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Aus aller Welt.

74 Kommunisten wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Mordversuch auf der Anklagebank.

Vor dem zur Zeit im Hamburg weilenden Drit­ten Strafsenat des Preußischen Kammergerichts be­gann eine Verhandlung gegen 74 Kommunisten, denen Vorbereitung zum Hochverrat, Mordversuch, schwerer Landfriedens, b r u ch, schwerer Aufruhr und andere Delikte vorgeworfen werden. Das Gesamtoerfahren wird in drei Abschnitten verhandelt. Dem Gesamtverfahren liegen Vorgänge des 6. März 1933 zu Grunde. Als am Abend dieses Tages die Altonaer NSDAP, aus Anlaß des Wahlsieges einen Fackelzug veranstaltete, setzte plötzlich ein kommunistischer Feuerüber­fall ein, der drei Todesopfer unter der unbe­teiligten Zivilbevölkerung forderte. Außerdem wur- den sechs Personen, unter ihnen SA.-Männer und Polizeibeamte, bei diesem Ueberfall verletzt.

LA.-Oberfcharführer erstochen.

In einer der letzten Nächte wurde in Köln der 20jährige SA.-Oberscharführer Franz Schmidt aus Beuel bei Bonn von dem 29jährigen Christian Stöcker aus Beuel e r st o ch e n Die Motive zu der Tat sind noch nicht geklärt.

Beim Besuch des Eifel-Rennens tödlich verunglückt.

Leider hat der Massenverkehr am Sonntag beim Eifel-Rennen ein Todesopfer gefordert. In den Vormittagsstunden stürzten bei Brück an der Ahr zwei Motorradfahrer so schwer, daß der Bei­fahrer sofort getötet wurde. Der Lenker wurde schwer verletzt ins Adenauer Krankenhaus eingeliefert.

Das vermißte Segelflugzeug in Polen gelandet.

Das SegelflugzeugHermannsschacht", das sich an dem 4. schlesischen Segelflugwettbewerb beteiligt hatte und, wie gemeldet, seit mehreren Tagen ver­mißt wird, ist nach einer in der Segelflugschule Grunau eingegangenen Nachricht des Fliegers Mandetzky auf polnischem Gebiet im Kreise Moschin, 170 Kilometer von Grunau entfernt, glatt gelandet. Der Flieger hat mit diesem lieber- landfluge den bisher von Paul Steinig (Bres­lau) mit etwa 85 Kilometer gehaltenen schlesischen Streckenrekord um 100 Prozent Überboten.

Raubmörder Baumann hingerichtet.

Am 17. Juni ist in Frankenthal (Pfalz) der 1907 geborene Wilhelm Baumann hinaerichtet worden, der vom Schwurgericht in Frankenthal wegen Raubmordes an der Frau und der 21jährigen Tochter des Bauern Ed Amberger aus Maudach zum Tode verurteilt worden war. Der Führer und Reichskanzler hat von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil für die aus reiner Geldgier begangene, skrupellos und roh durchgeführte Tat allein die Todesstrafe die gerechte Sühne bedeutet. Dagegen hat der Führer und Reichskanzler die gegen den mitverurteilten Jakob Scheuermann erkannte Todesstrafe im Gnadenwege in lebenslängliche Zucht­haus st rafe umgewandett.

Der Gatten- und Kindermörder Siehlke hingerichtet.

Im Strafgefängnis Berlin ist der 1900 geborene Erich Siehlke hingerichtet worden, der vom Schwurgericht in Berlin wegen Mordes in zwei Fällen zur zweimaligen Todesstrafe verurteilt worden ist. Der Verurteilte hatte am 28. Juni 1934 seine tags zuvor von ihm geschiedene Ehefrau und sein 3Vz Monate altes Kind überfallen und durch Beilhiebe getötet. Von dem Begnadigungsrecht ist kein Gebrauch gemacht worden, weil es sich bei dem schon mehrfach vorbestraften Verurteilten um einen ungewöhnlich rohen Menschen von unverbesserlicher verbrecherischer Gesinnung handelt, der den Plan zur Tat aus rachesüchtigen Gründen erdacht und in heimtückischer, viehischer Weise ausgeführt hat.

Doppelmörder und Brandstifter stellt sich der Polizei.

