Nr. 17 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Montag, A.Zanuar 1935
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Der königliche Kaufmann in der Gemeinschaft der schaffenden Stände.
Or. Ley spricht auf dem Morgen-Appell der Heichsbetriebsgemeinschast „Handel".
Berlin, 21. Ian. (DNB.-Funkspruch.) Am Montag um 8 Uhr fand in allen Handelsbetrieben der erste Reichsbetriebsappell der R e i ch s b e t r i e b s g e m e i n s ch a f t Handel statt. Aus diesem Anlaß hielt Reichsorganisations- leiter Dr. Ley in einem Berliner Betriebe eine Rede, die auf sämtliche deutschen Sender übertragen wurde. Dr. Ley führte u. a. aus: Ihr lieben deutschen Arbeitsmenschen in Handel und Gewerbe! Es ist ein Überwältigendes Bild gewesen, zu sehen, wie die Werktätigen an der Saar nach einem 15jährigen heldenhaften Ringen um ihr Deutschtum mit einer überwältigenden Mehrheit sich zurückbekannten zu unserem Volke. Hier an der Saar wurde offenbar, daß Blut und Rasse, die Gemeinschaft der Nation stärker, tausendmal stärker als alle internationalen Phrasen und Worte und marxistischen Manifeste waren. Jahrzehntelang hatte der Marxismus Zeit und Muße gehabt, die Werktätigen in seinen Bann zu ziehen. Und doch, als das Schicksal dann die Menschen fragte: Glaubst du an Deutschland? — da sprachen sie, wenn auch nach einem schweren inneren Kampf: Jawohl Schicksal, i ch glaube an Deutschland.!
Meine deutschen Volksgenossen und Volksgenossin- nen, die Ihr heute morgen angetretei seid, um in dieser Stunde der Weihe sich zu bekennen zu der Betriebsgemeinfchaft und darüber hinaus zu der.Ge- meinschaft der Nation, erkennet eines:
wir sind nicht zusammengekommen, um einem Stande, einer Klasse, einem Berufe zu dienen, sondern alles, was wir tun und was wir noch leisten werden, es dient nur einem Gedanken: Deutschland. Wir haben gebrochen mit dem Gedanken, daß man die Interessen des Einzelnen dann am besten vertreten könne, wenn man auf den Trümmern eines anderen Standes und einer anderen Klaffe fein Glück fachen will. Adolf Hitler, unser Führer hat gesagt: Es soll keiner glauben, daß sein Glück dann gedeihen kann, wenn es dem Nachbarn schlecht geht.
Wir Nationalsozialisten wissen, daß die Interessengegensätze unter den Menschen vorhanden sind. Wir wollen, daß jeder Mensch einen gesunden Ehrgeiz hat und seine Interessen vertritt, aber wir rufen es allen Deutschen zu und sagen es jedem: Dein Interesse hat dort aufzuhören, wo die Interessen der Gemeinschaft beginnen. Und dein Interesse liegt bann am besten gewahrt, wenn du es in denSchoß derNation legst, d. h., wenn dein Interesse zum Interesse der Nation wird, wenn dein Wollen das Wollen der Nation ist, wenn du dich verbindest mit deinen Volksgeossen zu einem gemeinsamen Tun und zu einem gemein samen Wollen.
Meine deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen im Handel! Ich weiß, ihr seid in den letzten Jahrzehnten arg verdächtigt worden. Und ich weiß, daß mancher Nationalsozialist verächtlich vielleicht einmal über den Handel sprach. Ja, ich weiß, daß es einige Theoretiker gab, die glaubten, daß zwischen Produzenten und Konsumenten ein dritter Stand, der Handel, nicht mehr notwendig sei.
Wir müssen erkennen, daß Sie ein gleichberechtigtes Glied in allen schaffenden Ständen des Volkes find. Wir wollen gemeinsam wieder das schaffen, was Ihre Vorfahren waren, jenen Typ des königlichen Kaufmanns, wie wir ihn aus dem Geschlecht der Fugger oder in der stolzen Hanse kennengelernt haben.
