Ur. 27 2 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 21. November 1955
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Reue Lage im Kernen Osten.
3m Schatten Sunjatsens.
Zum erstenmal seit vier Jahren hält die Kuomintang, die chinesische Regierungspartei, wieder einen Landeskongreß ab. Der radikale Flügel in Kanton und der gemäßigte in Nanking haben sich geeinigt. Am Geburtstag ihres Gründers Sunjatsen ist der Kongreß mit der üblichen Feier vor dem Mausoleum des 1925 Verstorbenen eröffnet worden. Vergeblich hatten die Japaner versucht, die Kantonesen von dem Wiedereintritt in die Kuomintang abzuhalten. Ein dorthin entsandter japanischer General, der das Rezept von Zuckerbrot und Peitsche anzuwenden versuchte, erlitt eine klare Niederlage, und feit der Juliproklamation der japanischen Kwantung-Armee, die die Unterstellung ganz Chinas unter Japan heischte, ist Marschall Chiang kai-sheck wieder antijapanisch orientiert.
Als Sunjatsen seinen Kampf um die nationale Selbstbestimmung des Chinesentums aufnahm und sich gegen die Privilegien der weihen Rasse wandte, hat er zunächst Japans Wob' ^llen für sich beanspruchen können. Seit 1644 h. n die oolksfremden Mandschus aus dem Norden China unterworfen und in blutigen Kämpfen ihre Dynastie gefestigt. Sie haben den Chinesen den Zopf angehängt, der ursprünglich keine chinesische Tracht gewesen ist. Die Mandschus versanken zwar im zähen Brei des Chinesentums, blieben aber immer etwas Volks- Hemdes. Im vorigen Jahrhundert richtete sich die Taiping-Revolution unter dem Schlagwort eines Agrarsozialismus gegen die Mandfchu- herrschaft. Ihr Sitz war Nanking, die alte Kaiserstadt der nationalchinesischen Dynastien. Erst nach vielen Jahren gelang es den Mandschus, unter Strömen von Blut Nanking zu erobern.
Aber die Ideen dieser Taiping-Revolution waren unzerstörbar. Sunjatsen nahm sie wieder auf und 1912 gelang es ihm, die Mandschus, deren Dynastie jetzt in Mandschukuo von Gnaden der Japaner sitzt, aus China herauszwerfen. Sunjatsen verband mit seinem Stolz auf das Nationalchinesen- tum die Idee von den unzerstörbaren Grundlagen seiner Rasse. Er wollte China von allen fremden Gewalten freihalten, fußte auf dem Volks-, Sippen- und Familiensinn des Chinesentums und verlangte, daß das Volk militärisch sich wieder ertüchtige. Seine volkswirtschaftlichen Ideen sind wesentlich vom Agrarsozialismus beeinflußt worden, der in China feit Jahrtausenden eine gewaltige Rolle spielt. Er wollte ferner China in gewissem Maße nach den Vorbildern der westlichen Demokratien umgestalten, da er davon eine wesentliche Stärkung des chinesischen Selbstbewußtseins erwartete.
