Ausgabe 
19.9.1935
 
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Nr. 219 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 19. September 1955

Bienensteiß.

Die Honigernte des Jahres 1935 soll einmal die Oeffentlichkeit auf einen Zweig der deutschen Nähr­standswirtschaft lenken, der viele Jahre hindurch, besonders in der Nachkrieaszeit, wenig beachtet, wenn nicht sogar vernachlässigt worden ist. Wenn die deutsche Jmkerschaft, die noch immer einen be­trächtlichen Teil der Gesamterzeugung an Honig an den letzten Verbraucher abgibt, schon in diesem Jahre mit neuem Mut und neuen Zielen an den Aufbau der deutschen Binenzucht herangegangen ist, so verdankt sie das in erster Linie der ziel- bewußten nationalsozialistischen Nährstandspolitik und den Führern der Reichsfachgruppe Imker im Reichsoerband deutscher Kleintierzüchter. Zunächst sei darauf hingewiesen, daß gerade von dieser Seite aus die Bemühungen fortgesetzt werden, den Absatz des deutschen Honigs durch genossenschaft­liche Erfassung der Ernte und durch den m a r k e n m ä ß i g e n Schutz des guten Er­zeugnisses (Einheitsglas) in die richtigen Bah­nen zu leiten, wobei auch auf den ordnungsmäßi­gen Vertrieb durch Großhandel und Einzelhandel gesteigerter Wert gelegt wird.

Die Bemühungen der Reichsfachgruppe zielen darauf ab, nicht nur das Absatzgebiet für den deutschen Honig in allen Beoölkerungskreisen durch sachgemäße Propaganda zu fördern, sondern auch die immer noch hohe Einfuhrquote an ausländischem Honig und von Wachs allmählich herabzudrücken. Die Einfuhr von Honig, die im Jahre 1913 rund 45 000 Doppelzentner be­tragen hat und im Jahre 1929 sogar auf rund 98 000 Doppelzentner gestiegen war, hat 1932 noch immer rund 45 000 Doppelzentner betragen. Die Einfuhr von Wachs hat sich in den letzten Jahren stetig um etwa 6000 Doppelzentner bewegt. In­zwischen kann angenommen werden, daß ein lang­sames weiteres Äbsinken der Einfuhrziffern statt­gefunden hat. Die deutsche Gesetzgebung stellt außer­ordentlich hohe Anforderungen an das Lebensmittel Honig", und außerdem hat eine erhebliche Zoll­erhöhung für Honig in den letzten Jahren statt­gefunden, so daß sich auch schon aus diesen Grün­den der Rückgang der Einfuhr weiter beschleuni­gen wird.

Die Anerkennung der Bienenzucht als eines wich­tigen Zweiges der Volkswirtschaft durch den neuen Staat hat der deutschen Bienenzucht große Auf­gaben gestellt, die darin gipfeln, den Honig- und Wachsbedarf des deutschen Volkes nach Möglichkeit aus eigener Ernte zu decken und die Sa­menerzeugung in der Landwirtschaft durch ausrei­chende Bestäubung sicherzustellen. Man macht sich in der Oeffentlichkeit kaum einen Begriff von der volkswirtschaftlichen Bedeutung 'cktzr Bienenzucht, be­sonders nicht von deK Nutzen, den die Bienen durch Bestäuben der Blüten der ganzen Volkswirtschaft leisten. Der Anlage wert der gesamten deut­schen Bienenwirtschaft wird hoch auf rund 130 Mil­lionen Mark, niedrig auf etwa 100 Millionen Mark geschätzt. Der Ertrag an Honig und an Wachs er­reicht im ganzen Reichsgebiet im Jahre einen Wert, der etwa zwischen 35 und 45 Millionen Mark schwanken dürfte. Es gibt in Deutschland heute rund 300 000 Imker mit etwa 2,1 Millionen Völ­kern. Bei einem durchschnittlichen Honigertrag von 20 Pfund ergibt das etwa jährlich 42 Mil­lionen Pfund. Die durchschnittliche Wachsernte wird je Volk auf 1 Pfund berechnet, so daß 2,1 Millionen Pfund Wachs, die einen ebenso hohen Wert in Reichsmark ausgedrückt darstellen, erzeugt werden. Sehr viel größer ist jedoch der Nutzen, den die Bienen durch die Uebertragung des Blüten st aubes der Volkswirtschaft leisten. Bei der gesamten Uebertragung des Blutenstaubes, soweit er durch Insekten erfolgt, wird diese zu etwa 80 v. H. durch Bienen besorgt und nur zu etwa 20 v. H. durch andere Insekten. Man kann ohne wei­teres behaupten, daß es ohne Bienen keine Früchte geben würde. Somit ist die Obsternte und die Oel-

3mgeteerten Seehund".

