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Nr. 246 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Montag, 2t.Ottoberiy35

Besuch im Reichspatentamt.

Ein neues Patentgesetz in Vorbereitung. Vom Fabrikationsgeheimnis zum Reichspatent.

Die bevorstehende Einführung eines neuen Patentgesetzes, das eine Umwälzung auf dem Gebiet des Patent- und Erfindungs­wesens bedeutet, veranlaßte einen unserer Mitarbeiter zu einer Unterredung mit Ober- Regierungsrat Dr. G e h n e vom Reichs- Patentamt in Berlin über den Inhalt und die Bedeutung des in seinen wichtigsten Einzelheiten nunmehr vollendeten Gesetzent­wurfes.

Jährlich S2 000 Patentanmeldungen

Patent-Erteilungen gibt es in Deutschland erst seit dem Jahre 1877. Bis dahin beherrschten an deren Stelle die großenFabrikationsge­heimnisse" das Feld des Erfindungsgeistes. Sie waren meist in Familienbesitz, wurden sorgfältig gehütet und von einer Generation der anderen weitervererbt. Allmählich erwies es sich jedoch mit der zunehmenden Industrialisierung Deutschlands als notwendig, auch den Erfindungsgeist in ge­regelte Bahnen zu lenken und ihm staatlichen Rechtsschutz zu gewähren. Es entstand das Reichs- Patentamt zu Berlin, das heute über nicht weniger als gegen 6 0 0 0 0 0 Patente, die wiederum in 89 Klassen und etwa 19 500 Gruppen eingeteilt sind, und die größte technische Bücherei Deutschlands verfügt. Die bisherige Höchstzahl an Patentanmeldungen war im Jahre 1930 mit 78 000 Stück zu verzeichnen. Im Jahre 1934 hingegen wurdennur" 52 000 Patente, wovon 19 000 amt­lich bekanntgemacht wurden, angemeldet. Die Zahl der Patent-Erteilungen betrug im vergangenen Jahre 17 000 Stück.

Was ist ein Gebrauchsmuster?

Die Erteilung eines Patentes wird nach den gel­tenden Bestimmungen von der Neuheit, Brauchbar­keit und Fortschrittlichkeit des betreffenden Gegen­standes abhängig gemacht und ist mit erheblichen Kosten verbunden, die von den vielfach mittellosen Erfindern kaum aufgebracht werden können. Die Aufnahme in den Gebrauchsmusterschutz ist hingegen lediglich an die Erfüllung einiger for­maler Bedingungen geknüpft und daher gewöhnlich ohne weiteres zu erreichen. Die Brauchbarkeit eines unter Gebrauchsmusterschutz stehenden Artikels er­gibt sich immer erst in der Praxis. Hieraus ist es auch erklärlich, warum in der Gebrauchsmuster­rolle so vieleErfindungen" eingetragen sind, die keinerlei praktischen Wert haben und höchstens als Kuriosa Interesse beanspruchen können. Zahlreiche Erfinder, die an der Brauchbarkeit ihrer Erfindung selbst Zweifel hegen, pflegen daher zugleich mit der Patentanmeldung einen sogenannten Eventualan­trag auf Eintragung als Gebrauchsmuster zu stellen für den Fall, daß ein Patent auf die Erfindung aus den erwähnten Gründen nicht erteilt werden kann.

Sie Vorzüge des neuen Gesetzes.

Seit über einem Jahrzehnt bereits arbeitet man an dem Entwurf eines neuen Patent­gesetzes. Doch erst im neuen Deutschland ist man von unzureichendem Flickwerk auf diesem Gebiet zu einem grundlegenden Neubau gelangt. Der Aus­schuß für gewerblichen Rechtsschutz der Akademie für Deutsches Recht war monatelang mit der Aus­arbeitung des Entwurfes beschäftigt, woran auch der Nationalsozialistische Juristenbund beteiligt war. Das kommende Patentgesetz stellt eine volle An­erkennung des Erfinderprinzips und der schöpferischen Geisteskräfte im deutschen Volke dar, ohne die ein Wiederaufbau der Wirtschaft nicht denkbar ist. An dem bewährten Erteilungsverfahren soll auch durch das neue Gesetz in den Grundzügen nichts geändert werden. Die Anmeldungen werden auch weiterhin zunächst amtlich geprüft und dann,

falls die Verwirklichung der betreffenden Erfin­dung aussichtsreich erscheint, bekanntgemacht.

