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England und -er Mein

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Volkes durch Adolf Eitler.

So;ia!poii>ische Maßnahmen m der Zigorrenindustrie.

dcner Typen in der Zwischenzeit von Ita­lien nach Libyen gesandt worden seien. Die Haupt­masse der italienischen Streitkräfte sei längs der ägyptischen Grenze versammelt, man sage, daß sie ungefähr dreimal so stark sei, wie

die gesamten britischen Streitkräfte Aegypten.

Die Zurückhaltung Frankreichs, in einem Streit mit I englischen Außenministers beginnen.

Italien verwickelt zu werden, habe bisher ro e« ---

London, 21. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Frage der gegenseitigen militärischen Unter st ützung der Völkerbunds st aa- ten im Falle eines Angriffes wird von der Morgenpresse als Kernfrage der zukünfti­gen Entwicklung im italienisch-abessinischen Streit bezeichnet.Daily Telegraph" meldet, die Frage, welche Beiträge andere Völkerbund s- taaten zur kollektiven militärischen Sicherheit leisten wollen, sei bisher neben Frankreich an Jugoslawien, die Tür­kei, Spanien und Griechenland gerich- t e t worden. Diese hätten zwar ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, sich an der praktischen Un­terstützung in diesem weiteren Sanktionsabschnitt unter Artikel 16 der Satzung zu beteiligen, aber alle hätten aus Erwägungen dieser oder jener Art betont, es sei unwahrscheinlich, daß sie sofort aktive Schritte unternehmen könnten.

Morning Post" meldet, es bestehe eine Ver­einbarung zwischen der französischen und briti­schen Admiralität, daß die britische Flotte notfalls Bizerta und andere franzö­sische Mittelmeerhäfen benützen könnte.

nig Vertrauen eingeflößt. Was die anderen Mittelmeermächte angehe, so müsse bedacht werden, daß ihre Mitarbeit wegen ihrer geringen Flotten­stärke weniger für einen Einsatz in Be­tracht komme. Ihre Zustimmung lind ihre Mit­arbeit sei mehr das Sinnbild einer kollektiven Maßnahme. Außerdem bezögen sich die bisher ab­gegebenen Versicherungen nur q u j d i e gegen­wärtige Lage, in der nur die in i I b e r e n Sühnemaßnahmen in Kraft sind. Wie sich die Mächte aber im Falle des Oelausfuhr- Verbotes verhalten würden, sei eine Frage, die noch ernstlich erwogen werden müsse. Es sei bekannt, daß Laval kraft seiner vorherigen Versicherungen Sir Samuel Hoare gegenüber nicht dafür habe einstehcn können, was sich ereignen werde, wenn die Oelsanktionen einen Angriff Italiens auf die britische Flotte zur Folge haben würden. Eine Klarstel­lung der französischen Stellungnahme sei daher äußerst wichtig, bevor England weitere Schritte in der Frage der Oelsanktionen unternehmen könne. Ein Meinungsaustausch darüber werde mit Paris wahrscheinlich sofort nach der Ernennung des neuen

Welche Mittelmeennächte sind zur Unterstützung Englands bereit? Eine englische Rundfrage. Neue Verhandlungen mit Frankreich.

Die Machtfrage im Pazifik.

Oer amerikanische Senator pittman warnt vor der japanischen Gefahr.

tere Gedanken zu machen, verehrt hatte.

So lagen die Dinge bis zur n e u e st e n über­raschenden Wendung, die wir vorläufig nur als Tatsache vor uns sehen, ohne die Geheimnisse ihrer Entsteyung zu kennen. Wie ist die englische Regie­rung so plötzlich zur Erkenntnis gekommen, daß sie eine ganz neue und unenglische Methode der Po­litik befolgte, und daß es besser wäre, zu der be­währten, jedem Engländer vertrauten zurück­zukehren? War es ein Gegensatz der Genera­tionen, d. h. zwischen Herrn Eden, der wie die ganze jüngere Schicht der englischen Oberklasse zu­viel in Frankreich war, um noch ganz englisch zu sein, und Baldwin, der bei aller Aufnahmefähig­keit für so neue Ideen wie Völkerbund und Kollek­tivität ujw. doch ein richtiger alter Engländer ge­blieben ist, und dem plötzlich in letzter Stunde ein Licht aufging, wohin er von Eden geführt wurde? Ich habe in diesen Tagen viel gelernt", kam es neulich von seinen noch nichtentsiegelten Lippen"!

