Ausgabe 
19.6.1935
 
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und sich entweder auf die Klassiker zurückziehen oder auf belanglose Gesellschaftsstücke zum Teil auslän­discher Herkunft beschränken. Dabei kam besonders das Berliner Theater im Vergleich mit den Bühnen im Reich, denen immerhin ernsthafte Bemühungen und Versuche nachgerühmt werden, schlecht weg. Es genügt dem heutigen Staat nicht, daß in der Lite­ratur und auf den Bühnen nichts gegen den Natio­nalsozialismus gesagt wird; er muß verlangen, daß den schöpferischen Kräften die Wege geeb­net werden, die schon heute aus dem Boden dieser neuen Gesamtschau aller öffentlichen Dinge künstle­risch zu gestalten vermögen. Der Minister geht ge­wiß nicht an der Tatsache vorüber, daß von dieser Forderung aus die Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und völkischer Gebundenheit, zwischen dem schaffenden Künstler als einzelnem und der Ge­samtheit ihrem stärksten Ausdruck zustrebt.Die Kunst ist eine Leidenschaft, die den ganzen Menschen erfordert und ausfüllt; wer einmal von ihr ergrif­fen ist, kommt nicht mehr los davon". Aber die Spannung zwischen freier Kunst und Gesetz, zwischen den einzelpersönlichen Voraussetzungen der Gestaltung und der höheren Ordnung wird ihre Ueberwindung finden in der Tatsache einer vollen­deten Volksgemeinschaft auf dem Boden der natio­nalsozialistischen Weltanschauung. Nur der Künst­ler kann im neuen Staate und vor einem innerlich so geeinten Volke noch zur Geltung und Wirkung kommen, dem die Verwurzelung in diesem Boden und das Wachsen aus ihm heraus als eine solche Selbstverständlichkeit erscheint, daß ihm ein lieber, greifen über die gezogenen Linien der Ordnung, und her Gemeinschaft sich als ein unmöglicher Frevel darstellt, daß er Grenzen der Ordnung nicht als hemmende Schranken empfindet, daß in diesem Sinne die Diskrepanz zwischen Freiheit und Gesetz für ihn überhaupt verschwindet, weil sein Schaffen auch nur aus den gleichen Quellen genährt wird, aus denen das ganze Leben der Nation fließt.

Es ist auch klar, daß die großartige Konzeption des Ministers in ihrer Verwirklichung nicht ein­fach befohlen werden kann. Aber Dr. Goeb­bels wollte, feiner ganzen Art entsprechend, neue und starke Impulse schaffen, er wollte den neuen Kräften, die aus der nationalsozialistischen Gemein­schaft künstlerisch den Weg zum Licht suchen, die Hindernisse aus dem Weg räumen, die in der Ver­ständnislosigkeit und in der Leichtfertigkeit mancher Bühnenleiter und Verleger heute noch gegeben sind. Mit den Forderungen, die jetzt in so scharf umritte­ner Form ausgestellt wurden, ist ganz gewiß nicht einer politischen Nivellierung der Kunst das Wort gesprochen. Das Gegenteil ist richtig. Auf dem Boden einer weltanschaulichen Volksgemeinschaft werden die Vergleichsmaßstäbe für die Qualität künstle­rischen Schaffens viel klarer und schärfer werden. Nur der wahre und große Künstler wird wieder wie im griechischen Altertum in der Gesamtheit seine begeisterte Gemeinde finden. So offenbart sich letzten Endes in den neuen Forderungen an die Kunst ein ganz elementarer Wille zur kulturellen Eneuerung und Erhöhung, von dem wir uns eine deutsche Renaissance versprechen möchten.

Gefallen für die Auferstehung des deutschen Volkes.

Führer und Ration an den Gärgen der Opfer von Reinsdorf.

Wittenberg, 18. Juni (DNB.) Mit sommer- licher Glut scheint die Sonne über ein Flaggen­meer, in dem das Schwarz der Flore die Trauer kundtut um die 60 Toten, die als Opfer der Arbeit bei der furchtbaren Explosionskatastrophe in den Werken der Westfälisch-Anhaltinischen Sprengstoff AG. umgekommen sind. Aus dem großen Platz vor dem Werk, der ringsum von Bäumen umgeben ist, sind d i e 60 Särge, mit der Hakenkreuzfahne und einem grünen Kranz mit weißen Nelken ge­schmückt, aufgebahrt. Zu Füßen liegt je ein Lorbeer-

Der Führer und Reichskanzler spricht den Hinterbliebenen der Verunglückten seine Anteil­nahme aus. (Scherl-M.)

