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Dienstag. V.Mrz WS

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der ganzen

Am 18. März 1915 starb Deutschlands volkstüm-

undAboukir", am 22. September 1914, rief er in

und der

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gestellt. Die holländischen Wiegen lassen erkennen, daß sie aus einem behäbigen und reichen Lande stammen. Eine englische Chippendalewiege wird viel bewundert, auch Norwegen ist mit Wiegen aus dem Folklore-Museum in Oslo vertreten, selbst eine russische Abteilung fehlt nicht. Reichgeschnitzte Wie- gen stammen aus Kopenhagen. Die japanischen Wie­gen weichen stark von den europäischen ab, nehmen es aber an Kunstwert durchaus mit ihnen auf. Sie find kleiner und viel zierlicher als die anderen Wiegen gehalten. Außer den Wiegen fmd zahlreiche Gegenstände für die Kinderstube ausgestellt. Der Glanzpunkt ist die Wiege der kleinen Prinzessin Maria Pia. Das Kunstwerk ist ganz aus Schildpatt gearbeitet und hat monatelang die besten Vertreter des italienischen Kunstgewerbes beschäftigt.

Oie französische Frauenbewegung auf dem Marsch.

Bedeutsame politische Folgen.

Bon unserem Z.-Äerichterstaiter.

Zunächst waren es nur einige intellektuelle Kreise, wie die Advokatinnen, allmählich gesellte sich zu ihnen die Schar der weiblichen Angestell­ten, die ihre Rechtsansprüche erhoben, und schließ­lich stießen auch die Hausmütter dazu. So kann man von einerFrauenbewegung in Frank­reich" erst seit kurzem sprechen, aber sie hat bereits eine gewaltige Ausdehnung angenommen. Es gibt kein französisches Blatt, das sich den Forderungen der Frauen heute noch versperrte. DerMahn" ließ die Frauen sogar abstimmen, ob sie größere Rechte erhalten wollten, und meldete mit Stolz eine sehr rege und zustimmende Wahlbeteiligung. Der Herzogin de La Rochefoucauld ge­lang es kürzlich, zum erstenmal so etwas wie eine Einheitsfront aller französischen Frauen zu schaf­fen, also auch der Verkäuferinnen und Arbeiterin­nen, und die Rechtsparteien stellten den Antrag, der Frau zunächst wenigstens das Gemeinde- w a h l r e ch t zuzugestehen.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, 10. März 1935.

Nan weiß, daß die französische Frau die Fa- mifie regiert. In höherem Grade als irgendwo aOers ist sie die Seele der Familie und die Trieb- fe^r des Geschäfts. Sie beherrscht den Gatten, der noch einer Zeit des Sichaustobens normalerweise eir Mädchen seines Standes heiratet und sich dann wilig der Autorität seiner zumeist jüngeren und einseitig erzogenen Frau unterwirft. Man muß den schichten Arbeiter hören, wenn er von der Mere spricht, um die Verehrung der Mutter ganz zu verstehen. Die Französin zeichnet sich durchweg !ch Bienenemsigkeit aus. Im Geschäft steht sie en Mann, aber sie verwirft riskante -schäfte. Sie beschränkt sich mehr auf das ch st lieg ende, und damit ist jener Haushalte­sche Zug in die französische Volkswirtschaft ommen, dieser Mangel an Initiative, der der izen Wirtschaft das Gepräge gibt.

Die Kinder werden durchweg verhätschelt, es geschieht für das Kind, aber über Gründ­lichkeiten bestimmt nur die Mutter, und dl Erziehung der Kinder verläuft, soweit sie männ- liiken Geschlechtes sind, nach ihren Maximen, bis fit den Kinderjahren entwachsen, in die Internate Eonmen. Die Mädchen werden durchweg kirchlich etogen und streng gehütet, bis sie heiratsfähig sind. Ilre realistische Findigkeit und ein gewisser klarer Snn für das Notwendige vermittelt selbst dem jmgen und weniger fein gebildeten Mädchen jenes Scheinpassen, das schon die Mutter bewies; und dlrchweg füllt die Französin jeden Platz gut aus, se es in der Familie, im Büro oder in der Gesell-

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Am 18. Marz 1915 starv ^euricymnos um- mhmm'chaft seines

g, JÄW» S'ÄÄs - «'S»;!it dreier englischer PanzerkreuzerHogue",Cressy" mit ihm zusammen m den Heldentod gegangen ift

rechtigung politische Formen angenommen die Galanterie ist durch das Schlachtgeschrei Frauen nach größeren Rechten verdrängt worden.

