Rr.M Drittes Blatt_____________Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)______________Montag, 20. Mai (935
Oberhessischer Kunstverein. AquarelleundGraPhikvonChristianRohlfs
Im Jahre 1931 haben wir zum ersten Male einige Bilder des heute 85jährigen Christian Rohlfs hier in Gießen zu Gesicht bekommen; vermutlich werden sich aber nur die wenigsten Besucher an diese Blätter erinnern. Die gestern eröffnete neue Ausstellung gibt nun erfreulicherweise ein sehr viel klareres und einheitlicheres Bild von der malerischen Persönlichkeit des Künsllers. Er ist in der Kunstgeschichte unserer Zeit als der „Maler der Türme und der Blumen" bekannt geworden; um diese zunächst nur stofflich abgrenzende und aussagende Bezeichnung wirklich lebendig und anschaulich zu erfassen, muh man freilich einen lieber» blick über das Gesamtwert haben, muß man — wozu wir seinerzeit ausführlich Gelegenheit hatten — die große Jubiläumsausstellung gesehen haben, die das Kronprinzenpalais in Berlin 1925 zum 75. Geburtstage des Meisters veranstaltet hat. Hier hatten nicht nur Türme und Blumen in einer bezaubernden und berauschenden Fülle von Farbe und Form Gestalt gewonnen, sondern es wurde in dieser, eine Flucht von Sälen umfassenden Schau die großartig geschlossene Persönlichkeit des alten Rohlfs dem Beschauer immer aufs neue zum Erlebnis: fein malerischer Impuls, seine ganz eigenwillige Handschrift, ein jugendlich-stürmisches, dennoch formal durchaus beherrschtes und gezügeltes Temperament, vor allem aber jene besessene, oft fast ekstatisch sich äußernde Freude an der beseelten, durchglühten und ausstrahlenden Farbe. Hier war auf manchen Bildern eine Leuchtkraft erzielt, die an die dunkle Glut frommer Glasmalereien auf gotischen Kirchenfenstern erinnerte. Es ist klar, daß im Aquarell — die Ausstellung umfaßt überwiegend Aquarelle, daneben einige Holzschnitte und Zeichnungen — nur gleichsam ein Abglanz vom Eindruck jener großen Gemäldegruppen (etwa der Städtebilder von Soest und Erfurt) eingefangen sein kann. Immerhin ergeben auch diese Aquarelle, die übrigens alle aus den letzten zehn Jahren stammen, ein durchaus typisches und unverwechselbares Bild. Die starke Farbigkeit, die koloristische Fülle, Wärme und Leuchtkraft, die Rohlfs' Malerei auszeichnet, ist in den meisten dieser Blätter auf den ersten Blick zu empfinden; doch wirken sie freilich — infolge der Technik — alle noch weicher, fließender, verwischter und verschwommener als die großen und repräsentativeren Bilder in Del. Das leuchtende Geld ((Eanna und Chrysanthemum), das brennende Rot der Dahlien und Begonien, das Kobaltblau (Yucca; Berg im Lesfinz König) sind M Rohljs ungemei»
wenn er die übergroßen, mit Flatterhäuten bespannten Fußhände ausspreizt.
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Ist schon ein fliegender Frosch nicht alltäglich, so grenzt es durchaus ans Wunderbare, wenn eine Schlange durch die Luft geflogen kommt, die dis zu anderthalb Meter lange Gold- ober Schmuck- baumschlange. Sie hat natürlich keine Flügel, nicht einmal Flughäute, wie der Java-Frosch; diese Schmuckbaumschlange zieht ganz einfach den zwischen den Längskielen gelegenen Teil des Bauches in Form einer Hohlkehle ein und ist dann ohne weiteres imstande, gleich einem abgeschossenen Pfeil in gestreckter Haltung die Luft zu durchschneiden und von einer Baumkrone schräg abwärts zu einer anderen zu „fliegen".
