dienstkleidungsvorschrift für die hessischen Staats- forstbeamten bekanntgegeben.
Die hechtgraue Farbe und der Schnitt der alten hessischen Forstuniformen wird m absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören und dem kleidsamen arau-grüngemischten Stoss der Reichseinheitsfarbe, sowie einem bequemen Schnitt des Dienstrockes Platz machen. Die neue Form des Diensthutes ist gleichfalls eine andere als diejenige des seither vorgeschriebenen „Schiffchens". So wird im -neuen Deutschland der Staatsforstbeamte in allen Ländern eine gleichmäßige, der Polizei ähnliche Dienstkleidung tragen, die dazu dient, Reichseinheit und Gleichheit auch äußerlich sichtbar zu festigen.
Die hessische Forstbeamtendienstkleidung ist geschützt durch den § 360 Ziff. 7 und 8 des RStrGB. Es ist Nichtberechtigten untersagt, die Dienstkleidung der hessischen Forstbeamten, oder eine ihr im Schnitt, Form und Farbe zum Verwechseln ähnliche Kleidung, oder die Hoheits- und Rangabzeichen derselben zu tragen.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
Der NS.-Lehrerbund Kreis Gießen macht darauf aufmerksam, daß im Mainzer Schulungslager der 26. Lehrgang für Erzieher vom 2. bis 14. September stattfindet und Anmeldungen spätestens bis zum Donnerstag, 22. August, an die Kreisgeschäftsstelle des NSLB. in Gießen, Plock- straße 9, zu richten sind.
Der Bezirk Lich des NSLB. hält am heutigen Mittwoch, 15 Uhr, im „Holländischen Hof" zu Lich seine Bezirksversammlung ab, anschließend folgt eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft „Volksschule".
Eine Bezirkskonferenz des Bezirks Gro- ßen-Bufeck im NSLB. findet am kommenden Samstag, 15 Uhr, mit anschließender Tagung der Fachschaft „Volksschule" bei Gerlach in Großen- Buseck statt.
Der Bezirk Londorf im NSLB. trifft sich am kommenden Samstag, 14 Uhr, in Londorf bei Höchst zur Bezirkskonferenz.
Deutsche Arbeitsfront.
Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, Wirtschaftsgruppe Banken und Kredit.
Die Vortragsreihe „Der deutsche Außenhandels und seine Finanzierung" wird fortgesetzt. Am Mittwoch, 21. August, findet der nächste Vortrag statt. Referent ist bekanntlich Prokurist R. Sterly, Frankfurt a. M. Beginn um 19.30 Uhr im Hotel Hindenburg, Gießen, Seltersweg. Der Eintritt ist für DAF.-Mitglieder frei.
Ausstellung
„Rhein - Wainische Wirtschaft" Frankfurt a. 211.
In der Zeit vom 24. August bis 8. September findet in Frankfurt a. M. die Ausstellung „Rhein- Mainische Wirtschaft" statt. Zum Besuch dieser Ausstellung werden verbilligte Eintrittskarten zum Preise von je 30 Pfennig ausgegeben. (Der normale Preis beträgt 1,— Mark). Während der Ausstellungszeit werden von der Reichsbahn an allen Tagen Sonntagskarten zum Besuch der Ausstellung ausgegeben. Verbilligte Eintrittskarten sind erhältlich in der Geschäftsstelle der Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der Kreiswaltung Gießen, Lonystraße 18.
Die frcutrdie Arbeitsfront n.s.-0ememschäft;,ßräft Dunhfreüöc
Omnibussahrk an die Edertalsperre (Waldeck).
Da die Anmeldungen für diese Fahrt stark eingegangen sind, beabsichtigen wir, bei genügender Teilnahme, einen zweiten Omnibus laufen zu lassen. Anmeldungen sind daher umgehend an die Geschäftsstelle der Jl$(5. ,!üraft durch Freude" bis Mittwoch, 21. August, 18 Uhr, abzugeben. Der Fahrpreis beträgt einfchl. Schiffahrt 4,60 Mark.
