Wehr und Waffen.
Geschütz und Festung
An die Soldaten von morgen!
allerdings noch gute Weile; aber die ihm Nahestehenden erkannten, daß er die Anwartschaft zu einer großen Laufbahn in sich trug.
Es ist eine weise Einrichtung im deutschen Heere, daß die Generalstabsoffiziere immer wieder in die Truppe gesandt werden, um in Verbindung mit ihr zu bleiben und selbst zu erkennen, wie die Weisungen der vorgesetzten Stellen sich in ihr auswirken. Diese Maßnahme verhindert, daß die Offiziere in höheren Stäben zu Theoretikern werden, die vom „grünen Tisch" aus Befehle entwerfen. Vielmehr wird von jedem verlangt, daß er sich gewissermaßen im Sattel fühlt, wenn er Anordnungen trifft. Unser Held erhielt eine Schwadron bei dem Dragonerregiment Nr. 9 in Metz. Die Versetzung in die enge Festung entsprach nicht seinen Wünschen, aber danach wird man in der Armee im allgemeinen nicht gefragt. Man geht, wohin man befohlen wird, und das tat auch Mackensen.
Mackensen in der Schule des Generalstabs.
Von Freiherr 3Rüi>f von Collenberg.
Aus dem in den nächsten Tagen erscheinenden Buche „Generalfeldmarschall von Mackensen, ein Leben der Pflicht", Verlag Karl Sie- gismund. Berlin.
Im Mai 1880 erhielt Mackensen das schönste Kommando, das einem jungen Offizier zufallen kann, Das Kommando zum Großen Generalstabe. Auch Das hatte er erreicht, ohne den gewöhnlichen Weg Dazu beschritten zu haben, er war nicht aus Kriegs- »kademie gewesen. So konnte ihm sein Abteilungs- chef mit Recht die Freude darüber zum Ausdruck Dringen, daß er den Erfolg lediglich der eigenen Kraft zu verdanken habe. Andererseits bedeutete es wieder eine Erschwerung für ihn, die Akademie nicht gesucht zu haben, denn manches, was dort die Kameraden im theoretischen Unterricht gelernt hat- ttn, mußte nachgearbeitet werden. Es gelang, obwohl die zur Verfügung stehende Zeit knapp war. Red)t anschaulich schildert General van den Bergh }en Dienst, der gefordert wurde: ,-Die zum Gene- lalstabe kommandierten Oberleutnants trugen im i llgemeinen die Hauptlast der zu bewältigenden Ar- t eit, wenigstens im Hinblick auf die ungeheure und lorgfame Kleinarbeit, die zu leisten war, um die Interlagen für die wichtigen Maßnahmen der Lan- fesoerteidigung zu beschaffen. Es ist erklärlich, daß fi.e als die Jüngeren und damit als die Gehilfen ber Generalstabsoffiziere rücksichtslos ausgenutzt wurden; andererseits spornte die Ehre, bei dieser :userwählten Körperschaft Dienst zu tun und ihr lielleicht selbst einmal später angehören zu dürfen, s.e zu einer Hingabe an die Arbeit an, die fast liner Selbstentäußerung gleichkam. Tatsächlich kam in Abteilungschef, wenn er einem seiner komman- ! ierten Herren einen umfangreichen, aber kurz- (triftigen Auftrag erteilte, kaum je auf den Gedan- len, dieser könne etwa durch Familienfeste, Geselligst oder ähnliche verwerfliche Zerstreuung behindert fein oder gelegentlich gar die vermessene Absicht haben, um Erholungsurlaub zu bitten. Die Belastung der genannten Offiziere wurde aber noch l-rheblich verschärft durch die Ausbildung in Taktik, leer sie neben ihren sonstigen Arbeiten fast das !«nze Jahr hindurch unterzogen wurden. In voller Erkenntnis, von welch ausschlaggebender Bedeutung !ie Pflege dieser schwierigen Wissenschaft für das Wohl und Wehe der Truppe, für Sieg oder Niederlage in der Schlacht fein mußte, lebte und webte ber ganze Generalstab in der Gedankenwelt der hö- iaeren Truppenführung und beurteilte daher seine amtlichen Angehörigen, besonders scharf aber feinen jungen Nacherfatz, vorwiegend nach den Kenntnissen imf diesem Gebiet."
