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Nr.M Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch, (9. Juni (935

Aus dem Reiche der Krau.

Wir helfen der Mutter im Haushalt.

Don Brigitte Lühr.

Wollt ihr beiden mir so ein bißchen im Haus­halt helfen?" fragt Mutter ihre Kinder, Peter und Liefet, acht und fünf Jahre alt. Begeisterte Zustim­mung! Kinder tun ja in den Ferien besonders so gern etwas, was sonst eigentlich die Erwach­senen machen.

Ihr müßt aber richtig arbeiten, nickt nur so em bißchen nebenbei Hand anlegen! Wer ein Amt über­nimmt, der muß es auch ausfüllen!" Der gute Wille ist da, nun kommt es nur darauf an, daß Mutter die Sache richtig organisiert. Peter liebäugelt schon mit dem Staubsauger, er möchte zu gern einmal mit dem brummenden Ungeheuer hantieren aber Mutter lehnt dieses Ansinnen strikt ab.

Wenn ihr beiden mir im Haushalt helfen wollt, dann müßt ihr mir eine wirkliche Arbeit abnehmen mit dem Staubsauger hantieren, das ist Spiele­rei! Wir machen uns einen richtigen Arbeits­plan, so wie die großen Leute das in den Be­trieben haben. Ein Haushalt ist auch eigentlich ein Industriebetrieb wir wollen nach derselben Me­thode arbeiten!"

Bleistift und Papier wird geholt, damit jedes Kind feinen Stundenplan bekommt! Mit den Vor­mittagsstunden wird angefangen. Zunächst werden die Zimmer gemacht. Erste Arbeit: Betten aus- legen! Das kann der Junge schon sehr gut allein machen. Während das Zimmer lüftet, werden die Stiefel geputzt. Ehrensache, daß der Junge seine Stiefel, Vaters und die vom Schwesterchen putzt. Das ist keine schwere Arbeit und macht sogar Spaß. Je weniger Schuhcreme verbraucht wird, desto blan­ker werden die Stiefel! Mutter setzt sogar eine kleine Sparprämie aus, das weckt den Ehrgeiz!

Nach dem Frühstück wird abgewaschen! In den Ferien können die Kinder das sehr gut besor­gen. Peter wäscht ab, und Liefet darf abtrocknen. Ihre kleinen Hände können die Frühstückstassen und -teller gut halten. Mittags wäscht dann Mutter ab, weil es sich da um große Stücke handelt.

Nach dieser Arbeit mutz das Zimmer in Ordnung gebracht werden. Bettenmachen muß gelernt sein, aber ein achtjähriger Junge kann da schon gut hel­fen. Wenn zwei das Bettuch anfassen und gerade ziehen, geht es nämlich doppelt so schnell! Feucht aufwischen tut Mutter, nachreiben mit dem Bohner­tuch können die Kinder. Staubwischen ist Kinderarbeit, jedes Kind bekommt seine bestimmten Möbelstücke, für die es verantwortlich ist.

Am liebsten helfen die Kinder in der Küche, besonders dann, wenn ab und zu ein guter Bissen abfällt. Aber das ist nicht der Zweck der Hebung, dabeizustehen, wenn Mutter kocht, ist keine Hilfe. Aber der Mülleimer muß unbedingt herunter- aetragen werden, das kann der Junge sehr gut be­sorgen. Mutter hat sowieso sehr oft die Treppen zu laufen. Den Mülleimer betrachtet der Junge also von jetzt ab als seine Privatdomäne! Im leeren Eimer werden Kartoffeln aus Dem Keller mit ber- aufgebracht, das spart einen Weg. Auch Holz braucht Mutter nicht zu tragen, wenn sie Kinder als Hilfs- tr.'ppen hat.