Urlaubszug nach Allgäu (Sonthofen) vom 22. bis 30. August.
Die Fahrkosten zu dieser Fahrt können in den Dienststunden auf dem Büro, Schanzenstraße 18II, Zimmer 8, abgeholt werden. Die Fahrt geht ab Frankfurt 23.48 Uhr.
Man spricht davon....
Wenn ihr euch einmal die Mühe macht, die Gespräche der Hitlerjungen und der Pimpfe zu belauschen, wenn sie unter sich sind, so werdet lyr feststellen, daß sie nur noch ein Thema kennen: Das Bannsportfest.
Lange genug haben sie auch in ihren Einheiten trainiert und geübt. Sie sind fast keinen Abend und keinen Mittag mehr zur Ruhe gekommen durch den vielen Dienst. Aber sie haben es gerne getan, denn sie besitzen einen Ehrgeiz, diese Jungen. Jede Einheit will der anderen etwas oormachen, lebe will den Sieg davontragen.
Die Meinungen sind sehr geteilt. Diele glauben, daß die Gießener Gefolgschaften am heften abschneiden. Aber da sind wieder andere, Die behaupten mit gewichtiger Miene, daß auf dem Lande auch gute Sportkanonen zu Hause sind, die den ersteren nichts herausgeben.
Wer wird Sieger werden? Das ist Die große Frage. Das Bannsportfest wird es entscheiden. Bis jetzt sind sie nur immer zusammenmarschiert, haben
zusammen Kundgebungen und Veranstaltungen ad- gehalten, aber am nächsten Sonntag, da stehen sie sich einmal gegenüber, um auch auf sportlichem Gebiete zu zeigen, daß sie Kerle sind.
Es wird eine große Sache geben, soviel ist klar. Nach den Vorbereitungen, Die getroffen worden sind, zu urteilen, muß es fabelhaft werden. Man spricht sogar von einer kulturellen Veranstaltung, Die Dem Sportfest einen roürDigen und feierlichen Rahmen geben soll.
„HI. und Jungvolk singen ihre Lie- D e r" so nennt sich Die Veranstaltung, Die durchge- führt merDen soll. Gewiß, an unb für sich ist Das nichts befonDeres, Dieses Liedersingen. Wir fingen alle ßieDer. Aber wie Dieses große ßieDerfingen Der HI. und des Jungvolks vor sich gehen soll, das gibt etwas, was man in Gießen noch nicht gehört hat.
Man spricht davon ...
Man weiß es noch nicht ganz genau, aber etwas ganz Großes muß es auf alle Fälle fein, Das ist sicher. Kumare.
Der Sportlag des VDN1Y35.
Am Sonntag, 1. September, wird im ganzen Obergau Hessen-Nassau, in 17 oerschiebenen StäDten, Der Sporttag Des BDM. 1935 Durchgeführt merDen.
Dieser Sporttag, Der seit Dem Bestehen unseres Bundes zum zweiten Male ftattfinbet, wird in Zukunft in jedem Jahr wiederholt werden und wird Den Eltern unserer MäDel und der an uns interessierten Öffentlichkeit Zeugnis oblegen über Die sportliche Arbeit innerhalb Des BDM. Dieser Sporttag ist immer Das Ergebnis unserer Sommerarbeit, unb so wie wir auch Damit, trotz allem Erreichten, noch im Anfang stehen, zeigt das Programm nur einen Ausschnitt dieser Arbeit.
3m Mittelpunkt der Veranstaltung stehen keine größeren Weltkämpfe, weder leichtathletischer Art, noch werden Mannschaftswettkämpfe ausgetragen; das Programm wird vielmehr einen Gesamleindruck der Arbeit des BDM. über
mitteln und beweisen, daß wir unseren Leitsatz von der Körperertüchtigungspflicht der gesamten deutschen weiblichen Jugend schon verwirklicht haben und daß schon ein großer Prozentsatz unserer 2Nädel heute durch den BD21L über eine körperliche Grundausbildung verfügen.
