Samstag, 21. September 1935
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
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Ein Beweis dafür, wie fruchtbar die eingehenden Belehrungen gewirkt hatten, ist darin zu erblicken, daß in der Schlußbesprechung keinerlei Zweifel über die Obliegenheiten des Luftschutz-Hauswartes zutage traten, dafür aber ein derart brennendes Interesse an dem Aufgabengebiet des zivilen Luftschutzes sichtbar wurde, daß man getrost sagen kann: Das Ziel auch dieses grundlegenden Ausbildungslehrganges ist als erreich *—
Welche Aenderungen bringt nun diese Novelle?
Das unberechtigte Fischen war früher als Uebertretung in dem nun gestrichenen § 370 Ziff. 4 StGB, behandelt und mit Geldstrafe bis 150 Mark oder Haft bis zu 6 Wochen bedroht. Nunmehr gilt das unberechtigte Fischen, auf das der Begriff des „Wilderns" ausgedehnt worden ist, als Vergehen. Das hat zur Folge, daß die Tat nicht mehr in drei Monaten, sondern erst in fünf Jahren verjährt, Versuch und Beihilfe beim Fischwildern war früher nicht strafbar, während sie jetzt der Bestrafung unterliegen.
Im neugefaßten § 293 StGB, ist (Abs. 1) nicht nur das Fischen unter Verletzung eines fremden Fischereirechts unter Strafe gestellt, sondern auch die Zueignung, Beschädigung oder Zerstörung einer Sache, die dem Fischereirecht unterliegt. Zu solchen Sachen gehören außer Fischen auch Krebse, Muscheln. Unter den gedachten Handlungen, die nicht auf die Aneignung dieser Tiere gerichtet zu sein brauchen, fällt u. a. die Anwendung von giftigen Ködern oder Mitteln zur Betäubung oder Vernichtung der Fische mit Sprengpatronen und anderen Sprengmitteln, ungelöschtem Kalk, Schlingen oder Fischsperren. Der Verletzung eines fremden Fischereirechts macht sich auch schuldig, wer örtlich oder zeitlich die Grenzen seines Fischereirechts
Der Lustschutz-Hauswart.
Lehren und Eindrücke aus der Lustschuhschule Gießen.
........... ... _ iorbedingungen, tiieün planmäßiger Arbeit erfüllt werden mutz.
Sie Luftschutzschule Gießen als Glied tne Reichsluftschutzbundes ist seit einigen Wochen nr.iut dabei, die Luftschutz-Hauswarte für unser Tifzener Gemeinwesen in den elementarsten Erfor- Grüssen und Pflichten, die ihnen bei dem zivilen Lu s schütz obliegen, auszubilden. Wir hatten Ge- segnheit, an einem dieser Lehrgänge der Luftschutz- |dnie teilzunehmen und dabei alle Abschnitte der &}gfeit und der Pflichten des Luftschutz-Haus-
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Mehr Schutz der Fischerei und Jagd
Von Amtsgerichts-Direktor i. ZR Iunk, Gießen.
wartes kennenzulernen. Wie wir selbst, so werden zweifellos auch alle übrigen Lehrgangs-Teilnehmer dankbar die wertvolle Belehrung und die aufschlußreichen Fingerzeige begrüßt haben, die bei dieser Gelegenheit von dem Schulungsleiter und seinen Mitarbeitern in vorbildlicher Hingabe an ihre Lehraufgaben erteilt wurden. Da saßen Männer, die zum größten Teile Kämpfer des Weltkrieges gewesen waren und von der Bedeutung der Fliegergefahr allerlei Kenntnis aus ihrem Fronterlebnis aufweisen konnten. Daneben befanden sich aber auch Volksgenossen und Volksgenossinnen, denen die Ge- ährlichkeit der Luftwaffe bisher nur aus der Lektüre oder vom Hörensagen her bekannt war. Sie alle haben in diesem Lehrgang außerordentlich viel gelernt, auch die ehemaligen Frontsoldaten, denn mittlerweile sind in den rund zwei Jahrzehnten seit dem Kriege auf dem Gebiete des Luftkrieges und
grauen Kämpfern möglich war. Sehr lehrreich waren auch die Aufklärungen und die praktischen Vorführungen der verschiedensten Arten von Brandbomben, sowie die Schilderung der geeigneten Bekämpfungsmittel.