Die Gold sch lange ist eine der schönsten Schlangen, goldgelb mit schwarzen Rändern, Flecken und Binden am schlanken Leib. Als Jäger besonders geschickt und schnell in allen Bewegungen, vermag sie erstaunlich flink zu klettern und ist ebenso kühn wie lustig. Ein Forschungsreisender berichtet: „Diese wildeste aller mir bekannten Schlangen flüchtet nie; sie greift an, beißt und schnappt wütend zu. Allerdings tötet ihr Zahn- gift wohl nur kleinere Tiere."
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Jnsulinde ist ein Flugland erster Ordnung. Während in Amerika auf diesen Breitegraden überhaupt keine fliegenden Vierfüßler leben, in Afrika lediglich das Flughörnchen, wartet der Sunda-Archipel mit immer neuen Schwebemeistern auf. Das ist der Flugbeutler. Der zweite Teil des Namens weist auf die Ordnung der Beuteltiere, deren bekannteste Familie die Känguruhs sind. Gleich diesen bringt auch das Flugbeutler-Weibchen fein Junges „unfertig" zur Welt, blind und nackt, schiebt es in die Beuteltasche am Leib, und erst nach Wochen, wenn das Kind behaart und sehend geworden ist, krabbelt es auf den Rücken der Mutter, wird so spazieren getragen oder geflogen. Denn die Flugbeutler haben von der Außenseite des fünften
Fingers der Vorderaliedmaßen bis zum Hinterfußknöchel an beiden Körperseiten die uns schon bekannte Flughaut, den Fallschirm, der sie abwärts schwebend durch die Luft trägt. Aber bei ihnen wird die Flughaut auch noch anderweitig benützt, als Schutzhülle und Wärmedecke für das hilflose Kind. Die Mutter nimmt ihr Kleines mit den Vorderpfötchen auf, bettet es an den Milchquell der Brust und faltet sorgsam die Flughaut über die zarte Kreatur.
Ich habe diese papuanischen Kurzkopf-Flugbeutler wiederholt beobachten können; sie sind reizend und liebenswert, erinnern ebenso an große Mäuse wie an ein blaßgraues, sammetweiches Eichhörnchen mit buschiger Schwanzfahne, haben spitze, nackte Ohren, weiße Füßchen und dunkelbraune Längsstreifen an Kopf und Rücken; aber das Entzückendste an ihnen ist das zierliche, rosarote, rastlos sich bewegende Schnäuzchen. Bei Tag schlafen die Flugbeutler meist, werden erst gegen Abend munter und entwickeln dann eine erstaunliche Lebendigkeit. Sie klettern gewandt, springen kreuz und quer, und wenn die Räumlichkeit es gestattet, schnellen sie sich mit aufgefalteter Flughaut wendig von einem Ast zum andern.
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Der Flattermaki, der zur Ordnung der Insektenfresser gehört, also mit Maulwurf, Igel und Spitzmaus verwandt ist, wirkt äußerlich keineswegs schön. Man könnte ihn für eine große Fledermaus halten, und tatsächlich sind auch einige Merkmale dieser Tierart bei ihm vorhanden. Seine Flughaut beginnt schon am Hals, hüllt die Gliedmaßen bis zu den Krallen ein, selbst noch den kurzen Schwanz.
Der Flattermaki — auch Kaguang genannt — fördert sehr die Gespensterfurcht der malaischen Eingeborenen. Er hat nämlich eine häßliche Stimme, die sich wie Kindergeschrei anhört, oder wie das Aechzen von Verunglückten. Das bis zu 60 Zentimeter große Tier kriecht sehr unbeholfen am Boden, klettert dann flink am Baumstamm hoch, läuft schnell zur Astspitze vor und springt mit einem kraftvollen Satz in die Luft hinaus, streckt alle Viere von sich und schwebt — eine braunrote Masse — katzengroß mit langschnäuzigem Kopf, von einem Baum zum andern, unheimlich langsam, aber richtungsicher. Ein Forscher meldet, daß der Kaguang von einem 14 Meter hohen Baum 70 Meter weit durch die Luft gesegelt und auf einem niedrigen Baum tadellos gelandet sei.
beiter dürfen in der Zeit von 19 bis 21 Uhr nicht beschäftigt werden.
