Kameraden bei den französischen FronlkSmp- fern der Wunsch nach einem neuen Konflikt zwischen den beiden großen Kulturnationen Europas nicht vorhanden ist. Daß die Frontkämpfer der beiden Länder Nationalisten sind, erklärt sich aus dem Verständnis des eigenen Einsatzes. Daß sie nur einen FriedenderEhre tragen können, erklärt sich aus jedem einzigen äoldalenemp- finden, das international ist, dem des soldatischen Ehrbegriffes. Dah sie den Frieden für ihre Völker wünschen, erklärt sich daraus, dah sie den Krieg in eigener Anschauung kennengelernt haben und deshalb den IN ul haben, vom Frieden zu sprechen.
Ich glaube, daß auch die Frontsoldaten der anderen Nationen ebenso denken, denn im anderen Falle- hätte die „Föderation interalliöe des anciens com-
sbattants- (FIDAC) — Interalliierte Frontkämpfervereinigung — nicht den Beschluß gefaßt, mit den deutschen Frontkämpfern Fühlung zu nehmen. Gerade bei den alten Frontsoldaten der anderen Nationen glaube ich Verständnis dafür zu finden, daß es unfair ist, nur auf die eigene Sicherheit bedacht zu sein und den Partnern das Recht auf Sicherheit zu bestreiten. Deutschland ist d a s H e r z Europas. Der Körper Europas muß, wenn er leben will, Rücksicht auf die Lebensfähigkeit fernes Herzens nehmen. Wenn Europa eines Tages in seinem Kulturbestand von irgendeiner Seite her bedroht sein sollte, so wird das deutsche Herz Europas zuerst den Härte st en D r u ck solcher Gefahren zu bestehen haben. D,e Sicherheit der europäischen Kultur ist also gleichzusetzen mit der Sicherheit der deutschen Nation. Und ein stark es D e u t s ch l a nd , das seine Nachbarn achtet, ist, geachtet von ebenso st ar k e n N a ch b ar n , die einzige Gewähr für den Fr t e d en Europas und damit für den Frieden der Welt.
Das deutsche Volk will keinen Krieg, sondern nur das gleiche Recht aller anderen. Der Führer über die Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit.
München, 18. März (DNB.) Der Führer und Reichskanzler beantwortete nach seiner Ankunft in München dem bekannten englischen Journalisten der Rothermere - Presse, Ward Price, einige Fragen.
Auf die Frage, ob Deutschland auch in Zukunft genau s o bereit sei, mit England und Frankreich zu verhandeln, wie es dies in einer Note vom 15. Februar zum Ausdruck gebracht hat, antwortete der Kanzler: „Die Herstellung der deutschen Wehrhoheit ist ein Akt der Wieder- Herstellung der verletzten Souveränität eines großen Staates. Anzunehmen, daß ein souverän gewordener Staat weniger ;eneigt sei, zu einer Verhandlung als ein nicht- ouveräner, würde absurd sein. Gerade weil wir ein souveräner Staat sind, sind wir auch bereit, mit anderen souveränen Staaten zu verhandeln."
Ward Price fragte dann den Kanzler, ob nach wie vor Deutschland sich an die territorialen Bestimmungen des Versailler Vertrages gebunden hielte, worauf der Kanzler erwiderte: „Durch den Akt der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit ist der Versailler Vertrag nur in jenen Punkten berührt, die durch die Verweigerung der analogen Abrüstungsverpflichtung der anderen Staaten tatsächlich ohnehin schon läng st ihre Rechtskraft verloren haben. Die deutsche Regierung ist sich klar darüber, daß man eine Revision territorialer Bestimmungen internationaler Verträge nie durch einseitige Maßnahmen Hervorrufen kann.