Mit großer Spannung und mit ganz bedeutendem Gewinn für die praktische Arbeit waren die Stunden ausgefüllt, die dem Bau von Schutz- räumen und den Hebungen in diesen Räumen galten. Was bei dieser Gelegenheit gelehrt wurde, war auch für tan Mann, der an den Weltkrieg- Fronten manchen bombensicheren Unterstand mitgebaut hat, in vielerlei Hinsicht völlig neu und außerordentlich lehrreich. Und man erkannte in diesen Stunden in der eindrucksvollsten Weise, welche vielseitige^ und an Verantwortung überaus große Arbeit der Luftschutz-Hauswart im Rahmen seines häuslichen Bezirks zum Schutze der Hausbewohner schon zu einer Zeit zu leisten hat, in der man auch noch nicht an der entferntesten Blickgrenze des politischen Horizonts' irgendeine Gefahrenmöglickkeit erkennen kann. Gerade aus diesem Gebiete offenbarte sich den Lehrgangsteilnehmern die zwingende Notwendigkeit, in stiller, aber eifriger Arbeit von langer Hand her alles vorzubereiten und vis in die kleinsten Teile zu organisieren, was einmal in den Stunden der Gefahr zur Lebens- notwendigkeit für einen großen Kreis von deutschen Menschen werden kann, ja sogar werden muh. Der Luftschutz-Hauswart hat in dieser Hinsicht ein dankbares Aufgabengebiet zu betreuen, wenn er mit echtem Gemeinschaftsgeist an seine Sache herangeht. Dazu gehört freilich, daß er bei allen seinen Hausgenossen in den verschiedenen Familien nicht nur keinerlei Hindernisse erfährt, sondern von allen in verständnisvoller und opferbereiter Weise durch Mitarbeit und auch durch geldliche Opfer soweit wie möglich unter- stützt wird. Dabei ist von allen zu bedenken, daß die Schutzeinrichtungen ja nicht etwa in erster Linie dem Hauswart zugute kommen, der im Falle der Gefahr vielmehr erst zuletzt an sich denken kann und darf, sondern daß alle Maßnahmen der Sicherung und Erhaltung des Daseins der Hausge- melnschaftin ihrer Gesamtheit dienen.
Ein weiteres sehr interessantes Lehrgebiet war der ersten Hilfe bei Verletzungen und Gaserkrankungen gewidmet, wobei die Lehr- aangsteilnehmer bei unserer Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz vielerlei Winke und
Kenntnisse sich aneignen konnten, die man auck im Alltagsleben, außerhalb aller Gefahren eines Krieges, mit großem Nutzen verwenden kann. Den fesselnden Abschluß des Lehrganges bildeten eine praktische Uebung, bei der sich zeigen sollte und tatsächlich auch gezeigt hat, wie sich ein richtiger Luftschutz-Hauswart im Falle der Gefahr im Schutzkeller benimmt und wie er seinen Schutzbefohlenen in der rechten Weise den Weg ins Freie zu bahnen weiß, auch wenn dabei keine Treppe mehr zur Verfügung steht; dieser Abend der Praxis war unzweifelhaft einer der wertvollsten der ganzen Unterrichtszeit. Den Ausklang bildeten eine sachkundige Belehrung über die Rechte und Pflichten des Hauswartes und ein fesselndes Planspiel, bei dem das Ineinander- greifen der Organisationsteile und das Zusammenarbeiten der örtlichen Kräfte auf engem Raume Der-
Shakespeare am Telephon.
