fen zu schlagen, in London sowohl wie in Rom Beachtung gefunden zu haben. England scheint sich nach dem Scheitern seines Vermittlungsversuches mit jedem Modus zufriedenzugeben, der einigermaßen geeignet ist, das Ansehen des Völker- bundes zu schonen, ungeachtet dessen es natürlich alle Maßnahmen zur Wahrung seiner eigenen Interessen in dem vom Kriege bedrohten Gebiet in aller Stille trifft. Die italienischen Blätter wissen davon fast täglich zu berichten, wenn auch im Unterhaus der britische Außenminister neugierige Fragen mit lakonischen Antworten abspeist. Auch Herr A v e n o l, dem von Berufs wegen die Reputation des Völkerbundes besonders am Herzen liegen muß, sieht in der französischen Anregung offenbar einen geeigneten Weg, um dem Völkerbund aus der Klemme zu helfen, wenn nun schon einmal das Aufrollen des Abessinienkonflikts in Genf ihn vor eine so peinliche Entscheidung stellt. Also zwar mit den Wölfen heulen, aber für ein moralisches Mäntelchen sorgen, hinter dem aus einem imperialistischen Kolonialkrieg alten Sttls ein kultureller Kreuzzug wird. In R o m denkt man vielleicht ohne ein solches Bekleidungsstück aus der Mottenkiste der Völkerbundsideologie auskommen zu können, selbst wenn neben England auch die Vereinigten Staaten im Hinblick auf den Kellogg- pakt zumindest auf Einhaltung der Formen drangen. Italiens Kriegsrüstung nimmt unaufhaltsam ihren Fortgang, Division auf Division wird ein- berufen und nach der künftigen Operationsbasts in Ostafrika verschifft, neue Divisionen werden ausgestellt, ungeheure Mengen von Kriegsmaterial werden in Somaliland und Eritrea aufgehauft, die künftige Etappe wird mit Umsicht eingerichtet und bereits die Anmarschwege ausgebaut, auf denen das italienische Heer Den Vorstoß ins Innere Abessiniens beginnen soll, sobald die Regenzeit vorbei ist, die jede militärische Operation in dem waldreichen Hochland unmöglich macht. Aber bis zum Ablauf der Regenzeit ist dem Duce die diplomatische Begleitmusik zu seinen Kriegsvorbereitungen zumindest herzlich gleichgültig. Sie stört ihn solange nicht, als er öon ihr keine Verschleppung seines festge- faßten Entschlusses zu erwarten braucht, die abessinische Frage im italienischen Sinne zu losen.
So wird er vielleicht auch seine Hand zur Erörterung des Abessinienkonflikts unter dem neuen von dem französischen Freund eröffneten Aspekt der Gegenklage Italiens bieten, so lange diese Erörterung akademisch bleibt und sich nur auf die zur Kriegführung in Oftafrifa ohnehin unbrauchbaren Sommermonate beschränkt. Womöglich ließe sich m dieser Zeit auch bereits die Frage klären, ob Italien offen das Protektorat über Abessinien beanspruchen soll oder ein Dölkerbundsmandat erstrebenswerter wäre. Das Protektorat ist feit langem die für den kolonialen Imperialismus übliche Form, um ein Land in Besitz zu nehmen, in dem man eine einheimische Regierung vorfindet, die zu beseitigen unmöglich oder unzweckmäßig ist. Denken wir an die sog. Schutzverträge der Ostindischen Kompanie mit den einheimischen Maharadschas, und die der Holländer mit den Sultanen auf Java und den andern Sundainfeln, denken wir an Frankreichs Protektorat über Tunis, dessen Bey im Vertrage von 1881 zum Schattenherrscher herabgedrückt wurde, dem der Verzehr einer ansehnlichen, ihm von Frankreich ausgeworfenen Apanage Lebenszweck geworden ist. Richt anders ist die Stellung des Sultans von Marokko, der sich 1912 ebenfalls unter französische Schutzherrschaft „begab". England hat fein Protektorat über Aegypten zwar 1922 auf- gegeben, aber die damals erklärte Unabhängigkeit des Königs blieb beträchtlich eingeschränkt durch die Befugnisse des britischen Oberkommissars, unterstützt von den im Lande verbliebenen britischen Truppen. Hier hätte also Italien lehrreiche Vorbilder für die Ausgestaltung eines italienischen Protektorates über Abessinien, vom Schein völliger Unabhängigkeit mit parlamentarischen Betrieb, kulturellem Eigenleben und eigener Außenpolitik wie Aegypten bis zur reinen Kolonie mit einem von der Schutzmacht aus- gehaltenen Schattenherrscher wie Marokko gibt es die verschiedensten Spielarten tatsächlicher Beherrschung.
