Donnerstag, 20. Zum M5
Nr. Nl Drittes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
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Die Welt bereitet Olympia vor
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so nicht nur Japan und Nordamerika, die infolge ihres weiten Anmarschweges keine Zeit zu weiteren Vorbereitungen für die bereits im Februar 1936 beginnenden Olympischen Winterspiele haben, son-
Die 4X100-Meter-Stafette gewann die Mannschaft der Universität Gießen mit Scharf, Luh, Acker und Müller in 45,7 Sekunden vor der Friedberger Lehrer-Hochschule mit 46,6 Sekunden._____________
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Don brasilianischer Seite wurde zum Ausdruck gebracht, daß für die Olympiade in Deutschland das allergrößte Interesse bestehe.
Der Präsident des französischen Fußball-Derban- des, Jules Rimet, erklärte, daß an einer Teilnahme Frankreichs am Fußballturnier nicht zu
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lieber dem Universitätssportplatz lag Heller Sonnenschein, als unter dem Kommando von Dr. Lotz die Sportler mit der Hakenkreuzfahne und der Fahne der Universität in die Kampfbahn einmarschierten.
Ministerialrat Ringshausen hielt sodann eine Begrüßungsansprache, über die wir aji anderer Stelle berichten.
Mit unvorbereiteten Freiübungen der Grundausbildung begannen die sportlichen Wettkämpfe. Durch den aufgeweichten Boden waren besondere Leistungen nicht zu erzielen.
Im Kugel st oßen erzielte Luh mit 14,68 Meter, einen neuen Hochschulrekord.
Staab erreichte mit 10:19 im 3000-Meter- Lauf der Grundausbildung die Bestleistung des
Vertrauen von Hunderttausenden von Anhängern zu rechtfertigen, denn der allgemeine Tip heißt: „Schalke". Ganz so sicher erscheint dieser Tip aber nicht, denn man gibt den Schwaben mindestens die gleichen Aussichten. Entscheidend für den Sieg am 23. Juni wird nicht nur das spielerische Können, sondern auch die Ruhe, Konzentration und die körperliche Tagesform der Mannschaften und nicht zuletzt das — Glück sein. Warum sollte dieses nicht einmal mit dem „Außenseiter" sein? Die beiden Mannschaften werden sich wahrscheinlich in folgender Besetzung gegenüberstehen:
Schalke: Mellage; Bornemann, Nattkämper; Tibulfti, Szepan, Valentin; Kallwitzki, Gellesch, Pörtgen, Kuzorra, Urban.
Stuttgart: Kapp; Seibold, Weidner; Rebmann, Buck, Hahn; Koch, Rutz, Haaga, Bökle, Lehmann.
Oer Erwerb des Zieichssportabzeichenö im Schießen.
Die Vereinsführer der dem Reichsbund für Leibesübungen angegliederten Vereine werden ersucht, diejenigen Leute, die ihre Bedingungen für das Deutsche Reichs-Sportabzeichen im Klein - oder Großkaliberschießen erfüllen wollen, bis spätestens Mittwoch, 26. Juni, dem Fachamtsleiter Ed. G o n d n e r, Steinstraße 84, namentlich mit genauer Adressenangabe zu melden. Es ist geplant, einen unentgeltlichen Kursus zum Erwerb des Reichs-Sportabzeichens im Klein- oder Großkaliberschießen abzuhalten.
100-Meter-Lauf: 1. Scharf DdSt. 11.6 Sek.; 2. Müller FrSt. 11.8; 3. Felsing 11.8 (um Brustbreite zurück).
Keulenweitwurf: 1. Winter (Arminia) 61:65; Luh warf außer Konkurrenz 68,46 Meter.
3 0 0 0 Meter (Grundausbildung und Entscheidung: 1. Knauß (Chattia) 10,27 Min.; 1. K. Mayer 10.27 Min.; Collinschon 10:53,5 Min.
Weitsprung: 1. K. Felsing 5,81 Meter; 2. Lindenstruth Chattia 5.49 Meter; 3. W. Teupe 5,20 Meter. _ . AO
Kugel st oßen: 1. Müller, B. Germania, 12,08; 2. Winter, Arminia, 11,70; 3. W. Teupe, 11,62 m.
4 mal 200 -Meter-Staffel der Korporationen: 1. Chattia, L., 1:46,8 Minuten; 2. Germania, B., 1:47,1 Minuten; 3. Merovingia, L., 1:48,2 Minuten.
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Das Endspiel um die deutsche Iußdallmeisierschast.
