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Nr.M Erstes Blatt

185. Jahrgang

Dienstag. 21. Mai 1935

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Metzener Anzeiger

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Oer Abessinienkonflikt bringt den Völkerbund in die Zwickmühle.

Abessinien fordert einen Ratsbeschluß.

Ein Telegramm des Kaisers.

Genf, 21. Mai. (DNB.) Der Kaiser von Abessinien hat sich in einem Telegramm an den Generalsekretär des Völkerbundes gewandt und gebeten, das Telegramm in der Sitzung des Völker­bundsrats zu verlesen. In dem Telegramm heißt es:

In der Zeit nach dem Zwischenfall von Ual-Ual hat Italien mit allen in der Diplomatie bekann­ten Mitteln versucht, sich seinen internatio­nalen Verpflichtungen zu entziehen und eine unparteiische Prüfung der Meinungsver­schiedenheiten zu verhindern, die leider zwischen ihm und uns entstanden sind. Es hat versucht, durch Drohungen von Abessinien Wiedergutmachun­gen und Entschuldigungen für Verstöße zu erlangen, die es g a r n i ch t b e g a n g e n hat und das, zumal offenkundig ist, daß Italien einen wesentlichen Teil des abessinischen Gebietes rechtswidrig be­setzt hält. Italien hat letzthin einen Propaganda­feldzug eröffnet, um die von ihm durchgeführte Be­setzung abessinischen Gebiets als eine Kultur­aufgabe zu rechtfertigen und seinen Angriff und seine Begehrlichkeit gegenüber unserem Volk als eine Behandlung hinzustellen, wie fie einem Bar­barenvolke zukomme.

Bei der gegenwärtigen Einstellung Italiens ist eine Verständigung auf diplomatischem Dege durch Einsetzung eines wirklich unpartei­ischen Schiedsverfahrens nicht mög­lich und wird es nicht sein. Mr haben jeden Zusammenstoß an der Grenze vermieden und uns sogar mit der Errichtung einer vor­läufigen neutralen Zone einverstan­den erklärt, die ganz auf unserem Ge­biet liegt Das altes haben wir getan, obwohl die Kriegsvorbereitungen unseres Nachbarn und die Herausforderungen an unse­rer Grenze an hi eilen. Mr verlangen ent- schieden, daß der Rat für die Erledigung sorgt und daß er den militärischen Maß­nahmen Italiens, die unzutreffenderweise alsdefensiv" hingestettt werden, Einhalt gebietet. Falls Italien die schiedsgericht­liche Auslegung des Vertrages vom 16. Mai 1908 und die Behandlung aller Zwischenfälle, die sich seit dem 23. November in der Nähe der Grenze zwischen Abessinien und Somaliland er­eignet haben, a b l e h n e n sollte, dann ver­langen wir vom Völkerbund den Beschluß, daß er sich selb st mit dem Streitfall be­faßt und auf Grund des Artikels 15 des Pak­tes zu einer Untersuchung und restlosen Prüfung schreitet.

Sie englische Vermittlung.

Bor einemBesuch des englischenBotschafters bei Mussolini.

London, 21. Mai (DNB. Funkspruch). Aus Rom wird gemeldet, daß der britische Botschafter Sir Eric Drummond am Montagnachmittag aus London zurückgekehrt ist, und sofort um eine Unterred ung mit Mussolini ge­beten hat. Die englischen Pressevertreter erwarten, daß der Botschafter am Dienstag Mussolini von dem Standpunkt seiner Regierung in der abessinischen Frage unterrichten werde. Gut unterrichtete italie­nische Kreise erklärten es aber für unwahr­scheinlich, daß die italienische Regierung mit der Ernennung französischer und ameri­kanischer Rechtsgelehrter als Vertreter Abessiniens in dem Versöhnungsausschuß einver­standen sein werde.

Aus der Suche nach einer rettenden Formel.

Londoner Pressestimmen zum Telegramm des Kaisers.

