Großer Münzendiebstahl im v Zug
Wert 150000 Schweizer Franken - 6000 Mark Belohnung.
Frankfurt a. M., 19. Nov. (LPD.) Am Don- nerstag, 14. November, fuhr ein polnischer Staatsangehöriger von Paris nach Frankfurt a. M. Nach der Zollrevision legte er sich schlafen. Während dieser Zeit wurde ihm auf der Fahrt zwischen Saar- brücken und Münster am Stein aus dem Gepäcknetz
ein Koffer mit einer Sammlung von zirka 800 Stück alter russischer Münzen gestohlen.
Die Sammlung hat einen Wert von etwa 150 000 Schweizer Franken. Sie soll eine der schönsten und wertvollsten Sammlungen sein, die in Privathand ist. Es handelt sich um Münzen in Platin, Gold, Silber und Kupfer im Werte von 50 bis 3500 Schweizer Franken das Stück. Unter den gestohlenen Münzen befinden sich:
1 Dukatenstück aus der Zeit Fedor Iwanowitsch (1584 bis 1594), 1 Dukatenstück aus der Zeit Alexei Michajlowitsch (1645 bis 1676), 1 Rubel aus dem Jahre 1793 „Effimok", 20 Rubel verschiedener Prägung und 2 Zweikopekenstücke aus der Zeit Alexander I. (1801 bis 1825), mehrere Halbrubel-, Drei« rubel-, Sechsrubel- und Zwölfrubelstücke aus Platin aus der Zeit Nikolaus I. (1825 bis 1835), mehrere Rubel aus der Zeit Alexander II. (1855 bis 1889),
mehrere 15-Rubel-Stücke aus der Zeit Nikolaus II. (1894 bis 1917).
Die Münzen befanden sich einzeln in hellbraun gestreiften Umschlägen von 6X5% cm Größe, die wieder in sechs Kartons gelegt und dann in dem Koffer verpackt waren. Der hellbraune Lederkoffer hal eine Größe von 80X40X25 cm. Er ist E. M. gezeichnet; über den Buchstaben befindet sich eine Krone.
Für die Herbeischaffung der Münzen hat die
Versicherungsgesellschaft eine Belohnung von 500 englischen Pfund bzw. den Gegenwert in deutscher Reichsmark ausgesetzt. Denn das gestohlene Gut nur zum Teil wieder beigeschaffl wird, kommt eine entsprechende Belohnungs- fumme zur Auszahlung.
Ein Teil der Belohnungssumme soll aber auch für die Ergreifung des Täters oder für Angaben, die zu feiner Ergreifung dienen, zur Auszahlung kommen, auch wenn von dem gestohlenen Gut nichts wieder beigeschatt werden kann.
Sachdienliche Angaben nimmt die Kriminalpolizei in Frankfurt a. M., sowie jede Polizeistation ent» Zegen. Auf Wunsch werden Mitteilungen vertrau- ich behandelt.
gefördert werden, daß die Einweihung der Halle im nächsten Sommer erfolgen kann.
© Lollar, 19. Nov. Während die durch den Tod von Rektor Keller vor einem Jahre freigewordene Sri) ul [teile nicht wieder besetzt wird, wurde die durch die Ruhestandsversetzung des Lehrers Jacobi erledigte Stelle im Sommer dieses Jahres zur Neubesetzung ausgeschrieben. Nunmehr ist die Stelle dem Schulverwalter Brasch aus Gießen übertragen worden. Zugleich wurde dieser mit der Leitung der Schule beauftragt. Lehrer Brasch war einige Jahre in Südamerika als Lehrer tätig.
T Lollar, 19. Nov. Alle Klassen der hiesigen Volksschule zogen heute in den Wald, um Bucheckern zu sammeln, und stellten sich so in den Dienst des Winterhilfswerks. Es konnte eine recht ansehnliche Menge der für die Fettgewinnung wichtigen Früchte zur Ablieferung kom- nten.
§ Mainzlar, 20. Nov. Auf feinem Grundstück in den Wiesen bei Staufenberg, im sogenannten Teichgebiet, hat der Metzgermeister Heinrich Zecher von hier einen Fischteich angelegt. In den Teich wurden Karpfen und Schleie ausgesetzt.