Zum Schluß fragte Ward Price den Führer, welchen Eindruck die Proklamation vom 16. März auf das deutsche Volk gemacht hätte. Des Führers Antwort war: „Sie haben ja. Ward Price, im übrigen die Stimmung des deutschen Volkes in Berlin gesehen und sahen sie nun im Süden des Reiches, in München. Sie ist in keinem Ort in Deutschland anders. Dies mag Ihnen aber etwas zeigen: Das deutsche Volk empfindet den Akt der deutschen Re
gierung von gestern überhaupt nicht so sehr als einen militärischen, als vielmehr einen moralisch e n. Es hat 15 Jahre lang gelitten unter Bestimmungen, in denen es ein selbstverständliches Eigenrecht jedes Volkes verletzt sah. Hätte die Welt eine internationale Abrüstung durchgeführt, das deutsche Volk wäre mehr als zufrieden gewesen. Daß die übrige Welt rüstet und Deutschland jedes Selbstverteidigungsrecht bestreitet, wurde als ungeheuerliche und entwürdigende Vergewaltigung empfunden. Dah diese wehrlose Stellung aber außerdem noch zu einer ununterbrochenen Folge von Demütigungen führte, läßt erst das stolze Glück begreifen, das die Nation nunmehr nach der Wiederher st ellung ihrer Ehre empfindet. Wenn Sie einen dieser Millionen aber nun fragen würden, ob er denn nun an Frieden oder Krieg denke, dann würde er Sie vollkommen verständnislos ansehen. Denn alle diese jubelnden Menschen werden ja nicht bewegt von irgendeinem Gefühl des Hasses gegen irgendeine andere Nation, sondern ausschließlich vom Gefühl des Glückes, daß das eigene Volk nun wieder freigeworden ist. Sie alle bewegt nur der eine Gedanke, daß sie sich nunmehr wieder, ohne sich schämen zu müssen, einem großen Volke zurechnen dürfen. Sie verstehen dies nicht und können dies nicht verstehen. Würden Sie aber Aehnliches durchlebt haben wie das deutsche Volk, dann würden Sie vielleicht die Empfindungen begreifen, die einen Menschen erfassen, den man eineinhalb Jahrzehnte lang in einer ehrlosen Stellung hielt und der sich nun seine Ehre selb st zurückgegeben hat. Und deshalb ist es mir auch möglich, in derselben Proklamation, in der ich die nationale W e h r h o h e i t des Deutschen Reiches wieder herstelle, laut und deutlich für den F r i e d e n zu plädieren und unsereMitarbeit an der Sicherung des Friedens zur Verfügung zu stellen. Denn das deutsche Volk will keinen Krieg, sondern es will ausschließlich das gleiche Recht aller anderen. Das ist alles.
Mißvergnügen in Paris.
eine Unterredung mit dem Marschall Petaln. Der Marschall erklärte dabei: „Die Verlängerung der Militärdienstzeit ist unbedingt erforderlich und dringend, denn es handelt sich nicht um eine theoretische, sondern um eine praktische Frage. In Anbetracht der intensiven Wiederaufrüstung Deutschlands und der Gefahr eines überraschenden Angriffs. Wie sollen wir die Nichtverletzung unserer Grenzen sichern? Das benachbarte Heer besteht aus 600 000 Mann, die sofort verfügbar sind." In seiner Rede zur Eröffnung der Lyoner Messe vom 10. März erklärte der französische Ministerpräsident Flandin: „Die Aufrüstung Deutschlands, die die Unterzeichner des Versailler Vertrages machtlos gewesen seien zu verhindern, habe für Frankreich den Eintritt in die rekrutenmageren Jahre viel gefährlicher gestaltet." — In seiner großen Kammerrede vom 15. März zur Wiedereinführung der zweijährigen Dienstzeit erklärte der französische Ministerpräsident: „Nach den allen bekannten Plänen wird Deutschland im Jahre 1936 mindestens über 600 000 Mann verfügen." Ja, diese angebliche Tatsache wurde von der französischen Regierung ausdrücklich als Grund und Ursache für die Wiedereinführung der zwei- jährigen Dienstzeit in Frankreich ins Feld geführt.