Im Fußball hat ein Endspiel zur deutschen Meisterschaft wohl noch kaum diese Spannung hervorgerufen, wie das Treffen von 1935, das im Kölner Stadion die Mannschaften Schalke und VfB. Stuttgart zusammenführt. Mehr als 70 000 Zuschauer werden diesem Treffen beiwohnen und ihre Zahl wäre um viele Zehntausende höher, wenn man in Deutschland eine größere Anlage besitzen würde; man brauchte sich dann nicht mehr bescheiden vor englischen Meisterschafts- und Cup- Besucherzahlen zu neigen.
Mit dem VfB. Stuttgart ist eine Mannschaft in das Endspiel gekommen, der niemand diesen Weg vorausgesagt hätte. In zähem Ehrgeiz haben die Schwaben diesen Erfolg errungen, und sie sind durchaus nicht geneigt, sich am Sonntag bedingungslos ihrem Gegner zu ergeben, auch wenn es sich hier um den deutschen Meister von 1934 und um die berühmten „Knappen" handelt. Die Schwaben werden sogar für den Deutschmeister einen schwereren Gegner abgeben als irgendeine andere, seit Jahren zur ersten Klasse gehörende Mannschaft, denn sie haben nichts zu verlieren und alles zu gewinnen und können den Kampf von der ersten bis zur letzten Minute mit Ruhe und Uebertegung und ohne Nerven durchführen, anders ist es aber bei den Westdeutschen. Sie haben ein Prestige zu wahren, sie haben eine Vormachtstellung und ein
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Luh, Gießen, erzielt einen neuen Hochschulrekord.
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Als wir dann mit einstündiger Verspätung an unterem Bestimmungsort eintrafen, erhielten wir zunächst einen höllischen Anschnauzer ->°M Bez.rks- felbmebel; dann mutzten wir zur Strafe drei volle Stunden warten, bis alle Ortschaften dran waren, ftait eine aanze Stunde standen wir barfuß, nur kn Hemd und Hose. Ich weiß, noch fehr gut, wir kamen uns in dieser Situation sehr klein und häßlich vor. Es durfte nicht gemuckst und nicht gebrummt werden. Mit gemischten Gefühlen ge- dackten wir unserer formen, übermütigen Ausfahrt am Morgen. Der Magen knurrte, das Bratze,t- machen war verboten.
Dann endlich kam der Buchstab- B daran, und wir reihten uns hintereinander, leben Augenblick
der Auswahl der Olympiateilnehmer, der Vorbereitung und Finanzierung der Reise nach Berlin unb — heute schon — mit der Organisation eines schnellen Nachrichtendienstes während der Spiele von Berlin nach Buenos Aires.
Besonderen Werl legen die Argentinier auf die Einhaltung der Bestimmungen der Olympischen Spiele in sittlicher Beziehung bei der Auswahl der Teilnehmer.
So wie die Norweger, denen natürlich ein gutes Abfchneiden bei der Winter-Olympiade besonders am Herzen liegt, sich Schweizer Abfahrtsläufer als Lehrer ins Land gerufen haben," haben sich die Engländer als Trainer ihrer Leichtathleten den bekannten norwegischen Leichtathleten Hoff gesichert, der in erster Linie für die Ausbildung der englischen Leichtathleten in den Sprung-, Stoß- und Wurfwettbewerben sorgen soll, in denen die Engländer bekanntlich schwächer sind als in den Laufwettbewerben. Die Oesterreicher ihrerseits haben sich zum Training ihrer Ruderer den englischen Trainer Arlett geholt. Sie denken daran, auch für die übrigen Sportzweige ausländische Trainer zu verpflichten — der österreichische Leichtathletikverband hat den Amerikaner Bruce bereits gewonnen. Ueberhaupt macht Oesterreich große Anstrengungen, mit einer tüchtigen Mannschaft nach Berlin zu kommen; Fußballer, Handballer und sogar die Polizisten stehen in systematischem Training. Die Gründung eines ständigen Olympia-Trainingslagers ist geplant. Aber auch einen Trainer für das Ausland stellen die Oesterreicher: der Wiener Willi Nabe wurde vom polnischen Kanuoerband eingeladen, die polnischen Rennpaddler für Berlin vorzubereiten. Dänemarks Olympia-Schwimmer sollen von der bekanntesten dänischen Schwimmerin Else Jacobsen für Berlin vorbereitet werden, und der französische Leichtathletikverband veranstaltete in Antibes unter den klimatischen Vorteilen der Mittelmeerküste einen Olympia-Lehrgang für etwa 40 Leichtathleten aus allen Teilen Frankreichs.
