Ur. 220 Erster Blatt
185. Jahrgang
Keitas, 20. September *935
Erscheint täglich, auhei Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Bezugspreir:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt rrernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11686
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühl'sche UniversttätL-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftlettung und SeschSstrstelle: Schulftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8l/,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm hohe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 60 Rpf..Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/„ mehr
Ermäßigte Grundpreise: Stellens, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Deutsche Zlotleumanöver.
Don Konteradmiral a O. Gadow.
Wer die nach dem deutsch-englischen Flottenvertrag bekannt gegebenen Schiffbaupläne der Kriegsmarine für das Jahr 1935 und die bereits fertig- gestellten Neubauten näher betrachtet, wird bemerken, daß sich gegen früher etwas geändert hat. Vor dem Kriege stand im Vordergrund die Aufstellung einer schweren, sehr kampfstarken Schlachtflotte, von mäßiger Geschwindigkeit und beschränktem Fahrbereich. Waren letztere Eigenschaften zwar auch technisch bedingt, da man die Kohlefeuerung noch nicht überwunden hatte und aus ihr in beiden Richtungen nicht viel mehr herauszuholen war, so ging doch auch die militärische Anschauung kaum über den Flottenkampf, die „Entscheidungsschlacht" in-der Nordsee hinaus. Dazu aber waren andere Eigenschaften, wie ft ä r E ft e Panzerung und Sinksicherheit wichtiger, was sich im Skagerrak auch glänzend bewährte.
Heute nehmen die Gedanken einen anderen Weg. Schlachtslotten der herkömmlichen Art halten sich nur noch England und die USA., und auch diese nur in sehr stark herabgesetztem Umfange, und die Wahrscheinlichkeit einer großen rangierten Seeschlacht wird von den meisten Fachleuten verneint. Der Seekrieg hat sich seiner ursprünglichen Aufgabe -wieder zugewandt: dem Schutz der Handelsverbindungen und dem Kampf gegen diese. Das hat auf den Kriegsschiffbau stark zurückgewirkt, -und mit Ausnahme der drei größten Seemächte, Die zur Zeit noch vertraglich gehindert sind, grofce i «Schlachtschiffe zu bauen, sehen wir in Italien, ^Frankreich und jetzt auch in Deutschland starke Schiffe im Bau, deren Kennzeichen andere geworden sind. Neben guter Gefechtskraft steht jetzt Die Geschwindigkeit im Vordergrund, denn um zur Stelle zu sein, wo Schutz auf den Wassergraben gewährt werden soll oder wo Beute winkt, nnuh man schnell sein. Auch die Handelsschiffe sind schneller geworden im Durchschnitt, und die Kreuzer, unit denen als Handelszerstörer zu rechnen ist, sind lhöchst beweglich. So hatte auch das große Schiff ssich dem anzupassen. Italien und Frankreich bauen Schlachtkreuzer oder schnelle Linienschiffe von über 30 Knoten (55 Kilometer). Die älteren Linienschiffe bekommen viel stärkere Maschinen, und Deutschland gab seinen Panzerschiffen der „Deutschland"-Klasse 26 Knoten, baut zur Zeit zwei mittelgroße Panzerschiffe von wahrscheinlich noch größerer Geschwindigkeit und kündigt den Bau großer Einheiten an, die ähnliche Eigenschaften aufweisen dürften.
Handelsschutz und Schutz der Verkehrswege auf , See ist also das Kennzeichen unseres Flottenaus- daues und wird im Mittelpunkt der jetzt stattfin- denden größeren Hebungen stehen, bie der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Rae der, leiten wird. Handelsschutz war die Lehre des Weltkrieges. Die deutsche Flotte konnte , ihn aus der ungünstigen strategischen Lage in ber Nords? he»- ius, gegen die blockierende Stellung 1 «der engl.< ' .nseln und Flotte, mit den gegebenen Mitteln nich> leisten, ihr Wirkungsfeld in dieser Hinsicht war mehr d i e O st s e e. Die Sicherung der Zufuhren über Skandinavien, namentlich Erz aus Schweden, gegen die marodierende russische Flotte mnb englischen Unterseeboote war bort zur Haupt- oaufgabe geworben, bie mit denselben Mitteln ge- | löst würbe, töte von Englanb in seinem Bereich.