In dem an der deutschen Grenze liegenden bel­gischen Oertchen Germenich ereignete sich ein blu­tiges Liebesdrama. Ein 42jähriger Ziegelei­arbeiter, der schon längere Zeit bei einem Berg­mann wohnte, hatte erfolglos versucht, sich die Gunst der 21 Jahre alten Tochter des Bergmanns zu erwerben. Als Mutter und Tochter schlafen gegangen waren, schlich er sich in das Schlafzim­mer, ermordete beide und zündete dann die Betten an. Nach der Tat fuhr er mit dem Fahr­rad nach Verviers, wo er sich der Polizei stellte. Ein zufällig an dem Mordhause vorbeikommender Eisenbahner bemerkte das Feuer und konnte eine weitere Ausdehnung des Brandes verhüten.

Kindesmörderin zum Tode verurleill.

In Greifswald wurde nach fünftägiger Verhand­lung die 20 Jahre alte Ehefrau Herta N i ck e l t aus Altkofenow (Kreis Anklam) wegen Ermor­dung ihrer eineinhalb Jahre alten Tochter Jnge- borg dem Anträge des Oberstaatsanwaltes ent­sprechend zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß es sich um eine vorsätzlich und mit Ueberlegung ausgesührte Tat handelte und daß die Angeklagte daher wegen Mordes verurteilt werden mußte.

Die Selbstmordwelle über Budapest.

Die Selb st mordwelle über Budapest, der in einer einzigen Nacht 28 Personen zum Opfer fie­len, setzte sich am folgende Tage fort. Die Blätter berichteten, daß weitere 24 Personen versuchten, ihrem Leben ein Ende zu machen. Davon sind sechs g e ft o r b e n. Weiter berichten die Blätter, daß eine junge Gutsbesitzerstochter ihren Verlobten auf einer Motorradfahrt wegen Untreue durch einen

Das neue Einkommensteuergesetz vom 16. Oktober 1934 bestimmt, daß Beiträge des Steuerpflichtigen für sich, seine Ehefrau und seine Kinder, für die ihm Kinderermäßigung gewährt wird, an Bausparkassen zur Erlangung von Baudarlehen als Sonderaus­gaben vom Gesamtbetrag der Einkünfte abzugsfähig find. Beiträge an solche Bausparkassen, die weder ihre Geschäftsleitung, noch ihren Sitz im Inland haben, sind nur dann abzugsfähig, wenn diesen Un­ternehmen die Erlaubnis xum Geschäftsbetrieb im Inland erteilt ist. Die Höhe der Abzüge für Bau- fpartaffenbeiträge ist insoweit begrenzt, als diese zu­sammen mit den Beiträgen und Versicherungsprä­mien zu Kranken-, Unfall-, Haftpflicht-, Angestellten-, Invaliden- und Erwerbslosenversicherungen, zu Ver­sicherungen auf den Lebens- oder Todesfall und zu Witwen-, Waisen-, Dersorgungs- und Sterbekassen den Jahresbetrag von 500 Reichsmark nicht über­steigen dürfen. Dieser Betrag erhöht sich um 300 Reichsmark für die Ehefrau, um 300 Reichsmark für das erste Kind, um 400 RM. für das zweite Kind, um 600 RM. für das dritte Kind, um 800 Reichsmark für das vierte Kind und um je 1000 Reichsmark für das fünfte und jedes weitere Kind. Soweit sich die Erhöhung nach der Kinderzahl be­mißt, tritt sie nur ein, wenn dem Steuerpflichtigen Kinderermäßigung gewährt wird.

Zu diesen gesetzlichen Bestimmungen hat der Reichsfinanzminister nunmehr in den Ergänzungs­richtlinien für 1934 nähere Erläuterungen gegeben. Nach diesen Erläuterungen gilt folgendes:

UnterBausparkassen" im Sinne des Ein­kommensteuergesetzes 1934 sind Privatunterneh­mungen, die nach den Paragraphen 112 bis 121 des Gesetzes über die Beaufsichtigung der privaten Ver­sicherungsunternehmungen und Bausparkassen vom 6. Juni 1931 der Aufsicht unterliegen, und die ö f -

Kopfschuß tötete und dann die Waffe gegen sich selbst richtete. Beide stürzten tot von dem in voller Fahrt befindlichen Motorrad, das herrenlos an einem Baurn zerschellte.

