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Zreitag, 22. Februar 1935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)
Nr. 45 Zweites Blaff
zog sich von der Bühne zurück und lebte eifrig schaf-1 konzerte, — send, unterrichtend und — sparend. Zeugnis der
Berlin SW 68.)
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Zeit zu eigen machte.
In der Stille des väterlichen Hauses „lebte und webte er von Kindesbeinen an in den Tönen, als
„Hohe Schule."
Lichtspielhaus.
Die Welt der Manege und des Varietes ist, man aus manchen früheren Filmen weiß, ein
Der 23. Februar d. I. wird der Beginn großer musikalischer Ereignisse sein, an denen die gesamten Kulturvölker, in erster Linie indes das deutsche Volk, teilhaben: die „Deutsch e- Bach-Händel-Schütz- Feier 19 3 5", die die Reichsmusikkammer im Auftrage des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda durchführen tgirb.
Ein eigenartiges Geschick hat es gefügt, daß die Geburtstage dieser drei Meister, die die tragenden Pfeiler deutscher Ewig- heitsmusik sind, alle ins Fahr „85" fallen. Heinrich Schütz wurde am 8. Oktober 1585, Johann Sebastian Bach am 21. März und Georg Friedrich H ä n- d e l am 23. Februar 1685 geboren. Auch sonst sind der inneren Beziehungen zwischen ihnen nicht wenige. Das Musikjahr 1935 wird ein Jahr der Selbstbesinnung auf die Urauel- len unserer Musik *jein, einer Kunst, die in allem der Spiegel des völkischen Lebens ist, dem diese Meister bluts- und artgemäß angehörten: Kraftvoll und urgesund, ringend und kämpferisch, hingegeben und selbstvergessen, dazu sinn- voll, heiter und natürlich — das ihr Gehalt; und ihre technische Anlage: sorgfältig, gediegen, gekonnt und ehrlich, vom kleinsten Handwerk bis zu den gigantischen Wunderbauten kompliziertester Formgebungen, deren menschlicher Geist
er kaum seiner Gliedmaßen mächtig Historie berichtet von „nächtlichen Mi , , der Sechsjährige auf einem Klavichord unter dem Dache des Hauses vornahm — trotz dem Verbot des Vaters. Dieser, von Beruf „ein kurfürstlich brandenburgischer Leibchirurg" und sehr energischer Charakter, wünschte seinen Sohn als ordentlichen Juristen zu' sehen, da er von der „brotlosen Kunst" nicht allzu
Georg Friedrich Händel, ein Altmeister deutscher Musik
Zu seinem 250. Geburtstage am 23. Februar.
Don Dr. Friedrich Welter, Berlin.
gangenem und Gegenwärtigem. *
Die Generalstochter Irene von Ketterer soll einen ungeliebten, aber reichen Mann heiraten, der it)re Eltern die Möglichkeit bieten würde, sich aus einer schwierigen Situation zu retten. Sie lehnt das ao und will ihr Schicksal selbst in die Hand "Amen, das Einzige, was sie gelernt hat, ist mit Pseroen umgehen und reiten. So kommt es, daß ste Die Bekanntschaft eines berühmten Schulreiters namens Carlo Cavelli macht, der ein Meister seines Faches ist. Aber sein Erfolg ist von Sensation und Geheimnis umwittert; man glaubt zu wissen, daß er nicht immer, nicht von Kindheit auf, wie alle seine Kollegen, Artist gewesen ist. Er findet sich, nach anfänglichem Sträuben, bereit, Irene auszubilden; ste lernen sich näher kennen und lieben, sie wollen zusammen ins Ausland und dort heiraten. Alles würde gut gehen — da gelingt es dem durch Cavelli verdrängten reichen Freier, die Maske zu lüften, unter der der Schulreiter Abend für Abend m Den Sattel steigt: Cavelli war früher Offizier, er heitzl
