Ausgabe 
21.9.1935
 
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Geschichten aus aller Welt

Nach dem Essen nicht vergessen Bullt,lch"Salz

100 gr 25 Pfg.

Tabl.ZOPfg.

Volkstumsfahrt oder Auslandsreise?

Eine Frage des völkischen Gewissens zum Tag des deutschen Volkstums.

Von Robert Oberhausen.

Inseln des Deutschtums

Don unserem O. v. A-Äerlchterstatter.

Mitschülerin der Margaret Bignall schreckensbleich einem niedlichen kleinen Krokodil gegenüber, das erst vor einiger Zeit aus dem Ei gekrochen sein mußte.

Das Ganze klingt wie ein Mäfchen, doch über­nimmt der Direktor des Pensionats jede Garantie für die Wahrheit dieser Darstellung. Er ist den Dingen auf den Grund gegangen und hat folgendes feststellen können:

Margaret Bignall hatte vor ihrer Abreise u. a. auch ein schönes dickes Ei bekommen, auf dessen Schale eine Freundin eine Widmung schrieb. Dieses Ei wanderte, wie das mit Andenken so geht, in die äußerste Ecke jenes Schrankes, der unmittelbar neben der Heizung stand. Die ausstrahlende Hitze schuf hier eine für den Schrank nicht gerade vor­teilhafte, für die Ausbrütung eines Krokodileies aber höchst angenehme Temperatur. So konnte denn das vorläufig noch kleine Ungeheuer in aller Stille aus­gebrütet werden, wobei die Kleider und Tücher der Pensionatszöglinae jene Rolle spielten, die sonst auf den Salomonen-Inseln dem warmen Sand Vorbe­halten ist.

Das Krokodil sieht jetzt in einem großen Aqua­rium in Sidney seinem weiteren Wachstum ent­gegen. Jedenfalls ist es das seltenste Krokodil von ganz Australien.

Der gepfändete Tiger.

Da. Kalkutta.

Ein Steuerbeamter in Indien muß mit ganz an­deren Zufällen rechnen als etwa ein Beamter in Berlin oder in Hamburg. Da hatte ein Gerichts­vollzieher in einer kleinen indischen Stadt das Eiaentum eines säumigen Steuerzahlers zu be­schlagnahmen und sah sich vor die Aufgabe gestellt, einen ausgewachsenen Tiger mit^unehmen, den Va­sant Singh, so hieß der Bummler, alsHaustier" bei sich hielt. Der Beamte weigerte sich, das Biest anzufassen. Vasant Singh hinwiederum erklärte, von nun an keine Verantwortung mehr für den Ti­ger übernehmen zu wollen, weil er iym nicht mehr gehöre. Er ließ ihn zwar nicht gerade frei herum­laufen, er baute dem Tier einen Stall aus Latten und sagte:Bitte sehr!"

Als Die Behörde noch zögerte, das wilde Tier abzuholen, erschien die Baubehörde und erhob Ein­spruch gegen die Unterbringung des Tigers in einem Lattenkäfig. Gut, sagte Basant Singh, dann reiße ich den Käfig ein. Der Tiger kommt mir aber nicht mehr in mein Haus. Er ist dann frei und kann gehen, wohin er will. Das war der Baupolizei na­türlich noch weniger recht, und das Steueramt wollte auch nicht nachgeben, und so brachte der Ti­ger, der still in seinem Ställchen auf und ab spa­zierte, zuletzt die Behörden gegeneinander auf.

Jetzt hat sich das Steueramt dazu bereiterklärt, den Tiger öffentlich versteigern zu lassen. Das muß aber ein bißchen schnell gehen, denn wenn der Itger erst merkt, daß die Latten schwach und zerbrechlich

Wir Deutschen sind spät eine Nation geworden. Wir waren zerfallen in tausend Staaten und Städt­chen. Der Stamm und die Landschaft beherrschten häufig allein unser Denken und nur in Stunden der Gefahr wuchs in uns groß der Gedanke des Reiches. Wie ein Schatten lag Zerrissenheit und Sonderrecht über Nation und Staat.