I. X M

g e t ragen wird. Daher sagen wir Dank dem Führer und Reichskanzler, der als Erster in Ihren Reihen mitfühlt und hochherzig mithelfend hier eintraf, sagen wir Dank den Ministerien und Amtsstellen, den Amtsleitern der Arbeitsfront sowie den Tausenden und Abertausenden, die in unserem Vaterlande und weit darüber hinaus den Ring um diese Unglücksstätte schlossen.

Nach einer weiteren Ansprache des Gauleiters Jordan legte

der preußische Ministerpräsident General Der Flieger Göring

im Auftrage des Führers in der Mitte der Sarg­reihe einen riesigen Kranz mit roten Rosen nieder. Die Kranzschleife trägt auf rotem Grund in gol­dener Ausführung das Hoheitszeichen der Partei und als einzige Inschrift die WorteAdolf Hitler".

Im Auftrage des Führers und im Namen der Reichsregierung wendet sich Göring an die An­gehörigen der Toten und spricht ihnen das tiefste Mitgefühl aus. Ein Unglück von so gewal­tigem Ausmaße könnte uns erschüttern und schwach machen, lebten wir nicht in einem Volke und einem Reiche, das wiederauferstanden ist zur Freiheit und zur Ehre, und wo jeder einzelne Volksgenosse den letzten Einsatz wagen wird wenn es der Höch st en Güter der Nation gilt. So sind auch diese treuen Arbeitskameraden gefallen für das neue Reich, gefallen für die Auferstehung ihres Volkes.

Und so gewaltig und so erschütternd der Tod hier eingegriffen hat, fo ersprieht auch aus diesen Opfern, aus dem Tode dieser tapferen Arbeitskameraden ein großer Segen für das ganze Volk und für öle ganze Ration. Denn in der Art und weife, wie heute das ganze Volk und an der Spitze fein Führer und Kanzler sich zu diesen toten Arbeitskameraden bekennen, erweist sich jene wunderbare Geschlossenheit der Ration, die neuerstanden ist, erweist sich wieder auch, daß gerade der deutsche Arbeiter wieder zurückgefunden hat in eine neue Heimat, wieder Fuß gefaßt hat in seinem Volke, wieder wertvollstes Mitglied der Volksgemeinschaft ist.

Ferner erweist sich aber auch für alle die hundert­tausend Arbeitskameraden, die heute in mehr oder minder gefahrvollen Berufen ihre Kraft, ihre Lei­stung und, wenn es gilt, ihr Leben einsetzten, er­weist sich auch für die anderen Volksgenossen, daß sie wieder eins geworden sind in Freude, aber auch in Leid, erweist sich für diese arbeitenden Volks­genossen, daß sie wieder eine Ehre errungen haben.

erweist sich, daß Führer und Reich und Nation gewillt sind, ihnen diese Ehre zu geben und ihnen diese Ehre zu verteidigen. Der Geistliche hat gesagt: Nicht der Geist der Furcht, sondern der Geist der Ära f t". Und zu dem wollen auch wir uns bekennen, zu dem Geiste der Kraft. Denn auch durch diese Opfer soll wieder Kraft erstehen, sie sollen nicht u m s o n st gefallen sein. Das ist das Große, Leidtragende und Angehörige, daß heute nicht mehr umsonst der deutsche Mensch in den Tod acht, sondern daß jeder Einzelne damit ein großes Opfer am Altar des Vaterlandes niederlegt. Das ist der stärkste Trost, der Ihnen in der Allmacht Gottes gegeben werden kann, daß auch sie gin­ge t r e t e n sind für den notwendigen Aufbau unseres Vaterlandes. Und mögen die anderen Hunderttausende von Arbeits­kameraden nicht scheu werden, nicht schwach wer­den, sondern erkennen, daß es ein hoher Mut ist, aber daß er notwendig ist, dort zu arbeiten, wo die Gefahr so nahe beim Leben liegt. Dadurch aber auch haben sie mit den Boden bereitet, jene schützende Kraft für die Nation zu schaffen, die uns heute den Frieden wieder schenkt. Und das möge wiederum auch Euer Trost sein, daß, wenn heute der neue Schutz, die neue Wehr geschaffen ist für das neue Reich, sie mitgeholsen haben, die Voraussetzungen dafür zu schaffen und die Voraussetzungen für den Segen unseres Volkes. Mögen Sie, meine Angehörigen, im Namen des Führers, im Namen der Männer von Partei und Staat, die hohe, die herrliche Gewißheit als Trost mitnehmen: Ihre Angehörigen starben, auf daß Deutschland lebe!