Aber seine Ziele sind nicht verwirklicht worden. Als er 1925 starb, stand einem nationalen Chinesen- tum der japanische Imperialismus feindlich gegenüber. Seit dieser Zeit hat Japan die Mandschurei von China losgelöst und verlangt nun, die fünf nordchmesischen Provinzen Tschahar, Hopei, Schansi, Schensi und Schantung, reiche Provinzen mit einem Boden, der sich vorzüglich zur Baumwoll- kultur eignet, vom übrigen China loszulösen. Die japanische Kwantung-Armee aber blickt auch auf Schanghai. Die japanische Propaganda war in dieser Millionenstadt besonders heftig. Immer mehr hat sich auch das japanische Außenministerium unter Hirota den Forderungen der Kwantung-Armee ver- schrieban. Die Tötung eines japanischen Marine- soldaten in Schanghai war das willkommene Signal, um den Bürgermeister von Schanghai und der Nam king-Regierung ein schroffes UÜimatum zu stellen und Kreuzer In die Schanghaier Gewässer zu ent«
Die Nanking-Regierung versuchte allen diesen ja= panifchen Amputationsbestrebungen gegenüber zunächst zu verhandeln. Aber die japanischen Forderungen wurden immer schroffer. Der Lawrence des Fernen Ostens, der japanische General Doi- Hara, trieb die Forderungen der Japaner immer höher und der Nanking-Regierung blieb fern anderer Weg übrig, als sich-entweder zu unterwerfen ober Chinos Kräfte zum Widerstand au zurufen Nanking wählte den Weg der Selbständigkeit. Der Nationale Wirtschaftsrat versuchte, m Chma den Japanern ein Programm her Jinefi f dje n Eigenproduktion entgegenzusetzen, der Kasy, also die Kupfermünze, und der Silberschuh wurden nicht mehr als offizielles Zahlungsmittel anerkannt, sondern die Nanking-Regierung verbot die Silber- ausfuhr, da infolge der Politik Roosevelts das Silber überwertet war, und ging zu einer reinen Papierwährung über. Welche Rolle bei dieser Währungsrevolution der Sachverständige der britischen Regierung Leith-Roß spielte, ob er tatsächlich der Nanking-Regierung eine Anleihe verschaffte, läßt sich nicht feststellen. Jedenfalls behauptete die japanische Regierung das und nahm fchross gegen die Nankinger Bestrebungen, die Wahrungsrevolution durchzuführen, Stellung. Ebenso war sie gegen jede Anleihe für China, die der Nankmg- Remerung den Widerstand gegen d'e Forderungen des japanischen Imperialismus ermöglicht hatte. Ja- van bat den Nordprovinzen verboten, sich um die neue chinesische Währung zu kümmern. Aus diesem Wirrwarr soll die jetzt wieder geeinte Kuomintang- Par!" den Ausweg finden im^ Sinne de- großen nationalen Revolutionärs Sunjatsen. Ihre Be- S werben für den Fernen Osten von großer Bedeutung sein. - .
Angespannte Finanzen Japans.
Tnfi0 21 No». (DNB. Funkspr) Der japa-
Haushaltsplan vor einer finanzieren
Ueberspannung gewarnt. Die finanzielle Lage Japans fei u n g e s u n d. Sie sei schlechter als die europäische und die amerikanische. Der S ch u l d e n d i e n st des japanischen Staates beanspruche 4 0 v. H. der Steuerei, i nahmen. Der neue Haushaltsplan sehe noch dazu neue Schulden in Höhe von 600 bis 700 Pen vor.
Einheitsfront Kanton-Nanking.
Bildung einer chinesischen National-- rmieriutg?
Nanking, 20. Nov. (DNB.) Die Bekundung des Widerstandswillens für den Fall, daß Chinas Unabhängigkeit angegriffen werden sollte, war der Kernpunkt der Rede Marschall Dschiang- kaischecks auf dem Part ei tag der Kuo- m i n t a n g. Der Marschall sagte u. a., Chinas Geduld sei erschöpft. Es habe den Willen zur internationalen wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit auf der Grundlage der Gegen
seitigkeit und Gleiberechtigung. China gebe jedoch die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens nicht auf. Der Frieden habe jedoch Grenzen. Wenn nötig, müßten Höch st e Opfer mit Entschlossenheit gebracht werden.
Der Rede des Marschalls stimmten auch die Vertreter Kantons zu. Dies wird a\5 Beweis für die Annäherung der Vertreter des Südens an Nanking gewertet. Man erwartet die Aufnahme von Vertretern Südchinas in die Nationalregierung, denen wahrscheinlich zwei Reichsämter zufallen dürften. H u h a n m i n , einer der bekanntesten Führer Südchinas, der sich zur Zeit in Europa aufhält, teilte dem Parteitag telegraphisch mit, daß er sich entschlossen habe, der Nankingregierung einen Besuch abzustatten. Die Mitteilung löste großen Beifall aus. Die Tagung stand im Zeichen der Stärkung der nationalen Einheitsfront in der jetzigen Krise. Es wurden wichtige Entschließungen angenommen. Sie sehen u. a. die Verbesserung des Regierungssystems sowie die baldige Einführung der Wehrpflicht vor.
Aoch keine Ausrufung der Selbständigkeit Aordchinas.