Zu diesen Meldungen aus allen Teilen der Wett kommt die Tatsache, daß verschiedene 3ta-
bereit, splitternackt wie Adam im Paradies vor die hohe Kommission hinzutreten. —
„Wunderhorn, Florian", brüllte auf einmal der dicke Feldwebel.
„Hier!" rief ich und trat vor und in den Saal; ich muhte jetzt unwillkürlich an meinen Vater denken, an feinen Ausspruch am Morgen: „Florian, Kopf hoch und Brust heraus, rechte Hüfte em- gezogen, wenn du vor den Arzt trittst, verstanden!
„Haben Sie einen körperlichen Fehler, oder sind Sie krank?" fragte man mich.
„Nein, Herr Stabsarzt!" gab ich laut, — wie es der Feldwebel uns zuvor auf die Seele gebunden hatte — zur Antwort. Ein Schreiber las dann meine Personalien vor.
Dann wurde ich gemessen, gewogen, behorcht, beklopft, betastet, ich mußte marschieren, die Knie beugen, die Arme breiten, die Zähne zeigen, ohne Brille auf Entfernung lesen und so fort. Ich kam mir wie ein dressierter Pudel vor.
„Haben Sie Wünsche bezüglich Waffengattung?
„Zur Infanterie, wenn ich bitten darf, Herr Stabsarzt." ,
„Hmh, — ja, —: der Mann ist tauglich, Einjährig-Freiwilliger, Infanterie", entschied der Stabsarzt zum Schreiber hinüber.
Ich war stolz über diesen Entscheid und behielt meine stramme Haltung auch den ganzen Tag über bei. Meinen um zwei Jahre älteren, herkulisch gebauten Bruder, der jeweils auf ein Gesuch hm zweimal zurückgestellt worden war, und den meine Eltern wegen der vielen Arbeit auf dem Hofe freizubekommen hofften, nahmen sie am selben Tag zur schweren Artillerie. Mein Vater hatte nun fein doppeltes „Sedan". Die Siegeskunde soll er mit einer süß-sauren Miene ausgenommen haben.
Der Abend im Dorf verlief dann bei Sang und Harmonikaklängen in ausgelassener Fröhlichkeit. Die Mädchen wurden ins Wirtshaus geholt und von den fträußchengeschmückten Burschen zum Tanz auf- aefordert. Die Alten waren mit, vergnügt und heimlich stolz, weil ihr Sohn als tauglich befunden wurde, den Soldatenrock zu tragen. —
Und fo fall und wird es jetzt wieder fein! Wir haben wieder eine große Armee, und jeder wehrhafte Bursche im Dorf weiß, daß er nicht nur fein Feld bestellen, sondern nötigenfalls auch ferne Heimat verteidigen darf. Pflug und Schwert sind wieder, wie ehemals, die vollgültigen Wahrzeichen des deutschen Bauerntums.
Der Tag der Musterung kam. Mit den gestellungspflichtigen Burschen des Dorfes sollte ich ihn erleben. In aller Herrgottsfrühe, um 6 Uhr, fuhren wir auf einem mit Girlanden aus Tannenreis und farbigen Bändern reich geschmückten ßeiterroaaen in orschem Tempo singend, johlend und jauchzend zum Dorf hinaus. Den Wagenfchmuck hatten am Vorabend die Mädchen des Dorfes angebracht. Die schweren Pferde waren zuvor auf Glanz heraus- aeputzt und mittels Hafer und dreitägiger Stallruhe auf effektvolles Wildsein und rassiges Betragen dressiert. Mein ältester Bruder führte die Zugel und war stolz über alle Maßen, weil er die feurigsten Rosse des Dorfes zeigen konnte. Ich faß über der Wagenbremfe und mußte auf den Wink meines Bruders biefe anziehen oder lockern; dabei bediente ich mich, um nicht immer abfteigen zu müssen, eines sog. Bremsscheites.
