,/Das modernste Paradies der Welt."
Augenzeugenbericht eines südamerikanischen Sozialisten.—Ausländischen Besuchern gehen die Augen auf.
18 N°°. (DNB.» Der „Bund" ver- unter der Ueberjdmft „Das modernste Paradies der Welt" einen Bericht über die Auslände m der Sowjetunion, der dadurch um so bemerkenswerter ist, als der Verfasser, der Fvrschungs- reisende Vitvriv Larco S) e r r e r a aus Lima, l/ uh er einer der eifrigsten Verfechter o e r bolschewistischen Lehre in seiner Heimat war, aber nach einer Studienreise nach Rußland zum schärfsten Feind des «owsetsystems geworden ist. Er hat nach dem Bericht des „Bund" einem Mitarbeiter der in Lima (Peru) erscheinenden Zeitung „La Cronica" geqen- über u. a. erklärt:
„Was heute in Rußland regiert, ist ein völlig absurdes System; es herrscht dort kein Sozialismus, sondern eine erschreckende Tyrannei. Das, was ich sah, war für mich eine furchtbare Enttäuschung. Ich habe in Rußland niemanden angetroffen' der noch herzhaft lachen kann. Alle Menschen klagen und leiden. Ueberall traf ich düstere Unzufriedenheit, die von den Polizeiorganen trotz allem Eifer nur mit Mühe zu unterdrücken ist. Im ganzen Lande herrscht eine geladene Spannung. Die Bombe ist explosionsreif und kann jeden Augenblick platzen. An dem Tage, da in Rußland eine neue Revolution losbricht, wird die Welt mit Cnsetzen erfahren, wie das russische Volk von seinen Henkern und Scharfrichtern gefoltert wurde. Mit den russischen Methoden kann man ein großes Volk nie und nimmer lebend erhalten. Wohlstand ist ein lebens- und fortschritterhaltender Charakter. Wer darum Haß gegen Besitz und Wohlstand predigt, sät nicht nur Zwietracht, sortdern auch Untergang und Verwüstung. Kein einziges ausländisches Buch, keine fremdländische Zeitung oder Zeitschrift darf über die russische Grenze. Rußland hingegen verschickt Tausende und aber Tausende von Propagandaschriften in alle Weltteile. In widerwärtig verlogenen Sätzen werden in diesen Broschüren die großen Errungenschaften einer Tyrannei verkündet, die dem russischen Volk das einzige Glück verschafft hat — hungernd sterben zu dürfen. Ich habe gesehen, wie arme Arbeiter in Staatsrestaurants essen. Der Ekel stieg mir hoch; denn was hier den Arbeitern vorgesetzt wurde, war nicht einmal gut genug für Hunde."
In einem Aufsatz, der die Ueberschrift „Die gesetzgeberische Perlenkette in Sowjetrußland" trägt,
beschäftigt sich der „Bund" ferner mit der Gesetzgebung in der Sowjetunion, vor allem mit dem Arbeitsrecht. Das Blatt stellt dabei u. a. fest, daß kein Kulturstaat in Europa es wagen dürfe, solche Bestimmungen über das Arbeitsrecht aufzustellen, wie sie in Sowjetrußland in Kraft sind,
ohne der Gefahr einer Revolution ausgesetzt zu werden. Ferner wird darauf hingewiesen, daß wichtige arbeitsrechtliche Bestimmungen, die das Proletariat von jeder Ausbeutung befreien sollen, in der Sowjetunion in Wirklichkeit längst überholt und durchbrochen sind. So bestimmt u. a. der sowjetrussische „Arbeits-Kodex" im Artikel 37, daß Lohnarbeiter nicht ohne ihre Zustimmung von einer Arbeitsstätte nach einer anderen abtransportiert werden dürfen. Diese Bestimmung ist bereits dahingehend abgeändert worden, daß Arbeiter von einem Ort an den andern abtransportiert werden können, falls „die Produktion es verlangt". Dadurch ist die Zwangsarbeit rechtlich sanktioniert. Eine weitere ungeheuerliche Bestimmung setzt fest, daß der Arbeiter, wenn er mit seinem Verschulden Ausschußware herstellt, keinen Lohn erhält, und nur die Hälfte des Lohnes erhält, wenn dies ohne sein Verschulden geschieht. Eine entsprechende Regelung ist für Betriebsstörungen vorgesehen. Schließlich weist der „Bund" darauf hin, daß in der Sowjetunion Felddiebstähle mit dem Tode durch Erschießen bestraft werden und daß durch ein Gesetz vom 7. April 1935 sogar Zwölfjährige zum Tode verurteilt werden können.
Die Wühlarbeit der Kommunisten in Frankreich.
