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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Kr.45 Drittes Blatt
Ein weiteres Groß-Variete-Kino in Gießen
GrzengungsschlaKt und Vinnenkonjunktm
Nachdruck verboten!
13. Fortsetzung
7527,36 Mark Eintopfsammlung in Stadt und Kreis Siehen.
Die Eintopfsammlung vom vergangenen Sonntag erbrachte in unserer Stadt den Betrag von 3722,47 Mark. Im Kreise Gießen wurden 3804,89 Mark gesammelt. Insgesamt wurden also nicht weniger denn 7527,36 Mark aufgebracht.
Schulen und Jugendherbergen.
Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum hat an die Direktionen der' höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und an die Kreis- und Stadtschulämter folgende Verfügung gerichtet:
, Durch die in den Schulen erfolgte Einführung der Pfennigsammlung für die Unterhaltung und den Ausbau der Jugendherbergen und durch die ideelle Unterstützung des Jugendherbergswerkes sind Sie mit dieser Einrichtung auf das engste verbunden. Um dieser engen Verbindung auch äußerlich Ausdruck zu verleihen, ist an jeder Schule von den Schulleitern ein Schulvertrauensmann für das Ju- oendherbergswerk zu bestimmen. Dieser Schulvertrauensmann hat auf das engste mit dem zuständigen Gau Südhessen e. V. im Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen, Frankfurt a. M., Hansa- Allee 150, zusammenzuarbeiten. Die Aufgabe des Schulvertrauensmannes ist es, die Schulpfennigsammlung zu überwachen, für pünktliche Abführung der Schulpfennigbeträge besorgt zu fern, für das Jugendwandern innerhalb seiner Schule propagandistisch zu wirken und die für den Besuch der Jugendherbergen für geschlossene Schulgruppen notwendigen Führerausweise an das Lehrerkollegium auszustellen. .. . , .
Die Schulvertrauensmanner erhalten durch den
Der Besitzer des Lichtspielhauses Bahnhofstraße, Herr A. Henrich, hat, wie wir von zuverlässiger Seite hören, das Appel'sche Grundstück im Seltersweg, an der Ecke des Zugangs zum städtischen Volksbad, durch Kauf erworben, um dort ein weiteres Groß-Kino, das auch eine Stätte für Dariete- Darbietungen fein soll, zu errichten. Der Hauptteil des jetzigen Appel'schen Hauses wird bei der Umgestaltung des Grundstückes bestehen bleiben, dagegen wird der einstöckige Anbau an der Ecke des Weges zum Volksbad zwecks Eingliederung in den Kino-Dariete-Bau abgerissen werden, ferner werden auch die jetzt auf dem Hofgelände stehenden Gebäude niedergelegt, damit diese ganze Grundstücksfläche in den Neubau-Plan eingegliedert ist. Der Hauptteil des Appel'schen Hauses wird auch in Zukunft Ladenraum enthalten, im übrigen aber den breiten Zugang zu dem Großkino-Variets in Gestalt eines modernen Portals aufnehmen. Der neue Kino-Va- riete-Saal wird auf dem rückwärtigen Gelände des Grundstücks erbaut und soll eine Größe erhalten, bei der etwa 1000 Personen im Zuschauerraum
Gau eine blaue Ausweiskarte. Die Schulleiter haben diese Ausweiskarten für ihre Schulvertrauensmanner umgehend beim Gau Südhessen e. V. im Rerchs- verband für Deutsche Jugendherbergen, Frankfurt am Main, Hansa-Allee 150, unter Nennung des Namens des Schulvertrauensmannes — da die Ausweise persönlich sind — umgehend an zu fordern. Die blaue Ausweiskarte berechtigt gleichzeitig
Platz finden können. Weiterhin wird der Neubau mit einer modernen Großbühne ausgestattet, die sowohl zu Filmaufführungen als auch zu Darbietungen des modernen Variete-Theaters ausreichende Raummöglichkeiten bietet. Die modernsten Jnnenein- einrichtungen und eine nach dem neuesten Stand der Technik absolut vollkommene Tonfilm-Apparatur werden als zeitgemäße Selbstverständlichkelt in dem Neubau ihren Platz finden. Die Um- und Neubauarbeiten dürften voraussichtlich in etwa vier bis sechs Wochen beginnen und sollen so gefördert werden, daß das neue Groß-Kino-Variete zum Herbst seiner Bestimmung übergeben werden kann. Die Errichtung einer solchen Unterhaltungsstätte wird einem Bedürfnis gerecht, das in unserer Stadt schon seit einer Reihe von Jahren immer wieder zu Tage trat. Im Hinblick darauf dürfte dos Bauvorhaben von vielen Volksgenossen von Gießen und Umgegend begrüßt werden, weil man von dessen Verwirklichung eine Stätte der guten Unterhaltung und angenehmen Zerstreuung erwarten kann.
