Ausgabe 
19.11.1935
 
Einzelbild herunterladen

darüber, daß auch minderwertige Metalle, wie Blech, emailliertes oder verzinktes.Eisen u. a., wie­der von der Industrie verarbeitet werden können. Weiterhin mag es daran liegen, daß die Händler diese Materialien nicht aufnahmen, da sie sie in den letzten Jahren nur schwer absetzen konnten. Nachdem aber von der Reichsbahn die Frachtsätze für minderwertigen Schrott und Ausschußschmelz­eisen erheblich gesenkt wurden und die Eisen schas­sende Industrie diesen geringwertigen Schrott auf­nimmt, kaufen auch die Händler dieses Material wieder auf.

Aus diesem Grunde ist es erforderlich, die große Zahl der Volksgenossen aus die kleinen Möglich­keiten zur Mitarbeit an der großen Aufgabe hin­zuweisen, damit alle irgendwie noch verwendbaren Stoffe nicht verloren gehen. Auf diesem Gebiet kann noch vieles geleistet werden. Man beachte nur bei einem Spaziergang, wie an allen möglichen Stellen, Hecken, Gruben, Böschungen usw. Altmetall und Unrat abgesetzt und ohne iede Ueberlegung gelagert wird, der zweifellos nicht zur Verschöne­rung des Landschaftsbildes beiträgt.

Also, Volksgenossen, nachdenken und für die rich­tige Verwendung all dieser anscheinend wertlosen Gegenstände besorgt sein, hat zweierlei Erfolg: Stärkung der Wirtschaft und Verhütung der Ver­schandelung unseres schönen deutschen Landschafts­bildes.

Schotten«! Bürgermeister auf der Fahrt nach Amerika.

Am heutigen Dienstagmorgen hat der Leiter der Stadt Schotten, Bürgermeister M e n g e l, auf der Fahrt nach Amerika zu der goldenen Ju­belfeier des Schottener Männerchors in Neuyork, an der er als Ehrengast des Ver­eins teilnehmen wird, den Gießener Bahnhof pas­siert. Bürgermeister M e n g e l wird heute abend in Hamburg ankommen und am Donnerstag früh mit mit Hapag-DampferNeuyork" die Ausreise nach Neuyork antreten. In Neuyork wird chn, wie er uns heute morgen bei einer Begegnung im Gieße­ner Bahnhof erzählte, eine Abordnung von drei Herren des Neuyorker Schottener Männerchors empfangen. Dabei wird auch der einzige noch lebende Gründer des Vereins, der aus Schotten gebürtige, 80 Jahre alte Charles W e i tz zugegen fein. Ge­legentlich der akademischen Feier mit einem großen Konzert des Schottener Männerchors in der Neu­yorker Turnhalle wird Bürgermeister Menge! die herzlichen Grüße des deutschen Vaterlandes, ins­besondere der oberhessischen Heimat und der Stadt Schotten überbringen. Er hat dabei die Freude, dem Neuyorker Schottener Männerchor it a. ein Glück­wunschschreiben des Reichsstatthalters Gauleiters Sprenger, ferner einige prächtige Oelgemälde, die die Heimatstadt Schotten und oberhessische Land- lchaftsbilder darstellen, Ehrungen der Neuyorker Deutschen Sänger durch den Schottener Männerchor in Schotten und durch den Hessischen Sängerbund in Gestalt von Ehrenurkunden und Ehrennadeln überreichen zu können. Bei diesen Ehrengaben be­findet sich auch ein Erinnerungsstück für den 80 Jahre alten Charles Weitz, über das wir heute noch keine nähere Mitteilung machen möchten, das aber bestimmt den alten Herrn ganz außerordent­lich erfreuen wird. Die oberhessische Heimat begrüßt es, daß sie durch den Schottener Bürgermeister den deutschen Brüdern im Schottener Männerchor in Neuyork ihre innige Verbundenheit mit den deut­schen Brüdern und Schwestern jenseits des Ozeans bekunden lassen kann.

Versammlung

der Landwehrvereinigung 116.

