Ausgabe 
21.5.1935
 
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Für jede der genannten Reichsberufshauptgruppen wird eine Berufskartei geschaffen, die alle Be- rufsangehöriaen erfaßt. Die Schaffung der Berufs­kartei wird sofort in Angriff genommen.

Witt Flandin zurücktreten?

Kriserrstirnrrmrrg in Frankreich.

Paris, 21. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der ur­sprünglich auf Dienstag vormittag festgesetzte Mi­tt i st e r r a t wurde auf den 2 8. Mai ver­schoben. In politischen Kreisen wird dieser Schritt sehr verschieden ausgelegt. Während der Regierung nahestehende Kreise erklären, daß dieser Beschluß auf den Gesundheitszustand des Ministerpräsidenten zurückzuführen sei, dessen Oberarmbruch nicht den erwarteten Heilungs­oerlauf nimmt, betont der rechtsstehendeJour", daß vielleicht die Gerüchte von ernsten Mei­nungsverschiedenheiten innerhalb des Kabinetts nicht vollkommen aus der Luft gegriffen feien. Das Blatt geht soweit, von einem möglichen Gesamtrücktritt des Kabinetts zu sprechen. Ministerpräsident Flandin habe sich in den letzten Tagen bitter über die Quertreibe­reien der Linksparteien beklagt, die sich immer wieder weigerten, die von ihm angebotenen Zugeständnisse anzunehmen. Er habe durchblicken lassen, daß er es unter solchen Umständen vorziehe, seinen Rücktritt einzureichen. Die vor dem Wiederzusammentritt der Kammern übliche große politische Rede ist jedenfalls vertagt wor­den und soll erst nach Pfingsten gehalten werden.

In gewissen Kreisen wirft man der Regierung vor, nicht zu wissen, was sie eigentlich wolle. Man deutet an, der Ministerpräsident wolle Zeit ge­winnen, da weder er noch sein Finanzminister sich über die zur B e h e b u n g der F i n a n z k r i s e Notwendigen Maßnahmen schlüssig oder gar einig seien.La Presse" schreibt:Weiß die Regierung, daß sie auf die größten Schwierigkeiten stoßen wird, wenn sie von der Kammer ein Jahr vor den Kam­merneuwahlen verlangen wird, die Beamtengehäl­ter zu kürzen, 55 000 überschüssige Beamtenposten äst streichen und die Frontkämpferbezüge anzutasten? Die Frontkämpfer haben bereits dem Pensionsmini­ster zu verstehen gegeben, daß sie nicht wieder die Opfer neuer Sparmaßnahmen sein wollen.

Die Revision des Sozialversicherungsgesetzes, dessen schlechtes Funktionieren in den letzten 5 Jahren dem Staate fast eine Milliarde Berwal- tungskosten verursacht hat, stößt bei den Links­parteien auf lebhafte Kritik. In dem Bestreben, dem Parlament keine Schwierigkeiten zu bereiten, will die Regierung nur halbe Maßnahmen Vorschlägen, die alle Welt verärgern werden, ohne die drückenden Lasten des Steuerzahlers auch nur im geringsten zu erleichtern. Der Wiederzusam­mentritt des Parlaments verspricht unter diesen Umständen stürmisch zu werden.Man kann so­gar behaupten", so schließtLa Presse",daß, falls ein nicht zu sehr abgenutzter Nachfolger sich als Kandidat stellen würde, Flandin sich einzig und allein der Leitung einer Partei würde widmen müssen, die er durch die letzten Gemeinde­ratswahlen so leichtfertig in die Niederlage geführt hat."

Die Völkerbundspersammlung zufammengeireten.

Eine Ehrung für Pilsudski.

Genf, 20. Mai. (DNB.) Die außerordentliche Tagung der Völkerbundsversammlung, die zur Be­handlung des Chaco-Streites zusammentrat, be­gann mit einer Ehrung für Marschall Pil­sudski. Als Ratspräsident und vorläufiger Prä­sident der Versammlung gedachte Litwinow der Perdienste des polnischen Staatsmannes. Er erklärte, Marschall Pilsudski hat sein ganzes Leben der Sache der Wiederauferstehung seines Landes gewidmet. Er ist mit Recht ein Nationalheld geworden. Dank seiner Bemühungen ist Polen in der Familie der Nationen ein Platz eingeräumt worden, der ihm zukommt. Unter seiner Führung hat Polen mit mei­ner Regierung einen Nichtangriffspakt unterzeich­net, der einer der Grundfesten des Friedens und der Sicherheit darstellt.

