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Nr.M Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag. 20. Mai (935

Bilder von der Eröffnung der Auwbahn.

Die Arbeiter der Reichsautobahn grüßen den Führer.

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Der Wagen des Führers durchschneidet das Band

Scherl-Blldmatemdienst das die Reichsautobahn bis zur Freigabe sperrte.

(Aufnahmen: Photo-Pfaff) Der Führer, Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Generaldirektor der Reichsbahn Dorpmüller.

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Die Spitze der Wagenkolonne eröffnet ein historisches Fahrzeug aus der ersten Zeit des Automobilbaues. Unscheinbar und wacklig, aber mit eigener Kraft fährt es, besetzt mit vier Passagieren, vorbei und versinnbildlichte damit die raseno schnelle Entwick­lung des Automobilbaues.

Gerechtigkeit gegen Deutschland sichert allein dm Frieden Europas. Lord Snowden fordert einen Kurswechsel der britischen Außenpolitik.

London, 20. Mai (DRB. Funkspruch). In einem Aufsatz in derDaily Mail" verlangt Lord Snowdon ehrliche Handlungsweise gegen­über Deutschland. Der ehemalige arbeiterparteiliche Schatzkanzler sagt, Europa treibe in einen Krieg hinein. Im Namen des Friedens wür­den die Rüstungen in unerhörter Weise verstärkt. Militärische Verträge und Paktegegenseitigen Bei­standes" würden abgeschlossen, die zum Kriege a n r e i z t e n. Der Völkerbund, der kollektive Sicher­heit und Frieden schaffen sollte, scheine zum demü­tigen Werkzeug der Großmächte geworden zu sein. Der Kellogg-Pakt, durch den die Nationen auf Krieg als Instrument der Politik verzichteten, scheine in Vergessenheit geraten zu sein, man scheine ihn auf den Müllhaufen geworfen zu haben. Die Abrüstungskonferenz habe in mehr als drei Jahren bewiesen, daß die Nationen nicht beab- sichtigen, ihre Rüstungen zu vermindern oder sich auf die in der Völkerbundssatzung versprochene kol­lektive Sicherheit zu verlassen. Seit Ende des Krieges hätten die Siegermächte keine einzige Aen- d e r u n g in ihrer Politik vorgenommen. Eine Reihe von rachsüchtigenVerträgen" sei den Besiegten auf- erleqt worden. Diese Verträge seien schon damals als die Brutstätten künftiger Kriege erkennbar gewesen und hätten bte Festlandssieger mit Furcht und Unsicherheit erfüllt, weil sie wüßten, daß durch Gewalt auferleate Ungerechtigkeiten von den Unterlegenen nur so lange erduldet würden, als sie machtlos seien.

Anstalt die Kachkriegsjahre zu benutzen, um die Ungerechtigkeiten von Versailles zu beteili­gen und Deutschland möglichst schnell in die Familie der Kationen zu bringen, haben die Alliierlen es in einer Stellung demü­tigender Unterlegenheit gehalten, die keine große Kation auf die Dauer duldet. Endlich haben nationaler Stolz und Kalionalgefühl Ausdruck in einem neuen Füh­rer gefunden. Die Jugend des Volkes Hal mit Begeisterung geantwortet. Die Alliierten haben die Bedeutung dieses Vorganges nicht begriffen oder sind zu bitter in Ihrer Deutsch-Feindlichkeit gewesen, um ihn anzu­erkennen und sie möglicherweise zu begreifen.

Deutschland war nur vom Gefühl der Selbstachtung beherrscht als es sich von der Abrüstungskonferenz und aus dem Völkerbund zurückzog. Diese Hand­lungsweise ist von den Großmächten heuchlerisch beklagt worden, die zwardie Tür für Deutsch­lands Rückkehr ofsengehaUen" aber keine Zu­

sicherungen gegeben haben, daß Deutschland im Falle seiner Rückkehr eine andere Behandlung zuteil werden würde. Im Gegenteil haben die alliierten Mächte keine Gelegenheit unbenutzt gelas­sen, um Deutschland ins Unrecht zu letzen und die öffentliche Meinung gegen Deutschland aufzuhetzen.

