Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Der Reichsberusswettkampf in Gießen
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Die Züge der Meisen und ihrer Verwandten zerstreuen sich allmählich und lösen sich in Pärchen auf. Die Wohnungsnot der Dogelwelt beginnt. Manches traute Plätzchen ließe sich zur Kinderstube einrichten. Aber die Menschen sind oft unfreundliche Hauswirte. So groß ist die Wohnungsnot, daß Meisen in Briefkasten und Graben nisten, und Rotschwänzchen in fahrende Eisenbahnwagen ihr Nest bauen. Noch ist es Zeit, Nisthöhlen aufzuhängen. Es müssen keine gekauften sein. Auch zusammengenagelte Nistkasten, richtig nach Südosten und etwas nach vornüber- oeneigt aufgehängt, werden gern angenommen. Ein in der Spitze des Dachgiebels angebrachtes Brettchen vermag der Bachstelze zu dienen, und ein ausgebrochener Ziegelstein in der Mauer gibt Platz für ein Rotschwänzchen. Die liebliche Schwalbe baut ihr Nest unter den Dachfirst. Verdrießliche Menschen stoßen es oft herab, weil die darunterliegende Fen
dis Fahrgäste das Vergnügen, u. 1L, ganz wie in der Großstadt, zweimal umzusteigen. Selbstverständlich wurde der Vorfall, wie man im Bilde sieht, von den Fußgängern sehr genau in Augenschein genommen. Die Frau im Bilde ganz rechts betrachtet sich „den Fall" mit besonderer Aufmerksamkeit.
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Kuckuck, ei, ich will dich fragen.
Kannst du mir die Stunde sagen?
Wieviel Jahre leb' ich noch?
Lieber Kuckuck, sag mir’-s doch! —
Horch! Der Vogel ist gefällig;
Sechzig — achtzig — hundert zähl' ich. Schönen Dank, Herr Kuckuck, dir!
So viel' Lenze bringe mir!
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Frühlingserwachen und Erzieherpflichten.
Wer keinem Tferlein etwas tut zu Leide, Dem Darbenden im Winter Futter streut, Oh, wieviel größer ist für den die Freude, Die draußen Feld und Flur und Wald ihm beut.
Johannes Trojan.
Der Lenz ist wieder da. Die Sonne hat mit ihren erwärmenden Strahlen überall neues Leben erweckt. An Hecken und Gebüsch knospt es. Der Wiesenplan färbt sich grün. Der Wald legt den Frühlingsschmuck an.
Auch im Tierreich entfaltet sich überall neues, frisches Leben. Im Grase kriecht und läuft und springt es. In Bach und Teich treiben Molche, Fische und Frösche ihr Wesen. Käfer und Schmetterlinge durchschwirren die Luft. Noch ehe der letzte Schnee am Waldzipfel zerrann, ließ die Kohlmeise ihren Paarungsruf „Spitzdieschar" ertönen. Die Lerche erhebt sich trillernd in die blaue Luft. Ammern, Bachstelzen und andere Zugvögel sind zurückgekehrt. Da erschallt der Ruf des Kuckucks; seinem ersten Vernehmen sind mancherlei Auslegungen für das Leben und Wohlergehen des Menschen unter-
gut gelöst. Zur Zeit ist der Wettkampfausschuß mit der Durchsicht und Prüfung der Einzelleistungen beschäftigt, die sich zusammensetzen aus praktischer Arbeit, Aufsatz, Rechenaufgaben, berufskundllchen Fragen, weltanschaulichen Fragen und Schriftschreiben.
Das obere Bild zeigt einige Setzerlehrlinge bei. ihrer praktischen Arbeit in der Setzerei der Bruhl- schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. Das untere Bild einen der Druckerlehrlinge an der Tiegeldruckpresse unter der Aufsicht der Lehrmeister.