Handelsschiffe würben zu kleineren ober größeren Geleitzügen (bis zu 20) zusammengestellt unb burch Kriegsschiffe bewacht unb geleitet. Gegen bie Ge- sfahr ber U-Boote biente neben bieser Bewachung ' sin System häufiger Richtungsänberung, ein Fahren im Zickzack, bas bie U-Boote hinbert, zu zielen unb zum Schluß zu kommen, unb sie selbst häufig ßroingt, tief unter Wasser zu gehen. Manches Boot auf beutscher wie englischer Seite ist nur nut -napper Gefahr bem Untergang entronnen, wenn »in solcher Geleitzug in unvermuteter Wenbung darauf zubrauste. , . f ,
Genau dasselbe spielte sich bet E n g l and ab. Dort wurde im letzten Kriegsjahr die Schlacht- lotte für solche Bewachungszwecke aufgeteilt, gruppenweise mußten die Schiffe die kostbaren Ge- ! eitzüge aus Skandinavien mit Holz, Erz und Lebensmitteln beladen hereinbringen. Das Suchen einer Entscheidungsschlacht kam nicht mehr m Frage, wurde vom Flottenchef Lord B e a 11 y geradezu nbgelehnt.
Genau das gleiche wiederholt sich heute m allen größeren Manövern, wenigstens der eur o- P ä i s ch e n Seemächte, für die die Aufgabe schärfer gestellt ist, als für Amerika mit seiner fast geschlossenen Selbstversorgung, oder Japan mit seiner geschützten Lage im Winkel des Stillen Ozeans und seinen nahe gerückten Versorgungsquellen. Für Frankreich geht es immer um die Sicherheit । einer afrikanischen Truppentransporte, für Eng - and um den ununterbrochenen Zustrom von Holz, Del, Fleisch, Fetten, Getreide und sonstigen Bedürfnissen, die ber Krieg gezeigt hat. D e u t s ch l a n b sst gleichfalls nicht Selbstversorger, zahlreiche unb wichtige Zufuhren werben im Kriege notroenbig lein. Woher biese kommen sollen, wird Sache der Politik und Finanzen fein. Aber gef chützt müf* ien sie werden, wobei der Gedanke an eine feint)1 ^Üge Haltung Englands praktisch und grundsätzlich »uszuschalten ist nach der klaren Zielsetzung unsrer Außenpolitik, die den großen Erfolg des Flottenabkommens mit England bereits herein- bringen konnte.
Der Hebung solchen Schutzes und zu- gleich der Sammlung von Erfahrungen mit Geleit- lügen von Handelsschiffen, auch unter starker Be- tücksichtigung der L u f t w a f fe m Angriff und Berteibigunq, finb bie deutschen Herbst-Flotten- manÖDer gewidmet. Die Rolle der Luftwaffe ms-
Kein Ausweg in Genf.
Wenig Aussicht auf eine andere Haltung Italiens. — Lord Roihernieres „Daily Mail" schwenkt in die Regierungsfront ein.
London, 20. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Berichte der Blätter aus Genf lauten womöglich noch düsterer als bisher, wenn auch angenommen wird, daß die endgültige Entscheidung bis Samstag auf sich warten lassen werde. Viele Beobachter vermuten, daß es wieder eine glatte italienische Ablehnung geben werde, die Minderheit ist aber der Meinung, daß Italien nicht wieder die Verantwortung für die Verwerfung einer Reihe von Vorschlägen ohne vorhergegangene Erörterung auf sich nehmen werde. An einer günstigen Antwort Abessiniens wird kein Zweifel gehegt. „Times" meldet aus Genf, in französischen und britischen Kreisen werde in Abrede gestellt, daß Laval Eden um ein Versprechen ersucht habe, daß die britische Regierung auf keinen Fall über wirtschaftliche Sühnemaßnahmen gegen Italien hinausgehen werde. Bei den in Aussicht genommenen Gebietsabtretungen an Italien handele es sich nicht nur um Wüsten, sondern um ein beträchtliches Stück fruchtbaren Landes zwischen Jubaland und dem abessinischen Hochland, das die Italiener mit Vorteil kolonisieren könnten.