Berlin, im März 1935.

Seit im Sommer 1931 die Krolloper geschlossen wurde, verfügte die Reichshauptstadt nur über zwei Opernbühnen. Schon damals konnte jedoch kein Zweifel darüber bestehen,'daß die Schließung der zweiten Staatsoper nur aus Sparsamkeitsgründen erfolgte. Von einem lähmenden Wettbewerb oder gegenseitigem Wegfangen der Besucher durch drei nebeneinander bestehende Operntheater konnte m der Millionenstadt Berlin nie die Rede sein. Es war also nur die Frage der Finanzierung und der Publi- kumsorganisation zu lösen, wenn man der Staats­oper und dem Deutschen Opernhaus wieder eine dritte Musikbühne zur Seite stellen wollte. Schon die Krolloper ist ihrer Bestimmung nach eineso­ziale Oper" für breiteste Besucherjchichten gewesen. In diesen Aufgabenkreis ist jetzt unter völlig ver­änderten Verhältnissen das Theater des Westens ein- getreten, indem die Direktion dieses Privattheaters eine Deutsche Volksoper in ihrem Hause er­richtet hat. Durch einen Garantievertrag mit der NS.-KulturgemeinschaftK r a f t d u r ch Freude" werden jeden Abend 1500 Plätze an die Mitglieder dieser Organisation zum Einheitspreis von 85 Pf. verlost, so daß für den freien Verkauf nur wenige Karten übrig bleiben und das geräumige Theater Abend für Abend von gänzlich neuen Besucherschich­ten aus allen Volkskreisen gefüllt wird. Dieser mutige Vorstoß ist ein Erfolg nach drei Seiten ge­worden: Ein Privattheater, das nicht leben und mcht sterben konnte, ist ohne einen Pfennig Subvenhon wieder flott gemacht worden; für 157 Menschen wurde angemessene Arbeitsmöglichkeit geschaffen, und rund 40 000 Volksgenossen, die für den Besuch der anderen Opernhäuser praktisch nicht in Frage kamen, sehen für billiges Geld monatlich je eine Opernaufführung. Das neue Unternehmen hat seine Feuerprobe bereits bestanden, so daß mit Bestimmt­heit anzunehmen ist, daß diese volkskulturell höchst

Oper und Konzert in Berlin

Musikbrief aus der Beichshauptstadt.

Zeitschriften.

Ein neues Heft derK u n st k a m m e r" (Propyläen-Verlag, Berlin) ist erschienen. In 40 ausgezeichnet gedruckten Bildern sieht man Bild- Hauer-Arbeiten von Georg Kolbe, Bernhard Bleeker, Joachim Utech, daneben moderne Wandmalerei, Kunstschmiede- und Holzeinlege-Arbeiten, Möbelkunst und moderne Architektur: den neuen Bahnhof in Oberhausen. Eine schöne Seite zeigt eine Gruppe von Tilmann Riemenschneider und einen charakte­ristischen Ausschnitt daraus. Des 250. Geburtstages von Johann Sebastian Bach hat man mit der Wie- Vergabe eines eigenartigen Noten-Druckes gedacht. Von den Text-Beiträgen sei ein Aufsatz von G. H. Theunissen erwähnt:Vom Sinn der Kunstkritik heute". _