Schwerer DerkehrSunfall bei der Wellersburg.
In der Nacht zum Sonntag gegen 12.30 Uhr ereignete sich auf der Landstraße Gießen—Lollar in der Nähe der Wellersburg ein schweres Verkehrsunglück. Dort fuhr ein mit drei Personen besetztes, auf der Fahrt nach Frankfurt befindliches Personenauto, anscheinend infolge des Regen« falls und der glatten Landstraße, gegen einen Baum, wobei von den drei Insassen der 23 Jahr- alte Erwin Metternich und der 18 Jahre alte Georg Vöge, beide aus Helpha (Bezirk Kassel) je eine Gehirnerschütterung und sonstige Verletzungen erlitten, während der 24 Jahre alte Schlosser Albrecht Sohn, ebenfalls aus Helpha stammend, einen Oberschenkelbruch des linken Beines erlitt Die drei Verunglückten wurden von der Freiwilligen Sanitätskolonne nach der Chirurgischen Klinik verbracht.
Vornotizen.
— Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Schlafwagenkontrolleur". — Kaufm. Verein von 1873 A. V.: 21 Uhr Hauptversammlung im Vereinshaus. —
** Arbeitsjubiläum. Gestern feierte der Magaziner Heinrich Hamel, Gießen, Goethe- straße 52, fein 25jahriges Arbeitsjubiläum bei der Firma Bänninger G. m. b. H., Gießen. Herr Dr. Pauly als Vertreter der Firma beglückwünschte Samstag vormittag den. Jubilar an seiner geschmückten Arbeitsstelle in Anwesenheit eines großen Teiles der Belegschaft mit treffenden und herzlichen Worten und überreichte ihm ein größeres Geldgeschenk, sowie die schon bei der Firma Bänninger zur Tradition gewordene goldene Jubiläumsuhr als Erinnerung an diesen Ehrentag. Durch den Betriebszellenobmann Diehl ließ die Gefolgschaft der Firma Bänninger dem Jubilar gleichfalls nette und passende Geschenke überreichen, der sich in den 25 Jahren stets als tüchtiger, pflichtbewußter Arbeitskamerad gezeigt hat und der auch im Weltkriege 1914 bis 1918 voll feinen Mann stand.
** Straßensperre. Wegen Vornahme von Pflasterarbeiten auf dem Straßenkreuz Hitler- wall—Moltkestraße werden vom 20. Mai ab auf die Dauer von 14 Tagen die Senckenbergstraße und der Hitlerwall von Moltkestraße bis Gartenstraße—Neuen Bäue für den gesamten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Umleitung für die aus Richtung Frankfurt a. M. nach Kassel und umgekehrt verkehrenden Fahrzeuge durch Horst-Wessel- Wall, Wernerwall, Steinstraße, Marburger Straße. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten.
** Kanalisierungsarbeiten. Umfangreiche Erd- und Kanalarbeiten werden jetzt am Nahrungsberg zunächst der Keplerstraße zur Ausführung gebracht, um den vorderen Teil des Alten Feldweges, diesseits der oberhessischen Eisenbahn, die Möglichkeit zum Anschluß an die städtische Kanalisation zu geben. Naturgemäß wird hierdurch der schmale Weg, der einen Hauptzugang zum Schiffenberger Wald ist, stark beengt, weshalb eine beschleunigte Durchführung dieser Arbeiten erwünscht ist. Im Anschluß hieran soll der vor dem Bahndamm noch freiliegende Lauf der Klingelbach unterirdisch verlegt werden.