Wer sich mit W i l l i a m Shakespeare unterhalten will, braucht nicht in eine spiritistische Sitzung zu gehen. Der Gesuchte befindet sich im Londoner Telephonbuch, und zwar in denkbar bester Gesellschaft; denn auch OliverCromwell,George Washington, Marlin Luther, David Livingstone und Francis Bacon sind fernmündlich zu erreichen. Was tut es, daß die heute lebenden Träger dieser berühmten Namen schlichte Bürger und Biedermänner sind und außer dem Namen nichts mit den Taufpaten gemein haben! Wenn man Betrachtungen darüber anstellt, wie die Cromwells, Washingtons, Luthers, Livingstones, Bacons und Shakespeares von heute zu den entsprechenden Vornamen gelangt sind, kann man einen tiefen Einblick in die Vater- und Mutterherzen tun. Den Nachnamen hat der kleine Erdenbürger mit auf di« Welt gebracht, aber über die Wahl des Vornamens haben sich seine Eltern vermutlich schon geraume Zeit vor seinem Eintritt in die Welt den Kopf zerbrochen. Sollte man den zu erwartenden Sohn nach Onkel Habakuk und das Töchterchen nach Tante Frieda benennen, nur weil diese Taufpaten für einen silbernen Löffel gut sind? Ware es nicht besser, dem kleinen Menschen einen Namen zu geben, bei dem die Leute aufhorchen? Allerdings muß dann eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Vorbild und dem namensglelchen Nachfahren bestehen, und man tut den großen Toten keinen Gefallen, wenn man durch allzu dürftige Namensvetter an sie erinnert. Schließlich ist der erzieherische Wert eines solchen Namens zu bedenken Wer William Shakespeare heißt, roirb damit vom ersten Lebenstage an angespornt sein sich demgemäß zu betragen, und auch die Namen Cromwell, Wa hington, Luther, Livingstone, Bacon verpflichten Wenn jemand dagegen Scott heißt, so kann er ruhig dem Sohn den Vornamen Walter geben; denn es gibt heute schon sechzehn Walter Scotts m London, und bald wird der Name, trotz seines berühmten Klanges, wieder ein Alltagsname sein.
Glanz der Vorstellung. Lenkte der Atlas den Blick auf die Pflanze, zog er ihn zugleich auf die Welt, und überall, auf allen Erdteilen, fand der glückliche Blick Blumen, Gewächse, Bäume, Natur.
Er bietet den Pflanzen der Heimat und den Gewächsen der Fremde eine Stätte. Seine Harmonie ist rührend, seine Einheit beruhigend. Er ist ein bescheidenes und bezauberndes Buch der Weltschöpfung...
zusehen.
Es werden nun die gleichen Aufgaben an weitere Männer und Frauen herantreten, die ebenfalls für den Dienst des Luftschutz-Hauswartes vorgesehen sind. Diese Volksgenossen und Volksgenossinnen gehen einer interessanten und dankbaren Arbeit entgegen. Sie werden von dieser Obliegenheit sicherlich die gleiche Begeisterung zur vollen Einsatzbereitschaft für di e Gesamtheit mitnehmen, wenn sie aus ihrem Lehrgang entlassen werden, wie das auch bei dem eben abgeschlossenen erneuten Kurs wieder zu bemerken war. Unser Volk braucht in vielerlei Hinsicht die selb st lose und tatfrohe Mitarbeit aller deutschen Männer und Frauen, damit das große Aufbauwerk unseres Führers und Reichskanzlers A d o l f H i 11 e r zum Wohle der getarnten deutschen Nation in vollem Ausmaß gelingt. Wir sind gewiß, daß auf dieses hohe Ziel vollkommen eingestellte Volksgenossen und Volksgenossinnen auch im Rahmen der zivilen Luftschutz-Arbeit in Gießen immer bereitstehen werden!
seiner Abwehrmittel vielerlei Veränderungen vor sich gegangen.