00 Klein-Linden, 21. Nov. Am Dienstagabend wurde in unserer Kirche der Film „Segensspuren der Lieb e", ein Film aus der Arbeit der Inneren Mission Nassau-Hessen, vorge- führt. In seinen erläuternden Worten ging Diakon Hagebölling, der den Film zeigte, auf die Gründung der Inneren Mission durch Johann Hinrich Wichern in Hamburg vor 80 Jahren ein und zeigte den Dienst, den die Innere Mission dem Staat leistete. Die Bilder hinterließen tiefen Eindruck bei allen Besuchern. Die Feierstunde war von Gemeindegesang umrahmt.
00 Großen-Linden, 20. Nov. Bei der B r y t s a m m l u n g , die vom Jungvolk durchgeführt wurde, sind hier 203 Laib und in Leihgestern 170 Laib Brote für arme Volksgenossen gespendet worden. Die Sammlung muß man als gut bezeichnen.
y Watzenborn-Steinberg, 20. Nov. Der Turnverein „G u t Heil" hielt im „Goldenen Löwen" einen Werbeabend innerhalb des Vereins ab. Vereinsführer Otto Jung II. be- arüßte die Mitglieder und eröffnete den Abend. Anschließend war den Turnern, Turnerinnen, Schülern und Schülerinnen Gelegenheit gegeben, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die neu gegründete Riege der Turnerinnen zeigte neben einem schönen Reigen auch beachtliche Leistungen am Gerät. Als Werberat des Vereins sprach Lehrer Philipp über die Bedeutung des heutigen deutschen Turnwesens. Jeder deutsche Turner diene nicht nur sich selbst, sondern auch dem Volk und Vaterland. Es müsse die Aufgabe jedes Volksgenossen sein, mitzuwirken, um das Ziel, das uns auch die nächstjährige Olnmpiade vor Augen führt, zu erreichen. Im Schlußwort sprach Bürgermeister Schäfer seine Anerkennung über die Darbietungen aus und
betonte, daß zur weiteren Förderung des Turnsports innerhalb unserer Gemeinde mit dem Bau der neuen geräumigen Turnhalle voraussichtlich schon im Frühjahr begonnen wird.
y~ Watzenborn-Steinberg, 19. Nov. Der hiesige Kriegerverein hielt am Sonntag auf dem Gemeinde-Schießstand ein Preisschießen ab. Der Reinertrag wurde dem Winterhilfswerk Überwiesen. — Die von den Pimpfen durchgeführte Brotsammlung ergab, mit der Zelle Hausen, 244 Laib Brot.
T Lich, 19. Nov. Am 22. November kann die Sängeroereinigung „Cäcilia" auf ihr 97jähriges Bestehen zurück'vlicken. In den nächsten Tagen soll das Jubiläum in schlichter Weise gefeiert werden.
<D Lich, 19. Nov. Infolge der schon seit mehreren Wochen in unserer Stadt auftretenden Diphte- rieerfranfungen mußten in den letzten Tagen eine Reihe von geplanten größeren Veranstaltungen abgesagt werden, da man befürchtet, daß sich die Krankheit immer weiter verbreitet. Ferner wurde, nachdem die Volksschule seither geschlossen worden war, auf Anordnung des Kreisgesundheitsamtes auch die Berufsschule und die Mädchen- f o r t b i l d u n g s s ch u l e bis auf weiteres geschloffen. Gottesdienste dürfen vorerst noch gehalten werden, doch wird erwartet, daß im Interesse der Allgemeinheit Angehörige von Diphterie- erkrankten oder krankheitsverdächtige Gemeindeglieder die Gottesdienste nicht besuchen. Nun hat das Kreisamt Gießen gemäß § 6 der Polizeiverordnung verfügt, daß bis auf weiteres den Angehörigen von an Diphterie erkrankten oder krankheitsverdächtigen Personen der Besuch von öffentlichen Veranstaltungen aller Art untersagt ist. Hoffentlich befolgen alle Volksgenossen im eigenen und im allgemeinen Interesse die Anordnungen, damit die Weiteroerbreitung der gefährlichen Krankheit unmöglich gemacht wird.