Man denke nur an Die ßandmäDel, Die nicht einmal Durch Die Schule einen Turnunterricht kennen, oDer an die berufstätigen MäDel, Denen unser SportabenD mit Der einzig gesündeste Ausgleich gegen einseitige Berufstätigkeit ist, um zu erkennen, welch' wichtiges Aufgabengebiet der BDM. hier zu erfüllen hat.
Wir wünschen, alle Eltern nähmen einmal die Gelegenheit wahr, um unsere Arbeit direkt kennen zu lernen und zu sehen, wieweit sie an ihren Kindern Frucht trägt.
Die Sportwartin des Obergaues Hefsen-Nvsfau: Gertrud Schild.
Gefängnis für die Llnlerschlagnngen in Ortenberg
In der gestrigen Verhandlung der Großen Strafkammer in Gießen gegen Die An- Öen Karl Müller, wohnhaft in Ortenberg, ßeinberger von Usenborn unb Walter Raab von Ortenberg wegen Der großen Unterschlagungen bei Der Bezirkssparkasse Ortenberg betonte, im Anschluß an Die Beweisaufnahme, Der Vertreter Der Anklage in feinem PlciDoyer, Daß als straferfchwerenD insbefonbere Der Umstand in Betracht zu ziehen fei, Daß Durch Die Verfehlungen Der Angeklagten das Vertrauen Der Bevölkerung in Die öffentlich-rechtlichen Sparkasseninstitute erheblich erschüttert warben sei. Straf- minDernb käme höchstens Die Unbestraftheit unb bas Gestänbnis ber Angeklagten in Betracht. Er beantragte gegen Müller eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren unb 1000 Mark Gelbstrafe, gegen ßeinberger zweieinhalb Jahre Zuchthaus unb 2000 Mark Gelbstrafe, gegen Raab eine Zucht
hausstrafe von eineinhalb Jahren unb 1000 Mark Gelbstrafe, sowie sämtlichen Angeklagten bie bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von brei Jahren abzuerkennen.
Nach einftünbiger Beratung verurteilte Das Gericht Die Angeklagten Müller unD ßetn = berger zu Gefängnisstrafen von je zwei Jahren sechs Monaten, Raab zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr brei Monaten. Aut bie erkannten Strafen werben sämtlichen Angeklagten sieben Monate Der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet.
In Der UrteHsbegrünbung führte ber Vorsitzende u. a. aus, baß bie Kammer zu ber Ueberzeuaung gelangt sei, daß bie moralische Schuld an den Verfehlungen dem Rechner Raab zuzuschreiben ist. Der sich Durch SelbstmorD Der Verantwortung entzogen hat.
Oporffurfe »Kraft durch Sreuöe''.
heule laufen folgende Sporlkurfe:
Schwimmen für Frauen und Männer, von 20 bis 21 Uhr, Gießen, Volksbab; für Frauen und Männer von 21 bis 22 Uhr, Gießen, Volksbad; nur für Frauen, von 20 bis 21 Uhr, Wetzlar, Hallenbad; nur für Männer, von 21 bis 22 Uhr, Wetzlar, Hallenbad.
Reiten für Frauen und Männer, von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schombs.
Landschastsbund Volkstum undHeimat.
Heute, Mittwoch, 20.15 Uhr, Besprechung Der Fachamtsleiter unD Vertrauensleute im Frankfurter Hof.
NS.-Kriegsopferversoraung.
Am 15. September findet für die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen eine Kriegsbeschädigte n f a h r t nach Bad Salzhausen statt.
Für bie Mitglieber ber Stabt Gießen, des Stützpunktes Lollar, der Orte Heuchelheim, Allendorf (Lahn), Klein-Linden, Großen-Linben, Leihgestern, Lang-Göns, Watzenborn-Steinberg, Haufen, Garbenteich, Mainzlar, Daubringen, Rödgen und Wiefeck geht ein Gefellschaftssonderzug gegen 12.45 Uhr in Gießen ab.