(§in schreckliches Seemannsgarn

von M. Lindow.

Wie ein geteerter Seehund aussieht, wissen Sie wohl nicht. Ich ebensowenig, aber daß es sich in dem gleichnamigen Lokal gemütlich sitzt, sehr ge­mütlich sogar, und daß der Grog dort mehr Ver­wandtschaft mit Rum als mit Wasser hat, das weiß ich. Kapitän Kruse von derSeejungfer" auch.

Der Kapitän soll erst noch geboren werden, dem nie die Frage nach der Seeschlange vorgelegt wurde. Kruse meinte:Na, natürlich gibts die, massenhaft habe ich sie gesehen. Wenn nur die verfluchte Seeschlangenkrankheit nicht wäre. Davon wissen Sie nichts? Na, wenn so einem Untier recht von Herzen wohl ist, srißt's alles, was ihm vor den Schnabel kommt, auch sein Schwanzende. Das oerschlingt's dann mit Behagen, immer weiter, bis es zum Schluß sich selbst ganz aufgeftessen hat und nichts mehr übrig bleibt. Nichts! Darum sind sie auch so selten.

Einmal allerdings ging mein Bootsmann, Hein­rich Hecht, über Bord und kam gerade in den großen Kreis hinein, der sich verengte. Und als die Seeschlange sich schon fast ganz aufgefressen hatte, stemmte er sich dagegen ... Bärenkräfte hatte er... und benutzte den Rest als Rettungsring. Im Museum für Meereskunde in Hawai können Sie das schöne Stück noch sehen, für drei Dollar hat er's dort verkauft. Weil man ihm nicht mehr gab, verriet er das Geheimnis nicht, und so zerbrechen sich die Gelehrten heute noch den Kopf darüber.

Ja, das war dieselbe Fahrt... Kennen Sie die Nordostküste von Grönland, junger Mann? Nicht? Na, dann müssen Sie noch viel dazu lernen. Ge­mütlich ist's da gerade nicht, wenn das Schiff ken­tert und nur das Nötigste an Land gebracht wer­den kann. Und dann die Polarnacht... sechs Monate dauert die. Na, Konserven und Rum hatten wir .gerettet, und Eishütten bauen ist für Männer, wie wir damals waren, eine Kleinigkeit. Nur der Rum mußte zum Schluß rationiert werden, die Zeit möchte ich nicht noch einmal erleben. Herr Wirt, «ein großes Glas Grog! Aber die Dunkelheit! Die paar Polarlichter rechneten überhaupt nicht mit. w$a', sagte ich, ,Jungs, dann hilft das nicht, dann muß unser schöner Walfisch daran glauben!' Wir hatten ihn kürzlich harpuniert und nun lag er da rund wurde auf dem Grönlandeis langsam Gefrier- iflersch. ,Das Biest ist fett genug, bohren wir ein :Loch hinein und bringen einen guten Docht an, ldann ist die Lampe fertig!' Aber woher den Docht -nehmen? Da fiel mir Peter ein. Der hatte doch »einer seiner unzähligen Bräute, war's in Genua

fruchternte im entscheidenden Maße von der Bienen­zucht abhängig. Man rechnet damit, daß die durch die Bienenzucht heroorgerufene Samenernte wert­mäßig etwa den zehnfachen Betrag der Honigernte ausmacht.