die Schulvertrauensmänner, sich durch kostenlosen Besuch der Jugendherbergen über die Einrichtung des Jugendherbergswerkes zu unterrichten. Die Schulvertrauensleute werden vom Gau Südhessen im Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen der für ihren Wohnsitz zuständigen Verwaltungsbereich-Ortsgruppe benannt und von dieser in den Beirat der Ortsgruppe berufen/'___________________
Es muß immer und immer wieder betont werden, daß die Landwirtschaft die tragende Säule des Binnenmarktes ist. Ohne Landwirtschaft gibt es keinen Binnenmarkt. Daher ist auch die gesteigerte Kaufkraft eines der wichtigsten Momente der Arbeitsbeschaffung.
Schon im ersten Jahre der nationalsozialistischen Agrarpolitik sind die Erlöse der Landwirtschaft um drei Viertel Milliarden Reichsmark gestiegen. Dafür bezog die Landwirtschaft schätzungsweise für 60 Millionen mehr Düngemittel, für 20 Millionen mehr landwirtschaftliche Maschinen und Geräte und für mehrere Dutzend Millionen mehr verschiedene Artikel des persönlichen Bedarfs. Jahrelang zuruckgestellte Investionen und Anschaffungen persönlicher Konsumartikel und Bedarfsgegenstände können jetzt in steigendem Maße von der Landwirtschaft gemacht werden.
hunderte von Millionen Reichsmark sind von der Landwirtschaft schon wieder erspart und bereits im ersten Landwirtschaftsjahr des Dritten Reichs den genossenschaftlichen Sparinstituten zugeflossen.
Schließlich ist die Landwirtschaft direkt an der Arbeitsbeschaffung durch Einstellung von zusammen fast einer halben Million Landarbeiter und Landhelfer beteiligt, deren erhöhte Kaufkraft ebenfalls befruchtend wirkt.
Je mehr man die bäuerliche Kaufkraft und Produktionsbasis erweitert und stärkt, desto größer werden die Auswirkungen der Genesung der deutschen Landwirtschaft werden. Daher ist auch die vom Reichsnährstand eingeleitete Erzeugungsschlacht sofort zu dem treibenden Motor der Binnenkonjunktur geworden. Sie liegt vollkommen in der Linie der vom Nationalsozialismus als notwendig erkannten Stärkung des Binnenmarktes mit allen Mitteln.
Fodor-Bilderdienst
Auch in diesem Jahre beteiligten sich die Beamten der Reichspostdirektion München mit einer bepuderen Aktion an dem Winterhilfswerk des deutschen Volkes. Besonders wirksam wurde diese Sammeltätigkeit durch eine Gruppe von Postillonen in der historischen Uniform unterstützt.
Die Einstellung von Jugendlichen.
Vom Arbeitsamt Gießen wird mitgeteilt: Es ist anscheinend -immer noch nicht genügend bekannt, daß jede Neueinstellung und Neubeschäftl- gung von Jugendlichen beiderlei Geschlechts unter 25 Jahren der ausdrücklichen vorherigen schriftlichen Zustimmung des zuständigen Arbeitsamts bedarf. Diese ist insbesondere auch bei nur vorübergehenden und aushilfsweisen Einstellungen sowie bei Einstellung von alten Kämpfern oder Inhabern von Arbeitspässen oder Landhelferbriefen erforderlich. Sie wird nicht dadurch entbehrlich, daß sich Der Betriebsführer mit der Arbeitsvermittlungsstelle bzw. Nebenstelle des Arbeitsamtes in Verbindung fetzt und von dieser Arbeitskräfte anfordert.
