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Nr. 271 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 19. November 1935

Elsaß-Lothringen in Frankreich.

Unter der großen Menge der Verordnungen mit Gesetzeskraft, welche die Regierung Laval auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassen hat, be­findet sich auch eines, das die bisherige Ver­waltung Elfaß-Lothringens grundlegend ändert, tief in die politischen und verwaltungsrecht­lichen Verhältnisse des annektierten Landes ein­greift und, wie es scheint, auch für die inneren Be­ziehungen der Grenzprovinz zu dem zentralistisch geleiteten Frankreich von großer Bedeutung ist.

Nach der formlosen Angliederung Elsaß-Lothrin- gens an Frankreich nach dem Waffenstillstand (le plöbiscite est fait!) wurde ein französischer Ober­kommissar eingesetzt, der mit nahezu unbe­schränkten Vollmachten die Angliederung des Lan­des an Frankreich vorzunehmen hatte, das nahezu fünfzig Jahre unter deutschen Gesetzen und in enger wirtschaftlicher Verflechtung mit Deutschland gelebt hatte. Die Widerstände waren erheblich; die Er­fahrungen, die Frankreich dabei machte, zeigten, daß die Erwartungen einer schnellen und restlosen Assimilation der sehr eigenwilligen Bevölkerung, die man aus der Stimmung nach dem deutschen Zusammenbruch abgeleitet hatte, keineswegs ge­rechtfertigt waren.

Man entschloß sich daher im Jahre 1925 zur Ein­richtung einer Generaldirektion für die elsaß-lothringischen Angelegenheiten mit dem Sitze in Straßburg, die zwar vollständig an die Direktiven der Pariser Zentrale gebunden war, dem Lande aber wenigstens dem Schein und die Illusion einer autonomen Verwaltung geben konnte. Daß es dem Generaldirektor Paul V a l o t, der das Amt während der verflossenen zehn Jahre innehatte, nicht gelungen ist, dem Lande diese Illusion zu erhalten, zeigten der unverminderte Widerstand, den die autonomistische Bewegung der Assimilation entgegensetzt, und die sehr beachtlichen Erfolge, die diese politische Stimmung bei den letzten Senatswahlen erringen konnte. Ein Widerstand, der sich durchaus nicht aus der ille­galen Natur der autonomistischen Bewegung er­klärt, wie es in Frankreich landläufig dargestellt wird, sondern der seine Kraft und Anziehung aus dem mangelnden Verständnis der zentra­len Politik und Verwaltung für die besonderen Verhältnisse des Landes und seine Forderungen in bezug auf Sprache, Kultur und Religion zieht.

Offenbar waren es die Enttäuschungen auch dieser zweiten Periode elsaß-lothringischer Entwick­lung in Frankreich, die die Pariser Regierung nun veranlaßt haben, von dem Wege, den sie mit Er­richtung der Generaldirektion einzuschlagen schien, grundsätzlich abzubiegen und zwar in der Richtung nach einer schärferen Zentralisierung. Die erwähnte Verordnung hebt nämlich mit dem 1. Januar 1936 die Generaldirektion auf und unterstellt die elsaß-lothringischen Angelegen­heiten unmittelbar dem Ministerprä­sidenten. ,

Wie schwer es für das offizielle Frankreich auch heute noch ist, die Stimmung des in vielen Dingen wesensfremden Landes zu beurteilen und Wirkun­gen von politischen Maßnahmen einigermaßen rich­tig zu bezeichnen, welche verschiedenen Sprachen man nicht nur tatsächlich, sondern auch politisch in Paris und Straßburg spricht, dafür ist bezeichnend, daß man offenbar mit einer vollen Zustim­mung zu der wichtigen Reform der staatsrecht­lichen Stellung Elsaß-Lothringens wenigstens bei den Parteien und Volkskreisen gerechnet hatte, die alszuverlässig" im französischen Sinne gel­ten, weil sie sich dem Gedanken einer vollkommenen Assimilierung in Frankreich mehr oder minder vor­behaltlos zur Verfügung stellten. Es zeigt sich nun aber, daß die Aufhebung des Generaldirektoriums und die Verlegung des Schwergewichts der Ver­waltung elsaß-lothringischer Angelegenheiten nach Paris gerade von dieser Seite heftig- st e r Kritik ausgesetzt ist, während die autonomistische Presse einen Vorteil für das Land in dem Verschwinden des bisherigen Generaldirektors zu erblicken geneigt ist, wohl auch aus dem Irrweg der Verordnung für die Zukunft eine Stärkung und Rechtfertigung ihrer Bestrebun­gen erhofft. _

Gloria-palast.