Das Völkerbundsmandat sieht im Grunde nicht anders aus wie die Schutzherrschast, nur ist noch auffälliger ein moralisches Mäntelchen herumdrapiert. Der Artikel 22 des Völkerbundsstatuts verklei-st mit von sittlichem Hochgefühl gradezu triefenden Worten den eigentlichen Zweck der Mandate, nämlich die den Unterlegenen des Weltkrieges entrissenen Kolonien und Gebiete dem Kolonialbesitz der Siegermächte in einer Form einzuverleiben, die diesen Raub mit den von Wilson bombastisch verkündeten Grundsätzen des Selbstbestimmungsrechts der Völker in Einklang bringt. Deshalb wird hier von der „heiligen, zivilisatorischen Aufgabe" gesprochen, „das Wohlergehen und die Entwicklung" jener Völker zu fördern, „die noch nicht imstande sind, sich unter den besonders schwierigen Bedingun- aen der heutigen Welt selbst zu leiten". Für sie sollen diejenigen „fortgeschrittenen Rationen" die „Vormundschaft" übernehmen, die „kraft ihrer Hilfsmittel, ihrer Erfahrung ober ihrer geographischen Lage" am besten dazu imstande sind. Es wird sicher nützlich sein, diesen fast schon in Vergessenheit geratenen Wortschwall des Artikels 22, der einst dazu hat dienen müssen, sich unsere Kolonien und die türkischen Besitzungen in Dorderasien anzueignen, wieder über sich ergehen zu lassen, denn es könnte fein, daß wir in wenigen Tagen in Genf eine Auffrischung dieses politischen Phrasenschatzes erleben werden, um damit die Erteilung eines Völkerbunds- auftrags an Italien zu begründen, nunmehr in Abessinien seine „heilige, zivilisatorische Aufgabe" durchzuführen. Vielleicht wird sich aber der Völkerbundsrat, um auch nur die Möglichkeit unvorhergesehener Komplikationen zu vermeiden, auf feiner nächsten Tagung damit begnügen, durch Ernennung des fünften, neutralen Schiedsrichters die Schlich- tungskommifsion in die Lage zu versetzen, mit Stimmenmehrheit eine Entscheidung zu treffen, wozu sie bisher nicht in der Lage war.
Ob mit einem solchen Beschluß der Ausbruch des Krieges auch nur hinausgeschoben werden könnte, bleibt angesichts der offenbar zum Kriege entschlossenen Haltung Italiens sehr fraglich. England scheint nach einem Bericht der „Morning Post" den Dingen ihren Lauf lassen zu wollen. Das dürfte indessen bestimmt nicht heißen, daß nun England sich an dem weiteren Gang der Ereignisse desinteressiert. Das kann es schon nicht mit Rücksicht auf Aegypten, wo nach einem Bericht des Pariser „Temps" es bereits in der Bevölkerung erneut zu gären beginnt, denn die Unzufriedenheit mit der Militärischen Besetzung des „unabhängigen" Landes durch britische Truppen ist unter der Oberfläche einer sich in parlamentarischen Kämpfen erschöpfenden Innenpolitik stets latent. Man nimmt wohl auch mit Recht an, daß England, sobald Italien die abessinische Frage durch einen Gewaltakt aufrollt, nicht länger zögern werde, selbst die Hand auf das Gebiet des Tanasees zu legen, um dem unter gemein» famer britisch-ägyptischer Verwaltung stehenden Su-
Eine Oreirnä'chie-Konserenz über Abessinien?