Der ständige Vertreter Polens dankte in bewegten Worten. Er erklärte, der Marschall habe niemals die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit mit anderen Völkern aus den Augen verloren. Er habe seinerseits von den anderen Völkern die Achtung der legitimen Rechte Polens gefordert, aber auch das internationale Leben immer auf der Grund­lage der ehrlichen Achtung der Rechte anderer Nationen gesehen. Daß dies die unerläßliche Voraussetzung der wahren internatio­nalen Zusammenarbeit sei, davon sei er überzeugt gewesen.

Nach der Trauerkundgebung für Pilsudski schritt die Völkerbundsverfammlung zur Wahl ihres Präsidenten. Sie entfiel auf den portugiesischen früheren Außenminister de Vasconcellos. Er stellte den Bericht des Beratenden Ausschusses für den Chaco-Streit wonach bis auf wei­teres das Ergebnis der in Buenos Aires angebahn­ten Vermittlungsaktion abgewartet werden soll zur Erörterung. Die Aussprache, an der sich Argentinien, Chile, Italien und Spanien beteiligten, konnte noch nicht abgeschlossen werden. An der Annahme des Berichtes ist nicht zu zweifeln.

Kunst und Wissenschast.

Einweihung des Hessischen Landgrafen- MuseumS in Kassel durch Reichs- minister Rust.

Anläßlich des 5. Jahrestages des Gaues Kur­hessen der NSDAP, sand in Kassel die feierliche Einweihung des Hessischen Lanügra- fen-Museums durch Reichsminister Rust statt. Nach einem Weihespiel und Ansprachen des Direk­tors der Staatlichen Kunstsammlungen Dr. Luth- m e r und des Oberpräsidenten der Prvoinz Hessen- Nassau, Prinzen Philipp von Hessen, hielt Reichsminister Rust eine Ansprache, in der er

nach einem historischen Rückblick tu a. folgendes ausführte:

Aus den einzelnen Menschen, aus der Familie, aus den Stämmen, aus der Landschaft heraus, aus dem Bauerntum und dem Handwerkertum ent­wickelt sich langsam ein künstlerisches Leben im Handwerk und in der Kunst. So sehen wir die großen Gedanken unserer Zeit in der Gestalt unse­res Führers und die unerschöpfliche Lebenskraft ln der Gestalt unseres fleißigen und gestärkten Volkes. Wir wollen aus den großen Kulturstätten unseres Vaterlandes das große Reich der Ver­gangenheit immer noch ablesen können. Das ist, was Preußen stets getan hat. Es hat nicht alles nach der Metropole aeschleppt, sondern wo das Leben war, es liebevoll in Pflege genommen. Wir wollen diese Tradition Preußens auf dem Gebiet der alten Kunst und Kunststätten in Treue über­nehmen. Das wollen wir an dieser Stelle als Ge­löbnis ablegen. Wir wollen des Ministerpräsidenten Göring gedenken, in dessen Namen ich hier spreche. Ich möchte auch eines anderen Mannes gedenken, der heute mit nach hier gekommen ist und der für alle Fragen der preußischen Kultur stets aufgeschlossen war, des preußischen Finanz­ministers Popitz und seiner Baumeister. Das Werk aber, Herr Oberpräsident, ist Ihr Werk. Ich weiß, daß Sie mit Ihrem Sinn für Schönheit an diesem Werk hängen, weil Sie, wie ich weiß, eben­so wie wir alle, unserer Ahnen gern gedenken und darum füge ich dem Dank für die, die daran ge­arbeitet haben, meine herzlichsten und wärmsten Glückwünsche hinzu. Die Einweihungsfeier schloß mit dem Deutschland- und dem Horst-Wessel-Lied. Dann folgte ein Rundgang durch das Landgrafen- Museum.

Kantate-Versammlung der deutschen Buchhändler in Leipzig.