Zunächst lernten die Lehrgangs-Teilnehmer m klarer Weise den Sinn und Zweck des zivilen Luftschutzes kennen, ebenso wurden sie in den Aufbau der Luftschutzorganisation eingeführt. Dann wurde die interessante Bekanntschaft mit den verschiedenen chemischen Kampf st offen gemacht, die bei der feindlichen Einwirkung aus der Luft gegen die Bevölkerung in Betracht kommen. Da lernte man — für die Weltkriegssoldaten in vielerlei Hinsicht Bekanntes und Selbsterlebtes — den sachgemäßen Umgang mit den verschiedenen Kampfgasen bzw. die richtige Abwehr kennen, wobei ein sehr lehrreicher Experimentalvortrag auch den Neuling auf diesem Gebiete vollkommen überzeugen konnte. Dann tarnen die Gasmasken an die Reihe, die zunächst theoretisch vorgeführt und schließlich in einem vortrefflich hergerichteten Stinkraum praktisch erprobt wurden. Dabei war es für die ehemaligen Kriegsteilnehmer besonders interessant, die Feststellung zu machen, daß die beschwerliche Gasmaske des Weltkrieges mittlerweile in vielerlei Hinsicht verbessert worden ist, so daß der Aufenthalt mit dieser Maske in der gasgeschwängerten Umgebung ganz erheblich leichter ertragen werden kann, als es damals im Kriege unseren seid-
Der pflanzenattas.
Don Friedrich Schnack.
;tt) weiß nicht, woher ich ihn habe und wer vor nh seine botanischen Kenntnisse aus ihm schöpfte. 3mir sieht er nicht sonderlich gut aus: er ist aus« sm lidergefallen und die Tafel, darauf die Kryp« b:gimen abgebildet sind, die Farne, Moose, Flechte i und Pilze in ihren Wunder färben, wurde vor dm anderen stark mitgenommen durch die Zeit nl die Ungeduld blätternder Finger. Zwar sind Lt Flechten und Moose zu verschmerzen, da die Pze gut erhalten blieben: der Champignon, das Wchwämmchen und die Birkenschwämmchen, die 31 ümorschen Baumstümpften siedeln ... Aber im großen und ganzen ist es doch schade, daß dem tonen Pflanzenatlas so übel mitgespielt wurde. 2cm sehe nur: auf einer Tafel, angefressen von Ämsen ober eingerissen von Kinderhänden steht ehi Sagopalme ihres Wipfels beraubt, und der tii;ben abgemalte Blütenstand ist bis auf einen »Meinbaren Rest verschwunden. Diese Palme wird rei roieber ausschlagen unb einen grünen Wipfel Uten, Dom Blütenstand ganz zu schweigen. Der Silis ist nicht mehr aoUtommen. Der Text zu ben 2al’ln, untergebracht im ersten Teil des Buches, tg mir minber wichtig, weil er Stubenhockerarbeit ji reinem steifbeinigen Deutsch aus dem oorigen Hlrhundert ist, trocken wie Brot ohne Butter. Die Wer aber hat kein Gelehrter gezeichnet und ge- tjdit ein durch und durch lebendiger Mensch war es, «m Meister seines Fachs, ein hellblütiaer und fyiliiugiger Maler, der wohl eines kleinen Lorbeer- bitttchens würdig wäre. Mit gehorsamer Feder und ftniegsamem Pinsel hat er eine reiche, bunte Wnzenwelt aufgezogen, gepflegt und gestaltet — nkiiiele Jahre seitdem auch vergangen sind: das foci und fein gemalte Pflanzenreich blieb frisch, mrn auch ein wenig altertümlich in der Tönung dsi Chlorophyll-Grüns unb ber Blütenfarben. Die Bscheidenheit jenes Zeitalters liegt über ben Pflan- mmhnen unb Blumenwimpeln. Dennoch oerleihn Ibif Farben, gebämpft und beruhigt wie Pastelle, in Pflanzenbildnissen den Ausdruck leibhaftigen Lbms Freude und Kraft, einen reizenden ^rüh- lic einen gesättigten Sommer. Die Farben des Shers sind ja auch natürlichen Ursprungs und rf wie die unseren in chemischen Kuchen gezeugt. °sr!Rot, ihr Blau, ihr Gelb, das oielfach sich von- eianber unterscheibenbe Grün, sie alle würben von A nzen unb Hölzern gewonnen; leicht mag die Sil.Mzenseele ber ausgeprehten Gewächse fluchtig i:e:ganflen sein in das grüne, blaue unb rosige
Farbenblut, unb so kam es in die Bilder und lebte, strahlt in meinem Atlas des großen Pflanzenreiches.