Es sind nahezu 2000 Jahre her, da kämpften zwei Kaufmannsrepubliken miteinander einen Kampf auf Leben und Tod: Karthago, jene stolze Handelsstadt an der afrikanischen Küste, und Rom, die nun mit den Waffen gegeneinander loszogen und sich das Mittelmeer streitig machten. In Karthago war aus dem Kaufmann ein Krämer geworden, der nichts anderes kannte, als fein Gold; er versagte dem Feldherrn Hannibal die Soldaten und die Elefanten und die Speere und die Pferde, und so wurde Karthago geschlagen und Rom siegte. , , , .
Karthago lieferte seine Waffen a b, feine Männer wurden erschlagen, seine grauen als Sklavinnen davongeführt, in die Stadt geschleift. Und 2000 Jahre nachher lieferte ein Volk auch seine Was- fen ab — das war Deutschland. Zum erstenmal feit Karthago. Es ist ein Wunder, daß jetzt dieses waffenlose Deutschland, das sich |elb|t entmannte, das zu einem Krämervolk geworden war, das zu einem Karthago geworden war, f i ch aufgerafft, so baß bereits jetzt Lloyd George sagen muß, niemand in der Welt darf es wagen, Deutschland ungestraft anzugreifen.
Jawohl ihr Ittännner unb Frauen vom handel, Handwerk und Industrie, Ihr Weister und Gesellen, Ihr Handelsherrn und Lehrlinge, haltet zusammen, seid eine Gemeinschaft. Adolf Hitler hat uns die Gleichberechtigung zurückerobert, Adolf Hitler hat uns die Ehre geholt. Wir haben nicht das Schicksal
Karthagos über uns ergehen lassen müssen, sondern das Schicksal hat uns den Wann Adolf Hitler gesandt, der uns aufrüttelte und sagte: Niemand darf es mehr wagen, Deutschland ungestraft anzugreifen. Adolf Hitler, unser Führer, wir danken dir in dieser Worgenstunde und das sei unser Gelöbnis: Wir wollen eine Gemeinschaft fein, eine Kameradschaft von Treue, von Anhänglichkeit, von Opferbereitschaft, wir wollen kämpfen für Deutschland, für Adolf Hitler. Stillgestandenl Die Fahnen hoch! Unser Führer Adolf Hitler, mit ihm das ganze Deutschland und unsere Freiheit — ein dreifaches
Sieg-Heil!
Die Berliner Kundgebung.
So wie in ganz Deutschland blieben auch in Berlin die Geschäfte bis um 9 Uhr geschlossen. Während die Großbetriebe in ihren eigenen Betriebsräumen an dem Appell teilnahmen, marschierten die Gefolgschaften der mittleren und kleineren Unter-
B e r I i n, 20. Jan. (DNB.) Der deutsche Reichs- (rlegerb unb „Kyffhäuser" veranstaltete am Sonntagmittag seine traditionelle „Deutsche W e i h e st u n d e" anläßlich der 64. Wiederkehr des Reichsgründungstages. Wie immer bei dieser Reichsgründungsfeier war der Sportpalast bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht hatte mit feiner Vertretung den Vizeadmiral von Heufinger-Waldegg beauftragt. Unter den Ehrengästen sah man u. a. Reichsaußenminister Frhrn. v. Neurath, die Staatssekretäre Dr. Lammers und Meißner, die Generale der Landespolizei, Daluege, Wecke und v. Zepelin, Oberbürgermeister Dr. S a h m , den Beauftragten für Abrüstungsfragen v. Ribbentrop. Als Vertreter des Reichswehrministeriums war Generalleutnant Knochenhauer an der Spitze zahlreicher hoher Reichswehroffiziere erschienen. Die SS. wurde durch Reichsführer Himmler vertreten, die SA. durch Obergruppenführer Krüger und Gruppenführer U h l a n d , das NSKK. durch Korpsführer Hühnlein.