Muß es da in Deutschland nicht Verwunderung erregen, wenn die Weltöffentlichkeit nun mit einem Male unter Außerachtlassung dieser dokumentarisch festliegenden Tatsachen Erstaunen und Ent- rüstung spielt angesichts der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland, die nur einen Seil dessen im Ziele führt, was hier von amtlichen Stellen schon als feststehend in der innerpolitischen Diskussion der betreffenden Lander vorgebracht wird? Wäre es nicht mutiger, konsequenter und auch logischer, würde es nicht dem Realismus einer neuen Tatsachenbetrachtung mehr entsprechen, wenn man sich dort überall auf jenen Standpunkt stellte, den der englische Publizist I. L. G a r v i n in seinem Aufsatz vom 3. März 1935 im „Observer" einnimmt, wenn er schreibt: „Hinsicht- lich der Aufrüstung ober Abrüstung muß Deutschlands absolute Gleichberechtigung unter den Großmächten als eine moralische Voraussetzung ein für allemal anerkannt werden. Sie muß so uneingeschränkt anerkannt wer- den, als hätte es nie einen Weltkrieg und nie einen Frieden von Versailles gegeben."
15 Jahre lang hat Deutschland darauf g e w a r - t e t, daß die Unterzeichner des Versailler Vertrages die dort übernommene Verpflichtung auf Abrüstung entsprechend dem deutschen Beispiel einlösten. Statt dessen hat die Welt auf gerüftet und sich ansonst nur mit theoretischen und platonischen Debatten beschäftigt. Oft genug hat der Führer öffentlich erklärt, daß er bereit sei, das letzte Maschinengewehr zu verschrotten, wenn die Welt ein Gleiches tue. Seine Erklärungen sind immer unbeantwortet geblieben. Deutschland mußte einmal aus dieser Situation die Konsequenzen ziehen, vor allem im Hinblick darauf, daß nun die anderen Länder eine Verstärkung ihrer Heeresbestände vornahmen unter Zugrundelegung eines unkontrollierten Materials, das sich größtenteils auf phantastische Vermutungen gründet. Ein ungerüstetes Land ist inmitten einer hochgerüsteten Welt eine stete Aufforderung zum Krieg. Nicht das bewaffnete, sondern das unbewaffnete Deutschland hat Europa beunruhigt. Durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht wurde jene Balance wiederhergestellt, die notwendig ist, um zu fruchtbaren Diskussionen über die großen ungelösten Probleme der Weltpolitik zu kommen. Deutschland will am Frieden mitarbeiten; es hat ihn so nötig wie alle anderen Völker. Die Welt tut gut daran, nun an die lohnendere Aufgabe zu gehen, aus der geschaffenen Situation jene Elemente zu entwickeln, die wirklich zu einer dauerhaften Beruhigung führen können. Alle Völker sind von einer tiefen Sehnsucht danach erfüllt. Niemand in Europa, der auch nur eine Spur von Verantwortlichkeitsgefühl in sich trägt, glaubt daran, daß die Schäden eines Krieges, die durch 17jährige Friedensarbeit nicht zu beseitigen waren, durch einen neuen Krieg beseitigt werden könnten.
In dieser Situation, die alle Möglichkeiten zu einer wahrhaften Verständigung der Völker bietet, ist Klarheit und Logik nötig. Nichts wäre gefährlicher, als ein neues Gebäude von Illusionen und Wunschträumen aufzurichten. Je eher die Verantwortlichen Vernunft und gesunden Menschenverstand obwalten lassen, um so durchgreifender wird die glückliche Wendung sein, in der Europa sich neu gestaltet. Die so oft beklagte Geheimnistuerei ist nun zu Ende, die Atmosphäre bereinigt. Deutschland will als gleichberechtigte Nation der Welt entgegentreten mit der ernsten Bereitschaft, am Frieden Europas und an der Versöhnung der Völker nach besten Kräften mitzu- arbeiten.
