Ausgabe 
21.9.1935
 
Einzelbild herunterladen

hsu Stellungswechsel vornehmen. Kup^cinee ttnd Halicz sind für uns lehrreiche Beispiele für z w eck- mäßige und unzweckmäßige Tarnung geworden.

Tarnung, d. h. Deckung gegen Erd- und Luft- licht, Schutz gegen Abhören war uns zu Beginn Des Krieges ein verhältnismäßig fremder Begriff. Und doch ist Tarnen ein uraltes Kriegs­mittel. Jedem Naturvolk ist es eiaen gewesen. Der Indianer, der auf dem Kriegspfade durch die Prärie streifte, der Hottentotte, der mit der Sanddüne der südwestafrikanischen Küstenlandschaft eins wurde, der Mongole, der mit seinem Bferde verwachsen, über die Steppen Jnnerasiens streifte, war Meister im Tarnen. Der Birnams Wald, der schicksalsschwer gegen Macbeths Präten­dent e n t u m zum Dusinam emporstieg, war nichts anderes wie die Heeresmacht der vertriebenen Kö­nigssöhne, die sich zu tarnen wußte, getreu dem Befehle Malcolms:Ein jeder Krieger hau sich ab nen Zweig und trag ihn vor sich; so verbergen wir die Truppenzahl, und irrig wird die Kundschaft in seiner Schätzung."

Die Kunst des Tarnens war bei den Kulturvöl­kern in Vergessenheit geraten, als in der ran­gierten Schlacht Freund und Feind sich auf nahe und nächste Entfernungen gegenüberstan­den, als sie im Getümmel des Handgemenges, in Staub und Pulverdampf sich durch leuchtende Uni­formen, blitzende Helme und webende Fahnen kenntlich machen mußten. Auch als die fronten weiter auseinander rückten, als vor der Wucht neuzeitlicher Fernwaffen die Kämpfenden Schutz tm Gelände suchten, wurden der Truppe in den Vorschriften und Lehrbüchern kaum Regeln und Anweisungen für ein sachgemäßes Verhalten an die Hand gegeben.

Wir glaubten als Artilleristen schon genug zu tun, wenn wir unsere Geschütze nicht mehr schnur­gerade ausgerichtet auf der höchsten Erhebung, sondern mehr oder minder dem Gelände ange­schmiegt hinter der deckenden Krete einer Höhe in Stellung brachten und belächelten es als Spielerei, wenn man uns in Jüterbog Ziele mit Buntfarben- anstrich vorsehte. Im Weltkriege haben das feind­liche Feuer, die Fortschritte des Flugwesens und der Lufterkundung, die Ausnutzung der photogra- phifchen Platte für Erkunbungszwecke durch den Flieger, die Einführung der Licht- und Schallmeß. trupps zwangen uns vorsichtiger zu werden. Die Vorschriften der Kriegszeit rückten die Anweisun- aen für Geländeausnutzung und für Täuschung des Feindes in den Vordergrund prägten für ihre Ge­samtheit nach dem Vorbilde der Tarnkappe des Sagenheldes Siegfried die BegriffeTarnung" undTarnen".