Die ungeheure Welle der Erneuerung, die wie eine Sturmflut durch unser Volk ging, die Idee der Volksgemeinschaft und die Zerschlagung all der un­sinnigen zwischenstaatlichen Grenzen, das neue Wis­sen um die Bluts- und Schicksalsgemeinschaft aller Deutschen, sie schufen in Wahrheit erst die deutsche Nation. Was tausend Jahre die besten Deutschen er­träumten, will sich unter den schöpferischen Händen eines Mannes erfüllen.

Daß aber der Führer des Reiches, daß Adolf Hitler Grenzdeutscher ist, ist Symbol und Glück zugleich. Er schuf nicht nur den totalen deut­schen Staat, unter seinem Namen greift das volks­deutsche Bewußtsein zugleich über die Grenzen des Reiches. Zum ersten Male in der deutschen Ge­schichte ersteht die Schicksalsgemeinschaft aller ^Deutschen. Aus reichsdeutsch wächst der größere Begriff volksdeutsch. Wie weit diese Bluts- gemeinichaft der hundert Millionen Deutschen in aller Welt wirklich schon Schicksalsgemeinschaft wurde, bewies in erschütterndem Maße die Teil­nahme der Ausländsdeutschen in aller Welt am Siege an der Saar.

Die draußen wissen um ihr Deutschtum, denn sie haben in Schmerz und Not erfahren müssen, was es heißt Deutscher zu sein und doch fern vom Reich unter fremden Völkern leben zu müssen. Die Deut­schen im Reich sind aber oft von einer schmerzlichen Unwissenheit den Problemen des Auslanddeutsch­tums gegenüber. Die Verantwortung gegenüber unserem Volkstum, unser völkisches Gewissen verlan­gen hier eine grundlegende Wandlung. Die Ge­schichte des Auslanddeutschtums, die eine heroische, heldenhafte Geschichte ist, muß ebensosehr Bestand­teil unseres Wissens werden, wie die Geschichte der innerdeutschen Volk- und Nationwerdung.

Wie schmerzlich war es im Abstimmungskampf gegen den Separatismus und im Kampf um die deutsche Saar für die schwerr-ingenden Menschen an der Grenze, im Reich oft die seltsamsten und un­sinnigsten Meinungen über die Lage dieser helden­haften Grenzmark zu hören. Wie bitter muß erst dem Ausländsdeutschen, der täglich und stündlich im Kampf um die Erhaltung der Sprache und des Volkstums steht, das Unverständnis und die Un­kenntnis berühren, die der Durchfchntttsdeutsche häu­fig den Dingen des Auslandsdeutschtums entgegen­bringt.

Aber auch hier wird deutlich wie der National­sozialismus mit alten Vorurteilen aufräumt, wie er in unermüdlicher Aufklärungsarbeit auf die Be­deutung und die Lage des Deutschtums in der gan­zen Welt hinweist. In glücklicher Zusammenarbeit Des VDA. mit dem Staat die beiden Gauleiter der Ost- und Westmark des Reiches, die Gauleiter Koch und Bürckel haben eben wieder in mehreren Reden auf die Bedeutung des volksdeutschen Gedan­kens hingewiesen wird hier endlich ein Weg be­schritten, den das Binnendeutschtum in den ver­gangenen Jahrzehnten in Verkennung des großen deutschen Schicksalskampfes völlig vernachlässigt hatte.

Wir stehen in diesen Dingen erst am Anfang. Manches wurde getan. Unendliches bleibt noch zu tun übrig. Wir wollen heute nicht von bef Aufklärungsarbeit im Reich reden. Wir wollen heuttz auf etwas anderes Hinweisen. Es mag einer von bet Not der Ausländsdeutschen, ober von bem jahr« hundertlangen Bewährungskampf einer deutschen Siedlung inmitten fremder Völkerschaften noch so ergriffen oder begeistert sein, niemals wird er mit der Liebe, Wärme und Leidenschaft von ihnen spre­chen können, wie derjenige, der einmal ein paar Wochen unter den deutschen Brüdern im Ausland verlebt hat. Der Besuch in einer auslandsdeutschen Siedlung, wird für jeden, dem das Schicksal seines Volkes am Herzen liegt, zum bestimmenden Erlebnis.