Oie Krage des Protektorats
sott erörtert werden.
London, 20. Juli. (DRB. Funkspruch.) Eine Meldung, die englische Regierung habe Mussolini vorgeschlagen, der nächsten Dölkerbundsratssitzung ein Schriftstück über den italienischen Standpunkt im italienisch-abessinischen Streitfall vorzulegen, wird in den Londoner Morgenblattern als verfrüht bezeichnet. Die italienische Regierung fei befragt worden, ob sie die Angelegenheit auf Der Grundlage des Vertrages von 190b mit der englischen und französischen Regierung e r- Örtern wolle. Während Reuter glaubt, datz Die Einberufung einer Konferenz unwahrscheinlich fei, meldet „Daily Telegraph", daß sich die Aussichten auf eine Konferenz in Rom Zwischen den Vertretern Englands, Italiens und Frankreichs stark verbessert hätten. Italien werde durch Mussolini vertreten fein, und England und Frankreich durch ihre Botschafter in Rom, Sir Eric Drum- mond und Graf Chambrun. In Rom fei man Der Ansicht, daß Die Dölkerbundsratssitzung nicht ftattfinDen könne, bevor biege» planten Besprechungen abgeschlossen seien. Italien habe auf den Vorschlag einer Drei- Mächte-Konferenz entgegnet, daß eine solche nur annehmbar wäre, wenn auch hier die Bedingungen eines italienischen Protektorats über Abessinien erörtert würben. Angesichts bes Aufrufes bes Kaisers von Abessinien an sein Volk „den Eindringlingen in Einigkeit Widerstand zu leisten", sei jedoch auf diesem Wege kein Fortschritt zu erwarten. Die letzte Möglichkeit, Feindseligkeiten in Abessinien abzuwenden und das moralische Ansehen des Völkerbundes aufrechtzuerhalten, bestehe jetzt darin, daß die britische Regierung dem Völkerbundsrat vorschlage, das inder Satzung vorgesehene Verfahren anzuwenben, wenn Italien sich weigere, seinen Stanbpunkt bem Vvl- kerbunb barzulegen.
Abessinien und die Mondatsfrage.
Abdis Abeba, 19. Juli. (DRB.) Der Kaiser versicherte erneut, daß im Falle eines Krieges Ausländer im Lande verbleiben könnten, daerfürihre Sicherheitgarantiere und in dieser Richtung alle Vorsorge getroffen habe. Der abessinische Außenminister erklärte, in der Parlamentsrede des Kaisers fei nicht zum Ausdruck gekommen, daß außer der Ablehnung eines italienischen Mandats überhaupt jedes Mandat einer fremden Macht abgelehnt werde.
Japan verstimmt
Tokio, 19. Juli (DRB.) Der japanische Außenminister H i r o t a erklärte dem italienischen Botschafter, daß der japanische Botschafter in Rom keinen Auftrag gehabt habe, eine Erklärung zum Abessinienkonflikt in der bekannten Form abzu- geben. Die italienische Darstellung sei unrichtig, baß sie eine Stellungnahme gegen Abessinien erkennen lasse. Japan werbe die weiteren Vorgänge aufmerksam verfolgen, Da es ebenso wie Englanb und Italien an Der italienisch-abessinischen Frage insofern politisch interessiert sei, weil sich Rückwirkungen in wirtschaftlicher Hinsicht auch für Japan ergeben könnten. Die japanische Presse spricht von einer ernften Verst i m m u n g über Das italienische Communiquä unD rechnet mit einem Botschafterwechsel in Rom.