Die Dorfchriften der Nachkriegszeit nehmen den angesponnenen Faden auf. Aber bindende Regeln und Anweisungen können auch sie uns nicht geben. Wie uns schon Kupzcince und Halicz lehrten, sind die Formen des Tarnens so verschieden­artig und vielgestaltig wie die Na­tur mit ihren Farben und Formen. Das mühe­vollste Tarnen ist wertlos am unrechten Platz und zur unrechten Zeit. Sie können uns nur raten: Laßt den gefunden Menschenverstand walten. Macht es wie die Tiere des Feldes und Waldes! Paßt euch der Umgebung, in der ihr kämpfen müßt, an! Ent- zieht euch dem Auge und dem Ohre eurer Feinde, Dem Scherenfernrohn seiner Erdbeobachter, der Kamera seiner Flieger und Ballonbesatzungen, dem in die Nacht lauschenden Horchposten im Vorfeld und dem Horchgerät seiner Flugabwehr! Nutzt bas Gelände, aber verändert es nicht so, daß es euch durch eure Veränderungen zum Verrä­ter wird! Vermeidet beim Stellungsbau, beim Waffeneinsatz alle regelmäßigen Formen und alle scharfen Schlagschatten, die sich auf dem Lichtbild unweigerlich abheben! Denkt schon bei Beginn jeder Verstärkungsarbeit an Tarnen, an das Beseitigen des ausgehobenen hellichten Sand- und Kalkbodens! Tilgt zu deutliche Geh- und Marschspuren, vereggt Trampelwege und Raupenbahnen! Zerlegt die Truppe aus dem Marsch und im Gefecht in kleine und kleinste Teile! Hütet euch vor unnötigen Bewe­gungen in Feindsicht, vor Marschieren auf schatten­losen Straßen, vor Halten an leicht auf der Karte festzulegenden Punkten! Verzichtet bei Nacht auf jeden Lichtschein, auf lodernde Biwakfeuer, auf glimmende Zigaretten! Verhindert durch sorgsames

!l 9", her RanienstrSger des heldenhaften il-Aooles von Otto Weddigen.

Unter den neuen deutschen 250-Tonnen-U-Booten hältU 9" die Erinnerung wach an das ruhmreiche U-Boot des Weltkrieges, bas unter Führung Otto Webdigens am 2 2. September 1914 die drei englischen KreuzerCressy",Abukir" und ,Hogue" zum Sinken brachte. (Scherl-Bilderdienst-M.)

MKW

v.

Festbinden und Festschnallen das Klappern des Kochgeschirrs, durch Umwickeln mit Heu und Stroh das Knarren der Räder! Lenkt durch Scheinanlagen die Aufmerksamkeit des Gegners von euren eigen!» lichen Verstärkungsanlagen ab, übertönt durch Gruppenschießen den Anmarsch eurer Kampfwagen usw... Aber vergeßt nie, daß stets Wirkung vor Tarnung gehen muß!

Künstliche Tarnmittel kommen dem frei schaffen­den Geschick des Einzelkämpfers zu Hilfe. Die Farbentöne der Uniformen fügen sich in die Farbenskala der Landschaft ein. Das Feld­grau der Deutschen stimmt zum Ernst des Nordens, das Hechtblau der Franzosen zum Licht des Sü­dens, das Gelbbraun der Russen zur Schwermut des Ostens. Der Buntfarbenanstrich der Zeltbahn, des Fahrzeuges, des Kraftwagens, des Maschinengewehres ober Geschützes, bas flachge­spannte Tarnnetz über ben schweren Waffen, über ber Baugrube bes Unterftanbes läßt ihre Um­risse mit ber Umwelt verschwinben, schaltet bie Schattenwirkung auf bem Lichtbilbe aus. Künst- licher Nebel vor ber eigenen Stellung ober um eigene Bewegungen unterbinbet bem Gegner bie Einsicht in bie eigene Absicht, verwanbelt offene Ziele in verbeckte, macht Geschoß- unb Bombenwir­kung bes Gegners vom Zufall abhängig. Ver­neblung ber feinblichen Beobach­tungen führt zu gleichen Ergebnissen, verführt ben Feinb zu unbeobachtetem Schießen, zur Muni- tionsoergeubung, zwingt ihn burch Einfügen ein­zelner Gasgeschosse unter bie Maske unb erschwert bamit seine Kampfführung erheblich. Schall- b ä m p f e r suchen bas Motorengeräusch, bas Klir­ren ber Raupenketten, ben Abschuß ber Geschütze unb Hanbfeuerwaffen abzuschwächen, Salzvorlagen verhinbern bas Münbungsfeuer ber Geschütze.