„Daily Telegraph" sagt, Mussolini sei soweit gegangen, daß er eine Hmkehr nicht mehr wage, selbst wenn er sie wollte. Für letzteres seien allerdings keine Anzeichen vorhanden. Er habe eher die Brücken hinter sich abgebrochen. Wenn sich in den nächsten Tagen sein ewiges Nein nicht ändere, müsse ber Völkerbunb in anberem Tone reben. — „Daily Herald" erklärt, bie Italiener in Genf hielten nach immer ernsthaft an bem erstaunlichen Glauben fest, baß aus einem Kriege mit Abessinien sich keine ernsten Folgen ergeben würden. Sie glaubten nur an papierene Sühnemaßnahmen wie z. B. Abberufung von Botschaftern unb bie formelle Verweigerung von Krebiten, bie Italien ja s o wie f o n i cf) t erhalten würbe. Es sei aber ganz entschieden bie Ansicht der britischen unb ber französischen Regierung, daß es der allerschlimmste diplomatische Kurs fei, solche Sühnemaßnahmen zu treffen, deren Hnwirksamkeit seststehe. Frankreich werbe, wenn nötig, ganze Arbeit machen. Jedes Zögern fei jetzt geschwunden. Es seien Beschlüsse gefaßt, die nicht wieder umgestoßen werden könnten. „News Chronicle" meint indessen, die letzte Besprechung Lavals mit Eden sei in mancher Hinsicht nicht sehr befriedigend gewesen. Laval habe eine Aeußerung des Barons Aloisi übermittelt, der anbot, daß Italien bie Truppen in Lybien, bie Aegypten bedrohten, zurückziehen werde, falls ein Versprechen gegeben werde, daß nur Sühnemaßnahmen milder Art zur Anwendung kommen würden. Vielleicht habe Laval nur als ehrlicher Makler gehandelt. Aber es bestehe ein starker Verdacht, daß er noch immer bereit sei, um der schönen Augen Mussolinis willen den Völkerbund preiszugeben. Zwei Faktoren würden aber Laval schließlich nötigen, den Völkerbund an die erste Stelle zu setzen. 1. Herriot, ber in Frankreich viel mehr Anhänger besitze als Laval und 2. die Tatsache, daß England Frankreich im Völkerbund die Führung abgenommen habe.
„Daily M a i l", ein Blatt, das bisher betont gegen bie amtliche englische Politik in der abessinischen Frage aufgetreten war, nimmt heute in einem Leitartikel Abschied von seinem Lieblingsstandpunkt, um aus patriotischen Gründen sich hinter die Regierung zu stellen. Dazu wird u. a. ausgeführt: Es war ein Fehler, wenn England -ich von dem Völkerbund wegen eines verhältm *ig unwichtigen afrikanischen Gebietes in Auf-. ig bringen ließ, während es in absehbarer Ze.: vielleicht in viel ernstere Fragen verwickelt sein wird. Hierzu gehörten sowohl die Revision der europäischen Landkarte, wo gewisse ungeheuer stark gerüstete Nationen eine Gebietsvergrößerung verlangten, wie auch die Forderung der „be
sitzlosen" Staaten nach Kolonien und nach einem Platz an der Sonne innerhalb Europas. Solche Fragen konnten England infolge des Völkerbundssystems jeder Zeit in einen Krieg verwickeln. Die Memelfrage sei schon in den Vordergrund getreten unb brohe eine Lage zu schaffen, bie sogar noch ernfter sei, als ber abessinische Streit. Wenn man allzu starr an einer Politik ber Unterroürfigfeit gegenüber bem Völkerbunb festhalte, laufe man Gefahr, daß eine allgemeine Umwälzung hervorgerufen
werben konnte. Aus biesem Grunde bedauert „Daily Mail" auch jetzt noch bie Politik ber englischen Regierung, bie zwar ebel sei, aber vergesse, baß Eigennutz bie Grundlage einer gesunden Außenpolitik bilden sollte. Da aber die Regierung gehandelt habe, könne es in diesen schwierigen Zeiten für das britische Volk nur eine Entscheidung geben: Recht ober Unrecht, zuerst das Vaterland. Alle müßten geschlossen hinter den Maßnahmen stehen, die die Regierung für angemessen halte.
Will England den Italienern die pelrolenmznsnhr sperren?
Paris, 20. Sept. (DRV. Funkspruch.) „Echo de Paris" berichtet aus London, bie englische Iftarine- teitung fei der Ueberzeugung, im Ernstfälle Italien durch Abschnüren der Petroleum-Lieferungen matff e^en zu können. Diefer Absicht entsprächen auch die Jloffenberoegungen. Die Schließung des Suezkanals wurde die Versorgung durch den Persischen Meerbusen und die Pefroleumlinie von Abadan (an der Mündung des Euphrat und Tigris) abfchneiden. Die Bewachung der Palästina-Küste und Haifas würde die Zufuhren von Petroleum aus dem Irak sperren. Selbst wenn die Italiener dort Erfolge haben sollten, würden die Engländer leicht das Petroleum an der Quelle in Mossul
aushalten können. Um den Italienern die Lieferungen aus dem Kaukasus abzuschneiden, sollen Verhandlungen mit der türkischen Regierung über die Schließung der Dardanellen im Gange sein. Durch Sperrung der Meerenge von Gibraltar werde Italien von der Zufuhr amerikanischen Petroleums abgeschnitten. Ls könnte dann nur noch auf bem Jeft- landsweg über die Schweiz, Deutschland und mittelbar über Rumänien Petroleum beziehen, vor- ausgesetzt, daß die Lieferanten dieser Länder Koh der Vorschriften des Völkerbundes überhaupt 3fa- lien versorgen könnten. Rach Ansicht englischer Kreise würde Italien mithin binnen kurzem kein Petroleum mehr haben.