Am gestrigen Donnerstag wurde mit den Lehrlingen des graphischen Gewerbes der Reichsberujs- wettkampf durchgeführt, und zwar am Vormittag die praktischen Aufgaben in den Betrieben, am Nachmittag die theoretischen Aufgaben und das Schriftschreiben in der gewerblichen Berufsschule. Es haben sich sämtliche Lehrlinge aus Gießen, Butzbach, Friedberg, Bvd-Nauheim, Lich, Hungen, Grünberg, Alsfeld, Lauterbach, Büdingen in vier Leistungsklassen am Reichsberufswettkampf beteiligt. Die Aufgaben wurden, obwohl sie schwierig waren, doch im ganzen
sterbank beschmutzt wird. Von neuem beginnt sie die Mauerärbeit. Ein kleines Brettcben, unter dem Nest angebracht, hilft dem liebet ab. Sagt doch ein alter Spruch, daß Schwalben Glück und Frieden bringen. |
Die Hochzeit der Vogelwelt beginnt. Im Weiß- j dornbusch am Wegrand werden in einem Astquirl I Hälmchen aufgeschlchtet. Mit Vorliebe bauen unsere gefiederten Lieblinge gerade an belebte Plätze, weil sie sich da vor dem Raubzeug am sichersten fühlen, leider aber vielfach dem Menschen zum Opfer fallen. Ihr Eltern, flößt euren Kindern ein, wie roh es ist, der Vogelmutter ihre lieben Kinder zu nehmen!
Nimmst du dem Vogel Nest und Ei, ift's mit Gesang und Obst vorbei.
Kauft euren Kindern keine Schmetterlingsnetze! Seht nur, wie froh die Schmetterlinge und Käfer umherschwirren! Beobachtet die Tiere im Freien, das wird mehr Freude bereiten, und ihr werdet bald ihre Lebensweise erlernen. Tut dem Frosche kein Leid an und freut euch seines Konzertes in warmen Maiennächten. Die Kröte, dieser häßliche Nützling, ist nicht giftig, wie man ihr nachsagt. Qual oder gar den Tod verdient sie nicht, sondern Schutz und Pflege. Den flinken Eidechsen, den schöne gefleckten Salamandern und Molchen gönne den Aufenthalt in Gottes Sonne oder im kühlen Waldesgrün!
Auch unsere vierfüßigen Hausfreunde sollen wissen, daß der Frühling gekommen ist. Die Türen und Fenster der Ställe sind weit zu öffnen, daß der Frühlingsodem einziehen kann. Halte in der Hundehütte Kehraus und löse die Kette für einige Stunden. Der treue Haushund soll sich doch auch des Frühlings freuen.
Zu keiner Zeit ist es nötiger, die Liebe zu jeglichem Wesen, das da kreucht und fleucht, zu wecken, als im Frühling, wo sich neues Leben in der Natur entfaltet und wo die Jungen ober erwachten Geschöpfe den größten Gefahren menschlicher Unvernunft und Bosheit ausgesetzt sind.
Es schlagen die Finken von jedem Baum, Es schwingt sich die Lerche empor, wie im Traum, Und singt ihre herrlichste Weise;
Es jubelt der Star schon vor seinem Haus, Und Käfer und Bienlein, die treibt er hinaus, Zitronenfalter ziehen Kreise.
O Frühling, o süßer Frühlingsdrang, Dich kündet der Vöglein Schlag und Gesang; O Herze, o Herze, du jauchzest voll Lust;
Wenn die Heimat dich grüßt aus der Vogelbrust.
L. Ankenbrand.
Gießen in Erwartung des Führers. !
Die überraschende Ankunft des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler am vorgestrigen I Mittwochabend in Wiesbaden ließ in unserer Stadt , die schon seit langer Zeit gehegte Hoffnung, den Führer der deutschen Nation auch hier einmal ' wieder sehen und mit aller Freude begrüßen zu können, besonders stark werden. In diesem gewaltigen Aufstieg der Hoffnung kann man den sehnsüchtigen Wunsch nach dem Besuch des Reichsführers erblicken.
Bereits am Mittwochabend konnte man vielfach die freudig gestimmte Erwartung eines Besuches des Führers in Gießen hören. Im Laufe des gestrigen Vormittags breitete sich diese Stimmung immer mehr aus, zum Teil bestärkt durch allerlei Mitteilungen- von Kraftfahrern usw., die von der angeblich bereits erfolgten Abfahrt des Führers in Wiesbaden und von dem Passieren anderer Städte südlich von Gießen wissen wollten. Unsere Fernsprecher waren in starkem Maße in Anspruch genommen oun den vielen Volksgenossen, die von uns Auskunft über den Zeitpunkt des Eintreffens des Führers in unserer Stadt haben wollten. Auf unsere wiederholten Rückfragen an hiesigen zuständigen Stellen horten wir immer wieder den Bescheid, daß dör Führer noch nicht von Wiesbaden abgefahren sei. Zwischen 12 und 13 Uhr wurde hier an amtlicher Stelle schließlich bekannt, daß der Führer am gestrigen Tage Wiesbaden nicht verlassen werde, sondern dort für mehrere Tage Erholung suche, über den Zeitpunkt und den Weg seiner Weiterreise aber nichts bekannt sei.