Das Tarnen ist im unb nach bem Weltkrieg eine Kunst geworben, in ber eine Truppe ge» rabe so geschult fein muß, wie in jeher anberen Gefechtstätigkeit. Mit bem bloßen Beschmieren bes Stahlhelms mit Lehm ober mit einem Bestecken ber Fahrzeuge unb Massen mit Baumzweigen und Kartoffelkraut ist es, wie der Laie nach Manöver- bilbern annehmen könnte, nicht getan.

Im Auslände ist man daher auch dazu über­gegangen, eigene Tarntruppen zu schaffen. So besitzt jedes russische Infanterie-Regiment einen Tarnzug, so kündet man in der französischen Fach­

presse bie Ausstellung eines Tarnbataillons für jede Infanterie-Division an. Die Angehörigen der Tarn- truppen sollen gleich den Pionieren sowohl als Lehrer unb Vorarbeiter bei anberen Waffengattun­gen verwenbet, als auch zu technischen Sonderaus­gaben eingesetzt werden. Sie werden in der passiven und aktiven Tarnung geschult. Unter passiver Tarnung versteht man im Schrifttum bes Aus- lanbes alle jene Maßnahmen, die der Mimikry der Natur entsprechen, also dem Anpassen bes Kämpfers an bas (Betäube zugute kom­men, wie sorgfältige Auswahl unb Ausnutzung ber Gelänbefärbung auf bem Marsch, Verschleierung ber Umrisse, Wechsel in ber Bemalung, Verwenbung von Rauch und Nebel. In bem Begriff ber a k - tioen Tarnung faßt man alle Maßnahmen zusammen, bie auf eine Täuschung bes Geg­ners hinzielen, z. B. Scheinstellungen ber Infan­terie und Artillerie, Scheinbauten von Brücken, Wegen und Eisenbahnen, Marsch von Schein­kolonnen, Vortäuschen von Truppenansammlungen, erdichtete Funksprüche und Ferngespräche, Entwurf und Abwurf von Flugblättern, Ausstreuen von Nachrichten aller Art durch Agenten und Spione, um den Nachrichtendienst des Feindes irrezuführen, also Dinge, die schon in das Gebiet der Propa­ganda herüberspielen. Geländegängige Fahrzeuge führen den Tarntruppen alles Material mit, bas für Tarn- und Täuschungszwecke in Betracht kommt, wie Tarnnetze und TariUeinwand, Funk- und Ab­hörgerät, Schanzzeug, unb Nebeltöpfe. Die List tritt beim Tarnen an bte Stelle ber Kraft, bie Finte an bie Stelle bes Hiebes. Achill wird zum Odysseus! Dem deutschen Soldaten mag ein solches Kampf- verfahren nicht immer liegen. Dennoch muß auch er es zu meistern suchen. DennTarnung spart Blut!"

Die neue Kriegsflagge.

Der Führer und Reichskanzler hat sich die Gestaltung der neuen Reichskriegs­flagge persönlich vorbehalten. Ihre Einführung ist in kurzer Zeit zu erwarten. Bis dahin wird nach einer Verfügung des Reichskriegsministers auf den Dienstgebäuden der Wehrmacht die bisherige Reichskriegsflagge zusammen mit der H a - kenkreuzslagge gesetzt.

Sie Tragödie deutscher Kolonisation in Rußland.

Don Otto Eorbach.

Im August 1921, wenige Monate vor dem Ab- schluß eines mehr als dreijährigen Aufenthaltes in Südrußsand, hatte ich auf einem Kongreß deutscher Kolonisten in einem Dorf im Hinterlande von Odessa ein bezeichnendes Erlebnis. Ver­treter des Parteikomitees und bes Ausführenden Ausschusses des Gouvernements Odessa, desGub- parkom" unbGubispolkom", glaubten bie Ver- sammlung durch die erstmalige Ankündigung einer Hilfsaktion angenehm überraschen au können, wodurch die Sowjets das schon drohende Hungergespenst noch beschwören zu können glaubten. Sie waren erstaunt, von ben beutschen Bauern zu hören, bas seien nur ein paar Tropfen auf einen heißen Stein. Einer ber Kommunisten im Präsidium suchte die Situation zu retten. Er riet oen Bauern, sich durch Vereinigung in Genossenschaften, vor allem Konsumgenos- senschaften, selbst zu helfen. Die Bauern, fuhr er erläuternd fort, die doch reichlich Gelegenheit hät­ten, die Natur zu beobachten, sollten sich die Ameisen zum Muster nehmen. Wenn sie erst so gut kommunistisch" zu wirtschaften verständen, wie diese, bann würben sie keine Hungersnot mehr zu fürchten brauchen.