Mackensen farti in die russische Abteilung und batte sich mit den Verhältnissen dieses Landes sowie Ian Armeen der Balkanstaaten zu befassen; er Diurbe also von Anfang an für feine spätere Tätiget im Weltkriege sehr gut vorbereitet. Er fand An- rEennung, und im April 1882 wurde er in den |!t:ebenetat des Großen Generalstabes versetzt. Damit trat er nun tatsächlich in den Kreis der Aus- i-wählten ein. Im September erfolgte seine Beför- i*rung zum Hauptmann, und im Dezember wurde r in den Großen Generalstab einrangiert. Er melkte sich bei Generalfeldmarschall Graf Moltke, und j: eser empfing ihn mit den Worten: „Ich habe Sie fär den Generalstab ausgewählt wegen Ihrer sehr ^uten taktischen Arbeiten." Er hatte ein großes Ziel k-reicht, das jedem strebsamen jungen Offizier als Deal vorschwebt, und stand doch wieder an einem Infang, nämlich zunächst als Führergehilfe am An- f ng zur hohen militärischen Laufbahn, die weiter- j n erkämpft werden mußte.
Aus dieser Zeit wird uns ein Beispiel feiner Z»ameradfchaftlichkeit berichtet. Man weiß, daß es it feiner Stellung ungemein viel zu tun gab; ge- ube sie mutbe als eine ber schönsten, aber auch anstrengendsten des Generalstabsdienstes gewertet. Ü.ennoch fand er Zeit, einem jüngeren Offizier zu Mfen. Dieser hatte sich während des Kommandos zir Kriegsakademie durch Sturz mit dem Pferde (me Verletzung zugezogen, und es war zweifelhaft, lv er wegen des hierdurch bedingten Versäumens ks Unterrichts eine ausreichend günstige Qualifi- Ltion erhalten konnte, um nach Berlin in die ; »roße Bude", wie man zu sagen pflege, einberufen werden. Da nahm Mackensen sich seiner an, i-üte ihm Aufgaben, verbesserte seine Ausarbeitun- i> n und sprach alles auf bas eingehenbste mit ihm sirch, ihm hatte es jener in erster Linie zu verdanken, baß er schließlich die karmesinroten Strei- in doch noch erhielt. Man sieht, er war roeit davon entfernt, ein Streber zu sein. Seine unermüdliche Tätigkeit galt nicht dem eigenen Vorteil, sondern der Loche; er wußte nicht nur von den militärischen Tugenden, unter denen die Kameradschaft mit an erster Stelle steht, sondern er handelte auch in ihrem
Knapp zwei Jahre hatte der Aufenthalt in Dusfel- borf gewährt, als nach dem Manöver des Jahres b87 die Zeit herangekommen war, da er wieder in b.n Front-Dienst zu tun berufen wurde. Seine freunde schenkten ihm als Scherz eine Dose, au llaelcher ein kleiner hochkletternder Asse abgebilbet nxir, mit ber Wibmung: „Dem mit affenartiger Ge- [oominbigteit zum Generalfeldmarfchall avancieren- gat11. >
ö n Hauptmann Mackensen." Bis dahin hatte es I großen Organismus ^er
muffen.