Die deutsche Apotheke im Dienste der Volks­gesundheit: das ist das Grundthema der neuen Nummer derI l l u st r i r t e n Zeitung" (3. 3. Weber, Leipzig). In einer Reihe von interessanten Beiträgen berichtet sie von der verantwortungs­vollen' Tätigkeit des Apothekers, dem neben dein Arzt die höhe Aufgabe der Gesunderhaltung des Volkes zufällt, und dessen Ausbildung jetzt, in An­betracht der hohen Berufsanforderungen, erweitert und nach neuen Bestimmungen geregelt ist. Daß die Bedeutung der Arzneiversorgung schon von unseren Vorfahren erkannt wurde, davon zeugen die Histon» schen Artikel. Die zahlreich eingestreuten Bilder be­rühmter Apotheken aus den verschiedenen Jahr- Hunderten machen die Aufwärtsbewegung der deut­schen Arzneiversorgungsstätte sinnfällig. Auch dek deutschen Heilpflanzen, die schon im Leben unserer Vorväter eine Rolle spielten und auch in der wo- bcrnen Wissenschaft wieder zu Ehren kommen, ist gedacht.

Wiegenaussteiluna

Zugunsten des anläßlich der Geburt eines Töchter­chens des italienischen Kronprinzenpaares gegründe­ten Mutterheimes ist in Genua eine Wiegenschau eröffnet worden, die neben vielen italienischen Wiegen aus den meisten europäischen Staaten und selbst aus überseeischen Ländern Wiegen aus­zuweisen hat. Wer diese Wiegenparade besichtigt hat, begreift, daß sie aus die Frauen eine große Anziehungskraft ausüben muß. Jede der ausgestell­ten Wiegen ist ein Kunstwerk. Am zahlreichsten und mit sehr schönen Wiegen ist natürlich Italien ver- treten. Von Deutschland sind leider nur zwei, aller- dinas sehr wertvolle Wiegen aus dem Münchner Museum ausgestellt. Oesterreich hat einige Prunk- mieaen nach Genua entsandt, auch die Schweiz ist sth7 gut vertreten. Ungarn hat aus dem Ethno­graphischen Museum zu Budapest Wiegen aus-

Anzeige aus Leipzig:In Leipzig auff der Peter- straßen / In Herrn Böttgers Hause / ist zu bekom­men / eine / von langen Jahren her / mehrmals approbierte und privilegierte Stein-Tinktur / so ein Arcanum Bezoardicum universale genannt / welches besonders der wütenden Pest und anderen anstecken­den Seuchen widersteht". Eine amtliche Anzeige in denWöchentlichen Breslauischen Frag- und An­zeigungsnachrichten" von 1788 lautet:Von Veiten der hiesigen König!. Oberamtsregierung wird zu jedermanns Wissenschaft und Achtung bekannt ge­macht, daß die Henriette Wilhelmine verwitt. von Niebelschütz, geb. von Wiplar zu Krieg, ihrer ver­schwenderischen Lebensart wegen, unter die Curatel genommen worden, ihr daher fein Credit zu geben ift, und sie keine Contracte gültig schließen kann. König!. Preuß. Breslauische Oberamts-Regierung. Auf für den Stellenmarkt erfüllte die Zeitung da­mals schon eine wichtige Aufgabe. Zwei Anzeigen aus dem Jahre 1788 bzw. 1793 bezeugen das: Eine Frau von mittleren Jahren, die die Wissen­schaft von der Köcherey hat, ist willens auf kom­mende Ostern bey einer guten Herrschaft sowohl auf dem Lande als auch in der Stadt, als Wirt­schafterin im Dienste zu gehen Nähere Nachricht gibt die Bettverlöhnerin Frau Schenkin, wohnhaft auf der Weideqasse bei Züchner Ehrlich eine Stiege hoch", undSin ehrbarer Mann offeriert sich als Hofmeister bey einer hohen Noblesse, und versichert so wohl in verschiedenen Sprachen, als in andern Wissenschaften zu einer guten Education, einer voll­kommenen Genugthuung; .nachzufragen ist im Kugelzippel bet) Madam Thunel in No. 1305 .

verdienstvolle Bühne im Herbst mit erhöhtem Einsatz das Spiel beginnen wird. Dann werden die letchten Spielopern, die naturgemäß das Tätigkeitsfeld der Deutschen Volksoper beherrschen, auch mit künstle­rischen Mitteln gepflegt werden, die berechtigte An­sprüche erfüllen. Man kann jedoch auch gegenwärtig schon der qualitativen Leistungshöhe etwa der Auf­führung von LortzingsZar und Zimmer­mann" die Anerkennung nicht versagen, zumal ein darstellerisch so köstlich charakterisierender Sanger wie Rolf H e i d e den troddeligen Kürgermeifter von Saardam spielt und mit guten Stimmitteln aus­stattet. Uebrigens ist jede Einstudierung in allen tragenden Rollen doppelt besetzt, und der Direktor des Theaters, Walter H o ch t r i 11, holt am Din- gentenpult, abwechselnd mit Werner Aldr e ch t, alles aus Orchester und Sängern heraus, was sie zu geben vermögen.

