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Ur. 93 fünftes Blatt

Tletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zamrtag, 20. April M5

Heger und Pfleger der erwachenden Natur

Der Gießener Gartenbau bei her Frühjahrsarbeit

Blumen als Ostergaben

-

Die gelbe Narzisse, dieOsterglocke , blüht fetzt in voller Pracht.

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Mitte oben: Das fachmännische Auge über­prüft die Form des Blumenstockes.

Rechts oben: Tausende von Pflänzchen wuch­sen unter dem schützenden Glasdach heran: nun stehen sie zu dicht und werden gelichtet.

Links unten: Rote und gelbe Tulpen werden geschnitten und zum bunten Strauß vereint.

Rechts unten: Ein ganzer Schubkarren voll Blumen für das Osterfest

gelüftet oder schattiert, je gestaltet. Noch können die

Links oben: Schöne und prächtig entwickelte Hprtensien mit großen Blütendolden warten darauf, den Ostertisch schmücken zu dürfen.

vom Geldoerdienen, sondern aus der engen Ver­bindung mit Gottes ewig-schöpferischer Natur, deren Güter sie an ihrem Teil treulich verwalten, fördern, hegen und pflegen.

Man mag es einem Gärtner glauben, wenn er sagt, daß er seine Freude daran hat, wenn er die Bäume sieht, die er vor Zwanzig oder gar dreißig Jahren als dünne Stämmchen pflanzte, die sich ent­wickelten, stattliche Bäume wurden, Früchte tragen und ihrem Besitzer Freude machen. Kinder spielen darunter, lieben den Baum und behall.'n ihn für alle Zeit ihres Lebens in Erinnerung. Vielleicht er­zählen Vater und Großvater auch, wer den Baum gepflanzt hat. Die seelischen Perspektiven tragen weit... Der Gärtner hat aber auch nicht weniger Freude an dem stetigen, sorgsam behüteten Wachs­tum in seinem eigenen Garten. Jedermann, der einen Garten besitzt, kennt diese stille und oft un­ausgesprochene Freude.

Aber Gärtner sein ist nicht nur ein schöner, son­

Oer Beruf des Gärtners, auch der des Erwerbs- flrtners, ist ein ideeller Beruf. Es darf ihm nicht nur auf das Geldverdienen ankommen. Die Gärtner fapen selbst:Millionär ist noch keiner von uns ge- wrrden!" undWas wir in einem Jahre gewinnen, da> setzen wir vielleicht im nächsten wieder zu. Zu- fti>den sind wir aber doch, wenn uns unser Beruf nur einigermaßen die Existenz ermöglicht!"

Oer innere Friede und die Ruhe, die den Gärt- nern vom Gesicht abzulesen sind, kommen auch nicht

viel Arbeit. Während sonst um diese Zeit die Ge­wächshäuser längst nicht mehr geheizt zu werden brauchten, müssen sie in diesen Tagen noch Tag und Nacht unter künstlicher Wärme stehen. Die Pflanzen in den glasbedeckten Kästen müssen noch jeden Abend zugedeckt werden. Am Morgen werden sie dann wieder abgedeckt,

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die Saar!

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garten Pflanzen nicht Tag und Nacht ungeschützt im Freien sein. Gleichzeitig muß aber auch darauf ge­achtet werden, daß die Pflanzen keine Verweich­lichung erfahren. Sie würden dann nach dem Ver­pflanzen ins Freie zugrunde gehen. Ein strenger Winter und ein rechter Frühling wäre den Gärt­nern lieber gewesen.

Die Vermehrung vieler Blumen geschieht aus Stecklingen, aus abgesenkten Zweigen oder Blät­tern, manchmal nur aus Teilen von Blättern. Inter­essant ist es für den Laien, zu hören, daß man Ge­ranien zum Beispiel bis zu 30 Jahre lang immer wieder aus eigenen Stecklingen vermehren kann, ohne daß die Kraft des Wachstums beeinträchtigt wird. Andere werden aus Samen in künstlich er­wärmten Keimbeeten gezogen, die mit einer Erde von ganz bestimmter Beschaffenheit gefüllt find.

Mit Blumenzüchtungen befaßt man sich in den Gießener Gärtnereien nicht: es ist dies auch ein

dern auch ein schwerer Beruf. Wer diesen Beruf wählt, darf nicht nach dem Ausmaß der körper­lichen Arbeit fragen. Der Tag beginnt früh und enoet spät. In besonders kalten Winternächten gibt es auch einmalNachtschicht", denn die Temperatur in den Gewächshäusern darf nicht unter einen be­stimmten Stand sinken. Frisch angekeimte oder junge, kaum entwickelte Pflänzchen sind empfindlich. Eine Unachtsamkeit kann hier dem Gärtner Tausende von Pflänzchen kosten. Das bedeutet manchmal einen unwiederbringlichen Verlust.