oo Eberstadt, 20. Nov. Heute wurde der älteste Einwohner unseres Ortes, Sattler- meister Heinrich Buß, im Alter von 80 Jahren zu Grabe getragen. — Der hiesige Turnverein hielt am gestrigen Dienstagabend eine Versammlung ab, in welcher der Dietmar! einen fesselnden Vortrag über die Entwicklung des Turnens von der Zeit der Freiheitskriege bis zur Machtübernahme durch den Nationalsozialismus hielt. Es wurde beschlossen, Anfang Januar einen Theaterabend mit turnerischen Einlagen zu veranstalten. Nach dem Verkauf von Olympia-Heften wurde der Abend in üblicher Weise geschlossen.
# Bellersheim, 20. Nov. Ihre Meisterprüfung haben mit Erfolg bestanden: Wagner Friedrich Welker, Bäcker Willi Scheid und Sattler Ernst S ch e l d von hier.
A Hungen, 18. Nov. Im hiesigen Krankenhause verstarb die älteste Einwohnerin von Hungen, Frau Emilie Schäfer, geb. Jockel, im Alter von 91 Jahren.
♦ Hungen, 20. Nov. Bei der Kartoffel- [ammlung in der Ortsgruppe Hungen kamen 980 Zentner zusammen. Die Brotsammlung brachte einen Ertrag von 650 Broten. Zu der Ortsgruppe gehören auch die Orte Langsdorf, Langd und Villingen. — In einer Versammlung aller hiesigen Vereinsführer, die vom Gesangverein „E i n t r a aj t" einberufen worden war, wurde beschlossen, an dem im Jahre 1936 stattfindenden 10 0. Jubiläum des Gesangvereins „Eintracht" eifrig mitzuarbeiten, um diese Jubelfeier in würdiger Weise zu gestalten. Die Ausslyüsse für die Vorbereitungsarbeiten wurden gebildet.
Preußen.
Kohlenoxydgas-Dergistung eines Ehepaares.
* Hörnsheim (Kreis Wetzlar), 21. Nov. Am gestrigen Mittwachmittag fiel es den Kindern des Ehepaares Dem von hier auf, daß ihre Eltern noch immer nicht wachgeworden waren und das Schlafzimmer verlassen hatten. Als die Bemühungen der Kinder, die Eltern zu wecken, fruchtlos blieben, riefen sie Nachbarn herbei, die das Ehepaar bewußtlos im Schlafzimmer auffanden. Es ergab sich, daß die Eheleute infolge einer Kohlenoxydgas-Vergiftung fchwer erkrankt und bewußtlos geworden waren. Die Verunglückten wurden von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach Gießen in die Medizinische Klinik verbracht, wo es bis heute früh gelang-, die Frau wieder zum Bewußtsein zurückzubringen, während der Ehemann noch immer bewußtlos darniederliegt.
Kirche und Schule.
Zweite Bezirkssynode für Oberheffen der Bekennenden Kirche Nassau-Hessen
Man berichtet uns: Die zu der Synode in der Kapelle des Alten Friedhofs zu Gießen eingeladenen Mitglieder aus den verschiedenen Dekanaten und Kreisen Oberhessens waren mit wenigen Ausnahmen dem Rufe gefolgt. Insgesamt waren etwa 130 Synodale anwesend.
Pfarrer A n t h e s - Gießen eröffnete die Synode mit einer Andacht über Jer. 22, 23—28 und wies auf die schwere Verantwortung hin, die auf der Synode laste.
Synodaler Lic. Brunner- Ranstadt erstattete über die gegenwärtige kirchliche Lage der nassau- hessischen Landeskirche bis zu den Ereignissen der letzten Tage eingehenden Bericht und Zeigte der Synode, wie schwer und langwierig die Verhandlungen in Darmstadt royen, die zur Bildung eines vom Staat berufenen Landeskirchenrats führten.