Schutz der Erfinderehre.

Den Patentanspruch hatte bisher derjenige, der eine neue Erfindung als e r st e r beim Reichs­patentamt anmeldete. Die Person des Erfinders elbst ist merkwürdigerweise an keiner Stelle des geaenwärtigen, verbesserungsbedürftigen Patent­gesetzes berücksichtigt. Infolge dieser Unterlassung ist die Rechtsstellung des Erfinders bisher durchaus unklar gewesen, was schon Anlaß zu zahllosen Patent st reitigkeiten gegeben hat. Nach dem neuen Gesetzentwurf hingegen steht der Patent­anspruch grundsätzlich dem Erfinder oder seinem Rechtsnachfolger zu. Wenn jedoch mehrere Personen zugleich und unabhängig voneinander eine Erfin­dung gemacht haben, wird der Patentanspruch dem ersten Anmelder zuerkannt. Der Erfinder oder dessen Rechtsnachfolger hat in Zukunft einen Her-

Die Ortsfachgruppe Büdingen in der Reichsfachgruppe Imker E. V., früher Bienenzuchtverein Büdingen, feierte am gestrigen Sonntag im HotelFürstenhof" in Büdingen ihr 50jähriges Bestehen. Zahlreiche Mitglieder der Ortsfachgruppe und auch viele Imker aus der näheren und weiteren Um^eoung hatten sich zu der Jubelfeier, die zugleich eine fruchtbringende Ar­beitstagung mit vielen praktischen Hinweisen für die Bienenzucht war, eingefunden.

Die Tagung wurde von Lehrer ©inner, Büches, mit einem Dorspruch eröffnet. Hierauf be­grüßte Oberpostsekretär i. R. Mann, der Vor­sitzende der Ortsfachgruppe, die Teilnehmer der Feier.

Der Vorsitzende der Landesfachgruppe Hessen- Nassau der Reichsfachgruppe Imker, Landwirt S e y d e l, Traisa bei Darmstadt, überbrachte die Grüße und besten Wünsche der Landesfachgruppe. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Aner­kennung für die verdienstvolle Arbeit der Büdinger Bienenzüchter überreichte er dem Vorsitzenden ein künstlerisches Diplom.

Hierauf sprach als Vertreter des Landesbauern­führers und des Reichsnährstandes Dr. Wagner, Frankfurt, Glückwünsche zu der Jubiläumstagung aus und betonte dabei, daß die Bienenzucht die wärmste Förderung und die tatkräftigste Unter­stützung der Landesbauernschaft habe und auch weiterhin erhalte.

Bürgermeister D i e m e r , Büdingen, überbrachte die Gruße der Stadt. Als Vertreter des Vorsitzenden der Kreisfachgruppe Oberhessen, des früheren Ober- hessischen Bienenzüchtervereins, richtete Dermal- tungsbeamter Bodenbender, Gießen, herzliche Worte an die Mitglieder der Ortsfachgruppe Bü­dingen.

Amtsanwaltschaftsrat Wenckebach, Kassel, der Vorsitzende des früheren Verbandes der Hessischen Imker, gedachte in seinen Ausführungen ber_ guten Leistungen der Büdinger Bienenzüchter für die hessische Imkerei.

Obstbauinspektor Metternich, Büdingen, be­tonte in seiner Ansprache, daß Obstbau und Bienen­zucht aufeinander angewiesen seien. Don seiner Seite aus sei alles geschehen, um die die Bienen schädigende Bespritzung der Obstbäume zu unter- binden. Der Förderung der Bienenweide werde er seine besondere Aufmerksamkeit angedeihen lassen.