noch voller Geheimnisse. Die junge Dame, Erbin eines Vermögens von einer halben Million Mark, war beschuldigt worden, sich in einem vornehmen Geschäft in Westend durch Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Besitz von Waren gesetzt zu haben. Vergeblich beteuerte sie, daß es sich nicht um sie gehandelt haben könne, sondern daß eine andere Frau die Schuldige sein müsse. Auf Grund der Beweisführung erkannte das Gericht sie wissentlichen Betruges für schuldig und das Mädchen mußte seine Gefängnisstrafe verbüßen, bet der sie selbstverständlich genau dieselbe Behandlung erfuhr, wie alle anderen weiblichen Gefangenen. Immer wieder beteuerte sie, zu Unrecht verurteilt worden zu sein, und ihr erstes Wort, das sie nach ytyctt Freilassung sprach, galt der Ermittlung jener rätselhaften Frau, die mit ihr in jenem verhängnisvollen Betrugsmanöver offensichtlich verwechselt worden war. Ihre Mutter war während der langen Monate der Abwesenheit ihrer Tochter nicht müßig; sie setzte eine hohe Belohnung für die Auffindung jener unbekannten Doppelgängerin ihrer Tochter aus und beauftragte Privatdetektive mit einer genauen Nachprüfung aller gegen sie erhobenen Vorwurfe. Ueber- raschenderweise fanden sich schon kurze Zeit nach der Freilassung der Gefangenen Detektive von Scotland Yard, der Londoner Kriminalbehörde, bei ihr ein und verhörten sie eingehend, da man einer Betrügerin auf der Spur ist, die wirklich eine gewisse Ähnlichkeit mit Dorothy Sibley besitzt. „Die Detektive nannten mir eine Anschrift, die von der verdächtigen Frau angegeben worden ist, und ich werde selber hingehen, um mich davon zu überzeugen, wer sie ist", versicherte Dorothy Sibley mit großer Entschlossenheit, und sie läßt sich offensichtlich vcm diesem nicht ungefährlichen Unternehmen, die Unbekannte selbst ausfindig zu machen, durch nichts abhalten. „Wenn es die Frau ist, die ich suche, dann werde ich alles daran setzen, meinen Fall von neuem aufzurollen und mich zu recht- fertigen."
Rundfunk erfüllt einen letzten Wunsch.
Ein rührender Vorgang hat sich vor kurzem in Melbourne (Australien) ereignet. Dort lag eine alte Frau im Sterben, die den Wunsch äußerte, noch einmal die Stimme ihre Sohnes zu hören, der in Sidney war. Der Arzt telephonierte nach Sidney und veranlaßte, daß der Sohn einige Augenblicks an das Mikrophon des dortigen Senders treten konnte Die Sterbende hörte nun durch ihren Laut- sprechet einige beruhigende Worte ihres Sohnes Wellige Minuten später starb sie.
Und vor allem auch das Verdienst des Schauspielers Rudolf Forster. Man begegnet ihm hier wm ersten Male nach langer Pause wieder: er hat einer langwierigen Krankheit wegen jroet Jahre aussetzen müssen und nicht filmen können. Jetzt kehrt er zurück — in einer Rolle, die keiner so spielen könnte wie er. Er ist auch hier geblieben, was er immer war, und was jede einer früheren Rollen auszeichnete: Kavalier, Gentleman, Grandseigneur. Keiner konnte so wie er sich m das Doppelviel gerade dieser Rolle einfühlen, so das Gegenwärtige aus dem Früheren ableiten, erklären und formen. Er bleibt auch als Cavelli noch immer der Rittmeister Graf Werffen: ruhig, sicher, kühl und beherrscht, ohne ein lautes Wort, ohne eine unkontrollierte Bewegung. Wundervoll knapp' die kleine entscheidende Liebesszene... der Höhepunkt des Films, ohne Zweifel, auch um des willen, weil sich die zwingende und eindringliche Gestaltung Forsters h er ganz unmittelbar auf feine Partnerin überträgt: Angela Salloker, junge Schauspielerin
fähig ist. So lebten diese Künstler musizierend, schaffend und lehrend, von vielen ihrer Zeitgenossen gekannt und bewundert, aber längst nicht nach ihrem wahren Wert anerkannt und gewürdigt.