An diesen Bericht schloß sich eine längere Aussprache an. Dabei wurde den drei Mitgliedern der Bekennenden Kirche, die auf eigene Verantwortung im Interesse der Befriedung der Landeskirche das große Opfer gebracht haben, auf Grund der ministeriellen Berufung (nicht entsandt von von der Bekennenden Kirche, — für die Zeit ihrer Zugehörigkeit zum Landeskirchenrat ruhen ihre Aemter in der Bekennenden Kirche) in den Landeskirchenrat einzutreten, Anerkennung ausgesprochen.
Eine Vorlage über die seitens der Bekennenden Kirche an den Landeskirchenrat zu stellenden Forderungen und Fragen wurde einmütig angenommen. Ebenso wurden die Wahlen der Vertreter von Oberhessen für die Landessynode und den Bezirks- bruberrat auf Grund der Vorschlagsliste einmütig vollzogen.
Der seitherige Vorsitzende, Landgerichtspräsident i. R. Neuenhagen- Gießen, betonte, daß er sich nur schweren Herzens aus Gesundheitsrücksichten zur Niederlegung des Vorsitzes im Bezirksbruderrat und der Synode entschlossen habe, daß er aber auch weiterhin beiden Organen als Mitglied angehören und darin wie seither für die Bekennende Kirche in Oberhessen mitarbeiten werde. Seinem Vorschlag entsprechend wurde als Nachfolger Pfarrer A n - thes - Gießen, der schon feit 5 Monaten die Geschäfte geführt hatte, einmütig bestimmt.
Die Synode schloß mit Gebet und dem Lied: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort.
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sich herausstellte, dah die Knochenhaut verletzt war. Gestern mußte ifas Kind einer Operation unterzogen werden
0 Harbach, 19.Nov. Bei den Erdarbei- t e n, die bei der Einfriedigung des Schulgartens notwendia waren, machte man einen inter- effanten Fund. Es wurde ein Grabstein zutage geförbert, der allem Anscheine nach schon einige hundert Jahre alt ist. Er trägt als Inschrift den Namen der verstorbenen „Anna Maria Clössin, Johann Philip Clösser auss der Kolber mühl sein Hauß Frau. Eine gebohr von Reißkirchen". Der Stein ist leider beschädigt, und einige Stücke davon sind verloren gegangen. Auffallend ist der prachtvolle Kopf des Denkmals. Er stellt, von Meisterhand angefertigt, Jefu am Kreuz und die Kreuzeswache dar. Daneben befindet sich der Heiland im Felsengrab. Plastisch und klar treten die Figuren aus dem Stein hervor. Wie ältere Einwohner unseres Dorfes von ihren Vorfahren gehört haben wollen, soll der heutige Grasgarten des Schulgeländes früher ein Friedhof gewesen sein. Auf diese Weise läßt sich der Fund leicht erklären. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, daß der Stein von dem alten Friedhof — der sich um die der Schule benachbarte Kirche hinzog — zu irgendwelchen Zwecken herübergeschafft wurde. Jedenfalls verdient der Grabstein als wertvolles kulturgeschichtliches Fundstück aufmerksame Beachtung und sorgsame Erhaltung.
+ Gründ erg, 20. Nov. Die hiesige NS.« Frauenschast veranstaltete am Montagabend im Saale des „Rappen" einen volkswirtschaftlichen Abend, zu dem auch die Frauenschaften Göbelnrod, Lauter und Weickartshain erschienen waren. Nach Eröffnungsworten von Frau Heutzenroder, Leiterin der hiesigen Frauenschaft, und dem gemeinsamen Gesang eines Liedes sprach Gewerbelehrerin Frl. Bechtolsheimer von der Aliceschule Gießen über die Aufgaben der Frau in volks- und hauswirtschaftlicher Beziehung. Sie wies u. a. darauf hin, daß die Regierung es sich zur Aufgabe gemacht habe, das tägliche Brot des deutschen Volkes sicherzustellen und nicht zur Handelsware zu machen. Damit diesem Plan jedoch voller Erfolg deschieden sei, müsse auch richtiges Verhalten der Hausfrau hinzukommen, vor allem müßten hier die NS.-Frauenschaften beispielgebend vorangehen. Für sie gelte es daher, in Zeiten der Verknappung einzelner Lebensrnittel weise Maß zu halten und sich auf die Verwendung anderer Sachen einzustellen, die xius Zeiten des Ueberflusses von der Regierung vorsorglich angesammelt wurden. Als praktisches Beispiel hierfür wies sie auf „Fleisch im eigenen Saft" hin. Um dessen vielseitige Verwendungsmöglichkeit zu zeigen, hatte sie eine große Zahl Kostproben von verschiedenen Gerichten dieses Nahrungsmittels, die von Schülerinnen der Aliceschule Gießen zubereitet waren, mitgebracht, die zur Verteilung gelangten und allseitig Zustimmung fanden. Nach Dankesworten an die Vortragende schloß die Leiterin die Versammlung in üblicher Weise.