Nach dem Fahneneinmarfch, bei dem die vierzehn Traditionsfahnen der Kyffhäuferver- bände des Landesverbandes Saargebiet besonders herzlich begrüßt wurden, leiteten feierliche Musik aus Lohengrin und Lieder aus den Befreiungskriegen über zu der Ansprache des Bundesführers des Deutschen Reichskriegerbundes Kyff- häuser, Oberst a. D. Reinhard. Der Redner übermittelte dem Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht die Treuegrüße feiner Kriegskameraden und der Kämpfer von 1870/71, überbrachte selbst herzliche Grüße des preußischen Ministerpräsidenten, General der Infanterie G ö - ring, und begrüßte dann vor allem die von der befreiten Saar gekommenen K a - meraben und eine große Zahl von Altveteranen. Dabei machte er die Mitteilung, daß er in diesem Jubiläumsjahr, in dem die jüngsten Teilnehmer an den Einigungskriegen das 80 Lebensjahr überschritten, eine besonders fachgemäße Betreuung durch den Bund anaeorbnet habe, um den alten Kameraden den Daseinskampf zu erleichtern
Oberst Reinhard sagte dann u. a.: Wir füllen die von uns seit jeher gepflegte heilige Tradition unseres Soldatentums mit dem lebendigen Geist d i e fe r Zeit, die dem Ehr- und Wehrbegriff wieder Geltung verschafft hat. Das gemeinsame Kriegserlebnis aller Frontkämpfer ist dazu berufen, bie Achtung ber Völker ooreinanber roieber herzustellen und daher arbeiten wir Männer vom Kyffhäuserbund, die den Krieg kennen, unablässig daran, daß der Leitgedanke unseres ehemaligen Frontkameraden und heutigen Führers Erfüllung findet: „Kein Deutscher für einen neuen Krieg, aber für die Verteidigung des Vaterlandes das ganze Volk." Adolf Hitler habe die Reichsidee des Altreichskanzlers vollendet und ausgebaut. Er habe die Gemeinschaft des deutschen Volkes geschaffen. Ewig aber ist, so sagte der Redner weiter, auch unser Dank an den großen Feld- Herrn, der die Tat Bismarcks einte mit der £ at Hitlers, an den unvergeßlichen Schirmherrn unseres Kyffhäuferbunbes, unseren Hindenburg, lieber alle Zeiten hinweg wird dieser große Ekkehart der Deutschen als Hüter heldischer Geschichte stehen. Indem wir feiner gedenken, wollen wir nun zugleich alle unsere im Weltkrieg gefallenen Kameraden ehren in einer Minute stillen Gedenkens. Die Fahnen senkten sich und unter dumpfem Trommelwirbel ertönte bann leise bas Lieb vom guten Kameraben.
Dann nahm Oberst Reinhard wieder das Wort. Er erklärte, daß die alten tampferprobten Soldaten
hinauf zu bem Betriebsführer zu ben verschobenen, von ber DAF. bereitgestellten Sälen, um sich bort zu bem Gemeinschaftsempfang zusammenzufinben. In bem Berliner Großbetrieb, von bem aus ber Appell übertragen würbe, wies ein großes Transparent mit ben Symbolen bes Dritten Reichs auf bas Befonbere biefer Stunbe hin. Laute Heilrufe erklangen, als Reichsorganisationsleiter Dr. L e y in Begleitung feines Stabsleiters von Rente l e n, bes Gauwalters ber DAF., Spangen- berg, unb bes Reichsbetriebsgemeinschaftsleiters Lehmann erschien. Fanfarenklänge ber Hitler- jugenb eröffneten ben Appell. Ein Gefolgschafts- mitglieb bes Betriebes sprach einen kernigen Tagesspruch, ber in bas gemeinsam gesungene Arbeitsfrontlieb ausklang. Nach einem Sprechchor ber Hitlerjugenb melbete Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter Lehmann, baß 1 150 000 Betriebe mit nahezu vier Millionen Volksgenossen zum Appell angetreten seien. Das gemeinsam gesungene Horst-Wessel-Lieb beendete die eindrucksvolle Kundgebung.
in altüberlieferter Verbundenheit mit des Reiches Wehrmacht den vom Führer vorge- zeichneten Weg vorwärtsschreiten wollten, bem einen hohen Ziele zu: Ein freies unb gleichberechtigtes Deutschland! Als Kameraden wollen wir uns bie Hand über die Grenzen reichen, um gemeinsam zu ringen gegen jeden neuen Krieg. Nicht als Pazifisten, sondern als Männer, die zu ihrer Nation stehen, als Männer, die wissen, baß nicht Haß und Waffen, sondern d i e Ehre und die Freiheit der Schutz bes Friebens finb.