Allen Rednern dankte der Vorsitzende der Orts- fachgruppe Büdingen, Oberpostsekretär i. R. Mann, mit herzlichen Worten.

Oberamtsrichter i. R. K l i e t s ch (Büdmgen), der

ausgabeanspruch gegen jeden, der ein Patent zu Unrecht angemeldet hat. Auch ausreichende Vor­schriften zur Wahrung der Erfinderehre sind in dem neuen Gesetzentwurf vorgesehen. Der Name des Erfinders soll im Erteilungsversahren grundsätzlich genannt werden.

Betriebserfindung und Kostenfrage.

Das Problem der sogenannten Betriebser- findung durch Angestellte wird durch das neue Patentgesetz in der Weise gelöst, daß dem Be­trieb grundsätzlich alle zu seinem technischen oder wirtschaftlichen Gebiet gehörenden Erfindungen zu­fallen, dem betreffenden Angestellten jedoch eine angemessene Vergütung gewährt werden muß. Die geringe Anmeldegebühr muß allerdings auch in Zukunft wie bisher dem Erfinder auferlegt werden, um einen Schutz des Reichspatentamtes vor Überschwemmung mit wertlosen Erfindungen zu gewährleisten, doch ist dafür eine Stundung der Jahresgebühren für die ersten sechs Jahre der Patentdauer, also ein Drittel der Schutzzeit, vorge- sehen. Man will hierdurch den Erfindern für die Zeit, während der ein Patent noch um seine wirt­schaftliche Anerkennung zu ringen hat, den Daseins­kampf erleichtern.

Sohn des Mitbegründers des feiernden Vereins, Kreisrat Klietsch, hielt den Festvortrag. In dem einleitenden geschichtlichen Rückblick zeigte er kurz die Verdienste der Männer, die die Bienenzucht auch in Hessen in die Höhe brachten. Dann führte er die Zuhörer in die Wunderwelt des Bienen­staates ein. Er gedachte der großen Imker D z i e r- z o n und August v. Berlepsch, die Licht in die rätselhafte Art der Fortpflanzung der Bienen brach­ten, der hessischen Imker Dickel (Darmstadt), und H e ck (Dudenrod), die die Lehre Dzierzons erfolg­los bekämpften; denn die Richtigkeit der Dzierzon- sehen Feststellung der Jungfernzeugung erwies sich nach den Untersuchungen von Prof. Dr. L e u ck a r t (Gießen) als unumstößlich richtig. Dann schilderte er den Zusammenhang von Bienenzucht und Land­wirtschaft auf dem Gebiete des Obst- und Samen- baues. Die Tätigkeit der Bienen schafft hierdurch Werte, die zehnmal größer sind als die Werte des Honigs und des Wachses, die die Bienen alljährlich aus dem eingetragenen Blütennektar erzeugen. Diese letztere so zu steigern, daß der Gesamtbedar des Honigs in Deutschland durch inländischen Honst gedeckt werden kann, daß wir vom Ausland au dem Honigmarkt unabhängig werden, das ist das große Ziel, das der deutschen Imkerei durch die Eingliederung in den Reichsnährstand gesteckt ist. Zur Erreichung dieses Zieles gilt es, alle Bienen­züchter, die noch nicht in unseren Reihen stehen, heranzuziehen und so zu schulen, daß sie helfen, die Erzeugung von Honig und Wachs zu mehren. Mit dem Wunsche, daß das Ziel bald erreicht werde, schloß der Redner seine mit großem Beifall auf­genommenen Ausführungen. Im Namen der Orts­fachgruppe Büdingen dankte ihm der Vorsitzende für den bedeutsamen Vortrag.

Hierauf überreichte der Vorsitzende der Kreisfach­gruppe Oberhessen der Reichsfachgruppe Imker EV., Lehrer Braun (Rodheim v. d. H.), in deren Auf­trag der Ortsfachgruppe Büdingen als Anerken­nung für die tatkräftige Unterstützung der oberhes­sischen Bienenzucht ein Geschenk, und zwar das Buch von unserem Führer Adolf HitlerMein Kampf". Auch er richtete herzliche Worte an die Versammelten.