Am Samstag fand im CafL Ebel die Feier des 15. Stiftungsfestes der Vereinigung statt, die einen schönen, kameradschaftlichen Verlauf nahm. Der musikalische Teil wurde von der Kapelle Dau» bertshäuser bestritten. Der Führer der Ver­einigung, Wilhelm B o p f, hieß die Kameraden und deren Angehörige herzlich willkommen und ent­bot seinen besonderen Gruß den Vertretern des Ver­eins ehemaliger 116er in Gießen. Er erinnerte dann an die kriegerischen Leistungen des LJR. 116 an der Westfront und verlas den ehrenden Tagesbefehl des Divisionskommandeurs v. Bahrfeld an das nach der Winterschlacht in der Champagne in einen anderen Verband übergehende ÄR. 116. Unter den Klän­gen des Liedes ,^Jch hatt' einen Kameraden" ge­dachte er der Gefallenen des Regiments und schloß mit einem Sieg-Heil auf Volk und Führer.

Als Vertreter der Offiziersvereinigung LJR. 116 übermittelte Kamerad Heymann herzliche Glück­wünsche und hob hervor, daß sowohl im Kriege als auch später die Kameradschaft zwischen den Offi­zieren und ihren Landwehrleuten, aus deren Reihen viele von den späteren Offizieren hervorgegangen sind, immer besonders gepflegt wurde. Er gab dann einen Ueberblick über die Entstehung und Geschichte der Landwehrvereinigung und ihre Ziele und Be­strebungen und unterstrich besonders die großen Ver­dienste des jetzigen Kameradschaftsführers Wilhelm B o p f, der nun schon jahrelang die Vereinigung mit Eifer, Geschick und in kameradschaftlichem Sinne führt. Er schloß mit einem Hurra auf das bewährte LJR. 116 und dessen Gießener Vereinigung.

Kamerad B o p f ergriff im weiteren Verlause des Ahends nochmals das Wort, um zwei um die Vereinigung verdiente Kameraden, Dr. W. Hey­man n, den Gründer und ersten Vorsitzenden, und Prokurist Chr. Studt, der von Anfang an als Schriftführer unermüdlich für feine Landwehr ge­wirkt hat, besonders zu ehren. Der zweite Vor­sitzende, Rud. Schneider, betonte, daß ohne die unermüdliche Tätigkeit von Kamerad B o p f unsere Landwehrvereinigung nicht zu denken fei, er sprach die Hoffnung aus, daß er sie noch lange im bisherigen Sinne führen^möge. Schneider, der fast den ganzen Krieg in der vordersten Front mitgemacht hat, stellte fest, was alle von der Land­wehr wissen, daß er nie einen Angehörigen des Re­giments auch in der schwierigsten Lage habe ver­sagen sehen, und daß gerade die alten Soldaten schon in der Systemzeit sich nach einem neuen Deutschland sehnten und das Reich Adolf Hitlers deshalb mit Freuden begrüßt haben.

Im Namen der Gäste vom Verein der ehemaligen 116er dankte Kamerad Bill für die Einladung und erinnerte daran, daß der bekannte und noch heute geschätzte erste Vorsitzende seines 116er Ver­eins, Rechtsanwalt Kurt Kaufmann, einer der ersten Gefallenen des Landwehrregiments war. Er

Oie Berufsausbildung der Frau.

Elternabend und Ausstellung im Alice-Schnlverein

Der Alice-Schulverein, der sich die Heranbildung des jungen Mädchens für feinen Beruf als Hausfrau und Mutter oder für andere weibliche Berufe zur Aufgabe gesetzt hat, gab diesmal dem Elternabend und der Ausstellung der Arbeiten der hauswirt­schaftlichen Unterstufe in der Aliceschule in der Steinstraße ein hinweisendes Gepräge. Nachdem die Schülerinnen der Parallelklassen der Unterstufe unter Leitung ihrer Lehrerinnen Frl. Kellner und Frl. Krämer ihre Arbeiten ausgelegt hatten, führte sie und ihre Gäste ein gemeinsamer Eltern­abend zusammen, dem nach einem Klaviervortrag die Leiterin der Ausbildungskurse