London, 21. Mai. (DRB. Funkspruch.) Das Telegramm des Kaisers von Abessinien an den Völkerbundsrat wird von der Presse an hervor­ragender Stelle veröffentlicht.Morning Post" ver­mutet, daß der Völkerbundsrat sich bemühen werde, die ganze Streitfrage beiseite zu schieben, um Mussolini und die Heißsporne unter seinen An­hängern zu beschwichtigen. Mussolini sei aber ent­schlossen, entweder auf Kosten Ab essi- niens oder auf Ko st en des Völker- bundes oorzugehen. Alles hänge jetzt davon ab, ob sich eine Formel finden lasse, die den Ausbruch von Feindseligkeiten verhindere, Italien im Völkerbund halte und es diesem ermöglichen würde, sein Gesicht zu wahren. Nach dem Tele­gramm des abessinischen Herrschers scheint dies schwierig, wenn nicht unmöglich zu sein. Wenn der Völkerbundsrat es wieder einmal ablehne, die Verantwortung zu übernehmen, dann würde er einen Verlust an Ansehen erleiden, der nicht bemäntelt werden könnte. Die Lage sei klar. Die abessinische Regierung habe den Völ­kerbund angerufen; ob Abessinien im Recht oder Unrecht sei, darüber werde noch zu reden sein.

Wenn aber der Völkerbund aus Ang st vor Mussolini es ablehne, die Sache zu erörtern, dann werde es sehr schwierig sein, in Zukunft irgendwelches Vertrauen in den internationalen Apparat zu setzen, der durch den Versailler Ver­trag geschaffen wurde.

Times" meldet aus Genf, die Bemühungen um Schlichtung des Streites zwischen Italien und Abes­sinien gingen hauptsächlich von der britischen Abordnung aus. Man habe großes Mit­gefühl mit Italien wegen der Hindernisse, die italienische Missionen bei ihren Versuchen, Handels­beziehungen mit Abessinien anzuknüpfen, in den Weg gelegt worden seien. Andererseits sei man aber der Meinung, daß diese Obstruktion die Maßnah­men der italienischen Regierung nicht recht- fertige, man glaube, daß letztere vielleicht noch wahrnehmen werde, daß sie die Schwierig­keiten einer draufgängerischen Politik in einem Lande wie Abessinien erheblich unterschätzt habe.

Einzige Hoffnung bleibt die Regenzeit.

Paris, 21. Mai (DRB. Funkspruch). Die Genfer Verhandlungen über den italienisch - abessinischen Streitfall werden von der Pariser Presse als sehr heikel bezeichnet.Matin" sieht die einzige Ret­tung in der Regenzeit, die in Abessinien bis September dauert und die jede militä­rische Operation unmöglich macht. Man hoffe, daß diese Regenzeit genüge, um den Unter­händlern die Möglichkeit einer Verstän- b i g u n g zu geben.Petit Parisien" weist darauf hin, daß die Hoffnungen, die man ursprüng­lich auf eine neue Vertagung der Angelegen­heit setzte, stark vermindert seien. Man könne auf alle Fälle damit rechnen, daß Laval und Eden alles aufbieten würden, um den Streitfall zu schlichten.

Alfred Rosenberg Gast der ausländischen presse.

Berlin, 21. Mai. (DNB.) DerVerein der ausländischen Presse" hatte Reichsleiter Rosen­berg zu einem Frühstück im Hotel Adlon gela­den. Der Vorsitzende Louis L o ch n e r , begrüßte den Chef des Außenpolitischen Amtes. Für ihn und feine Berufskollegen fei es nach der Machtüber­nahme durch Adolf Hitler nicht immer leicht ge­wesen, das Ausland über die Vorgänge in Deutsch­land zu unterrichten. Aber es fei ja die Aufgabe des Journalisten, sich feine Informationsquellen zu erschließen. Reichsleiter Rosenberg hat sich von Anfang an bemüht, einen lebendigen Konnex zwi­schen der Auslandpresse und den Führern des neuen Reiches herzustellen."

Reichsleiter Rosenberg wies darauf hin, daß die nationalsozialistische Revolution anfänglich we­der in ihren Zielen noch in ihren Beweggründen verstanden werden konnte. Die Freiheit des Geistes sei keine Frage nach demfrei wovon", sondern nach demfrei ro o f ü r". So habe die natio­nalsozialistische Bewegung auch das Prinzip

der religiösen Toleranz auf ihr Banner geschrieben. Wenn heute in Deutschland zu den beiden alten Konfessionen noch die eine oder die andere Bewegung hinzugekommen ist, so habe der Staat und die Bewegung nicht das Recht, mit machtpolitischen Mitteln einzugreifen.Wenn einige unserer Gegner bestraft wurden, so sind diese Härten verhältnismäßig gering, wenn man sie mit den Härten vergleicht, die andere Revolu­tionen begangen haben. Man muß versuchen zu verstehen, daß seitens der nationalsozialistischen Bewegung kein böser Wille oorliegt, sondern allein der leidenschaftliche Versuch, Deutschland neu z u ge ft alten und ihm jene Form zu geben, die seinem Wesen gemäß ist, man muß Deutschlands Friedens­willen anerkennen. Friede ist für uns keine Redensart, sondern Notwendigkeit unserer inneren Problematik. Wir sind der Ueberzeugung, daß die Macht in der tiefen Achtung aller Völker voreinander liegt*

Göring mit Laval im Gespräch.