Jedes Mitglied darf entweder feine Frau, feine Kinder, oder eine Schwester oder Bruder mitnehmen. Der Preis für diesen Ausflug beträgt pro Mitglied 1.50 Mark, für die Verwandten, die Nicht
Mitglieder sind, 2,50 Mark (Fahrtkosten und 2e* Pf2?eIIub'rigen Orte der Ortsgruppe Gießen fahren mit Postomnibussen unb haben sich bei ihren Stutz« punftobmännern zu melben. Die Teilnehmer aus der Stabt Gießen haben sich sofort auf der Ge» schäftsstelle, Bahnhofstraße 38, zu melden Der Betrag wird beim nächsten Kassieren miterhoben. Alles Nähere auf ber Geschäftsstelle.
Anruf vom Gtadttheater.
„Hier die Theaterkasse, Telephon 2930!
Haben Sie schon gehört, daß ..."
Mit diesem Anruf und dieser Frage werden in diesen Tagen manche Fernsprechteilnehmer nach ihrer Rückkehr aus Der Sommerfrische begrüßt werben.
Es aibt zwei Arten von Erzählungen: Märchen, Die anfangen: „Es war einmal...", unb sie werben Kinbern erzählt; ferner wahre Begebenheiten, Die beginnen: „Haben Sie schon gehört...", unb sie finden hauptsächlich daburch Verbreitung, daß man sie erwachsenen Menschen erzählt.
Kinber nehmen Die Märchen keineswegs einfach hin. Sie fragen und fragen unD wollen alles ganz genau wissen. Unb nur ihre glückliche Unwissenheit hindert sie Daran, herauszubekommen, baß es eben nur Märchen sind, die ihnen erzählt werden.
Anders mit Tatsachen bei Erwachsenen. Erwach» jene fragen nicht. Da sie nicht fragen, Glauben sie, daß durch Die Abwesenheit während Der Ferien bas Anrecht auf ihren bisherigen Stammplatz verlorengegangen sei, weil sie bie in ber Presse angegebene Meldefrist unbenutzt haben verstreicken lassen. Dem ist nicht so. Die Intendanz gibt allen Abonnenten letzte Möglichkeit, ihren bisherigen Stammplatz auch für Die Spielzeit 1935/36 zu behalten, wenn bis zum 2 5. August zusagender Bescheid bei der Theaterkasse vorliegt. Da erfreulicherweise eine große Zahl Meldungen neuer Abonnenten erfolgt ist, muß als äußer st er Termin ab 2 6. August mit der Zuteilung begonnen werden.
Die Theaterkasse ist werktäglich von 10 bis 13 Uhr geöffnet unb zu allen Auskünften und Mel« bungen bereit; Telephon 2930. Werbehefte, aus benen alles Nähere ersichtlich ist, können Dort eben* falls entgegengenommen werden.
Den besten Trumpf im Kampf mit dem Alltag? Ein Abonnement für die Spielzeit 1935/36.
Scharfes Vorgehen gegen rücksichtslose Motorradler.
Der Pressedezernent bei Dem Landgericht Gießen teilt uns mit: Gegen MotorraDler, bie, insbefonbere nächtlicherweise, mit geöffnetem Auspuffrohr Durch bie Straßen rasen, ober bie glauben, nur auf Diese Weise anfahren zu können, aber hierdurch ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen ungehörigen Lärm verursachen, wird z. Z. mit aller Schärfe Dorgegangen. Erst in diesen Tagen erhielt ein Derart rücksichtsloser Fahrer von Dem Amtsgericht Gießen einen Strafbefehl von 20 Mark. Dies mögen sich andere Der- kehrssünber gleicher Art zur Warnung bienen lassen. Das Turmkreuz der katholischen Kirche.
