Ausgabe 
19.2.1935
 
Einzelbild herunterladen

Wat

5 n

d» £ö= =

301

' 3 VS Ft-

10^0 'n.» 3 ilh

- 3.2: o n'S'

-"3

ä;J ? rt 2 5 2/

P

3

CTO

832«

rahi

?»4

h*

HF A g?Zr

Nr 42 Erstes Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 19. ßebruar 1935

* Annahme von Anzeigen

Erscheint täglich, auher JHHV Ä Mff V für die Mittagsnummer

Sonntags und Feiertags I A A bis 8'/,Uhr des Vormittags

» Gietzener Anzeiger««

von einzelnen Nummern l\^r Stellen-, Vereins-,gemein-

Anschrift ^ fürDrahtnach. General-Anzeiger für Oberhessen

richten: Anzeiger Gießen v w behördlicheAnzeigenkRpf.

$,«n^rtfÄn«inll688 Druck und Verlag: Brühl'sche Umoerfitätr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sichen. Schrift,eitung und G-schSftsftelle: Schulstrahe 7 M°ng°n°b,chMsi°Staff°,8

Frankreich aus gesehenen 11 benden diplomatischen Fra,

6er»n Europas getragen sein/' Im übrigen haben Reichsregierung der begründeten Ueb-rz-ugung daß uLai+c im ^riihhprbff 1934 unsere mit der derGeist vertrauensvoller Aussprache zwischen volnüchen Auftasiung^w^tgehend identischen Se einzelnen Regierungen" auf den es °ng-stch.s der h ?n H n pn P n einen militärischen Ost- vielen schwebenden Friedensfragen unbedingt an- rnit^Emschluß Frankreichs und der Sowjet- kommt, in Genf leider besonders schlecht P... wnh ffphpn hnrüher in nor- aedeiht. Im übrigen wird die deutsche Vorliebe für

bezahlt erhalten, aber keine Ware von Deutschland kaufen, ja, im Ge­genteil, noch überdies Ware nach Deutschland verkaufen. Es kann deshalb gar nicht oft genug wiederholt werden, daß Deutschland wil­lens ist, die eingegangenen Schuldverpflichtun­gen zu zahlen, dies aber nur mit Wa­renabsatz tun kann, ebenso wie es willens ist, Rohstoffe vom Auslande gegen seine Ferlig- tigfabrikate zu erwerben, dah es aber ohne Absatz nicht zahlen und nicht kaufen kann.

gedeiht. Im übrigen wird die deutsche Vorliebe für den klärenden Wert zweiseitiger Verhand­lungen durch die italienisch-französischen und die englisch-französischen Besprechungen der letzten Wo­chen ja vollauf bestätigt, auch wenn der Völkerbuna» in Rom ebenso höflich zitiert worden ist wie nach-

Meinungsaustausch vorerst aus diplomatischem Wege Noch keine Steife Sir John Simons nach Berlin.

her in London. _

Mit welchen Mitteln künftig die Gefahr des Wettrüstens vermieden werden kann, die durch den Verzicht der hochgerüsteten Staaten auf die vertraglich vorgesehene Abrüstung entstanden ist", das beschäftigt unsim Herzen Europas mehr als irgendeine andere Nation. Nur vergef- en wir in diesen Jahren, wo die Zwangsordnung von Versailles mehr und mehr zusammenbricht, nicht die bittere Lehre, daß der Völkerbund auf der ganzen Linie außerstande war, Recht vor Gewalt gehen zu lassen. Der wirkliche, dauer­hafte Friede entsteht, wie jedes große Werk, nur Stück um Stück in unablässigem Bemühen. Es ist nicht unsere Schuld, daß die sogenannteneue Diplomatie" in Genf nichts weiter getan hat, als den bestehenden Unfrieden jahraus, jahrein mit Worten zu verkleistern.

Dr. Schacht an die Autoindustn'ellen.

Berlin, 18. Febr. (DNB.) Der R e i ch s v e r - band der deutschen Automobilindu- st r i e veranstaltete am Montag im Zoo aus Anlaß der Automobilausstellung den traditionellen Fest­abend. In seiner Eröffnungsansprache gedachte Prä­sident A l l m e r s der hohen Verdienste, die sich der Reichswirtschaftsmini st er und Reichs­bankpräsident für das Vaterland erworben hat, vor allem auch der großen Taten des Füh­rers, der besonders für die Automobilindustrie und für die Motorisierung des Deutschen Reiches so Un­geheures geleistet hat. Mit einem Hoch auf den Füh­rer schloß Präsident Allmers seine Ausführungen. Aeichsbankprasident Dr. Schacht

Wir brauchen den Außenhandel.

Aber ohne Absatz im Ausland keine Gchuldenzahlungen und keine Warenkäufe

Realpolitik -es Friedens

Don Dr. Max Claus.