Wir stehen mitten in einer merkwürdigen Be­wegtheit der europäischen Politik, die vor allem auch oolkspsychologische Ursachen hat. Kein Volk ist mehr so, wie cs 1914 war. auch Frankreich und England nicht. Eine Zeitlang schien es, als ob die intime Berührung der Insel mit dem Kontinent, vor allem mit Frankreich während des Krieges und nachher den privaten und politischen Charakter Englands verändert habe: vielleicht war die Völkerbundspoli- tik im abessinischen Falle das deutlichste Symptom dieser Kantinentalisierung Englands. Aber es war so deutlich, daß es einige alte echte Engländer kopf­scheu machte. Daher nun diese Verwirrung, der vorläufig nicht ganz logisch, aber gut englisch der Außenminister Hoare zum Opfer gefallen ist.

Frankreich verteidigt sich.

Paris, 21. Dez. (DRB. Funkspr.) Das Journal" und andere Blätter verwahren sich gegen die Bemerkung Baldwins, daß England bei der Ein­leitung der Sühnemaßnahmen gegen Italien allein gestanden habe. Dieser gegen Frank­reich gerichtete Vorwurf sei ungerecht, denn Frankreich habe seine Gemeinschaftspflicht nicht ver­säumt.Le Jour" macht darauf aufmerksam, daß Eng-

pan klein beigeben, ohne daß wir einen Schuß abzugeben brauchten."

In Washington werden die Ausführungen von Senator Pittman nicht ernst genommen. Im Staatsdepartement wird der scharfe Ton gegen Ja­pan um so mehr bedauert, als Pittman Vor­sitzender des Senatsausschusses für auswärtige An­gelegenheiten ist.

Japans Interessen in der Südsee.

Tokio, 20. Dez. (DRB.) Das japanische Kabi­nett beschloß die Errichtung einer South- j e a s Development Co. mit 20 Millionen Yen Kapital. An der Gründungsoersammlung nahmen Vertreter sämtlicher Ministerien, des Handels, der Schiffahrt und der Industrie teil. Im Auswär­tigen Amt wurde außerdem eine neue A b - teilung für Südseeangelegenheiten eingerichtet. Tokio Asahi Schimbun" bemerkt dazu, daß Japans Südseepolitik nur auf f r e u n d l i ch e Bezie­hungen mit den Südseeländern gerichtet sei. Die neue Gesellschaft werde beweisen, daß Japan keine Eroberungsabsichten gegenüber Australien, den Philippinen, Holländisch-Jndien oder anderen Südseebesitzungen habe. Amtlich wird fer­ner mitgeteilt, daß das Generalgouvernement der Südseeinseln für einen Zehnjahresplan zur Förderung des Verkehrs, Hafenausbaues usw. 30 Millionen Yen bereitstellt.

Washington, 20. Dez. (DRB.) Der Vor­sitzende des Senatsausschusses für auswärtige An­gelegenheiten, Senator Pittman, der zu den führenden Persönlichkeiten der regiereuben bemo= kratischen Partei gehört, führte in einer Rede u. a. aus, daß die Vereinigten Staaten unweigerlich i n einen Verteidigungskrieg im Stillen Ozean verwickelt werden würden, wenn die derzeitige japanische Regierung am Ruder bleibe. Er behauptete, daß die Eroberung Chinas der erste Schritt sei, dem ein japanischer (Einfall auf ben Philippinen, in H a - wai und an der Westküste der Ver­einigten Staaten folgen werde. Er ging soweit, sogar von der Gefahr einer Besetzung der Westküste Mexikos und Südameri- k a s durch Japan zu sprechen. Es werde der Tag kommen, an dem Amerika um sein Dasein gegen Japan kämpfen müsse. Es könne vor Japans Vor­dringen entweder immer weiter zurückweichen oder sich entscheiden, Japan zu erklären:Bis hierher und nicht weiter." Der Völkerbund habe versagt. Japan könne mit den Bindungen Englands in Europa und der pazifistischen Gesinnung in Ame­rika rechnen:Rur vor einem hat Japan Angst, und das ist die Zusammenfassung der britischen und amerikanischen Flotte. Wenn die beiden Flotten gleichzeitig in der Nähe Japans Manöver abhalten sollten, so würde Ja-