xf Weitershain, 19. Nov. Von der Bevölkerung unserer Gegend wird die Herstellung der Provinzial st raße nach Stangenrod und Grünberg dankbar begrüßt. Nach dem Abschluß dieser Verbesserungsarbeiten wird die Straße sich wieder in gut fahrbarem Zustand befinden.
} Allendorf a. d Lda., 19. Nov. Bei der im hiesigen ersten Jagdbezirk — nördlich der Lumda gelegen — abgehaltenen Treibjagd wurden 23 Hasen und 1 Fuchs zur Strecke gebracht. — Gestern wurde mit den Holzhauerarbeiten in den hiesigen Stadtwaldungen begonnen. Durch den infolge Windfalls im vergangenen Jahre bedingten bedeutenden Ueberhieb kommen diesmal für 1936 etwa 500 Festmeter weniger zur Fällung, so daß rund 4Q0Ö Festmeter geschlagen werden. Hierdurch ist neben den Arbeitslosen auch vielen Landwirten auf einige Monate lohnender Arbeitsverdienst geboten. — Die vom Jungvolk in der hiesigen Ortsgruppe vorgenommene Brotsammlung brachte zusammen 161 Brote. Hiervon kommen auf Allendorf 140 und auf Climbach 21 Laibe. — Nachdem die Bautätigkeit in unserer Stabt sich im Frühjahr und Sommer hauptsächlich auf Reparaturen beschränkte, setzte sie im Herbst noch rege bet Neubauten ein. Es wurden außer dem Forsthaus an der Treiser Straße noch je ein Wohnhaus in der Adolf-Hitler-Straße und in der Friedhofstraße bis jetzt im Rohbau annähernd fertiggestellt. Auch an der Stadthalle am Sportplatz wurde in letzter Zeit wieder eifrig gearbeitet, es wurden außer der Bühne noch Öle geräumigen Wirtschastsräume an- gebaut Man rechnet damit, daß die Arbeiten so
Nachdruck verboten!
16 Fortsetzung
Basilius ließ ihn los und ging in das andere Zimmer. Der Oberinspektor hatte das Essen nicht angerührt. „Reußing", sagte Basilius, „Sie können das Essen ruhig zu sich nehmen, auf mein Wort. Jolly fyat einen Spaß mit Ihnen vorgehabt.
Er trat hinzu, nahm einen kleinen Löffel voll und aß von der Speise. „Jolly hat Salz darauf geschüttet, er wollte Sie erschrecken. Aber das ist fein guter Witz. Sie sehen, ich fjabe davon gegessen.
„Sie sind sehr besorgt um mein leibliches Wohl, Basilius, aber ich werde es Ihnen nicht danken können." , .
„Nein", stimmte Basilius zu, „das werden S e nicht können. Aber das macht nichts. Er hatte ganz ernst gesprochen. u ,
Den Oberinspektor überlief jetzt doch em unbehagliches Gefühl. „Wollten Sie mir nicht sagen, was Sie mit mir vorhaben?" fragte er knapp.
„Wir wollen Sie beseitigen, Reußing. Sie sind 3UD9er ä£)berinfpeftor wußte, wer diese Worte zu ihm sprach. Basilius ging über Leichen; er gab sich feiner Täuschung hin. Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn. „Wann?" fraate er knapp.
Bald, wir warten auf eine Nachricht."