Unwetter in Borbitallen. Zwei Todesopfer.

Ein Unwetter in der Gegend von Bergamo hat zwei Todesopfer gefordert. Zwei junge Mädchen, die mit ihren Fahrrädern unterwegs waren, wurden durch die ungeheure Gewalt des Windes gegen einen Karren geschleudert. Dabei wurde die eine sofort getötet und die andere schwer verletzt. Ein Arbeiter erlitt durch eine vom Winde herabgerissene Blechplatte so chwere Verletzungen, daß er kurze Zeit darauf v e r ft a r b. Bei Brescia schlug der Blitz in eine Viehherde und tötete 12 Kühe, einige Ziegen und ein Schwein.

Airkusbrand in einer italienischen Stabt.

In Valenza am Po wurde ein Zirkus durch Brand zerstört. Aus noch nicht geklärter Ursache brachen plötzlich aus einem Aufenthaltsraum der Künstler hohe Stichflammen hervor, die in wenigen Minuten das ganze Zirkusfeld in Flammen gehüllt hatten. Der Zirkusbau selbst, alle Hilfsgeräte der Künstler, die Balken der Zeltkonstruktion und fast alle Volkssitze fielen dem Brande zum Opfer.

Drei Todesopfer bei einem TNotorradzusammenstoh.

In der Nähe von Forli in Oberitalien stieß ein Motorradfahrer bei dem Versuch, zwei Automobile zu überholen, in voller Geschwindigkeit mit einem entgegenkommenden Motorrad zusammen. Beide Maschinen gerieten bei dem Zusammenprall m Brand. Drei Personen wurden getötet.

Bentenpest in der chinesischen Provinz Fukien. Bisher hundert Todesfälle.

In Tfchuangtfchu und anderen Orten an der Küste der chinesischen Provinz Fukien ist die Beu­le n p e st ausgebrochen. Man hat bisher hundert Tote gezählt. Die Provinzialregierung trifft weit­gehende Vorbeugungsmaßnahmen und hat bereits 7000 Impfungen veranlaßt.

fentlidjen Bausparkaffen zu verstehen, die der Staatsaufsicht unterstehen. Andere Unter­nehmungen als die soeben genannten gehören zu den Bausparkassen im Sinne der Vorschrift auch dann nicht, wenn sie auch das Bausparen pfle­gen. Das gilt z. B. für B a u g e n o f f e n f d) a f t e n.

Baudarlehen im Sinne der Vorschrift sind nickt nur Darlehen, die wegen eines Bauvorhabens ausgenommen werden, sondern auch solche, die zum Zwecke des Erwerbs oder der Verbesse­rung eines fertigen Wohnhauses, ober zum Zwecke der Ablösung von Verpflichtun­gen (Hypotheken) ausgenommen werden, die we­gen des Baues, des Erwerbs ober ber Verbesserung von Wohnungen eingegangen worben sind.

Abzugsfähig sind nur Beiträge, die bis zur Erlangung des Baudarlehens ent­richtet werden. Zu diesen gehören aber nicht nur die vertraglich bestimmten Beiträge, son­dern auch die darüber hinaus geleisteten frei­willigen Beiträge, die bis zur Erlangung des Baudarlehens entrichtet werden.

Die nach Erlangung der Baudar­lehen entrichteten Beiträge sind nur insoweit abzugsfähig, als sich die Abzugsfähigkeit auf Grund anderer gesetzlicher Bestimmungen er­gibt. Diese Beiträge enthalten in ber Regel vier verschiebene Beträge:

1. ben reinen Tilgungsbetrag,

2. bis Zinsleistung,

3. ben Verwaltungskostenbeitrag unb

4. ben Lebensversicherungsbeitrag.