Zum ersten Male nach der Neu- und Umorga­nisation des reichsdeutschen Buchhandels traten die deutschen Buchhändler in Leipzig zu ihrer alljähr­lichen Kantate-Versammlung zusammen. In der ordentlichen Hauptversammlung des Börsen­oereins legte der Schatzmeister Dr. v o n Haase sein Amt nieder. An seiner Stelle wurde zum Schatz­meister der Verleger Anton Hiersemann (Leip­zig) ernannt, während Dr. v o n Haase in den Großen Rat des Börsenoereins berufen wird. An­schließend fand eine gemeinsame Tagung des Börsen­vereins und des Bundes reichsdeutscher Buchhändler statt. Der Vorsteher beider Verbände, Wilh. Baur (München), betonte, daß der deutsche Buchhandel alles daransetzen werde, um seine Aufgaben als Mittler deutschen Geistesgutes vollauf zu erfüllen. Daß Börsenverein und Bund in einem Hause und in einer Äersammlung vereint seien, möge für alle

Zweige des Buchhandels symbolisch sein zur Schaf­fung eines einigen deutschen Buchhandels. Nachdem die Versammlung der im letzten Jahr gestorbenen Buchhändler gedacht hatte, sprach der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Dr. Blunck, im Namen der Reichskulturkammer und im Namen der Gäste. Er gab bekannt, daß der Reichsschrifttumskämmer zwei neue große Stiftungen gemacht worden feien. Ein Hamburger Kaufmann habe einen großen Teil seines Vermögens ausgesetzt. Zu­nächst solle ein Preis für englische Literatur ober Kunst verteilt werden. Weiter habe ein amerikani­scher Staatsbürger deutscher Abstammung eine Stif­tung für künstlerisch-literarische Leistungen errichtet, aus der jährlich ein Eichendorff-Preis im Betrage von 5000 RM. für sudetendeutsche Kunst­werke der letzten Jahre und ein Mozartpreis im Betrage von jährlich 10 000 RM. für die beste österreichische Kunstschöpfung verteilt werden solle. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorstehers Baur klang die Tagung mit einem dreifachen Sieg-Heil!" auf den Führer aus.

Großer Erfolg Furtwänglers mit demTristan" in London.

Die Londoner Saison erreichte am Montagabend in der Königlichen Oper von Covent-Garden mit einer von Generalmusikdirektor Furtwängler dirigierten Aufführung vonTristan und Isolde" einen unbestreitbaren Höhepunkt. Furt­wängler, der zum ersten Male seit anderthalb Jahren in London den Stab führte, wurde bei seinem Erscheinen vom vollbesetzten Haus mit star­kem Beifall empfangen. Unter hervorragender Mit­wirkung des deutschen Ensembles, in dem Lauritz Melchior den Tristan und Frida Leider die Isolde verkörperten, sowie des Londoner Sym­phonie-Orchesters gestaltete sich der Abend zu einem großen Erfolg. Besonders zu Beginn des dritten Aktes und am Schluß wurden der Dirigent und die Mitwirkenden stürmisch gefeiert.

Bogoljubow wird deutscher Schachlrainer.

Der Großdeutsche Schachbund hat Bogolju­bow zum Leiter des jetzt beginnenden Trainings für die Schachländerkämpfe des Olym­pischen Jahres bestellt. Bogoljubows Arbeit beginnt Ende dieses Monats im Landesverband Pfalz. Mitte Juni übernimmt Bogoljubow das Training der in dem Ostseebade Swinemünde zu­sammengezogenen besten Spieler der Landesver­bände Brandenburg, Mecklenburg, Pommern und Ostdeutschland. In Swinemünde findet gleichzeitig die deutsche V o r m e i st e r s ch a f t der Lan­desverbände Berlin, Sachsen, Schlesien, Branden­burg, Ostdeutschland und Pommern statt, in der zwölf Landesmeister um den Sieg kämpfen werden.

Keine Anonymität im Zeitungöverlagswesen.

Der Präsident der Reichspreffekammer über die Durchführung seiner Anordnung vom 24. April.

Berlin, 20. Mai. (DNB.) Zwischen dem Präsidenten der Reichspressekammer, Reichsleiter Amann, und dem Leiter des Reichsverbandes der deutschen Presse, Hauptschriftleiter Weiß, hat eine Unterhaltung über die Anordnung des Prä­sidenten der Reichspressekammer vom 24. April 1935 stattgefunden, die ihren Niederschlag imVöl­kischen Beobachter" gefunden hat.

