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Guispächier Weiß (Hof Graß) zu Grabe getragen.

Hungen, 18. Nov. Am Samstag wurde hier auf dem Friedhof ein bemerkenswerter Ange­höriger unserer Großbauernschicht zu Grabe ge­tragen: Gutspächter Rudolf Weiß zu Hof Graß. Er entstammte einer Waldeckischen Landwirts­familie, in der gute alte Kultur gepflegt wurde. In den achtziger Jahren kam er als Volontär auf den ehemals du Thilfchen, jetzt Gräflich Wal- derndorffschen Hof Graß. Dort wurde er der Schwiegersohn des Pächters, der im vergangenen Sommer im 96. Lebensjahre verstorbenen, weithin bekannten Oekonomierates Oswald K l i n g e l h ö f - f er. Als Herr Weiß mit junger Kraft den Hof übernahm, stand er vor einer schwierigen Aufgabe. Es waren die damals für die Landwirtschaft über­aus schwierigen Caprivi-Jahre. Dazu sah sich Herr Weiß veralteten Wirtschaftsmethoden gegenüber auf einem Gute, dessen Bodenqualität den Wetterauer Durchschnitt nicht erreicht. Don entschlossenem Wil­len und mit reichen landwirtschaftlichen Kenntnissen ausaestattet, ging er zur intensiven Ackerbewirt- schastung über, die sich alle Erfindungen der Technik und der Chemie zunutze machte. So erreichte er es in langer Mühe, daß sein Hof zu einem Muster­gut wurde, dessen Aecker Ernten einbrachten, die sich neben den besten Gütern der Wetterau sehen lassen konnten. Das gleiche gilt für die Viehzucht, die auf Hof Graß betrieben wurde. Besonders be­kanntgeworden ist Herr Weiß durch seine vorbild­liche Schweinezucht. Seit langem ist deshalb sein Betrieb für das kleinere Bauerntum der Nachbar­schaft ein Muster.

Wohl noch wertvoller war Herr Weiß in seiner sozialen Haltung. Das Verhältnis zu dem Hofge­sinde war in gutem Sinne patriarchalisch. Etliche Dienstleute gehören seit Generationen zum Hof. Mancher Veteran der Hofarbeit in Hof Graß das Gnadenbrot, ohne die unpersönliche Alters­anstalt aufsuchen zu müssen. In Graß dienen zu dürfen, gilt in der Umgebung noch heute als eine Ehre.

Dabei war Herr Weiß, der begeisterte ehemalige Soldat, ein aufrechter deutscher Mann. Der Zusam­menbruch von 1918 war ihm ein tiefer Schmerz. Die damals angehende deutsche Not hat er nach Kräf­ten gelindert. Darbende und Hungernde hatten in der unseligen Zwangswirtschaftszeit im Hause Graß eine Zuflucht, bei der es nicht auf den Geldbeutel der Entbehrenden abgesehen war.

Aus deutscher Gesinnung hieß er alle Bestrebun- gen willkommen, die auf eine Besserung des deut­schen Lebens zielten. Es war nur wenigen bekannt, daß im ©nätbprhft 1923 bei ihm verfolgte Kämpfer Adolf Hitlers Sicherheit fanden. Sein Haus ist sicher eines der ersten gewesen in dem die Lieder der jungen nationalsozialistischen Bewegung gesungen wurden. Darum wird der treue deutsche Mann un­vergessen bleiben.

Kirche und Schule

CanbfrHs Gießen

co Bettenhausen, 18. Nov. Unsere Ge­meinde hatte gestern einen seltenen Tag: Wir durf­ten unsere Kirche neu weihen, nachdem sie in etwa vierteljähriger Arbeit in ihrem Inneren ein völlig neues Gewand erhalten hatte. Die Weihe­ansprache und -Handlung hatte der Dekanstellver­

treter, Stiftsdechant Kahn (Lich) übernommen. Im Anschluß an Epheser 4, 2224 überbrachte er die Grüße des Dekanates Hungen und der Landes­kirche und ließ seine Ausführungen in dem Wunsche gipfeln, daß in dem erneuerten Gotteshaus sich eine von innen heraus erneuerte Gemeinde sammeln möge. Die Festpredigt des zuständigen Pfarrers über Haggai 2, 7b führte aus, daß in dieser Kirche die Herrlichkeit des Herrn als Vater, Sohn und heiliger Geist allezeit gelebt hot. Das Mittelstück der Feier wurde würdig eingerahmt von zwei Lie­dern von Joh. Seb. Bach:Kommt, Seelen, dieser Tag" undGott lebet noch". Lehrer Kruyer, Büdesheim, ein Kind unseres Dorfes, trug fte in angenehmem, gutgeschulten Bariton vor. Auch an der Orgel saß ein geborener Bettenhäuser als Or­ganist. 'Wilhelm Köhler (Lugge), ein Sohn des in Oberhessen unvergessenen Philipp Köhler (Langs­dorf). Die wichtigsten Lieder der Gemeinde wurden von dem jungen Langsdorfer Posaunenchor beglei­tet, so daß die musikalischen Teile der Feier von lauter heimischen Kräften bestritten wurden. Den Höhepunkt des Festgottesdienstes bildete die Weihe der Ehrentafel für die 13 Gefallenen des Weltkrieges. Sie wurde durch den Krrchenmaler Otto Kienzle (Alsbach) an der Empore der im Chorraum stehenden Orgel auf-