Aegypten.
Italienische Blättermeldungen.
Mailand, 20. Juli (DRB. Funkspruch). Die Mailänder Presse behauptet, in gewissen ägyptischen Kreisen herrsche Besorgnis, daß eine Besetzung Abessiniens durch Italien eine Verstärkung Des englischen Einflusses auf Aegypten zur Folge haben werbe. Damit würbe bie Unabhängigkeit Aegyptens gefährbet werden. Begründet wird diese Ansicht damit, daß England im Falle einer Festigung der italienischen Position im Roten Meer seine eigene Stellung am Eingang des Roten Meeres verstärken werde. Aus dem ägyptischen Blatt „Mussauar" wird die Nachricht übernommen, daß
London, 20. Juli (DRV. Funkspruch). Dem Korrespondenten des „Daily Expreß" gab der Duce zu verstehen, daß seine afrikanischen Pläne weder durch eine europäische Krise noch durch das Eingreifen europäischer Staaten beeinflußt werden konnten. Mussolini erklärte, seiner Ansicht nach werbe es während der nächsten drei Jahre keinen Krieg in Europa geben. Mussolini stellte in Abrede, daß er einen Angriffkrieg gegen Abessinien plane und sagte: „2B i r müssen bereit fein, für den Fall, daß uns die Abessinier angreifen“. Lr sprach dann von den außerordentlichen Schwierigkeiten irgendwelcher militärischer Unternehmungen 3000 Meilen von der Heimat entfernt und beantwortete die Frage, ob ein Krieg unvermeidlich sei, mit den ausweichenden Worten: „Das will ich nicht sagen“. Ein gemeinsames italienisch-englisch-französisches Protektorats in Abessinien bezeichnete Mussolini als „u n- möglich und undurchführbar“.
Als der Pressevertreter von der Möglichkeit einer friedlichen Lösung sprach, sagte der Duce: „In Amerika schreien sie alle Frieden, Frieden! und die Kommunisten, Sozialisten, Bolschewisten und politischen Freimaurer Europas schreien ebenfalls nach Frieden. Es ist leicht, nach dem Frieden zu schreien, aber ich bin in einer sehr schwierigen Lage. Ich muß für alles, was kommen mag, bereit fein. Ich muh für einen Angriff in einer Entfernung von 3000 Meilen vom Mutterlande bereit fein.“
Auf die Frage, ob Italien aus bem Völkerbund austreten werde, gab Mussolini die Antwort: „D a s will ich nicht sagen. Ich werde Italien nicht jetzt aus dem Völkerbund heraus- nehmen. Ich ziehe es vor, ein Mitglied zu bleiben.“ Er glaube wohl, daß der Völkerbund irgendwie auf den abessinischen Appell eingehen müsse, aber i m Falle China habe der Völkerbund nichts
man in Aegypten Die Ankunft don fünf britischen Regimentern aus England u n b I n b i e n erwarte. Auch im ägyptischen Meer, Das bekanntlich unter englischer Führung steht, würden sehr lebhafte Vorbereitungen getroffen. Man habe mit Der Bildung eines neuen ägyptischen Regimentes begonnen, das 817 SoIDaten unD 28 Offiziere zählen solle und bas wahrscheinlich für Den Suban bestimmt sei. Außerbem habe man mit Dem Bau einer großen Straße von Der Bucht von Mars» amatruh nach Den umgebenden Hügeln begonnen, wo sich ägyptische Militärplätze und Kasernen befinden. Marsamatruh bilde einen wichtigen Stützpunkt für Die EnglänDer an Der ägyptischen West- grenze.
getan, und er habe auch ben Krieg im Lhaco nicht verhindert. Mussolini fragte bann: „Warum traten bie Bereinigten Staaten nicht in ben Bötferbunb ein?“, worauf ber Pressevertreter sagte: „Weit bie Vereinigten Staaten ben Versailler vertrag nicht lieben“. Der Duce erwiberte: „Der Versailler Vertrag ist sogut wie erlebigf. Die Reparationen sind ausgelöscht, bie Reiberei ist zu Enbe, bie Abrüstung ist zu Enbe,“ Auf bie Frage, ob bie koloniale Entwicklung Abessiniens hanb an hanb mit militärischen Operationen gehen solle, antwortete Mussolini: „Jawohl, Sie haben recht!“
Italien wird feine zivilisatorische Ausgabe eWen.