Unser Dorfnamen beginnt mit dem Buchstaben B, und wir mußten punkt 9 Uhr — „sauber gewaschen und in frischer Wäsche", wie es im Befehl des Bezirkskommandos hieß — vor dem Musterungslokal angetreten sein. Das wäre auch leicht gegangen, wenn uns unterwegs nicht em . Malheur passiert wäre. Vor einer sehr abschüssigen Stelle, die man sonst nie ohne Sperrkette oder Radschuh befuhr, unterließ mein Bruder, zu halten, der Wagen, auf dem 35 Burschen mit schätzungsweise 50 Zentnern Gesamtgewicht faßen, kam in Schwung und mit ihm die zurücksperrenden Pferde, denen ich, beklagenswerter Bremser, keine Erleichterung mehr geben konnte. Der Lenker riß in der Not die Tiere rechts bergan, der Wagen, von dem bereits alle bis auf den Fahrer und mich abgesprungen waren rutschte quer über den Weg wobei die Deichsel brach. — Bis aus dem nächsten Dorf Ersatz da war, verging immerhin eine volle Stunde.
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Don der chinesischen Heilkunde.
Der Kaiser Shen-nung, der ungefähr 2700 Jahre vor Christus gelebt haben soll, wird von den Chinesen als der Begründer ihrer Heilkunde angesehen. Er war nach ihrer Ansicht der erste, der von den heilkräftigen Eigenschaften der Kräuter und ihrer Anwendung bei der Behandlung von Krankheiten Kunde hatte, und er versäumte es nicht, seine Kenntnisse durch Niederschriften seinen Nachfahren zugänglich zu machen. Sein Hauptwerk heißt „Shen- nung ts'ao fing". Die eigenartigen medizinischen Behandlungslehren gründen sich auf das Vorhandensein zweier Urprinzipien, Pin und Pang, was man als „Hitze und Feuchtigkeit" übersetzt hat. Sie geben allen Dingen Leben und Bewegung, und die Gesundheit des Menschen hängt von der Erhaltung des richtigen Gleichgewichts dieser beiden Grundkräfte ab. Nach einer anderen Lesart sind Pin und Pang zwei Urkräfte, eine Naturkraft weiblichen Geschlechts und eine Naturkraft männlichen Geschlechts, und die Gesundheit beruht auf der gleichen Macht beider Grundkräfte des Lebens. Durch religiöse Zeremonien in den Tempeln medizinischer Gottheiten und durch Zaubersprüche kann man sich unmittelbar bei diesen uralten Autoritäten Rat holen. So findet man in den Tempeln Bilder berühmter Aerzte, die zu Göttern erhoben worden sind und verehrt werden. Besonders auf zehn berühmte Doktoren wird oft Bezug genommen, aber es gibt kaum zwei Namens- listen von ihnen, die miteinander übereinstimmen. Manche dieser Gottheiten haben Verzeichnisse von numerierten ärztlichen Vorschriften, und durch ent- svrechend numerierte Bambusstäbe zieht der Patient die Vorschrift, die sich für seine Krankheit eignet. Bei der Untersuchung eines Kranken richtet sich der chinesische Arzt hauptsächlich nach dem Verhalten des Pulses, dem Aussehen der Zunge und dem Ausdruck des Gesichts. Die Pulse geben den Zustand bestimmter Organe an, je nachdem sie am rechten oder am linken Arm liegen. Die geringen Unterschiede an Stärke, Art und Rhythmus des Pulses, die die chinesischen Doktoren festzustellen behaupten, sind für den Europäer kaum wahrnehmbar. Daneben gibt es eine Lehre von der doppelten Zirkulation, nach der die „Geister", die Träger der Urprinzipe Pin und Pang, im ganzen Körper verteilt sind. Die Heilmittel der Chinesen sind zahllos und werden von Kranken und Gesunden ausgiebig benutzt. Die klassische Autorität bei dem Gebrauch von Drogen ist Die „Pents ao kang-mu", eine Uebersicht über die alte Kräuterkunde, die von Li-Shi-Chen im 16. Jahrhundert zusammengestellt worden ist.
Die Fndustrie-
und Handelskammer Gießen
gibt Auskunft:
890: Dreiprozentige Lizenzabgabe auf Einfuhrsendungen in Italien.
891: Wiederzulassung der Ausfuhr Brasiliens nach Deutschland im Verrechnungswege.
892: Sonderbewilligungen von Devisen in Dänemark für Einfuhr aus Deutschland.
893: Beim Postversand von Koffern Aufschriftfahne haltbar befestigen und doppelte Aufschrift in die Sendung legen.
894: Französische Einfuhrkontingente für Wäschestücke.
895: Die Ausstellung einer allgemeinen Genehmigung für Nebenkosten im Warenverkehr nach IV/18 Ri. ist für das dritte Quartal 1935 umgehend zu beantragen. Die erforderlichen Antragsvordrucke find bei der Kammer anzufordern.