Gewerbelehrerin Bechtolsheimer einige freundliche Begrüßungsworte, besonders an die Vertreterin des Vorstandes des Vereins, Frau Bechtel, und die zahlreich erschienenen Eltern voranschickte. Diese Gelegenheit benutzte sie, um auf Ziel und Zweck der Arbeiten in der Fachschule hinzuweisen, die sich zwar eines sehr guten Besuches aus allen Orten des Kreises erfreut, aber immer noch nicht die Beachtung erfährt, die ihr zukommt. Das Ziel der Anstalt ist die Mädchenerziehung zur angehenden Frau und Staatsbürgerin. Dabei wird der praktischen ^Betätigung der Vorzug gegeben; denn die Arbeit und die Einstellung zur Arbeit muß gelernt werden. Die Auffassung dieser Arbeit ist eine sehr ernste. Was die angehende Frau und Mutter an praktischem Können für ihren Haushalt und ihre Familie braucht, wird ihr hier beigebracht. Aller Anfang ist schwer, so auch die gerade Naht, der rechte Entwurf eines Schnittes, das Bedienen der Nähmaschine, das sparsame Wirtschaften und Kochen, aber die Anregung und frohe Stimmung der Gemeinschaft helfen dem jungen Mädchen über die Anfänge hinweg. Neben den vielen und ein­gehenden praktischen Dingen wird auch eine All­gemeinbildung und die Kenntnis weltanschaulicher Fragen oermittelt. Durch eine einfache Buchführung soll der Hausfrau auch eine sparsame Wirtschaft anerzogen werden. Es find so vielerlei Fragen um Dinge, die dem jungen Menschenkind durch Die Ge­meinschaft der Schule geklärt und gezeigt worden, so daß die Schülerin dieser hauswirtschaftlichen Fachschule zugleich die beste Vorbereitung für die Schule des Lebens empfängt und eingefuhrt wird in die Aufgaben und Pflichten, die der deutschen Frau und Mutter aus der deutschen Volksgemein­schaft erwachsen.

Den aufmerksam und mit Beifall angehörten Worten schloß sich eine Besichtigung der Ausstellung und eine Teestunde an, bei der die jungen Mädchen ihre Künste im Kuchenbacken und in der Gebäck- Herstellung vorwcesen. Gemeinsam gesungene Lieder, Gedichtoorträge u. a. auch in Mundart (Heimat­dichter Heß) verkürzten die Zeit. Ballübungen boten

einen Ausschnitt der sportlichen Betätigung in der Schule. Schließlich traf der durch die Brotverteilung für das Winterhilfswerk in Anspruch genommene Vorsitzende des Alice-Schulvereins

Oberstudiendirektor Schelhorn

ein, der Eltern und Schüler herzlichst begrüßte. Er sprach von dem Wert dieser Abende, die die Eltern am besten überzeugen von der sorgsamen Erziehung und Arbeit, die die Schule an den Kindern leistet. Durch die große Auswahl der vorgelegten Arbeiten ist der Mutter eine bessere Uebersicht geboten über die vielen Anregungen und Anstrengungen, die hier gegeben und gemacht werden. Auf diese Art werden die Leistungen der Schule auch am besten bekannt. Diese Abende aber sollen auch die Zusammenarbeit von Haus und Schule fördern, damit Anregungen und Wünsche hinsichtlich mancher Arbeit, oder des Lehrplanes auch vertrauensvoll vorgebracht werden.