Stellt ein Betriebsführer einen Jugendlichen unter 25 Jahren ohne vorherige Zustimmung des Arbeits- amtes ein, so ist der mit dem Jugendlichen ge- schlossene Arbeitsvertrag nichtig. Es besteht infolgedessen zwischen Unternehmer und Beschäftigten kein Arbeitsverhältnis, wie auch die Beschäftigung des Jugendlichen unzulässig ist. Außerdem macht sich der Betriebsführer durch die ohne Zustimmung des Arbeitsamtes erfolgte Einstellung des Jugendlichen strafbar und kann nach § 21, Absatz 2, Ziffer! der „Anordnung über die Verteilung von Arbeitskräften vom 28. August 1934 mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft werden.
Der Führer des Betriebes hat die Zustimmung bei dem Arbeitsamt nachzusuchen. Der Antrag auf Zustimmung ist auf dem hierfür vorgeschriebenen und im Handel erhältlichen Formblatt „Antrag aus Zustimmung zur Einstellung von Personen unter 25 Jahren (Ap. 3)" rechtzeitig vor der Einstellung zu stellen und in zweifacher Ausfertigung emzu-
Aus der Provinzialhauptstadt.
„Schnuckelchen/"
Wer ist „Schnuckelchen"? Jedes nette junge Mädchen, das ein netter junger Mann gern hat. Denn was soll dieser junge Mann mit dem gewöhnlichen Namen des jungen Mädchens onfangen, den doch olle ihre anderen Bekannten und Familienangehörigen im Munde führen? Der ist viel zu abgenützt. Und wenn sie dazu noch Amanda oder Emilie heißt? Nein, Liebe ist schöpferisch, und so marschieren denn die Kosenomen an.
Schön und gut, diese Zärtlichkeit, aber nur dann angebracht, wenn kein anderer zuhört. Sonst wirkt sie nämlich lächerlich. Die Verniedlichungen passen schließlich nicht auf jede junge Dame (und schon gar nicht auf den Mann, denn natürlich zahlt das „Schnuckelchen" mit gleicher Münze zurück). Das „Mäuschen", das „Haschen" ist nur in den Augen des schwärmenden Jungen ein „Mäuschen" oder cm „Häschen", von normalen Augen betrachtet kann es im Gegenteil eine imponierende Brünhildengestalt und ein Elefantenbaby dazu fein.
Aber nein, da muß man mitanhören, wie sich erwachsene Menschen mit dem ernstesten Gesicht zuckersüße Bezeichnungen geben, und dabei weiß man doch, daß sie den ersten Frühling ihrer Liebe schon lange überwunden haben und gewöhnlich gar nicht zuckersüß miteinander sind. Das überschwängliche Gefühl ist fort, der Name ist geblieben, ist zur leeren Tradition und damit nichtssagend geworden.
Kinder sind bedeutend ehrlicher in dieser Beziehung. Sobald der Junge in die Schule kommt, schämt er sich des Kosenamens, den ihm die Mutter gab, und läßt sich nicht mehr „Bubi" nennen. Denn er ist ja tatsächlich kein Bubi mehr. Und wehe dem Mädchen, das sich den Namen „Püppi" durch die ganze Schulzeit gerettet hat und nun fassungslos dasteht, wenn der Chef plötzlich fachlich und ohne jedes Mitleid „Fräulein Müller" zu ihr sagt.
Kosenamen — ja, aber nur, wo sie am Platze sind.
Münchener Postbeamte sammeln für das WHW.
Bald erschien der Stationsarzt mit einem anderen Herrn.
„Sind Sie imstande, schon ein wenig genauere Auskunft zu geben über das, was mit Ihnen geschehen ist?" fragte er, nachdem er sich von dem Herzzuftand des Patienten überzeugt hatte.
Horst von Gernsheim nickte. Nachdem man ihm eine starke Tasse Kaffee gereicht hatte, fühlte er sich erfrischt. Er versuchte sich aufzurichten, sank aber mit einem leisen Wehlaut zurück.
„Schön liegenbleiben!" meinte der Arzt. „Was Sie uns zu sagen haben, können Sie auch im Liegen sagen!"
Dann wandte er sich an den Herrn, der neben ihm stand, dessen scharf geschnittenes, angelsächsisches Gesicht mit unverkennbarem Interesse auf dem Kranken ruhte.