Das Lied vom guten Kameraden, der Trauer­marsch aus der Götterdämmerung von Richard Wagner, das Horst-Wessel-Lied und das Deutsch­land-Lied hört die riesige Trauergemeinde stehend an und bereitet den gefallenen Kameraden der Ar­beit angesichts der riesigen Werksanlagen eine letzte ftifle Ebruna. Der Führer gebt dann durch die Reihen der Angehörigen und spricht ihnen persönlich sein Beileid aus. Dann verließen die Trauergäste bie Stätte der Trauerfeier. Angehörige und Arbeits­kameraden der Toten verweilen an den Särgen noch lange in stiller Andacht.

Ein heftiger Regen war niedergegangen, als dis mit Trauerflor, Blumen und Tannengrün ge­schmückten Wagen mit den Särgen bie Fahrt in bie Heimat antraten. Während sich über den Gräbern der Toten die Hügel wölben, stehen drau­ßen in den Werken die Lebenden an ihren Ar­beitsplätzen, um weiter zu schaffen im Dienste der Nation, die in so wundervoller Weise in tief emp­fundener Volksverbundenheit Anteil genommen hat an dem Schicksal der Hinterbliebenen der Opfer von Reinsdorf.

Kunst und Wissenschaft.

Die Jubiläumsfeier der Academie Francaise.

Die Academie Frangaise wurde anläßlich ihrer Jubiläumsfeier von dem Pariser Stadtrat empfangen. Anschließend fand im Rathaus ein Festessen für die Angehörigen der Akademie und ihre Gäste statt; bei dem Essen hielt der Direktor der Akademie eine längere Rede, in der er die 300jährige Tradition der Akademie feierte.

kranz mit der Inschrift:Unseren toten Kameraden, bie trauernde Nation." In bunter Fülle Hortensien in allen Farben, die sich in langem Bande rings um die Särge ziehen. Der Mittelweg zwischen den Särgen wird ab­geschlossen durch ein hohes schwarzes Kreuz, zu dessen Füßen ein riesiger Lorbeer­kranz ruht. Hinter den Toten haben die Feld­zeichen der SA. Aufstellung genommen. Lan- despolizei und die Ehrenformationen sämtlicher Gliederungen der Bewegung säumen die beiden Seiten, und im Hintergrund der Särge unabsehbar im Felde, das ein dunkler Kiefernwald abschließt, die Belegschaft des Werkes, aller Industrie­betriebe Wittenbergs und die Bevölkerung.

UeberaU wehen umflort die Sturmfahnen der SA. und SS., die Ehrenzeichen des Arbeitsdienstes und bie Fahnen ber Deutschen Arbeitsfront. Kränze über Kränze werben herbeigetragen. Man sieht letzte Grüße bes Stellvertreters bes Führers, ber Reichsleitung ber NSDAP., einen großen Lorbeerkranz auf schwarzem Tuch gebettet, ben Feuerwehrleute ber Stickstoffwerke Wittenberg ihren toten Arbeitskameraben bringen, weiter einen riesigen Kranz von Dr. Robert Ley mit der In- fchrift:Ihr starbt für Deutschland, Euch unsere Treue".

Die zur Trauerfeier erschienenen AngehSri- g e n werden von SA.-Kameraden auf ihre Plätze geleitet. Auch die Reihen der Trauergäste Men sich langsam. Man sieht den Reichskriegsminister, Gene- raloberft von Blomberg, Ministerpräsident General der Flieger Goring und die Reichsmini­ster Dr. Frick, Rust, Dr. Goebbels, Dr. Frank, weiter Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsleiter Rosenberg, Stabschef Lutze und Reichsjugendführer von Schirach. Don Piesteritz ist der Führer gekommen, um Abschied zu neh­men. Ihm folgt ein riesiger Kranz roter Rosen, getragen von zwei SS.-Männern, den der Führer den Toten von Reinsdorf widmet.