Die Biene ist seit den ältesten Zeiten als Nutztier in allen Völkern bekanntgewesen. Die geschichtliche Ueberlieferung berichtet uns deshalb außerordent­lich viel über die Bienenwirtschaft und ihre jeweilige Bedeutung für die Volkswirtschaft und Volksernäh­rung. Als vor der Erschließung der überseeischen Kolonialgebiete der Rohrzucker noch nicht bekannt war, war der Honig nicht nur ein beliebtes Nah- rungs- und Genußmittel, sondern der eigentliche Süßstoff. Nachdem dann um die Mitte des 18. Jahr­hunderts durch den Chemiker Marggraf der Zucker­gehalt der Runkelrübe entdeckt wurde, ist der Honig erst endgültig von seiner beherrschenden Stellung in der Süßstoffwirtschaft verdrängt worden. Bemerkt sei noch, daß auch der gebräuchliche Trank der Ger­manen, der Met, aus Honig gewonnen wurde. Schließlich war auch das Bienenwachs in vergange­nen Jahrhunderten der Lichtspender, da aus ihm die Wachskerzen im wesentlichen hergestellt wurden. Hier sei bemerkt, daß neuerdings Bestrebungen hier und da zu beobachten sind, den altdeutschen Met als Volksgetränk neben Wein und Bier wieder ein­zuführen.

Nach Dr. Artur Schußler, dem bekannten Fach­mann dieses volkswirtschaftlichen Gebietes, gibt es etwa 20 000 Bienenarten, wovon 3 bis 400 in Mitteleuropa vorkommen. Bekannt ist, daß die Honigbiene als Einzelwesen nicht leben kann. Die Bienen schließen sich deshalb zu Völkern zusammen. Das Bienenvolk, das den Bienenstaat" bildet, teilt sich in drei Gruppen, in die Königinnen, die die

oder San Franzisko, ist ja auch gleichgültig, einen falschen Zopf entführt, den er zum Andenken immer mitschleppte. Ich mußte ihn erst in Eisen legen lassen, ehe er das Kleinod hergab. Aber dann brannte auch die Walfischlampe, daß es taghell war. Am Ende der Polarnacht kam denn auch glücklich ein Dampfer, der einen neuen Vulkan zu sichten geglaubt hatte, und rettete uns.

Ja, die Vulkane! Einmal fuhr ich in der Nord­polgegend und mußte da vor Anker gehen. Was macht der verdammte Schiffsjunge Fiete? Macht sich an der Erdachse zu schaffen und zieht sie ein gutes Stück heraus, und dann, als sie nachgab, immer weiter und weiter! Na, natürlich entstand da am Südpol ein Loch, so tief, bis das Erd­innere frei war. Da gab's mal einen niedlichen kleinen Vulkan, der Feuer und Schwefel spuckte. Byrd und andere Forscher haben sich dann monate­lang von gebratenen Pinguinen ernährt. Na, auf alle Fälle zog ich Fiete ein paar Hiebe mit dem Tauende über, die nicht von schlechten Eltern waren. Allzuviele waren's freilich nicht, denn bei der furchtbaren Kälte fror das Seil an seinem Hinter­teile an und konnte erst auf der Heimrei-se in Ham­burg operativ entfernt werden.

Ja, und dann kam die Klage wegen des Zaube­rers, der da so um Neuseeland herum wohnte! So­gar aufs Konsulat mußte ich! Der fing nämlich jeden Mittag, den Gott werden ließ, an, von einer riesengroßen Kokosnuß zu faseln. Erst war sie dop­pelt so groß wie eine gewöhnliche, dann zehnmal so groß, und so weiter. Glücklicherweise konnte er nicht allzuweit zählen. Ganz übergedreht war er jedenfalls. Na, die Medizinmänner und die Aerzte konnten nichts mehr mit ihm anfangen und schrie­ben an das Institut für Tropenkrankheiten in Ham­burg. Die hochgelehrten Herren konnten auch erst nicht weiter, aber so ein ganz Neunkluger, der kriegte raus, daß es eine Art ,Lügenstrahlen' gäbe. Gerade so, wie ein tüchtiger Sender Radiostrahlen ausfchickt, gingen von einem besonders starken Lügner Lügenstrahlen aus, die um die ganze Erde liefen. Und da, wo sie wieder zusammentrafen, da hätte das Dussel von Zauberer gerade seinen Kopf hingehalten und hätte lügen müssen, ob er wollte oder nicht. Und weil seine Schulbildung nicht be­sonders war, wären ihm eben nur Kokosnüsse ein­gefallen und sonst nichts. Ja, und dann ging die Peilung nach dem Schwarzsender los. Und was fanden sie? Den ,geteerten Seehund'! Und ausge­rechnet ich wurde vorgeladen! Wegen seelischer Mißhandlung eines fremden Staatsangehörigen!