Seid gewiß: Euer Schicksal ruhte in guter Hand! Es mürbe über jeden von euch bei den Erfatz- behörden, den Wehrersatzinspektionen und Wehrbezirkskommandos nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Ueberlegt, welche Aufbauarbeit in diesem Jahre von allen militärischen Behörden zu bewältigen war, welche Mühe es machte, die Ersatzverteilung nach mehr als zwanzigjähriger Unterbrechung wieder in geortmete Bahnen zu
Im folgenden Jahre erfuhr sein Dasein eine neue Wendung. Auf Moltke war als Chef des Generalstabes ber Armee Graf Walderfee unb diesem Graf Schliessen gefolgt. Dieser große Geist und Lehrmeister des Generalstabes wußte keinen besseren in feine nächste Nähe zu berufen als den Major Mackensen. Am 21. Februar 1891 wurde er fein Erster Adjutant. Er kam nun wahrhaft in die hohe Schule unb fanb bie Möglichkeit zu lernen, wie sie selten einem anderen vergönnt ist. Er sah den weiten Flug ber Gedanken und doch wieder die genauste Bearbeitung auch von Einzelheiten durch den Meister der Kriegskunst. Er lernte ihn kennen in seiner gemessenen Zurückhaltung und wieder in dem klassi- schen Stil seiner Schriftsätze. Er hörte seine knappen Aeußerungen, aber erkannte zugleich die Fülle und Tiefe seiner Gedanken. Rastlose Tätigkeit wukde verlangt; aber als Entgelt erhielt er bie Erziehung zum Heerführer.
lenken! r,
Glaubt mir: Es ist nicht so von entscheibenber Bedeutung, bei welchem Wehrmachtsteil, bei welcher Waffengattung und in welchem Standort ihr eurer Dienstpflicht genügt. Eine jede Waffen- ‘ tu n g ist notwendig, ist unentbehrlich im v : Wehrmacht, ein jeder
Wehrmachtsteil, eine jede Waffengattung hat ihre Vorzüge, hat ihre Nachteile, ihre Schönheiten, ihre Schattenseiten. Waffenstolz ist verständlich, aber er darf nicht zur Ueberhebung führen. Wer auf dem Pferderücken, dem Sitz des Kraftfahrzeuges sich fünf Fuß über den Erdboden erhebt, sollte nicht ge- ringschätzig auf den herabblicken, der im Straßenstaub der Marschkolonne an einem Tage mehr Schweißtropfen vergießt, als er in Wochen und Monaten. Er soll nicht vergessen, daß der Infanterist nach wie vor die Hauptlast des Kampfes zu tragen hat und ihm daher die höchste Ehre gebührt. Der Infanterist mag sich aber im Frieden trösten, daß ihm nach Abschluß jeder Gefechts- und Marsch- Übung Feierstunden winken, die für die Kameraden der berittenen und motorisierten Waffen mit der Pflege von Pferd und Gerät ausgefüllt sind.
Glaubt mir auch: I n jedem Standort läßt es sich für den Soldaten leben, auch ein kleiner Standort hat feine besonderen Reize und allzuoft und allzuweit führt euch euer Weg überhaupt nicht aus dem Kasernentore hinaus. Seid froh, wenn ihr nicht immer an Mutters Schürzenband hängt, wenn eure Dienstzeit euch Gelegenheit gibt, auch andere Gaue und Stämme eures Vaterlandes kennenzulernen. . , ,.
Nutzt die wenigen Tage, die euch bis zur Einstellung verbleiben! Kräftigt und stählt euren Körper in Spiel und Sport, macht eure Glieder geschmeidig und gelenkig! Härtet euch ab! Haltet euch rein! Beschwert euch aber nicht das Gehirn mit allerhand militärischer Bücherweisheit! Ihr bekommt nur falsche Begriffe und Vorstellungen! Geht lieber noch ein wenig bei Mutter in die Lehre! Lernt, wenn ihr es bisher noch nicht begriffen habt, wie man einen Knopf annähen, einen Riß ausbessern, ein Paar Strümpfe stopfen und waschen, die Stube ausfegen und aufräumen soll!