Im weiteren Verlaufe der Tagung brachte Leh­rer S i n n e r (Büches) ein von Oberamtsrichter i. R. Klietsch (Büdingen) verfaßtes GedichtDie Hoch­zeit der Bienenkönigin" zu Gehör. Reicher Beifall belohnte den Vortragenden für seine humorvollen Ausführungen.

Hierauf zeigte Pfarrer i. R. A i s ch, Bad-Nau­heim, einen FilmstreifenAus dem Leben der

Bienen" mit fachgemäßen Erläuterungen. Der zweite Filmstreifen, oorgeführt von dem Vorsitzen« den der Ortsfachgruppe Büdingen, zeigte Bilder aus der Geschichte des Bienenzuchtoereins Büdingen unter Herausstellung der verdienstvollsten Mitglie­der. Dabei wurden zwei jetzt noch lebenden Mitbe­gründern des Vereins, Gutsbesitzer Wilhelm D i tz e l auf Herrnhaag bei Büdingen und Gutsbesitzer Schick, Diebach a. H., besondere Ehrungen zuteil. Die Vereinsgründung erfolgte am 29. April 1885 auf Veranlassung des Kreisrats Klietsch, Bü­dingen, durch Lehrer Heck, Dudenrod, und zwölf Imkern. Lehrer Heck wurde am Vormittag des gestrigen Tages durch Kranzniederlegung an seinem Grabe in Dudenrod gedacht.

Als dritten Lichtbildervortrag brachte Pfarrer i. 9t. Aisch einen ScherzfilmSchutz den Weiden­kätzchen". Darin wurde vortrefflich gezeigt, wie von vielen Menschen die Weidenkätzchen, die für die Biene so unbedingt notwendige Weide, unvernünf­tigerweise abgerissen und meistens schon einige Zeit später in den Mülleimer befördert werden.

Heinrich Hupfeld, Altenritte bei Kassel, der bekannte Königinnenzüchter, hielt dann noch einen Vortrag über das ThemaDer Segen der Köni­ginnenzucht für die Bienenzucht". Seine Darlegun­gen wurden mit großem Interesse verfolgt und von den Zuhörern mit reichem Beifall belohnt.

Das gleiche Thema behandelte auch Verwal­tungsbeamter Bodenbender, Gießen, der Ob­mann für die Königinnenzucht in Oberheffen, dessen Ausführungen ebenfalls dankbar aufgenommen wurden.

Die Jubelfeier fand mit dem Schlußwort des Vorsitzenden der Ortsfachgruppe Büdingen, Ober- poftfekretär i. R. Mann, und einem freudig auf­genommenenSieg-Heil" auf unseren Führer ihr Ende. Es war eine ernste Arbeitstagung, die allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben wird.

Oer Präsident des Reichslustschutz, bundes im Rhein-Main-Gebiet.

LPD. Frankfurt a. M., 19. Okt. In den letzten Tagen weilte der Präsident des Reichsluft- fchutzbundes, Generalleutnant a. D. Grimme- Berlin, im Bereich der Landesgruppe Heffen/Rhein- land-Süd des Reichsluftschutzbundes. Generalleut­nant a. D. Grimme besuchte zahlreiche Dienst­stellen der Landesgruppe u. a. weilte er auch in G i e ße n und äußerte seine Zufriedenheit über die bisher im Interesse der Bevölkerung ge­leistete Selbstschutzarbeit. Generalleutnant a. D. Grimme nahm am Freitagabend an einer Kund­gebung des Flakwaffenringes, dessen Führer er ebenfalls ist, teil und wies in seiner Rede auf den engen Zusammenhang zwischen Flakwaffenring und Reichsluftschutzbund hin.

Große Frauenschasts- Kundgebung in Darmstadt.

Eine Rede der Reichsfranensührerin.