Der Tilaungsbetrag ist nicht abzugs­fähig. Zinsen unb Verwaltungskosten- beitrag finb in b?r Regel Betriebsausgaben ober Werbungskosten, ersteres z. B. bann, wenn bas

Baubarlehen zur Errichtung von Wohnhäusern für bie Gefolgschaft eines Betriebs verwenbet worben ist. Der Lebensversicherungsbeitrag gehört zu ben Sonberausgaben. Zinsen, Verwaltungskostenbeitrag unb Lebensversicherungs­beitrag finb also grunbsätzlich abzugsfähig, es fei benn, baß sie mit Einkünften in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen, bie für bie Einkommens- befteuerung außer Betracht bleiben. Danach sind z. B. bie nach Erlangung bes Baubarlehens ent­richteten Beiträge in vollem Umfange vom Abzug ausgeschlossen, wenn bas Baubarlehen zum Zwecke ber Errichtung von steuer befreiten Kleinwohnungen, ober eines steuer befreiten Eigenheims ausgenommen worben ist.

Wenn bie Zinsleistungen, Verwaltungskosten­beiträge unb Versicherungsbeiträge abzugsfähig finb, können bie Versicherungsbeiträge, bie verhältnismäßig gering finb, zusammen mit ben Zinsleistungen unb Derwaltungskostenbei- trägen in einer Summe zum Abzug zu- gelassen werben. Da ber Bausparer nach Erlangung bes Darlehens monatliche Beiträge in gleicher Höhe leistet, unb nicht zu erkennen ist, in welcher Höhe barin nichtabzuasfähige Tilgungsbeträge und abzugsfähige andere Leistungen enthalten sind und die Tilgungsbeträge und die Zinsbeträge sich auch von Jahr zu Jahr ändern, müssen die Beiträge jährlich in abzugsfähige und nicht abzugs­fähige Teile zerlegt werden. Da dies für die Veranlagungsstellen und die Steuerpflichtigen mit Schwierigkeiten verbunden ist, ist mit den in Be­tracht kommenden Verbänden vereinbart, daß bie zustänbige Bausparkasse auf Verlangen bem Bau­sparer eine Bescheinigung ausstellt, aus ber bie nichtabzugsfähigen Tilgungsbeträge unb bie ab­zugsfähigen anberen Leistungen ersichtlich finb. Bei Vorlegung biefer Bescheinigung burch ben Bausparer ist vom Finanzamt nur zu prüfen, ob etwa ber Abzug ber nach Erlangung bes Bau­darlehens entrichteten Beiträge in vollem Um­fange zu versagen ist, weil die Leistungen mit Einkünften in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen, die für die Besteuerung außer Betracht bleiben.

Abzugsfähig sind nur Beiträge zwecks Erlangung eines Bau darlehens, d. h. Beiträge auf Grund eines sogenannten Bausparvertrages, bet bem ber Abschluß auf eine beftimmte S u mm e gerichtet ist unb ber Bausparer sich bemgegenüber zu bestimmten Einzahlungen verpflich­tet. Sonstige Spareinlagen finb auch bann nicht abzugsfähig, wenn sie bei Bausparkassen einge­zahlt werben unb die gesparte Summe später zum Bau, oder Erwerb von Wohnungen verwendet wird.

Manche Bausparkassen gewähren zinsfreie Baudarlehen. In der Regel sind bei diesen die Beiträge hoher und deshalb auf einen kürzeren Zeitraum bemessen. In diesen erhöhten Beiträgen können Zinsen nicht erblickt werden. Von den nach Zuteilung des Baubarlehens entrichteten Beiträgen ist deshalb auch nicht ein Teil als Zinsen nbzugs- fähig. Hier finb vielmehr bie Tilgungsbeträge, bie keinesfalls abzugsfähig finb, verhältnismäßig höher, als bei Bausparkaffen mit Verzinsung. Ein Teil ber zinsfreien" Bausparkassen erhebt an Stelle von Zinsen einen Ausgleichsbeitrag, ber nicht ber Til­gung bes Darlehens bient. Dieser Ausgleichsbeitrag ist ebenso wie Zinsen zu behanbeln unb im Jahre ber Zahlung abzugsfähig.

Von einem Sraffor überfahren und getötet

LPD V l e b e n t o p f, 18. Juni. In ber Ort­schaft Bo11enborf würbe bie Ehefrau Schneiber, als sie bie Straße überqueren wollte, von einem Traktor überfahren unb getötet. Der Frau waren beibe Beine abgefahren unb ber Brustkorb eingebrückt worben.

Vausparkassenbeilräge und Einkommensteuer.

Warum verkennst du mich, Barbara?

JRoman von Liane Sanden.