Liselotte von der Pfalz."

Das Schicksal der Liselotte von der Pfalz bleibt in der deutschen Geschichte eine schmerzliche Episode. Der Film, der seit gestern im Gloria-Palast aufge­führt wird, zeigt denn auch nicht die frohe, humor­volle, lustige Liselotte, die sie manchmal genannt wird, sondern eine Frau, deren Leben Opfer eines Irrtums und Tragik war. Sowohl ihr Vater, der polternde Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz, wie auch ihre Tante Sophie von Hannover glaubten ja, daß es gut fei, sie mit dem Bruder des Son­nenkönigs zu verheiraten, damit der Kurfürst ver­einst vielleicht seine Hausmacht vergrößern konnte. Es wurde nichts daraus! Sehr das Gegenteil. Das Schloß Heidelberg fiel durch Melac in Schutt und Asche. Der Sonnenkönig hatte andere Plane als der Kurfürst, und Liselotte traf lediglich das Schick­sal, Werkzeug zu sein.

Das Thema gab dem Film reiche Möglichkeiten. Das Leben am deutschen Fürstenhof ist kraß den Lebensformen am Hofe Ludwigs XIV. gegenuber- oestellt, in ebenso hartem Kontrast der vertrauens­selige deutsche Kurfürst und der machtlüsterne Kö­nig der Franzosen. Noch auffälliger ist der Un­terschied zwischen dem deutschen Edelfräulein und den frivolen, spöttischen und neidischen Maitressen aufgezeigt. Den Höhepunkt findet der Film in je­ner heftigen Szene zwischen Liselotte und Lud­wig XIV., da die Gegensätze zwischen den Men­schen zweier Nationen elementar aufeinanderstoßen, Liselotte sich leidenschaftlich für ihre Heimat einsetzt und dabei geradezu zu einer preußischen Figur wird. Der Sonnenkönig steht ihr als der kalte Rechner gegenüber. Einer der stärksten Eindrücke ist aber der Empfang der Abordnung Heidelberger Burger durch Liselotte im Schloß von Versailles.

Schade daß die Handlung des Films unter einem unaebeuren äußeren Aufwand immer wieder mühsam aufae ucht werden muß. Die Ausstattung des Films der Carl-Froelich-Produktion ist tatsächlich auf em Aus­maß aetrieben als follte einem amerikanischen Publikum imponiert werden. Lediglich> die ausge­zeichnete Darstellung läßt zum Wesentlichen zuruck- Senate Müller verkörpert in der Titelrolle die deutsche Prinzessin mit einem Ernst, der allein dem

DerTemps" nennt dies einenbefremd­lichen W i d e r f p r u ch". Befremdlich ist er aller­dings nur dann, wenn man, wie es die offizielle französische Lesart tut, an der falschen geschichtlichen Vorstellung festhält, nach der Elsaß-Lothringen nach emer Periode zwangsmäßigerGermanisation^ seinem französischen Mutterlande wiedergegeben worden sei und daß es nun nur gelte, alle künst­lichen Spuren der deutschen Zeit mit voller Billi­gung allerwohlmeinenden" Elemente des Landes auszutilgen. Der angebliche Widerspruch klärt sich jedoch sofort auf, wenn man die geschichtliche Wahrheit erkennt, daß dieses alte Grenzland zwischen zwei europäischen Staaten und Kulturen zwar oft feine politischen Neigungen, nie aber seine Eigenart gewechselt hat und daß es an dieser un­beschadet seiner staatlichen Zugehörigkeit festhält und sie zäh verteidigt.