„Bitte, Mister Dundee, wenn Sie fragen wollen c ,',Was will der Herr?" fragte Horst unruhig. „Der ist doch kein Arzt?"
„Nein", gab Dundee zur Antwort, „das bin ich nicht! Aber fürchten Sie nichts. Ich möchte nur aufklären was mit Ihnen geschehen ist. Sind Sie Herr Horst von Gernsheim?"
Horst nickte:
„Warum fragen Sie?"
„Weil wir Sie ohne alle Ausweispapiere aufge» fanden haben, Herr von Gernsheim!"
„Wie ist das möglich? Ich hatte doch meinen Paß, mein Rundreiseheft."
„Das hatten Sie eben nicht. Als die Polizei Sie entdeckte, befand sich nichts in Ihren Taschen."
„Entdeckte?" fragte Horst von Gernsheim. Ein suchender Ausdruck kam in seine Augen. Dann wich dieses Suchen einem Entsetzen.
Er schauerte zusammen:
„Jetzt besinne ich mich", sagte er mühsam. „Ich ging durch einen Torweg mit diesem Senhor Basti eni."
„Mit wem gingen Sie?" fragte Dundee und machte sich schnell ein paar Notizen.
Als Horst den Namen wiederholte, machte Dundee ein nachdenkliches Gesicht.
„Sind Sie imstande, diesen Senhor Bastieni zu beschreiben?"
Und als Horst die Beschreibung gab, nickte et vor sich hin: „Dachte ich's mir doch!" sagte er, und weiter nichts.
„Ja", fuhr Horst fort, „und dann kam nur em Betrunkener entgegen. Dann wurde ich niedergeschlagen und weiter weiß ich nichts."
Der englische Detektiv wechselte einen Blick mit dem Stationsarzt:
„Ja, weiter ist auch nichts! sagte er ganz harmlos.
, In dem Augenblick, in dem Sie niedergeschla- gen wurden, kam auch die Polizei und lieferte Sie hier ein!" r , ix
(Fortsetzung folgt!)
Helma lächelt.
Kriminalroman von Klothilde von Stegmann. Urhederrschtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
Arn nächsten Tage reifte Mister Dundee nach Hamburg und erfuhr, daß Herr Baron von Gernsheim im Hamburger „Atlantik"-Hotel Wohnung genommen habe — aber bereits abgemeldet wäre.
Eingedenk des Versprechens, das Dundee seinem alten Freunde und Kriegsgefährten im Kampfe nut den Verbrechern gegeben, begab er sich ins „Atlantik". ,. „ „ ..
Die Nachricht, die er dort erhielt, war allerdings geeignet, sogar einen mit allen Wassern gewaschenen Kriminalisten wie den Engländer Dundee von Scotland Yard in Erstaunen zu setzen.
Er erfuhr, daß Herr Baron von Gernsheim plötzlich von der Stadt aus einen Dienstmann mit einem Eilbrief ins „Atlantik" geschickt hätte, daß man seine auf dem Bahnhof lagernden Koffer als Expreßgut nach Berlin schicken möchte, da er unerwartet den Nachtzug nach Berlin habe nehmen müssen, um zu einer unerwarteten Besprechung tm Auswärtigen Amt zurechtzukommen.
„Wir haben uns, offen gestanden, über diese Order des Herrn Baron von Gernsheim gewundert , gab der Portier zu, „denn Herr von Gernsheim war doch im Abendanzug und keineswegs für eme Reife vorbereitet fortgegangen. Aber da wir Den Brief mit feinem Paß und der Visitenkarte als Legitimation in Händen hatten, fo blieb uns gar feine Wahl. Wir haben also den Auftrag prompt erfüllt. Auffällig war nur, daß wir Herrn von Gernsheim nicht mehr gesehen haben. Der Gepäckträger war mit einem Köfferchen an der Bahn, um ihm die Toilettensachen persönlich m den Zug 3U reichen. Ader er muß Herrn von Gernsheim verfehlt haben und kam unverrichteter Dinge mit dem Handgepäck wieder zurück."
„Eben darum nicht; ich hatte plötzlich eine Hemmung. Wissen Sie, ich zweifle, daß dieser blonde, zarte Herr wirklich Gernsheim ist. Sagen Sie, Dundee — fahren Sie nicht dieser Tage nach Ham-
Morgen bereits. Soll ich was für Sie erledigen?"