Das gilt auch von Georg Friedrich Händel, obschon gerade er in weit höherem Maße als Schütz und besonders Bach mitten in der großen Welt stand. Er war ganz und gar eine expansive Natur. Wie feine Musik das weite, umspannende Gefühl besitzt, so durcheilte er in feiner ungewöhnlichen KünsUer- lausbahn die verschiedensten Stationen; eine Siegernatur, die sich als Charakter überall zu behaupten wußte, und als Künstler mit der Schnelligkeit des Genies sich die technischen Errungenschaften seiner
Georg Friedrich Händel, nach einem Gemälde von Hudson, gestochen von I. Faber 1749. — (Photo: Scherls Bilderdienst,
iiHLietie, — „ein ergreifender Anblick", nach dem Zeugnis der Zeitgenossen. Am 14. April 1759 erlischt ein irdisches Dasein.
Händel steht als Mensch und Künstler gleich groß da, ähnlich wie sein großer Zeitgenosse Bach den er nie gesehen hat. Sein Leben, ausschließlich tm Dienste der Kunst, hatte ihn in reiche Hauser m Fürsten- und Königspaläste geführt. Die Portrats aus verschiedenen Zeiten — so von Hogarth, Schmidt, Hudson oder H o u b r a t e n — zeigen uns einen majestätischen Kopf mit dem fieberen Blick eines felbstbewußten Künstlers. Der meift gutmütig dreinschauende „große Bär", der sich feinen geraden, unverfälschten Sinn bewahrt hatte, konnte bei Verletzung seines Künstlerstolzes gewalttätig werden, wie bei der Sängerin Cuzzoni, Die er buchstäblich durchs Fenster werfen wollte, da sie die Fassung einer Arie für nicht wirkungsvoll genug hielt, um damit zu glänzen.
Wir verehren heute Händel in erster Linie als den Schöpfer und Vollender des Oratoriums uyd großer Chorwerke, in zweiter Linie als Jnftru- mentalkomponiften und erst in letzter Hinsicht als Opernkomponist. Dieser letzte Teil seines Schaffens ist für die heutige Praxis als Ganzes verloren. Aber die verschwenderische Fülle an Musik wird sich in Einzelheiten gewiß verwerten lassen. Handels Jnstrumentalschöpfungen, die Orchester- und Orgelkonzerte, begegnen uns immer häufiger in musikalischen Veranstaltungen, und gerade Die neuere Zeit hat zu diesem Musizieren mit Kammerorchestern in kleinerer Besetzung wieder Einstellung und Stilgefühl gewonnen. Im Vordergrund des Interesses werden natürlich nach wie vor Die großen Chorwerke stehen. Hierin ist Handel unvergleichlich groß. Ihm geht es nicht auf Komplizierung der Anlage — es wäre also verfehlt, ihn lediglich als großen „Fugenmeister" anzusehen — sondern auf Weitung und Spannung Der Form. Gerade in der Abweichung vom strengen Schema zeigt sich seine ganze Persönlichkeit, bei der em echt freiheitlicher Zug spürbar ist. Beethovens Worte: „Vor ihm beuge ich meine Knie" und: ,Tms ist das Wahre" dürfen wir gewiß in dieser Rich-
aus München, im „Schwarzen Walfisch neben Jannings seinerzeit zum ersten Male herausgestellt und sogleich „entdeckt"; hier wirkt sie für unser Gefühl, stärker als in jener ersten Filmrolle, einfacher klarer, bestimmter; und diese kleine, saft stumme, nur aus ein paar geflüsterten Worten bestehende Liebesszene hat gezeigt wessen sie — offenbar unter dem mitreißenden Einfluß der Persönlichkeit ihres großen Partners — an einfachem und bedingungslos I) ingegeben em Ausdruck eines starken Gefühls fähig ift*
Die Spannung der schweren Konflikte wird durch ein paar unbeschwert-heitere, episodenhaft eingestreute Szenen angenehm gelockert: die halb grotesken halb gemütsvollen Tiraden des Wiener Komikers Hans Moser, der Cavellis Diener spielt, sind in ihrer Art kaum zu übertref en. Von Den übrigen, kaum bekannten Darstellern seien genannt: Hans Homma (Der alte Herr von Ketterer), Lifl K i n a st (Flori), Neugebauer, Hübner, Rieß, H o r k y unD Die Tänzerin Dmah Grace.