Da hab ich denn gesagt: Meine Herrn Diplo­maten! An der Geschichte bin ich so unschuldig, wie ein Känguruh an der Papageienkrankheit. Erstens lüge ich überhaupt nicht und zweitens halte ich meine belehrenden Vorträge so um Mitternacht,

Eier legen und damit für die Vermehrung sorgen, die Drohnen, die als männliche Tiere für die Fort­pflanzung sorgen und die Arbeitsbienen, die ge­schlechtlich unentwickelt sind und infolgedessen die gesamte bekannte fleißige Bienenarbeit durchführen müssen. Die Lebensdauer der Königinnen beträgt etwa zwei bis vier Jahre, die der Arbeitsbienen im Frühjahr sechs bis acht Wochen und später sechs bis neun Monate. Ein gutes Bienenvolk wird auf etwa 50 000 Arbeitsbienen geschätzt.

Um die Bienenzucht zu heben, ist es zunächst not­wendig, daß die sogenannte Bienenweide aus­reichend gepflegt wird. Deshalb fordert die Reichs­fachschaft der Imker auch die Förderung der Bie- nenweide bei Bepflanzung von Straßen und öf­fentlichen Anlagen. Bevorzugt wird in dieser Hinsicht der Spitzahorn, und der Bergahorn, die Eberesche, der Apfelbaum, die Akazie, die Linde, ferner auch die Erle, Silberpappel, der Haselnußstrauch, der Brombeer- und Himbeerstrauch, neben zahlreichen anderen Bäumen, Pflanzen und Sträuchern. Für die Landwirtschaft wird der Anbau von Bienen­nährpflanzen empfohlen, wozu vor allen Dingen die Luzerne, Raps und Rübsen und geeignete Klee­bestände gehören. Auch für die Forstwirtschaft er­geben sich hier große Aufgaben, da sie dafür sor­gen kann, daß bei der Aufforstung geeignete Pflan­zen und Baumbestände berücksichtigt werden. Erfreu­licherweise kann man feststellen, daß die deutsche Forstwirtschaft in immer größerem Umfange tat­kräftig an diese Aufgaben herangeht.

Die Reichsfachgruppe der Imker bemüht sich im übrigen, die deutsche Wanderbienenzucht und die deutsche Königinnenzucht ständig zu verbessern.

- H. D.

und der Kerl schnappt doch zwischen zwölf und eins über, am hellichten Mittag!' Na,- das erste wollten sie mir nicht glauben, aber, daß die Zeit nicht stimmte, das sahen sie ein und ich konnte gehen. Wohin? Natürlich zum ,geteerten Seehund. Da traf ich meinen alten guten Freund Klaus Börner, und wir haben uns ausgeschüttet vor Lachen, als ich die Geschichte erzählte und sagte: ,Ja, riesig schlau mögen die Herren wohl sein, aber wenn sie, wie wir beide, an der Altonaer Steuermannsschule studiert hätten, dann wüßten sie auch, daß in Neu­seeland Tag ist, wenn wir Nacht haben!'"

Kunst und Wissenschaft.

Sfaaföfommiffar Hinkel über die Neuorganisation der Reichskulturkammer.

Der Geschäftsführer der Reichskulturkammer, Staatskommissar Hans Hinkel, gewährte während seines Frankfurter Aufenthalts anläßlich der Eröff­nung des Neuen Theaters einem Redaktionsmitglied desFrankfurter Volksblattes" eine Unterredung, in der er sich zu grundlegenden Fragen der deutschen Kulturpolitik äußerte. Die Neuorganisation der Reichskulturkammer, so erklärte Staatskommissar Hinkel u. a., die in diesen Tagen zum Abschluß kommt, bedeutet den letzten Schritt auf dem Wege zum Ziel einer konzentrischen Füh­rung aller Kulturschaffenden durch die Beauftragten des nationalsozialistischen Staates. Jeder Volksge­nosse erlebt heute, wie der Beginn einer neuen Kul­tur schaffenden Epoche und einer neuartigen Kunst­vermittlung sich bereits bei den großen Feierstunden der nationalsozialistischen Bewegung spürbar macht.