Berlin, 21. Dez. (DNB. - Funkspruch.) Der R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r hat im Einverneh­men mit dem Reichswirtschaftsmini st er eine 15. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit erlassen. Sie regelt dringende sozialpolitische Fragen in der deutschen Zigarrenherstellung. Zunächst bestimmt sie, daß die von der Deutschen Arbeitsfront zu errichtende Einstufungsstelle für die deut­sche Zigarrenherstellung alle im Deutschen Reich her- gestellten Zigarren, Zigarillos und Stumven unter die Entgeltbestimmungen der Reichstarifordnung für die Zigarrenherstellung einzustuscn hat. Damit wird der Tätigkeit des bisherigen Tarifierungsamtes die notwendige, seit dem Wegfall der früheren Tarif- oertragsparteien fehlende rechtliche Grundlage wie­dergegeben. Der zweite Teil der Durchführungsver­ordnung schreibt die Errichtung einer Lohn­ausgleichskasse vor. Sie soll es ermöglichen, den in der Zigarrenherstellung beschäftigten F a- milienvätern vom 1. Januar 1936 ab eine Familienzulage zu gewähren. Die Zusam­mensetzung der Belegschaft ist so verschieden, daß große Lohnunterschiede in den einzelnen Bezirken vorhanden sind. Diese werden dadurch noch ver­größert, daß die männlichen Arbeitskräfte infolge ihrer geringeren Fingerfertigkeit weniger verdienen als die weiblichen. Dieser Umstand wirkte sich zu sozialer Ungerechtigkeit besonders dann aus, wenn es sich um Familienväter mit zahlreichen Familien­angehörigen handelt. Um diesem Notstand abzu­helfen, hat sich der Reichsarbeitsminister entschlossen, den Weg der Errichtung einer Lohnausgleichstasse zu beschreiten. , v . ____,

Mobilmachung nach vorausgegangenem Par­lamentsbeschluß aufbieten könne. Was wäre ge­schehen, so fragt derFigaro", wenn Frankreich Truppen gegen Italien in Bewegung ge­setzt hätte? England könne seine Flotte ins Mit­telmeer schicken, ohne daß das eine tatsächliche feindliche Handlung gegen Italien sei, denn das Mittelmeer sei international. Aber Frankreich hätte durch Truppenoerschiebungen an der französisch-ita­lienischen Grenze Italien gezwungen, seine Grenz­deckung zu verstärken, und das würde Italien a l s feindliche Handlung aufgefaßt haben.

Sendet Italien weitere Truppen nach Libyen?

London, 21. Dez. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet, daß nach Nachrichten aus. Ita­lien die baldige Entsendung einer weite­ren mechanisierten Division nach Ben­gasi an Der libyschen Küste vorbereitet werde. Die augenblickliche genaue Stärke der italienischen Streit­kräfte in Libyen sei schwer zu berechnen. Mussolini habe zwar vor einigen Wochen seine Absicht mitge­teilt, eine Division aus Libyen zurückzusenden, und

Oesterreichs Weg zur allgemeinen Wehrpflicht.