Diese Erfahrung hat Frankreich schon einmal ge­macht, als unter dem dritten Napoleon zum ersten Male Versuche gemacht wurden, in die Sprache

und in die besonderen Rechte des Landes einzu­greifen; sie sind auch der deutschen Politik nicht er­spart geblieben, obwohl sie in den Jahren von 1871 bis 1914 den jetzigen Zickzackkurs der französischen vermied und konsequent zu einer immer vollständi­geren Autonomie Elsaß-Lothringens fortschritt, die der Gliederung des damaligen Reiches entsprach. Aber es scheint, daß der Besitz dieses Landes kei­nen ganz glücklich macht, der esbesitzen" will. Das nationalsozialistische Deutschland hat aus dieser durch die Geschichte belegten Tatsache die Lehre ge­zogen und den Anspruch auf ein Land und eine Bevölkerung aufgegeben, die unsnicht lieben wollen". Dies hindert uns allerdings nicht daran, mit Aufmerksamkeit und Teilnahme zu verfolgen, wie Elsaß-Lothringen den Kampf um feine Eigen­art führt und wie es ihn im Zusammenstoß mit einer mächtigen, aber nach überlebten Ideen ge­formten und dazu geschichtlich nicht einwandfrei be­rechtigten Zentralgewalt bestehen wird. O. M.

©er:

irtschastsmotor laust wieder.

Der Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk hat in einem in Frankfurt am Main gehaltenen Vortrage bemerkenswerte Streiflichter auf die gegenwärtige finanzpolitische Lage Deutschlands geworfen. Als wichtigste Schluß­folgerung aus seinen Ausführungen darf man die Feststellung anfehen, daß das große Werk der Wirtfchaftsankurbelung durch vor­ausgenommene Staatskredite restlos gelungen, damit aber auch in gewissem Sinne beendet ist. Die Erfolge, die auf diesem ganz neuen Wege der Konjunkturpolitik errungen wur­den, sind so augenfällig, daß sie weder abgeleugnet noch verkleinert werden können. Die Zahl der Arbeitslosen, die sich fast in der ganzen Welt auf einem beängstigend hohen Niveau erhalten hat, ist in Deutschland auf 1,75 Millionen gesunken. Auch der Reichsfinanzminister sieht eine halbe Million dieser Arbeitslosen als Kräfte an, die auf Grund ihrer zu geringen Leistungs­fähigkeit nicht wieder in den Arbeitsprozeß einge­schaltet werden können. Eine röeitere halbe Million muß als ein natürliches Sammelbecken angesehen werden, aus dem die Wirtschaft bei schwankendem Beschäftigungsstande ihrer einzelnen Zweige den Bedarf an Arbeitskräften decken muß, und das dar­um nicht geleert werden kann. Es bleiben also nur noch etwa dreiviertel Millionen Ar­beitslose übrig, die durch eine aktive Kon­junkturpolitik künftig noch inArbeit gebracht werden können. Damit hat diese ihre Aufgabe im wesentlichen gelöst. Selbst wenn der kommende Winter wieder eine zusätzlich saisonmäßige Arbeits­losigkeit in Höhe von etwa einer Million Feiern­den bringen sollte, so würde es sich nur um eine vorübergehende Erscheinung handeln, die sehr bald überwunden sein wird. Ein wirklicher Rück­schlag der Konjunktur braucht nicht befürchtet zu werden, weil der kräftig angekurbelte Motor der deutschen Wirtschaft nun von selbst weiter­läuft, und man nicht mehr zu befürchten braucht, daß er etwa mangels genügenden Treibstoffs wie­der stillzustehen gezwungen sein könnte.

Der Treibstoff der Wirtschaft ist in erster Linie das Kapital, das ihr zur Verfügung steht. In der kritischen Zeit des Tiefstandes der Konjunktur hat der Staat dieses Kapital durch einen Zugriff auf seine künftigen Einnahmen herbeischaffen und der Wirtschaft zur Verfügung stellen müssen. Graf Schwerin von Krosigk betonte mit besonderem Nachdruck, daß diese aktive Kreditpolitik die erste große nationalsozialistische Tat auf wirtschaftlichem Gebiete ist, die getan werden mußte, weil die Ueberwindung der schweren Krise nicht mehr den Selbstheilungskräften der Wirtschaft Überlassen wer­den konnte. Aber wenn der Automatismus der Wirtschaft in den Krisenjahren 1932 versagte und versagen mußte, so ist er heute schon wieder in hohem Grade wirksam. Der Reichsfi­nanzminister verwies auf die beiden Tatsachen, daß durch erfolgreiche Senkung der Arbeitslosigkeit einer­seits die öffentlichr Fürsorgelast um die Hälfte, nämlich um 1,4 Milliarden gesunken, andererseits aber der Erlös des Staates