Wir Deutschen des jungen Reiches sollten heute um die Verpflichtung, die wir unserem Volkstum gegenüber haben, wissen und wir sollten jede Ge­legenheit freudig ergreifen, die uns die Möglichkeit gibt, diesem Volkstum zu dienen. Wie gedankenlos und sorglos sind wir doch in diesen Dingen. Wir machen beispielsweise eine Auslandsreise, fahren an die Adria, fahren nach Ungarn, fahren nach Triest und denken nicht daran, daß überall in Un­garn, in Italien, m Jugoslawien, in Rumänien ge­schlossene deutsche Siedlungsgebiete sind, deren Besuch uns ein unvergeßliches Erlebnis und unseren deutschen Brüdern eine willkommene Hilfe und große Freude fein würde.

Wie verletzend muß es wirken, wenn, wie es jüngst vorgekommen ist, große deutsche Reisegesellschaften nach Ungarn zusammengestellt werden und deutsche Zeitungen dann seitenlange Artikel über Budapest, Zigeunermusik und das Nachtleben der ungarischen Hauptstadt bringen, aber kein Wort übrig haben für die deutschen Siedlungen, die rings um Buda­pest etwa sich befinden.

Auch hier sollten wir Deutsche etwas mehr Ver­antwortung und Takt beweisen. An Stelle der Aus­landsreise sollte einmal die verantwortungsbewußte D o l k s t u m s f a h r t in die deutschen Siedlungs­gebiete des Auslands treten. Das Erlebnis, mitten in Ungarn, Südslawien ober Rumänien rein beut- sehe Dörfer und Städte anzutreffen und ein paar beglückende Wochen unter diesen Deutschen zu ver­bringen, wird tausendmal die Schönheit dieses oder jenes Badeortes aufwiegen. Jeder Deutsche, der sich eine Auslandsreise leisten kann, sollte es sich zur Pflicht machen, einmal ein schlichtes deutsches Städt­chen in der Zips, im Banat, in der Batschka ober in Siebenbürgen zu wählen.

Die Ausländsdeutschen sollen merken, daß sie nicht vergessen sind, daß das Reich sich ihrer in Dankbarkeit erinnert. Heute wissen wir, welche Kraft und welche Treue dazu gehört, durch Jahr­hunderte hindurch sein Volkstum rein und unoer- mischt zu erhalten, Kämpfer um die Erde und Kämpfer um das Deutschtum zu sein.

Was an uns liegen kann, diese Treue zu beloh­nen, wollen wir freudig tun. Jeder Besuch bei den Deutschen im Ausland läßt sie ihr Los freudiger tragen und hilft ihnen weiter, stärkt sie in ihrem Vertrauen und ihrem Glauben. Wir wollen als verantwortungsbewußte Deutsche im Ausland in erster Linie unsere deutschen Brüder besuchen.

So dienen wir den Deutschen drinnen und drau­ßen und arbeiten mit an der Stärkung des Deutsch­tums in der Welt.

vn.

Die Kolonie in Finnland.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Helstngfors, September 1935.

Bei Kriegsausbruch 1914 wurde die in Finnland ansässige starke deutsche Kolonie zunächst in alle Winde versprengt. Finnland gehörte ja damals noch, wenn auch als selbständiges russisches Groß­fürstentum, zu Rußland. Die Russen zögerten nicht, schon einen Tag nach Kriegsausbruch sämtliche Deutsche auszuweisen. Nur mit vieler Mühe gelang es dem damaligen deutschen Konsul, dem vor einem Jahr verstorbenen Kommerzienrat Alb. Goldbeck- Löwe, von den russischen Militärbehörden die Ge­stellung der nötigen Extrazüge zu erreichen, mit Denen Hunderte von Deutschen Hals über Kopf über Haparanda noch die schwedische Grenze erreichen und damit einer Internierung entgehen konnten. Teils mit den deutschen Truppen 1918, teils nach Friedensschluh kehrten jedoch die meisten der aus Finnland vertriebenen Deutschen wieder in das Land zurück und dies um so lieber, als die Stim­mung in dem unter kräftiger deutscher Mitwirkung befreiten und jetzt selbständigen Finnland eine viel freiere und angenehmere war, als in dem früher unter den Russifizierungsbestrebungen der Russen leidenden Lande.