Einkäufe machen ist die Sehnsucht aller Kinder Warum soll man diese Sehnsucht nicht befriedigen? Es ist für alle Teile sehr praktisch, wenn die Sachen, die im Haushalt täglich gebraucht werden, und die man nur sonebenbei" mitbringt, von den Kin- deren besorgt werden.

Man kann auch dem Kind ruhig Geld anver­trauen. Je eher ein Kind lernt, damit umzugehen, desto besser ist es. Heber einen Betrag von etwa 2 Mark muß dann jedesmal abgerechnet werden. Pädagogisch richtig ist es, wenn man dem Kind Dinge in der Küche übergibt, für die es verantwort­lich ist. Da gibt es z. B. das Salzfaß, das nie leer fein darf, die leeren Bierflaschen, die zum Kauf­mann zurückgetragen oder eingetauscht werden müs­sen. Toilettenpapier muß auch stets Vorhandensein! An all dies muß das Kind denken, und für diese Dinge gibt Mutter ihm einen kleinen Geldbetrag, so daß es diese Dinge selbständig einkaufen kann. Abends wird dann abgerechnet! Nach und nach ler­nen die Kinder hierdurch die Preise in den Ge­schäften kennen und vor allen Dingen haben sie bald das Gefühl dafür, daß auch das kleinste un­scheinbarste Ding auf der Welt Geld kostet und sie richten sich danach!

Tischdecken ist ebenfalls Kinderarbeit! Es muß aber gelernt fein. Es genügt nicht, wenn man Messer und Gabel wie Kraut und Rüben durchein­ander wirft. Ein gut gedeckter Tisch ist die Visiten­karte des Haushalts. Wenn Mutters Hilfstruppen im Haushalt richtig zugreifen, dann ist alle Arbeit doppelt so schnell getan!

Bunte Sachen werden gewaschen.

Von Ilse Mahl

Immer wieder sieht man buntgemusterte Seiden­kleider und Pullover, in der Sonne aufgehangt, fröhlich im Wind flattern, begegnet man verwasche­nen Kindermützchen und formlos gewordenen Westen, fo daß die Regeln für ein einwandfreies Waschverfahren anscheinend nicht oft genug wieder­holt werden können. Vor allen Dingen muß man jedes Kleid, jede Bluse und jeden Pullover als einen Fall für sich behandeln, denn es ist wichtig, daß der ganze Prozeß sich so rasch als möglich abwickelt. Der Haupttrick besteht also darin, den nassen Zustand des zu waschenden Gegenstandes auf ein Minimum von Zeit zu beschränken.

Zunächst kommt die F a r b p r o b e Erne unauf­fällige Stelle des Stoffs wird mit f altem Watz er angefeuchtet und mit einem weißen Tuch gerieben. Zeigt das Tuch Farbspuren, so ist der Stoss nicht waschecht, und wir können die Reinigung nicht selbst vornehmen. Bleibt das Tuch weiß, !a spulen wir das Kleid oder den Jumper in kaltem Wasser leicht durch. Von einem erprobten Waschmittel, Seisen- pulver ober -flocken, etwa einen Eßlöffel voll aus äroei Liter Wasser, haben wir eine kalte Seifen« lauge bereitet, in der wir mit der Hand starken Schaum schlagen. Nun geben wir das nasse Klei­dungsstück in das gut schäumende Seifenwasser und drücken es unter besonderer Berücksichtigung der schmutzigsten Stellen (Kragen, Aermelaufschläge usrv.)

immer wieder aus, vermeiden aber dabei das Rei- ben, ebenso das Auswinden am Schluß. Erscheint uns der Stoff sauber genug, so spülen wir ihn so lange in kaltem Wasser, bis dasselbe klar bleibt. In das letzte Wasser geben wir einen Schuß Essig, der die Leuchtkraft der Farben erhöht und bei Seide den Glanz verstärkt.