D a r m st a d t, 19. Okt. (LPD.) Die NS.-Frauen- schäft, Deutsches Frauenwerk, Gau Hessen-Nassau, das Darmstädter Deutsche Rote Kreuz, Hessischer Alice-Frauenverein, veranstalteten Samstag nach­mittag in der Festhalle eine eindrucksvolle Kund­gebung, in deren Mittelpunkt eine Rede der Reichs­frauenführerin, Frau S ch o l tz - K l i n k, stand. Un­ter den Anwesenden sah man u. a. den Reichsleiter des Winterhilfswerks H i l g e n f e l d t und den stellvertretenden Gauleiter Regierungsrat Reiner.

Nach einleitenden musikalischen Vorträgen des Chors und Orchesters des Hessischen Landestheaters und Liedern des Frauenarbeitsdienstes eröffneten die ehemalige GroßherzoginEleonore und Gau-Frauenfchaftsleiterin Brinkhoff mit kurzen Begrüßungsansprachen die Kundgebung. In einer mit starkem Beifall aufgenommenen Rede umriß Reichsfrauenführerin Frau S ch o l tz - K l i n k die großen Aufgaben der Frau im nationalsozialistischen

IiinfzigLahre Bienenzucht in Büdingen.

aber ein

Das Schulkind

Bon 3Robed Braun

trappt sie schon mit den beiden den Gehsteig herauf und hinab und krächzt und lacht mit ihnen. Es geht an den erleuchteten Auslagen der abendlichen Geschäfte vorbei, wo die Mütter einkaufen gehen, und bis zu der Plakatwand hin, die eine vorsprin­gende Feuermauer bildet. Unter dem grellen Bild, das einen die neueste Kaffeemischung anpreisenden Kenner darstellt, kehren die Kinder um und laufen zu mir zurück, der sie erwartet. Nachdem sich Hilde eine Weile so unteichalten hat, rufe ich sie wieder, da es Zeit für sie wird, sich zum Schlafengehen zu rüsten.Siehst du, jetzt kennst du auch die Nach- tigall", sagt sie befriedigt und gibt mir die Hand für den Weg zum Heimgang.

Wenn ich nicht nach den Neuigkeiten der Schule frage, erzählt sie von selbst davon. Gestern hätte der Herr Pfarrer zu den Kindern vom Paradies gesprochen und daß es dort so viel Englein gebe, die hin- und herfliegen, aber das wisse sie natürlich und bedeute für sie durchaus nichts Neues.Aber denke dir", fällt es ihr ein,der Wächter war so schlimm, daß ihn der Herr Pfarrer bei der Haut ge­zogen hat, rückwärts bei der Haut!" Sie macht die Augen vor Abscheu ganz groß und drückt die kleine, biegsame Hand auf die Stirne, um mir dies Unge« heuerliche begreiflich zu machen.

Wenn Hilde jetzt ihren Schulweg entlang den herbstlichen Gartenzäunen geht, die schrägen Strah- len der Morgensonne in den hell schimmernden Löckchen, und es schwingen vor Wichtigkeit das graue Mäntelchen und die schwarze Schultasche, bte Arme und die Zöpfe, so gibt es doch Stellen wo sie wieder ganz vergißt, auf ihrem ernsten Gang zu sein. Bei der alten Kastanie am Bach macht sie den unvermeidlichen Umweg, um vielleicht eine von btn braunen, glatten Früchten zu finden, die der mächtige Baum während der Pacht spendete. Aber da haben schon vorher die Buben gehaust, bte hter ihre Wurfgeschosse sammeln: man mertt es an den leeren Schalenstücken.

Bei anderen Bäumen verlockt sie das Herbstlaub, das im Umkreis der Krone wie ein dichter Teppich um die Stämme liegt, um durchzurauschen. Etn nächtlicher Frost hat die Blätter von den Zweiyen gelöst und die Straßenkehrer konnten noch nicht hier Hand anlegen.