Zahlenangaben über die deutsche Kolonie in Finn­land, vielleicht die nördlichste in Europa, wenn nicht in der Welt, sind nicht leicht zu machen, denn man hat lediglich die amtlichen finnischen Zahlen über die im Lande ansässigen deutschen Staats- angehörigen zur Verfügung. Nach den letzten An­gaben waren im Jahre 1932 in Finnland 2015 deutsche Staatsangehörige ansässig, das sind bei einer Gesamtzahl von 24 900 Ausländern 8,1 v. H. derselben. Die deutsche Kolonie in Finnland ist hier­mit nächst der russischen, welche 57,9 v. H. und der schwedischen, welche 16,5 v. H. der Gesamtausländer­zahl ausmachen, die d r i 11 st ä r k st e. Den Berufen nach sind von den 2015 Deutschen 756 in Industrie und Handwerk, 599 im Handel, 258 in freien Be­rufen, 80 in der Landwirtschaft und 64 als Arbeiter oder Hausangestellte tätig, während bei 258 nähere Berufsangaben fehlen. Nach Familienmitgliedern sind unter den 2015 Deutschen jedoch nur 1166 Be­rufsausübende, während 849 Kinder und Frauen darunter gezählt werden. Der weitaus größte Teil der Deutschen, nämlich 1015, ist in der Provinz Nyland bzw. in der finnischen Hauptstadt Hel- sinkt (Helstngfors) ansüsiig.

Wie schon die Zahlen angeben, ist die deutsche Kolonie in Finnland überwiegend eine H a n - delskolonie, bestehend aus selbständigen Kauf­leuten und aus solchen in leitender Stellung finni­scher Betriebe. Daneben sind zahlreiche Deutsche als für Finnland wertvolle Spezialisten, wie Färbemeister usw., in der Industrie des Landes beschäftigt. Die letztere Gruppe lebt zerstreut im ganzen Lande. Außer in Helsingfors, wie schon er­wähnt, sind größere Mittelpunkte für das deutsche Kolonieleben die Städte Turku (Abo), W i i p u r i (Wiborg) und Tampere. Zieht man die Grenzen weiter über den Rahmen der deutschen Staats­angehörigkeit hinaus, so ist das Deutschtum in Finn­land weit stärker. Es gibt zahlreiche Familien, die schon in zweiter und dritter Generation die f t n - n i sch e Staatsangehörigkeit erworben haben, aber sich doch noch innerlich treu dem Deutsch­tum verwandt fühlen. Zahlenangaben sind hier natürlich schwer zu machen, wir möchten aber die Zahlen dieser Deutschen vielleicht auf das Dop­pelte der 2015 im Lande ansässigen deutschen Staatsangehörigen schätzen.

Das Dereinsleben der Deutschen in Finn­land ist kräftig entwickelt. Eine rührige Orts- gruppe der NSDAP, besteht seit 1933 in der finnischen Hauptstadt. Jrn vergangenen Jahre ist es vor allem gelungen, eine Spitzenvereinigung der

Deutschen in Finnland:Die Deutsche Kolo­nie , mit dem Sitz in Helsingfors zu schaffen, die schon kurz nach ihrer Gründung über 600 Mitglie- oer (400 Reichsdeutsche und 200 Volksdeutsche) um­faßte. In ihr sind alle früheren vereinsmäßigen Sondergruppen vertreten (Gesang, Jäger, Wohl­fahrt, Volkstanz usw.). Mit vollem Erfolg ist dieser junge Zusammenschluß im Zusammenarbeiten mit der Deutschen Gesandtschaft und der Ortsgruppe be­müht, das Deutschtum in Finnland in seiner Ge­samtheit würdig zu vertreten. Daneben gibt esdie Deutsche Handelskammer in Finnland" mit Sitz in Helsingfors, der wohl fast alle Firmen mit Handelsinteressen zwischen den beiden Ländern angehören. Eine Besonderheit der Deutschen in Finnland ist die, daß sie über eine eigene Kirchen­organisation verfügen. In den drei Städten Hel­sinki, Turku und Wiborg bestehen deutsche evangelische Kirchengemeinden, die ebenso wie die finnische Kirche ein staatliches Steuerrecht haben.