Habt feine Sorge, daß ihr den Anforderungen
Ihr Jungen von 21 Jahren, ihr Kinder des Schicksalsjahres 1914 seid vom Führer und Reichskanzler aufgerufen, eure Dienstpflicht in der Wehrmacht zu erfüllen. Ihr seid bereits gemustert, ihr seid zum größten Teile für tauglich befunden, ihr habt Wünsche geäußert, zu welchem Wehrmachtsteil, zu welcher Waffengattung euch euer Herz zieht. Jetzt ist entschieden, ob ihr zu den Erlesenen gehören werdet, an die der (Einberufungs- befehl ergangen ist, oder ob ihr als Ueberzählige der Ersatzreseroe überwiesen seid, ob ihr das Weiß des Infanteristen, das Rot des Artilleristen, das Gelb des Kavalleristen, das Rosa des Kraftfahrers, das Schwarz des Pioniers, das Braun des Funkers, das Lichtblau des Fliegers oder das Dunkelblau des Matrosen tragen werdet, ob ihr auf flinkem Pferde Feld und Flur durchstreifen, auf knatterndem Motor die Straßen entlangbraufen, im Flugzeug die Luft durchsegeln, mit dem Torpedoboot die Wellen durchfurchen werdet oder ob ihr euch wie die Musketiere und Grenadiere des Weltkrieges auf eure eigenen Füße werdet verlassen
Der Kampf zwischen dem Artilleristen und dem Festungserbauer ist uralt. Als auf deutschem Boden die „Faule Grete" die Mauern der Raubritterburgen zusammenschoß, da glaubte man das letzte Stündlein der befestigten Plätze geschlagen. Aber schon sand der Festungserbauer neue Wege, ihren Schutz, Wall und Graben, zu verstärken, gab ihnen mit Beton und Eisen bis auf die Tage des Weltkrieges ihren alten Wert zurück. Als dann gleich zu seinem Beginn die deutschen und österreichischen Mörser die Forts von Lüttich in Trümmer legten, als Namur und Antwerpen, die französischen Grenzfesten fielen, da erging man sich in den gleichen Prophezeiungen, da stellte man die „Dicke Berta" der ,,Faulen Grete" an die Seite, wiegte sich in dem Wahne, daß gegen die Durchschlagskraft neuzeitlicher Geschosse kein Panzer, keine Betondecke Schutz gewähren könne. Verdun hat uns eines Besseren belehrt. Es hat uns Artilleristen einsehen lassen, daß unsere Erfolge im Anfang des Krieges gegen veraltete Befestigungen errungen oder glücklichen Zufallstreffern zu danken waren. So wurde z. B. das Fort Loncin, in das sich der Kommandant von Lüttich zurückgezogen hatte, dadurch in einen Trümmerhaufen verwandelt, daß eine 42-Zenti- meter-Granate das Munitionslager des Forts in die Luft jagte.
Die neuzeitlichen Verteidigungsanlagen von Verdun aber hielten der wochen-, ja monatelangen Beschießung durch schwere und schwerste Geschütze stand. Auf das Fort Moulainville wurden 8500 Granaten, darunter 330 von 42 Zentimeter, 770 von 30,5, 28 oder 21 Zentimeter verfeuert. Andere Forts haben wahrscheinlich das Dreifache, wenn nichr Vierfache auszuhalten gehabt. Decken und Wände in Stärke von 2,50 Meter Beton unb 1,73 Meter Eisenbeton genügten, alle Mühe umsonst sein zu lassen. Ein 42-Zentimeter-Schuh auf die Betondecke des Forts Tavannes warf nur einen Trichter von 80 Zentimeter Tiefe auf, ein zweiter Schuß, der in das gleiche Loch ging, vertiefte den Trichter nur um 20 Zentimeter.
Die Franzosen haben daraus die Folge gezogen und haben in der Nachkriegszeit ihre Grenzen
stärker denn je mit Befestigungen gespickt. Um die Artillerie ist es dagegen in der Nachkriegszeit verhältnismäßig stille geworden. Auch die in ihrer Rüstung nicht gehemmten Mächte haben allem Anschein nach auf eine Neudewaffnuna ihrer Artillerie verzichtet. Aber niemand kann wissen, ob die Zukunft nicht einen Umschwung bringt, ob nicht wieder die Artillerie in die Vorhand kommt und von der Erde oder aus der Luft, aus dem Geschützrohr oder dem Bombenabwurfraum des Großflugzeuges Geschosse schleudert, die auch jene Betondecken und Panzerkuppeln durchbrechen, die bisher widerstanden haben.