Ein Schullehrer stand auf. Darüber habe auch er sich schon mit ben Bauern feines Dorfes unter­halten. Er habe ihnen erzählt, wie vorzüglich biß Ameisen von einer Ameisenmutter be­treut würben. Das Obessaer Gouvernement be­deute aber für sie so etwas wie eine Ameisenmutter, an die sie sich in ihren Nöten vertrauensvoll wen­den sollten. Man habe ihm geantwortet, eine wird liche Ameisenmutter nehme ihren Ameise, die Vorräte nicht weg. Es entstand in der Versammlung ein heiteres Gemurmel schüchternen Beifalls, aber die kommunistischen Leiter verloren bie Nerven, ergingen sich in Drohungen und be­eilten sich, bie fertig mitgebrachten Beschlüsse durch, zupeitschen, die dokumentieren sollten, wie sehr die deutschen Kolonisten von den geplanten Regierung^- maßnahmen befriedigt und entzückt seien.

Vierzehn Jahre sind seitdem verflossen. Allerlei ist inzwischen im neuen Rußland geschehen. Das Land wurde in fieberhaftem Tempo mit einem modernen technischen Apparat ausgerüstet, um den Vorsprung kapitalistischer Länder" in möglichst vielen Rich­tungen ein- oder gar zu überholen. Sprunghaft stiegen die Erträge des Bergbaues, ber Oelgewin- nung, ber Elektrizitätswirtschaft, des Maschinen­baues unb der Masfenerzeuaung von Fabriken aller Art. Freilich erwiesen sich Die erzielten Fortschritte In großem Umfange als fragroürbtg, weil viel zu­viel Ausschuß ober Schund erzeugt wurde und das Brauchbare mit viel zu großen unproduktiven Kosten belastet blieb. Aber man konnte immerhin hoffen, daß solche Mängel sich in manchen Indu­striezweigen mit der Zeit beheben liehen. Nur in der Landwirtschaft konnte man-auch men­genmäßig erst in allerletzter Zeit die Dorkriegshöhe ber Erzeugung roieber erreichen, unb auch das nur um ben Preis einer unerträglichen Gewaltherr, schäft, die zu neuen Rückschlägen führen muh. Immer noch sind bie jeweiligen Ernteerträge für die wachsenden Bedürfnisse der Sowjetwirtschaft unzulänglich. Damit in erster Linie für Rii- stungszwecke die Industrialisierung ge­nügend vorwärts getrieben werden kann, muß nid)t nur vor allem der Bedarf der Hauptstädte, der Industriegebiete unb ber Roten Armee gedeckt, son­dern auch eine Masse (Betreibe für bie Aus­fuhr bereitgestellt werben, um die für die Be­zahlung unentbehrlicher Einfuhr notwendigen De- vifen zu beschaffen. Aus solche Weise erklärt es sich, baß, wie es in einem Bericht bes amerikanischen Publizisten Denny, des Moskauer Vertreters der New York Times" heißt, ber jährliche Feldzug für bie (Betreibeaufbringungw i e eine militä­rische Offensive organisiert unb burchgesührt" wirb. Das bedeutet, daß in Gegenden, die von einer Mißernte heimgesucht wurden, die tatsächliche Hun­gersnot gesteigert unb in anderen Gegenden künst 1 ich Hungersnot erzeugt wird, so

Ich liebe alle Frauen."

Lichtspielhaus.