Wien, 20. Dez. (DNB.) Im Bundestag sprach der Stabschef der neugegründeten Miliz General­major K u b e n a. Die Wiedereinführung des E i n - jährig-Freiwilligen-Jahres sowie die Heranziehung von Reserveoffizieren zu Waffenübungen habe die Sicherstellung des er­forderlichen Mehrbedarfs an Offizieren ermöglicht. Die vormilitärische Jugenderziehung habe äußerst günstige Vorbedingungen für die Ein­führung der allgemeinen Wehrpflicht geschaffen. Der Redner verwies weiter auf die Umwandlung der sechs Brigaden in sieben Divisionen und auf die Aufstellung der schnellen Division und der Luft­streitkräfte. Eine Stärkung werde die Landesvertei­digung auch durch die in Bildung begriffene M i l i z erfahren. Infolge Mangels an Mitteln fei Oesterreich gezwungen, die allgemeine Wehrpflicht n b s ch n ittsweise durchzuführen. Aber auch da­bei würden erhöhte Aufwendungen für die Wehr­macht notwendig sein.

Sven Hedin Über den Führer und das neue Deutschland.

Stockholm, 20. Dez. (DNB.) Der bekannte Asienforscher Dr. Sven H e d i n kehrte von einer längeren Vortragsreise in Deutschland zurück. Die Morgenblätter bringen Erklärungen Sven Hedins über seine Eindrücke. Dem RegierungsorganSo» zialdemokraten" erklärte Hedin in einer Unterredung u. a.: Im Unterschied zu der unsicheren Lage im Deutschland von früher hat sich dort jetzt etwas Festes und Bestimmtes herauskristallistert. Die meisten Deutschen strahlen von Zufrie­denheit, und das neue Heer hat die alte Tra­dition für Disziplin und Organisation geweckt/ Das Blatt stellt anschließend fest, daß Hedin feine seit Jahrzehnten allenthalben bekannten Snmpa- thien für Deutschland entwickelte und im gleichen Atemzuge seine warme Sympathie für Hitler erklärte, lieber seinen Besuch beim Führer erklärt Sven Hedin unter anderem:Er hat viele meiner Bücher gelegen und unterhielt sich auch mit großer Kenntnis über Dinge, die meinem Interesse näher lagen." Weiter hob der große schwedische Forscher besonders hervor, daß er überall in Deutschland h ö ch st freundlich und mit Achtung empfangen worden sei. Das olym­pische Stadion in Berlin hat auf Sven Hedin einen großartigen Eindruck gemacht. Eine besondere Freude habe es ihm ferner bereitet, als er in Stettin den greifen Feldmarschall von Mackensen gesehen habe, der gar nicht wie ein 86jähriger Mann ausgesehen habe.

Gauleiter Sprenger dantt der presse Hessen-Maus. Erfolgreich mitgewirkt auf allen Gebieten des Wiederaufbaus.

LPD. Frankfurt a. M., 20. Dez. Gelegen!- lich der letzten diesjährigen Pressekonferenz der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministe­riums für Volksaufklärung und Propaganda am Freitagnachmittag im Bürgersaal des Frankfurter Rathauses nahm Gauleiter Sprenger Veran­lassung, der Presse seines Gaues Dank und An­erkennung dafür auszufprcchen, daß sie jeder­zeit nach besten Kräften auf allen Ge­bieten des Wiederaufbaus mitge­wirkt habe. Der Gauleiter gab feiner Ueberzeu- gunq Ausdruck, daß es. in absehbarer Zeit eine Selbstverständlichkeit sein werde, daß die gesamte Presse aus innerster Uederzeugung heraus sich ver­pflichtet fühlt, das nationalsozialistische Gedankengut dem deutschen Volk zu vermitteln. Auf diesem Wege werde er der Presse alle Unter st ützung zu­teil werden lassen. Die Presse sei oft bas roid)- tigfte Mittel d e r Volksaufklärung. Wenn sich die gesamte Presse in den Dienst der Aufklärung stelle, dann würden wir im neuen Jahr erfolgreich fortschreiten.