Der englische Militärschriftsteller Oberst Fuller scheint wenigstens dieser Ansicht zu sein. Er spricht bodenständigen Befestigungen, die sich aller Tarnung zum Trotz der Kamera des Fliegers, den Meistern der Spionage, doch nicht entziehen können, jeden praktischen Wert ab, da sie, einmal entdeckt, der Sprenggranate, der Gasbombe der Zukunft zum Opfer fallen würden. Er hält aber auch in Zukunft Stützpunkte, wie sie Festungen und befestigte Plätze seit Jahrtausenden für ein Feldheer darstellen, für unentbehrlich. Nur sollen sie sich in bewegliche „rollende" verwandeln, deren wechselnder Platz nicht so leicht festgestellt werden kann. In ihnen müßten die mechanisierten Heere, die mit Nachschubkolonnen nur im beschränkten Umfange belastet werden dürften, alles für die Erhaltung ihrer Kamps- und Lebenskraft Notwendige finden. Dazu müßten sie ihnen dichtauf folgen und in der Lage fein, sich selber gegen Angriffe von der Erde oder aus der Luft zu schützen. Das b e f e ft i g t e Lager des Altertums, des Mittelalters, beginnt wieder lebendig zu werden. Wie sich Fuller solch ein Lager denkt, ob als eine Wagenburg gepanzerter Kampf- und Transportwagen nebst Flaks oder als einen mit Graben und Wall, Tankfallen und Ballonsperren umfriedeten Parkplatz, verrät er nicht. Phantasiegebilde mag mancher Leser darum denken. Aber in der modernen Kriegstechnik ist kein Ding unmöglich, und man wird gut tun, sich auf allerhand lieber- rafchungen einzuftellen.
eurer Dienstzeit körperlich und geistig nicht gewachsen seid. Gewiß, es weht ein rauher, aber auch ein herzlicher Ton durch die Kasernenstuben. Es muß in dem einen kurzen Dienstjahr viel verlangt werden. Aber die Vorgesetzten sind erfahrene Ausbilder, die ihre Forderungen nicht überspannen, die wissen, was ein junger Körper leisten kann. Es wird euch, die ihr zum größten Teil durch die Schule der HI., der SA., der SS., des Arbeitsdienstes gegangen seid, nicht allzu schwer fallen, sie zufriedenzustellen.
Freilich mit ganzem Herzen, mit ehrlicher Begeisterung müßt ihr dabei sein, müßt euch innerlich und äußerlich zusammenreißen, müht die Zähne zusammenoeißen können. Es werden Stunden kommen, wo ihr meint, da es über eure Kraft geht; bann denkt an eure Väter, und wieviel mehr sie im Wirbel ber Materialschlacht auf sich zu nehmen hatten, unb ihr werbet euch sieghaft durchsetzen und zu wahren, willensstarken Soldaten werden! Befürchtet nicht, daß die militärische Zucht und Ordnung euer eigenes Selbst unterdrücken wollen, sie wollen es euch mir in Fleisch und Blut übergehen lassen, daß ihr nicht um eurer selbst, sondern um der Gemeinschaft, um eures Volkes willen auf Erden seid, daß ihr allein nichts, Seite an Seite mit euren Volksgenossen unter einem starken, zielbewußten Führerwlllen alles bedeutet! Schreckt nicht zurück vor den Schwierigkeiten in der technischen Handhabung neuzeitlicher Kampfgeräte. Bei näherer Bekanntschaft gehört nur ein bißchen gesunder Menschenverstand und leidliches körperliches Geschick dazu, sie zu meistern.