Mit tiefer Dankbarkeit hat das deutsche Volk von dem großen und mutigen Entschluß des Führers Kenntnis genommen. Nicht Kriegsbegeisterung und Revanchelieder waren seine Antwort darauf. Voll Stolz und Würde fühlt es sich wieder ruhend in der Sicherheit seiner eigenen Kraft, denn fein Schicksal liegt wohlbehütet in Adolf Hitlers Hand.
Das 3a des Frontsoldaten.
Eine Unterredung mit dem Führer des Reichskriegsopferbundes.
Berlin, 19. März. (DNB.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Reichskriegsopferführer O b e r l i n d o b e r, der im Auftrage des Führers auch die Fühlungnahme mit den ausländischen Frontkämpfern pflegt. Auf die Frage, wie verdeutsche Frontsoldat die Proklamation des Führers empfindet, erwiderte Oberlindober: Wir freuen uns alle über diesen Schritt deshalb, weil er Klarheit schafft und weil er uns nach außen die Sicherheit gibt, die jede anständige Nation zu ihrem Leben braucht. Im Kriege draußen konnten wir nur bei einem Volke von Sicherheit sprechen, das s e l b st diese Sicherheit schuf durch seine eigene Manneskraft. Gerade bei den alten Soldaten hat dieser Schritt des Führers den tiefsten Widerhall gefunden.
Die zweite Frage: Was werden die auslän» discden Frontkämpfer zu dieser Lage in Deutschland sagen? beantwortete der Reichskriegsopferführer folgendermaßen:
Ich habe in erster Linie Fühlung mit den französischen Frontkämpfern. 2HU ihnen habe ich immer auf der Dosis der gegenseitigen Achtung mich unterhalten können und konnte feststellen, dah zwischen denen, die im Kriege die h a u p t l a st des Kampfes getragen haben, haß und Feindschaft nicht mehr vorhanden sind. Ebenso konnte ich feststellen, daß genau wie bei meinen deutschen
Oer Eindruck der englischen Note. —
Paris, 19. März. (DNB.-Funkspruch.) Die französische Regierung hat noch keinen Beschluß über ihre Haltung gegenüber der Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland gefaßt. Ministerpräsident Flandin hatte eine längere Unterredung mit Kriegsminister Maurin und anschließend mit dem Präsidenten der Republik. Außenminister Laval empfing den englischen Geschäftsträger, der ihm den Wortlaut der englischen Note an die Reichsregierung übermittelte. In gut unterrichteten Kreisen erklärt man, daß einen gleichen Protest gegen die Maßnahme der Reichsregierung nun auch die französische Regierung durch ihren Botschafter in Berlin werde erheben lassen. Auch die italienische Regierung werde in. ähnlicher Form auf den Beschluß der Reichsregierung reagieren. Außenminister Laval werde am Mittwoch dem Ministerrat einen genauen Ueberblick über die Lage geben. Erst dann sollen die Einzelheiten des beabsichtigten Schrittes in Berlin festgelegt werden.