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Von den beiden anderen Opernbühnen markte im März bisher nur das Deutsche Opern­haus mit einer Neueinstudierung auf. Für Ver - d i s intime Traviata " hat Paul H a f e r u n g ein neues szenisches Gewand geschaffen, das die Handlung in die Gesellschaftskleider von 1935 unö in Jnnenräume gepflegtester Modernität stellt. Inr Maskenfest des dritten Akts wirbelt der Regisseur Hans Batteux die farbenprächtige Narren- Versammlung, vermehrt um die vollständige Tanz­gruppe des Hauses, mit allen Künsten eines Meisters der Szene durcheinander, so daß die Aufführung eine Augenweide wird und einen dankenswerten Beitrag zum ewigen Problem der modernen Opern- infzenierung liefert. Musikalisch betreut Artur Rother die Partitur mit großer Liebe zu der breitgesponnenen Melodik. Als Ausgleich vergegen­wärtigt man sich jedoch die beschwingte Art, mit der die Italiener die Musik ihres Landsmannes aufführen. Dabei zeigt sich, daß italienisches Bria

jiaft.

feie Loretten- unb Kokottennaturen verschwinden Dir der Ueberzahl der anständigen Mädchen. Man sicht die Dinge als Fremder falsch, wenn man nach seien das französische Leben beurteilen wollte. Der Srom der alltäglichen Existenz verläuft in strenge­rer Borden, und tatsächlich gibt bie Frau d em Linde das Gesicht. Aber es ist eben em c-beres Frankreich als es die fremden Besucher sehen, suchen und zu sehen erwarten. Es is! nüchtern, fleißig und gänzlich ohne jene Roman- rlrasen, die Literaten deklassierter Art für die Jnlbfeibene Welt" verbrechen und die man heft, ucch denen man aber nicht lebt.

Dabei ist, rechtlich betrachtet, die Französin rechtlos! Sie ist nicht wählbar, nicht wahlfähig iiri) in jeder Beziehung heute noch dem Code Na- rlleon unterworfen. Sie darf über nichts verfugen, nicht einmal über >das, was in Deutschland als k »gebrachtes Gut" der Frau nicht genommen imben kann. Sie darf ohne Erlaubnis ihres Gat- tei nicht ins Ausland reifen, unb selbst wenn sie rillleicht im Geschäft alles erwarb wahrend der Mmn faulenzte, gehört ihr nichts. Uebertne Sinbereryet)una hat sie rechtlich keine Befugnis, Ld bie Tatsache, daß bei Ehescheibungen die Km- itr bem Manne zu gesprochen werden, selbst wenn er ein Lump ist, bleibt die strenge Folge dieser ÜnfteUung. ... ...

So lange im Geschäftsleben unb in der Familie grie Zeit herrschte, b. h. die Folgen der Wirtschafts- kr se nicht verspürt wurden, baute die G a lan» t r i e bie Brücke. Nur der Brauch, bie Frau ZU aiitcn, verhalf ihr schließlich boch zur Allgewalt. 2ber in der letzten Zeit sind die Französinnen t n s Erwerbsleben eingebrungen; bie Zwangs­läufigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung führte dozu daß ber Frau im Wirtschaftsleben auch eine giüßere Summe Recht gegeben werden mußte, teitbem hat ber Kampf um die Gleichbe-

Starkbierzeü.

Von Mara Mägander.