Vom wunDervollen Pferdematerial der „Hohen Schule" wird nicht nur der Kenner entzückt sein. Der Film erschien beim Neuen Deutschen Lichtspiel- Syndikat in Berlin. —r—
Die Strafgefangene als Detektiv.
gemein dankbares Motiv für die Kamera.
ewige Zauber der Kulisse ist ja auch auf dem Theater immer wieder erprobt. Die Photographie des Films, beweglicher, impressiver und konzentrierter findet in Der bunten Welt der Tänzerinnen, Artisten und Komiker, bei Probe, Austritt und Engagement, in der Garderobe, im Stall, im Zuschauerraum und hinter dem Vorhang eine Fülle farbiger, rhythmischer, physiognomischer Einzelheiten, welche, geschickt überblendet und ineinander- gewirkt, nicht nur ein reizvolles Bild --.g-sen sondern auch jene eigentümliche, oft beschriebene Atmosphäre einfangen, die Den Schauplatz und die Umwelt des Films ..tzghe Schule" bezeichnen D es ist der Auftakt und gewissermaßen die Generalprabe für den Regisseur Erich Engel: es war zu er- warten, daß er eine starke und farbige Wirkung Damit erzielen roürDe; aber dies ist "^ch mch alles, noch nicht Das Eigentliche. Es handelt sich hier um eine Fabel, eine sehr romantische und romanhafte Geschichte, die ihre besondere Elgnung gerade für eine filmische Gestaltung aus der D p- pelschichtigkeit ihrer Handlungselemente gewin , aus Der Ueberlagerung und Ueberschneidung ZM Szenenreihen, aus der zu einem wahrhaft Dram tischen Konflikt führenden Berührung von ^er-
Reich an Ehren und Ruhm und mit zahlreichen neuen Opern, Kantaten und kirchlichen Werken kehrte Händel nach Deutschland zurück. Es war nur em Zwi chenaufenthalt. Wohl nahm er die Hoskapell- meisterstelle in Hannover an, die ihm der Kurfurft unter günstigen Bedingungen anbot, aber frühere Abmachungen mögen schon in Italien getroffen worden sein, die ihn nach England riefen. Nur ein kurzer Besuch war vorgesehen — aber es wurde cm einjähriger Aufenthalt, und, nachdem er im Sommer 1711 seinen Pflichten in Hannover nachgekommen war, weilte er bereits Neujahr 1712 wieder m
England wurde seine zweite Heimat die er nur zu kurzen Reisen nach Deutschland oder Italien verließ Sein künstlerisches Wirken gehörte von nun an diesem Lande, das ihm eine begeisterte Aufnahme bereitet hatte und von dessen Herrschern ihm wärmste Förderung und Anerkennung zuteil wurde. Allerdings fehlte es auch nicht an Stimmen der Gegnerschaft besonders in Den Kreisen des englischen Adels, wogegen Der Mittelstand ein treuer Verehrer Han- delscher Kunst wurde. Ein besonderes Schmerzenskind war die Oper. Fast zwei volle Jahrzehnte (1720 bis 1737) widmete er ihr seine ganze Schaffenskraft; aber ein dauernder Erfolg war lhm hierin in finanzieller Hinsicht) nicht beschieden. 1737 trat Die Katastrophe ein: Händel hatte fein ganzes Vermögen und seine Gesundheit eingebußt.