„VMem, wirst du ein Relrut..."
Eine Erinnerung von Florian Wunderhorn.
Mein Urgroßvater diente als treuer, gehorsamer Untertan eines deutschen Fürsten in der napoleonischen Armee; mein Großvater führte anno 1848 einen Trupp süddeutscher Bauernrebellen an; mein Vater machte die Kriege 1866 und 1870/71 mit, — also warum sollte ich, der jüngste Sproß eines fo wehrtüchtigen Bauerngeschlechts, nicht auch die Flinte schultern, den Ehrenrock tragen dürfen?!
Das Militärmaß betrug 1908 — m dlefem Jahre kam ich zur ersten Musterung — 166 Zenttrneter. Ich maß aber nur 165, bei einem Gewicht von 120 Pfund. „Der Florian wird zur leichten Reiterei kommen", sagten die Leute im Dorf „Ja, zur reitenden Gebirgsmarine!" hänselte mich dann mein Vater, der noch alle Kasernenwitze kannte. Ich weiß noch, er schämte sich meiner ein wenig, wenn gelegentlich von jemand meine Militartauglichkeit angezweifelt wurde, und mit feiner heimlich bangen Krane: „Wird der Tag der Musterung meines Sohnes Florian für mich zu einem Jena oder zu einem Sedan werden?" vergrübelte er sicher manche ^Auch mir war's nicht ganz wohl zumute, nicht etwa, weil mir noch ein ganzer Zentimeter am Militärmaß fehlte, (den konnte man, dachte ich, in ben paar Monaten noch mit täglichen Streckudungen h nwaeminnen) nein! es war noch was anderes: L roar Brillenträger, meine linke Schulter hing mehr berun er als die rechte, und meine Brust wölbte^ sich mehr nach innen statt nach außen. Woher das kam?, wollte dieser oder: jener „Don der Schulbank, zwölf volle Jahre hlndurch vom Stuberihocken, - von der Lebenswege bei einer überängstlichen $cnftonsmu ter! ^ab dann mein Vater immer zornig zur Antwort Unv er hatte lum Teil recht. Turnen und Sport wurven damals in der Schule noch nicht fo eifrig gepflegt das Wandern war das Vorrecht solcher die Sonntags nicht auszuschlafen, keinen Brief an die Eltern zu schreiben und kein Latem zu -ochsen braucht . ö Aber jetzt, mit 19 Jahren, war halt Nichts meh zu ändern! Die körperliche Welter- und ^oUent- wicklunq war nach Ansicht meines Vaters nur noch beim Militär möglich; - daß ich mich« aber dort noch zu einem Herkules auswachsen wurde oas glaubte er wohl selbst nicht mehr Zur Kavallerie durfte ich nicht, das kam ihm zu teuer. Also blieb die Infanterie, aber geraoe da wurden ja die größten körperlichen Anforderungen gestellt.
lebhafteste Interesse für die Vorbereitungen der Olympischen Spiele. Die sportlichen Veranstaltungen der letzten Monate haben in Nordamerika gerade unter dem Gesichtswinkel des amerikanischen Ehrgeizes der Behauptung des traditionellen ersten Platzes auch in Berlin Ergebnisse gezeitigt, mag es nun in der Leichtathletik oder im Schwimmen gewesen sein, die zu so früher Jahreszeit als sensationell empfunden wurden. Ein Werbeabend der Deutschen Gesandtschaft in Brasilien in Rio de Janeiro, der Vorträge und Filmvorführungen zur Werbung für die Olympischen Spiele in Berlin bot, wurde in Sportkreisen und in der ganzen Öffentlichkeit außerordentlich
Hochschule für Lehrerbildung in Friedberg.
" ....... H.f.L. Friedberg
zweifeln fei. In der englischen Öffentlichkeit werden Stimmen laut, die für die Teilnahme Englands sprechen. „Evening Standard" spricht davon, daß für England kein Hinderungsgrund mehr vorhanden sei. Der italienische Fußballverband hat bereits offiziell erklärt, daß Italien mir einer Amateurmannschaft vertreten fein roirbj Finnland und Dänemark nahmen bei der Behänd* lung der Frage eine derart freundliche Stellung ein, daß auch mit ihrem Kommen zu rechnen ift
In zunehmendem Maße — beinahe etwas ungewöhnlich für England — beschäftigt sich die englische Presse mit den Spielen von Berlin. Unter anderem nahm sie Notiz davon, daß in Oxford und Bristol Filmvorträge zur Werbung für die XI. Olympiade gehalten wurden. In Bristol sprach Professor Jäck von Marburg, der mit Mar* burger Studenten an einer Versammlung der „Bristol University German Society" teilnahm, in Oxford war der deutsche Club Veranstalter.