gemalt und beherrscht durch ihre eindrucksvoll in Gold und Silber gehaltenen Farben den ganzen Chorraum. Unter dem Ehrengeläute der Glocken wurden die Namen der teuren Toten verlesen und das Mal geweiht, den Gefallenen zum Gedächtnis, den Nachkommen zur Mahnung, dem unerforfch- lichen Gott zu Lobe. Das Lied vom guten Kamera­den beschloß eindrucksvoll den Weiheakt. Im ge­meinsamen Unser Vater faßte die Gemeinde ihre Gedanken zusammen. Am Abend fand sich noch einmal eine zahlreiche Versammlung zu einer G e - m e i n d e s e i e r in der Kirche ein, um einen Vor­trag überGeschichte und Würdigung unserer Kirche" zu hören. Es wurde der Gemeinde aus der Bauzeit ihres Gotteshauses berichtet, wurde hin­gewiesen auf künstlerische Schäden, die in geschmack­loser Zeit dem Bau zugefügt wurden, und es wur­den die Aufgaben herausgestellt, die der Bauleitung und dem Kirchenmaler bei der jetzt vollendeten Wiederherstellung oblagen. Besonders betont wur­den die Umstände, aus denen der reformierte Cha­rakter dieses Kultusbaues hervorgeht. So nahm dieser festliche Tag unserer Gemeinde einen befriedi­genden und würdigen Verlauf. Dem Gemeinderat und dem Bürgermeister sind wir alle viel Dank schuldig für das wohlgelungene Werk.

öJ.Jporf

HandballimKreisLahn-Dill(GauXH)

Bezirksklasse:

MTV. Gießen Tuspo Marburg 6:5 (2:3). Die Gießener konnten, obwohl Marburg bei Halbzeit noch in Führung lag, einen knappen Sieg landen, der allerdings mehr als glücklich bezeichnet werden muß. Im übrigen soll, wie verlautet, Mar­burg Protest eingelegt haben.

To. Heuchelheim Tv. Wetzlar 4:10 (0:8). Heuchelheim war gegenüber den letzten Spie­len diesmal nicht wieder zu erkennen. Nicht nur, daß vollkommen systemlos gespielt wurde, die Mannschaft war auch zeitweilig viel zu hart, was dem Spiel einen wenig schönen Rahmen gab. Erst nach der Pause wurde es besser, zu einer wesent­lichen Veränderung des Resultates war es aber doch schon zu spät. Die Einheimischen würden gut daran tun, in Zukunft sofort mehr Wert auf ein zweck­mäßiges Spiel zu legen, um damit etwaige Ueber- rumpelungsoersuche der Gegner von vorneherein zu unterbinden.

To. Münchholzhausen To. Roth. Roth trat auch zu diesem Spiele nicht an, so daß wohl damit gerechnet werden kann, daß die Mannschaft aus der Runde genommen wird.

1. Kreisklasse:

Tv. Groß-Rechtenbach Tv. Dorlar 11:5 (8:2). Daß die Platzbesitzer gewinnen würden, stand fest. Trotzdem überrascht der hohe Sieg doch. Er läßt sich aber erklären, wenn man weiß, daß Rechtenbach in allen Teilen gleich gut besetzt war, daß dahingegen Dorlar ^ehr viel Schwächen auf­wies.

To. A tz b a ch Tv. Holzheim 5:5 (2:4). Atz- bach hatte auch diesmal wieder Glück. Denn das

Spiel mußte unbedingt von den Gästen gewonnen werden, zumal bereits bei Halbzeit eine klare Füh­rung bestand. Taktische Fehler ließen die Platzbe­sitzer aufkommen und ihnen allein ist dann auch der unerwartete Ausgleich zuzuschreiben.

2. Kreisklasse:

Tv. Nauborn Tv. Allendorf a.d.Lahn 5:6 (0:4). Viel sicherer als das Ergebnis besagt, konnte Allendorf dieses Spiel gewinnen. Der gute Torhüter der Platzmannschaft allein ließ ein höhe­res Ergebnis nicht zu. Das Spiel wurde von Nauborn zu hart ausgetragen.

