Ausgabe 
20.5.1935
 
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Nr.116 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Montags 20. Mai 1935

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Der Führer übergib! die Aeichsaulobahn dem Verkehr.

Der ganze Rhein-Maingau nimmt Teil an dem feierlichen Staatsakt an der Autobahn KrankfurtDarmstadt.

Ein Mnschenstrom zum Sranksurter Siablwald.

Ein kühler Maitag, düster hängen die schweren Regenwolken seit dem frühen Morgen über der Wetterau, ein Schauer jagt hinter dem anderen her, erst langsam hellt es sich auf, das einheitliche Grau des Himmels wird hier und da durchbrochen, vor dem gefürchteten Landregen scheint der Wettergott uns gnädig bewahren zu wollen. Aber die Launen des Himmels machen heute wenig Eindruck. Tau­fende und Abertausende strömen seit den frühen Morgenstunden in 68 Sonderzügen der Reichsbahn, deren Organisationsgenie bei der Beförderung ungeheurer Menschenmassen neben dem regulären, auf die Minute pünktlich abgewik- feiten Verkehr man wiederum bewundern muß, in Kraftwagen aller Art, oft mit Fähnchen und grünen Girlanden geschmückt, zu Rad und zu Fuß dem Platze zu, der heute im Mittelpunkt des Interesses aller steht, auf dem der Führer und Reichskanzler die erste Teilstrecke der Reichsautobahnen seiner ureigensten genialen Schöpfung dem allgemeinen Verkehr übergeben wird.

Die aus Hessen und der Pfalz herangezogene SA hat bereits in der Nacht mit der Absperrung der Zufahrtstraßen und der um die Reichsautobahn gelegenen Geländestreifen begonnen, so daß der un­geheure Verkehr in dem kleinen waldreichen Gebiet, das Schauplatz des Staatsaktes sein wird, sich rei­bungslos abwickeln kann. Vom Hauptbahnhof an bis zur Einfahrt in die Autobahn an der Urtter- schweinftiege und die ganze Autobahn entlang faßt eine Kette von SA.-Mannern die Straßen ein, die der Führer und Reichskanzler passieren wird. Und hinter der SA. drängt sich Hitlerjugend und Jung­volk, BdM., Schulen mit ihren Fahnen und Wim­peln Ganz Frankfurt ist auf den Beinen, um den Führer zu erwarten. Auf unserer Fahrt zur Auto­bahn treffen wir auf der Forsthausstraße nahe der Rennbahn auf die ersten bekannten Gesichter der Gießener SA. Hinter dem Bahnhof Goldstein im Walde hat R 116 abgesperrt.

Gewaltig wie der Aufmarsch der Hunderttausend auch der motorisierte Aufmarsch, dessen Organisation in den Händen von NSKK-Oberführer Prinz von Hessen unter der Oberleitung von Korpsführer Hühnlein lag. Eine unübersehbare Zahl von Fahr­zeugen des NSKK., des DDAC und der deutschen Autoindustrie, dazu 175 Lastkraftwagen mit den 5500 Arbeitern der Erösinungsstrecke fahren in musterhafter Ordnung aus allen Richtungen der Eröfsnungsstelle zu.

Del km 0,0.

An der Zubringerstraße zur Reichsautobahn, wenige Schritte vorn Kilometer 0,0, wo das Band gespannt ist, das der Wagen des Führers bei der Eröffnung der Bahn durchschneiden wird, ist die Rednertribüne errichtet. Davor haben auf dem weiten von SS. umsäumten Platz Ehrenabordnun­gen der SA., des Arbeitsdienstes, der Arbeitsfront und anderer nationalsozialistischer Gliederungen Aufstellung genommen. Im Hintergrund auf der Autobahn hält bereits die Spitze der langen Wagenkolonne, die die Arbeiter der Autobahn als erste hinter dem Führer über die von ihnen herge­stellte Strecke führen wird. Ehrengäste, Presseleute, Photographen und Filmoperateure nehmen ihre Plätze ein. Die mustergültige Organisation hat da­für gesorgt, daß jeder sich schnell zurechtfindet. Ge­legentlich bricht die Sonne durch und die Haken­kreuzbanner flattern lustig von den hohen Masten, die zu Gruppen angeordnet dem Festplatz eine farbige Note geben.

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Generalinspektor Dr. Todt meldet dem Führer die Fertigstellung der Bahn.

Noch einmal prasselt ein kurzer heftiger Hagel­schauer aus dunkler Wolkenwand auf die erwar­tungsvoll harrende Menge nieder, dann künden vom jenseitigen Waldrand brausende Heilrufe das Nahen des Führers, die Musik intoniert den Baden­weiler Marsch, Kommandos ertönen und schon fährt der Führer vorn im Wagen stehend, mit der Rechten immer wieder für die stürmischen Will­kommgrüße nach rechts und links dankend, auf der Zubringerstraße langsam an der Ehrentribüne vor, beim Besteigen der Treppe auch von den weiter entfernt Stehenden erkannt und mit sich immer wiederholendem Jubel begrüßt. In einem der näch­

sten Wagen folgt Reichspropagandaminister Dr. Goebbels, auch er schnell erkannt und beson­ders herzlich willkommen geheißen.