Äch ja bitte, recherchieren Sie doch einmal bei der Hamburger Fremdenpolizei, wo Herr von Gernsheim gewohnt hat. Es interessiert mich. Im Zusammenhang mit den mysteriösen Geschehnissen auf Schloß Gernrode muß man auch den schwächsten Verdachtsmomenten folgen.
Dundee versprach, alles zu tun, was Hopman tniinirhip 9jber trotzdem war Hopman nicht mehr beiÄr Sache - und das gemeinsame Mittagessen verlief nicht so gemütlich, wie Dundee, der Lebens- oenießer das gehofft. Aber er nahm es Hopman nicht Übel Er wußte von sich selbst wenn einen Kriminalisten ein Fall gepackt hatte, dann war er. gelinde gesagt, unzurechnungsfähig für alles
dienerten — und verschwanden mit abgezogenen
Mützen. _ ..
Hopman sah sich schnell um. Er schloß die Tur des Zimmers von innen zu — und machte die zum Badezimmer auf. So hatte er für alle Fälle einen Ausgang bei unerwarteten Störungen.
Dann zog er aus feiner Tasche einen Universal- schlüssel, öffnete mit einem schnellen Griff einen Koffer nach dem anderen — kein Zweifel war möglich, diese Koffer gehörten dem Baron von Gernsheim, waren ordnungsgemäß gepackt, und ihr Inhalt, soweit er ihn flüchtig durchsetzen konnte, war offenbar kaum ausgepackt.
Als er Schritte auf dem Korridor hörte, verschloß er schnell die Koffer wieder und schlich, nachdem er lautlos den Riegel an dem Zimmer zuruck- geschoben, durch das Badezimmer.
Gerade als der Mieter des Zimmers zweihundertzweiunddreißig seinen Wohnraum betrat, ging Hopman langsam den Gang m der entgegengesetzten Richtung hinunter. Sein Gesicht hatte einen unzufriedenen und nachdenklichen Ausdruck.
Hundert Jahre Industrialisierung hatten es mit sich gebracht, daß große Teile des deutschen Volkes sich darauf eingestellt hatten, ihren Lebensunterhalt in der für das Ausland arbeitenden gewerblichen Wirtschaft zu verdienen. Der Traum einer künstlich aufgebauten und unorganischen Weltwirtschaft ist durch den Weltkrieg und feine Auswirkungen gründlich zerstört worden. Die verschiedensten ausländischen Staaten haben ihre eigenen Industrien entwickelt und eine Unzahl von Maßnahmen getroffen, um die deutsche Jndustrieausfuhr und die aus ihr ins Reich fließenden Einnahmen möglichst weitgehend zu verringern.
Wir müssen uns daher mit dem Gedanken abfinden, daß die verringerten Exportmöglichkeiten bestehen bleiben und sich voraussichtlich kaum erweitern lassen,eher zurückgehen werden. Aus diesen Gründen ist es eine der wichtigsten Pflichten der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik, den deutschen Lebensraum wirtschaftlich auf allen Gebieten zu verstärken und einer möglichst großen Anzahl deutscher Volksgenossen durch Arbeit für den Binnenmarkt die Existenz zu sichern.
Es liegt auf der Hand, daß die vorn Reichsnährstand begonnene Erzeugungsschlacht das treibende Moment für alle Bestrebungen, unsere Nationalwirtschaft auszubauen, ist. Schon oft ist auf die Volkswirtschaft als Gleichnis das Bild vom Blutkreislauf angewandt worden. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Eigenschaften des Herzens tm Blutkreislauf in der Volkswirtschaft von der Landwirtschaft erfüllt werden. Das Herz treibt das Blut durch die verschiedenen Adern und erhält dadurch den Körper lebensfähig. Ebenso wirkt sich die bestehende Tatsache einer gesunden Landwirtschaft befruchtend auf allen wirtschaftlichen Gebieten aus.
„Und hat Herr von Gernsheim dies Handgepäck nie reklamiert?"
„Doch, Mister Dundee! Es kam aus Berlin em Telephonanruf — und wir haben die Sachen verpackt dem Expreßgut nachgefandt. Sie dürften jetzt chon in Berlin fein."
Diese Nachricht gab Dundee Hopman sofort durchs Telephon durch.