Freut euch auf eure Dienstzeit. Sie wird euch bei aller Anspannung manche frohe Stunde bringen. Ihr werdet ein Jahr lang frei fein von den so oft niederdrückenden Sorgen und der Haft des Erwerbslebens, von der Enge und dem Dunst der Fabriken und der Schreibstuben. Ihr werdet wieder eins werden mit der Natur, werdet wieder Augen bekommen für die Andacht eines Sonnenaufganges, die Stille einer Mondnacht. Ihr werdet euch das große Erlebnis helfender Kameradschaft, das uns über so manche bittere Kriegsstunde hinweggetragen hat, in tiefster Seele zu eigen machen. Ihr werdet plaudern und lachen, fingen und spielen. Ihr werdet auch nach Soldatenart vor derben Scherzen nicht zurück- schrecken. Nur um eines bitte ich euch: Wahrt die Grenzen, wo solche Scherze eures Men- schenturnes nicht würdig wären, wo sie empfindsame Gemüter unter euren Kameraden schmerzlich verwunden könnten.
Soldaten von morgen! Wir Soldaten von gestern glauben an euch! Wir vertrauen euch ein großes Erbe an. Bewahrt es zum Segen unseres Vaterlandes als die vom Führer bestellten Waffenträger der Nation! A. L.
Versuchsmarsche.
Wir haben im Kriege so manchen Kilometer heruntermarschiert. Marschleistungen wie jene ber 115. Infanterie-Division auf bem Umfassungsflügel in der Wilna-Schlacht just jetzt vor 20 Jahren m i t 180 Kilometer in fünf Tagen waren keine Ausnahme ober gar Höchstleistung, sondern finb vor allem bei Rückmärschen, wo bie Sorge, vom Feinbe eingeholt zn werden, die Schritte beflügelte, oft übertroffen worden. So marschierte die bei Wörth geschlagene Infanterie Mac Mahons in zwölf Stunden 5 1 Kilometer, eine feiner Bri- gaben in 38 Stunden sogar 12 0 Kilometer auf sehr schwierigen Wegen. Wir wissen, was Marschleistungen für die Kampfführung bedeuten und freuen uns, wenn der Nachwuchs im Marschieren wetteifert, wenn die Hitler-Jugend aus allen Teilen Deutschlands nach Nürnberg marschiert, Reiterstürme im Sternritt Hamburg zustreben, das Regiment Göring im Kraftwagenmarsch Deutschland durchmißt.
Vom Ausland hören wir von Marschversuchen mit den verschiedensten Beförderungsmitteln. So erprobte das amerikanische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 7 im Mai dieses Jahres auf einem Marsch von 885 Kilometer in drei Tagen ferne ihm neu zugewiesenen Motorfahrzeuge. Es wurden am ersten Tage 335 Kilometer in 10 Stunden, am zweiten Tage 190 Kilometer in 6V2 Stunden, am Dritten Tage 360 Kilometer in 11 Stunden zurückgelegt. Am schwierigsten soll dabei der Durchmarsch durch die großen Städte am ersten Tage und die Ueberminbung stark durchschnittenen Geländes am dritten Tage gewesen sein.
Eine russische fünf Mann starke Fahrradstreife legte die 914 7 Kilometer lange Strecke C h a b a r o w sk — M o s k a u in 57 Tagen zurück. Das macht einen Tagesdurchschnitt von 161 Kilometer. 34 turkmenische Kavalleristen durchritten die 4300 Kilometer lange Strecke von der persischen Grenze bis Moskau in 90 Tagen (46,5 Kilometer Tagesdurchschnitt). Eine russische Skipatrouille von fünf Unteroffizieren brauchte im vergangenen Winter für die 7000 Kilometer lange Strecke von Nertschinsk (einer Stadt im Fernen Osten) bis Moskau 83 Tage (Tagesdurchschnitt fast 85 Kilometer) und schlug damit den Rekord für Langstr eckenskilauf, den bisher ein anderes sibirisches Regiment mit 5000 Kilometer in ebenfalls 83 Tagen gehalten hatte. By.
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