Bei personellen Entscheidungen wurde Vorsorge getroffen, daß von nun an, da die Reichskulturkam­mer in ihrem endgültigen Aufbau steht, auch die kleinste Gruppe von Kunst- und Kulturschaffenden von nationalsozialistischen Persönlichkeiten, die mit dem Herzen denken können, geführt wird. Weiter teilte Staatskommifsar Hinkel mit, daß in einigen Tagen der Reichsoerband deutscher Schrift st eller aufgelöst werde. Die schrift­stellerisch Tätigen würden direkt Mitglieder der Reichsschrifttumskammer und von dort zu einzelnen Arbeitsgruppen (Lyriker, Erzähler usw.) zusammen­gefaßt. In der Reichsmusikkammer werde es in Kürze, von kleineren Nebenorganisationen abgesehen, nur noch zwei große Fachschaften geben: die Fach­schaft der schaffenden Musik und die der nachschaf­fenden Musik. Der Präsident der Reichsmusikkam- mer, Professor Dr. Peter Raabe, werde dann gleichzeitig die nachschaffenden Musiker führen und der neue Leiter des jetzt noch vorhandenen Berufs­standes deutscher Komponisten, Professor Paul G r a e n e r, werde Leiter der FachschaftSchaf-

Or. Todt besichtigt die Reichsaukobahn FrankfurtMannheimHeidelberg.

LPD. Darmstadt, 18. Sept. Die Reichs» autobahn F r a n k f u r t M a n n h e i m Heidelberg wird in ihrem zweiten Abschnitt DarmstadtMannheimHeidelberg in diesen Tagen fertig erbat sein. Die Uebergabe für den öffentlichen Verkehr ist für die zweite Hälfte des Monats Oktober vorgesehen.

Der Generalinspektor für das Deutsche Straßen­wesen, Dr. Todt, wird am kommenden Montag, 23. September, am Tage des Spatenstichs, anläßlich einer technischen Besichtigung die neue Strecke zu­sammen mit den Reichs st atthaltern und den Vertretern die beteiligten Stellen befahren.

12. Gausängertag in Darmstadt.

LPD. Darmstadt lädt durch Ministerial» rat Ringshausen, dem Gauführer des Sänger­bundes, und durch Kreisleiter und Oberbürger, meister M a m b o l d t zum 12. Gautag des Hess!» schen Sängerbundes für den 28. und 29. Septem­ber ein. Am Samstag findet im Rathaussaal die Sitzung des Gauvorstandes mit dem Hauptmusik, ausschüß statt, der sich ein offenes Singen im Schloßhof und ein Begrüßungsabend im Saalbau anschließen. Der eigentliche Gausängertag wird im Orangeriesaal abgehalten und bringt Ansprachen des Gauführers Ringshaufen, feines Stell- Vertreters Schulrat Born und des Geschäftsfüh­rers Sommer- Berlin. Die öffentliche Kund- gebung im Orangeriegarten steht unter Leitung von Professor Dr. Noa cf.

Gefängnis

für staatsfeindlichen Plakatabreißer.

LPD. Hanau, 18. Sept. Der 55jähriae Adam Heid aus Unterfranken, der sich bettelnd in der Gegend von Bergen im Kreise Hanau umhertrieb, riß dort von dem auf der Anschlagtafel angebrach- ten Aufruf der NSDAP., der sich gegen die Hetzer richtete, Stücke herunter und warf sie auf den Boden. Heid wurde wegen dieses offensichtlich staatsfeindlichen Verhaltens vom Schöffengericht in Hanau zu drei Monaten Gefängnis ver­urteilt.

Zuchthaus

für einen ungetreuen Kaffenrechner.

LPD. Mainz, 18.Sept. Wegen fortgesetzter Un­treue und Unterschlagung, sowie Anstiftung zu einer falschen Beurkundung wurde der 26jährige I. F r e y aus- Heidesheim von der Großen Strafkammer Mainz zu einem Jahr ein Monat Zucht» haus, 1000 Mark Geldstrafe, eventuell ein Monat Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verur­teilt. Gegen Frey erging Haftbefehl.