Paris, 19. Roo. (DRB. Funkspr.) Das „Echo de Paris" wendet sich unter der Ueberschrift „H o ch- verrat" mit scharfen Worten gegen die Tätigkeit der französischen Kommunisten in Frankreich und in seinen Kolonien. Die kommunistische Internationale halle es in den französischen Kolonien darauf abgesehen,eine antiimperialistische Front gegen Frankreich zu schaffen und Frankreich aus seinen Kolonien herauszuwerfen. Es sei kein Wunder, daß England und die Vereinigten Staaten gegen die Beschlüsse und die Tätigkeit des 7. Komintern-Kongreßes in Moskau Einspruch erhoben hätten. „Wird aber Frankreich gestatten, daß eine politische Partei auf den Befehl einer fremden Internationale offen auf die Abtrennung von drei seiner Departements hinarbeitet? Was soll man schließlich von einem Staat halten, dessen führende Männer als Regierungschefs erklären, ein starkes Frankreich zu wünschen, dessen führende Männer aber als Drahtzieher der internationalen Politik zur selben Zeit den Befehl erteilen, Frankreich zu zerstückeln, zu schwächen und zu vernichten? Was soll man von der Freundschaft eines solchen Staates halten? Bedeutet sie eine Stärkung oder eine Schwächung?"
gegen die Anordnung, daß bei der Einfuhr aus Deuschland nach England vom 18.November ab die Eigenschaft der Waren als deutsche Waren durch Ursprungszeugnisse besonders nachgewiesen werden muß. Die Königlich Britische Regierung hat daraufhin mitteilen lassen, daß sie die Anordnung mit Rücksicht auf die ingang befindlichen Besprechungen suspendiert habe.
Tag der deutschen Hausmusik.
Ein Geleitwort Professor Abendroths.
Der Reichssachschaftslehrer für Mu- s i k e r z i e h e r, Professor Hermann Abendrot h, veröffentlicht zum „Tag der deutschen Hausmusik" am 21. November folgendes Geleitwort:
Das Gefühl für Wert und Echtheit in der Musik muß in jedem Volksgenossen lebendig sein, und wo es noch nicht vorhanden ist, da mutz es auf dem Wege einer planmäßigen Volksmusikerziehung wachgeru'fen werden. Der sicherste Weg aber, der uns zu diesem Ziele führt, ist die Schaffung einer neuen musikalischen Kultur des Hauses. Echte H a u s m u s i k p f l e g e ist der festeste Damm gegen alle musikalischen Zersetzungs-Erscheinungen. Wer von K in d an mit- guter Musik in lebendiger Berührung steht und schon frühzeitig beginnt, unter sicherer Anleitung selbst zu musiziere n und m das Werk unserer großen deutschen Meister emzudringen, der ist für sein Leben gefeit gegen Minderwertigkeit und Schund und hat zugleich auf seinen Lebensweg eines der höchsten Hüter mitbekommen, die es in unferm Dasein gibt. Dies uns ins Bewußtsein zu rufen, das ist der Sinn des „Tages der deutschen Hausmusik".
Neue Relchsmittel für den Umbau' von Wobnungen.
Berlin, 19. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Reichs- und Preußische Minister des Innern hat erneut Mittel in Höhe von rund zehn Millionen Reichsmark für die Teilung von Wohnungen und den Umbau sonstiger Räume zu Wohnungen zur Verfügung gestellt. Die Vergebung der Mittel erfolgt nach trtn bisherigen Bestimmungen.
Drei Franziskaner wegen Devisen vergehens verurleilk.
Berlin, 18. Nov. (DNB.) Das Berliner Schöffengericht verkündete gegen drei Franziskanermönche von der thüringischen Franziskaner-Provinz, die sich wegen Devisenvergehens zu verantworten hatten, folgendes Urteil: Der Hauptangeklagte Leo Böschen wurde zu vier Jahren Zuchthaus, drei Jahren Ehrverlust und 81 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Franziskanerbruder Waldemar Wurth erhielt ein Jahr Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe. Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten Joseph Günther wurde auf Grund des Amnestiegesetzes eingestellt. Außerdem ordnete das Gericht die Einziehung eines Wertersatzes in Höhe von 120 075 Mark an. Für diesen Betrag soll ebenso wie für die verhängten Geldstrafen die thüringische Franziskaner-Provinz die Haftung übernehmen. Die Untersuchungshaft wurde den Verurteilten in voller höhe angerechnet. Der ebenfalls angeklagte Leiter der Ordensprovinz, der Pater Dr. Peter Gölz befindet sich auf einer Inspektionsreise in Japan. Auch gegen den Angeschuldigten Adalbert Reith, der sich sm Fransziskanerkloster Watersleyd'e Sittard in Holland aufhält, konnte nicht verhandelt werden.