Noch liegt das letzte bunte Konfetti im Winkel, noch hängt der traurige Fetzen einer vergessenen Tbpierid)lange am Kronleuchter, da fahren drau- fc.m die Wagen schon wieder mit einer neuen Deko- rdtion für die Münchener Brauhäuser und Gast- ltriten vor. Diesmal ist es kein vergänglicher Pa- piertani), kein Gold- und Flitterkram, diesmal ist es dir erste Frühlingsgruß des Waldes der die Sale sämückt. Kräftiger Tannenduft verbreitet sich m den braßen und vermischt sich auf das angenehmste mit bim noch besseren Geruch des Starkbiers. Prmz Karneval ist tot. Es lebe Gambrinus!

Was ist das für eine herrliche Zeit! Noch um- iummt von Faschingmelodien gibt sich der Manche- ntr neuen Genüssen hin. Und jetzt sind es nicht die Singen und Jüngsten, die auf ihre kosten kommen. Auch der geruhsame Herr tn den besten Jahren kcmmt zuseinem Sach" und die Jungfrauen alt rin Semesters fühlen sich in den siebenten Himmel mrsetzt. Ja, die Frauen schätzen das Starkbier foga b sonders. Süß und süffig fließt es durch die Kehle, löst die Zunge und bewegt das Herz.

Der Herr Kehrmofer macht jetzt feine Frühlings- Elt. Starkbier ist wirksamer als jeder Wald- unb Isiefentee. Jeden Abend ober auch schon zum yrmp (moppen einige MaßBenno",Papentator , ,4ni= mator",Doppelspaten",Agitator" oberl^b» jiauenbier", dös gibt a neue Kraft! Das regt die durch die Winterkälte schlaff gewordenen Lebens- g ifter wieder an. Und wenn erst gar die Krone aler Starkbiere, derSalvator" fließt, dann ist das ILünchner Herz restlos zufrieden.

Ist das ein Betrieb in den großen Festhallen! Ine Oberlandler spielen ihre heimatlichen Weisen, d»ß 's nur so schebbert". Der Breznmann schwingt [tine knusprige Ware, die reizend Absatz findet. Radieschen lächeln rosig und frühlingsfrisch und sind fi zum Anbeißen appetitlich, daß man ihnen nicht Vnderstehen kann. Ein altes Weiber! bietet die ersten kichneeglückerln unb Märzoeilchen an. Verführerisch psigt der Duft der frisch am Rost gebratenen L.chweinswürstl in die Nase. Am Spieß drehen sich gelbbraune Brathändln unb warten auf ihre Kunden.

Liebes- und Ehepaare, die der Fasching entzweit het, finden sich beim Starkbier wieder zusammen. ^Lielbst der wüsteste Grantler wird ein umgänglicher linb vergnügter Mensch, und die strenge Ehefrau Sr-rgißt das Predigen. Die Stimmung steigt mit itoer Maß.

Trotzdem ist die Fvauenbewegung auf dem Mansch. Alle Mittel ängstlicher Demokraten und Marxisten werden bie Durchdringung der französi­schen Frauen mit ben Ideen politischer Rechte nicht hindern. Ein neues Geschlecht wächst heran, das sich zwar die überkommene Galanterie gern gefallen läßt, aber stets fragt, ob diese Galanterie auch j u r i st i s ch bie Gleichberechtigung der Frau vor­aussetzt. Schon diese Fragestellung ist bedeutsam, weil sie in den früheren Epochen nicht vorhanden war. Aber da die Frau in Frankreich erfahrungs­gemäß fertig bringt, was sie will, wird sie auch die politische Gleichberechtigung erreichen. Das ist eine Voraussage, die die Linksparteien nicht ohne Grund sich einzugestehen fürchten, weil sie eine Schwenkung der gesamten Politik und Wirtschaft nach rechts zur Fvlge haben kann.