Auch „Herold Tribüne" (Neuyork) bringt eine Unterredung mit Mussolini, in Der Der italienische Regierungschef u. a. ausführt: Nach 50jährigen, wohlgemeinten, aber fruchtlosen Versuchen sei Italien jetzt entschlossen, Das Abessinien- Pro b lern ein für alle mal z u losen. Italien sei sich seiner zivilisatorischen Auf- a a b e n , Die es in Abessinien nicht nur in eigenem, sondern im N ame n Der ganzen westlichen Welt zu erfüllen habe, bewußt unD entschlossen, diese Aufgabe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Durchzuführen.
Auf die Frage Des Berichterstatters, ob ein Abessinien-Krieg evtl, einen europäischen Konflikt nach sich ziehen konnte, erwiDerte Mussolini, Daß es sich um ein rein afrikanisches Kolonial- Problem handele und er daher nicht einsehen könne, wie sich Daraus Schwierigkeiten für Europa ergeben sollten. Die Abessinien-Frage, gleich, wie sie sich entwickeln roerDe, werDe aber auf keinen Fall zur Folge haben, daß sich Italien seinen Aufgaben einer europäischen Großmacht entziehen werde. Italien fei bereit, jeder Entwicklung auf dem europäischen Kontinent gegenüberzutreten.
Mussolini erklärt, Italien plane keinen Angriffskrieg in Ostafrika.
„Mr muffen bereit fein!"
Dan Den Wasserzufluß für seine BaumwollfelDer zu sichern. Hieran hat natürlich auch Aegypten ein außerorDentliches Interesse. Weiter finden die italienischen Ausdehnungspläne begreiflicherweise auch jenseits des Roten Meeres bei den arabischen Staaten größte Aufmerksamkeit. Hier hat sich ja früher schon eine lebhafte britisch-italienische Rivalität bemerkbar gemacht, als Der Wahabitenkönig Ibn SauD vom HeDschas aus auf Das füDlichere Asir unD schließlich auf Das an Den Golf von ADen stoßenDe Nemen Übergriff. Hier weckt also ein italienischer Kolonialkrieg gegen Abessinien starke nationalistische Gefühle. Die Erklärung bes Kaisers Halle Selassie, Daß Abessinien bis zum letzten Mann für seine Unabhängigkeit kämpfen und lieber mit seinem Volke sterben werbe, als seine Freiheit verlieren, erregt Sympathien nicht nur in Aegypten, sondern auch in den ehemaligen britischen Mandatsländern Irak und Transjordanien, wenn Deren arabische Herrscher auch aus Furcht vor Ibn Saud sich ben britischen Schutz gern gefallen lassen. So kann Der Abessinienkonflikt wie eine Sprengpatrone wirken, Die Die ganze nur mühsam zur Ruhe gebrachte Welt Des Nahen Ostens erneut in Bewegung bringt. England weiß, was hier auf Dem Spiele steht und ist deshalb auf Der Hut, wenn nun einmal Italien nicht Davon abzuhalten ist, im Frühherbst den KriegspfaD zu beschreiten.
Kabinettsumbildung in Griechenland.
Die Frage der Staatsform.