Hatte ihn das Schicksal auch schwer getroffen seine ungebrochene Lebenskraft machte ihn bald wieder zum Herrn Der Situation. Eine Aachener Gewaltkur heilte ihn in wenigen Tagen — Die Nonnen glaubten, ein Wunder zu erleben! — und im November ist er wieder in London am Werk. Aber die Not Der Verhältnisse trieb HanDel, mehr und mehr von der Oper Abschied zu nehmen Dem Oratorium gilt nun sein Hauptinteresse. Indern er auf seine früheren Versuche dieser Art zuruck- ariff, hatte er bald der neuen Gattung, die zunächst als eine Art „geistliche Op< oder ''Musikalisches Drama" gedacht war, eine Höhe und Vollendung gegeben, die bis heute unerreicht dasteht „
Seit Dem gewaltigen Erfolge des „M e s s i a s (1742) fanD Händels Genie uneingeschränkte Anerkennung. So wäre ihm ein harmonischer Lebensabend beschieden gewesen, wenn ihn nicht 1751 Das grausame Geschick der Erblindung getroffen hätte, eine Folge der enormen Anforderungen die er an seine ßeiftungsfraft stellte, und denen selbst eine olche Hünennatur wie er auf die Dauer nicht standhalten konnte. Die letzten acht Jahre verbringt : der Altmeister mit Verbesserungen und Aenderun- • gen seiner Werke. Daneben veranstaltet er Orgel-
Jn früher Morgenstunde fuhr kürzlich vor dem Holloway - Gefängnis in London em eleganter Sportwagen vor. Auf fern Hupensignal öffneten sich die schweren Eisentore, und langsam fuhr der Wagen in das Innere des Gefängnishofes, em seltsamer Anblick für Die wenigen Passanten die neugierig stehen geblieben waren. Im Gefangmshof stand ein junges Mädchen im Alter von etwa neunzehn Jahren in dunklem Mantel und Hut, tue tn Begleitung einer Gefängniswärterin offenbar schon einige Zeit auf den Wagen gewartet hatte. Em kurzer kühler Abschied, und die junge soeben entlassene Strafgefangene bestieg, von einer alten Dame im Innern des Wagens herzlich begrüßt, das vornehme Gefährt. Unter Hupensignalen ging es langsam wieder hinaus ins Freie, wo der Fahrer eine raschere Gangart einschaltete. Um wen hatte e5 sich bei dieser seltsamen Fremden gehandelt, was batte sie als Gefangene in das große graue Gebäude geführt. Nur eine Verkettung unglücklicher Geschehnisse konnte das anmutige junge Mädchen in eine solche Umgebung bringen. In der Tat ist die Geschichte der jungen Esmee Marie Dorothy Sibley, die im Holloway-Gefängnis eine Strafe von sechs Monaten abbüßte, sehr merkwürdig und auch setzt
eigentlich Graf Werfsen, er hat als Rittmeister vor Jahren seinen besten Freund und Kameraden Franz von Ketterer, den Sohn des Generals und Irenes Bruder, im Duell erschossen... angeblich wegen einer läppischen Weibergeschichte. Nun scheint alles verloren. Aber Cavelli, der Irene liebt und sie um jeden Preis und gegen jeden Widerstand zu seiner Frau machen will, erreicht sein Ziel mit einem ebenso überraschenden wie bestürzenden Bekenntnis: jenes Duell vor fünfzehn Jahren war eine grausame Mystifikation, ein verzweifelter Gewaltakt um den Namen feines Freundes vor unauslöschlicher Schande zu bewahren: der junge Ketterer war der Spionage für eine fremde Macht unwiderleglich überführt. — Das ist die Losung des Geheimnisses, die überraschende Wendung, mit der Cavelli sich selber und Der Geliebten Den Weg m eine gemeinsame Zukunft erzwingt.
Man sieht: eine romantische unD romanhafte Geschichte, eine Fabel, die, künstlerisch betrachtet und gewertet, gefährlich genannt werden Darf, well sie sehr leicht entgleisen und in billige und verdächtige Kolportage abgleiten konnte. Daß sie davor bewahrt blieb, ist das Verdienst der Spielführung, die nicht nur das bunte, bewegte, reizvoll-verwirrende Außenbild mit leichter und sicherer Hand beherrscht, sondern darüber hinaus auch die psychologischen Hintergründe aufdeckt und die dramatischen Verstrickungen herausarbeitet... auf eine Weise, die sich jederzeit den Blick für die künstlerischen Möglichkeiten und
: Notwendigkeiten bewahrt^
1706 ging er nach Italien. Künstlerische Gründe waren dafür in erster Linie bestimmend. Italien war damals das „goldene Land der Musik". Für Den jungen Meister wurde der dreijährige Aufenthalt zum entscheidenden Erlebnis, die Auseinandersetzung des nordischen Geistes mit dem'südlichen gab seiner Tonsprache erst die spezifischen Eigenwerte und, ähnlich wie spater ein M o z a r t, unbeschadet seiner deutschen Natur, in dieser Verschmelzung seinen Genius offenbart hat, so erreichte Handel gerade hierdurch eine ungeahnte Größe, Reinheit und Universalität. Auch' hier, in dieser neuen Umgebung, eroberte er sich rasch das neue Feld als Komponist, Cembalist und Organist. Florenz, Neapel, Rom Venedig waren die Stationen seines Wirkens, seiner Erfolge. Zahlreiche hübsche Anekdoten beleuchten treffend die Wesensart des „Caro Sassone“, der bei feinem zweiten römischen Aufenthalt in Schaffen, geistiger Anregung und Anerkennung die glücklichste Zeit seiner Jugend verlebte. Ein Wettstreit mit Dem berühmten Cembalisten D. Scarlatti endete auf dem Klavier unentschieden; auf der Orgel aber gestand dieser seinem deutschen Kunstgenossen neidlos den Vorrang zu. Einem Bekehrungsversuch, ihn als Protestanten einem anderen Glauben zuzuführen, begegnete er mit ruhiger Festigkeit, „er sei weder geschult noch geneigt, über geistliche Dinge Rach- orfchungen anzustellen; er, sei aber fest entschlossen, zeitlebens in der Kirche zu verharren, der er durch Geburt und Erziehung angel) öre".