In dem Weißbuch ist Deutschland allein alle Schuld an einer Vergrößerung der eigenen Rüstungen zugeschoben worden. Von Italiens Millionen Bajonetten" oder Sowjetruhlands ungeheurer Armee oder den gewaltigen militä- rischen Aufgaben Frankreichs und feiner Va­sallen ist nicht die Hege gewesen. Der vom Völkerbundsrat ausgesprochene Tadel gegen Deutschland wird sicher als größte Tat salbungsvoller Heuchelei seinen Platz in der diplomatischen Geschichte erhallen. Deulschlands Politik kann bedauert werden, weil sie seinen ehemaligen Feinden einen Vor­wand gegeben hat, aber Deutschland Hal durch die Herausforderung des Versailler Vertrages keine moralische Verpflichtung ge­brochen. Ein Vertrag, der mit Bedrohung von Bajonetten unterzeichnet wird, kann keine bindende moralische oder rechtliche Kraft haben.

In diesen Intrigen spielte Sowjetrußland eine finstere Rolle. Es war ein Augenblick für Götter, als Litwinow salbungsvoll als Verteidiger von Vertragsverpflichtungen auftrat und die Ein­mischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder verurteilt. Wenn Großbritannien einen mu­tigen Vertreter gehabt hätte, so hätte er Litwinow an Sowjetrußlands Vertragsver- l e u g n un g und an seine Einmischung in die inneren Angelegenheit en ande­rer Länder erinnert und auch daran, daß der britische Steuerzahler 1% Schilling je Pfund Sterling für die Verleugnung der rus­sischen Schulden an Großbritannien zu zah­len habe. Das Mißtrauensvotum des Völkerbundes gegen Deutschland und der kürzliche Angriff des Ministerpräsidenten gegen Deutschland mache Ver­handlungen sehr schwierig. Welcher Mann oder welche Nation kann mit Fußtritten zur Zu­sammenarbeit gebracht werden?

Lord Snowden schließt, nur eine Aende- rung der internationalen Politik kann den drohenden Krieg in Europa fern- halten. Grohbrilannien hall den Schlüssel 5 u r Lage in der Hand. Mehr denn je sollte

Freundschaft mit Deutschland Politik Großbritanniens sein. Großbritannien sollte aufhören, sich von Frankreich und Italien mif- ziehen zu lassen, es sollte aufhören, mit Deutsch­land zu sticheln und es sollte Deutschlands gerechtenForderungennachGleich- heit und sogar seinen Forderun­gen nach Kolonien und Mandaten Gehör geben. Eine solche Haltung Groß­britanniens gegenüber Deutschland würde ge­eignet sein, den europäischen Frieden ausrechl- zuerhallen. Denn die europäischen Länder, die mit England ein diplomatisches Bündnis haben, nicht auf Großbritanniens Unterstützung für einen Krieg rachsüchtiger Politik rechnen kön­nen, dann werden sie zögern, diese Politik fort­zusehen. Eine weise Führung durch Groß­britannien ist das dringende Gebot der Stunde.

Weitere Verfolgung von Geistlichen in der Sowjetunion.

Wien, 19. Mai. (DNB.) Die Wiener Sonntags­presse meldet: Dem Interkonfessionellen und lieber» nationalen Hilfskomitee unter Vorsitz Seiner Emi­nenz des Kardinals Jnnitzer geht eine weitere Meldung über die Verfolgung von Geist­lichen in der Sowjetukraine zu. In Odessa wurden die katholischen Pfarrer Lorenz Wolf und Johannes Albert zu zehn Jahren Verbannung und Zwangsarbeit ver­urteilt. Das gleiche Urteil wurde in Landau bei Odessa gegen die Pfarrer Anton H o p f m a n n , Johann Tauberger, Raphael L o r a u und Prälat Joseph K r u s ch i n s k y gefällt. Dem letzten Schlage gegen die Evangelische Kirche ist jetzt der gegen die katholische gefolgt. Den Verurteilten wird die Hilfstätigkeit gegenüber ihren hungernden Gemeindemitgliedern, die sie dank der Spenden von auswärts vollführen konnten, zur Last gelegt. Die Verfolgung der katho­lischen Kirche in der Sowjetunion wird dadurch ge­kennzeichnet, daß sich heute allein 14 katholische Geistliche auf der Insel Salowki im Nördlichen Eis­meer in der Verbannung befinden.