Athen, 19. Juli. (DNB.) Kriegsminister unD stellvertretender Ministerpräsident General Kon- d Y l i s sowie Landwirtschaftsminister Theotokis haben überraschend ihren Rücktritt erklärt. Ministerpräsident T s a l d a r i s forderte im Ministerrat, in der es in der Frage d e r Staats- form zu Meinungsverschiedenheiten gekommen war, die übrigen Minister auf, ihren Rücktritt einzureichen. In einer am Freitagabend im Hause des Außenministers Maximos abgehaltenen Ministerbesprechung kamen Ministerpräsident T s a l b a r i s und der stellvertretende Ministerpräsident Kondylis dahin überein, auf den bereits beschlossenen @ e f a m t r ü tf t r i 11 des Kabinetts zu verzichten und dafür nur eine T e i lumbildung des Kabinetts vorzunehmen. Diesem umgebildeten Kabinett werden Ministerprä- fiDent Tsaldaris, die Minister Kondylis, Maximos und Pesmazoglu angehören. Zum Kabinett treten als Minister für Wohlfahrt Sa- o a s -Das Flugwesen übernimmt Ricolaidis, ^.'ch°'.tbMnister wird K a r t a I i s, Minister für NA Romanos, während das Landwirt- ichaftsministerium Theodorides leiten wird.
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Der Regierungsumbau in Athen ist eine lieber« rafmung, mit der man offenbar in Griechenland elbft nicht gerechnet hatte. Denn nach Den Wahlen fdjien alles innerpolitifch einigermaßen in Ordnung ju fein, wenn auch noch gewisse Streitfragen, so Die Verfassungsänderung und Die Festsetzung Des Volksentscheides über die Wieder-
einführun g Der Monarchie offen waren. Ja, nach dem günstigen Ergebnis Der Reise griechischer Abgesandter an die Königshöfe in London, Belgrad und Rom wegen der griechischen Königsfrage, konnte mit einer verhältnismäßig raschen UeberwinDung auch Der letzten Schwierigkeiten gerechnet werden. Die Ministerkrise wurde ausgelöst durch die Haltung Des Generals KonDylis, Der nach feiner Rückkehr aus Rom unD Belgrad Den Ministerpräsidenten Durch feinen Rücktritt zu einer klaren Stellungnahme in der Frage Der ©taatsform zu zwingen versuchte. Kon- Dylis meinte, er könne nach der Abreife bes Ministerpräsidenten Tsaldaris nach Deutschland nicht bie Stellvertretung in einem Ministerium übernehmen, dessen Mitglieder in Der Frage Der Staatsform gegenteiliger Meinung feien. Außerdem sei nach Ar sicht Kondylis Die von Der Regierung versprochene Neutrali - t ä t in dieser Frage währenD seiner Abwesenheit nicht eingehalten worden. — In Athen erwartet man eine normale Entwicklung der Verhandlungen zur Beilegung Der Regierungskrise. Für die neue Regierung bleibt natürlich Die alte Aufgabe. GriechenlanD würbe sicher von neuem inneren Unruhen ausgesetzt sein, wenn bas nächste Kabinett etwa Den Versuch machen sollte, die Losung ber Königsfrage auf die lange Bank zu schieben.
Oie deutsch-englische Fronikanieradschast.
Berlin, 19. Juli (DNB.) Am Donnerstagabend nahmen bie englischen Frontkämpfer gemeinsam mit bem Reichskriegsopferführer Dberlinbober, dem Führer des Kyffhäuferbundes Oberst a. D. Reinhard und Vertreter des N S. - D e u t - schen Frontkämpferbundes an einem Kameradschaftsabend der NS.-Kriegs- opferoerforgung im Lehrervereinshaus am Alexanderplatz, Berlin, tert. Reichskriegsopferführer Oberlindober erklärte in feiner Begrüßungsansprache, daß die deutschen Frontkämpfer allen die Freundeshand zu reichen bereit sind, die die beut» sche Soldatenehre hochachten mfb die gewillt sind, dem Frieden auf der Grundlage gleichen Rechtes und gleicher Sicherheit zu Dienen. Der Führer Der englischen Legionäre, Major Fetherstone G o b- ley Dankte noch einmal für Die sreunDliche Aufnahme und versprach, für eine Weiterverbrettung der in Deutschland gewonnenen Eindrücke in England zu sorgen. Zum Abschied hoben deutsche Frontkämpfer Major Fetherstone-Godley auf die Schul- tern und gaben damit ihrer kameradschaftlichen Verbundenheit mit Den englischen Frontkämpfern AusDruck.