In der Pariser Presse verhehlt man nicht eine gewisse Mißstimmung über den Beschluß des englischen Kabinetts, Sir John Simon doch nach Berlin zu entsenden. Durch diese Haltung sei eine gemeinsame Protestaktion der drei Mächte England, Frankreich und Italien unmöglich geworden. Man versucht sich damit zu trösten, daß zwischen Paris und Rom volle Uebereinftimmung bestehe. „Echo de Paris" spricht von einer englischen Kapitulation, auf die man in Paris nicht gefaßt gewesen sei, und die hier Ueberraschung und Ratlosigkeit ausgelöst habe. „Journal" erklärt, die Verhandlungen in Berlin erfolgten unter ganz entgegengesetzten Bedingungen als die, die u r - s p r ü n g 1 i ch zwischen Frankreich und England beabsichtigt worden seien. Das „Oeuvre" fügt hinzu, daß man der französischen Regierung sicherlich nicht die Schuld in die Schuhe schieben dürfe, wenn das Reicksgesetz über die Wiedereinführung der Wehr- pflikyt sich immer mehr zu einem ausgesprochenen diplomatischen Erfolg gestalte. Der halbamtliche „Petit Parisien" verhehlt ebenfalls nicht seine Mißstimmung über die Haltung Englands. Das Londoner Kabinett fei zu feiner Stellungnahme wahrscheinlich durch die Haltung der öffentlichen Meinung veranlaßt worden. Frankreich habe aber keine Veranlassung, diesen Standpunkt zu teilen. Frankreich, das mehr als jedes andere Land durch die Wiederherstellung einer deutschen Militärmacht berührt werde, roeroe sich jedenfalls nicht mit einem harmlosen Prote st schritt begnügen.
„Das deutsche Volk ist stolz aus seinen Führer."
Paris, 19.März. (DNB. Funkspruch.) Die Pa- rifer Morgenpresse bringt Auszüge aus dem Artikel Dr. G o e b b e l s', der als sehr geschickt bezeichnet wird. Der Berliner Sonderberichter- ' st a t t e r des „Journal" sucht bei dieser Ge-
Ein französisch-italienischer Schritt.
legenheit die Frage zu beantworten, was das deutsche Volk von der Wiedereinführung der Wehrpflicht halte. Man könne versichern, so schreibt er, öuß die Begeisterung i n allen Schichten der Bevölkerung sehr groß sei. Das AnsehendesFührersfei wohl noch nie so groß gewesen, wie in diesem Augenblick. Das deutsche Volk sei stolz auf seinen Führer, dessen Volkstümlichkeit hundertmal größer ist als die des ehemaligen Kaisers. Dabei müsse man bemerken, daß es gerade d i e Arbeiterklasse sei, die die allergrößte Begeisterung zeige und die am g l ü ck l i ch st e n über die Wiederherstellung des alten deutschen Heeres sei. Adolf Hitler könne mit Recht erklären, daß er sich auf d i e Massen stützen könne, und zwar au alle Volksschichten.
Größte Zurückhaltung in Washington.
Keine Verwicklung in europäische Verhältnisse. — Eine bessere Geistesverfassung abwarten.
Washington, 18. März. (DNB.) Die Re- gierung der Vereinigten Staaten hat bisher weder amtlich noch nichtamtlich zum deutschen Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht Stellung genommen. Norman Davis hatte Besprechungen mit Staatssekretär Hüll. Dabei wurde auch die Frage erörtert, welche Auswirkung der deutsche Schritt auf die Möglichkeit der Fortsetzung der Genfer A b - rüstungsverhandlungen haben werde. Staatssekretär Hüll erklärte, bisher habe er aber weder mit der deutschen Regierung noch mit anderen Regierungen Fühlung genommen. Bei der Kabinettssitzung am Dienstag wird Staatssekretär Hüll über die neue Lage Dortrag halten.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Senats, Senator Pitt man, bezeichnete die durch die deutsche Aufrüstung geschaffene Lage als „f e h r ernft". Sie fei jedoch das unvermeidliche Ergebnis der Tatsache, daß die im Weltkriege beteiligten Mächte es nach Friedensschluß unterlassen hätten, sich zusammenzusinden und irgendein neues Derteidigungssystem anzunehmen, das sich nicht auf militärische Bündnisse gründe. Die Vereinigten Staaten sollten s i ch nicht in bie europäisch en Verhältnisse verwickeln lassen. Nach seiner Ansicht könnten die Vereinigten Staaten nichts zur Erleichterung der Lage beitragen, und deshalb würde ihr Eingreifen die Lage nur noch erschweren. Es gezieme der amerikanischen Regierung, alle Schritte wirtschaftlicher oder finanzieller Natur hinsichtlich Europas zu verschieben, bis eine bessere Geistesverfassung in Europa geschaffen sei. Senator Pittman hat zweifellos der im Bundeskongreß vorherrschenden Ansicht Ausdruck verliehen.