Weisungen aus Nanking. — Doihara
Peiping , 20. Nov. (DNB.) Die für Mittwoch angekündigte Autonomieerklärung der fünf nordchinesischen Provinzen ist a u s g e b l i e b e n. Die in letzter Stunde aus Nanking eingetroffenen Anweisungen haben die chinesischen Behörden in Peiping veranlaßt, dem Vertrauensmann der Kwan- tungarmee, General D o i h a r a, mitzuteilen, daß sie weitere private Verhandlungen mit ihm ablehnen müßten. Heber alle China und Japan gemeinsam berührenden Fragen würden offizielle Verhandlungen zwischen der Nanking-Regierung und dem bei ihr akkreditierten japanischen Botschafter geführt. Die von General Doihara nach Peiping zur Konferenz eingeladenen Gouverneure von Hopei und Schantung lehnten die Teilnahme ab. Verschiedene Divisionskommandeure der von Sungcheyuan befehligten 29. chinesischen Armee erklärten, ihrem Befehlshaber nicht Folge leisten zu können. Sungcheyuan ist nach Tientsin abgereist. Doihara verließ Peiping Mittwoch früh.
In gut unterrichteten chinesischen Kreisen wird erklärt, daß die Nankinger Zentralregierung vor der Absendung ihrer Anweisung an die nordchinesischen Behörden die Verhandlungen mit Doihara abzubrechen, bei den zuständigen japanischen Stellen durch Anfrage festgestellt hätte, daß Doihara in privater Eigenschaft spreche und keine amt-
von seiner Negierung desavouiert?
lichen Aufträge habe, die japanische Regierung auch nicht beabsichtige, durch militärischen Druck innerpolitische Entwicklungen in Nordchina zu beeinflussen.
Nur verschoben?
Japans Politik in Nordchina.
Tokio, 20. Nov. (DNB.) Wie die japanische Nachrichtenagentur Rengo wissen will, ist die ursprünglich für heute in Aussicht genommene Autonomieerklärung Nordchinas nur um einige Tage verschoben worden. Der Sprecher des Kriegsministeriums erklärte, daß die maßgebenden japanischen Armeekreise nicht die Absicht hätten, sich in die autonomistische Bewegung Nordchinas einzumischen. Es handele sich um eine chinesische Volksbewegung und demnach um eine innere Angelegenheit Chinas. Die autonomistische Bewegung sei jedoch von großer Bedeutung, da sie in der entmilitarisierten Zone in der Nachbarschaft von Mandschukuo vor sich gehe. Er betonte, daß Japan eine wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit Nordchina wünsche und bereit sei, Nordchina Hilfe zu lei st en und sich mit ihm zur B e k ä m p f u n g d e s Kommunismus zu vereinigen.
Der japanische Voischaster bei Dschiangkaischeck.
Oer Marschall sagt Erfüllung der Wünsche Japans zu.
Nanking. 20. Nov. (DNB.) Zwischen Marschall Dschiangkaischeck und dem japanischen Botschafter Aryoschi fand am rNittwochnachmll- tag eine eingehende Aussprache über die zur Verbesserung der chinesisch-japanischen Beziehungen zu ergreifenden Maßnahmen statt. Die Besprechung dauerte mehrere Stunden. Wie von japanischer Seite verlautet, übermittelte Aryoschi dem Marschall die drei von Außenminister hirota formulierten Forderungen. die in dem Wunsch nach Unterdrückung der japanfeindlichen Strömungen in China, in der Aufrichtung eines Systems zur Zusammenarbeit zwischen China, Japan und der Mandschurei und schließlich in der Festlegung gemeinsamer Maßnahmen zur Bekämpfung des Kommunismus im Fernen Osten gipfelten.
Vorbehaltlich der Genehmigung des von dem Parteitag des Kuomintang zu wählenden Vollzugsausschusses erklärte Marschall Dschiangkaischeck seine grundsätzliche Zustimmung zu den japanischen Forderungen. Die Nanking- Regierung habe Pläne zur Regelung der Lage in
Nordchina aufgestellt. Er hoffe, daß Japan die S o u v e r ä n i t ä t s r e ch t e Chinas achten werde. Die Regierung werde das äußerste tun, um die japanischen wünsche zu befriedigen, und die Festnahme des Mörders des in Schanghai ermordeten japanischen Matrosen ermöglichen.