Alle Willenskraft nahm der Beamte^zusammen. Wir sind hier nicht auf dem Balkan, Basilius. In Hamburg verschwinden nicht einfach Personen, die
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mir deshalb für Sie auch eine recht originelle Todesart ausgedacht. Sie find neugierig? Nun, also, Sie werden Selbstmord begehen, Reußing.
Bukina vermochte aufzulachen, aber die Tone & R& JXW-
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Vornan von $rant $. Braun.
I sich wohl von Wien her, Handschraften nachahmen war eine gewisse Spezialität von mir."
Reußing brachte kein Wort mehr heraus. Basilius hielt ihm einen Bogen Papier vors Gesicht, ein Blatt, wie der Oberinspektor es auf dem Büro zu benutzen pflegte; Kriminalinspektion L/l. „Jabusch hat es mir besorgt", lächelte er, „es muß alles feine Ordnung haben. Ist das Ihre Handschrift? Die verkürzten h-Bogen, das r ohne Haken, die kritzelige Unterschrift? Nun, wenn wirklich jemand findet, diese Schrift sei nicht ganz genau die Ihre, wird man ihn beruhigen, daß Sie in der letzten Viertelstunde wohl nicht mehr auf die Handschrift geachtet haben. Aber feien Sie ohne Sorge, niemand wird Ihren Freitod anzweifeln, da Sie hier die Absicht schriftlich niedergelegt haben."
„Der Grund, Mensch! Sie sind ja verrückt!"
„Aber haben Sie denn nicht gelesen? Hier steht doch alles." Und er las mit gespieltem Pathos vor: „Die Schande, die mir meine Tochter antat, überlebe ich nicht; ich scheide freiwillig aus dem Leben."
Dem Kriminalbeamten schlugen die Zähne zusammen. „Was heißt das?" brachte er heraus. „Was wollen Sie mit meiner Tochter? Lassen Sie mein Kind aus dem Spiel!"
„Zu spät!" bedauerte Basilius. ,Lhre Ines ist heute mit einem unserer Freunde — durchgebrannt."
„Sie lügen ..er stöhnte es mehr, als daß er es sprach.
Basilius schüttelte den Kops. „Durchaus nicht", sagte er, „ich habe Ihnen ausnahmsweise die reine Wahrheit gestanden. Morgen früh, weiß es die qanze Stabt, und alle begreifen, daß Sie, ein Mann von Charakter und Ehre, ein Staatsbeamter, sich bas Leben nahmen. Sie werben schöne Nachrufe in ben Zeitungen bekommen, unb voraussichtlich wirb bie Kapelle bet Schutzpolizei an Ihrem Grabe spielen. Wenn es paßt, kommen Jolly unb ich ebenfalls zur Beisetzung."
Der gefesselte Mann reckte sich auf. Die Kette flirrte, aber sie riß nicht; Menschenkräfte zerbrachen sie nicht. , ,
Reußing fiel zusammen, sank hm wie em Klotz. Seine Sippen zerbissen etwas, einen Namen ober eine Verfluchung. .
Basilius ginq hinaus. Er hatte feinen Sieg, feinen enblichen vollstänbigen Sieg über biefen Gegenspieler
In berselben Stunbe würbe im Pferbestall hinter einem Hof ein Schupowachtmeister aufgefunben. Der Mann war ohne Dberfleibung, ohne Waffen, ohne Tschako.
Er konnte keine anberen Aussagen machen, als baß zwei Männer ihn auf ber Straße angerufen i unb in ben Stall gebeten hätten, wo ein Toter läge. Als er von ber Straße in bas Halbbunkel ber Stallung getreten fei, habe ihm jemanb ein Tuch vor das Gesicht gepreßt, unb er fei umgefallen. Die beiben Männer konnte ber Wachtmeister fo gut wie gar nicht beschreiben.
Das Protokoll mit feiner Aussage würbe sofort zu Kriminaloberinspektor Reußing in bas Stabthaus । geschickt. Der Revierwachtmeister fragte an, ob ber I Oberinspektor ben UeberfaUenen noch persönlich sprechen wolle. Aber ber Kanzlist konnte nur angeben, baß ber Oberinspektor schon seit geraumer Zeit auf Fahnbung unterwegs fei.