aus Steuern um 2,5 Milliarden Mark g e - st i e g e n ist. Das Jahr 1935 wird eine weitere Er­höhung der Steuereinnahmen um 1 Milliarde Mark bringen. Die Lage des Staatshaushalts hat sich also uminsgesamtrund 5 Milliarden Mark gebessert. Aus dieser neugeschaffenen finan­ziellen Reserve können künftig die vom Staate auf­genommenen Produktivkredite a b g e d e ck t werden. Es können aber aus ihr auch weitere Mittel für die Arbeitsbeschaffung und für die Finanzierung der Erfordernisse der Wehrmacht entnommen werden. In welchem Umfange das eine oder das andere geschieht, in welchem Tempo als die früher zur Ankurbelung der Wirtschaft aufge­nommenen Produktivkredite getilgt werden, ist nicht von entscheidender Bedeutung. Die Hauptsache ist, daß Arbeitsbeschaffung und die Rüstungsaus­gaben künftig nicht mehr aus Krediten, sondern wieder aus den laufenden Einnahmen des Staates finanziert werden.

Dieses ungeheuer wichtige Ergebnis, das der Reichsfinanzminister mit Recht als das deutsche Wunder bezeichnete, bedeutet nichts Geringeres als den erfolgreichen Abschluß der Wirtschaftsan­kurbelung mit staatlichen Krediten und die Wie- derherstellung der eigenen Heilungs­kräfte der deutschen Wirtschaft. Die aktive Kredit­politik hat ihre Schuldigkeit in vollem Maße ge­tan. Sie hat dadurch, daß sie den Wirtschaftsmotor ankurbelte und ihm die Kräfte zu eigener Weiter­bewegung wiedergab, sich selbst im wesentlichen entbehrlich gemacht. Der künftige finanzielle Be­darf der Wirtschaft wird wieder aus ihren eigenen Erträgnissen befriedigt werden können. Die durch die Wiedereingliederung von Millionen deutscher Volksgenossen in den Arbeits prozeß erheblich gestärkte Konsumkraft wird in Zu­kunft ausreichen, um den Motor der deutschen Wirtschaft von selbst laufen zu lassen. Hierzu wird freilich auch weiterhin sorgsamste Spar­samkeit notwendig sein. An einen wesentlichen Abbau der Steuerlasten wird, wie der Reichsfinanzminister ausdrücklich betonte, in den nächsten Jahren noch nicht gedacht werden können. Aber die Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen, liegen künftig in der Hauptsache nicht mehr auf dem Gebiete der Finanzierung der Arbeit, sondern vielmehr in der Beschaffung der zu ihrer Inganghaltung erforderlichen R o h st o f f e. Hier wird fortan in erster Linie das Ziel der staat­lichen Wirtschaftspolitik liegen, das nur in enger Zusammenarbeit mit der Initiative der privatwirt­schaftlichen Kräfte verfolgt werden kann.

Die Rohstoffversorgung der Produktion ist eine vordringliche Aufgabe fowohl gegenüber den auf steuerliche Entlastung gerichteten Wünschen wie gegenüber vorübergehenden Stockungen der Kon­sumversorgung. Mit Recht hat Graf Schwerin von Krosigk in Frankfurt hervorgehoben, daß ebenso­wenig wie die vorjährige Hamsterwelle in Texil- tilwaren, die schnell zusammenbrach, auch der dies­jährige Ansturm auf die Butterläden als eine ernste Gefahr anzusehen zu werden braucht. Im Brenn­punkt der Wirtschaftspolitik steht jetzt die Rohstoff-

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sicherung, der alle anderen Dinge untergeordnet werden müssen. Mit großer Eindringlichkeit verwies der Reichsfinanzminister das Ausland darauf, daß Deutschland ohne erhöhten Export nicht auskommen kann. Entweder muß man es wie­der an Gebieten beteiligen, aus denen es seine Roh­stoffe holen kann, ober es wird diese Rohstoffe selbst erzeugen müssen. Der nun wieder aus eigenen Kräften bewegte deutsche Wirtschaftsmotor wird ganz gewiß auch die Frage der Rohstoffver­sorgung auf die eine ober bie anbere Weise zu lösen imstanbe sein.