Der Kyffhäuser-Lanbesführer bes Sa ar gebiet es, Hoos, gab darauf ber Freube Ausbruck, in ber Reichshauptstadt im Namen ber Frontkameraben bes Saargebietes sprechen zu bürfen. Sein Dank galt in erster Linie dem Frontkameraden, dem F ü rer unb Reichskanzler Adolf Hitler, dem man es verdanke, daß endlich auch die Frontkameraden bes Saargebietes zum Reiche heimkehren konnten. Nun fei ber Weg zur Verstänbigung zwischen zwei Nachbarvölkern frei. Wenn bas Saar- gebiet bis zum 13. Januar Streitobjekt war, so könne unb müsse es jetzt Brücke zwischen diesen Nationen werden. Er schloß mit ben Worten: „Die Saar ist frei! Die Saar ist treu! Heil Hitler!"
Wird Lloyd George in die Nationalregiernna einireten?
London, 21. Jan. (DNB.-Funkspruch.) „Mor- ning Post" macht darauf aufmerksam, daß der Schatzkanzler Neville Chamberlain in einer Rede in Belfast erklärte, bie Regierung werbe fein Urteil über die Vorschläge Lloyd Georges fällen, bevor sie nicht ausführlich mitgeteilt worden seien. Sollte die Regierung die Vorschläge schließlichen ihr eigenes Programm für die nächsten Parlamenlswahlen aufnehmen, so würde eine weitgehende Umbildung des Kabinetts notwendig sein, um Lloyd George einen M i n i st e r p o st e n z u beschaffen. Als Lloyd George beschlossen habe, den Feldzug zu unternehmen, hätten bie ihm nahestehenben Leute nicht geglaubt, baß er ernstlich an bie Möglichkeit benfe, baß bie Regierung irgenbeinen wesentlichen Teil seines Programmes annehmen werbe. Man habe angenommen, baß er in erster Linie an Unterstützung burch bie Sozialisten bachte. Lloyb George soll eine erhebliche Gelbsumme für ben Wahlkampf zur Verfügung gestellt haben unb baran benten, unter Umftänben eigene Kanbi- baten für feine Politik aufzustellen.
französische Gedanken über eine Armeereform
Paris, 21. Jan. (DNB.-Funkspruch.) „Echo be Paris" tritt anläßlich bes Kommanbowechsels im französischen Heer für eine Heraufsetzung ber Dienstzeit unb für bie Schaffung eines Elitekorps neben bem ftefjenben Heer ein. Die Forberung nach Erhöhung ber Militärbienstzeit begrünbet es mit bem in ben nächsten Jahren bevorstehenben Rekrutenausfall, ber sich aus bem Rückgang ber Geburtenziffern währenb ber Kriegsjahre ergibt. General Weyganb soll in ber letzten Sitzung bes Obersten Kriegsrates bas für bie Heeresbebürfniffe notroenbige Min- beftmafj ber Dienstzeit auf zwei Jahre veranschlagt haben. Das zu fchaffenbe Elite- k o r p s ist als ein Freiwilligenheer in Gestalt einer motorisierten Tanktruppe gebacht, die stets einsatzbereit ist.
Der Kyffhäuserbund feiert den Reichsgründungstag im Berliner Sportpalast.
Der Löwe von Brzeziny
Zum fünfundachtzigsten Geburtstag des Generals Litzmann am 22. Januar.
Äon Walter Bloem.
Es gehört zum Wesen bes mobernen Krieges, baß bem Solbaten niemals bas beqeifternbe und befeuernde Erlebnis vergönnt ist, seine Ober« ührer als Mitkämpfer Schulter an Schulter neben s i ch zu sehen. Wenn aber ganz ausnahmsweise einmal die Gefechtslage einem höheren Führer das Recht gibt, in der vordersten Linie mitzustürmen — dann ist das ein Anblick, der auf die Phantasie der Mitkämpfer unvergeßlich wirkt. Dem General Karl Litzmann ist dieses höchste Soldatenglück zweimal zuteil geworden. Das ist der Grund seiner außerordentlichen Volkstümlichkeit. Am 22. Januar begeht er seinen fünf» undachtzigsten Geburtstag. Kein schönerer Glück«
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wünsch kann ihm dargebracht werden, als eine knappe Schilderung dieser beiden Höhepunkte seines Kriegserlebens!