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Händel ist eine Erscheinung von majestätischer Größe und Kraft, ein Schöpfer musikalischer Werte, von denen unsere Kultur noch lebt. Die Händel- Pflege befindet sich in aufsteigender Linie, dank der Neuen Händel-Geiellschast und dank der unermu^ lichen Sammlertätigkeit des Forschers Friedrich Chrysander, der das gigantische Lebenswerk erstmalig von allen Entstellungen und Zutaten befreit hat, denen des Meisters Kompositionen zu allen Zeiten ausgesetzt waren.
llniversitäts-Studienfahrt nach Cnaland.
LPD. Marburg, 21. Febr. Zwölf Dozenten und Studierende der Philipps-Universität haben gestern eine Studienfahrt nach England angetreten um das Leben Englands, insbesondere an den englischen Hochschulen, kennenzulernen Die Reise, die mit Unterstützung des englischen Seminars der Universität durchgeführt wird, geht über Springhead, Bristol, Oxford, Cambridge London, Winchester und Petersfield. Der an der Fahrt teilnehmende Direktor des Univerfitätsinstltutes für Leibesübungen, Professor I a e ck, wird in diesen Städten Lichtbildervorträge über die Berliner Olympischen Spiele 1936 halten.
Mißlungener Versuch zur Ansiedlung von Schwänen am Kühkopf.
Darmstadt. 21. F-br. (LP?).) Im oergange- nen Jahr wurden auf Dem Altrhein runo um das Naturschutzgebiet Des Kü h ko p f auch Schwäne angesetzt, Die schlecht durchgehalten haben. Vor kurzem rourDe ein Schwan bei (Seins- beim tot aufgefunDen, währenD ein zweiter jetzt in Der Nähe von Erfelden verendet ist. Man ist nun bemüht, die Ursache des Mißlingens des Versuchs, Schwäne anzufiedeln, zu ergründen.
viel hielt. Allein eine Reise nach Weißenfels, wo der Kleine sich vor dem Fürsten produzierte, erschütterte die antimusikalischen Grundsätze des Vaters, Der ihn nun in die Lehre Des gediegen-tüchtigen Organ.sten F. W. Zachau gab. Auch eine Reise nach Berlin im Jahre 1696 verlief ähnlich erfolgreich: der Kurfürst erbot sich für Die Ausbildung des Knaben zu sorgen (Händels Vater lehnte jedoch ab!).
Den Siebzehnjährigen treffen wir als „Studiosus juris“ in Halle, Der damit Den Willen des verstorbenen Vaters ehrte; in die gleiche Zeit fällt aber auch „die Bestallung von den Organisten Händel". Indes scheint es dem jungen Feuerkopf in der Enge der Vaterstadt nicht behagt zu haben: 1703 ist er in Hamburg, der Damaligen Musikzentrale Deutschlands. R. Keiser, der beliebte Opernkomponlst, der in verwerflicher Weise dem Tagesgeschmack nachkam, überließ dem Jüngling das Textbuch Der „A l - m i r a" zur Komposition. Dieses Erstlingswerk machte Händel mit einem Schlage berühmt; eine zweite Oper, „N e r o", fand gleichfalls großen Beifall Aus Dem gelehrigen Schüler war ein Rivale geworden. Der Neid des älteren Kollegen Keifer regte sich, Theaterintriguen fetzten ein. Händels vornehmem, sauberem Wesen widerstrebte all dies: er