Urheberrechtschutz: Fünf-Türrne-Derlag, Halle (S.)

13 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Nein, nein! Das ßanb hier hatte nichts Gutes gebracht. Franz war geneigt, auch bie jetzige trübe Stimmung im Hause wieber hier mit bem fremben Lanbe in Zusammenhang zu bringen.

Barbara sprach inzwischen mit Oberinspektor Rockesch. Der war mit seinen Verhandlungen wegen des Holzoerkaufs noch nicht fertig geworben. Die Angebote ber tschechischen Holzfirmen waren schlecht. Rockesch wollte mit einer Großhanbelsfirma in Rei­chenau noch direkt verhandeln und fragte an, ob er noch bis morgen früh entbehrt werden könnte. Bar­bara beruhigte ihn darüber:

Don dem Tode der Zuchtftute wissen Sie schon?" te sie ihn.

ockesch bejahte. Er schien gleicherweise über

diesen Unglücksfall sehr betrübt zu fein. Barbara hatte schon auf der Zunge, ihn zu fragen, wie er zu der Tatfache der Obduktion zwecks Feststellung der Todesursache stände. Aber sie sprach es nicht aus. Warum, wußte sie selbst nicht. Kurz berichtete sie noch Rockesch von der Einstellung neuer Kräfte, um den Wiesenschnitt am Karpensteiner Wald zu fördern.

Sehr einverstanden, gnädigste Frau", war Rok- keschs Antwort.Inspektor von Mackenroth ist wirk­lich tüchtig. Ich wollte es heute selbst anregen."

Barbara hing ab. Wie anerkennend Rockesch von Inspektor von Mackenroth sprach, und wie schlecht ber bie Sympathie seines Vorgesetzten vergalt! Was hatte er nur eigentlich gegen Rockesch? Aber ba war sie wieber bei Mackenroth Unb sie wollte boch nicht an ihn benken. Denn schon stieg wieber biefer haßerfüllte Schmerz in ihr auf, ber sie peinigte unb krank machte. Sie fühlte einen heftigen Druck in ben Schläfen. Sie wollte sich eine Stunde hinlegen.

Im Schlafzimmer hatte bereits bie Zofe bie Jalousien tief herabgelassen Eine angenehme Kühle empfing Barbara. Sie zog sich ein leichtes Haus- kleib an unb legte sich auf bas Ruhebett. Sie war mübe unb fanb boch keinen Schlaf. In ihr war eine schmerzliche Unruhe. Waren es bie Gebauten an Eckeharb von Mackenroth unb Magbalena? Ober war es bie eigentümlich elektrisck gelabene Atmo­sphäre, bie über bem ganzen Lande lag?

Enblich fiel sie in einen leichten Schlummer, aus dem sie erst nach einer Stunde durch ein dumpfes Geräusch erwachte. Sie richtete sich, noch ganz ver­wirrt, auf. Da war wieder das dumpfe Geräusch. Nun erkannte sie es. Es war Donnergrollen, noch

schwach aus der Ferne, aber doch schon deutlich vernehmbar.

Barbara klingelte. Gleich darauf erschien die Zofe mit einer Tasse schwarzen Kaffee, wie Barbara ihn gleich nach der Mittagsruhe zu trinken pflegte.

Ist Fräulein Gerwig schon unten?"

Barbara fragte es, während sie sich behaglich auf dem Ruhebett zurechtrückte und eine Zigarette zu ihrem Kaffee ansteckte.

Nein! Fräulein Gerwig ist noch nicht unten gewesen!"

Dann bestellen Sie ihr, ich mache einen Ritt hinüber zu den Wiesen."

Es steht ein Gewitter am Himmel, gnädige Frau", bemerkte das Mädchen, als es die Jalousien hochzog.

Barbara sah hinaus.

Wirklich, über dem Park stand eine dunstige Schwüle. Der strahlend blaue Himmel hatte sich mit einem grauen Schein überzogen. Die Sonne stach in einem fahlen Gelb hernieder. Am Horizont standen hochgereckte, weißliche Gewitterköpfe. Eine schwere, schwüle Stille lag in der ganzen Natur.

Das tut nichts!" meinte BarbaraUm so mehr muh ich sehen, wie weit die Leute mit dem Heu- schnitt sind. Bestellen Sie unten, man soll mir Arabella satteln. Ich käme sofort herunter."