„Wenn Sie wüßten?"....
Als in der vergangenen Woche die französifchtz Regierung der Kammer das Gesetz über die Ernährung Der zweijährigen Dienstzeit vorlegte, trat in der Debatte auch der Führer der radikalsozialisti- chen Fraktion, der frühere Ministerpräsident Her- r iot, im Gegensatz zu einer namhaften Anzahl einer Parteifreunde warm für die Vorlage ein. Zur Begründung sagte er einen Satz, der für die Stimmungsgrundlage außerordentlich bezeichnend ist, mit der Diese folgenschwere Maßnahme vor dem ranzösischen Volk gerechtfertigt wird. Er rief aus: ,W e n n S i e wüßten, was ich hier nicht a g e n darf, ebensowenig, wie ich über unfern Nobilmachungsplan öffentlich reden kann, fo mürben Sie ohne weiteres anerkennen, daß alle Bedenken gegen das Gesetz schweigen müssen." So dunkel diese Andeutung war, so wußte doch jeder Abgeordnete, was damit gemeint fei, und nur eine kleine Anzahl hat die innere Kraft, sich der fug- gestiven Wirkung der geheimnisvollen Anspielung zu entziehen. Sie zielte natürlich auf die Informationen, die der Generalstab und die Regierung über Die Rüstungen Deutschlands und seine angeblichen Absichten zu besitzen behauptet und mit deren internen Verbreitung feit längerer Zeit die Widerstände gegen die ursprünglich sehr unpopuläre Verlängerung der Dienstzeit langem zermürbt wurden. Es fing damit an, daß der Berichterstatter des Kammer-Ausschusses für das Heeresbudget, der Abgeordnete Archimbaud, solche vertraulichen Mitteilungen zum Besten gab und damit das Gruseln vor der deutschen Gefahr zu der ausschlaggebenden Begründung des Gesetzes machte. Tatsächliche und greifbare Mitteilungen über diese Enthüllungen sind freilich n i e in die Oeftentlichkeit gedrungen, und auch Herriot hat sich gehütet, bestimmte Tatsachen anzuführen, die entweder auf das kritische Urteil der Hörer stoßen oder eine leichte Widerlegung deutscher amtlicher Stellen hätten finden können. Aber gerade das Geheimnisvolle der Andeutung hat die gewollte Wirkung getan, und die französische Kammer hatte nicht den Mut und die Einsicht eines Gerichtshofs, der sich weigern würde, ein Urteil auf Grund unbewiesener und nicht einmal klar umschriebener Behauptungen zu fällen.
Noch bedenklicher wird dieses Verfahren, das die Mitwirkung einer demokratischen Instanz an wichtigen Sta'atsentscheidungen vollständig verfälscht, wenn man weiß, auf welche Quellen diese Informationen über Deutschland zurückzuführen sind. Der Abgeordnete Archimbaud hat im Kam- merausfchuß selbst mitgeteilt, daß es sowjet- russische Stellen seien, denen er fein Material verdanke. Da dies in der französischen Oeffentlich- keit und auch in England doch einiges Bedenken erregt hatte, wurde versucht, diese kompromittie- renbe Tatsache zu leugnen. Sie bleibt aber wahr, was Archimbaud auch öffentlich bestätigen mußte. Die nahen Verbindungen Herriots mit d e r Sowjetregierung und ihrer Pariser Vertretung sind zu bekannt, als daß man daran zweifeln dürfte, daß auch seine Informationen den- elben Ursprung haben. Er ist es gewesen, der auf feiner Reise nach Sowjetrußland die ersten Verbindungen schuf, die nachher von Barthou und Litwinow zu dem Plane des Osteuropapaktes und zu dem weiteren Projekt eines französisch-russischen Bündnisses ausgestaltet wurden. Und Herriot, der sich einst gerühmt hat, als Ministerpräsident die Aera einer deutsch-französischen Verständigung eingeleitet zu haben, hat sich nun dazu hergegeben, das sowjetrussische Gift in bie französische Volksvertretung zu leiten und damit sein früheres politisches Ziel in einem entscheidenden Moment der europäischen Politik auf das schwerste zu gefährden, wenn es überhaupt noch verfolgt werden kann.