Englands Wlenauftnarsch im Älmeer.
London, 20. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Das Reutersche Büro veröffentlicht eine Hebersicht über bie Verteilung ber britischen Kriegsschiffe im Mittel- länbischen Meer. Danach befinben sich in Gibraltar bie Schlachtkreuzer „Hoob" unb „Renown", ferner 4 Kreuzer,' 9 Zerstörer, unb brei Minensucher. I n Alexandria liegen insgesamt 29 britische Kriegsschiffe, barunter bas erst am 18. September eingetroffene Schlachtschiff „Resolution" mit Abmiral Sir William Fisher an Borb, ferner bie Schlachtschiffe „Revenge" unb „Valiant", brei Kreuzer, bie betten Flugzeugmutterschiffe „Glo- rious" unb „Courageous" sowie ein Hospitalschifs. In Aben finb 10 Kriegsschiffe eingetroffen, darunter bie Kreuzer „Norfolk" unb „Colombo". In Haifa befinben sich brei Kreuzer unb zwei H-Boote. In Port Saib halten sich bas Schlachtschiff „Barham", ber Kreuzer „Despatch" unb ein Zerstörer auf. In Singapore finb bas Flugzeugmutterschiff „Hermes" unb brei Zerstörer am 18. September eingetroffen. Malta wirb nicht erwähnt.
Miens Streitkräfte im Roten Reer.
Die Italiener haben in normalen Zeiten im Roten Meer ben älteren leichten Kreuzer „B a r i" (den früheren deutschen Kreuzer „Pillau") von 3300 Tonnen und bas Minenschiff „A g i o" (600 Tonnen) stationiert. Diese Seestreitkräfte finb vermehrt worben um ben Flottenführer (Esvlora- tori) „Panter a", ben Zerstörer „Palestr o", das Minenschiff „Ostia", bie beiben Kanonenboote „Porto Corsino" unb „G i a s o n e" sowie bas H-Boot-Bergeschiff „Ante o". Daneben finb einige Hilfsschiffe, wie Oel- unb Wasserfahrzeuge, Schlepper unb dergleichen, tätig. Die „Pantera" ist ein ganz modernes Schiff von 2000 Tonnen, das 35
Seemeilen läuft und mit acht 12-Zentimeter- unb vier Flugzeugabwehrkanonen armiert ist. „Palestro" ist ein alter Zerstörer von 800 Tonnen, ber bereits 1919 vom Stapel gelaufen ist. Die beiden Kanonenboote haben nur geringen Gefechtswert. Die Dampfer „Tevere" (8500 Tonnen) und „California" (17 900 Tonnen) fahren als Lazarettschiffe zwischen Massaua und Italien hin und her. Den Befehl über die italienischen Streitkräfte im Roten Meer übt seit bem Mai bieses Jahres ber Konteradmiral Barone aus, der feinen Sitz in Maffaua hat unb bem auch bie Hafenbetriebe unterstehen.
Gibraltar
gegen Ueberraschnngen gerüstet.
L o n b o n, 19. Sept. (DNB.) In Gibraltar würbe folgenbe amtliche Bekanntmachung angeschlagen: Es wirb hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, baß es sich im Salle gewisser Notstänbe unter Umftänben als notwendig erweisen wird, in ganz Gibraltar die Lichter auszuloschen. Dies wirb möglicherweise burch bie Absperrung ber Hauptkraftanlaae geschehen. Der Bevölkerung wirb baher empfohlen, sich Dorr ä t e an Kerzen unb anberem hinzulegen. Es wirb aber barauf aufmerksam gemacht, baß auch solche Lichtquellen sorgfältig abgebichtet fein müssen. Zuwiberhanblungen werden geahndet.
Amerika fordert Beachtung des Kelloggpaktö.