Auch der Leiter der Landesstelle Pg. Müller- Scheid brachte der Presse feinen Dank zum Aus- druck. Mit Stolz könne er sagen, daß sich die Presse im Gau Hessen-Nassau in ge­rn b e 5 u mustergültiger Weise zur Ver­fügung gestellt habe. Die Presse sei berufen, bas beispiellose Werk bes Führers zu unterstützen und in ber Hanb bes Führers eines berschlag­kräftig ft en Instrumente zu sein.

Namens bes Gaupresseamts dankte schließlich noch der Gaupresseamtsleiter Pg. G. W. Müller der Presse für ihre bereitwillige Mitarbeit.

Weihnachisgabe des Handwerks für Dr. Ley.

Berlin, 20. Dez. (DNB.) Um den Wieder- erwecker des Gesellenwanderns Dr. Lcy jederzeit an die Wiedereinführung dieses Brauchtums zu erinnern, hat Reichshandwerksmei­ster S chm i d t zusammen mit Landeshandwerks­meister Lohmann dem Schöpfer der Deutschen Arbeitsfront eine k Ü n st 1 e r i s ch wertvolle ArbeitausdemBerlinerHolzschnitzer- Handwerk überreicht. Es ist eine Figur, die einen wandernden Handwerksgesellen darstellt. Der Reichshandwerksmeister erinnerte Dr. Ley bei ber Uebergabe bieses sinnvollen Weihnachtsgeschenkes an ben Tag im Frühling 1935, an dem der Reichs- (eiter der DAF. im Berliner Lustgarten die ersten Wandergesellen verabschiedete. Dr. Ley gab seiner Freude über die schöne Arbeit Ausdruck und hob besonders hervor, wie wichtig es fei, daß die jun­gen Handwerksgesellen Land und Leute in Deutschland kennenlernen und damit ihr Volk und Vaterland erleben. Dies , sei auch ein bedeutsames Mittel für ben weiteren 1 Aufbau bes beutschen Handwerks. Ein besonderes Aufgabengebiet falle hier den Innungen zu, die , durch Förderung des Gesellenwanderns auch die i Weiterentwicklung des Handwerks fördern können. - Zugleich müsse dafür gesorgt werden, daß überall = in ben Innungen ber rechte Geist einziehe, ein mo- berner Geist im Sinne ber (Erneuerung bes beut-

gen werbe, als bies jetzt beim Mittelmeer ber Fall ist". Es ist im Interesse ber guten Beziehun­gen zwischen Deutschland und Großbritannien außerordentlich zu bedauern, daß von englischer Seite immer wieder der Versuch gemacht wird, in ben Schwierigkeiten, bie ber amtlichen englischen Politik im Lanbe selbst erwachsen, als entlastendes und ablenkendes Stimmungsmoment diebeut- ch e Gefahr" zu benutzen, eine Methode, die wir onst nur an Frankreich gewohnt waren. Als be- onders erschwerend muh dieser versteckte Angriff empfunden werden, weil er im Zusammenhang mit ber abessinischen Frage erfolgt, in ber Deutschlanb eine sonst überall anerkannte peinliche Zurückhal­tung gewahrt hat unb in bie es auf feinen Fall hineingezogen zu werben wünscht.

In berselben Rebe hat Balbwin bas Versagen bes Völkerbundes mit der Tatsache zu erklären versucht, baß nicht alle Staaten Mitglieber finb. Auch hierin liegt eine stumme Anklage gegen Deutschland, obwohl in der abessinischen Frage wohl die Nichtmitgliedschaft der Vereinigten Staaten wichtiger ist als die Deutschlands. Aber man weiß, daß der Vorwurf, Deutschland habe durch seinen Austritt die europäischeEinheits­front" gestört, zu dem propagandistischen Rüstzeug unserer Gegner gehört, und daß, wenn ein englischer Minister im Parlament dies auch nur leise andeutet, es allgemein so verstanden wird. Wenn Baldwin die sympathische Offenheit, mit der er sich vor der ganzen Weltöffentlichkeit zu eigenen begangenen Fehlern unb Irrtümern bekannte, auch auf bie wirklichen (3 r ü n b e bes Versagens bes Völ­kerbundes früher und heute ausgedehnt hätte, so hätte er Deutschland völlig aus dem Spiel lassen müssen. Man fragt sich deshalb I in Berlin: war das nötig?