Dann machte der Leiter sie auch mit den Sorgen des Alice-Schulvereins bekannt, der als privater Verein in uneigennütziger Arbeit und Aufopferung die gerade in heutiger Zeit wieder zu besonderer Ehre gekommene Fortbildung der. Frau als einzi­ges derartiges Institut im weiten Umkreis betreibt. Leider ist der bisherige staatliche Zuschuß in Fort­fall gekommen, aber die Stadt und der Verein sind bemüht, dieses für die Frauenfortbildung so wert­volle Institut zu erhalten. Durch die Umstände der Zeit ist der Mitgliederstand erheblich gesunken. Direktor Schelhorn schloß mit dem Wunsche, daß aus der Kraft der Gemeinschaft auch dieses Werk, das in feinem Bestehen sehr bedroht ist, erhalten bleiben möge zum Nutzen der Frauen Gießens und zum Wohle der Stadt. Die Schülerinnen er­freuten durch musikalische Darbietungen. Die Freude am Spiel kam durchdie musikalische Familie" zum Ausdruck. So nahm der Elternabend einen harmonischen Verlauf.

Oie Ausstellung

gab eine geschlossene Uebersicht über die Vielfältig­keit des Könnens. Die mannigfaltigen Weißzeug- und Näharbeiten zeigten die mehr ober minder geschickte und geübte Hand, Farben- und Formen­sinn und die einfache ober sparsame Auffassung. Selbstoerftänblich waren auch für bas Winterhilfs­werk in erster Linie Herrensachen angefertigt wor­den. Von ber einfachen Einfassung von Tüchern bis zur Herstellung von Wäschestücken aller Art waren nicht nur bie Entwicklungen ber Arbeit, fonbern auch ber Fleiß und bie ernste Arbeitsauffassung erkennbar, bie bie 15- unb 16jährigen Schülerinnen an ben Tag legten. Die Ausstellung fanb ben un­geteilten Beifall ber Eltern, bie mit mancher An­regung aus ber Ausstellung gingen.

sprach ben Wunsch aus, baß bie guten, kamerab- schaftlichen Beziehungen zwischen ben beiben 116er Vereinigungen auch weiterhin bestehen möchten.

Für bie anwesenbe Jugenb, unter ber zahlreiche Kameraden vom JR. 36 waren, bildete ein Tanz, an dem auch viele Landwehrkameraden sich eifrig betätigten, ben Abschluß bes schön verlaufenen Abenbs.

Tapezier- und Sattler-Innung des Kreises Gießen.

Von ber Leitung ber Innung wird uns berichtet: Am Sonntag hielt bie Tapezier- unb Sattler- Innung für den Kreis Gießen eine Jnnungsver- fammhing mit dem Hauptzweck der Lossprechung Der Lehrlinge ab. Nach kurzer Begrüßung ber Be­sucher, unter benen sich auch ber Kreisgemeinschafts- WalterHanbwerk", Herr Stein, befanb, betonte Obermeister Rubolf Leisler in seiner Ansprache, baß bie natonalsozialistische Bewegung großen Wert auf hanbwerklich hergestellte Qualitätsarbeit unb Qualitätsware lege. Aus biefem Grunb würben auch bie Lehrmeister angewiesen, ihre Lehrlinge so aus- zubilben, baß sie später einmal als Qualitäts­arbeiter angesehen werben können. Er wies fobann noch auf bie Gelegenheiten hin, bie heute bem Nachwuchs zur weiteren Fortbilbung im Beruf geboten werben, unb betonte hierbei bie zusätzliche Berufsausbilbung burch bie DAF., bie jetzt in bie Wege geleitet werbe. Dann machte er herauf auf­merksam, baß für ben Besuch ber Reichsfachschulen bes Tapezier- unb Sattler-Hanbwerks in Frank­furt unb Hilbesheim Unterstützungen an minber- bemittelte Gefolgfchaftsmitglieber vom Reichs- innungsverbanb gewährt werben. Nach weiteren Ermahnungen an bie Lehrlinge, jebe Gelegenheit zur Fortbilbung im Beruf zu benutzen, verpflichtete er bie jungen Leute auf Vaterlanb unb Beruf unb sprach sie jobann zu Gesellen. Nachbem ber Ober­meister noch ber Jungmeister gebacht hatte, bie am gleichen Tage ihre Meisterbriefe Überreicht bekamen, schloß er mit einem Sieg-Heil auf Vaterland und Führer.

