Ausgabe 
20.9.1935
 
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Ur. 220 Erster Blatt

185. Jahrgang

Keitas, 20. September *935

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Eichener Anzeiger

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Deutsche Zlotleumanöver.

Don Konteradmiral a O. Gadow.

Wer die nach dem deutsch-englischen Flottenver­trag bekannt gegebenen Schiffbaupläne der Kriegs­marine für das Jahr 1935 und die bereits fertig- gestellten Neubauten näher betrachtet, wird be­merken, daß sich gegen früher etwas geändert hat. Vor dem Kriege stand im Vordergrund die Aufstel­lung einer schweren, sehr kampfstarken Schlacht­flotte, von mäßiger Geschwindigkeit und beschränktem Fahrbereich. Waren letztere Eigenschaften zwar auch technisch bedingt, da man die Kohlefeuerung noch nicht überwunden hatte und aus ihr in beiden Richtungen nicht viel mehr her­auszuholen war, so ging doch auch die militärische Anschauung kaum über den Flottenkampf, die Entscheidungsschlacht" in-der Nordsee hin­aus. Dazu aber waren andere Eigenschaften, wie ft ä r E ft e Panzerung und Sinksicherheit wichtiger, was sich im Skagerrak auch glänzend be­währte.

Heute nehmen die Gedanken einen anderen Weg. Schlachtslotten der herkömmlichen Art halten sich nur noch England und die USA., und auch diese nur in sehr stark herabgesetztem Umfange, und die Wahrscheinlichkeit einer großen rangierten See­schlacht wird von den meisten Fachleuten verneint. Der Seekrieg hat sich seiner ursprünglichen Aufgabe -wieder zugewandt: dem Schutz der Handels­verbindungen und dem Kampf gegen diese. Das hat auf den Kriegsschiffbau stark zurückgewirkt, -und mit Ausnahme der drei größten Seemächte, Die zur Zeit noch vertraglich gehindert sind, grofce i «Schlachtschiffe zu bauen, sehen wir in Italien, ^Frankreich und jetzt auch in Deutschland starke Schiffe im Bau, deren Kennzeichen andere geworden sind. Neben guter Gefechtskraft steht jetzt Die Geschwindigkeit im Vordergrund, denn um zur Stelle zu sein, wo Schutz auf den Wasser­graben gewährt werden soll oder wo Beute winkt, nnuh man schnell sein. Auch die Handelsschiffe sind schneller geworden im Durchschnitt, und die Kreuzer, unit denen als Handelszerstörer zu rechnen ist, sind lhöchst beweglich. So hatte auch das große Schiff ssich dem anzupassen. Italien und Frankreich bauen Schlachtkreuzer oder schnelle Linienschiffe von über 30 Knoten (55 Kilometer). Die älteren Linienschiffe bekommen viel stärkere Maschinen, und Deutschland gab seinen Panzerschiffen derDeutschland"-Klasse 26 Knoten, baut zur Zeit zwei mittelgroße Panzer­schiffe von wahrscheinlich noch größerer Geschwin­digkeit und kündigt den Bau großer Einheiten an, die ähnliche Eigenschaften aufweisen dürften.

Handelsschutz und Schutz der Verkehrswege auf , See ist also das Kennzeichen unseres Flottenaus- daues und wird im Mittelpunkt der jetzt stattfin- denden größeren Hebungen stehen, bie der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Rae der, leiten wird. Handelsschutz war die Lehre des Weltkrieges. Die deutsche Flotte konnte , ihn aus der ungünstigen strategischen Lage in ber Nords? he»- ius, gegen die blockierende Stellung 1 «der engl.< ' .nseln und Flotte, mit den gegebenen Mitteln nich> leisten, ihr Wirkungsfeld in dieser Hinsicht war mehr d i e O st s e e. Die Sicherung der Zufuhren über Skandinavien, namentlich Erz aus Schweden, gegen die marodierende russische Flotte mnb englischen Unterseeboote war bort zur Haupt- oaufgabe geworben, bie mit denselben Mitteln ge- | löst würbe, töte von Englanb in seinem Bereich.