Bücheriisch.

Karl Götz, Dos Kinberschiff. Ein Buch von ber weiten Welt, von Kinbern unb von Deutschland. Verlag Engelhorns Nachf., Stuttgart. Preis in Leinen 5,80 Mark. (409) Der schwä­bische Dichter, dessen Buch mit dem Volksdeutschen Schrifttumspreis des Deutschen Ausland-Jnstituts ausgezeichnet wurde, hat hier kürzlich in einer Morgenfeier der Hitler-Jugend gesprochen unb da­bei sicher in vielen seiner Zuhörer den Wunsch ge­weckt, nun auch das Buch in Händen zu halten, das von der fröhlichen Kinderfahrt aus den Schwabensiedlungen im fernen Palästina nach Deutschland erzählt. In diesem Buch ist mehr als nur die köstlichen Schilderungen der Erlebnisse die­ser frischen Buben und Mädels, Erlebnisse auf dem Schiff, in den Städten unb auf bem Lande, hier wächst stark unb rein bie Kraft ber deutschen Erde empor, hier wird die wirkliche Blutsverbundenheit sichtbar, die die Deutschen untereinander, mögen sie auch noch so verstreut sitzen, verbindet. Hier offenbart sich, daß von allen Wundern ber Ferne doch der Wunder allergrößtes ist: die Heimat!

Robert Hichens: Wege im Zwie­licht. Roman. Aus bem Englischen. Ganzleinen 4 Mark; broschiert 3,20 Mark. Verlag Ullstein, Ber­lin. (462.) Das Grunbthema dieses Romans ist ber Kampf zwischen Vernunft unb Leibenschaft. Ein bekannter Strafverteidiger erkennt verstanbes- mäßig sehr wohl, baß seine Manbantin offensicht­lich bes ihr zur Last gelegten Verbrechens schulbig ist. Aber biese seltsame Frau, bie bes Morbes an ihrem Gatten angeklagt ist, hat ben nüchternen An­walt so sehr in ihren Bann gezogen, baß er ent­schlossen ist, bis zum äußersten für bie schöne unb geheimnisvolle Angeklagte zu kämpfen. Während ber Gerichtsverhandlung jedoch wird dem Anwalt klar, baß sie ben Morb an ihrem Gatten aus Liebe 3U einem anberen Mann begangen hat. Er läßt sich hinreißen, feinen scharf durchdachten Verteidigungs- plan zu verwerfen, unb in einem leidenschaftlichen Ausbruch bezichtigt er ben Mann, ben bie Ange­klagte liebt, bas Verbrechen begangen zu haben. Das aber wirb seiner Manbantin zum Verhängnis, benn nun erkennt bas Gericht bie wahren Zusammen­hänge, unb bie Schulbige wirb zum Tobe verurteilt. Der Anwalt, ber ben Gebauten nicht ertragen kann, bie Frau, bie er geliebt hat, bem Galgen überliefert zu haben, gibt seinen Beruf auf unb wirb versuchen, seinem zerstörten Leben einen neuen Sinn zu geben.