Das wicktigste ist aber das richtige Trocknen. Damit es so rasch wie möglich vor sich geht, haben wir ein paar saubere, trockene Handtücher, am besten Frottiertücher bereitgelegt. Mit ihnen dürfen wir auf keinen Fall sparen. Das größte breiten wir auf dem Tisch aus, legen das Kleidungsstück darauf, schieben zwischen Vorderteil und Rücken, möglichst auch in die Aermel und Taschen ebenfalls Tücher und rollen das Ganze sehr fest zusammen. Die Tücher ziehen alle Feuchtigkeit heraus und müssen

noch ein oder mehere Male durch trockene ersetzt werden.

Wo ll fach en bleiben nun, nachdem man ihnen die richtige Form gegeben hat, am besten eingerollt, bis sie ganz trocken sind, oder man breitet sie auf einem Tisch aus und deckt sie mit einem Tuch voll­kommen zu. Seide wird sofort in feuchtem Zu­stand gebügelt, damit sie schön glatt wird. Etwas schwierig ist die Sache bei Kunstseide, die zumeist erheblich zusammengeschrumpft ist. In diesem Falle muß der Stoff beim Bügeln stark gezogen werden, damit er seine ursprüngliche Länge und Breite wieder erhält. Das gelingt auch, erfordert aber Ge­duld und Geschicklichkeit.

Wer genau nach der Vorschrift verfährt, kann seiner Sache ganz sicher sein und wird von dem Erfolg nur angenehm überrascht

as sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

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abcndkloDcr!

2.

SOMMERÜCUC

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Sommerliche Abendkleider aus Voile und Organdy zeigen unsere heutigen drei Entwürfe. Modell Nr. 1 ist aus cremfarbigem Voile mit kleinen, braunen Tupfen, die erhaben eingestickt sind. Das Kleid ist in Prinzeßform, und zwar in vier, unten sehr weit ausfallenden Bahnen ge­schnitten. Ein Volant ist in der Linie eines Bolero­jäckchens dem Blusenteil ausgesetzt, ebenso schließt ein Volant den halblangen Raglanärmel ab. Die Vo­lants sind rund geschnitten. Der Gürtel aus breitem, braunem Samtband hat hinten eine große Schleife, der große Florentiner hat ebenfalls eine Gar­nitur aus braunem Samtband.

Das zweite Modell ist für sehr jugendliche Träge­rinnen gedacht, es ist aus altrosa Voile. Die

Mittelbahn und die Schulterstücke der weiten Puff­ärmel sind stark gezogen, der Gürtel aus schwarzer Lackseide wird hinten durch eine weiße Perlmutter­schnalle gehalten.

Aus weißem, bleukariertem Voile ist das dritte Modell. Der ebenfalls sehr weite Rock ist schräg in sechs Bahnen geschnitten, ein rundgeschnitte­ner Volant umläuft in einem Stück Hals- und Aer- melausschnitte, um dann am Blusenoorderteil fort­gesetzt das kurze, glockige Schößchen zu bilden. Ein breites Band aus bleu Taftseide wird dazu als Gürtel getragen, ebenso sind Kopf und unterer Rand des weißen Strohhutes gesteppte, bleu­farbene Taftseide. H.

Das interessiert die Hausfrau.

Eine bunte Gesellschaft.

Das kann man wirklich sagen, bunte Reihe herrscht in der Flickenkiste! Da ist das ausgediente Samtkleid neben dem zarten Ballkleid aus aller- feinster Seide ober weißem Chiffon als Nachbar zugeteilt. Auch das ausgewachsene Tenniskleid oder Bübchens blaue Samthöschen und Lieschens Spiel­kittelchen, die alle finden sich in dem Flickenkasten in bunter Reihe wieder. Sie geben zu allerlei Be­trachtungen Anlaß über die Vergänglichkeit irdischer Schönheit, zu Anmerkungen über das Leben und seine wechselvollen Schicksale. Ihrer weisen Lehren wegen aber haben wir die Sachen nicht aufgehoben, sondern sie sollen noch ihre Verwendung finden. Das ist aber bei solch einem Tohuwabohu nicht leicht! Man kommt nicht auf einen guten Ge­danken, wenn sich die Sachen alle noch in ihrer alten Zusammenstellung befinden. Das erste ist da­her, wenn man ein Kleid ausrangiert, es richtig auseinanderzutrennen, sodann den Stoff zusam­menzurollen, und alles dann nebeneinander aufzu­bewahren. Ist so die alte Einheit zerstört, so findet man leichter den Gedanken zu einer neuen Zu­sammenstellung. Bringen Sie etwas Ordnung m die bunte Reihe und Sie werden Freude daran haben und brauchen sich nicht des alten Ballastes