Handelsschiffe würben zu kleineren ober größeren Geleitzügen (bis zu 20) zusammengestellt unb burch Kriegsschiffe bewacht unb geleitet. Gegen bie Ge- sfahr ber U-Boote biente neben bieser Bewachung ' sin System häufiger Richtungsänberung, ein Fah­ren im Zickzack, bas bie U-Boote hinbert, zu zielen unb zum Schluß zu kommen, unb sie selbst häufig ßroingt, tief unter Wasser zu gehen. Manches Boot auf beutscher wie englischer Seite ist nur nut -napper Gefahr bem Untergang entronnen, wenn »in solcher Geleitzug in unvermuteter Wenbung darauf zubrauste. , . f ,

Genau dasselbe spielte sich bet E n g l and ab. Dort wurde im letzten Kriegsjahr die Schlacht- lotte für solche Bewachungszwecke aufgeteilt, gruppenweise mußten die Schiffe die kostbaren Ge- ! eitzüge aus Skandinavien mit Holz, Erz und Le­bensmitteln beladen hereinbringen. Das Suchen einer Entscheidungsschlacht kam nicht mehr m Frage, wurde vom Flottenchef Lord B e a 11 y geradezu nbgelehnt.

Genau das gleiche wiederholt sich heute m allen größeren Manövern, wenigstens der eur o- P ä i s ch e n Seemächte, für die die Aufgabe schärfer gestellt ist, als für Amerika mit seiner fast ge­schlossenen Selbstversorgung, oder Japan mit sei­ner geschützten Lage im Winkel des Stillen Ozeans und seinen nahe gerückten Versorgungsquellen. Für Frankreich geht es immer um die Sicherheit einer afrikanischen Truppentransporte, für Eng - and um den ununterbrochenen Zustrom von Holz, Del, Fleisch, Fetten, Getreide und sonstigen Bedürf­nissen, die ber Krieg gezeigt hat. D e u t s ch l a n b sst gleichfalls nicht Selbstversorger, zahlreiche unb wichtige Zufuhren werben im Kriege notroenbig lein. Woher biese kommen sollen, wird Sache der Politik und Finanzen fein. Aber gef chützt müf* ien sie werden, wobei der Gedanke an eine feint)1 ^Üge Haltung Englands praktisch und grundsätzlich »uszuschalten ist nach der klaren Zielsetzung un­srer Außenpolitik, die den großen Erfolg des Flottenabkommens mit England bereits herein- bringen konnte.

Der Hebung solchen Schutzes und zu- gleich der Sammlung von Erfahrungen mit Geleit- lügen von Handelsschiffen, auch unter starker Be- tücksichtigung der L u f t w a f fe m Angriff und Berteibigunq, finb bie deutschen Herbst-Flotten- manÖDer gewidmet. Die Rolle der Luftwaffe ms-

Kein Ausweg in Genf.

Wenig Aussicht auf eine andere Haltung Italiens. Lord RoihernieresDaily Mail" schwenkt in die Regierungsfront ein.

London, 20. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Berichte der Blätter aus Genf lauten womöglich noch düsterer als bisher, wenn auch angenommen wird, daß die endgültige Entscheidung bis Samstag auf sich warten lassen werde. Viele Beobachter ver­muten, daß es wieder eine glatte italienische Ablehnung geben werde, die Minderheit ist aber der Meinung, daß Italien nicht wieder die Verantwortung für die Verwerfung einer Reihe von Vorschlägen ohne vorhergegangene Erörterung auf sich nehmen werde. An einer günstigen Antwort Abessiniens wird kein Zweifel gehegt.Times" meldet aus Genf, in französischen und britischen Kreisen werde in Abrede gestellt, daß Laval Eden um ein Versprechen ersucht habe, daß die britische Regierung auf keinen Fall über wirt­schaftliche Sühnemaßnahmen gegen Italien hinaus­gehen werde. Bei den in Aussicht genommenen Gebietsabtretungen an Italien handele es sich nicht nur um Wüsten, sondern um ein beträcht­liches Stück fruchtbaren Landes zwischen Jubaland und dem abessinischen Hochland, das die Italiener mit Vorteil kolonisieren könnten.