Tex Harding: 76 Kilo Gold. Aben­teuer zweier Tramps in Südamerika. 253 Seiten. Seinen 3,80 Mk., broschiert 2,80 Mark. Verlag Ull­stein, Berlin. (430) Dieser neue Abenteurer­roman erzählt von dem Glück unb Elenb zweier Golbgräber. Zwei Tramps, Slim, ber Amerikaner, unb Tex, ber junge deutsche Abenteurer, ziehen ge­meinsam aus, um in ber gebirgigen Wildnis Süd­amerikas Gold zu waschen. Nach unsäglichen Stra­pazen entdecken sie endlich eine ergiebige Fundstelle. Als Reichgeworbene ziehen sie mit ihren 76 Kilo Golb in ber großen Stabt La Paz ein. Aber nicht lange bleiben sie im Besitz ihrer Reichtümer. Das wechselvolle Schicksal, bas sie mit ihrem Golbe er­leben, bis sie arm, wie sie nach La Paz kamen, wie- ber hinaus in bie Wilbnis ziehen, hält jeben Leser in Bann.

Thema gerecht werben kann. Ihre reichen barstel­lerischen Mittel werben zwar völlig herausgesorbert, sie überragt aber auch bei weitem alle anberen Darstellerinnen. In ber Rolle bes Kurfürsten sieht man Eugen Klöpfer. Seine universelle schauspie­lerische Kunst macht es ihm nicht schwer, ben Pol­terer unb Phantasten glaubhaft zu gestalten. Der Raugräfin, seiner Gattin, gab Maly Delschaft starke persönliche Züge. Den hoffärtigen Lud- wig XIV. stellte Michael Bohnen sehr konse­quent bar. Hans Stüwe hatte als Philipp von Orleans bie sympathischste männliche Rolle. Iba W ü st war als Herzogin von Hannover unübertrefflich lebenswahr. Dorothea Wieck fiel in ber Rolle ber Maintenon sehr angenehm auf. Für bie stattliche Zahl ber übrigen Rollen hatte man sich ebenfalls um gute Kräfte bemüht.

Der Film, ber unter Carl Froelichs routi­nierter Spielleitung entstaub, brachte eine Fülle ein­prägsamer Einzelszenen.

Der Kameramann hatte bie schwierige Aufgabe, inmitten bes Prunks ber Ausstattung zu klaren Bilbern zu kommen. In ber Musik befleißigte man sich aller Zurückhaltung. N.

Daboona.^

Baboona" bas heißt auf beutfch: bas Laub ber Paviane. Unter biefem Titel zeigt bas Licht­spielhaus ben im Verleih ber Deutschen Fox- Filrn-AG. erschienenen Bilb- unb Tonbericht von ber Flugexpebition bes amerikanischen Ehepaares Martin unb Osa Johnson nach Afrika. Dieses sympathische, begabte unb wagemutige Ehepaar ist in Deutschlanb bereits burch bie in Buchform er­schienenen Rechenschaftsberichte von feinen früheren Äfrika-Expebitionen bekannt geworben. Diese letzte nun bie roieberum vornehmlich ber Erforschung ber afrikanischen Tierwelt unb Lanbschast gewibmet war, würbe mit zwei Flugzeugen unternommen, was gegenüber ben früheren eine bebeutenbe Steige­rung ber Beweglichkeit unb Erweiterung bes Ak­tionskreises bebeutete. So entftanb ein ungemein lebenbiger Kulturfilm, voll von schönen Bilbern, von reizvollen unb seltenen Szenen aus bem ur­sprünglichen Leben im Herzen bes schwarzen Erb­teils, im afrikanischen Tierparabies.Baboona" faßt die reiche Filmausbeute der Expedition zusammen.