Logik und Politik.

Der Engländer man nimmt natürlich im­mer einen Durchschnitt des Volkes steht in dem Rufe, daß er der untheoretischste und unlogischste Mensch ist: er kümmert sich in seinem Privat- unb Geschäftsleben möglichst wenig barum, ob seine Handlungen unb Entschlüsse mit einem vhilosophi- schen System ober einer logischen Konstruktion über­einstimmen, sonbern läßt nur seinen gefunben Men- schenverstanb sprechen, ber natürlich meist mit einem ebenso gesunben Egoismus gleichbebeutenb ist. Er hat bas Phlegma, bie Dinge an sich herankommen zu lassen, aber er gleicht biefe etwas negative unb gefährliche Eigenschaft durch eine oft überraschende blitzschnelle Entschlußfähigkeit aus, die im geeigneten Augenblick zuzugreifen weiß. Diese nationalen Eigen­schaften haben sich auch in der britischen Politik aus- gedrückt und ihr jenen eigentümlichen Wechsel von Lässigkeit, ja Schlamperei, und etappenweiser, aber totsicher berechneter und angewandter Energie ver­liehen, der andern Völkern oft rätselhaft erschien und zeitweise Gegenstand schärfster Kritik oder scheuer Bewunderung war.

Den polaren Gegensatz dazu stellt etwa der Franzose und die französische Politik dar. Die ungebrochene römische Tradition, die durch keine religiöse oder geistige Reformation abgelenkt wurde, hat in dem französischen Wesen jene Klarheit und Folgerichtigkeit, aber auch die Unbeschwertheit des Denkens erzeugt, auf die man in Frankreich so stolz ist, ohne die Schattenseiten zu erkennen. Diese zeigen sich am meisten dort, wo es ins Kleine oder gar Kleinliche geht, und machen aus jedem Fran­zosen einen Advokaten ober Notar, zum minbesten einen Winkelabookaten. Der Vertrag unb der Stem­pel sind sozusagen die französischen privaten Wap­penembleme. Auch hier spiegelt die Politik das Bild im großen. Von ben Reunionskammern Lubwigs XIV., durch die das deutsche Elsaß und Lothringen rechtens" zu Frankreich geschlagen wurden, bis zu ben Telegraphenstangen unb Kohlentonnen des Ver­sailler Vertrags, bie ben Verzugstitel zum Nul)r° einmarsch liefern mußten, ist eine klare geistige Haltung ber französischen Politik erkennbar, die sich für uns Deutsche am rejnften in den Persönlich­keiten von Poincars unb Barth 0 u ver­körperte. Zwei in ihrer Art großartige und be­wundernswerte Männer, die denProzeß Frank­reich kontra Deutschland" mit allen, eines hohen Gerichtshofs würdigen Künsten zu führen wußten. Der große Nachteil' dieser Methode für die Politik ist der, daß sie immer recht zu haben glaubt, auch wenn das politische, nach Veränderung drän­gende Leben ihr unrecht gegeben hat unb eine Revision des verlorenen Prozesses ganz aussichts­los geworden ist. Ein gekränktes, etwas altjüngfer­lich anmutendes Gefühl, mit einer gerechten Sache nicht durchgedrungen zu sein, das man oft in der französischen Politik bemerkt, ist die Folge dieser rein logischen und konstruktiven Betrachtung der Politik, zu der der Franzose neigt.