Daily Telegraph" sagt, Mussolini sei soweit ge­gangen, daß er eine Hmkehr nicht mehr wage, selbst wenn er sie wollte. Für letzteres seien allerdings keine Anzeichen vorhanden. Er habe eher die Brücken hinter sich abgebrochen. Wenn sich in den nächsten Tagen sein ewiges Nein nicht ändere, müsse ber Völkerbunb in anberem Tone reben.Daily Herald" erklärt, bie Italie­ner in Genf hielten nach immer ernsthaft an bem erstaunlichen Glauben fest, baß aus einem Kriege mit Abessinien sich keine ernsten Folgen er­geben würden. Sie glaubten nur an papierene Sühnemaßnahmen wie z. B. Abberufung von Botschaftern unb bie formelle Verweigerung von Krebiten, bie Italien ja s o wie f o n i cf) t erhalten würbe. Es sei aber ganz entschieden bie Ansicht der britischen unb ber französischen Regierung, daß es der allerschlimmste diplomatische Kurs fei, solche Sühnemaßnahmen zu treffen, deren Hnwirksamkeit seststehe. Frankreich werbe, wenn nötig, ganze Arbeit machen. Jedes Zögern fei jetzt geschwun­den. Es seien Beschlüsse gefaßt, die nicht wieder umgestoßen werden könnten.News Chronicle" meint indessen, die letzte Besprechung Lavals mit Eden sei in mancher Hinsicht nicht sehr befrie­digend gewesen. Laval habe eine Aeußerung des Barons Aloisi übermittelt, der anbot, daß Italien bie Truppen in Lybien, bie Aegypten bedrohten, zurückziehen werde, falls ein Versprechen ge­geben werde, daß nur Sühnemaßnahmen milder Art zur Anwendung kommen würden. Vielleicht habe Laval nur als ehrlicher Makler gehandelt. Aber es bestehe ein starker Verdacht, daß er noch immer bereit sei, um der schönen Augen Mussolinis willen den Völkerbund preiszugeben. Zwei Faktoren wür­den aber Laval schließlich nötigen, den Völkerbund an die erste Stelle zu setzen. 1. Herriot, ber in Frank­reich viel mehr Anhänger besitze als Laval und 2. die Tatsache, daß England Frankreich im Völker­bund die Führung abgenommen habe.

Daily M a i l", ein Blatt, das bisher betont gegen bie amtliche englische Politik in der abessinischen Frage aufgetreten war, nimmt heute in einem Leitartikel Abschied von seinem Lieblingsstandpunkt, um aus patriotischen Gründen sich hinter die Regierung zu stellen. Dazu wird u. a. ausgeführt: Es war ein Fehler, wenn England -ich von dem Völkerbund wegen eines verhältm *ig unwichtigen afrikanischen Ge­bietes in Auf-. ig bringen ließ, während es in absehbarer Ze.: vielleicht in viel ernstere Fragen verwickelt sein wird. Hierzu gehör­ten sowohl die Revision der europäischen Landkarte, wo gewisse ungeheuer stark ge­rüstete Nationen eine Gebietsvergrößerung ver­langten, wie auch die Forderung derbe­

sitzlosen" Staaten nach Kolonien und nach einem Platz an der Sonne innerhalb Europas. Solche Fragen konnten England infolge des Völ­kerbundssystems jeder Zeit in einen Krieg verwickeln. Die Memelfrage sei schon in den Vordergrund getreten unb brohe eine Lage zu schaffen, bie sogar noch ernfter sei, als ber abessinische Streit. Wenn man allzu starr an einer Politik ber Unterroürfigfeit gegen­über bem Völkerbunb festhalte, laufe man Gefahr, daß eine allgemeine Umwälzung hervorgerufen

werben konnte. Aus biesem Grunde bedauertDaily Mail" auch jetzt noch bie Politik ber englischen Regierung, bie zwar ebel sei, aber vergesse, baß Eigennutz bie Grundlage einer ge­sunden Außenpolitik bilden sollte. Da aber die Regierung gehandelt habe, könne es in diesen schwierigen Zeiten für das britische Volk nur eine Entscheidung geben: Recht ober Unrecht, zuerst das Vaterland. Alle müßten ge­schlossen hinter den Maßnahmen stehen, die die Regierung für angemessen halte.

Will England den Italienern die pelrolenmznsnhr sperren?

Paris, 20. Sept. (DRV. Funkspruch.)Echo de Paris" berichtet aus London, bie englische Iftarine- teitung fei der Ueberzeugung, im Ernstfälle Italien durch Abschnüren der Petroleum-Lie­ferungen matff e^en zu können. Diefer Ab­sicht entsprächen auch die Jloffenberoegungen. Die Schließung des Suezkanals wurde die Versorgung durch den Persischen Meerbusen und die Pefroleumlinie von Abadan (an der Mündung des Euphrat und Tigris) abfchneiden. Die Be­wachung der Palästina-Küste und Haifas würde die Zufuhren von Petroleum aus dem Irak sperren. Selbst wenn die Italiener dort Erfolge haben sollten, würden die Engländer leicht das Petroleum an der Quelle in Mossul

aushalten können. Um den Italienern die Lieferungen aus dem Kaukasus abzuschneiden, sollen Verhandlungen mit der türkischen Regierung über die Schließung der Dardanellen im Gange sein. Durch Sperrung der Meerenge von Gibraltar werde Italien von der Zufuhr amerikanischen Petroleums abgeschnit­ten. Ls könnte dann nur noch auf bem Jeft- landsweg über die Schweiz, Deutschland und mittelbar über Rumänien Petroleum beziehen, vor- ausgesetzt, daß die Lieferanten dieser Länder Koh der Vorschriften des Völkerbundes überhaupt 3fa- lien versorgen könnten. Rach Ansicht englischer Kreise würde Italien mithin binnen kurzem kein Petroleum mehr haben.