In diesen Tagen wurde in der Werkstatt des Schlossermeisters W o i st h e-n r i ch , Alicenstr. 35, bas Turmkreuz mit bem Wetterhahn für ben Turm ber Katholischen Kirche fertiggestellt. Das stattliche Kreuz mißt in seiner gesamten Höhe 9 Meter und ist etwa 3 Meter breit. Es wurde aus nichtrostendem Stahl der Röchlingwerke im Saargebiet her- gestellt. Das Kreuz wird 6 Meter über bie Turmspitze hinausragen und mit 3 Meter seiner Länge im Turmgerüst funbamentiert. Es wiegt insgesamt 5% Zentner. Der Turmhahn wird bas Kreuz üb erhöhen. Die tupfergetriebene Figur bes Hahnes ist 1,10 Meter breit unb etwa 0,90 Meter hoch.
adio • Photo
463 J D
||L| Seltersweg 67 WÄB» Telephon 3170
Ferien-Obst.
Von Julius Kreis.
Die Birne.
Das ist so recht bie Sommer- und Ferienfrucht, selbst wie ein Stück Sonne anzuschauen, leuchtend, gelb und heiß. Vom Spalte» eines Bauernhofes muß sie gebrockt sein, Da hängt sie festlich im Grünen, von vorne bestrahlt von Der Sommersonne unD ringsum nochmal gewärmt vom Widerstrahl Des hundertjährigen Gebälks Der HauswanD. Sie schmiegt sich zärtlich in Die hohle HanD, mit ihrer glatten, festlich gelb-goldenen Haut. Man spürt noch Durch, wie Die Sonne Dieses süße, saftige Fleisch ge- kocht hat, beißt man hinein, beißt man in ein Stück Sommer.
Im kleinen Bauernladl steht ein Korb Davon, unD der würzige, helle Duft schwebt einen Atemzug lang über Seife, Hering unb Petroleum.
Kinber beleftieren sich an bieser süßesten Sommergabe aus Dem Bauerngarten zu ihrem Vesperbrot, unD es ist wie eine Königsmahlzeit. Sogar ganz alte bazillenfürchtige Herrschaften bringen es nicht übers Herz, Der GolDgelben Die Haut abzuziehen.
Sie hat noch eine kleine schüchterne Schwester. Die wächst am krummen Birnbaumholz hinten auf Der. Hauswiese, ist härter, spröDer, ist ein richtiger Bauernsprößling. Blutbirn sagen Die flachsköpfigen BauernkinDer zu ihr.
Ein Gewittersturm reißt sie aus Dem Laub unD läßt sie ins Gras kugeln. — Noch ist sie nicht ganz vom Sommer gargekocht. Es knackt unb kracht, wenn Die festen Zähne Der Buben unD DirnDl hineinschlagen. — Eine HanDvoll bietet Das Bauern- kind ganz schüchtern Dem feinen feiDigen Sommerfrisch MäDel an. Und Diese rotbraunen kleinen Früchte, oft gesprenkelt unD gescheckt, Da unb Dort vom Wurm angenagt — sie finD auch ein Festessen; Denn so was gibt's Daheim in Berlin-Wilmersdorf ober Zwickau nie. — Wenn Die Bäuerin Der Frau Bas in Der StaDt, weil man gar zu gern zum Oktoberfest käm, einen Ranken schwarzes Rauchfleisch schickt,. bann legt sie einen Hiimpel bieser harten, rotgelben Birnen Dazu. Die merDen nicht matschig.
Der Pomologe kennt HunDerte von Birnarten.
Im Obst- unD Feinkostgeschäft prangen sie kinder- kopfgroß aus aller Herren Länder, in Schachteln unD Seidenpapier verpackt. Sie schmecken köstlich, aber keine ist so sehr unD so unmittelbar Der Deutsche Sommer, Die hohe Zeit Des Jahres, als Die Bauern- birne.
Die Zwetschge.
Man weiß nie recht als Nuresser und Nichtswisser, wie. diese Frucht nun eigentlich heißt: Pflaume oder Zwetschge, Vflaumenkuchen — Zwetschgenkuchen. Gleichviel: bas Wasser läuft uns im Munde zusammen.
Draußen im Bauerngarten wächst die kleine, rot- blaue. Sie kommt gegen die Birne nicht auf. Aber in Der StaDt, Da prangen bei ber Dbftlerin bie richtigen Ferienzwetschgen, groß, bunfelblau unb saftig.