** Das Auslegen von Betten und Teppichen usw. nach der Straße ist nicht gestattet. Bei der Polizeidirektion eingegangene Beschwerden veranlassen diese Behörde', die Bevölkerung nochmals auf die bestehenden Bestimmungen mit dem Hinweis aufmerksam zu machen, daß die Polizeibeamten angewiesen sind, gegen diejenigen Personen vorzugehen, die gegen das Verbot verstoßen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Znsulinde, Paradies der Segelflieger.
Frösche, Schlangen und Säugetiere sausen durch die Lust.
(Zin Tatsachenbericht von Paul Eipper.
Umspült sowohl vom Indischen, wie vom Stillen Ozean, auf der Linie des Aequators verankert, schwingt sich vom Golf von Bengalen bis nach Australien eine Jnselflur, die fast zwei Millionen Quadratkilometer Land umfaßt: Jnsulinde, der malaiische Archipel. Zu den vielen teils winzigen, teils sehr ausgedehnten Eilanden gehören in erster Linie die Großen Sundainseln Borneo (die drittgrößte Insel der Welt), Celebes, Sumatra und Java, die Molukken und ferner jene traumhaft schönen, in tropischer Ueppigkeit prangenden Kleinen Sundainseln, deren Namen uns Abendländer schon wie ein Klang aus dem Paradies anrühren: Bali, Flores, Pantar und Timur.
Diese Inseln sind die Ueberrefte einer Länderbrücke, die in der vorgeschichtlichen Tertiärzeit Süd- ostasien mit Australien verbunden hat. Noch heute treten dort häufig Erdbeben auf; immer wieder speien Vulkane Feuer, Lava und Steine aus dem Erdinnern empor. Die Monsume sorgen für reichliche Regenniederschläge; durch die tropisch warme Feuchtigkeit entfaltet sich eine bunte Vegetation; wertvolle Edelhölzer und fast alle Gewürzpflanzen wachsen dort; es gibt weite Savannen, und der Urwald erstreckt sich bis auf 1600 Meter Höhe, geht dann in Nebelwald, schließlich in alpine Pflanzungsformationen über. An den Küsten wuchern undurchdringliche Mangroven-Dschungel. Der Boden birgt Steinkohle und Erdöl, Gold, Silber, Eisen, Kupfer und auch Diamanten.
Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus eingewanderten Malaien; aber es leben dort auch noch Reste der Ureinwohner, kleinwüchsige N e - gritos, die mit den Papuas verwandt sind; durchaus primitive Stämme hausen beispielsweise im Urwaldinnern von Sumatra.
Ganz besonders interessant ist die Tierwelt dieses Jnselreichs; es berührt sich die asiatische Fauna mit der australischen: Tiger kommen vor, Drang Utans, Elefanten, Nashörner und vielerlei Affen; aber auch Beuteltiere, Wildschweine, Kakadus, Paradiesvögel und der straußähnliche Kasuar.
Zudem gibt es auf Jnsulinde tierische Flugwesen, die keineswegs Vögel sind. Mit diesen Tieren wollen wir uns befassen, ihre Merkwürdigkeiten anschauen und ihre Formen aufspüren. Niemand braucht Angst zu haben; es stürzen keine Ungeheuer gegen uns; diese Flieger sind nur klein, und bis auf einen gänzlich ungefährlich. Aber sie sind in der Tat vorhanden, die fliegenden Frösche, Eidechsen, Säugetiere und die Schlange; Jägerlatein wird nicht aufgetischt, so verwunderlich und unglaubhaft es sich auch manchmal anhören mag.
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Da lebt auf Borneo ein schöner, arüner Frosch, ein Laubfrosch mit Haftscheiben an oen Zehenden. Der Frosch ist kaum größer als feine deutschen Vettern; aber feine Zehen sind übermäßig entwickelt und an allen vier Füßen untereinander mit Schwimmhäuten verbunden. Weil der Leib zudem die Fähigkeit hat, sich stark aufzublähen, könnte man meinen, dieser Frosch sei ein ausgesprochenes Schwimm- und Wassertier. Ganz im Gegenteil; er lebt ausschließlich auf Bäumen, ist ein geschickter Kletterer, und außerdem kann er fliegen. Er schnellt sich vom Bamngipfel in den Luftraum hinaus und schwebt mit ausgestreckten Pfoten schräg abwärts zu einem tiefer wachsenden Zweig, zu einem Nachbarbaum oder auf den Grasboden.