Als kommandierender General b^s 4 0. Reservekorps faßte er am 16. Juli 1915 ben Entschluß, ben Angriff auf Kowno ein» zuleiten, unb führte ihn mit bentbar geringen Mitteln tatkräftig burch. Er selber meint, bas ganze Unternehmen sei eine „Unverschämtheit" gewesen. — Am Entscheibungstage geht ber Kommanbierenbe General nach vorn burch. Die Infanterie ist am N j e m e n angekommen, ber als letztes starkes Hemmnis feine gelben Wellen vor ber Festung oor- Überwälzt. Schon finb 2J4 Bataillone auf bas Feinbesufer hinübergegangen. Aber alle Stäbe vom Regimentskommanbeur aufwärts hängen noch weit hinten an ihren Fernfprechanfchlüfsen.
Da erscheint am Flußufer — ber Kommanbierenbe General in eigener Person! Er läßt sich in einem Ponton übersetzen, übernimmt ben Befehl über bie oorgefunbenen Bataillone. Aber ber Drang nach vorwärts läßt ihn noch immer nicht ruhen. Er unterstellt eine soeben nach Verlust aller Offiziere eingetroffene Kompanie ber Führung seines Sohnes, ber in feinem Stab als Or- bonnanzoffizier Dienst tut, befiehlt ihm, bas Osttor ber Festung unb bas vorgelagerte Fort VII zu nehmen, unb schließt sich in eigener Person bem Vorgehen biefer Kompanie an!
Das im Ansatz tollkühne Unternehmen nimmt in ber Ausführung einen manövermäßig behaglichen Verlauf. Es stößt auf keinerlei Wiberstanb. Die Derteibiger bes Forts reihen beim Anmarsch ber einzigen Kompanie aus, kaum baß bie Spitze ber Flüchtenben noch ein paar Schüsse nachschicken kann. „Gleich barauf", erzählt Litzmann, „war i ch selber am Tor, unb als erster beutscher Solbat ftanb ich auf bem jenseitigen Hauptwall ber Festung unb rief mein Hurra in ben buntelnben Abend hinein.--Alles bies war sehr hübsch unb lustig."
Dieser persönliche Einsatz war ober schon ber zweite, ber den General in die vorderste Linie geführt hat. Vorher hat er jene Ruhmestat getan, bie mit feinem Namen für alle Zeiten verbunden bleiben wird: den Durchbruch nach Brzeziny. Die Armeeabteilung hatte in ben Tagen vom 19. bis 21. November 1914 das Ihre getan, um die Russen bei Lodz einzuschließen. Durch eine von der obersten Führung nicht vorausgesehene Wendung war ein Rückschlag eingetreten unb General von Scheffer Boyadel war, weit vorgeschoben, östlich Lobz von ben Russen völlig um ft eilt, mitsamt mehreren tausenb Gefangenen aus ben vor- ausgegangenen Kämpfen! Schon jubelt Petrograb: zwei ober brei beutsche Korps feien umzingelt. Be- förberungsmittel für 150 000 beutsche Gefangene werben bereitgeftellt. Da — — Um sich ber Um« ftriefung zu entziehen, fassen Scheffer unb fein Unterführer Litzmann gemeinsam ben Entschluß, in Richtung auf Brzeziny burchzubrechen.
Das 25. Reservekorps läuft gegen einen so starken Feinb an, baß es nicht vorwärts kommt. L i tz - mann mit seiner 3. Garbebivision kämpft auf dem linken Flügel. Diesmal geht es nicht „sehr hübsch und lustig" zu, sondern verdammt ernsthaft. In bas mit Front gegen Narben, 10 Kilometer süblich Breziny entbrannte Waldgefecht reitet ber General mitten hinein. Er findet die Truppe in wildem, wechselvollem Nahkampf. In der Abenddämmerung des 23. November wird zum allgemeinen Sturm angetreten.