Die Hauptoerhandlung hat ergeben, daß die Angeklagten durch ihre Machenschaften die deutsche Volkswirtschaft um über 100 000 Mark geschädigt haben. Ein großer Teil dieser Summe ist unter Mißbrauch des Ordenskleides über die Grenze nach hollanll geschmuggelt worden, um zugunsten der dortigen Ordensschule der Franziskaner Verwendung zu finden. Ferner sind Unterstützungsdeträge bis nach Japan auf ungesetzlichem Wege ausgeführt worden, die der Franziskaner-Mission mit ihren 35 Niederlassungen in Saparro auf der Insel Hokkaido Massen.
Die Vorbereitung des Reichshandwerkerkages 1936.
In Frankfurt a. M. fand eine vorbereitende Sitzung für den Reichshandwerkertag am 6. und 7. Juni 1936 statt. Es ist dies der Sonntag nach Pfingsten, der auch in Zukunft für die Reichshandwerkertage festgelegt ist. Das Jahr 1936 wird einen Führerappell des Handwerks bringen. Die Arbeitstagungen werden von festlichen Veranstaltungen umrahmt fein. Im Zeichen hand
werklicher Wertarbeit wird eine große Hand- werksausftellung ftattfinden, deren Hauptträger einige bedeutende Reichsinnungen find. Eine allgemeine Leistungsschau wird dieses Werk krönen.
Kunst und Wissenschaft.
Oie deutsche Amazonas-Expedition
Bei einem Start auf dem Amazonas wurde das Expeditionsflugzeug D.-E. F. O. N., das Schulz- Kampfhenkel selbst steuerte, durch Leckschlagen eines Schwimmers beschädigt. Mit Hllfe von Ein- geborenen-Kanus einer nahen Urwaldsiedlung und Aninga-Floßen gelang es Schulz-Kampfhenkel und dem Bordmonteur Krause, die langsam sinkende Maschine trotz des aufkommenden Seegangs und der Strömung des an dieser Stelle ungefähr fünf Kilometer breiten Amazonas-Stromes ohne größere Beschädigungen zu sichern. Die auf einer Ufersand- banf vom Bordmonteur vorgenommene Untersuchung ergab, daß unter den primitiven Verhältnissen eine Reparatur mit der nötigen Sicherheit nicht durchführbar war. Die Maschine wurde daher sofort abmontiert und zur Sicherstellung in die Zivilisation abtransportiert. Da ein entscheidender Teil der Er- probungs- und Forschungsflüge bereits durchgeführt ist, kann die Expeditionsarbeit ohne Verzögerung planmäßig fortgesetzt werden. Als Ergebnis dieser erstmalig versuchten Erprobung eines Wasserflugzeu
ges im Dienste wissenschaftlicher Urwaldforschung muß sein Einsatz als unschätzbares Hilfsmittel für die Expeditionsarbeit bezeichnet werden. Die mitge- führte Maschine „Heinckel Seekadett" mit Siemens- Motor, der kleinsten Wasserflugzeugklasse angehörig, hat durch ihre Bewährung bei zahlreichen Urwaldflügen unter fliegerisch wie klimatisch schwersten Bedingungen der deutschen Flugzeugindustrie ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt.
Wenige Tage vor dem Unfall wurde der letzte Erkundungsflug über dem unerforschten Mittellauf des Jary durchgeführt, wobei diese Gegenden von Bra- silianisch-Guyana als ein bis dreihundert Meter hohes, von ununterbrochenem dichten Urwald bedecktes Bergland festgestellt wurden. Jndicmerfied- lungen fanden sich nicht und muffen weiter flußaufwärts vermutet werden. Da die Böen über dem Urwaldflußtal die kleine Maschine wie einen Spielball hin und herwarfen und auf dem Fluß keine Wasserungsmöglichkeit bestand, wurde der Flug nach siebzig Minuten beendet. Die Bewältigung der so erkundeten Flußstrecke dürfte mit den Booten der Hauptabteilung etwa einen halben Monat in Anspruch nehmen. Schulz - Kampfhenkel und Gerd Kahle find bereits mit ihrer Eingeborenen- Rudermannschaft und fünf Booten in das unerforschte jungfräuliche Stromschnellengebiet des mittleren Jary aufgebrochen, so daß in den nächsten Monaten kaum mit Nachricht von der Expedition gerechnet werden kann.
Aus aller Wett.
Raubüberfall auf eine Baseler Bank.