Unb noch eines geschah, bas bem Ring ber Ereignisse sich einfügte, wenn es zunächst auch nur von sehr untergeorbneter Bebeutung erscheinen mußte. Lena Bassenberg hatte eine halbe Stunbe Zett gefunben unb war zu Franz Farrenkorn gelaufen. Sie empfanb bie innere Nötigung, sich mit Farrenkorn zu besprechen. Wenn ber frembe Mann heute roieber anrief, was sollte sie tun?
Sie faß bem Freund gegenüber. Er hatte die Stenotypistin hinausgeschickt. Die gepolsterte Tür war dicht geschlossen. Er stand gegen die bauschige Portiere gelehnt, die die Bücher- unb Aktenregale verdeckte.
Sie blickte zu ihm auf. „Nein," sagte sie, „ich habe bie Stimme bes Anrufenben nicht erkannt, ich glaube, ich habe sie niemals vorher gehört."
„Also fein kleinster Anhalt, wer es fein konnte?" „Ein Freunb von Basilius, ein falscher Freund?" „Natürlich. Du mußt ihn kennen lernen. Wenn er anruft, verabrede dich mit ihm unb gib mir sofort Bescheid. Ich werbe babei fein. Ich habe bas feste Gefühl, baß biefe Begegnung im übrigen für dich ohne Gefahr sein wird."
„Ich muß auf jeden Fall hingehen unb bie Hanb ergreifen, bie mir eine Rettung bietet."
Farrenkorn widersprach nicht. Was hatte es für Sinn, sie zu entmutigen. Er hatte seine eigene Idee. Erpressungen sind ohne Ende. Er gedachte auch
nicht zu zahlen. Er wünschte nur erst einmal Füh» lung mit der — Gegenpartei zu bekommen. Man kann nichts gegen eine Stimme unternehmen, die telephonisch anruft. Man muß sich den Menschen ansehen.
Er sagte nachdenklich: „Es gibt also etwas, das dieser Basilius zu verbergen hat. Das ist sehr wichtig. Vielleicht kann man diese Erpresser mit ihren eigenen Waffen schlagen."
Sie nagte die Lippen. „Es wird sehr viel geben, was er zu verbergen hat", stieß sie hervor. „Er ist sicherlich zum Verbrecher geworden. Er war immer schon ein sehr schlechter Mensch."
„Die Polizei sucht ihn zur Zeit nicht, liebe Lena", antwortete Farrenkorn, „ich habe mich gestern erkundigt. Wir sind demnach darauf angewiesen, zu erfahren, was fein Komplice uns über ihn verraten will."
„Dann werde ich also hingeben", sagte sie entschlossen, „ich werde den Mann sprechen." Sie erhob sich. Ihre Hand war heiß; die seine eiskalt. Diese beiden Hände legten sie ineinander und sahen sich mit einem wortlosen Versprechen an. Er geleitete sie zur Tür.
Der unbekannte Fremde, ber Frau Saßenberg bes Basilius' Geheimnis verraten wollte, rief nicht bei ihr an. Sie wartete ben ganzen Tag barauf mit Ungebulb unb Furcht zugleich. Aber bas Telephon blieb still. Jean Jolly kam nicht mehr zu bem geplanten Anruf.
Am Abenb war sie hoffnungsloser benn je. Aber sie hielt sich eifern aufrecht und spielte eine Komödie.
Der Gatte durfte nichts merken, die Kinder mußten ahnungslos bleiben und die Dienstboten.
Zu später Stunde sank sie in das Bett, erschöpft und todmüde. Aber sie konnte nicht einschlafen. Sie horchte in die Nacht. Friedlich tönten des Gatten Atemzüge zu ihr herüber. Acht, neun Stunden gewonnen. Und morgen ... das Ende ...
Sie nahm ein Schlafpulver. Nicht denken müssen, auslöschen dürfen. Als letzter segelte ber Gebanfe, bie wunschhaste Anrebe: Lieber Gott ... Dann schlief sie ein unb blieb traumlos; ein Geschenk bes Himmels.
(Fortsetzung folgt!)