Gleich zu Anfang sei feftgeftellt, daß weder der F l u g f r o s ch noch die anderen hier zu beschreibenden Tiere tatsächlich „fliegen" können, d. h. so frei sich in der Lust bewegen, wie die Vögel. Sie sind im besten Fall Gleitflieger, die von einem höher gelegenen Ort, allerdings treffsicher und auf weite (Entfernung, zum vorgefaßten Ziel herad- schweben, flattern, segeln. Gerade der Borneo- Flugfrosch erinnert durchaus an einen Segelflieger,
Oie soziale Seite der Deutschen Arbeitsfront.
Für ihre Mitglieder hat die DAF. eine ganze Anzahl sozialer Einrichtungen geschaffen, die über die gesetzlich verankerte Hilfe in Krankheit und Not hinaus eine wertvolle zusätzliche Unterstützung bedeuten. Lassen wir einmal einige Zahlen sprechen, um den Umfang dieses Hilfswerks klar erkennen zu können.
Im ersten Vierteljahr hatte die Deutsche Arbeitsfront im Gau Hessen-Nassau nicht weniger als 20 000 Fälle von Erwerbslosen-- und Krankenunter st ützung zu bearbeiten. Zur Auszahlung an die Mitglieder gelangten für diesen Zweck in der gleichen Zeit 807 16 7 Mark. Größer noch ist die Summe der laufend auszuzahlenden zusätzlichen Jnvalidenunterstützungen. Hier liegen allerdings Zahlen für das (Saugebiet nicht vor, weil die Verwaltungin Berlin zentralisiert ist. Dagegen wurden in den Monaten Januar bis März 1935 über 10 0 0 neue Anträge auf Gewährung von Jnvalidengeldern gestellt und bearbeitet. Die Zahl der beantragten Notstandsunterstützungen betrug etwa 3000, während Sterbebeihilfen in etwa 600 und Heiratsbeihilfen in etwa 300 Fällen gewährt wurden. Auch die Abteilung „S o n d e r h i l f e " konnte für 100 genehmigte Kredit-Gewährungsan-
träge 43 000 Mark zur Auszahlung bringen. 300 Anträge befinden sich noch in Bearbeitung.
Die Deutsche Arbeitsfront bietet also außer ihren sonstigen gemeinnützigen Einrichtungen auch auf diesem Gebiete ihren Mitgliedern eine weit- genbe Sicherung vor den Nöten des Alltags. Dies sollte allen denen zu denken geben, die heute noch außerhalb der Gemeinschaft aller Schaffenden üehen. Auch der letzte deutsche Volksgenosse gehört in die Deutsche Arbeitsfront!
7!SLB. Fachschaft Volksschule Gießen, Stadt.
Sitzung der Arbeitsgemeinschaft „Deutsch" am 22. Mai, 16 Uhr, im Lehrerzimmer der Schillerschule (Richtlinien).
Verlängerter Ladenschluß in den hessischen Landgemeinden.
