mittwoch, wie man uns berichtet, im Cafe Leib eine Modell- schau für ihre Mitglieder, die von dem Deutschen Modeamt Sitz Frankfurt a. M. beschickt wurde. Die Veranstaltung war von den Innungen Oberhessens und des Lahnkreises besucht. Die Modelle, von beut- schen Modekünstlern geschaffen, fanden großen Beifall.
**Derlänblid)e Genossenschaftsverba n b Rhein-Main-Neckar, Frankfurt am Main, hielt hier einen von Oderrevisor Holzhey (Frankfurt) geleiteten genossenschaftlichen Anfänger- schulungskursus für Rechner und Geschäftsführer dec angeschlossenen ländlichen Genossenschaften. Im Rahmen eines Buchführungslehrgangs wurden fämt« liche grundsätzlichen Erfordernisse technischer und
iff. 1 1 ... i......—. 11 1 11 -........■
Gretchen
und die Jäger!
Dies ist keine Liebesgeschichte, gehört aber zu dem Thema: „Liebe geht durch den Magen!“ Es handelt sich um zwei neue Knorr-Suppen: „Gretchen", die zarte, gebundene Gemüsesuppe, und um die pikante, braune Knorr Jäger- Suppe. So unterschiedlich diese beiden Geschmacksrichtungen sind, die eine wie die andere wirb Ihnen gewiß zusagen. 1 Würfel -- 2 reichliche Teller --10 Mg.
Schon seit 50 Jahren:
T&hcVi, Suppen - gute Suppen!
Der Bediente behauptete am anderen Morgen, als man Margots Zimmer leer fand, er habe am Abend einen Schrei gehört. Einen wilden, lauten Schrei. Ob er vom Park ober von der Straße her gekommen sei, habe er nicht zu unterscheiden vermocht ... tz
*
Es war in der zweiten Pause der Galavorstellung, als der Clown Hasso des Zirkus Murray folgende Depesche ausgehänbigt bekam:
„eintreffe zwölf uhr sechsundzwanzig.
james."
„James?" sagte Hasso, nahm den kleinen Spiegel von der Wand und besah sein geschminktes Gesicht. Es gab keinen Zweifel, er war es selbst. Mit kupferner Nase, roten Flecken auf den Wangen und einer mächtigen Glatze, die in allen Farben spiegelte. Aber der andere, der sich „James" nannte, wer das war, das wußte er nicht.
Er setzte sich auf den Koffer, der feine Toilettengebrauchsgegenstände enthielt und dachte nach. James --Einmal hatte es einen Dompteur dieses
Namens bei Murray gegeben. Aber der war tot. Regelrecht gestorben. In der Manege. Von einem eifersüchtigen Löwen mit einem einzigen Biß in den Hals ins Jenseits befördert. Er hatte es selbst mit angesehen. Der konnte es also nicht sein.
„James?" Ihm war, als könnte er den Zusammenhang mit dem Träger dieses Namens eher finden, wenn er den Namen deutlich gegen die Holz- wände der Garderobe sprach. Er fand sie aber nicht. Hundert andere Menschen fielen ihm ein. James nicht.
„James!" sagte er verbissen und suchte in seinen Erinnerungen unter Akrobaten, Feuerfressern, Trapezkünstlern, Jongleuren und Äitiftreitern. „James" war nicht darunter ...
Als feine Nummer kam, trottete Haffo in die Manege. Brüllendes Gelächter empfing ihn, als er, die Füße in riefengroßen Schlappschuhen, bei jedem Schritt die Sägespäne aufwirbelte. Er warf einen komisch verzweifelten Blick über die dichtge- drängten Menschenreihen, rang die Hände, kniete nieder und begann zu suchen, preßte das Gesicht in die Sägespäne und schluchzte: „James!"
Sein Partner, erst verblüfft, witterte einen neuen Einfall. «Wenn suchst du denn, Hasso?"
Die rote Nase schnaubte Sägespäne von sich. „James!"
„Wer ist denn James?"
„Ich weiß es nicht!"
.Liegt er denn hier unter den Sagespänen?"
„Ich weiß es nicht!"
„Aber das mußt du doch wissen, Hasso!"
„Nein — nein", meinte dieser händeringend. „Nein — nein!" Ach, mein James! James, wo bist du?" Und unter den dröhnendeen Lachsalven des Publikums begann feine Suche aufs neue. —
(Fortsetzung folgtI)