In diesem Frühjahr haben die Gärtner besonders

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zu spezielles Gebiet, das den Gärtnereibetrieb einer ganz anderen Art zur Voraussetzung hat. Neu­erscheinungen werden von den Gießener Gärtnereien zum Zwecke von Anbauversuchen meist aus Qued­linburg am Harz bezogen. Das Hauptbestreben des Gärtners geht immer dahin, seiner Kundschaft Pflanzen zu vermitteln, die von guter und bester Qualität und ständige Freudebringer sind. Ein schönes Ziel sieht der Gärtner vor allem auch darin, eine Blume, einen Strauch oder ein Bäum­chen in systematischer Pflege zu voller Entfaltung und zu gesunder Kraft und Größe zu bringen. Da­mit ist oft viel Arbeit verbunden, die dem Gärtner nicht immer vergütet werden kann. Das hält ihn hier erweist er sich als Idealist aber nicht ab, trotzdem alle Mühe und Arbeit für diese Ziel auf­zuwenden.

Hinzu kommt, daß fast jede Pflanze, jede Blume, jeder Strauch oder Baum eine irgendwie von ande­ren verschieden geartete Behandlung erfordert, an­

Sorgfältig werden die jungen Weiden an den Pfählen festgebunden.

dere Lebensbedingungen erfüllt sehen will, besonde­ren Boden oder spezielle Düngung verlangt. Diese Pflanze liebt säuerlichen Boden, jene kann darauf nicht bestehen, die eine liebt Kalk, die andere braucht besonders Phosphor zu ihrem organischen und ge­sunden Aufbau, eine Blume muß zu diesem Zeit­punkt umgepflanzt werden, eine andere würde die Umpflanzung zum gleichen Zeitpunkt heftig Übel­nehmen und sofort den Kopf hängen lassen. Dies alles läßt erkennen, daß der Gärtner ein umfang­reiches und gut fundiertes Wissen haben muß. wenn­gleich auch in diesem Beruf das Probieren oftmals über das Studieren geht. Von der hohen Schule des Gärtners, dem Okulieren, dem Veredeln von Rosen, von Beerensträuchern oder Obstbäumen sei hier ganz abgesehen.

Wetzn man den Gärtner einmal fragt, wie sich das Publikum zu seiner Arbeit und zur Blume, zur Pflanze im allgemeinen stellt, dann kann man die erfreuliche Antwort hören, daß das Interesse und die Freude der Kundschaft an Blumen immer grö­ßer geworden sind, so daß auch der Gärtner so materiell es in diesem Zusammenhang auch klingen mag von einer fühlbaren Geschäftsbelebung sprechen kann. Das ist nicht nur für ihn erfreulich, vielmehr zeugt es auch davon, daß die Bevölkerung wieder mehr und mehr Sinn gewinnt für schöne, natürliche Umgebung. Der Blumenschmuck-Wett­bewerb, der alljährlich vom Derkehrsverein unserer Stadt veranstaltet wird, hat sehr dazu beigetragen, Freude an Blumen und frischem Grün zu' fördern.

Vom Samenkorn zum Keimling, vom behüteten Wachstum früher Jugend der Pflanze bis zur vol­len Entfaltung und der Krönung des Lebens in Blüte, Frucht und wieder Samenkorn, erlebt der Gärtner täglich das Wunder schöpferischer Natur. Es ist gut, daß wir alle, die wir dem Gärtner und seinem schönen Beruf tn der Regel nur aus einiger Ferne Zusehen können, während des Oster­festes auch einmal einige Gedanken widmen und uns damit dem großen Walten der Natur erschlie­ßen, das sich täglich neu vollzieht und gerade in diesen Tagen sinnfällig in Erscheinung tritt.

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Blick in ein großes Gewächshaus.

Morgen läuten die Osterglocken im Land! Mor- ?n prangen in jeder Familie Blumen auf en Tischen. Ostern, das Fest des Frühlings und ?r erwachenden Natur können wir uns ohne Blu- rcn auf dem Tisch fast nicht denken. Mit den Blu- en dringt ein Schimmer des Frühlings in unsere ciume. Tulpen und Hortensien, die feine, weiße «arzisse und ihre gelbe Abart, das Himmelsschlüs- ilchen, Blumen, wie sie uns der Gärtner gibt, ge- iren zum Osterfest, wie für die Kinder der sagen- :fte eierlegende Hase. Uebrigens, jene gelbe Art d.r Narzisse wird im Volksmund auchOsterglocke" gmannt. Der Name paßt gut. Unter den freien klütenblättern drängt eine wundersam geformte Nocke hervor, leuchtend in reinem Gelb, und kün- dlt den Frühling. Der Gärtner hegte und pflegte db Blume seit Monaten, und nun dankt sie es ihm mit ihrer strahlenden Pracht,

Noch andere Blumen draußen in Feld und Wald künden den Frühling. Aber noch sind ihrer wenige. Das Veilchen, die kleine Waldanemone, das beschei­dene Gänseblümchen, an seltenen Stellen der Seidel- b st das ist fast alles, was der jetzige Frühling bsher zu geben vermochte. Nicht viel also! Das Wetter war zu schlecht, die Sonne konnte sich nicht d rchsetzen, und der anhaltende Regen schuf bisher n r einen Frühling des Mißvergnügens.

So muß man zum Gärtner gehen, wenn man z m Osterfest Blumen haben will, die das Zimmer schmücken sollen. Just auch eine gute Gelegenheit, fidi einmal mit dem Gärtner zu unterhalten! Gärt- 11 r sind besinnliche Leute. So etwa wie der Bauer. Woher dies kommt, ist nicht schwer zu sagen

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