Der japanische Botschafter brachte bann Einwendungen gegen das neue chinesische Währungssystem vor und legte die Bedenken Japans gegen eine internationale A n - leihe an China dar, an ihr könne sich Japan unmöglich beteiligen. Dschiangkaischeck erklärte sich bereit, die Angelegenheit gemeinsam mit den zuständigen chinesischen Ministerien zu prüfen. Die höchsten Regierungsstellen Chinas würden ihre Bemühungen zur Erhaltung des Friedens im Fernen Osten und zur Herstellung besserer chinesisch-japanischer Beziehungen nicht aufgeben. Der japanische Botschafter stattete hierauf Ministerpräsident W a n g t s ch i n g w e i, der am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen wurde, aber immer noch sehr schonungsbedürftig ist, einen Besuch ab.
Innere Schwierigkeiten in Frankreich.
Fenerkreuzter und Volksfront.
Paris 21. Nov. (DNB. Funkfpruch.)Die innenpolitische Lage ist durch die zahlreichen Derhand- lunaen und Beschlüsse der Parteigruppen am Mittwoch noch nicht klarer geworden. Zwar besteht nunmehr Gewißheit darüber, daß die Radikalso- , i a l i st e n im Finanzausschuß der Regierung keine Schwierigkeiten mehr machen werden. Aber in der kritischen Angelegenheit der K a m p f b ü n d e ist die weitere Entwicklung durchaus ungewiß. Diese Frage ist zu einer innenpolitischen Angelegenheit erster Ordnung geworden. Es hat nicht den Anschein, als ob die Radikalsozlalisten in der Kammer dem Antrag der Sozialisten auf Auflösung der Kampfbünde folgen werden. Sie scheinen sich vielmehr darauf beschranken zu wollen, eine wirkungsvollere Durchführung der m Kraft be
findlichen Notverordnungen zu fordern. „Populmre stellt mit leichter Enttäuschung fest, daß die Radikalsozialisten am Mittwoch nicht unversucht gelassen hätten, eine Regierungskrise zu verhindern. Auch die kommunistische „Humanits" ist nicht mit den Radikalsozialisten zufrieden. .
Der „Mati n" wendet sich mit aller Entschieoen- heit erneut gegen die bolschewistischen Machenschaften auf französischem Boden. Man könne nicht leugnen, daß die Kommunisten in der Volksfront eine gewisse Rolle spielten. Ebenso wenig aber könne man leugnen, daß die mit großen französischen Parteien verbündete kommunistische Partei Frankreich ihr Geld, ihre Grundsätze und selbst ihre Tagesbefehle von Moskau erhalte. Die Absicht der Kommunisten fei, jetzt Laval zu stür
zen, weil er auf dem Wege der Abkommen mit Sowjetrußland nicht weit genug gehe. Die Bolschewisten seien gegenwärtig weniger an einer bolschewistischen Revolution interessiert als daran, Frankreich an die sowjetrussische Politik zu ketten. Könne man aber im Ernst glauben, daß Frankreich nach 2000 Jahren der Unabhängigkeit und der Größe ein Kolonisationsgebiet für die Sowjetrussen werden wolle?
De la Nocque an Laval.
Paris, 20. Nov. (DNB.) Der Führer der Feuer- kreuzler, Oberst de la Rocque, hat in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten Laval erklärt, seine Bewegung zähle bereits über 7 0 0 0 0 0 Mitglieder. Täglich meldeten sich 1000 neue Anhänger. Er würde im vaterländischen Interesse eine Auflösuna der Feuerkreuzler bedauern, da sie die innere Lage in einem Augenblick erschweren würde, in dem die außenpolitischen Fragen alles andere beherrschen müßten. Aber vom Standpunkt der Feuerkreuzler allein betrachtet, könnte nichts günstiger sein als eine Auflösung oder gar eine Verhaftung ihrer Führer. Die Bewegung würde sich dann in drei Monaten verdreifachen.