Ein weiterer Mittelpunkt des Deutschtums in Finnland ist die mit Hilfe des Reiches geschaffene deutsche Schule, dieHindenburgschule". Sie umfaßt drei Vorklassen und 9 Mittelschulklassen, welche yon etwa 300 Schülern, darunter auch vielen Ausländern und Finnen, besucht wird. Mit ihrer neuzeitigen und geschmackvollen Einrichtung ist diese Schule ein geschätzter und viel geachteter Kulturfaktor in Finnland geworden, deren Erhal­tung den Deutschen in Finnland besonders am Her­zen liegt. Endlich sei auch dieFinnisch-Deut­sche Gesellschaft" erwähnt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch Vorträge deutscher Redner und Künstler tieferes Verständnis für das neue Deutschland in Finnland zu erwecken und die alten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Finnen zu pflegen. Sie ergänzt sich aus den Kreisen des geistig interessierten Deutsch­tums in Finnland und des angesehenen deutsch­freundlichen Finnentums.

Wenn auch die deutsche Kolonie in Finnland selbst dank dessen blühendem Wohlstände und industriel­lem Aufschwünge in einem glücklichen, verhältnis­mäßig sorgenlosen Lande lebt, so ist doch die deut­sche Kolonie selbst nicht befreit von Sorgen. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Zahl der Reichsdeutschen in Finnland, die noch vor etwa 6 Jahren 2500 betrug, wie die mitgeteilten Zahlen beweisen, augenblicklich im ständigen Rück­gang ist. Die Gründe dafür sind in erster Linie in den scharfen finnischen Einreisebestim­mungen für Ausländer zu suchen. Finnland läßt gegenwärtig Ausländer nur bann ins Land herein und gibt ihnen nur die gesetzlich nötige Arbeits­erlaubnis, falls der betreffende Arbeitsplatz nicht durch einen* finnischen Staatsangehörigen ebenso gut ausgefüllt werden kann. Es fehlt daher der deutschen Kolonie in den letzten Jahren der ihr als typischer Handelskolonie so besonders nötige Z u - zug junger, unternehmungslustiger selbständiger Kaufleute. Augenblicklich kommt eigentlich nur gelegentlich der eine oder andere deutsche Spezialist ober Facharbeiter ins Lanb herein, ein Zuzug, ber zahlenmäßig nicht ausreicht, um bie Minderung ber Zahl ber Reichsdeutschen burch natürliche Grünbe, wie Rückwanberung unb Tod, auszugleichen. Man merkt das auch daran, daß die älteren Altersklassen der deutschen Kolon« verhältnismäßig stärker als die jüngeren sind.

Eine Schilderung der deutschen Kolonie in Finn­land wäre unvollständig, wenn nicht im Zusammen­hang damit des Wirkens der Deutschen Gesandt­schaft gedacht würde, die in enger Zusammen­arbeit mit der Ortsgruppe, ber Kolonie und ber Finnisch-Deutschen Gesellschaft bestrebt ist, bas tra­ditionell gute Verhältnis zwischen bem Auslands- deutschtum in Finnland und dessen alter und neuer Heimat zu erhalten und zu vertiefen.