Wir kennen zwar Earuso nur von Schallplatten unb haben Kiepura noch nicht persönlich fingen Horen (auch Gigli nicht) aber wir können uns nach bjesem Film sehr wohl vorstellen, baß er bas Zeug dazu hat, wie manche sagen, bas Erbe bes großen Enrico anzutreten: biefer EinHuck ist be­greiflicherweise am stärksten in ben italienisch ge­sungenen Partien ausRigoletto": ba besticht seine Stimme ebenso burch ben typisch italienischen Gesangsstil, burch Umfang, Klarheit unb eine ftrah» lenbe Höhenlage wie burch bie schrnelzenbe Weich­heit und lyrische Tönung im verschwebenden Piano. Unb wenn biefer Mann zuletzt vor einem großen Publikum bei Hagenbeck in Stellingen zwiefach erscheint, Kiepura unb Kiepuras Doppelgänger, unb sozusagen mit sich selber ein Duett singt, bitte sehr Schenk mir bein Herz, heute nacht, oh della mia" bann tobt nicht nur bas in Scharen ver­sammelte menschliche Publikum, ba wirb es auch sonst ringsum lebenbtg: eine kleine Gesellschaft furchtbar neugieriger Pinguine kommt eilenbs yer- beigewatschelt, bie junge Bären richten sich sehn­süchtig unb ganz verwunbert hinter ihren Gitter­stäben auf, unb selbst ber gewaltige See-Elefant streckt feine komische Nase aus ben Fluten, wälzt sich an Land unb beginnt bie ungeheure Fettmasse feines Leibes verzückt im Takte vonoh della mia hin unb her zu schaukeln. Dieser Film unterscheibet sich von zahllosen ähnlichen Gesangs- unb Tenor­filmen daburch, baß er außerbem eine richtige Hanblung hat, eine komische, welche im wesent­lichen auf Verwechslung unb Doppelspiel beruht, und natürlich auch eine Liebesgeschichte, welche mit jener so innig verbunden ist, daß die beiden jungen Damen, die sich in den Sänger verschossen haben, nicht mehr aus unb ein wissen unb jebe von ihnen erst vom allezeit hilfsbereiten Impresario an bie zustänbige Männerbrust verwiesen werben muß. Eine so schöne Stimme ist bas also, unb deshalb hort man sie auch lieber doppelt, wie bas hier überraschend zum Schluß geschieht, als solo, wenn der große Mann sich gerade zum Rasieren ein- geseift hat und alsbald, wahrhaft schäumend,O wie io trügerisch" schmettert. Aber bas gehört roofj[ zu vergleichen Filmen ebenso dazu rote ber Gesang hoch oben in ber russischen Schaukel, währenb unten ber aanze Rummelplatz in Aufregung gerät. Der Regisseur Karl L a m a c hat szenisch unb filmisch gerade bieses (immer bantbare) Motiv hübsch auf- gemacht, auch sonst mit Temperament unb Humor

Regie geführt und aus der Doppelexistenz bes Te­nors zwar nicht ganz neue, aber theatralisch stets wirksame, manchmal verblüsfenbe Momente heraus- geholt. Die Musik schrieb, soweit sie nicht von Verbi unb Flotow stammt, Robert Stolz. Die beiben jungen Liebhaberinnen finb Inge List, bunkel unb lustig; unb Lien Deyers, blond und lieblich. Dazu der Komiker Theo Singen als Impresario, in gedämpften Verzweiflungsausbrüchen unb ner­vöser Betriebsamkeit schwelgenb; bie Sanbrock, beren kurze Rolle fast nur aus sittlicher Entrüstung besteht; Rubols Platte, Fritz Imhofs unb Margarete Kupfer.

Der Film ist gestern hier angelaufen, unb wenn nicht alle, fo hoch viele Frauen strömten zur Kasse. Im Beiprogramm gibt es einen KulturfilmMe­tall bes Himmels", ben ber begabte Regisseur Ruttmann sehr einbrucksvoll inszeniert hat, unb einen Vorspann zumAmphitryon". Die Wochen­schau ist ganz aktuell; Stichworte: Parteitag, Herbst­manöver, Abessinien, Mittelmeer.r

Doktor-Batschi ladt ein . ..