Hierauf richtete Kreisbetriebsgemeinschaftswalter Stein einige ermahnende Worte an die Jung­gesellen und beglückwünschte sie. Im weiteren Ver­laufe der Versammlung gab Kreisbettiebsgemein- schaftswalter Stein einige Aufschlüsse über bie Glieberung ber DAF., bie mit großem Interesse verfolgt würben, auch gab er auf Anfragen ein- gehenbe Auskunft.

Es würben fobann noch anbere Jnnungsangele- genheiten besprochen. Der Obermeister machte be­kannt, baß die Innung jetzt einen größeren Auftrag von ber Lanbes-Lieferungsgenossenschaft erwarte, nachbem bie Probearbeit abgeliefert sei.

Nach Schluß ber Versammlung war ben Jn- nungsmitgüebem Gelegenheit geboten, ber An­fertigung einer Febereinlagematratze burch einen Spezialisten beizuwohnen. Durch ben hierzu gehal­tenen Vortrag würben manche Bebenken gegen bie{e Matratze zerstreut. Es wäre nur zu begrüßen, wenn ber Fachmann ben Verbraucher bester über biefe Mattatze aufklären mürbe, benn bekanntlich ist ber Kapok, bas in unserer Gegenb zu Auflege­matratzen am meisten gebrauchte Material, Aus- lanbsroare unb baher burch bie Devisenknappheit außerorbentlich schwer zu beschaffen. Die Feberein­lagematratze ist aber nicht nur als ein vollwertiger Ersatz ber Kapokmatratze, fonbern als viel bauer­

Hafter unb gefünber anzufprechen. Aus diesen Gründen wäre es im Interesse unserer Devisenbe­wirtschaftung Pflicht jedes Volksgenossen, sich von seinen Vorurteilen fteizumachen und anstatt ber durch ihre verhältnismäßig kurze Lebensbauer viel teuereren Kapokmatratze sich für bie burch ihre lange. Lebensbauer viel billigere und bessere Feder- einlagemattatze. zu entscheiden.

Das Schutnann-Theater in der Volkshalle.

Die große Dariets-Sondervorstellung des Frank­furter Schumann-Theaters, das die NS.-Gemein- schaftKraft durch Freude" veranstaltete, löste viel Freude aus. Nachdem bereits am Nachmittag eine Vorführung für die Soldaten unserer Garnison vor fast ausverkauftem Hause stattgefunden hatte, war die Volkshalle am Abend bis auf den letzten Platz besetzt. Das Gastspiel, das der Kreiswalter der NSG.Kraft durch Freude" Bienengräber mit Willkommensworten eingeleitet hatte, brachte 14 verschiedene anregende Darbietungen. Das Haus zeigte sich dankbar und würdigte bie Darbietungen mit anhaltendem Beifall. Diesmal kam nach Der musikalischen Einleitung eine Frau, Hanne Treff, als Ansagerin. Galant und witzig erlebigte sie ihre nicht gerade leichte Ausgabe, von Den Frauen immer mit erstauntemOvh! oberAah!" empfangen, wenn sie so nebenher alsKurzstreckenläuferin" stets in einem neuen Modekleid vor die Rampe trat. Dora Wittenberg, eine verblüffende Eguilibristin, stellte alle hier bisher gesehenen Kon­kurrenten in den Schatten. Mit Anmut und außer­ordentlicher Gewandtheit zeigte sie fröhliche Gym­nastik in unerhörter Feinheit. Ihr Sprung von einem 6 Meter hohen Brett mit dem Kopf nach unten versetzte die Massen erst recht in staunende Bewunderung. Mit einemWeißen Traum" tanzte sich das Dorian-Ballett in die Herzen der Zu­schauer. Mit graziösem Tanzschritt und dem Spiel ihrer feingliebrigen Hände unterstützt brachte die spielende Sängerin Low Skaya fremde und eigene Lieder zu Gehör. Den Abschluß des ersten Teiles bildeten die RollschuhkünstlerDie R e s u a Sisters & Co ", vier Schwestern und ein Bruder. Ihre wie der Wirbelwind auf kleiner Tischfläche bargebotene Rollschuhkunst rief stürmischen Beifall hervor, der sich steigerte, als sie im atemberauben­den Tempo ihre akrobattschen Leistungen auf Roll­schuhen produzierten.