Es ist ein abwechslungsreicher, bunter Garten. Er vereinigt in sich die Pflanzen aller Zonen, ein wahrer Weltgarten. Den Unbilden ber Witterung ist er nicht ausgesetzt, ben Herbsten nicht preisgegeben. Die Schere ber Mobe, bie auch die Büsche stutzt, schneibet nicht in seine Fülle. Ihm kann nichts geschehen, bewahrt von meiner Liebe unb meinem Entzücken, wenn ich ihn aufschlage unb ben kunstvollen Bau ber Taubnessel ober bes Klappertopfs mit ebensoviel Bewunberung betrachte, wie nur irgenbetn menschliches Bauwerk. Die Taubnessel unb ber Klappertopf, ber kriechenbe Günzel unb die Ackerbistel, sie alle brücken, in wechselnber Gestalt, ben schöpferischen Geist bes Lebens aus, unb bie geheime Drbnung ber Welt, jener, bie ber Mensch nicht eingerichtet hat.
In meinem Atlas, darin bie Pflanzenbiiber schlicht unb vornehm stehen, wie es ihrer Form unb Anlage entspricht,, habe ich die abgeschilderte Pflanzennatur in einer harmonischen Gesamtheit erlebt, wie der Musiker beim Lesen seiner Partitur ben Einklang bes Orchesters. Auch mein Buch ist eine Partitur, gefügt aus vielen Stimmen, ein Pflanzenchor, halb fein unb gläsern mich ansprechenb, halb büfter, leibenschaftlich, üppig schwellend, halb farbig lobernb. Die Zartheit bes Zittergrases, die Rispe bes Wiesenschaumkrauts behaupten sich neben dem Glockenklang der Glockenblume und dem Summen bes Eichenwipfels, unb es gibt keinen uneblen Wettstreit. Der Künstler hatte bie Pflanzengeschöpfe eingestimmt in sein Buch, so wie sie in Wirklich- feit eingestimmt finb in ben Bestaub unb bie Jahreszeiten ber Erbe.
Wie er bas Nahe, Vertraute, bas Unscheinbare unb heimatlich Schöne umfaßt unb mit Liebe vor mich hinstellt, so bringt seine Zeichen- unb Mal- kunst auch das Ferne, Seltene, Fremdartige, Er- staunliche, alle exottsche unb wilde Pracht. Glucks genug Freude genug. Wer hätte mir, wenn nicht er ben Mammeibaum, ben Aprikosenbaum von St Domingo vorgeführt, ber so köstliche Früchte hervorbringt? Wer ben Nierenbaum? Den Orleans- bäum mit dessen Fruchtmark die Indianer ihre Haut beizen? Wer das Glasschmelz-Gewächs vom Meeresstrand, wer die Blume Saloppe, das Bitter- Holz und bie Pimpernuß? Nicht ein Lehrer in meiner langen Schulzeit hat mich so fesselnb Pflan- zenkunbe gelehrt, wie mein bewährter Atlas bes botanischen Reiches.
Das muß ich ihm banken. Und mehr noch. Zum Stoff gab er mir ben Seelenhauch, zur Lehre ben
>ei Ortsgruppenführer. Die maßgebende Beumtleitung im Ernstfälle hat einzig unb allein )ei örtliche Leiter ber Polizei, dessen 8e hlsgewalt ber gesamte zivile Luftschutz unter- IteL. Seit einigen Wochen ist dafür auch die ge- setzoche Grundlage in dem Reichsluftschutz- ®i| e 6 geschaffen worden, das bekanntlich alle Biinner und Frauen dem zivilen Luftschutz-Dienst »ch flichtet, bei dem die Polizei die befehlsführende Etile ist. Das Schwergewicht dieses Selbstschutzes ihf bei dem Luftschutz-Hauswart, der im ber akuten Fliegergefahr in weitestem Aus- iwoie für das Wohl und den Schutz feiner Haus- KlsHrten mit selbstloser Einsatzbereitschaft und Hin- iiih zu sorgen hat. Entsprechend der Größe dieser thißabe und der hohen Verantwortung ist die viel- siilpste und systematische Ausbildung der Luftschutz- toroarte eine der wichtigsten Vorbedingungen,
Seiffcbriften.