„Das ist alles sehr eigentümlich! war Hopmans Antwort. „Tun Sie mir noch einen Gefallen und forschen Sie einmal nach dem Aussehen des Herrn von Gernsheim!"
„Hab' ich schon getan, my boy! Man hat mir gesagt, daß Herr von Gernsheim trotz der sonstigen Blondheit ein tief gebräuntes, richtiges Tropengesicht habe."
Hopman schwieg einen Augenblick: „Dundee, nun tun Sie noch eins für mich! Gehen Sie ins Staatskrankenhaus und sehen Sie sich einmal den Unbekannten an, den man gestern bewußtlos dort em- qdiefert hat. Ich telegraphiere sofort meinem Freund Seidemann von der Hamburger Mord- infpektion; er wird Sie begleiten. Es interessiert mich außerordentlich, ob der Unbekannte, den man dort eingeliefert hat, eine europäische oder eine tropische Gesichtsfarbe hat. Ich habe das bestimmte Gefühl, daß wir da noch allerlei Ueberrafchungen erleben werden."
Nach einer Stunde schon hatte Hopman die Nachricht, die er erwartet hatte.
„Nun wird es Ernst", sagte er zu seinem Freunde Martins der gleich ihm fieberhaft die Nachrichten am Telephon abhörte. „Nun ist es höchste Zeit für mich, wieder nach Gernrode zu fahren."
16. Kapitel.
Horst von Gernsheim erwachte in einem großen, hellen Zimmer. Die letzte goldene Herbstsonne strahlte von den Wänden wider. Mühsam hob er feine Augenlider, schloß sie aber sofort wieder, geblendet von diesem warmen, lebendigen Glanz. Wo war er eigentlich? Was war mit ihm geschehen? Er versuchte den Kopf 3U drehen. Aber ein starker Schmerz im Hinterkopf und Hals ließ ihn aufstöhnen. Vom Fenster erhob sich eine Krankenschwester — beugte sich mit einem freundlichen Gesicht über Horst: .
Nun, da sind wir ja aufgewacht! meinte sie lächelnd und faßte nach dem Puls des Kranken. „Wie geht es Ihnen? Noch sehr Schmerzen?"
„Nicht sehr schlimm!" kam es leise von den Lippen Horsts. „Schwester, sagen Sie, was ist das alles? Wo bin ich, und wie kam ich hierher? Was ist geschehen, seitdem ich mit meiner Adoptivschwe- fter —
Biele Fragen auf einmal", meinte lächelnd die 1 freundliche Schwester. „Ich werde alles beantwar- 1 ten Aber erlauben Sie, daß ich noch den Stations- t arz't dazu rufe; ich muß erst wissen, ob er Ihnen das viele Sprechen erlaubt!"
Nachdem Dundee sich von. Hopman verabschiedet hatte, um zu einer Besprechung mit ,cinJr™ De^ Herren vom Alex zu gehen, begab sich Hopman nochmals in die Halle.
Gerade wurde das Expreßgepäck des Barons von Gernsheim von dem Gepäckauto des Hotels her - befördert. Interessiert musterte Hopman Die Koner. Sie alle zeigten die Initialen H. v. G. und die G - päckzettel fremder Länder. Zweifellos, sie wäre ordnungsgemäß von Indien hierher gekommen daran war nicht zu rütteln.
„Welche Zimmer bewohnt Beron von Gern^ heim?" fragte er leise den Angestellten, den er sicy vorhin durch ein größeres Trinkgeld zu Auskünften bereitwillig gemacht. .
„Zimmer zweihundertzweiunddreißig mit -oav, Herr Doktor! Aber der Herr ist nicht da.
„So — ist nicht da!" meinte Hopman. „Na schön!" ..
Eine Weile danach schlenderte er den Korridor entlang. Gerade wurden die Koffer mit den Initialen H. v. G. in das Zimmer zweihundertzweiund- dreißig verladen.
„Ach, da find ja meine Koffer!" sagte Hopma,v und trat direkt hinter den Hausdiener in das Zimmer zweihundertzweiunddreißig. „Schön, daß Sie die Sachen so prompt abgeholt haben!"
Er ließ ein paar Markstücke in die Hände der erfreuten ahnungslosen Angestellten gleiten. Die