Huldigungen für Göring in Krakau

Am späten Nachmittag war Ministerpräsident Göring, der sich vorher den berühmten Hoch­altar des Nürnberger Meisters Veit Stoß in der Marienkirche angesehen hatte, mit den Vertretern anderer Staaten beim Grafen Po- tockizum Tee geladen. Als der Ministerpräsident nach dem Tee das Palais verließ, das im Mittel­punkt des Verkehrs liegt, spielte sich eine Szene ab, die kennzeichnend ist für die Sympathien, deren sich General Göring unter der polnischen Bevölke­rung erfreut. Da das Auto des Ministerpräsidenten nicht gleich zur Stelle war, mußte er mit seinem Adjutanten einige hundert Schritte zu Fuß zurückl^gen. Kaum hatte die vielhundertköpfige

Menge den Ministerpräsidenten erkannt, als sie ihm begeisterte Huldigungen darbrachten, die erst ein Ende nahmen, als die deutschen Herren in ihre Autos gestiegen und davongefahren waren.

Laval auf der Durchreise in Berlin.

Berlin, 19. Mai. (DNB.) Der französische Außenminister Laval traf am Sonntagabend in Berlin auf dem Schlesischen Bahnhof ein, be­gleitet von Botschafter Francois Poncet, der dem Minister bis Frankfurt a. O. entgegengefah­ren war. Zur Begrüßung war Legationsrat v. R i n t e l e n , der Leiter der Westeuropa-Abteilung im Auswärtigen Amt, erschienen. Mitglieder der französischen Kolonie hatten sich gleichfalls eingefun­den. Nach einem halbstündigen Aufenthalt auf dem Bahnhof setzte der französische Außenminister feine Reise nach Paris fort. Fräulein Laval, die ihren Vater auf der Reise begleitete, fuhr im Auto nach Berlin, um einen Eindruck von der Stadt zu gewinnen.

Icansatlanlifflicger Hausner löblich abgestürzl.

Der polnisch - amerikanische Transatlantikflieger Stanley Hausner ist mit seinem EindeckerMar- schall Pilsudski" tödlich a b g e st ü r z t, als er eine Kirche in Detroit (USA) umkreiste, in der eine Pilsudski - Gedächtnisfeier abgehalten wurde. Das Flugzeug stürzte auf das Dach eines Lagerhauses und verbrannte. Hausner beabsichtigte, in den näch­sten Tagen einen Nonstop-Flug von Detroit nach Warschau anzutreten.

Wetterbericht

des Heichswetlerdienfles. Ausgabeort Frankfurt.

Gestern lag unser Gebiet in sehr kalten Luft­massen, die nicht nur die Temperaturen 8 bis 9 Grad unter dem jahreszeitlichen Durchschnitt hielten, sondern auch Anlaß zu Schauern gaben. Sie waren besonders in der Rhein-Mainebene sehr ergiebig, teilweise waren sie von Hagel und Gewitter beglei­tet. Im Gebirge kam es teilweise noch einmal zu einer Schneedecke. Diese Wetterlage läßt zunächst keine Wärmezunahme erwarten, doch ist eine nach­haltige und durchgreifende Witterungsänderung wahrscheinlich.

Wette r a u s si chte n für Dienstag: Zu­nächst vorwiegend heiter und tagsüber weitere Wärmezunahme, später aufkommende Neigung zu Gewitterstörungen. Veränderliche Winde.

Wetteraussichten für Mittwoch: Vor- a u s s i ch t l i ch wieder unbeständig und kühler.

Lufttemperaturen am 19. Mai: mittags 6,5 Grad Celsius, abends 5,7 Grad; am 20. Mai: morgens 5,2 Grad. Maximum 10,2 Grad, Minimum 1,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Mai? abends 10,6 Grad; am 20. Mai: morgens 7,9 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1,3 Stunden. Nie­derschläge 2,6 mm.

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