Reichsleiter Amann gab zunächst einen geschicht­lichen Ueberblick über das zersplitterte deutsche Pressewesen vor der Machtübernahme und zeigte dann die Schwierigkeiten auf, die sich bei der ihm gestellten Aufgabe ergaben, aus dieser Presse ein brauchbares Instrument für Reich und Volk zu machen. Der Führer habe auch in diesen Dingen den Weg gewiesen, und zwar in Punkt 23 des Parteiprogramms. Die Anordnung vom 24. April 1935 bezweckt die re stlose Durch­setzung dieses Programmpunktes, der eine wahr­hafte deutsche Presse dadurch schafft, daß er sie unter ein Gesetz stellt: einzig und allein Volkund Reich zudienen. Zu diesem Zweck scheidet er alle nichtdeutschen und der Ge­schlossenheit der Nation abträglichen Ein- j l ü s s e aus der politischen Presse aus. Gewisse Kreise suchen die Anordnung dadurch zu verkleinern, daß sie sie als eine aus finanziellen Erwägungen erwachsene Hilfsmaßnahme für die parteiamtliche Presse bezeichnen. Diese Behauptung ist völlig absurd. Denn gerade eine von Konkurrenzgesichts­punkten beherrschte Zeitungsoerlagspolitik kann ja gar nicht das Ziel haben, die gesamte deutsche Presse zueinerin sich gleichberechtigten Gemeinschaft zusammenzuschweißen. Wie aber schon das Schriftleitergesetz diesem Ziel in bezug auf die Schriftleiter dient, so ist es auch der Zweck seiner Anordnungen, allen gutwilli­gen Kräften im Zeitungsoerlags­wesen die Erreichung dieses Zieles zu ermög­lichen.

Unter der Tarnung einer AG. oder einer G. m. b. H. konnten sich bisher auch Nichtdeutsche an deut­schen Zeitungsverlagen maßgeblich, ja hundert­prozentig beteiligen. Dieser Zustand wird nun ge­brochen. Volk und Leser haben einen An­spruch, zu wissen, wer sie täglich über das Leben der Nation unterrichtet und geistig beeinflußt. Hinter der Anonymität haben bis­her Einflüsse weitergewirkt, die vorhandenen posi­tiven Kräften den Weg versperrten. Darüber hin­aus diente sehr oft das Vorschützen religiöser und ideeller Bestrebungen nur als schlechte Tarnung für eigensüchtige geschäftliche Zwecke. Daß die Presse nicht solchen eigensüchtigen Inter­essen dient unter Mißbrauch des Lesers: das ist der Wille, der die Anordnung diktiert hat. Es mußte außerdem die Gefahr beseitigt werden, daß irgendwelche z. T. pressefremde U n - ternehmungen mit dem Gelde der Leser ihrer Zeitungen politischen Einfluß ausüben können.

Der Führer hat von jeher die Forderung aufge­stellt, daß religiöse und konfessionelle Dinge aus dem politischenKampf aus- z u s ch e i d e n sind. Die Anordnung zeigt den ent­

schlossenen Willen, die Durchsetzung dieses Grund­satzes auch in der Tagespreise nach allen Seiten hin zu wahren. Leider haben bisher offen­sichtlich frühere Zentrumsfunktionäre geglaubt, ihre verlegerische Position zur Fortsetzung der Politik des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei benutzen zu können. Die konfessionelle Presse hat die Aufgabe, die Angelegenheiten der Bekenntnisse in rein religiöser Beziehung zu be­handeln. Politischen Charakter dürfen diese konfes­sionellen Blätter keineswegs tragen. Soweit eine konfessionelle Angelegenheit Bedeutung für die große Oeffentlichkeit besitzt, kann darüber selbstver- stündlich in einer Form berichtet werden, die der Be­deutung des Ereignisses für die Oeffentlichkeit ent­spricht. Unzulässig ist dagegen eine Aufmachung, die erkennen läßt, daß sich eine politische Tageszeitung nicht an die Oeffentlichkeit als solche, sondern an einen nach konfessionellen Gesichtspunkten begrenz­ten Leserkreis wendet. Daher wird sich eine Be­richterstattung über Angelegenheiten der Konfes­sionen paritätisch gestalten. Im übrigen würde ich es für eine Verarmung der politischen Presse hal­ten, wenn sie grundsätzlich die Erörterung religiöser Probleme im Rahmen ihres kulturellen' Schaffens unterließe.