Wenige Minuten später stand sie im Reitkleid vor dem Spiegel. Er gab ihr das Bild einer schlanken, schönen Frau zurück, die jetzt im Reit­dreß beinah etwas Jung-Knabenhaftes hatte. Bar­bara trug braunweiße, kleinkarierte Reithofen, dazu eine lichte rohseidene Hemdbluse mit einem kleinen, braunweißgepunkteten Schlips. Die Zofe reichte ihr die kleine Kappe und die Reitgerte.

Bewundernd sah sie ihrer Herrin nach. Man wußte nie, wann die gnädige Frau schöner war: ob in den großen Toiletten bei gesellschaftlichen Veranstaltungen oder wie jetzt beim Sport.

Unten führte der Reitknecht bereits das Pferd vor die Rampe. Barbara streichelte das schöne Tier. Das wieherte leicht und wandte feinen Kopf suchend nach der Herrin um. Schmeichelnd schnupperte es an Barbaras Hand. Die lachte:

Du Verwöhntes, muß denn immer genascht sein?" Aber sie holte aus der Tasche ihrer Reithosen den Zucker, den sie, wie immer, für Arabella bereit hatte.

Sie fühlte die sanfte Berührung der samtigen Pferdeschnauze, wie Arabella jetzt den Zucker ihr aus der Hand ftaß.

Ich glaube, es kommt etwas!" bemerkte der Reitknecht respektvoll und sah mit besorgtem Blick hinüber zum Fluß, wo sich die Wetterwolken auf­türmten.Arabella ist heute auch schon so unruhig, gnädige Frau!"

Barbara lächelte sorglos:

Und mir wird sie schon ruhig gehen nicht wahr, Arabella?"

Von dem Stallknecht unterstützt, schwang sie sich leicht auf das Pferd. Sie ergriff die Zügel. Dann

streichelte sie Arabella noch einmal über die glän­zende Mäyne, stieß einen ganz leisen Schnalzlaut aus und ritt davon.

Als sie an der Mauer des Wirtschaftshofes ent- langritt, horte sie das Vieh in den Ställen unruhig muhen. Auch die Tiere fühlten das Wetter schon voraus. Hoffentlich waren die Leute an der Kar- penfteiner Wiese bald fertig, damit der Regen nicht über das Gras kam. Sie war jetzt doch sehr zu-* frieden, daß Mackenroth die Einstellung von ein paar neuen Schnittern befürwortet hatte.

Sie machte ihren Ritt über ihr Besitztum. Die meisten Wiesen waren bereits geschnitten. Und wo noch Gras stand, war man bereits dabei, es auf die Wagen zu verladen. An den sonnigeren Wiesen war ein Teil des Grases bereits zu Heu getrocknet. Knechte und Mägde verluden die Heubündel auf den hohen Leiterwagen.

Herr Inspektor ist auf der Karpensteiner Wiese, gnädige Frau!" meldete ein junger Gutseleve, der die Beaufsichtigung des Landes hier hatte.

Barbara nickte und ritt weiter.

Die Karpensteiner Wiese war ein eingeschnittenes Landstück zwischen Fluß und Berglehne. Sie lag ziemlich weit ab und war der Endpunkt der Ste- chowschen Besitzungen. Barbara ritt die Chaussee am Walde entlang. Er stand in lichtgrünem Dor- fommerlaub. Ein leises Sausen ging durch die Kro­nen der Tannen und Eichen. Das Donnergrollen kam näher. Der Himmel über den Bergen war schieferfarben und drohend. Die Bergketten lagen blauschwarz mit dunkel gezackten Konturen da und schienen zum Greifen nahegerückt. Die Gewitterwol­ken türmten sich immer hoher auf. Schon hatten sie einen schwefelgelben Rand.

Don weitem sah Barbara schon die Leute auf der Karpensteiner Wiese in emsiger Tätigkeit. Sie verhielt ihren Falben und schaute hinüber. Groß und schmal saß sie auf dem Pferde. Das rostbraune Haar lag glatt zurückgestrichen unter dem kleinen Hut. Sehr hochmütig sah sie aus und sehr schon, wie sie jetzt dort von dem Hügel herabschaute auf das Feld.