Der evangelische Landesbischof Peter

sprach als erster Trostworte zu den Hinterbliebenen. Das Gedenken des gesamten deutschen Volkes ist heute, so sagte er, nach Reinsdorf gerichtet und trifft sich mit der Trauer der Hinterbliebenen. Der Tod hat hier mit allen seinen Helfershelfern eine Ernte gehalten, wie nie seit dem Weltkrieg. Bei einem solchen furchtbaren Schlag können wir nur durch Öen Glauben zum Frieden kommen, der hoher ist als alle Vernunft, nur wenn mir uns dem unbegreiflichen Walter aller Geschicke m ehr­fürchtigem Gehorsam stellen.Der Tod ist ver­schlungen in dem Sieg". Damit werden wir frei von der unheimlichen Feindlichkeit dieses Geschehens. Mt dem Führer wollen wir deshalb beten:Herr, laß uns nur nicht feige werden". Mit der Aufforde- rung alle deutschen Volksgenossen mögen tm Geiste der Eintracht, der Liebe und der Zucht zusammen­stehen, schloß der Landesbischof.

Propst Dr. Winkelmann

überbrachte dann das Beileid des Papstes Piusi XI. und des Erzbischofs Klein von Paderborn. Auch der Tod, führte er aus, läßt neue Hoffnungen auf­keimen durch den, der ihn uns gesandt hat, unseren Heiland. Und die Botschaft unseres Herrn lautet: Der Herr kommt in die durch den Tod des Bruders so schwergeprüfte Kreuzesfannlle. ..Jeder, der im Glauben an mich lebt, mtrb nicht sterben. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wir können fo schloß Dr. Winkelmann, uns trösten, denn die toten Arbeitskameraden sind in Frieden eingegangen, ihre Seelen sind bet Gott, sie werden wieder auferwachen.

Dr. Matthias als vetriebsführer

spricht für die Belegschaft der Gesamtwerte den ehten Gruß an die toten Kameraden. Angesichts di° °s großen Leids ist irdischer Trost schwer. Aber leichter wird die Last, wenn sie gemeinsam

Mit dem 19. Juni hat in Lüttich vor dem Appel­lationsgerichtshof der Ausbürgerungspro­zeß gegen vier d e u t j ch g e b ü r t i g e bei' gische Staatsbürger aus dem Gebiet von Eupen-Malrnedy begonnen. Der Fall liegt sachlich vollkommen klar. Nach Artikel 36 des Versailler Diktats Haden alle Reichsdeutschen, die in dem Bezirk Eupen-Malrnedy wohnhaft waren,end­gültig und von Rechts wegen die belgische Staats­angehörigkeit unter Verlust der deutschen" erworben. Dies der Wortlaut, der bis zum Jahre 1934 weder angezweifelt noch entgegen seinem eindeutigen Sinn ausgelegt wurde. Es kann demnach keinerlei Zweifel darüber geben, daß jene ehemaligen Reichsdeutschen von dem Augenblick des Inkrafttretens des Ver­sailler Diktats an belgische Staatsange­hörige geworden sind. Diese Tatsache hat volle 15 Jahre gegolten, ja ist sogar in den ersten Nach­kriegsjahren wiederholt als Begründung für man­cherlei Schikanen gegen die deutschsprachige Bevölke- rung von den belgischen Behörden herangezogen worden. Im Juli vergangenen Jahres aber brachte die belgische Regierung ein ad hoc verfaßtes Gesetz heraus, das den belgischen Behörden die Möglichkeit gibt, solchen Personen, die nicht von Geburt an Belgier sind, die Staatsangehörigkeit abzu - erkennen. Es wurde damals sofort klar, daß dieses Tendenzgesetz sich gegen niemand anders als gegen d i e früher r e i ch s d e u t s ch e n Be- wohner bes Gebietes von Eupen-Ma l- meby richten konnte. Es erhielt auch sehr bald die BezeichnungAusbürgerungsgesetz".