Oberst de la Rocque versichert, daß die Feuerkreuzler und nationalen Freiwilligen niemals zu Angriffen auf der Straße gegen anders gerichtete Verbände übergegangen feien. Die Sorge, Zusammenstöße zu vermeiden, habe ihn gezwungen, die schwierigsten Maßnahmen zu ergreifen, um seine Versammlungen ungestört abzuhalten. „Wenn die Regierung nicht durch energische und gesetzmäßige Maßnahmen die Sicherheit dieser guten Bürger und das Versammlungsrecht schützt und nicht die Meuterei unter »einer fremden Fahne* verhindert, werde ich gezwungen sein, unter meiner eigenen Verantwortlichkeit alle meine Anhänger und die große Masse der guten Franzosen, Die ihnen folgen, gleichsam als im Zustande der berechtigten Verteidigung zu betrachten. Meine Sorge, nichts zu unterlassen im Hinblick auf Unvorhergesehenes in so schweren Fällen, wird mich sogar dazu zwingen, diese gesetzmäßige Verteidigung zu organisiere n."
Admiral Jellicoe gestorben.
London, 20. Nov. (DNB.) Am Mittwochnachmittag starb in seinem Hause in Kensington der Admiral I e l l i c o e im Alter von 76 Jahren. Jel- licoe war im Alter von 13 Jahren als Kadett in die Marine eingetreten. 1880 wurde er Unterleutnant und nahm' zwei Jahre später am ägyptischen Krieg teil. Ein weiteres Kommando führte ihn nach China während des Boxeraufstandes. 1910/11 war er Befehlshaber der atlantischen Flotte. Als der Krieg ausbrach, war Jellicoe Zweiter Seelord. Er wurde Oberkommandierender der britischen Hochseeflotte. In dieser Eigenschaft nahm er an der Schlacht am Skagerrak teil. Ende 1916 wurde Admiral Jellicoe Erster Seelord und Chef des Ma- rinestabes. 1919 nahm er seinen Abschied und wurde Generalgouverneur von Neuseeland. Später wurde Jellicoe in den Grafenstand erhoben.
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Der Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Admiral Dr. h. c. Raeder, widmet dem verstorbenen Admiral folgenden Nachrufe
Der Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine und die deutsche Marine betrauern aufrich - tig den Tod des Admirals Jellicoe, der als ritterlicher Gegner der deutschen Flotte im Weltkriege, insbesondere in der Skagerrak-Schlacht, in der gesamten deutschen Marine hoch geschätzt wurde und unter den älteren deutschen Marineoffizieren viele persönliche Freunde und Bewunderer hatte. Die deutsche Kriegsmarine bedauert um so mehr das Hinscheiden des Admirals, weil sie seinen Wunsch kannte, einmal die junge deutsche Flotte und ihre Führer zu besuchen, und weil sie die Absicht hatte, entsprechend diesem Wunsche ihn zu bitten, der deutschen Flotte die Ehre zu erweisen, an der Gedenkfeier für die Gefallenen der Skagerrakschlacht, der deutschen wie der englischen, im Frühjahr des Jahres 1 9 3 6 teilzuneh - m e n. Die deutsche Kriegsmarine senkt ihre Flaggen vor dem großen Admiral der britischen Flotte.
Kein Wechsel
im britischen Lustfahrtministerium.
London, 20. Nov. (DNB.) Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der König den Staatssekretär für Luftfahrt Sir Philipp Cunliffe-Lister und den Ersten Lord der Admiralität Sir Bolton Eyres-Monsell in den Rang eines Viscount (Grafenstand) erhoben. Damit steht fest, daß die beiden Minister ihren bisherigen Posten im Kabinett beibehalten werden. Es scheint sich also zu bestätigen, daß Churchill nicht Marineminister wird. Nach der Ansicht einer Reihe von Blättern fei es nunmehr unwahrscheinlich, daß er überhaupt einen Posten im Kabinett erhalten werde. Das Schicksal Macdonalds ist hingegen noch unentschieden. Die Blätter berichten-allerdings übereinstimmend, daß Baldwin entschlossen sei, Mac- donald beizubehalten und daß für ihn ein sicherer Sitz gesucht werden würde, um ihn auf dem Umwege über eine Nachwahl doch noch ins Kabinett zu bringen.
Vor einem Bergarbeiterstreik?
London, 20. Nov. (DNB.) In der Frage, ob die englischen Bergarbeiter zu einem aUgemeinett Streik zur Erzwingung ihrer Lohnforderungen