Die deutschen Kolonisten waren zunächst vor dem Untergang gerettet. Aber die demokratisch-nationa­listische Strömung, deren Druck die Lenker des Zarenstaates nachgaben, als sie die deutschen Kolo­nisten zu verfolgen begannen, erhielt durch den Bolschewismus freien Spielraum, das unterbrochene Dernichtungswerk von unten um so sicherer fortzu- setzen. Wenn es galt, den sogenannten Jhilaten", wohlhabenden Bauern, von seinem Ueberfluß zu be­freien, um diesen unter armen Bauern zu verteilen, jo wurden die entsprechenden Anordnungen so aus- geführt, daß ein Teil des Wohlstandes deutscher Kolonien an benachbarte Russendörfer überging. Bei allen Getreideabgaben wurden die deutschen Kolonien rücksichtslos hochgenommen. Wa­ren rote Truppen einzuquartieren, so bevorzugte man wiederum die deutschen Dörfer, und sobald die Verpflegung ber roten Armee in Schwierigkeiten geriet, griff man in erster Linie auf die Vorräte der deutschen Kolonien zurück! In einem völlig er­schöpften 3uftanbe wurden die deutschen Ansied­lungen im Wolga- und Schwarzmeergebiet bann in ben Jahren 1921 und 1922 von jener Dürre heim­gesucht, deren furchtbare Wirkungen die ganze Welt entsetzte. Kaum hatten die Ueberlebenben sich davon allmählich erholen können, da begann die Periode beschleumgterK o l l e t ti d i f i e r u n g", die die deutschen Kolonien in einen Schatten dessen ver­wandelte, was sie einmal gewesen waren. Don mehr als zwei Millionen soll die Zahl deutscher Bauern in Rußland auf kaum eine Million zurückgegangen fein. Der Rest wird durch Er­schießungen, Verbannungen ober Zwangs-Soziali- jierung unaufhaltsam zermürbt unb zur Auslösung in bem grauen Einerlei slawischer Menschenmassen reif gemacht.

Das gewiß recht rückständige zaristische Staats­wesen vermochte immerhin, sich jährlich mit zwei Fünftel an ber Deckung des Weltmarktbebarfs für Getreide zu beteiligen, vorwiegend dank ber Mu­sterwirtschaft deutscher Kolonien. Als nach Ausbruch des Weltkrieges diese russische Leistung aufhörte, brauchten die überseeischen Ueberschußländer nur ein Jahr, den Ausfall durch Ausdehnung ihrer Anbaufläche zu decken. Die Sowjets können nach achtzehn Jahren in ihrer Lebensmittel­erzeugung mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten. Sie haben es fertig ge­bracht, in einem Jahre ihren Viehbestand auf die Hälfte herabzudrücken. DasSystem" hat ver­sagt, aber noch mehr die Durchführung. Man hat die tüchtigsten Landwirte, nämlich die deutschen Kolonisten,liquidiert" und wähnt, sie durch mecha­nische Kräfte ersetzen zu können.

daß die Erfüllung des jeweiligen Aufbrlngmtgs- planes ein Tooesurteil für Hundert- tausende in der Landbevölkerung bedeutet.

Daß diesePolitik" sich immer am verheerendsten in den deutschen Kolonien auswirkt, liegt nicht nur daran, daß es sich bei ihnen umFremd- stämmige" handelt, sondern ebenso daran, daß ihre Betriebe von jeher durchschnittlich die m e i ft e n Ueberjchüsse für die Marktwirtschaft lieferten. Der Niedergang der deutschen Kolonie in Rußland, deren Anfänge in die Regierungszeit der Kaiserin Katharina zurückreichen, begann unmittelbar nach dem russisch-japanischen Kriege. Bis dahin waren sie im allgemeinen von den herrschenden Kreisen wohlwollend behandelt worden, Die politischen Vor­rechte, die ihnen ursprünglich gewährt worden waren, wurden zwar mit ber Zeit aufgehoben, aber der ausgedehnte Landbesitz und der große Wohl­stand, wozu sie es gebracht hatten, sicherten ihnen einen unter normalen Verhältnissen kaum wieder Einzuholenden Vorsprung vor ihren russischen Nach­barn. Nach der Niederlage in ber Mandschurei zog jedoch die panslawistische Bewegung immer weitere Kreise. Die Agenten der englisch- französischen Einkreisungspolitik gegen Deutschland machten sich das für ihre deutschfeindliche Propa­ganda zunutze. Die Nachwirkungen der Revolution von 1905 konnten diesen Vorgang nur fördern. Die Stolivinsche Gesetzgebung legte Bresche in die Ge­schlossenheit deutscher Dörfer. Der von der Bauern­bewegung umbranbete Adel suchte den Landhunger russischer Bauern auf den Landbesitz deutscher Kolo­nisten abzulenken. Man verleumdete sie als reichs­deutsche Spione und ließ die Gelder für ihre Land- fäufe aus reichsdeutschen Banken fließen.