Erscheint aber das schwarzgefleckte Kätzchen zwt- schen den Staketen des Zaunes, das feinen Leid o schmeichlerisch biegt und habet mit dem Schwanz leicht schlägt, voll Aufforderung, zu liebkosen, da vergißt die Schülerin völlig die Lehrerin, den Oben lebrer und Pfarrer, und ermahnte ich sie nicht zur Eile, so käme sie lange nach dem Läuten der Schul- glock'e zu ihrem Ziel.

Zum ersten Mak an diesem Herbstmoraen ist auch die kleine Hilde auf der Straße zu sehen. Sie trägt eine schwarze Schultertasche auf dem Rücken und an ihrem schnellen Gang und dem Schlenkern der Arme und hellen Zöpfchen, die über bte Ohren hängen, kann jedermann merken, welche Wichtig­keit sie erfüllt. Ja, sie ist fein Spielkmd mehr sondern kennt eine Lehrerin, einen Oberlehrer und einen Pfarrer; sie besitzt eine geräumige Schultasche, worin beim Laufen die Heftmappe und das Pennal holpern. Sie ist eine Person geworben, bte Auf­gaben hat wie ein Erwachsener.

Auch sonst veränderte sich manches. Früher kannte ich Hildes Gespielinnen nur nach den Vor­namen als Trude, Anni ober Lotte Doch jetzt ruft sie, wenn ich mit ihr die Straße htnadgehe plötzlich aus:Siehst du das ist der Heng! und dort geht die Ebermaisleder!Aha , sage ich und sehe ein blondes Bübchen, das seinen Eltern unbekümmert vorausspringt, an der anderen Seite Mädchen, gehorsam an der Hand Der Mutter.Jetzt kennst du schon viele aus meiner Klasse", fährt sie fort und zählt bte fluchtigen Be- kanntschaften von früheren Begegnungen her aus, den Zahel, den Wachter, die Betti Ehrlteb und jetzt den Hengl und die Ebermaisieber. Kennst du auch den Wotruschka?", fragt sie nach emer Pause und ich merke, wie stolz sie diesen gewaltigen Namen ausspricht.Nein, den Wotruschka renne ich nicht. Gibt es denn wirklich einen bei mr r Da sie es aus ganzem Herzen beteuert, muh ich es wohl glauben.

Siehst du, drüben ist die Nachttgall", macht sie mich nach einer Welle aufmerksam,komm, gehen wir hinüber!" Wir überqueren also die Straße und begrüßen die Nachtigall, ein kleines, zierliches Ding- chen mit hellgoldenem Haar und den blauen frohen Augen der Leute aus dem Weinland. Sie lief eben mit dem jüngeren Bruder den Gehsteig von einer Mauerecke zur andern, nun bleiben beide Kinder stehen, fetzten aber gleich ihr Spiel wieder fort. Nach einigen Laufschritten beugt sie sich jedesmal ,u dem Brüderchen herab, das sie an der Hand rührt schneidet eine Grimasse und stößt em schreck­liches Krächzen aus, was einen Lachanfall des K Hllde^lrachttt zuerst scheu das Treiben der früh- liehen Mitschülerin, bann aber gefallt es ihr zu gut. Sie entwindet sich meiner Hand und nähert sich der Kameradin mit dem zögernden Bitten, das Kinder Vmitfpithn" wollen; bann

Heitere Lagdgeschichten.

Don O. G. Ioerster.

Der ehemalige deutsche Reichspostminister von Stephan verbrachte seine Ferienwochen oft in Ostpreußen und Schlesien, wo er als ein eifriger Jäger bekannt war. Leider aber ließ er es, be­sonders bei den Treibjagden, manchmal an der ge- botenen Vorsicht fehlen.

Einmal begrüßte Stephan einen der Treiber, des- fen Gesicht ihm bekannt vorkam, mit den Worten: Hallo, guter Freund, wo habe ich Sie denn schon mal getroffen?"

Da lachte der Treiber verschmitzt und wies mit zarter Handbewegung nach rückwärts:Hier, Exzel­lenz, hier!" *

Herzog Ferdinand von Braunschweig zog all- jährlich für einige Wochen in den Harz, um dort dem edlen Weidwerk zu frönen. Seine Vorliebe für den Jägerberuf ging soweit, daß jeder bei ihm in Ungnade fiel, der sich Verstoße gegen die Jäger- spräche zuschulden kommen ließ. So bemühten sich alle aus der Begleitung des Herzogs, in seiner Gegenwart nur weidmännische Ausdrücke zu ge­brauchen.