Wie Reichsminister Dr. G o e b b e l s jn feinem an der Spitze des heutigen Blattes veröffentlichen Leitartikel überzeugend barlegt, ist es einer der wesentlichen Gesichtspunkte für den Entschluß der Reichsregierung zur öffentlichen Proklamierung ihres Rüstungsplanes gewesen, diesen dunklen Machenschaften den Boden zu entziehen und völlige Klarheit zu schaffen. Das bescheidene Maß, mit dem sich die deutsche Rüstung auf die Möglichkeit der Verteidigung gegen einen fremden Angriff. beschränkt, könnte für Die französische Oeftentlichkeit zu der nachträglichen und allerdings zu späten Erkenntnis führen, daß hier mit den Einrichtungen der Demokratie, auf die der Franzose so stolz ist, ein freventliches Spiel getrieben wurde. Es ist nicht anzunehmen, daß der französische Generalstab den wirklichen Stand der deutschen Rüstung und die absichtlichen Uebertreibüngen der sowjetrussischen Informatoren nicht kannte. Daß er den Wunsch hatte, die zweijährige Dienstzeit durchzusetzen, ist verständlich, weil alle Ressorts nun einmal den Drang zur Vergrößerung und Erweiterung ihres Bereichs haben. Daß sie mit allen erlaubten Mitteln auf die Volksvertretung einzuwirken versuchen, um ihre Wünsche durchzufetzen, ist ebenso verständlich und gehört zum Mechanismus der parlamentarischen Demokratie. Daß aber eine.ausländische Macht in bie< fern Prozeß eine so ausschlaggebende und verhängnisvolle Rolle spielt, wie sie die sowjetrussischen Agenten bei der Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Frankreich gespielt haben und daß sich orominente Männer der französischen Demokratie dafür zur Verfügung stellten, bleibt immerhin eigenartig und verdient, geschichtlich festgehalten zu werden.
Nach Pariser Blätterstimmen ist das französische Volk „resllos empört", „vor den Kopf geschlagen", „entsetzt und bis ins Innerste erregt". Wir mochten indessen annehmen, daß diese Attribute des Schreckens nur in den Köpfen der Pariser Redakteure stecken; denn wenn es sich wirklich so verhielte, wie die Pariser Blätter die Lage schildern, so wäre es doch mehr als auffällig, daß bei dem großen Fußball-Länderwett- k a m p f zwischen Deutschland und Frankreich in Paris 40 000 Zuschauer nicht nur die Disziplin wahrten, sondern auch die Hissung der Hakenkreuzflagge und das Anstimmen der deuftchen Nationalhymne mit achtungsvollem Beifall begrüßten. Aber es ist ja nicht das erstemal, daß von den franzosi- schen Zeitungen eine dichte Nebelwand der Verhetzung, der Verleumdung, ja der Lüge auf- gebaut wird, um hinter ihr das dunkle und gefährliche Spiel der Rüstungsinteressenten und der parteipolitischen Demagogen zu treiben. Von einer Ueberraschung kann hier nun wirklich nicht die Rede fein, und die französische Presse widerlegt sich selbst, wenn sie auf der einen Seite in Leitartikeln die Ueberraschung in allen Tonarten abwandelt und auf der anderen Seite führende Politiker unv Generale erklären läßt, daß sie schon lange geahnt und gewußt hätten, was kommen würde.
Das deutsche Volk sehnte sich nach SU ar*