Englands Wlenauftnarsch im Älmeer.

London, 20. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Das Reutersche Büro veröffentlicht eine Hebersicht über bie Verteilung ber britischen Kriegsschiffe im Mittel- länbischen Meer. Danach befinben sich in Gibral­tar bie SchlachtkreuzerHoob" unbRenown", ferner 4 Kreuzer,' 9 Zerstörer, unb brei Minen­sucher. I n Alexandria liegen insgesamt 29 britische Kriegsschiffe, barunter bas erst am 18. Sep­tember eingetroffene SchlachtschiffResolution" mit Abmiral Sir William Fisher an Borb, ferner bie SchlachtschiffeRevenge" unbValiant", brei Kreuzer, bie betten FlugzeugmutterschiffeGlo- rious" unbCourageous" sowie ein Hospitalschifs. In Aben finb 10 Kriegsschiffe eingetroffen, dar­unter bie KreuzerNorfolk" unbColombo". In Haifa befinben sich brei Kreuzer unb zwei H-Boote. In Port Saib halten sich bas Schlacht­schiffBarham", ber KreuzerDespatch" unb ein Zerstörer auf. In Singapore finb bas Flugzeug­mutterschiffHermes" unb brei Zerstörer am 18. September eingetroffen. Malta wirb nicht erwähnt.

Miens Streitkräfte im Roten Reer.

Die Italiener haben in normalen Zeiten im Roten Meer ben älteren leichten KreuzerB a r i" (den früheren deutschen KreuzerPillau") von 3300 Tonnen und bas MinenschiffA g i o" (600 Ton­nen) stationiert. Diese Seestreitkräfte finb ver­mehrt worben um ben Flottenführer (Esvlora- tori)Panter a", ben ZerstörerPalestr o", das MinenschiffOstia", bie beiben Kanonenboote Porto Corsino" unbG i a s o n e" sowie bas H-Boot-BergeschiffAnte o". Daneben finb einige Hilfsschiffe, wie Oel- unb Wasserfahrzeuge, Schlep­per unb dergleichen, tätig. DiePantera" ist ein ganz modernes Schiff von 2000 Tonnen, das 35

Seemeilen läuft und mit acht 12-Zentimeter- unb vier Flugzeugabwehrkanonen armiert ist.Palestro" ist ein alter Zerstörer von 800 Tonnen, ber bereits 1919 vom Stapel gelaufen ist. Die beiden Kanonen­boote haben nur geringen Gefechtswert. Die Damp­ferTevere" (8500 Tonnen) undCalifornia" (17 900 Tonnen) fahren als Lazarettschiffe zwischen Massaua und Italien hin und her. Den Befehl über die italienischen Streitkräfte im Roten Meer übt seit bem Mai bieses Jahres ber Konteradmiral Barone aus, der feinen Sitz in Maffaua hat unb bem auch bie Hafenbetriebe unterstehen.

Gibraltar

gegen Ueberraschnngen gerüstet.

L o n b o n, 19. Sept. (DNB.) In Gibraltar würbe folgenbe amtliche Bekanntmachung angeschlagen: Es wirb hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, baß es sich im Salle gewisser Notstänbe unter Umftänben als notwendig erweisen wird, in ganz Gibraltar die Lichter auszuloschen. Dies wirb möglicherweise burch bie Absperrung ber Hauptkraftanlaae geschehen. Der Be­völkerung wirb baher empfohlen, sich Dorr ä t e an Kerzen unb anberem hinzulegen. Es wirb aber barauf aufmerksam gemacht, baß auch solche Lichtquellen sorgfältig abgebichtet fein müssen. Zuwiberhanblungen werden geahndet.

Amerika fordert Beachtung des Kelloggpaktö.