Bei einer Rehbockjagd verletzte sich Herzog Fer- dinand an den Dornen einer Hecke, ein Blutstropfen floß über fein Ohr.

Da zog der Adjutant den Herzog am Rockärmel und meldete:Durchlaucht schweißen am Löffel!"

In Hessen lebte einmal ein Forstrat, der während seiner Jagd auf einen Raben schoß. Doch traf er nicht gut, und der Rabe war nur am Bein verletzt, worauf er sich mit höhnischem Gekrächz in die Lüfte erhob. v .

Da drohte der Jäger mit der Faust und schrie dem Flüchtling nach:Wart nur, beim Setze wird sich's weise!"

Kaiser Friedrich III. empfing den General v. K., der schon zweimal Urlaub nach Afrika genommen hatte und als großer Jäger galt.

Nun, mein Lieber?" fragte der Kaiser,wieviel Löwen haben Sie denn diesmal geschossen?"

Der General, der in Wirklichkeit nicht die ge- ringfte Neigung für Löwenjagden besaß, merkte den Spott und entgegnete:Keinen, Majestät!"

Aber Sie waren doch in Afrika?"

'.Jawohl, Majestät, aber die Löwen hatten ge- rode Schonzeit!"

Der alte Kaiser Wilhelm nahm an einer Jagd im Harz teil. Am Abend hielt der Gastgeber eine Rede, in der er ausführte, der Kaiser habe dreißig Hirsche allein zur Strecke gebracht.

Da lachte der greife Fürst:Bei euch Harzern muß es wohl nicht mit rechten Dingen zugehen? Dreißig Hirsche habe ich geschossen und zwanzig Patronen hatte ich nur!"

Prinzregent Luitpold von Bayern machte einen Jagdausflug in die bayerischen Berge. Der alte Bürgermeister Brack von Obersdorf begleitete ihn. Nach langer Kletterei ruhten sich die beiden ein wenig aus, und Brack sprach:Ja, ja, wir werden halt auch jedes Jahr älter und klappriger!"

Der Prinzregent lachte:Na, na, lieber Brack, ich bin ja auch so alt wie Sie, aber ich für meine Person merke nichts davon!"

Das ist kein Wunder, Königliche Hoheit!" sagte Brack,wir merken auch nichts, aber die andern die merken's!"

*

Auch der Eisenindustrielle Alfred Krupp war ein großer Jäger vor dem Herrn. Er hatte sich eine Jagh gep-achtet und fuhr im Herbst für einige Tage hinaus. Einmal schrieb ihm eine Verwandte, er möge ihr doch auch mal einen schönen Hasen schicken,zum Selbstkostenpreis natürlich!"

Eine Woche später erhielt die Dame einen Hasen zugesandt, dem Krupp folgende Rechnung beigefügt hatte:

Jagdpacht: 600 Mark, Jagdaufseher 100 Mark, Wildschaden 50 Mark, Patronen 10 Mark, Schmer­zensgelder 500 Mark zusammen 1260 Mark. Er­legt: 23 Hasen. Selbstkostenpreis pro Stück: 54,78 Mark. Weitere Hasen stehen zum gleichen Preise zur Verfügung."

Fortan belästigte niemand aus Krupps Verwandt- schäft den Jäger mehr mit der Bitte um billige Hasen ...

Hochsckulnacbnchten

Dozent Dr. phil. habil. Hans-Joachim Schu­macher ist mit Wirkung vorn 1. Oktober d. I. an zum ordentlichen Professor für Physikalische Chemie an der Universität Frankfurt und zum Direktor des Instituts für Physikalische Chemie in Frankfurt ernannt worden.

Professor Dr. Hermann Bente, Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Univer­sität Kiel, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität Frankfurt berufen worden.