Wir machen die weiten und nicht immer ungefähr­lichen Luftreifen über dem ostafrikanischen Kenia­gebiet mit (Nairobi war ber Stützpunkt bes Unter­nehmens), bie Flüge zum Kilimanbscharo unb zum Rubolssee. Da erschließt sich in ihrer ganzen Eigen­art unb ihrer großartigen Weite bie afrikanische Lanbschast aus ber Vogelperspektive, unb immer aufs neue beleben sich Fluß unb See, Walb unb Steppe mit bem unerschöpflichen Reichtum afrika­nischer Tierwelt. Ein berücfenbes Bilb: ber Blick auf bie nach vielen Tausenben zählenben Flamingo­schwärme. Unb zu ben Flamingos gesellen sich halb in wirbelnber Folge immer neue Scharen von Tie­ren, bie man gemeinhin nur aus bem Zoologischen Garten kennt: Krokobile, Giraffen, Gnus unb Anti­lopen, Geier und Reiher, Elefanten, Nashörner, Löwen und Affen, Affen in ganzen Herden; nicht von ungefähr haben sie diesem Expeditionsfilm den Namen gegeben. Dazwischen finden sich allerlei völkerkundlich interessante Aufnahmen von den Kriegstänzen der Massai und von der Begegnung mit dem zutraulichen Zwergenvolk der Pygmäen. Der Film ist reich an dramatischen Szenen wie an heiteren und idyllischen Episoden. Da sieht man ein ganzes Löwenrudel in nächster Nähe des gelandeten Flugzeugs, da erlebt man einen aufregenden Kampf eingeborener Krieger mit einem Nashorn in offener Steppe, den Fang eines jungen Elefanten, den Ueberfall zweier Leoparden auf eine Pavianherde, den Fang eines Geparden und ein Duell zwischen Leopard unb Warzenschwein. Silber von bewegter, lebensnaher Schönheit ergeben bie Zeitlupenaufnah­men ber vor bem Leoparden burchs Wasser flüchten- ben Pavianherbe. Von besonberem Reiz find auch bie Szenen ber babenben jungen Elefanten, ber Geparbenbabys unb ber Affenkinber. Es ist wohl nicht unbillig, noch einige Namen zu nennen; Tru- man Talley hatte bie Oberleitung; Photographie: Martin Johnson, ber von feiner tapferen Frau an ber Kamera unb mit bem Gewehr vorzüglich unterstützt würbe; Ton: Robert Moreno unb Walter Hicks; erster Pilot: Vern Carstens. Der Film läuft seit gestern, begleitet von ber neuen Wochenschau unb zwei anberen Kulturfilmen, bie vom ostpreußischen Bernstein unb thüringischen Porzellan handeln, unb sei nachbrücklich empfohlen.

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Der verleumdete Freitag.

Noch heute gibt es Leute, die an einem Freitag nicht aern eine Reise unternehmen und auch sonst darauf bedacht sind, an diesem Tag ihre häusliche Sicherheit nicht zu verlassen. Sie sind ber festen Ueberzeugung, daß der Freitag ein Unglückstag sei. Gegen diesen Aberglauben hat man schon ver­schiedentlich ins Feld geführt, daß ber Freitag sich im Gegenteil oft schon als Glückbringer erwiesen hat unb baß er zum minbeften besser ist als sein Ruf. So ist z. B. der Freitag, wie ein amerikani­scher Gelehrter ermittelt hat, der Glückstag in ber Geschichte Amerikas. Kolumbus trat an einest Freitag seine Entdeckungsreise an, entdeckte bie Neue Welt an einem Freitag und kehrte an einem Freitag zurück. DieMayslower", das Schiff der ersten englischen Ansiedler in Amerika, landete an einem Freitag; der größte Staatsmann der Ver­einigten Staaten, George Washington, wurde an einem Freitag geboren. Im Unabhängigkeits­kriege war der Freitag für die Amerikaner ein Gluckstag, denn Burgoyne ergab sich an diesem Tage und an demselben Wochentage mußte sich Cornwalles ergeben. An einem Freitag veröffent­lichte John Adams die Unabhängigkeits-Erklärung. Auch die englische Marine feiert ben Freitag als Glückstag. An einem solchen Wochentage ging bie spanische Armaba unter, was allerdings für die Spanier immerhin ein Unglückstag war, unb die Flotte des holländischen Admirals van Tromp wurde an einem Freitag vernichtet. Einige der wichtigsten englischen Seesiege wurden am Freitag erfochten, unb wenn auch bie Schlacht bei Gibraltar an einem Montag ftattfanb, so schuf boch der vor­hergehende Freitag die Grundlage für den Sieg, da sich der französische Admiral an diesem Tage zur Annahme der Schlacht herauswagte. Die Schauspieler sind in bezug auf den Freitag be­sonders abergläubisch, und doch ist der gefährlichste Tag für bas Theater ber Montag, an bem bas Publikum am schwersten zu befriedigen ist.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Hermann Bente, Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Univer­sität Kiel, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Frankfurt abgelehnt.