In der Begleitung des Führers befanden sich weiter Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht, der Adjutant des Führers Brückner, Reichspresse­chef Dr. Dietrich, SS.-Brigadeführer Schaub und Hauptmann Wiedemann. Reichswehr­minister Generaloberst von Blomberg hat seinen Wagen schon früher verlassen und kommt zu Fuß mit seinem Adjutanten auf den Festplatz. Man sieht weiter die Reichsminister Dr. Frick, Dr. Frank und Eltz von Rübenach, die

Reichsleiter Bormann und Fiehler, den Oberbürgermeister von München, den Chef des Stabes Lutze, den General der Landespolizei D a l u e g e , die Gauleiter B ü r ck e l und Wag­ner, die Staatssekretäre Königs vom Reichs­verkehrsministerium und Ohnesorg'e vom Reichspostministerium, den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Dorpmüller, den stell­vertretenden Generaldirektor K l e i n m a n n , Di­rektor Rudolphi von der Direktion der Reichs­autobahnen, den Hamburger Bürgermeister Krog- mann, Direktor H o f von der Reichsautobahn- Gesellschaft und als Vertreter der Obersten Bau­leitung der Strecke FrankfurtDarmstadt Direktor P ü ck e l.

Der Beginn des Staatsakts.

Oer Generalinspektor desdeutschenGtrahenwesenS,Or Todt, tritt als erster an den Führer heran, um ihm die Fertig st ellung der ersten Teilstrecke zwischen Frankfurt und Darmstadt zu melden und gleichzeitig die Verkehrsübergabe der zweiten Strecke bei München in sechs Wochen anzukündigen. Wir haben uns bemüht, so führte Dr. Todt u. a. aus, bei diesem großen Werk der Technik, das schon heute die Ehre hat, d i e Straßen Adolf Hitlers zu heißen, nicht nur den rein technischen Zweck zu erfüllen, sondern dem Werke auch in der Form die Voll­endung zu geben, zu der Ihr Name verpflichtet. Jahrzehntelang mußte sich die Technik den Vor­wurf gefallen lassen, daß sie in ihrer materiellen Gebundenheit keine kulturellen Werke schaffe. Wir haben versucht, die Technik von diesem Vorwurf zu befreien. Als Nationalsozialisten sind wir mit küh­ner Energie, aber auch mit Liebe zu Volk und Landschaft an die Arbeit gegangen. Diese Straßen dienen nicht nur dem Verkehr, sie dienen auch der Erschließung unseres herr­lichen Vaterlandes. Mit den Reichsauto­bahnen soll auch die Technik einen Ausdruck finden, der dem Geiste und der Gesinnung der national­sozialistischen Bewegung entspricht.

Symbol des geeinten Reiches. Zur ersten Fahrt über die Strecke sind heute alle angetreten, die daran mitge­arbeitet haben. 4000 Arbeiter sollen nach Ihnen als erste über die Strecke fahren. Bei kargem Lohn und oft bei schlechtem Wetter haben sie hier einen Kubikmeter Boden nach dem anderen geschaufelt. Jeder einzelne von ihnen übernimmt heute über den materiellen Lohn hinaus die Ehre und die Erinnerung mit nach hause: Auch ich habe mitgearbeitet an den Straßen Adolf Hitlers, und der Führer kam selbst und hat meine Arbeit abgenommen. Unter den Ar­beitern stehen auch die Angehörigen jener vier Arbeitskameraden, die beim Bau an dieser Strecke tödlich ver­unglückt sind. Sie haben ihr Leben gelassen auf ihrem Arbeitsplatz, wie der Soldat im Felde auf seinem posten. Wir gedenken ehrend dieser Gefallenen der Arbeit.

Außer allen, die hier zur ersten Fahrt ange­treten sind, steht das deutsche Volk an der Strecke rechts und links. Und wer nicht hier nach Frankfurt kommen konnte, nimmt zu Haufe An­teil an der Fahrt über das erste Teilstück eines

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Der Führer und Reichskanzler, in der Mitte rechts der Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger, links Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg, Reichsernährungsmmister Darre und Reichspropagandaminister Dr. Goebbels, nimmt die Vorbeifahrt der Autokolonne ab.

'Aufnahmen: Photo-Pfaff)

Der Führer begrüßt eine Frau aus dem Publikum. In der Mitte Reickspropagandaminifter Dr. Goebbels, links Reichsbankpräsident Dr. S ch a cy t.