Nach einer kurzen Pause zog das Kraftphänomen Claudia Alba, die mit schweren Kugeln jonglierte, freihändig schwebend eine 234pfünbige Kanone mit der Lafette, aus ber ein Schuß abgegeben wurde, in ben Zähnen hob, bie Volksgenossen in ihren Dann. Die groteske Akrobatik kam burch R e n n 6 e la Mar' s brei Babies in vollenbeter Weise zur Geltung, bie in ausgelassener Stimmung mit ihrer spleenigen Derspieltheit für unterhaltende Abwechse­lung sorgten. Claire Schlichting produzierte sich mit Geschick als weiblicher Clown unb brachte mit ihren Derbheiten unb ihrem sonnigen Humor bas ganze Haus zum Lachen. Die ausgelassene Stimmung förderten bie10 Argentina-Ladies" neben ihrer quicMebenbigen Dirigentin Gloria Argentina mit bezaubernder Akkordeon-Musik, bei ber dieTick- Tack - Liebesserenade" einen Sonberapplaus fanb. Das Dorian-Ballett bezauberte burch einen Schiffs- jungenfolotanz unb eine Puppen-Groteske. Dann kam Heinrich Kohlbranbt, ber Meisterkomiker

vom Rhein zu Wort, ber mit neuen Witzen unb Einfällen brillierte unb bie Lacher auf feiner Seite hatte. Die Seelöwen - Dressuren von Elsa Va­lente bildeten einen glanzvollen Abschluß. Die Gewanbtheit unb Geschicklichkeit biefer klugen und glatten Nobbentiere setzte jedermann in Erstaunen. Das Orchester paßte sich in ausgezeichneter Weiss ben Darbietungen an unb fanb stärksten Beifall.

Lehrausflug nach Mainz

Die Ortsgruppe Gießen bes Deutschen Biologen» verbanbes veranstaltete, gemeinsam mit ber Ober­hessischen Gesellschaft für Natur- unb Heilkunde, unter ber Führung von Dozent Dr. W. E. Anke! am vergangenen Samstag einen Lehrausflug nach Mainz. Am Vormittage wurde bas Natur- historische Museum ber Stabt Mainz besucht, wo zunächst Dr. O h a u s , ber bekannte Brasilien- reifenbe unb Käferforscher, ben Teilnehmern an Hanb seiner reichen Sammlungen barlegte, wie not» roenbig und aufschlußreich die genaue systematische Durcharbeitung kleiner Tiergruppen ist und wie bio­logische Fragen aller Teilgebiete dabei angerührt werden. Dann führte der Leiter des Museums, Pro­fessor Schmidtgen, durch die palaeontologischen Sammlungen und zeigte an mehreren Beispielen, daß auch an den Resten und Spuren längst ver­gangener Lebewesen Biologie getrieben werden kann. Wir standen vor den riesigen Steinplatten aus bem Oberrotliegenben von Nier­st e i n, auf benen burch bie Hanb von Präparator Stabelmann zahlreiche Spuren laufenber Tiere freigelegt finb; Prof. Schmibtgen gab uns seine, auf umfaffenben Untersuchungen fußenbe, Deutung biefer Spuren unb es erftanb bas Bild bes eintrotfnenben Tümpels vor uns, über besten zähen Schlamm vor Jahrmillionen Raubkäfer zum Fräße liefen. Abbrücke aus ben miozänen Hybrobienfchichten ließen bie Pflanzen- unb Jnsektenwelt, wie sie in jenen Zeiten im Mainzer Becken vorkam, kbenbig werben, unb bei ber Vor­weisung ber berühmten Funde von Wallert­heim gestaltete Prof. Schmidtgen das Leben der Eiszeitjäger, ihre Jagdweise und ihre Opfer in dramatischer Schilderung. Die Betrachtung der Neste der Elefantenvorfahren und des Riefenelches gab Gelegenheit, wichtige Fragen ber tierischen Stammesgeschichte zu besprechen. Nach gemeinsa­mem Mittagessen besuchten bie Teilnehmer ben gro­ßen Steinbruch ber Portlanbzementwerke Weisenau unb fanben hier eine unerwartet ein- brucksvolle Ergänzung ihrer Beobachtungen auf ber Norbseefahrt. Hier liegen in ben vom Meere ge» bilbeten Schichten bie Schalen von Muscheln und Schnecken in ganz ähnlicher Anordnung, wie wir das noch von den Strandsäumen der Norbseeküsten in frischer Erinnerung haben, unb in unmittelbarem Vergleichen konnte ein lebenbiges Bilb bes gewal­tigen ehemaligen Geschehens, ber Zusammensetzung unb bes Schicksales ber Lebewelt im Tertiärmeer gewonnen werben. Den Abschluß bes Tages bilbete ein kamerabschaftliches Beisammensein, bei bem Dr. Ohaus fesselnbe Berichte von feinen Amazonas» reifen gab.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 19. Nov. Auf bem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, bas Pfunb 1,55 Mark, ßanbbutter keine vorhanben, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier, frische (Jugoslawien), Klasse C 11, (Bulgarien) Klasse B 12, Klasse C 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., ber Zentner 7 bis 8 Mark, Weißkraut, bas Pfund 4 bis 8 Pf., ber Zentner 4 bis 5 Mark, Rotkraut, bas Pfund 8 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 10 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 30, Feld- salat 80 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 25 bis 40 Pf., Zwiebeln 7 bis 8, Merrettich 30 bis 70, Schwarz­wurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 30 Pf., ber Zentner 12 bis 25 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 25 Pf., Nüsse 50 bis 60, Zwetschenhonig 40 bis 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 bis 90, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Endivien 8 bis 12, Ober­kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 5 bis 25, Rettich 5 bis 10 P.