Auf die Frage von Hauptschriftleiter Weiß nach den voraussichtlichen Wirkungen nach dem Ausschluß bestimmter Gesellschaftsformen antwor­tete der Präsident, daß die Zahl der ano­nymen Gesellschaften im Verlagswesen zurzeit reichlich 300 gegenüber der Gesamtzahl der Zeitungsverlage von über 2000 beträgt. Es unter­liegt keinem Zweifel, daß wirtschaftliche Gründe in der weitaus überwiegenden Anzahl dieser Fälle einer Umstellung auf Personalgesell­schaften nicht entgegenstehen. Abgesehen davon sieht die Anordnung Ausnahmebewilli­gungen vor. An Stelle einer bisher beschränk­ten Haftung tritt die unbeschränkte Haftwlg des Verlagsinhabers, wobei durch die Form der Kom­manditgesellschaft die Möglichkeit gegeben ist, für einen Teil der Gesellschafter die Haftung zu beschränken. Der Präsident erklärte, daß das staatspolitische Interesse die Aufrechterhal­tung der Vielgestaltigkeit der deutschen Presse, die größtenteils im Privatbesitz steht, fordert, ebenfalls eine hervorragende Stelle der Parteipresse im Rahmen des gesamten deutschen Zeitungsoerlagswesens. Die Anordnung ist bestrebt, den Kreis der Zeitungsver­lage zu beschränken, die infolge der Veränderung der politischen Ver­hältnisse'^. B. Ueberwindung der Parteien usw.) und durch die eindeutige Aufgabe der Presse im nationalsozialistischen Staat zur Aufgabe ihrer Existenz veranlaßt sind. Die gegenüber anderen Ländern ganz eigentümliche Struktur der deutschen Presse wurde daher peinlich beachtet. Von den etwa 2800 Zeitungen, die heute noch erscheinen, machen die Zeitungen mit einer verkauften Auf­lage bis zu 1000 Stück 32,4 v. H. (849 Zeitungen) aus, die Zeitungen mit einer verkauften Auflage von 1001 bis 3000 Stück 36,3 (950 Zeitungen), die Zeitungen mit einer verkauften Auflage von 3001

bis 8000 Stück 19 v. H. (506 Zeitungen), die Zei­tungen mit einer verkauften Auflage von 8001 bis 15 000 Stück 4,9 v. H. (127 Zeitungen). Die Zei­tungen mit einer verkauften Auflage von über 15 000 Stück machen im ganzen 7,6 v. H. aller deutschen Zeitungen (191 Zeitungen), aus. Ich bin der Ueberzeugung, daß im allgemeinen nur der Mangel guten Willens bei Verlegern oder Verlags­leitern, dem staatspolitischen Interesse Rechnung zu tragen, im Einzelfalle zu harten Konsequenzen für ein Unternehmen führen kann. Die Besorgnis, daß durch die Durchführung der Anordnung der Arbeitsmark ungünstig beeinflußt werden könnte, sei unbegründet. Die Anordnung erstrebt ja gerade die Gesundung des Zeitungsoerlags- wesens, nur ein gesunder Verlag sichert allen seinen Schriftleitern und Angestellten Arbeit und Brot. Zwischen all den an der Presse beschäftig­ten Deutschen herrscht ein harmonisches Zusammen­arbeiten und Zusammenhalten, wenn klare, gesunde Verlagsverhältnisse herrschen und jeder Arbeiter und Angestellte vertrauensvoll eine gesicherte und geordnete Zukunft vor Augen hat. Der Erlaß weiterer Durchführungsbestimmungen ist nicht beabsichtigt.

Aus aller Wett.

Lin Gedenkstein für Generaloberst von Sluck.