Vor Dem Kameradschaftsabend der NSKOV. waren Die englischen Delegierten Gäste des Bunbesleiters Des NS. -Deutschen ^r?"t?ä^pserbunDes, Arbeitsminister Ae er-c an dieser Veranstaltung nahmen
die Führer Der deutschen Frontkämpferverbände teil. Unter Den anwesenden Kameraden und Lan- Desfuhrern Des NS.-Deutschen Frontkämpferbundes befand sich auch General a. D. von Lettow- Vorbeck. Bundesletter Seldte begrüßte die eng
lischen Gäste mit einer kurzen Ansprache, auf die im Namen der Engländer Oberst C r o ß f i e l d antwortete. Mit herzlichen Worten würdigte Oberst Croßfield die Waffenbrüderschaft des großen Krieges, die ein gemeinsames Band zwischen allen Frontkämpfern hergestellt habe. Er schloß mit den Worten: „Wir alten Waffenbrüder Des Krieges wollen jetzt zusammen stehen zur Arbeit für ben Frieben und wollen gute Freunde bleiben."
Am Freitagnachmittag folgten bie britischen Frontkämpfer einer Einladung bes Stellvertreters bes Führers Rubolf Heß, in Der Klinischen Abteilung für Sport- unD Arbeitsschäben Der Heilanstalt Hohenlychen bie Methoden kennenzulernen, mit Denen Durch Arbeits- und Sportschäden Verletzte und Körperbehinderte körperlich wiederhergestellt und für ihren Beruf seelisch wieder vorbereitet werden. Der Chefarzt Dr. Gebhardt, nach dessen Idee die Hohenlychener Heilanstalt entsprechend ihren neuen Aufgaben umgestaltet worden ist, erläuterte bie Anlagen und Arbeit in den Heilanstalten. Die englischen Gäste, unter denen sich auch Kriegsverletzte befinden, hatten sichtliches Interesse, besonders an den sportlichen Vorführungen, die Patienten der Heilanstalt zeigten. In der Heilanstalt befindet sich auch eine größere Anzahl von kriegsoerletzten Soldaten, die hier nach Den neuen Methoden von Dr. Gebhardt für ihre Berufe wieder tauglich gemacht werden.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
In Deutschland hält noch immer bas vorwiegend trockene unb im Süden auch sehr heitere Wetter an. Bis auf das Küstengebiet, wo es wieder kräftige Gewitterschauer gab, hielt sich bie Nieberschlagstätig. feit in äußerst schwachen Grenzen. Allgemein zeigte sich die Gesamtverschlechterung in zunehmender hoher Bewölkung. Bei weiterem Druckfall, Der durch Die starke Erwärmung begünstigt wirD, bildet sich am Samstag eine Flachstörung aus, hinter ber kältere Luft vom Westen herdurchdringen wirb. Es ist anzunehmen, baß hierbei allgemeine Gewittertätigkeit auftritt, die sich vom Westen nach Osten ausbreitet.
Aussichten für Sonntag: Nach Gewittertätigkeit in ber Nacht zum Sonntag bewölktes späterhin wieber aufflärenöes Wetter, bei frischeren westlichen Winden kühl und einzelne Schauer.
Aussichten für Montag: Wieder überwiegend freundliches, wenn auch nicht ganz beftän- biges Wetter.
Hauptschriftleiter: Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für ben übrigen Teil i. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10 150. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch» und Steindruckereß
R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr,- mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.