In Basel wurde auf den Kassierer der Adlerbank ein Raubüberfall verübt. Als die Kasse für die Mittagspause geschlossen werden sollte, trat ein Unbekannter ein, der eine kleinere französische Note wechseln wollte. Unmittelbar darauf feuerte er ö r e i Schüsse auf den Kassierer ab, der schwerverletzt zusammenbrach. Dann sprang der Räuber zum Kassenschrank, riß ein Bündel Banknoten im Werte von 4200 Mark an sich und flüchtete. Fußgänger, die die Schüsse gehört hatten, nahmen sofort die Verfolgung auf. Als der Täter in einer Seitenstraße eingeholt wurde, tötete er sich durch einen Schuß in den Kopf. Es handelt sich um den aus Straßburg zugereisten Gaston H e y m a n n. Man vermutet, daß er auch derjenige Täter ist, der vor einigen Jahren am Zentralbahnhofsplatz in Basel unter genau den gleichen Umständen einen Banküberfall verübte, wobei der Kassierer das Leben lassen mußte. Dieser Ueberfaü konnte bis jetzt nicht aufgeklärt werden.
25 Todesopfer des Sturmes an der amerikanischen Atlantik-Küste.
Der schwere Nordoststurm, der in den letzten lagen die amerikanische Atlantik-Küste heimsuchte, verursachte auch zahlreiche Verkehrsunfälle, wobei nach den letzten Berichten 25 Menschen g e- tötet und Hunderte verletzt wurden. Zahlreiche Küstendampfer und Fischerboote erlitten im Sturm schwere Beschädigungen. Die Uferstraßen von Neuyork stehen teilweise über zwei Fuß hoch unter Wasser. Der Sturm war von Hagel- und Schneefällen begleitet. Allein in den Küstenorten von New-Jersey wird der Sachschaden auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Zahlreiche Häuser wurden von der Flut völlig zerstört. Ganze Ortschaften sind von der Umwelt völlig abgeschnitten. Viele kleine Boote gingen unter.
Jteun Todesopfer einer Familienfehde.
In einer türkischen Stadt Diar Bekir forderte eine Familienfehde neun Tote. Ein junger Mann namens Salih erschoß auf der Straße seinen Freund Necmi. Darauf griffen alle Familienangehörigen des Toten zu den Waffen und gingen gegen die Familie Salihs vor. Es entwickelte sich schließlich auf offener Straße eine heftige Schießerei. Als die Polizei eingriff, deckten neun Tote den Kampfplatz. 25 Personen wurden festgenommen.
Deutscher Motorsegler gesunken.
Auf der Elbe bei Blankenese wurde der ausfahrende deutsche Motorsegler „Brandaris" von dem einfahrenden lettischen Dampfer „Taloadis" gerammt und zum Sinken gebracht. Die vier Mann starke Besatzung des Motorseglers, der in Langeoog beheimatet und etwa 300 Tonnen groß ist, wurde von dem Schleppdampfer „Mastade" gerettet und dann von dem lettischen Dampfer übernommen und nach Hamburg gebracht. Das Motorschiff sank in kurzer Zeit.
Explosionsunglück in Chemnitz.
Im Reichsbahnausbesserungswerk Chemnitz explodierte aus noch nicht bekannter Ursache die ortsfeste Azetylen-Anlage. Hierbei wurde der Schlosser Hartwig aus Merzdorf getötet, während der Vorschweißer Meyer aus Chemnitz und der Schlosser Glaser aus Hochenfichte schwer verletzt wurden und ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Außerdem wurden 16 Arbeiter des Ausbesserungswerkes leicht verletzt. Die Umfassungsmauer der Anlage wurde eingedrückt. Die Chemnitzer Feuerwehr war zu tatkräftiger Hilfe bald zur Stelle.
Zahlreiche Brolvergiflungen in Spanien.
In Murcia und Cartagena sind zahlreiche Fälle von Brotvergiftungen festgestellt worden. Bis jetzt find über 4000 Personen erkrankt. Zwei von ihnen sind gestorben; ein Arbeiter verlor infolge der durch die Vergiftung hervorgerufenen Schmerzen den Verstand und beging Selbstmord. Die Vergiftungserscheinungen ähneln denen von Grubenarbeitern. In einzelnen Dörfern find bis zu 100 Familien erkrankt. Da auch bei einem großen Teil des Viehes Vergiftungserscheinungen aufgetreten sind, ist ein vorläufiges Schlachtverbot erlassen worden. Ein Müller wurde verhaftet, der drei Waggons mit 30 000 Kilo Baryterde empfangen und diese mit dem für die Bäcker in der Provinz bestimmten Mehl vermengt haben soll.
und bedingungsloses Festhalten am Qualitätsprinzip erklären den Ruf, den ALVA RUNDE SORTE in Raucherkreisen genießt.
MDG »RUNDE SORTE«