Am 89. Geburtstage des verstorbenen General­obersten von K l u ck fand auf dem Waldfried­hof in Berlin-Stahnsdorf die feierliche Enthüllung des auf Anordnung des Führers für den deutschen Heerführer des Weltkrieges errichteten Gedenk­steines statt. Neben dem Gedenkstein hatte ein Ehrenposten der Wehrmacht Aufstellung genommen. Unter den Anwesenden bemerkte man neben der Witwe, dem Sohn und der Tochter des Verewig­ten den stellvertretenden Kommandanten von Ber- ltn, Oberst von Keifer, zahlreiche höhere Offi­ziere der alten Armee, Abordnungen des ehemali­gen 6. Pommerfchen Infanterieregiments Nr. 59, dessen Chef der Verstorbene war, des ehemaligen Grenadierregimentes 3 und der ehemaligen Vikto­ria-Grenadiere, sowie den Seelsorger der Familie, Domprediger Dr. Döring. Oberst von Keifer übergab den von Professor Fritz Klimsch aus- geführten Gedenkstein mit einer kurzen Ansprache in die Obhut der Familie, der einen von einem Adler gekrönten Muschelkalkblock darstellt, dessen Vorderseite unter einem Kopfrelief des Verstorbe­nen folgenden vom Führer selbst verfaßte Inschrift trägt:Dem als Lehrmeister im Frieden und als Heerführer im Kriege um Deutschland hochverdien­ten Generaloberst von Kluck errichtete dieses Denk­mal in Dankbarkeit und Treue das deutsche Volk." Die Rückseite trägt den Wahlspruch des Verstor­benen:Die Tat ist alles, nichts der Ruhm". Einer der vier schlesischen Eisenbahnräuber verhaftet.

In der Nacht vorn 11. zum 12. Mai wurde, wie gemeldet, auf den Eilzug 168 der Strecke Breslau Dresden an der Blockstelle Rothwasfer ein schwe­rer Raubüberfall verübt, wobei den Ver­brechern 52 000 Mark in die Hände fielen. Die Dreistigkeit, mit der die Tat ausgeführt wurde, ver­anlaßte den Breslauer Polizeipräsidenten, eine Sonderkommission für die Ermittlung der Täter einzusetzen und eine große Fahndungsaktion über ganz Schlesien und darüber hinaus aufzuziehen. Die Arbeit hat bereits zu einem Erfolge geführt. Der aus Brieg stammende Haupttäter Fritz Schüller ist auf feiner Flucht in Strehlen (Niederschlesien) f e ft g e n o m m e n worden. Die weiteren Mittäter sind festgestellt. Es sind dies seine Brüder Willi, Erich und Hermann Schüller.

In einer Verlautbarung des Breslauer Polizei­präsidenten heißt es u. a., daß die vier genannten Brüder bereits wiederholt vorbestraft find. Die gesamte Bevölkerung wird unter Hinweis auf die ausgesetzte Belohnung von 5000 Mark, die sich wahrscheinlich noch erhöhen wird, da die Genannten auch andere Straftaten, für deren Auf­klärung namhafte Belohnungen ausgesetzt sind, ver­übt haben werden, zur Mitarbeit an der Ergreifung von Willi, Erich und Hermann Schüller aufgefordert.

Schwere Zuchthausstrafen für eine 14köpsige Schieberbande.

Der Vorsitzende der vierten Großen Strafkammer des Berliner Landgerichtes sprach nach mehrwöchi­ger Verhandlung das Urteil in dem Prozeß gegen di e 1 4 köpfige Registermark- Schieberbande Rappaports und Ge-

Wetterbericht

des Reichswekkerdienstes. Ausgabeork Frankfurk.

Im Bereich der zusammensinkenden Kaltluft­massen hat sich auch bei uns jetzt freundliches und warmes Wetter eingestellt. Die Großwetterlage läßt jedoch das Aufkommen einer durchaus stö­rungsfreien Schönwetterlage noch nicht zu, da noch ein störendes Luftgefälle besteht, das feuchte Luft- maffen zu uns brachte. Immerhin wird jetzt auch bei uns freundlichere Witterung vorherrschen.

Aussichten für Mittwoch: Vielfach wol­kig, doch im ganzen freundlich, tagsüber ziemlich warm, später Aufkommen von Gewitterneigung, veränderliche Winde.

Aussichten für Donnerstag: Im gan­zen freundlich, aber nicht durchaus störungsfreies Wetter.

Lufttemperaturen am 20. Mai: mittags 14,6 Grad Celsius, abends 5,6 Grad; am 21. Mai: morgens 7,9 Grad. Maximum 14,8 Grad, Minimum 3,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. Mai: abends 12 Grad; am 21. Mai: morgens 9 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 9,6 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerek

R. Lange, K.°G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf« Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzeloerkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.