zu schämen.

Natron innerlich und äußerlich.

Natron braucht man nicht nur bei Magenweh, Kopfschmerzen und anderen Krankheiten als pro­bates Heilmittel, es spielt auch im sonstigen Wirtschaftsleben der Hausfrau eine wichtige Rolle. Menn das Backpulver ausgegangen ist, tut em Schuß Natron das gleiche, nur ist es nicht so schmackhaft. Am liebsten verwendet die Hausfrau aber das Natron, um ihre Schmucksachen sauber zu machen. Die Ringe und silbernen Taschen sind wirk­lich nicht leicht in Ordnung zu halten. Nimmt man die Seife, so bleibt sie in den feinen Rillen sitzen und nach getaner Arbeit sieht die Sache noch Die schlimmer aus als vor dem Reimgungsbad. Da ist e? am bequemsten, wenn man die 5" reinigenden Schmuckstücke tüchtig mit Natron emreibt unb sie dann mit kochend heißem Wasser übergießt.

Was tut man gegen Kesselstein?

Keine Hausfrau sieht es gern, wenn sich der Was­sertopf inwendig mit einer Kessel st einschicht überzieht. Denn sie zerreißt ober zerbricht die schöne Emailleschicht. Man hat die verschiedensten Mitte! gegen den Wasser- oder Kesselstein in Betrieb ge­setzt. Die einen schwören auf Abreiben mit Salz oder Zuckersäure und Sand. Das ist ein sehr wirk­sames Mittel, aber leider nicht ungefährlich, wenn man kleine Wunden an den Fingern hat und welche Hausfrau ober Köchin hätte bie nicht? An- bere roieber empfehlen, ben Topf mit Kartoffel- schalen auszukochen, ein ganz praktisches Mittel. Die Methobe allerbings, einen Stein in ben Kessel zu legen in ber Hoffnung, baß sich aller Kesselstein auf ihn konzentriert unb bie Wänbe verschont, bürste nicht sehr wirksam sein. Es gibt aber ein ganz siche­res Mitel gegen Kesselstein, unb bas heißt: 23er» hinbern, baß er sich ansetzt! Dazu ist es nur nötig, bie alte Scheu zu überroinben, ben Wassertopf, in­nen mit Wasser unb Seife zu behanbeln. Reibt man ben Topf nach jebem Wasserkochen tüchtig mit dem scharfen Scheuerrohr aus, dann wird er im­mer schön und blitzblank bleiben.

Warum so hoch?

Die Küchenrahmen, an denen in gefähr­licher Höhe kleine Mordinstrumente hingen, wie Hackemesser, Siebe, scharfkantige Porzellanbretter, Reibekeulen unb anbere nützliche ©egenftänbe finb ja glücklicherweise aus ber Mobe gekommen. Da­für aber finb bie obersten Schrankfächer in Küche unb Speiesekammer wahre Raritätenkammern ge­worben. Da ruhen frieblich nebeneinanber säuberlich gefaltetes altes Papier, selten benutzte Kuchenfor­men, Teile von Petroleumlampen, vielleicht auch im Sommer bie Schlittschuhe ber Kinber. Braucht jetzt bie eilige Hausfrau zufällig etwas von biefen Dingen, so entsteht in ben vollgepfropften Ecken unweigerlich ein Wirrwarr, leicht kommt etwas ins Rutschen, unb ehe man sich's versieht, fällt einem ber ganze Segen auf ben Kopf. Man sollte beshalb lieber bie Schublaben gleich über bem Fußboben für biefe abgebanften Küchengehilfen benutzen, wenn man sich nicht entschließen kann, sie gänzlich zu verbannen.