Um nun die Sachen in Gang zu bringen, wurden im Frühjahr jene bekannten äußerst rigoros durch- aeführten Haussuchungen bei den deutsch­sprachigen Bewohnern von Eupen-Malrnedy zum Anlaß der Verhaftung von drei Mitgliedern der Familie Dehottay sowie eines gewissen Foxius ge­nommen. Daß es sich bei den Verhafteten um Heimattreue Männer handelt, die selbst­verständlich auch über die aller Welt bekannte bel­gische Terrorisierung der Abstimmung von 1919 ihre wohlberechtigte Meinung haben, war von jeher bekannt, ohne daß man deswegen bis zum Jahre 1934 ein Sondergesetz für nötig befunden hätte. Die Haussuchungen verliefen auch im übrigen völlig ergebnislos. Gleichwohl sollen bie vier Heimattreuen jetzt in einem Zivilprozeß wegen schwerer Versäumnis der Pflichten als belgMe Staatsangehörige" verurteilt werden, unter der Be­hauptung, ihre belgische Staatsangehörigkeit stehe lediglich auf dem Papier und sei nur fiktiv. Es ist außerordentlich bezeichnend, daß die belgischen Be­hörden jenes Ausnahmegesetz lediglich gegen diese Heimattreuen Eupen-Malmedyer, nicht aber gegen bie sonstigen in den beiden letzten Jahren nach Belgien eingewanderten fremden Ele­mente angewandt haben. Es sollte unter der Wurde des belgischen Staates fein, sich auch nur in Öen Veröacht zu bringen, öaß er sich irgenörote jene halbasiatischen Methoöen zu eigen macht, wie mir sie etwa bei öem Kownoer Bluturteil mit seiner Begnadigung" erlebt haben. Belgien sollte dem schweren Rechtsbruch derVolksabstimmung nicht noch einen neuen hinzufügen, der das Verhältnis zwischen Belgien und Deutschland nur trüben könnte.

Die Trauerfeier während der Predigt des evangelischen Geisllichen. In der ersten Reihe die Reichs­regierung mit den Trauergästen. (Scherl-M.)

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Der Evangelische Bund unter neuer Leitung.

Ein Grußwort seine«! Präsidenten Professor Heinrich Bornlannn.

Das Präsidium des Evangelischen Bundes wurde, wie bereits berichtet, vor einigen Wochen dem seitherigen Kirchenhistoriker unserer Landesuniversität Gießen, Professor D. Heinrich Bornkamm übertragen. Der neue Präsident wendet sich in einem Gruhwort an die Mitglieder und Freunde des Evangelischen Bundes, das wir nachfolgend im Auszug wiedergeben:

Die bisherige Leitung und der Zentralvorstand des Evangel. Bundes haben mich zum Präsidenten des Evangel. Bundes berufen. Doll Dankes für das dadurch bewiesene Vertrauen und im Bewußt­sein der Verantwortung, die die Führnug des Evan­gelischen Bundes in der Gegenwart bedeutet, folge ich dem Rufe. Es gibt für die Arbeit des Evangel. Bundes keine strengere Forderung, als sich durch Besinnung über die Grundsätze kirchlichen Denkens und Handelns immer wieder für feine großen Auf­gaben zu rüsten. Wenn wir unsere Waffen nicht stets aufs neue an den letzten Wahrheiten des evangelischen Glaubens schärfen, wird unser Kampf vergeblich sein. An dieser Arbeit mitzuhel- fen, betrachte ich als die tiefste Verantwortung, die mir auferlegt ist. ....

In ehrfürchtiger Dankbarkeit gedenke ich meines Heimgegangenen Vorgängers D. Hermann Kre­

mers, ber mit jugendlichem Feuer und doch schon ein vom Tod Gezeichneter das Steuer unseres Schiffes noch für allzu kurze Zeit ergriffen hatte. Der Geist dieses klaren, gedankenmächtigen Man­nes wird mit uns fein, wenn wir nun selbst den Weg durch die Stürme der Zeit nach eigner Ver­antwortung suchen müssen.

Der Evangel. Bund ist ein Mittel der evangelischen Verkündigung ins deutsche Volk hinein, an beides mit gleicher Strenge gebunden: an die Wirklichkeit des Evangeliums wie die Wirklichkeit unseres Volkes, dem er seinen Dienst tun soll. Unsere Aufgabe weist uns nicht in erster Linie unmittelbar auf bas politische unb kulturelle Leben unseres Volkes, fonbern wir haben ben Auftrag, ihm in feinem ganzen Sein Gott als ben Herrn alles Volkslebens zu zeigen. Nur aus ben Tiefen ber evangel. Bot­schaft, als angemanbte Verkünbiaung, haben wir unser Wort zu ben Gebieten unseres Volkslebens zu sagen, für bie wir uns eine befonbere Verant­wortung auferlegt wissen: zu allem Geschehen bes öffentlichen Lebens, zu ben großen geistigen und religiösen Bewegungen, bie burch unser aufgewach­tes unb für allerlei Samen empfängliches Volk gehen, zu ber religiösen Derkünbigung unb dem