Die kolonistenfeinbliche Woge erfaßte schließlich auch dit Petersburger Hofkreise. Enteignungs­gesetze waren schon vorbereitet, als ber Weltkrieg ausbrach und Kriegsbegeisterung noch vorhandene Hemmungen in der russischen Bürokratie überwand. Den Kolonisten wurde der Gebrauch ihrer Muttersprache verboten. Wegen jedes ge­hörten Wortes konnte Anzeige erstattet und eine Polizeistrafe angeordnet werden. Schließlich traten d i eLi q uid a ti o n s g e s e tz e" in Kraft, die die deutschen Kolonisten enteignen, aus ihren Dörfern vertreiben und sie zwingen sollten, verstreut in die­nenden Stellungen Zuflucht zu suchen, soweit sie auf unsteter Wanderung nicht Hunger und Seuchen zum Opfer fallen würden. In den wolhynischen Ko­lonien war mit der Ausführung schon bitterster Ernst gemacht worden, als bie bolschewisti. s ch e Revolution ausbrach und bie Liquida- tionsgesetze mit dem gesamten zaristischen Staats­wesen sortschwemmte.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Sensation im Zirkus.

(h. k.) Melbourne.

Wenn nicht ein Dutzend braver Seeleute und be­rühmter Zirkusmänner diese Geschichte auf ihren Eid nähmen, würde man sie für ein Erfindung halten. Da hatte ein Zirkus die größten Städte Australiens abgeklappert unb trug sich nun mit der Idee, in Holländisch-Jndien eine kleine Tournee zu unternehmen. Also verpackte man die gesamte Me­nagerie mit dem großen und dem kleinen Getier und kutschierte los. Nun hatte man aber für den Hafen von Darwin eine Ladung an Bord, Die man unbedingt loswerden mußte, ehe man die Fahrt nach Holländisch-Jndien fortsetzte. Port Darwin aber ist ein 'kleiner, primitiver Hafen an ber Nord­westküste Australiens. Ein paar tausend Minenarbei­ter wohnen rings herum. Ein Tag vergeht dort wie der andere. Deshalb war es eine große Sen­sation, als der Dampfer mit dem Zirkus an Bord festmachte und die Zirkusdirektion sich plötzlich ent- jchloß, in Darwin eine Vorstellung zu geben. Aus rund 100 Kilometer Entfernung tarnen die Men­schen herbeigeeilt, um biefes einzigartige Schauspiel mitzuerleben. Man freute sich über die ersten Dar­bietungen und lachte Tränen über die Clowns. In dem Augenblick aber, als Elefanten zur Vorfüh­rung einer Dressurnummer den Zirkus betraten, setzte eine wahre Panik ein. Denn die Zirkusbesucher hatten noch nie in ihrem Leben einen Elefanten gesehen. Sie glaubten, eine Herde von Urmeltge- schöpfen sei hereingebrochen.

Erft nachdem die entsetzten Zuschauer sich ein wenig beruhigt hatten und sahen, daß die Riesen­tiere niemanden etwas zu Leide taten, kamen sie vorsichtig näher. Als man sie später fragte, was sie denn zu den Elefanten tagten, meinten sie:Was ist schließlich schon dabei? Es handelt sich doch nur um einen größeren Büffel, der zwei Schwänze hat, den einen vorn und den anderen hinten!..."

Das Krokodil im Kleiderschrank.

(ur) Sidney.

Die Wiege der kleinen Margaret Bignall, von der hier die Reoe ist, steht auf dem Salomonen-Archipel üdöstlich von Neu-Guinea. Der Vater hat hier eine größere Pflanzung, die genug Geld ab wirst, um eine Tochter mit zehn Jahren ins Pensionat nach Sidney schicken zu können. Das geschah nun kürz­lich und der Abschied von ihren weihen und schwar­zen Spielgefährten der Jugend fiel dem Mädchen nicht leicht. Jeder gab ihr ein großes ober kleines Geschenk mit auf den Weg. Aber endlich war auch dieser Schmerz Überwunden.

Vier Wochen später suchte eine Mitschülerin der Margaret Bignall nach einem Kleid, das vermut­lich beim Aufräumen verhängt worden war. Sie öffnete dabei auch einen Wandschrank und in diesem Augenblick schrillte ein entsetzlicher Schrei durch das Haus. Alles lief zusammen und fand die