— Mit dem Doppelheft August-September schließt die „Deutsche Zeitschrift" (Verlag Georg D. W. Callwey, München) ihren 48. Jahrgang. Vielseitigkeit in der Auswahl der Themen, geistige Höhe der Betrachtungsweise, Reichhaltigkeit und ansprechende äußere Form sind auch die Vorzüge dieses Heftes, das wiederum Zeugnis ablegt für den verantwortungsvollen Ernst, mit dem die Zeitschrift sich ihrer kulturellen Bildungsaufgabe hingibt. Als gewichtigsten Beitrag möchten wir ben von Prof. Kurt Huber über „Neue Dolkslieb- forfchung unb Dolksliebpflege" gelten lassen, ber als Hauptziel erkennt: bie deutsche Seele in ber unenblichen Vielgestaltigkeit ihres Liebes allen nahe- rücken, bamit alle aus bem freubigen Erleben biejer Vielgestaltigkeit zu ben Urtiefen ihres Volkstums zurückftnben. Nicht minber aufschlußreich ist ber Aufsatz „Polen unb Deutsche" von Erich Maschke. Ueber Jmegserinnerung unb Kriegserfahrung" schreibt Erich Weniger, mit ber Absicht, aus den so unendlich verschiedenen Kriegserlebnissen und ihren Niederschlägen die echte Ueberlieferung des Krieges und ihren ethischen Ertrag für das Gesamtvolk zu gewinnen. Don literarischen Beiträgen sind zu nennen: die Erzählung „Der bekränzte Weiher" oon Georg Britting, die Novellen „Kadülleckenberg" und „Der weiße Hirsch" von Agnes Miegel, ein Essai über Agnes Miegel von Fritz Endres, über „Bauerndichtung" von M. Hochgesang, Gedichte von Hans Böhm. Ulrich Christoffel steuert einen Beitrag über „Münchner Bildniskunst der 1880er Jahre" unter Beigabe von acht Bildbeilagen bei, Erich Brock einen über „Deutsch - schweizerische Freundschaft". Umfassende Bücher- und Filmbenchte runden das Heft ab.
Sochschuinachnchten.
An der Technischen Hochschule Berlin wurden die folgenden Lehrkräfte von den amtlichen 23er- pflichtungen entbunden: Professor Dr.-Jng. e. h. Heinrich Aumund (Grundlagen ber Mechanik), Professor Dr. Rudolf Franke (Fernmeldetechnik. Schalt- und Getriebelehre), Professor Dr.-Jng. e. h. Hermann Jansen (Städtebau), Professor Dr, Paul Krainer (Dampfkraftmaschinen), Professor Dr.-Jng. e. h. Hans Poelzig (Hochbau) unb Bergrat Professor Dr. Ludwig Tübben (Maschinentechnische Bergbaukunde).
Dr. Hans Thieme, Privatdozent für Deutsches, Bürgerliches und Handelsrecht an der Universität Frankfurtist zum außerordentlichen Professor In der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Breslau ernannt worden.