Das war ein schwerer Schlag für die Parteien der Mitte und der Linken, denn sie wissen, daß die französische Frau, auch die der untersten Schichten, durchaus konservativ und klerikal gesinnt ist und baß die Herrschaft der Demokratie gefährdet ist, wenn die Frau zur Urne geht. Dennoch konnten sie die Forderung der Frauen nach dem Recht der Teilnahme an den Gemeindewahlen nicht mit par­lamentarischen Mitteln mehr bekämpfen, wie es noch vor wenigen Jahren geschah. Der Marxist Bracke fand dagegen eine typischparlamentarische" Lösung: Er brachte in der Kammer den Antrag ein, ben französischen Frauen alle politischen Rechte, also auch das Wahlrecht zum Senat und zur Kammer, zu geben. Dieser Antrag fand mit 426 gegen 104 Stimmen eine' gewaltige Mehrheit. Aber Bracke hat von vornherein damit gerechnet, daß der Senat, ber bisher das Frauenstimm­recht ablehnte, sich nicht um ben Kammerbeschluß kümmern wird. Da der Senat eine radikalsoziali­stische, also sehr linksdemokratische Mehrheit hat, die den Frauen die einfachsten bemokratischen Rechte verweigert, bürste diese Spekulation richtig sein. Zunächst bleibt der Kammerbeschluß auf Ein­führung des Frauenstimmrechts einige Wochen im Kammerausschuß für Stimmrechtsfragen liegen, ehe er an ben Senat gelangt. Der Senat aber wird ihn ab lei) nen, unb damit stehen bie Frauen wieder mit leeren Händen da denn bei den Ge­meindewahlen im Mai fallen sie durch diese Ver­zögerungstaktik der Marxisten aus!

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Das ist im Leben schon sehr schön gemacht, daß gleich nach dem Fasching das Starkbier uns lacht! So singen sie lustig im Chor und verbrüdern sich aufs neue. Der Ueberaang vom Leichtsinn des Fa­sching zum Ernst des Lebens wird durch die Stark- blerzeit erheblich erleichtert. Wir segeln sozusagen auf den Wogen des Starkbiers in den goldenen Münchener Frühling hinein.

Alic Zeitungsinseraie.

Die Zeitung ist jedem von uns so selbstverständ­lich geworden, daß wir uns kaum mehr vorstellen können, wie sich die Menschen vorher ohne diese wichtige Einrichtung geholfen h?ben. Em Blick auf die ersten Zeitungen gibt uns die besten Aufschlüsse über das Kulturleben vergangener Jahrhunderte unb über ben Bedeutungswanbel, ben bie Presse im Laufe ihrer Entwicklung erfahren hat. Die ersten Anfänge bes Zeitungswesens werden wohl nie ganz erhellt werden können. Die Kenntnis vom Bres­lauer Zeitungswesen beginnt beispielsweise mit dem Jahre 1629, wenn auch schon in der vorauf gegange­nen Zeit Zeitungen bestanden hoben können, wie Alfred Karl G r o e g e r in denSchlesischen Mo­natsheften" ausführt. Damals bemühte sich ein Breslauer Buchdrucker um die behördliche Erlaub­niswöchentliche Avisen" drucken zu bur en, die jedoch höchstens eine Stärke von vier Blattern er­reicht haben mögen und deren Inhalt ohne lebe Orbnung zusammengestellt worben ist und Zchor wahrscheinlich so, baß jebe einlaufenbe Nachricht ber vorher eingetroffenen angefügt wurde. Die Auflage hat zuerst kaum hundert Stück uberichntten. Besondere Aufmerksamkeit verdient das der Anzeigen, die für Breslau erst imBrehlau- jfchen Merkurius" von 1698 nachgewiesen werden können, zunächst in der Form von Buchhandler- anzeigen zur Ausfüllung freigebliebenen Raumes und erst später als Selbstzweck. Bereits 1707 gibt es Anzeigen von anderen Kaufleuten, sogar aus anderen Städten, und 1737 waren die Geschafts- und Prioatanzeigen ber Breslauer Bürger schon so zahlreich, baß bie bamalige Zeitung, ber^oMsi- sche Nouvellen Courier", nicht mehr genugenb Platz bot weshalb bem Buchhänbler Korn das Privileg erteilt wurde, selbständigeFrag- unb Auze'gungs- nachrichten" zu drucken. Der Inhalt der ersten An­zeigen gibt uns wertvolle Aufschlüsse über die kul­turellen Verhältnisse in ber damaligen Zeit, sie sprechen in einer unmittelbaren Frische zu uns, die niemals von einer geschichtlichen Darstellung er­reicht werben kann. So finben wir imNouvellen Courier Breßlau" vom Jahre 1708 die folgende