N e u y o r k, 20. Sept. (DNB. Funkspruch.) Präsident Roosevelt empfing den amerikanischen Botschafter in Paris, Jesse Strauß, den früheren amerikanischen Botschafter in der Türkei, M argen t h a u und den Unterftaatsfefretär im Marineministerium, Henry Roosevelt, zu einer
besondere ist zu klären, ihre Bedeutung für Han- delsfchutz und -Storung ist theoretisch nicht zu erfassen, in aller Welt umstritten und muh erprobt werden. Handelsschiffe aber, keineswegs an militärisches Fahren im Verbände an Signalverkehr, Angriff und Verteidigung gewähnt, müssen ihrerseits dies-: Künü studieren, womit ein Seitenblick auf die Wicbtigk?it ber Ausbilbung von Reserveoffizieren fällt/ die solche Schiffe führen müssen. Unb schließlich werben bie Manöver zu beurteilen gestatten, ob wir mit unseren Panzerschiffen unb ben künftigen Schiffbauten auf bem rechten Wege find, ob sie sich eignen zum Handelsschutz und — was nicht übersehen werden kann — zur Hochseeoperation, ob die Kreuzer, Zerstörer, Schnellboote, Minensucher und Flugzeuge die Erwartungen erfüllen und ob die Ausbildung den hohen Stand zeigt, ber nach einstimmigem Urteil ber Fachwelt der neu aufftrebenben beutschen Flotte zugeschrie- ben wirb. So werben bie Manöver gleichzeitig zum Prüfstein vieler Dinge, wie zum Abschluß eines arbeitsreichen Marinejahres.
OieIlottenschau beiHelgoland abgesagt
Berlin, 19. Sept. (DNB.) Der ungewöhnlich starke Sturm in ber Norbsee hat bas morgen, ben 20. September, bei Helgolanb beabsichtigte Zusammentreffen ber Flotte mit den ,zchn Urlauberbampfern der NS. - Ge-
meinschaft „Kraft durch Freude" un- möglich gemacht. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Admiral Dr. h. c. Raeder sah sich gezwungen, im Einvernehmen mit dem Reichs- organisationsleiter Dr. Ley, der sich zur Zeit mit KdF.-Hrlaubem an Bord des Schnelldampfers „Columbus" auf einer Nordlandfahrt befindet und ebenfalls ben Hebungen beiwohnen wollte, bie Flottenschau abzusagen.
Abschluß der Herbstmanöver in der Bayrischen Ostmark.
Arn 17. unb 18. September rollte in ber Bayerischen Ostmark bas letzte große Gefechtsbilb ber Herbstmanöver des IX. Armeekorps ab. Während des 17. September war in drei großen Marschsäulen, bie in ben Wälbern sittlich von Grafenwöhr mit westlicher Richtung vorgehenbe Blaue Par- tei fortgesetzt starkem Artilleriefeuer unb Fliegerangriffen ber Roten Partei ausgesetzt, so bah ber Angreifer erst in den Abendstunden aus seiner Walltteckung hervortreten konnte. Unter dem Schutz der Dämmerung wurde es aber auch bei Blau lebendig. Es erinnerte an die Zeiten des Weltkriegs, als man in kilometerbreiter Ausdehnung überall die Angreifer hervortreten unb sich mit Infanterie, Artillerie, Panzerwagen, Nach
richtentrupps, Pionieren unb Troß auf allen er- benklichen Wegen unb querfeldein in Bewegung fetzen unb entwickeln sah.
Unterbetten hatte R o t an ben Walbrändern der Hohen von Hopfenohe mit der Front nach Osten eine außerordentlich ftarfe Verteidigungslinie bezogen. Bei Anbruch des 18. September beherrschte es mit seinen Abwehrwaffen das offene Vorgelände völlig. Gleichwohl unternahm Blau gegen 8 Uhr vormittags auf der ganzen Front ben allgemeinen Angriff. Eine Stunde darauf fetzte Rot zum Gegenstoß an und brachte dabei auch feine motorisierten Kampfkräfte und Flugzeuge zum Einsatz. Die Berge hallten wieder vom Feuer ber Maschinengewehre, Geschütze unb ber burch Knallkörper bargestellten Bombeneinschläge ber Flugzeuge. Als Dann ber rote Gegner bie Entscheidung durch einen umfassenden Vorstoß seines linken Flügels zu erzwingen suchte, ertönte um 10 Uhr auf Anordnung der Manöverleitung das bekannte Signal „Das Ganze Halt!".
Der lehrreichen Gefechtsübung hatte schon seit den frühen Morgenstunden der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch, beigewohnt. Die Kritik hielt Generalleutnant D o l l m a n n , Korpskommandeu* des IX. Armeekorps ab. Die Truppen rückten bank in bie Quartiere ab. Noch im Laufe bes Donnerstag würben sie in ihre Stanborte transportiert.