Mittlerweile hatten sich in den Einfahrt- und Ausfahrtstraßen unseres Stadtgebietes bis weit in die Stadtmitte hinein riesige Menschenmengen auf den Bürgersteigen und zum Teil auch auf den Fahrbahnen aufgestellt, die mit großer Begeisterung dem sehnlich erhofften Besuch des Führers entgegensahen. Spontan wurden in vielen Straßen an den Häusern die Fahnen gehißt, um dadurch ebenfalls kundzutun, wie groß die Freude war, mit der man dem Besuch entgegensah. Erst etwa gegen 15 Uhr wurde allgemein bekannt, daß die sehnliche Hoffnung und der Wunsch der Bevölkerung für gestern leider nicht in Erfüllung gehen werde. Daraufhin zerstreute sich die große Menschenmenge.
Lebendig geblieben ist aber in alter Stärke der sehnliche Wunsch, dem Führer bei seinem jetzigen Besuch in unserer engeren Heimat auch hier die Liebe und Verehrung der Gießener Volksgenossen persönlich barbringen zu können.
Kreisbauernführer Dörrschuck tödlich verunglückt.
In der letzten Nacht ereignete sich auf der Landstraße Gießen—Lollar kurz vor Lollar ein schwerer Unglücksfnll, dem leider ein wertvolles Menschenleben zum Opfer fiel. Der Kreisbauernführer Adam Dörrschuck verunglückte mit seinem Kraftwagen auf der Fahrt von Gießen nach Friedelhausen und trug einen schweren Schädelbruch, außerdem einen Kieferbruch davon. Der Zeitpunkt, zu dem der Unfall geschah, konnte bisher noch nicht genau festgestellt werden. Der Verunglückte wurde von Wiesecker Arbeitern, die gegen 5.30 Uhr mit ihren Fahrrädern zu ihrer Arbeltsstätte in Lollar unterwegs waren, bewußtlos aufgefunden, und nachdem die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen verständigt worden war, sofort in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht. Unmittelbar nach seiner Einlieferung erlag er jedoch leider seinen schweren Verletzungen.
Die nationalsozialistische Bewegung und die Bauernschaft unseres Kreises verlieren in Adam D o r r s ch u ck einen Mann, der sich um die Idee des Nationalsozialismus und die Zusammenfassung der Bauernschaft in unserem Kreise große Verdienste erworben hat und stets mit starker Energie für die Forderung des Bauernstandes eintrat.
31. März Fristablauf
für Anträge zur Verleihung des Ehrenkreuzes.
Der Reichs- und preußische Minister des Innern weist zum letzten Male darauf hin, daß im Reichsgebiet die Frist zur Stellung der Anträge auf Ver- leihung des Ehrenkreuzes des Weltkrieges am 31. Marz d. I. abläuft. Nach dieser Zeit werden Anträge nicht mehr entgegengenommen, es sei denn, daß der Antragsteller den begründeten Nachweis erbringt, daß ihm eine rechtzeitige Antragstellung nicht möglich war. Entschuldigungen mit Unkenntnis 'des Ablaufs der Antragsstist können nicht beachtet
werden. Beschwerden gegen die Zurückweisung verspäteter Anträge sind zwecklos.
Die noch schwebenden Anträge werden mit tunlichster Beschleunigung bearbeitet. Bei der Millionen» zahl der Anträge und der Notwendigkeit ihrer sorgfältigen Prüfung wird jedoch bis zu ihrer restlosen Aufarbeitung noch einige Zeit vergehen. Durch Rückfragen einzelner Antragsteller wird das Verfahren nur aufgehalten und erschwert. Im allgemeinen Interesse wird daher dringend ersucht, davon abzusehen. Das gilt besonders auch für Vorstellungen bei höheren Dienstbehörden.