LPD. Auf Grund des § 30 der Arbeitszeitoerordnung vom 26. Juli 1934 wird vom Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — nach Anhörung der Gewerbeaufsichtsämter für offene Verkaufsstellen in Gemeinden mit vorwiegend Landwirtschaft treibender Bevölkerung der Ladenschluß während der Zeit bis Ende September 1935 widerruflich auf 21 Uhr festgesetzt. Angestellte und Ar-
charakteristisch und kehren in zahlreichen Motiven und Abwandlungen wieder. Auch die weiche und aufgelöste Kontur, die fließenden Linien, die impressionistisch sparsame und lockere Form, die auf ein äußerstes Maß von Umriß und Andeutung beschränkt bleibt (Tänzerin; Kind), werden durch die empfindliche Aquarelltechnik noch unterstrichen; und es gibt eine ganze Reihe von Blättern — der Besucher wird sie ohne Mühe selbst herausfinden —, auf denen die Malerei ihren Vorwurf gleichsam entmaterialisiert, auflöst und verflüchtigt, so daß nur ein Farbakkord übrig bleibt — unbestimmt und unverbindlich eingeschlossen von ein paar schattenhaft hingehauchten Umrißlinien. Das schönste Bild der ganzen Ausstellung ist, für unser Gefühl, das wundervolle Blatt mit der verwelkten Sonnenblume : der farbliche Zusammenklang von stumpfem Braun und (Selb ist mit feinstem Gefühl ausgewogen; der hier bestechend klare und zugleich sparsame lineare Umriß entspricht vollkommen dem Charakter und Wesensbild der Blume an sich wie auch dem herbstlichen Motiv des Ausgeblühten und Erstorbenen. Das Ganze ergibt übrigens eine verblüffende und höchst reizvolle Kontrastwirkung zu dem an der gleichen Wand hängenden Blatt mit der dicken gelben Chrysanthemumblüte, fest und klar und sttotzend von blühender Frische. — Die figürlichen Kompositionen treten naturgemäß im Gesamtbilde der Ausstellung ein wenig zurück; etliche erinnern in ihrer gedrungenen Haltung an die Plastiken von Barlach, wie zum Beispiel der äthiopisch gebräunte König im roten Mantel vor nachtblauem Grunde, oder die spukhaft vorüberhuschenden Spaziergänger. Unheimlich fast und visionär erscheinen die Gruppen „Tod und Kind" und der „Tod als Jongleur", die ein uraltes und unerschöpfliches Motiv aller Kunst abwandeln. — Die Ausstellung gehört zum Wertvollsten, was der Kunstverein in diesem Winter zeigen konnte; es ist zu hoffen, daß sie die Beachtung und Anteilnahme findet, die ihr zukommt. —y—
Kleine Auio-Geschichien.
Von Bruno Manuel.
Der wilde Fahrgast.
Bollmann fährt im Taxi durch die Leipziger Straße in Berlin. Da es um die Zeit des Ladenschlusses ist, geht die Fahrt höchst langsam vor sich. Ueberall sind Hindernisse. Um bas Maß der Gemeinheit voll zu machen, flammt vor jeder Straßenecke auch noch rotes Licht auf.
BoÜmam, itcht sich manchorlsi MWss. Doch
was zu viel ist, ist zu viel. An der Friedrichstraße findet er es für angezeigt, endlich aus der Haut zu fahren.
„Mann Gottes", brüllt er den Fahrer an, „was meinen Sie, wozu ich hier eingestiegen bin? Können Sie nicht schneller vorwärts kommen?"
„Können schon", behauptet der kühn, „aber leider darf ich nicht vom Wagen."
Kraft.
Bollmann läuft in völliger Verkennung der Der- kehrsordnung über den Damm und wird von einem Auto leicht angestreift. Das Auto, um Bollmann nicht ins Jenseits zu befördern, muß scharf bremsen, wobei es ins Rutschen kommt und gegen die Bordschwelle stößt, dabei geht das rechte Vorderrad in die Brüche.
Bollmann, dieses sehend, triumphiert: „Was, dem habe ich nicht schlecht ein Ding versetzt?"
Mißtrauen.
Zu Meier, der außerhalb der Stadt wohnt, kommt der Vertreter einer Autofirma und bietet ihm ein Fahrzeug an. Meier hat zu der Marke kein Vertrauen und sagt: ,Hch habe wirklich keinen Wagen nötig."
„Aber mein Herr, wenn Sie ein Auto haben, können Sie jeden Tag bequem in die Stadt fahren."
„Hinein schon — ', meint Meier skeptisch.
Gefühlsausbruch.