1

Fisch im Sommer.

Ein Vorurteil und seine Richtigstellung.

Viele beutsche Hausfrauen haben schon erkannt, baß ber Fisch, unb zwar ber Seefisch, ber Süß­wasserfisch, ber Räucherfisch unb ber Dosenfisch, eine wertvolle Abwechslung in ihrem Speise­zettel bieten, unb gerabe auch im Sommer kommen bie Vorzüge bes Fisches, seine leichte Ver­daulichkeit und seine appetitanregende Wirkung, be­sonders zur Geltung. Die deutsche Hausfrau weiß auch, daß der Verbrauch von Fischen und Fisch­erzeugnissen einer großen Anzahl von schaffenden Volksgenossen Brot und Arbeit gibt. Hin^u kommt, daß wie das Reichsnährstanosgesetz hervorhebt die Fischerei ausdrücklich zum Nährstand rech­net. Wer also seiner Familie Fischgerichte oorsetzt, dient damit der Absatzförderung für ein wichtiges Nährstandserzeugnis.

Die Fischwirtschaft als ein Glied des Nährstandes leibet nun aber darunter, daß heute noch die Er- zeugungs- unb Absatzverhältnisse unb ebenso bie Preisbilbung erheblichen Schwankungen unterliegen, alles Erscheinungen, bie weder im Interesse der Fischer, noch der Verbraucher liegen. Ebenso wie der Bauer einen gleichmäßigen, gesicherten Absatz braucht, ist das auch für den Fischer der Fall.

Es kann zugegeben werden, daß zu bestimmten Zeiten des Jahres manchmal auch das Angebot an Fischen nicht ganz dem Bedarf entspricht, aber der Grund hierfür ist bann nicht etwa in einer man» gelnben Leistungsfähigkeit ber Fischerei zu er­blicken, sonbern bie Fänge sind nun einmal ab­hängig von Wind und Wetter, unb keine beutsche Hausfrau sollte verkennen, unter welchen Strapazen unsere Fischbampferbesatzungen in ben kalten Win­termonaten ben Fisch aus bem Meere holen, wenn bie eisigen Stürme über bie Fischgrünbe fegen. Wer sich in ben schweren Beruf bes Seefischers hineingebacht hat, ber wirb nicht murren, wenn einmal biefe ober jene Fischart nicht ganz im ge­wünschten Umfange zur Verfügung steht.

Mit dieser Abhängigkeit der Fischerei von bem Walten ber Natur wirb sich jebermann abfinben. Niemals aber wirb sich ber schaffenbe Mensch in ber Fischerei bamit abfinben, baß er wegen eines ganz unbegrünbeten Vorurteils in ber Verbraucherschaft zur günstigen warmen Jahres­zeit zum Feiern gezwungen wirb. Unb boch ist es le-iber so. Wer nach bem Einsetzen ber warmen Witterung einmal bie großen Seefischereiplätze auf­sucht, ber wirb z. B. in Wesermünbe unb Cuxhaven mit Erstaunen gewahr, daß mehr und mehr Fisch­dampfer in die Häfen zurückkehren, um vorerst nicht wieder auszulaufen, sondern untätig stillzu­liegen.