Zur Beseitigung von Zweifeln wird im übrigen nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß nach der Stiftungsurkunde und den dazu erlassenen Durdj- führungsverordnungen — von den Eltern und Witwen von Kriegsteilnehmern sowie dem Personal der Freiwilligen Krankenpflege abgesehen — das Ehrenkreuz nur diejenigen erhalten können, die während des Weltkrieges zur Wehrmacht eingezogen waren und den Dienst auch tatsächlich angetreten haben. Von dieser Bestimmung kann bei voller Anerkennung der auch von anderen Personenkreisen dem Vaterlande im Kriege im geleisteten Dienste nicht abgewichen werden? Ausnahmeverleihungen finden grundsätzlich nicht statt.
Aus parteianitlichenBekanntniachungen
Die Ortsgruppe Gießen-Süd hält am morgigen Samstag, 23. März, in der Gastwirtschaft „Graf Zeppelin" eine Versammlung der Zelle 2 ab, zu der das Erscheinen aller Parteigenossen als selbstverständliche Pflicht erachtet wird.
Arbeitsdienst der Abiturienten.
Der studentische Gousachbearbeiter macht darauf aufmerksam, daß die von den Meldeämtern für Arbeitsdienst angeforderte Erklärung des Erziehungsberechtigten, daß der Abiturient später studieren wird, umgehend den Meldeämtern zugehen muß, da hiervon die Aufnahme in den Arbeitsdienst, sowie die Dauer der Dienstzeit abhängig ist.
Alle Abiturienten, die studieren wollen, wegen Untauglichkeit aber nicht in den Arbeitsdienst eingestellt werden können, haben das Untersuchunqs- ergebnis, einen kurzen Lebenslauf und ein Licht- bitb (auf der Rückseite mit.Namen versehen) an das Amt für Arbeitsdienst der Deutschen Studentenschaft, Berlin SW. 68, Friedrichstraße 235, einzusenden. Von dort erhalten sie Bescheid, wo und in welcher Form sie ihrer Dienstpflicht genügen können.
Freischwimmerausweis in den hessischen Schulen.
LPD. Durch die Einführung des Pflichtschwimmunterrichts in den Schulen ergeben sich in erheblichem Maße das Bedürfnis und bie Notwendigkeit, den Schülern und Schülerinnen für die bestandene Freischwimmprobe einen Ausweis aushändigen zu können. Der Einheitlichkeit der Leistungsforderung und der Form der Anerkennung wegen hat sich die hessische Schulbehörde entschlossen, entsprechende Ausweise bereitzustellen. Für alle Jugendlichen, die mindestens 15 Minuten ohne Unterbrechung schwim- men, können die Direktionen bzw. Kreis- und Stadt- schulämter bei der Ministerialabteilung für Bildungswesen in Darmstadt unentgeltliche Ausweise' anfordern. Um auch bei dieser Auszeichnung bereits zum Wasserspringen anzuregen, ist auf der Freischwimmerkarte zu vermerken, auf welche Art das Dauerschwimmen begonnen wurde.
Schützt den Wald vor Brandschäden!
DNB. Die Pressestelle des Reichsforstamtes teilt mit: Die Waldbrandgefahr ist in den ersten Frühjahrswochen besonders groß, denn der noch vorhandene dürre Bodenüberzug wird durch die Frühjahrswinde rasch ausgetrocknet und hierdurch das Ausbrechen und schnelle Umsichgreifen von Waldbränden sehr begünstigt. Beachtet daher die gesetzlichen Bestimmungen, raucht nicht im Walde und zündet fein Feuer an, beaufsichtigt und belehrt insbesondere die Jugend, schützt unser wertvolles Volksgut! Warnt vor Brandschäden! Gerade jetzt während dieser trof- fenen Tage und in der gefährlichsten Jahreszeit seid besonders wachsam.
vornokizen.
Vor dem Stadthaus an her Gartenstraße brach — wir berichteten gestern kurz darüber — an einem Fuhrwerk das rechte Vorderrad, so daß der Wagen auf die Gleise der Straßenbahn zu liegen kam. Die Straßenbahn könnte infolgedessen nur im Pendelverkehr auf dieser Strecke fahren. Dadurch hatten
— Tageskalender für gruppe Gießen-Mitte: 20.30 Uhr Ortsgruppenversammlung. Es spricht Pg. 5) ahn. — NSLB., Ab- teilung Höhere Schule, Fachschaft neuere Sprachen: 16 Uhr in der Oberrealschule Sitzung. — Stadt
theater, 20 bis 22.45 Uhr: „Der Traum, ein Leben". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pee^
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