N e u y o r k, 20. Sept. (DNB. Funkspruch.) Prä­sident Roosevelt empfing den amerikanischen Botschafter in Paris, Jesse Strauß, den frühe­ren amerikanischen Botschafter in der Türkei, M ar­gen t h a u und den Unterftaatsfefretär im Ma­rineministerium, Henry Roosevelt, zu einer

besondere ist zu klären, ihre Bedeutung für Han- delsfchutz und -Storung ist theoretisch nicht zu er­fassen, in aller Welt umstritten und muh erprobt werden. Handelsschiffe aber, keineswegs an mili­tärisches Fahren im Verbände an Signalverkehr, Angriff und Verteidigung gewähnt, müssen ihrer­seits dies-: Künü studieren, womit ein Seitenblick auf die Wicbtigk?it ber Ausbilbung von Reserve­offizieren fällt/ die solche Schiffe führen müssen. Unb schließlich werben bie Manöver zu beurteilen gestatten, ob wir mit unseren Panzerschiffen unb ben künftigen Schiffbauten auf bem rechten Wege find, ob sie sich eignen zum Handelsschutz und was nicht übersehen werden kann zur Hochsee­operation, ob die Kreuzer, Zerstörer, Schnellboote, Minensucher und Flugzeuge die Erwartungen er­füllen und ob die Ausbildung den hohen Stand zeigt, ber nach einstimmigem Urteil ber Fachwelt der neu aufftrebenben beutschen Flotte zugeschrie- ben wirb. So werben bie Manöver gleichzeitig zum Prüfstein vieler Dinge, wie zum Abschluß eines ar­beitsreichen Marinejahres.

OieIlottenschau beiHelgoland abgesagt

Berlin, 19. Sept. (DNB.) Der ungewöhnlich starke Sturm in ber Norbsee hat bas morgen, ben 20. September, bei Helgolanb beabsichtigte Zu­sammentreffen ber Flotte mit den ,zchn Urlauberbampfern der NS. - Ge-

meinschaftKraft durch Freude" un- möglich gemacht. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Admiral Dr. h. c. Raeder sah sich gezwungen, im Einvernehmen mit dem Reichs- organisationsleiter Dr. Ley, der sich zur Zeit mit KdF.-Hrlaubem an Bord des Schnelldampfers Columbus" auf einer Nordlandfahrt befindet und ebenfalls ben Hebungen beiwohnen wollte, bie Flottenschau abzusagen.

Abschluß der Herbstmanöver in der Bayrischen Ostmark.

Arn 17. unb 18. September rollte in ber Baye­rischen Ostmark bas letzte große Gefechtsbilb ber Herbstmanöver des IX. Armeekorps ab. Während des 17. September war in drei großen Marsch­säulen, bie in ben Wälbern sittlich von Grafenwöhr mit westlicher Richtung vorgehenbe Blaue Par- tei fortgesetzt starkem Artilleriefeuer unb Flieger­angriffen ber Roten Partei ausgesetzt, so bah ber Angreifer erst in den Abendstunden aus seiner Walltteckung hervortreten konnte. Unter dem Schutz der Dämmerung wurde es aber auch bei Blau lebendig. Es erinnerte an die Zeiten des Welt­kriegs, als man in kilometerbreiter Ausdehnung überall die Angreifer hervortreten unb sich mit Infanterie, Artillerie, Panzerwagen, Nach­

richtentrupps, Pionieren unb Troß auf allen er- benklichen Wegen unb querfeldein in Bewegung fetzen unb entwickeln sah.

Unterbetten hatte R o t an ben Walbrändern der Hohen von Hopfenohe mit der Front nach Osten eine außerordentlich ftarfe Verteidigungs­linie bezogen. Bei Anbruch des 18. September beherrschte es mit seinen Abwehrwaffen das offene Vorgelände völlig. Gleichwohl unternahm Blau gegen 8 Uhr vormittags auf der ganzen Front ben allgemeinen Angriff. Eine Stunde darauf fetzte Rot zum Gegenstoß an und brachte dabei auch feine motorisierten Kampfkräfte und Flugzeuge zum Ein­satz. Die Berge hallten wieder vom Feuer ber Maschinengewehre, Geschütze unb ber burch Knall­körper bargestellten Bombeneinschläge ber Flug­zeuge. Als Dann ber rote Gegner bie Entscheidung durch einen umfassenden Vorstoß seines linken Flügels zu erzwingen suchte, ertönte um 10 Uhr auf Anordnung der Manöverleitung das bekannte SignalDas Ganze Halt!".

Der lehrreichen Gefechtsübung hatte schon seit den frühen Morgenstunden der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch, beigewohnt. Die Kritik hielt Ge­neralleutnant D o l l m a n n , Korpskommandeu* des IX. Armeekorps ab. Die Truppen rückten bank in bie Quartiere ab. Noch im Laufe bes Donners­tag würben sie in ihre Stanborte transportiert.