Scherl-Bildmaterndienst

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Nach den Beisetzungsfeierlichkeiten in Krakau trafen der preußische Ministerpräsident General Göring und der französische Außenminister L a v a l zu einer längeren Unterhaltung zusammen. Unser Bild zeigt die beiden Staatsmänner im Gespräch.

Ein Besuch bei Außenminister Beck.

Warschau, 20. Mai (Poln. Telegr.-Ag.). Der preußische Ministerpräsident Göring traf auf der Durchreise von Krakau nach Berlin am Sonntag zu einem kurzen Aufenthalt i n Warschau ein. Ministerpräsident Göring besichtigte die Sehens­würdigkeiten der Stadt und nahm dann an einem vom Deutschen Botschafter v o n M o l t k e zu seinen Ehren veranstalteten Frühstück teil. Im Laufe des Nachmittags stattete der Ministerpräsident dem pol- nifchen Außenminier Beck einen Besuch ab. Um 22 Uhr verließ Ministerpräsident Göring Warschau. Zu seinem Abschied hatten sich Außenminister Beck und andere Persönlichkeiten am Bahnhof einge­funden.

Ministerpräsident Göring empfing vorher die Warschauer Vertreter der deutschen Presse. Er wies

auf den tiefen Eindruck hin, den die Trauerfeiern auf ihn gemacht hätten. Besonders habe es ihn als Soldat ergriffen, als die Armee an ihrem toten Marschall auf demselben Platz vorbeizog, an dem er früher oft die Parade abnahm. Er habe sich ge­freut, in Warschau wie in Krakau das große Inter­esse und die Sympathien zu beobachten, denen seine Entsendung durch den Führer begegnet sei. Ministerpräsident Göring sind, wie schon gemeldet wurde, in Krakau laute Sympathiekundgebungen aus der Menschenmenge dargebracht worden, als er nach einem Besuch das Palais Potocki verließ. Mi­nisterpräsident Göring erklärte, daß er feine Rück­reise über Warschau genommen habe, um hier mit einigen Herren zusammenzutreffen, mit denen er bei seinem Jagdausflug im Januar zusammen war. Selbstverständlich habe er seinen Aufenthalt in War­

schau benutzt, um dem Außenmini st er Beck einen Besuch abzustatten und ihm persön­lich das Beileid Deutschlands und des Führers aus­zusprechen und ihm für die Aufnahme in Polen zu danken.

*

Dem Reichswehrmini st er ist folgendes Danktelegramm zugegangen:Aufs tiefste be­wegt vom Ausdruck der Teilnahme, die Ew. Exzel­lenz mir aus Anlaß des für Polen so schweren Ver­lustes übermittelt haben, bitte ich Sie, Herr Gene­ral, den aufrichtigsten Dank der polni­schen Armee entgegenzunehmen.

Gez, Rydz-Smigly, Generalinspekteur der polnischen Armee."

Sieg der Volksgemeinschaft. Die Sudetendeutsche Front größte Partei der Tschechoslowakei.

Von unserem Prager XXX-Miiarbeiier.

Das sudetendeutsche Volk hat bei den Sonntags­wahlen zum Prager Parlament in so eindeutiger Weise gesprochen, daß man seine Stimme nicht nur in Prag, sondern in der ganzen Welt vernehmen wird. Aus einer jahrelangen politischen Zersplitte­rung in sieben Parteien und Parteichen hat es sich mit imponierender Wucht losgerissen und der Sudetendeutschen Heimatfront", die noch im letzten Augenblick ihren Namen auf Grund einer Anordnung aus Prag inSudetendeutsche Partei" umwandeln mußte, zu einem Millione n- Sieg der Einigkeit verholfen.