Der Angeklagte hatte im Oktober 1933 bis April 1934 als Rechner der Orts - und Landkran­kenkasse Bingen aus Krankenkassen- und Reichsversicherungsgeldern insgesamt 119 0 Mark unterschlagen. Bei der Verhandlung gab er wohl die Fehlbeträge und die ihm nachgewiesenen Täuschungsmanöver zu, konnte sich aber zu keiner ehrlichen Erklärung über den Verbleib der Gelder entschließen. Als bei einer Revision die Unregel­mäßigkeiten aufgedeckt wurden, floh er, ließ am Rhein Fahrrad und Kleieder liegen und hinterließ einen Brief, der Selbstmord vortäuschen sollte. In- zwischen hatte er in Alzey bei einem Landwirt unter falschem Namen Arbeit genommen, wurde aber verraten und konnte festgenommen werden.

Ins Auto gelaufen und tödlich überfahren.

LPD. Groß-Gerau, 18. Sept. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Dienstagabend auf der verkehrsreichen Straße MainzDarmstadt kurz vor der Ortseinfahrt nach Nauheim. Der sieben­jährige Schüler Walter Urban aus Groß-Gerau,

fenbe Musik". Das Endziel in dem Gesamtaufbau der Reichskulturkammer fei z. B. ein einfjeit- licherReichskulturkammerbeitrag, d.h. Verhinderung von Doppelmitgliedschaften und Aus­gleich zwischen wirtschaftlich starken und wirtschaft­lich schwachen Künstlern.

Reichslagung für deutsche Vorgeschichte.

Die zweite Tagung des Reichsbundes für deutsche Vorgeschichte findet vom 28. September bis 6. Oktober gemeinsam mit der ersten Geschichtstagung des NS.-Lehrerbundes in Bremen statt. Das Programm ist überaus reichhal­tig. Im Mittelpunkt steht die große Kundgebung für deutsche Vorgeschichte, auf der Reichsleiter Alfred Rosenberg überDie Ausweitung des deut­schen Gesamtbildes" spricht. Die Tagung selber bringt die Mitgliederversammlung des Reichsbun­des für deutsche Vorgeschichte und der Geschichts­lehrer des NS.-Lehrerbundes, - eine Sitzung der Neichsgemeinschaft für deutsche Volksforschung, Ab­teilung Vorgeschichte, und vor allem die Grün- dungsoersammlung der neuen nordwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft für Vorgeschichte. Im Vortrags- programm stehen die Vorträge von Bundesführer Professor Hans Reinerth überVölkische Dor- geschichtsforschung", von Oberstudiendirektor M. Edelmann und Profesior Dr. Voigtländer über geschichtliche Themen im Vordergründe. Be­sondere Beachtung verdient das Treffen der Hoch­schullehrer für Vorgeschichte, die aus dem ganzen Reichsgebiet zusammenkommen, um die einheitliche Aufrichtung der Vorgeschichtswissenschaft im natio­nalsozialistischen Geiste gemeinsam in Angriff zu nehmen.

Forschungsanstall für Kriegs- und heeresgeschichte."

Die bisherige Kriegsgeschichtliche Abteilung des Reichsarchivs ist feit dem 1. April d. I. aus dem Reichsarchio ausgeschieden und in eine selbständige Forschungsan st alt für Kriegs- und Heeresgeschichte" umgebildet worden, die dem Reichskriegsminister unmittelbar untersteht. Die bisher vom Reichsarchiv herausgegebenen amt­lichen Werke:Der Weltkrieg 1914 bis 1918", Kriegsrüstung und Kriegswirtschaft" undDas deutsche Feldeisenbahnwesen" werden weiterhin im Auftrage des Reichskriegsministeriums von der Forschungsanstalt für Kriegs- und Heeresgeschichte herausgegeben ebenso wie eine Reihe anderer amt­licher kriegsgeschichtlicher Schriften. Alle Anfragen und Eingaben kriegsgeschichtlicher Art sind daher künftig an die Forschungsanftalt für Kriegs­und Heeresgeschichte (Potsdam, Am Reichsarchiv 8), dagegen Anfragen und Gesuche um Aktenbenutzung, Aktenauszüge oder Auskünfte aus den Akten nach wie ipor an das Reichsarchio zu richten.