Auch heute noch angesichts aller jener Fortschritts in der Transporttechnik unb Warenbehanblung be­steht in weiten Derbraucherkreisen bie irrtümliche Auffassung, es sei besser, währenb ber heißen Zeit ben Seefischoerbrauch einzusckränken. Die tatsäch­lichen Verhältnisse liegen jedoch erfreulicherweise ganz anders. Einmal befindet sich der Seefisch ge­rade im Sommer in seinem beften Ernäh - rungszustande. Er hat die Laichzeit über­standen und der Sommer bietet dem Fisch auf dem Grunde der Gewässer und des Meeres reichliche Nahrung. Dieser gute Ernährungszustand des Fisches gerade im Sommer erhöht nicht allein seinen Nährwert, sondern er verleiht auch dem Fisch einen ganz besonderen Wohlgeschmack. Der Verbraucher sollte sich diese Qualitätsbeschaf­fenheit um so nachdrücklicher zunutze machen, als sein Körper in heißen Tagen leicht verdauliche Speisen als eine angenehme Abwechslung empfindet.

Aber wie steht es nun mit dem Einwand, daß die warme Jahreszeit die Frische des Fisches beeinträchtigen könnte? Die Antwort ergibt sich von selbst, wenn wir uns klar machen, in welcher Weise der Seefisch vom Meeresgrund bis in die Küche der Hausfrau gelangt. Kaum ist das Netz an Bord geholt, werden die Seefische sofort ge­schlachtet und in dafür besonders eingerichtete Räume kühl unter reichlicher Beigabe von keim­freiem Eis eingelagert. Die Löschung dieser Fänge in den deutschen Fischereihäfen geschieht mit solcher Vorsicht, daß die Kisten nur während der kühlen Nacht aus den Fisckdampfern in die Auktionshallen gebracht werden. Auch die größten Mengen an Seefischen werden in allerkürzester Zeit an den Küstengroßhandel versteigert, der die Fische sofort für ben Versanb verpackt. In besonbers für ben Fischverkehr vorgesehenen Eilgüterzüaen rollen die Fische ins Binnenlanb. Dabei roeroen die Sen- bungen großenteils in bie besonders konstruierten Kühlwagen für Seefische verlaben. In bem gleichen Eiltempo wie der Grohversanb, spielt sich auch bie Hebernahme ber eintreffenben Fischsenbungen im Binnenlanb burch ben Kleinhandel ab. Stets be- finbet sich ber Seefisch in einer sauberen, burch Eis gekühlten unb in langjähriger Erfahrung aus­probierten Verpackung. Der Fisch kommt also mit ber Wärme unb ber Glut ber Sonne überhaupt nicht in Berührung. Auch der Einzelhänbler hat seine Kühleinrichtungen, um ben Fisch bis zur Ab­gabe frisch zu erhalten.

3m eigenen Gast.

Mit großem Ernst überwachen bie Jungens bie Vorbereitungen für ihre Beköstigung auf bem Marsch. Mutter weiß schon, baß ber Raum im Affen gut ausgenutzt werben muß. Aber nichts ist gräßlicher, als belegte Brote mitzuschleppen. Dies­mal macht sie ein ganz listiges Gesicht unb packt eine Büchse ein mit ber Bemerkung:Das gibt für Euch eine kräftige unb gute Mahlzeit. Ihr erwärmt es auf bem Lagerfeuer in ber Büchse, bie Ihr in kochenbes Wasser stellt. Wenn Ihr ben Inhalt her­ausschüttet, habt Ihr reines Fleisch in seinem eige­nen Saft zubereitet, unb Ihr stippt Euer Brot in bie Brühe. Sollt mal sehen, wie prachtvoll bas schmeckt unb wie schnell Ihr satt seib."

Mutter, werben wir ba auch nicht so schnell roieber hungrig?"

Du Freßsack! Du weißt boch, baß Fleisch am längsten von allen Nahrungsmitteln vorhält. Soll ich Dir erst einen Vortrag über bie Wertstoffe von Fleisch halten?"

Nee, Mutter, is nicht nötig, wirb schon stimmen, was bu sagt. Also rin mit ber Büchse in ben Affen!"