*

** Ein Achtzigjähriger. Am kommenden Donnerstag, 21. November, kann der Rentner und frühere Friedhofsarbeiter Johannes M a g e l, Lindenplatz 4 wohnhaft, in körperlicher unb geisti­ger Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Herr Magel ist schon seit langen Jahren Leser desGie­ßener Anzeigers".

** Der Leseholz-Sammeltag am mor­gigen Mittwoch ist bes gesetzlichen Feiertags wegen auf Donnerstag, 21. November, verschoben worben.

** D i e Weihnachtsferien an den Be­rufsschulen. Die diesjährigen Weihnachtsferien in ben Berufsschulen dauern vom 16. Dezember 1935 bis 6. Januar 1936. Eine Kürzung der Oster­ferien findet nicht statt. Wo in Einzelfällen die Be­lange ber Wirtschaft eine Ferienverlängerung nicht notroenbig machen, fallen bie Weihnachtsferien ber Berufsschulen mit benen ber Volksschulen zusam­men. Die Entscheibung trifft bas Kreis- bzw. das Stadtschulamt.

** Die Kriegsgeschichte des Großh. Artilleriekorps, 1. Großh. Hess. Feldartil- lerie-Regiment 25 kommt soeben in Druck. In einem stattlichen Band von etwa 600 Seiten, ausgestattet mit Karten und Bildern, zeigt bas Werk die Kriegs­jahre 1914 bis 1918 dieses ausgezeichneten Regi­ments, eines der ältesten ber alten Armee. Im An­hang befindet sich bie vollstänbige Verlustliste, nach amtlichen Unterlagen bearbeitet. Die Kampfhanb- lungen aller Jahre finb burch bie Mitarbeit vieler Kriegsteilnehmer außerorbentlich anschaulich geschil- bert; bas Buch nennt viele Namen oerbienter Mit­kämpfer, manche Seiten lesen sich wie ein Helben- gebicht.

Bei Erkältungsgefahr, Halsentzündung und Grippe schützt vor Ansteckung

In allen Apotheken und Drogerien.

Einfach 1 Eßlöffel voll in 1 Liter kochendem Wasser auflösen und man erhält sofort kräftige wohlschmeckende Fleischbrühe