Eine HanDvoll gab uns Damals die Mutter mit auf Die Theresienwiese. Da saß man am Bergl zu Füßen Der Bavaria unb verzehrte anbächtig, genießerisch Die saftige Frucht. Ein feiner Reif liegt über Der feiDigen Haut. Man poliert Daran herum, man Zieht spielerisch ein EnDchen Davon ab, daß das gelbbraune Fleisch zum Vorschein kommt.
Dann knackt man Den Kern mit Dem Stiefelabsatz auf unD probiert Die Füllung. Die Mädchen kreischen auf unD rufen: Gift! Aber als starker Knabe knab- bert man Den Kern Doch zusammen. Die sollen nur sehen, Daß man sich vor Gift nicht fürchtet! Wie steht man Da!
UnD wenn man heute eine Schüssel Der blauen überhauchten Früchte vor sich stehen hat, Dann muß man Den Witz erzählen, Den Der alte Onkel immer mit Dem allergrößten Heiterkeitserfolg ausprobierte, fobalD er wieder ein neues Opfer fand: Was ist außen blau und hat innen einen Zwetschgenkern?
Haha! So ein Rätsel! Natürlich eine Zwetschge!
Falsch! Ein alter bayerischer Soldat, Der einen Zwetschgenkern verschluckt hat.
Der Pfirsich.
Den kannte man als KinD eigentlich lange nur nom Sehen. Diese Frucht lag in Dem Korb Der Dbftlerin abseits von Dem gewöhnlichen Obst. Sie war unbezahlbar.
Der Eugen, ber mit Dem Samtanzug unb dem Spitzenkragen, ber feine Knabe, ber hatte einmal vor bem Haustor so einen Pfirsich. Davon bürste man abbeißen unb er bürste bafür einmal auf unserem Trambahnpfeiferi pfeifen. Beibe Der- tragsschließer waren hochbestiedigt.
Unb bann kam eines Tages ber Besuch, der was ganz unheimlich Großes unb Vornehmes war: Vetter Robert, ber brachte Pfirsche mit, gleich ein ganzes Körbchen voll.
Das Parabies war auf die Erde gekommen. Man vergißt Kindheitserlebniffe nie. Pfirsiche sind heute noch Vetter Robert. Sie find die Dor- nehmen beim Obst. Samt und Seide. Nicht auf ben ersten Augenblick geben sie chre Köstlichkeit
ganz. Der erste Biß schmeckt fast herb, säuerlich, man spürt den Flaum auf den Zähnen wie leisen Widerstand. Aber bann strömt Sommer, Süße, Milbe unb Köstlichkeit wie ungeahnte Wonne rm Uebermaß aus ber runben, zärtlichen Sammetfrucht. Ist man krank, wird man dabei gesund.
Und besonders schnell und sicher Dann, wenn man am SommerabenD Die schöne Frucht in einer kühlen Bowle genießt. Denn Die reine, frische Pfirsich-Bowle — Das ist auch Der „Vetter Robert" unter Den sommerlichen Getränken.