Was werden wir im Winter tanzen?

Festigung des Gesellschafistanzes. Llnd selbstverständlich Volkstanz..

Die Tanzlehrer waren in K i f f'in g en versam­melt und haben dort ihre Jahrestagung abgehalten, auf der unter ariderem die obige Frage beantwortet wurde. Man weiß, daß die deutschen Tanzlehrer jetzt zu einem Verband innerhalb der Kulturkammer zusammengeschlossen sind und daß sie ihre Aufgabe darin sehen, einem guten deutschen Gesell­schaftstanz den Boden zu bereiten. Viele Tänze wurden in Kissingen vorgeführt, alte und neue, viele haben gefallen, andere haben nicht gefallen und schließlich kam man zur Erkenntnis, daß man lieber keine neuenTänze" fördern soll, die dann doch nicht die Gunst des Publikums erobern, wie zum Beispiel den mißlungenenDeutschländer", sondern daß man sich lieber darauf beschränken möge, die alten beliebten Tänze zu pflegen und ein wenig umzugeftalten.

Foxtrott, Tango, Onestep und andere Tänze haben sich in Deutschland derart eingebürgert, daß man sie nicht mehr alsNegertänze" bezeichnen kann. Das Negermäßige, wenn sie es jemals an sich hatten, Haven sie schon längst abgelegt, es sind ruhige Gesellschaftstänze geworden. Es ist nur noch wenig daran zu ändern und hat gute einfache Run d- t ä n z e, wie sie der deutschen Art seit jeher am besten liegen.

Es braucht deshalb niemand mit der Befürchtung in das neue Winterhalbjahr zu gehen, ganz neue Tänze vorzufinden, von denen er keine Ahnung hat und dann den Eckensteher und unfreiwilligen Zu­schauer spielen zu müssen. War das in manchen früheren Jahren beinahe die Regel, so steht für dies­mal fest, daß nichts umstürzend Neues zu erwarten ist. Wer es vermag, sollte trotzdem ein bißchen zum Tanzlehrer gehen. Man lernt auf alle Fälle etwas dazu Und dann sollte man sich, wenn's geht, die

schlechte, oft niggerhaste Foxtrotthaltung von früher abgewöhnen, wenn man nicht unangenehm auffallen will.

Es scheint, daß sich die Verhältnisse im Gesell­schaftstanz weitgehend gefestigt haben. Früher war es ja auch nicht anders: was man in der Tanz­schule lernte, reichte für ein paar Jahrzehnte, wenn inzwischen kein Tanzschritt aufkam, von dem man keine Ahnung hatte. Die Kinder lernten im allge­meinen, was die Eltern seinerzeit gelernt hatten, sie tanzten es ein wenig frischer und lebendiger, aber jeder Tanz ist ja im Laufe der Jahre gewissen Wandlungen unterworfen. Das war beim Walzer auch nicht anders, der'heute wieder zu allen Ehren gekommen ist, die er verdient, als einer der herr­lichsten und zugleich schwierigsten Tänze, die es gibt.

Daß auch der Volkstanz zu seinem Recht kommt, ist selbstverständlich. Man kann ihn sowieso nicht so streng vom sogenannten Gesellschaftstanz scheiden, wie das in früheren Zeiten mit einer klaren und überwundenen Tendenz geschehen ist. Man kann und soll den Ländler ruhig schon in der Tanzstunde lernen, man soll selbst die Probe darauf machen, daß eine richtige Mazurka gelernt und geübt sein will und man wird förmlich erstaunt fein, wie frisch, lustig und lebhaft ein Rheinländer ist. Es ist genug verraten, soweit es überhaupt etwas zu verraten gab. Und weil man schon dabei ist, Geheimnisse auszuplaudern, kann gleich noch unter vier Augen gesagt werden, daß die Tanz­freudigkeit in Deutschland groß wie nie ist, daß man im kommenden Winterhalbjahr viel und gern tan­zen wird und ein wenig Beifall wird man den Tanzlehrern schon spenden dürfen, wenn dabei auch wirklich gut getanzt wird.

Eberhard Adrian.