Fröhliches Erlebnis aus einer Volkstumsfahrt in Llnaarn

Da wäre zunächst einmal zu klären, was ein Batschi ist. Baschi ist bas einzige ungarische Wort, bas ich kenne unb heißt soviel wie Vetter. Die Bauern in ber Pfalz sagen untereinanber von sich ber Vetter", z. B. ber Nachbarsvetter, ober ber Wagnersvetter unb ber (Schnheoetter. Die Bauern in ber Batschka, bie ja echte Pfälzer sind, haben diese Sitte beibehalten, aber die zweitausend Kilometer, die sie von der alten Heimat weg finb, unb ber Um­gang mit ben Ungarn hat ben guten Detter etwas veränbert unb in einen Batschi umgetauft.

In Torscha brüben, ba sagen sie ja auch heute noch Detter unb in einigen (Bemeinben wie im pfäl­zischen Westrichbe Pat", in Crvenka aber heißt's nun einmalbe Batschi".

Es gibt viele Batschis, z. B. Doktor Bauch-Bat- schi, wie wir unseren Fahrtenarzt, ber Einfachheit halber tauften, ober Zeitungsbatschi, wie bie Zei­tungsleute unterwegs hießen. Aber heute soll vom Doktor-Batschi bie Rebe sein, ber uns eingelaben hatte zu einer Kellerpartie, braußen in ben Kellern von Crvenka. Der ßanbesfrembe wirb gut tun, von hier ab langsam unb bebächtig zu lesen, nicht nur weil es gilt, über eine höchst nachahmenswerte Sitte zu berichten, fonbern weil hier manches Un- gewohnte zu lesen fein roirä

Der Doktor-Batschi läbt zu einer Kellerpartie, bas spricht sich so einfach hin, zieht aber einen Ko­metenschweif unerwarteter Folgen nach sich. Hat ber Hausherr eine Reihe trinkfester und trinkfroher Freunde und Nachbarn feierlich eingelaben, begin­nen bie Sorgen Der Hausfrau. Riestge Mengen Fleisch werben bestellt, als gelte es Kinbstaufe zu feiern unb werben mit Tellern unb Geräten vor ben Ort zum Keller gebracht.

DerKeller", bas ist ber Stolz jedes Crvenkaerer Bürgers. Hat er auch feinen Acker und fein Dieh, einen Keller muß er haben. Der Keller erst macht des wahren Bürgers Würde. Er ist die gute Stube seines Hauses. Ihn zuerst führt er stolz feinen Gästen vor. Und da die Gäste diesmal aus der Ur­heimat am Rhein waren, wurden die Vorbereitun­gen doppelt ernst und wichtig genommen.

Bei Sonnenuntergang soll das erste Glas geleert werden, also ziehen schon stundenlang vorher Kat­sche und's Liessche zum Keller, alles würdig vor­zubereiten. Um sechs Uhr beginnt bie Anfahrt der Gäste. In den flinken ungarischen Kaleschen kom­men sie, die so schnell und ein klein wenig protzig durch die Dorfstraßen fahren. Die Gäste dürfen heute die Zügel führen, ba kommen sich bie Städter vor,wie alteingesessene Erbhofbauern. Stolz sitzen sie auf dem Bock und quittieren mit lachenden Ge­sichtern das wohlfeile Lob. Keine zehn Minuten Fahrt sind es bis zum Dorfende. Noch eine Bie­gung, unb wir finb an ben Kellern.

Drei Kilometer lang ist bie Straße bes Froh­sinns unb ber eblen Zecher. Aus eine Entfernung von brei Kilometern schließt sich hier längs bes Ortes Keller an Keller. Kaum zwanzig Meter breit finb die drei-, vierhundert Meter langen schmalen Weingärten, in die ber große Rebenhügel vor bem Dorf aufgeteilt ist. Unb in jebem biefer Wein- aärten befinbet sich auf ber gleichen Höhe der K"ller. Diele viele Meter tief ist ber K"ller eben- erbig in ben Weinberg hineingegraben. Kalt ist der Keller, und wer aus ber HiA im Freien kommt, tut gut daran, sich warm anzuziehen, wenn er nach den Schätzen seines Innern sieht.