kuftschutz tut not! Wem wäre dieses auf- Melnde Wort nicht geläufig? An mancherlei Stellen springt es den Männern und Frauen immer Diöer mahnend und fordernd in die Augen. Wir beignen diesem Wort in den Zeitungen, es spricht puins von Plakaten, es leuchtet uns entgegen von ftansroänben unb es lenkt unseren Blick auf sich non Spruchbanb quer über bie Straße hinweg. Iln.ii es ist gut so, baß immer roieber auf allen Digen unb bei jeber Gelegenheit dieses alarmie- >er»e Wort auf unser nationales Gewissen ein« brr gt, uns eine der größten nationalen Pflichten pc nüber der Volksgesamtheit und auch gegenüber )er eigenen Ich mit einem Anhang einhämmert! )n8)er Tat: Wer sich nur einigermaßen mit den biigen unserer Zeit und mit dem Leben der Völler untereinander beschäftigt, der kann nicht im Ja-tfel fein darüber, daß die Forderung und Mah- iwß „Luftschutz tut not" eine der bringend« [tei unb berechtigtsten für unser Volk ist.
ler Reichsluftschutzbunb, vom Reichsminister ber Lui fahrt General ber Flieger Hermann Göring |ut Organisierung bes zivilen Luftschutzes bes beut« 4)11 Volkes aegrünbet, zieht aus ber kategorischen JoDerung „Luftschutz tut not" mit aller Energie ^Konsequenzen. Er sorgt bafür, baß bie beutschen Dtiiner unb Frauen geschult werben, mit allen hkln Hilfsmitteln ben Selbstschutzvor Fließe gefahr in bie Hanb zu nehmen unb von M;er Hanb her in wirksamer Weise auszubauen. Diiie Arbeit roenbet sich an jebermann. Alle fönen unb müssen zu ihrem glücklichen Gebeihen mJnteresse bes Dolksganzen beitragen! Wer nicht nii eigener Hanb unb Kraft mithelfen kann, hat |Ur minbeften bie Verpflichtung, burch Gelbopfer e ach seiner Leiftungskraft bas große Werk sör- )er zu helfen. Er kann unb muß bas tun, weil )ie -r zivile Luftschutz ja auch i h m f e l b ft unb lernen Angehörigen zugute kommt. Dii Aufgabe ist aber auch nicht an eine Sliters« znnze gebunben, ebensowenig beschränkt sie sich iu auf die Männer. Vielmehr eröffnen sich hierbei Itteitsgebiete für Männer und Frauen aller Llnrsstufen unb aller sozialen Schichten. Es han- lei sich im weitesten Sinne bes Wortes um eine ilnelegenljeit ber Volksgemeinschaft!
!«r organisatorische Rahmenbau bes zivilen Luft- ch.Zes steht fest. Das tragenbe Funbament ist in )it r Organisation des ganzen Volkes der Luft« <^utz-Hausroart. Nächst ihm stehen die S lock warte, dann die Revier führ er und
Die Fischerei war im Strafgesetzbuch (StGB), in seiner bisherigen Fassung nur ungenügend geschützt. Man erachtete den Fischereifrevel im Verhältnis zum Wildern im bisherigen Sinne als eine ziemlich harmlose Sache. Es war jedoch zu erwägen, daß die Binnenfischerei — man denke namentlich an bie größeren Ströme — boch nicht unwesentlich zur Ernährung unserer Bevölkerung beiträgt, baß für bie Aufzucht unb Hege ber Fische von ben Wchereiberechtigten nicht unerhebliche Aufwen- bungen gemacht werben, daß die Verpachtung der Gewässer bem Staat ober sonstigen Fischereiberechtigten beachtliche Einnahmen verschafft, währenb sie umgekehrt bem Fischereipächter entsprechenb hohe Aufwendungen für Pacht, Hege und Fischereigeräte auferlegt. Das unberechtigte Fischen spielt sich, ähnlich wie das Wildern, vielfach in entlegenen Gegenden, unter Umständen zur Nachtzeit, ab, so bah bie Feststellung ber Frevler erschwert ist. Aus allen biesen Grünoen verbient auch bie Fischerei erhöhten Schutz, unb man hat geglaubt, mit ber Regelung biefer Materie nicht bis zum Erlaß eines neuen Strafgesetzbuches warten zu sollen, sondern hielt es für angebracht, ähnlich wie andere strafrechtliche Gebiete auch dieses Gebiet in Gestalt eines Sondergesetzes zu ordnen. Das neue Gesetz ist am 1. September d. I. in Kraft getreten.