Als besonders kennzeichnend darf zum Schluß ein Satz aus einem Schreiben wiedergegeben werden, das der Präsident des ungarischen Senates für Körperkultur, Dr. Cornel von Kelemen, vor kurzem an die deutschen Turner richtete:
„Die laufenden Arbeiten des ungarischen Sportlebens, die fieberhaften Dorarbeiten für das Berliner Olympia, machten es mir leider unmöglich, daß ich an dem ersten deutsch-unga
rischen Wett-Turnen persönlich erscheine."
Das Faustballspiel der Burschenschaft Germania gegen die Freistudentenmannschaft gewannen die Freistudenten mit 52:38 (37:19) Punkten durch größeren Spieleifer. Auf dem glatten Rasenboden waren besondere Leistungen nicht zu erwarten.
handball-kurzspiel: Universität — h. f. €. Friedberg 20:13 (11:7).
Der Kampf begann mit flotten Angriffen der Friedberger, die sofort in Führung gingen, bann erzielte Gießen sofort ben Ausgleich und konnte durch einen verwandelten Strafstoß in Führung gehen. Friedberg setzte immer wieder zu flotten Durchbrüchen an; konnte sich jedoch vor dem Tor gegen die gute Gießener Verteidigung nicht durchsetzen. Nach der flott gespielten ersten Halbzeit schien Friedberg noch einige Chancen zu haben. Nach der Pause zeigten sich aber die Lehrer abgespannt. Dis Mannschaft der Universität war zu guter Kombination und einem schönen Zusammenspiel aufgelaufen, so daß sie die Lage beherrschte. Erst beim Stand 20:10 ließen die Gießener Spieler im Eifer nach und die Friedberger Lehrer konnten im Endspurt noch drei Tore aufholen und damit das Endergebnis besser gestalten.
Mit dem Herannahen der Olympischen Spiele wächst natürlich nicht nur das Interesse des Publikums, sondern auch die Sorge der Verantwortlichen in den Nationalen Olympischen Komitees aller Länder für das Abschneiden der Wettkämpfer und für die Vorbereitung der Reise einer möglichst "zahlreichen Expedition von Sportbegeisterten zur Unterstützung der aktiven Teilnehmer und zur Hebung ihres Kampfgeistes ebenso wie zur Verbreitung des Widerhalles von den Olympischen Spielen 1936 nach der Rückkehr in das eigene Land. Fast täglich erhält das Deutsche Olympische Komitee Zuschriften aus den fernsten Ländern der Erde, die beweisen, daß man überall an die Olympischen Spiele in Berlin und ihre Erfordernisse denkt.
Wenn man erfährt, daß Japan, ein Land, welches mit die weiteste Reife nach Berlin vor sich hat, 350 Wettkämpfer und Wettkämpferinnen zu entsenden gedenkt, und wenn man des weiteren hört, daß die Tschechoslowakei allein zu den Olympischen Winterspielen nach Garmisch-Partenkirchen eine Expedition von rund 100 Dertretern des Landes schicken wird, so ist damit heute schon die vor einiger Zeit ausgesprochene Erwartung der deutschen Organisatoren bestätigt, daß die XI. Olympischen Spiele des Jahres 1936 in Berlin hinsichtlich der Beteiligung der Rationen alle vorangegangenen
Spiele bei weitem übertreffen werden.
Wie in der ganzen Welt für die XI. Olympiade in Berlin 1936 gearbeitet wird, geht aus einem Schreiben des Argentinischen Olympischen Komitees an den Organisationsausschuß in Berlin hervor. Die Argentinier haben fünf Ausschüsse für die Arbeit gegründet. Der Presseausschuß bringt über die tägliche Zusammenarbeit mit den Zeitungen hmaus eigene Werbeblätter und Plakate und wirbt durch Rundfunkvorträge, für die sich der Präsident des Argentinischen Olympischen Komitees selbst zur Verfügung stellt, wie durch Versammlungen in den Sportvereinen. Weitere Ausschüsse beschäftigen sich Mit
3
Weitsprung
2232
2078
Kugelstoßen
2243,2
1435
Keulenwerfen
2643
2163
4X100-Meter-Stafette
813,8
779,6
7932
6455,6 Pkte.