Diese Bemerkungen, die nicht neu sind, sondern das durchschnittliche Urteil über die privaten unb politischen Eigenschaften der beiden großen west­lichen Völker wiedergeben, stimmen plötzlich nicht mehr, wenn man Die neue st en Vor­gänge und die Entwicklung der abessinischen Frage an ihnen mißt. Die Engländer sind unter die politischen Logiker und Konstrukteure ge­gangen; sie bauten ihre Politik streng nach dem System unb ben Vorschriften bes Völkerbundes auf, indem sie ausdrücklich verkündeten, es sei ihr Ehr­geiz, diese ganze papierene Orgie bis zur Neige aus» zukosten und das Statut mit den erstaunten Mit­gliedern des Bundesdurchzuexerzieren". Kein Poincar6 oder Barthou hätte die englischen Staats­männer in dieser Sprache übertreffen können. Selbst in Paris war man unangenehm von dem Nach­ahmungstalent Englands überrascht, denn man be­vorzugte dort gerade in diesem Falle eine andere ganz unfranzösische Methode, die auf den Buchstaben der Völkerbundssatzung nicht so großen Wert ge­legt wissen wollte, als auf das freie Abwägen poli­tischer Zweckmäßigkeiten und Nützlichkeiten. Kurz die Rollen waren gründlich vertauscht, was sehr bald sich in der oppositionellen Auflehnung eines Teiles der öffentlichen Meinung sowohl in Frankreich, als in England zeigte: die französische Linke, am meisten verhaftet den juristischen Tira­den der Politik, empört sich gegen die elastische Op­portunität Lavals, die sie als Zynismus empfindet, und der englische Bürger sah sich zu seiner Verwun­derung durch die Negierung aufgefordert, seine po­litische Meinung aus einem komplizierten Vertrags­system zu schöpfen, das er bisher nur ohne sich roei-

es sei auch bekannt, daß gewisse Einheiten zurück­gezogen wurden. Aber ein klarer Beweis, daß die gesamte Division Afrika verlassen habe, sei

Der englische Ministerpräsident B a l d w i n hat \ vor längerer Zeit es war vor der erfreulichen : Entspannung m ben beutsch-englischen Beziehungen i bas Wort von berW a ch t Englands am ' Rhein" geprägt, das damals -allgemeines Auf- ' sehen erregte. Es war aus der Vorstellung eines i angriffslustigen Deutschlands entstanden, dem Eng- land im Bunde mit Frankreich, besonders mit Rück- 1 sicht auf die Veränderungen eines künftigen Krieges durch die Luftwaffe, an der Rheinlinie entgegen­treten müsse. In Deutschland hat man dieses Wort damals als unberechtigte Derdächti- ; gung der deutschen Politik empfunden. Die Ver- 1 hältnisse der Westgrenzen sind bekanntlich durch den Locarnovertrag geregelt, der England nicht einseitig gegen Deutschland bindet, son­dern es ebenso verpflichtet, Deutschland bei einem etwaigen Angriff eines westlichen Nachbars beizu­stehen. Der vielgerühmte Locarnovertrag hätte keinen Sinn und für Deutschland nicht den gering­sten Wert, wenn sein Hauptgarant England all­mählich aus dem Gedächtnis verlöre, daß er seiner­zeit unter der Patenschaft des englischen Botschaf­ters in Berlin Lord D ' A b e r n 0 n auch als Schutz Deutschlands gegen eine Wiederaufnahme der fran­zösischen Rheinpolitik gedacht war und auch so for­muliert wurde.

Mit Erstaunen muß man aus der letzten Rede, die Baldwin bei der Abessiniendebatte im Unterhaus gehalten hat, feststellen, daß er sich von seinen schiefen Anschauungen in dieser Bezie­hung immer noch nicht frei gemacht hat. Mit einer dunklen, aber doch genügend deutlichen Anspie­lung auf Deutschland und die Nheingrenze sprach er davon, daß Der n ä ch st e Anwendungs­fall ber Dölkerbunbsgrunbsätze, also Des Sanktionssystems, um das jetzt England I kämpft,in größerer Nähe Englands lie-1

land feine Flotte ohne Mobilmachung durch

Einstellung der ersten Reserve einsetzen könne, daß niemals vorhanden gewesen. Vielmehr wisse Frankreich sie aber nicht ohne ausdrückliche! man, daß mehrere hundert Motorfahrzeuge verschie-

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