Der Weg des Sudetendeutschtums war in den letzten Jahrzehnten besonders hart. Es verlor nach dem Weltkriege sein Selbstbeftimmungsrecht und wurde ohne Volksbefragung der Tschechoslo­wakei zugeteilt, obwohl diese 3,5 Millionen Deutschen ihre Stimme in sehr eindrucksvoller Weise erhoben hatten. Innerhalb der Tschechoslowakei ver­lor es eine politische Position nach der anderen. Seine Selb st Verwaltung wurde vernichtet, sein Schulwesen verelendet, Hunderttausende Hektar des Bodens beschlagnahmt, Zehntausende Beamte aus ihren Stellungen gedrängt und ent­lassen, die Industrie verlor ihre Absatzgebiete und die Landwirtschaft ging zugrunde. In den Gebieten von Asch und Eger bis Reichenberg und Troppau, die einst zu den reichsten Bezirken Oesterreichs zählten, herrscht eine Arbeitslosig­keit wie kaum noch irgendwo in Europa.

Die politische Zersplitterung des Su­detendeutschtums in sieben Parteien machte eine Zielsetzung aus eigener Kraft unmöglich. Immer wieder zerstörte der Parteiegoismus die Bildung einer gemeinsamen Abwehrfront, immer wieder ver­nichtete der Marxismus die Hoffnung auf innere Geschlossenheit. Erst seit 1929 begann die DNSAP., d i e sudetendeutsche nationalsozia­listische Arbeiterpartei, große Massen an sich zu ziehen, die erkannten, daß es auf dem Wege der Parteienzersplitterung nicht mehr weitergehe. Aber ehe diese Einigungsbewegung der Massen zum Schlage gegen das Parteiensystem ausholen konnte, löste die Prager Regierung die Par­tei auf, verhaftete zahllose Führer und Unter­führer der Bewegung und versetzte das Sudeten­deutschtum in einen Zustand politischer Erregung, der bis in die tiefsten Tiefen dieses Volkes ging. Seit 1933 befand sich das Sudetendeutschtum in einer Erregung, die durch die beispiellose Wirtschafts­not nur noch gesteigert wurde, so daß man Explo­sionen befürchten mußte.

Dazu kam, daß wohl keine andere Gruppe einen solchen politischen Druck auszuhalten hatte, wie das Sudetendeutschtum. Prag war ja nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus im Reiche das Absteigequartier und die Hetzzentrale der Emigranten und Marxisten geworden. Hier erschien derG e - aen-Angriff" und derNeue V o r w ä r t s", hier gab Otto Strasser feineS chwarze Front" heraus, hier etablierte sich ein Lügennest, das nur noch verstärkt wurde, als die österrei­chischen Marxisten im Jahre 1934 in hellen Scha­ren nach Böhmen und. Mähren flüchteten und von hier aus versuchten, ihre Hetzereien weiterzutreiben. Hunderte sozialdemokratische und kommunistische Agitatoren waren auf dieses treue Grenzlandvolk losgelassen worden, Flugblätter und Zeitungen mit einem Inhalt, dessen man sich als Deutscher schä­men mußte, wurden durch Monate und Jahre ver­breitet, eine sozialdemokratische Partei, die mit den schäbigsten Mitteln der Denunziation und der Be­schimpfungen arbeitete, ergoß die Schmutzfluten ihrer Verleumdungen über das Sudetendeutsch­tum und ging zum Schlüsse mit blutigem Terror gegen die antimarxistische Partei Konrad Henleins vor.

Das Sudetendeutschtum hat auch d i e se Be­lastungsprobe glänzend bestanden. Mit 70 und 80 v.H. hat es sich zu der Idee der Volksgemeinschaft bekannt und hat sich aus der inneren Zerrissenheit zu einer imponierenden Macht zusammengeschlossen. Es hat den Marxismus ebenso eindeutig abgelehnt, wie die kirchliche Zerrissenheit, es hat die Splitter­parteien ebenso vernichtet, wie es jenen Parteien eine beispiellose Niederlage verabreichte, die durch Jahre hindurch bedingungslos in den Prager Re- gierungen mitmachten und in keiner Weise versucht hatten, die wirtschaftliche Not des Sudetendeutscy» tums zu wenden und es aus feiner nationalen Not zu befreien. Die Niederlage des Bundes der Landwirte, mit feinem Minister Spina an der Spitze spricht da. eine deutliche Sprache.

Was wird in der Tschechoslowakei geschehen? Der Führer derSudetendeutschen Partei", die