Arthur, der sich ein Motorrad gekauft hat, fährt feine Braut im Beiwagen spazieren. Lieschen kann aber keine hohe Geschwindigkeit vertragen. Als Arthur aufdreht, klammert sie sich voller Aengste an ihn fest und zittert ungemein.
„Liebster", ruft sie, „fahre langsam! Tu mir den Gefallen!"
Arthur, ungehorsam wie er ist, rauscht mit hoher Tourenzahl dahin.
In einer Kurve, sintemalen er nicht genügend Gas wegnimmt, kracht er gegen einen Baum. Das Motorrad geht gleich in Trümmer. Arthur und Lieschen kommen mit heiler Haut davon.
Lieschen, nachdem sie den Schreck überwunden hatte, fand es in der Ordnung, den verhängnisvollen Baumstamm zu umarmen.
„Du bist wohl ganz und gar verrückt geworden!" meint Arthur, der für Gefühlsausbrüche solcher Art nichts übrig hat.
„Sei nicht undankbar. Liebster", erklärt darauf Lieschen, „was meinst du, wohin wir gekommen wären, wenn er uns nicht aufgehalten hätte!"
Die Begründung.
Einem Automobilisten ist der Führerschein ent-
tvgsr mvrüea. Sm LoÜgeMl Msr vsMtzte»
Würde legt er dagegen Verwahrung ein. Das Gericht verlangt eine begründete Erklärung, weshalb er sich zu Unrecht bestraft fühle. Der Automobilist fragt seinen Verteidiger: „Womit glauben Sie, Herr Rechtsanwalt, könnte ich meinen Protest begrün-
Der Anwalt dachte einen Augenblick nach. Dann meinte er: „Erklären Sie, es sei die grausamste Strafe, wieder Fußgänger zu werden."
Alibi.
Vollmann macht einem mit Strafmandaten reich gesegneten Automobilisten den Vorschlag, seinen Wagen an. der einen Seite blau, an der anderen grün zu lackieren.
„Ich wüßte nicht, wozu das gut sein sollte", erklärte der.
Darauf Bollmann:
„Sollnse mal sehen, wie sich die Zeugen widersprechen."
Zeitschriften.
— Das Mai-Heft der „K u n ft t a m m e r" (Propyläen-Verlag, Berlin) bringt u. a. einen Aufsatz von Oskar Gehring über Notwendigkeit und Möglichkeit moderner Bildniskunst. Eberhard Meckel schildert in seiner Erzählung „Oberrheinischer Wind" die Entstehung des Breisacher Hochaltars. Weitere Beiträge zeigen neue silberne Ehrengaben, handgearbeitete Spitzen und Kurhausbauten. Präsident Eugen Hönig beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Film und bildender Kunst, Kurt Wehlte berichtet von der Konservierung der Gemälde- Rückseiten. Fast 40 Bilder schmücken das Heft.
— Die neue Nummer der „ I l l u st r i r t e n Zeitung" (Leipzig, F. I. Weber) enthält u. a. einen ausführlichen Bericht vom Regierungsjubiläum König Georgs von England, dem sich ein Artikel über Neu-Delhi, die neue Residenzstadt Indiens, anschließt. Weiter finden wir darin einen Bilderbeitrag über den Bau der Nord-Süd-Untergrund- bahn in Berlin, über alte deutsche Trinkgefäße, über Schloß Schönberg in Ostpreußen und einen fesselnden Tatsachenbericht „Ein vergessener Patriot", der die wechselvolle Lebensgeschichte des Balten Johann Reinhold Patkul behandelt. Heber die Kunst wird begrüßenswert ausführlich berichtet: Ein Beitrag über die Frühjahrsausstellung im Wiener Künstler- Haus, Bilder von Tanzschöpfungen der Tänzerin Marion Herrmann und hervorragende Blätter der Lichtbildkunst sind besonders bervorzubeben. Interessante Anregungen für die Frau bringt der mit schönen Modellen bebilderte Aussatz „Widersprüche im KLvidW".