Man wirb in ben Kellern vergebens nach Großen ßagerbeftänben suchen. Die ßeute von Crvenka sind keine Freunde vom langen Lagern, sie haben lieber reinen Tisch und frohe Gäste. Lagern sollen bie Geizkragen unb Händler, sie wollen trinken wie fröhliche Zecher und nicht nach bem Grund sehen.

Eine Kellervartie in Crvenka hat ihre geheiligte Tradition. Wehe wer sie schnöde mißachtet. In ber meißgetünchten Kellerfront befinbet sich seitlich eingelassen ein Loch von etwa ein Meter Tiefe unb ein Meter Höhe. Das ist die berühmte Kellerküche

Die Mägbe haben aus Maiskolben längst eine starke (Blut entfacht, auf die nun die Hausfrau einen eifernen Rost mit Fleisch stellt. Gäste und Gast­geber stehen im Kreis um diekleine Küche" her­um und würzen den Vorgang mit sachkundigen Bemerkungen. Das Fett rinnt in die Glut und sprüht in ein paar hellen Flammen hoch. Schnell wird der Rost vom Feuer gerissen, bis die Flammen in sich zusammenfallen. Jetzt kann weitergebraten werden. Sachkundig wird nach einiger Zeit da» Fleisch gewendet und schon ziehen herrliche Düfte auf.

Der Doktor-Batschi sorgt dafür, daß auf dem ge« deckten Tisch, der vor der Kellerfront steht, unb an bem gut unb gerne an bie zwanzig Gäste sitzen, qenügenb Batschkawein zu stehen kommt. Jnzwi« schen ist auch eine kleine ungarische Kapelle ar.gp kommen. Mitten in bie Musik verkündet bie Häut' frau:Der Rostbraten ist fertig!" Heiß vom M wird er gegessen, und kein bißchen schmeckt er nach Rauch. Die Hausfrau sttahlt. Und der Haushett läßt die Gläser nicht leer werden.

Im Keller nebenan haben sie eine andere Spe> zialitat von Crvenka zubereitet. Da gibt es lange Würste, die in Zeitungspapier eingewickelt eben« falls auf der Maiskolbenglut gebraten wurden. Und wieder einen Keller weiter haben sie ein hol' lisch scharfesPaprikakasch" gekocht. Kein Wun- ber, baß sich bie leeren Flaschen häufen. Und schon ist auch bie echte ,Kellerstimmung" da.

Die Musik spielt, und wir fingen Lied um Lied- Lieder der Heimat. Dann kommt der Czarda» unb wir merken, baß wir boch weit in fremdem Lanb sind. Aber bie Gäste lassen sich nicht lumpen. Runter vom Tisch unb einen Czardas probiert Hei, hei, hei, langsam tlappfs mit bem Rhythmus, und nun geht's schon ganz gut. Ist ja gar nicht so schwer, nur ben Takt muß man halten, alles anöere zaubert bie Musik in bie Beine. So wäre nun auch bas gelernt.

Wir trinken mit den Batschkapfälzern auf Du und Du. Konnte das nicht alles in irgendeinem Zell bei einemSchubkärschler" auf bem Dürkheimer Wurstmarkt sein? Die Vorfahren dieser Bauern sind vor 150 Jahren aus der Pfalz ausgewcmdett, aber die Enkel wissen noch, wie man Wurstmarkt feiert!

Lange sitzen wir noch beisammen und erzähle» von ber Heimat ber Väter. Frühlicht bämmert am Horizont ber weiten Ebene, als wir singend nach Hause gehen.

Das war die berühmte Kellerpartie von Crvenka in her Batschka! R- O.