Tv. Wetzlar II Tv. Dutenhofen 4:10. Dutenhofen war seinem Gegner in jeder Beziehung weit überlegen und gewann auch in dieser Höhe ver­dient.

Tv. Grüningen Tv. Hausen 12:8 (8:4). Die Gäste gaben sich zwar alle Mühe, das Ergeb­nis besser zu gestalten, konnten aber den Sieg der Einheimischen nie gefährden.

Tv. Treis Tv. Londorf 1:3 (1:1). Auf beiden Seiten schlechte Stürmerleistungen, dafür waren aber die Hintermannschaften um so besser. Der Sieg der Gäste ist verdient, obwohl der Kampf zeitweilig vollkommen ausgeglichen war.

Tv. Allendorf a. d. Lda. Tv. Beuern 9:5 (5:2). Die Platzbesitzer lieferten ein ausgezeich­netes Spiel, gegen das auch die eifrigen Gäste nicht ankommen konnten. Es hat den Anschein, als ob Allendorf sich jetzt allmählich auf sich.selbst besonnen hätte und noch ein Wörtchen mitsprechen möchte.

Jugend.

Tv. Wetzlar Spv. 05 Wetzlar 4:4 (2:2). Ein ausgeglichenes Spiel zweier gleichstarker Mann­schaften, das in dem Unentschieden auch den ge­rechten Ausgang nahm.

Tv. Münchholzhausen Tv. Garben» heim 13:1 (7:0). Eine ziemlich einseitige Ange, legenheit. Die Platzmannschaft war um eine Klasse besser als ihr Gegner.

Tv. Lützellinden Tv. Lang-Göns II 12:1 (3:1). Die Gäste konnten wider Erwarten den in ausgezeichneter Form spielenden Einheimischen nie gefährlich werden, was das Ergebnis auch be» reits deutlich zum Ausdruck bringt.

Tv. Lang-Göns I Mtv. Gießen 13:1 (7:1). Das Spiel war nicht so einseitig, wie das Ergebnis besagt. Bei besserem Zusammenarbeiten und besserem Schußvermögen im Sturm der Gäste hätte ein zahlenmäßig besseres Ergebnis erreicht werden können.

Tv. R u t t e r s h a u s e n Tv. Wißmar 17:2 (9:0). Die Jungens aus Ruttershausen waren wie­der ganz groß in Fahrt und überfuhren ihre Gaste im wahrsten Sinne des Wortes.

To. Holzheim Tv. Grüningen 10:0 (8:0). Grüningen zeigte sehr wenig von dem, was es wirklich kann. So ist es deshalb auch verständ­lich, daß Holzheim haushoch gewann.

Freundschaftsspiel.

Tv. Wißmar Tv. Garbenheim 3:7. Das Spiel wurde auf beiden Seiten ziemlich schnell durchgeführt. Durch größere Spielerfahrung und Stehvermögen hat Garbenheim verdient gewonnen.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Der lebhaften Wirbeltätigkeit über dem Ostatlan­tik steht ein mächtiges Hochdruckgebiet über Ost­europa gegenüber, so daß vor allem in den höheren Lagen sich kräftige Abkühlung eingestellt hat. Dabei haben Schneefälle auch auf unser Mittelgebirge übergegrisfen, während in den Niederungen bei fast unveränderten Temperaturen vielfach Regenfälle niedergehen. Voraussichtlich wird das östliche Hoch­druckgebiet sich langsam noch weiter westwärts ausdehnen und dabei zunehmenden Einfluß auf unser Wetter nehmen.

Aussicht en für Mittwoch: Vielfach dun­stig oder nebelig, sonst zeitweilig aufheiternd, ab­nehmende Niederschlagsneigung, bei lebhaften süd­lichen und östlichen Winden Tagestemperaturen um etwa 5 Grad Celsius.

Aussichten für Donnerstag: Bei leb­haften westlichen Winden voraussichtlich weitere Ab­kühlung, doch noch nicht ganz beständig.

Lufttemperaturen am 18. November: mittags 7,6 Grad Celsius, abends 5 Grad; am 19. November: morgens 5 Grad. Maximum 8,1 Grad, Minimum 1,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. November: abends 5,3 Grad; am 19. November: morgens 4,5 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 0,3 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein­druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

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Gießen (Auf der Weißerde 6), den 18. November 1935.

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Die Beerdigung findet Mittwoch, den 20. November, nachmittags

3.15 Uhr in Lindenstruth statt

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Familie Katharine Weiß Wwe., geb. Wolf und alle Angehörigen.

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geziemend in Kenntnis zu setzen.

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