Wie dasWachsfiguren-Kabinett entstand
Hinter bem prunkvollen Namen Panoptikum, nach bem griechisch-lateinischen als „Gesamtschau" zu übersetzen, verbirgt sich eine seltsame Sammlung von Wachsfiguren, Anbenken- unb Uniformstücken historischer Persönlichkeiten, Deren Anblick unsere Großeltern mit geheimem Schauer erfüllte. Die Schöpfung dieser Raritätensammlungen ist eng verknüpft mit dem Namen der Mme. Tussaud. Der Onkel der späteren Madame Tussaud, ein junger Schweizer Arzt namens Christoph Curtius, beschäftigte sich in seinen Mußestunden damit, anatomische Nachbildungen in Wachs herzustellen unb mobellierte allmählich nicht nur Die ©lieber unb Organe seiner Patienten, fonbern auch ihre Gesichter. Durch diese Liebhaberei kam er mit einem Aristokraten, Den Prinzen De Conte, in Berührung, unD Dieser vfanlaßte ihn, im Jahre 1766 nach Paris zu kommen, wo er ihm ein Atelier für feine Wachsfigurenplastik zur Verfügung stellte. Eurtius nahm Die sechs Jahre alte Tochter feiner einzigen Schwester Marie G r o ß h o l tz mit sich, unD bis zum Ausbruch Der Revolution hals nun Marie Dem Onkel bei Der Anfertigung Der lebensgroßen Wachsfiguren, Die Dann ab unD zu ausgestellt rourDen unD Das befonDere Interesse Der Hofgesellschaft fanDen. Als Die Revolution aus- brach, war gerade solch eine Ausstellung Der Curtiusschen Wachsfiguren am BoulevarD Du Temple, unD sie verursachte Das erste Blutvergießen bei Dem Aufstand. Der Herzog von Orleans und der Fmanzminifter N e ck e r , die beiden Lielllinge des Volkes, waren aus Paris verbannt. Die Masse drang daher in bie Ausstellung ein, wo ihre A b - bilder in Wachs zu sehen waren, und trug sie im Triumph durch die Straßen. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß mit den Garden des Königs, bei Dem ein Soldat getötet wurde. Bei dieser Gelegenheit, und nicht, wie häufig zu lesen ist, beim Bastillensturm, tat der Minister ßiancourt den berühmt gewordenen Ausspruch, in Dem er auf DU
Frage Des Königs: „Ist es eine Revolte?" die Antwort gab: „Nein, Sire, es ist eine Revolu« t i o n!" Während der Revolution war Curtius im Auftrage des Konvents von Paris abwesend und überließ seiner Nichte die weitere Anfertigung von Wachsplastiken, für die sie von den Behörden in Anspruch genommen wurde. Marie Großholtz wurde damit beauftragt, die Köpfe aller bedeutenden Persönlichkeiten, Die unter Dem Fallbeil der Guillotine fielen, in Wachs nachzubilden. Die Köpfe Ludwigs XVI. und derMarie Antoinette, Dantons und Robespierres und vieler anderer wurden zu ihr gebracht und von ihr lebensgetreu im plastischen Abbild festgehalten. Gegen Ende Der Revolution heiratete sie nach Dem ToDe ihres Onkels Francois T u s s a u D und begann nun, mit ihren Wachsfiguren und anderen Erinnerungen an die grausigen Ereignisse der Revolution auf Die WanDerschaft zu gehen. Im Jahre 1802 kam sie nach EnglanD und begrünDete hier Das erste Panoptikum; sie fanD gewaltigen Zulauf und war so erfolgreich. Daß sie bald Nachahmer fand unb nun solche Panoptiken allmählich überall in ben großen Stäbten entstauben.
Svchschulnachrichten.
Der ordentliche Professor für Strafrecht, Zivil» prozeßrecht und Rechtsphilosophie an ber Universität Halle Dr. Erich Schwinge ist in gleicher Eigenschaft an bie rechts- und staatswissenfchaftliche Fakultät ber Universität Marburg berufen worben.
Es würben ferner berufen die ordentlichen Professoren Dr. Eberhard Schmidt (Strafrecht) von Hamburg nach Leipzig, Dr. Hans Wilhelm Schmidt (Neues Testament) von Münster (Ev.- theol. Fakultät) nach Bonn, Dr. K. A b e tz (Forst- wirtschaft) von Hann.-Münden nach Freiburg i.B.; versetzt wurde der o. Professor Dr. Hans Emil Weber (systematische Theologie) von Bonn (Ev.-theol. Fakultät) nach Münster.
Der Landeskirchenrat Eugen M a t t i a t ist zum ordentlichen Professor in ber theologischen Fakultät Der Universität Berlin ernannt roorDen, unter Belassung in seiner Referentenstellung im Reichs- wirtschaftsministerium. LanDeskirchenrat Mattiat ist ein bekannter nationalsozialistischer Vorkämpfer, der vor längerer Zeit als Referent in Das Ministe- rium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung berufen wurde, wo er das Referat der evangelischen und katholischen theologischen Fakultäten und die geisteswissenschaftlichen Fächer der philosophischen FakuUäten innehat.