16. Kapitel.

Eckehard von Mackenroth trabte auf feinem schwe­ren Hengst über die Wiese. Barbara horte seine hal­lende Stimme bis zu sich herüberdringen. Er trieb die Schnitter zur Eile an, zwischendurch immer wieder nach dem Himmel schauend. Die Leute arbei­teten im Schweiß ihres Angesichts. Bald war das letzte Stück der Wiese gemäht. Eine Reihe der Lei­terwagen, hoch bepackt mit dem duftenden Grün- futter, war bereits abgerollt. Nur wenige standen noch und harrten ihrer Fracht.

Jetzt sprengte Mackenroth weiter. Nun stand er bei dem letzten Leiterwagen. Da sah er Barbara. Sein Herz tat einen jähen, ungestümen Schlag. War es Glück war es Schmerz war es Zorn? Er wußte es nicht.

Ehe er sich darüber klar werden konnte, kam

Barbara auf Arabella herangeritten. Gerade als sie vor Mackenroth das Pferd anhalten wollte, fuhr ein blendender Blitz aus den Wolken jenseits der Berge. Der Donner, der bisher nur schwach aus der Ferne gegrollt hatte, setzte mit einem krachenden Schlage ein. Barbaras Pferd stieg erschreckt hoch. Macken­roth konnte es gerade noch am Zügel fassen und heruntereißen. Nun stand es, schwer atmend, mit angstvollen Augen und zitternden Flanken da.

Barbara war erblaßt, als das Pferd so plötzlich stieg. Aber sie gab der plötzlichen Bewegung des erschreckten Tieres sofort elastisch nach. Sie war nicht umsonst die berühmteste Reiterin Hamburgs gewesen und hatte nicht umsonst so manches Tur­nier gewonnen.

Nun, Arabella was ist benn?"

Sie klopfte dem Tier beruhigend den Hals.

Gnädige Frau, ich mochte dringend bitten, daß Sie nicht auf Arabella zurückreiten. Sie ist ein schrecklich nervöses Tier. Das Gewitter kann jeden Moment mit aller Kraft losbrechen. Der Weg ist weit. Ich fürchte, daß Sie mit Arabella Schwierig­keiten haben werden. Sie hätten überhaupt nicht jetzt vor dem drohenden Gewitterausbruch hierher kommen sollen!"

In seinen Worten lagen Angst und Sorge. Aber Barbara in ihrer feindlichen Einstellung fühlte nichts als die Bevormundung und den Zweifel an ihrer eigenen Sicherheit:

Wollen Sie mir überlassen, zu entscheiden, Herr Inspektor, was ich tun soll und was nicht! Ich wünschte mich davon zu überzeugen, ob die Arbeiten hier auch vor Gewitteranfang richtig beendet sind!"

Darauf hätten gnädige Frau sich verlassen kön­nen!" war Eckehards eisige Antwort.Ich habe nicht umsonst die zehn Schnitter angefordert. Ich habe gewußt, daß wir heute mit einem Gewitter zu rechnen hatten, und habe meine Maßnahmen entsprechend getroffen."

Ich wünschte mich aber von der Richtigkeit Ihrer Maßnahmen zu überzeugen, Herr Inspektor!"

Das soll heißen, daß Sie meiner Zuverlässigkeit nicht absolut trauen, gnädige Frau?"

Ich habe Ihnen nicht Rede und Antwort zu stehen, Herr Inspektor!"

Aber eine Antwort erbitte ich, gnädige Frau, und zwar die auf mein Abschiedsgesuch! Darf ich gehorsamst fragen, ob es genehmigt ist?"

Barbara sah ihn mit sprühenden Augen an:

Das klingt ja gerade, als ob Sie mich zur Rede stellen, ober ob Sie ein Recht auf Lösung des Ver­trages hätten, Herr Inspektor! Ob ich Sie vor ber Zeit freigebe ober nicht, liegt ganz in meinem Be­lieben. Während ber Ernte jedenfalls ist darüber gar nicht zu reden!"

Sie wandte das Pferd, ritt davon, ohne Macken« roth noch einmal anzufehen. Der stand da und tarrte ihr nach. Ihre Worte waren wie ein Peil- chenhieb gewesen. Mußte er sich wirklich so behan­deln lassen? Fortsetzung folgt