Am 5. Februar 1925 machte die Regierung des Deutschen Reiches den aufsehenerregenden Vorschlag, einen deutsch-französischen R h e i n p a k t zu schlie­ßen, mit Garantie Englands und Italiens. Ein halbes Jahr lang ließ der Hauptpartner Frankreich die Einladung in der Schublade liegen, und als dann endlich die erste Stellungnahme aus Paris erfolgte, war es eine Ausflucht in Richtung eines gleichzeitig zu schließenden O st p a k t e s. Be­kanntlich kam dann, nach weiteren monatelangen Verhandlungen, der Westpakt in Locarno zu­stande, während in Osteuropa über einfache Schieds­verträge hinaus nichts unterzeichnet wurde. Am- 3. Februar 1935 erhielt die deutsche Reichsregierung gleichzeitig mit Italien und Belgien Mit­teilung von einem englisch-französischen Kommunique, das die Folgerungen aus einer Besprechung der beiden Westmächte. über das ge­samteuropäische Friedensproblem zog. Das Lon-

staunt qewe en, wenn -

kränkt gefühlt hätten, weil die Herren Laval und Flandin noch London fuhren statt nach Berlm. Wenn nun, gewiß nicht ohne Ermneru g sympathischen Berliner Besuch des Herrn Eden vor einem Jahr, die Reichsregierung Nch eben falls mit England zu unterhalten wünscht, so ganz gewiß nicht aus Scheu vor em deutsch-französischen Begegnung! Die Welt weitz, daß der nachbarliche Ausgleich mit Frankreich g - radezu einen Angelpunkt tm Fnedenspro- gramm des Führers und Reichskanzlers bebautet Nur hat Deutschland inzwischen leider feststellen müssen, daß die andere Seite noch keine^)egs.so weit ist. In Paris nimmt man, um n a ch B e r l i n zu kommen, den Umroeg öo n M os k au über Rom nach London. Da sollten die Franzosen

Union geltend gemacht und stehen darüber in nor­malen diplomatischen Verhandlungen. Zu den kurz nach Neujahr in Rom zwischen Frankreich und Italien ausgearbeiteten Vorschlägen liegt eine deutsche Stellungnahme in Form von konkreten Rück­fragen ebenfalls schon vor. Wir find in London zu einem Luftpack des Westens eingeladen worden und haben die Einladung angenommen In allen übrigen Fragen ist weder eine einschneidende Aenderuna noch gar eine befriedigende Losung zu verzeichnen, so daß wir sie als geeignete .Friedens- etappen entweder gar nicht oder wie im Fall ber römischen Vorschläge noch nicht anerkennen

wesentliche Rolle. Ich kann nicht eindringlich genug, auch vor Ihnen, meine Herren, darauf Hinweisen, daß Sie Ihren Export steigern müssen, wenn Sie eine ungestörte Weiterentwicklung Ihrer Industrie gewährleistet haben wollen.

Meine Herren! Zusammenkünfte wie die heutige, so schloß Dr. Schacht, sind ja nicht dazu da, um sich des Erreichten zu erfreuen, sondern um neue Ziele zu stecken und zu ihrer Erreichung anzu- feuern. Das ungeheure Wollen, das unser Führer in das Dritte Reich hineingetragen hat, darf nicht im Feftesüberfchwang verrauchen. Wir wollen die Schwere unserer Aufgabe über der Freude des wirtschaftlichen Kampfes, den wir kämpfen, nicht vergessen. Wir können diesen Schwierigkeiten auch ruhig ins Auge sehen, denn mir wissen daß

In diesem Bemühen, deutsche Waren im Aus­lande abzusetzen, um den Rohstofferwerb und die Leistung des Schuldendienstes zu ermöglichen, spielt, auch ruyig ins <auge die deutsche Automobilindustrie eine «unser Muhen das Gelingen m sich tragt.

fönnem er $.nroanö -m Ausland gegen die deut­sche Antwort geht schließlich dahin, daß d e r Gen- fer Völkerbund, ber im Londoner Com- muniaue lobend und empfehlend erwähnt war, von der Reichsregierung mit Stillschweigen übergangen sei. Gegen diesen Vorwurf, der natürlich in London ebenso laut wird wie m Pa­ris muß auf die einfache Frage der Zweckmäßig­keit und auf das eigene Beispiel ber anderen ver­wiesen werben. Nach früheren Erfahrungen ist die

können. r, r,

Dr. Schacht ging bann auf die wirtschaftlichen Probleme ein: Zu allen Zeiten hat Deutschland ein verhältnismäßig hohes Lohnniveau gehabt, weil es einen verhältnismäßig hohen Lebens- t a n d a r d besaß. Wollte das deutsche Volk auf die von der Allgemeinheit getragenen Einrichtungen einer hochstehenden Kultur verzichten, so würde es ich selbst auf geb en. Und da wir uns selbst nicht aufgeben wollen, und da wir wissen, daß wir mit diesen kulturellen Einrichtungen nicht nur unserer eigenen, sondern auch der ausländischen Jugend vorbildliche Ziele und Ideale aufstellen, so müssen wir alle jene Ratschläge ab­lehnen, die darauf hinauslaufen, durch Herab- e tz u n g unserer Lebenshaltung eine billigere Konkurrenz auszuüben.

Neben der Koftenfrage, so führte Dr. Schacht weiter aus, spielt heute die R o h st o f f r a g e auch für die Automobilindustrie ein wesentliche Rolle. Ich möchte nun hier weder den schon reichlich ab­getrabten Autarkie-Gaul reiten, noch auch sonst mich in die Unwirklichkeit verlieren. Das Amt des Wirt- chaftsministers und noch mehr das des Reichsbank­präsidenten zwingt ja zu der Notwendigkeit mit beiden Füßen auf dem Boden der Tat­sachen zu bleiben.

Wir brauchen den Außenhandel und wünschen ihn schon deshalb. Selbst wenn wir uns diese oder jene neuen Werkstoffe aus eige­nem beschaffen können, so spielt doch auch hier die Frage der Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle. Darum wird man immer gern die Raturgüter, die Gott der Welt ge­schenkt hat, dort kaufen, wo man bereit ist, dagegen andere Produkte abzuneh­men. Dieser allgemeine volkswirtschaftliche Grundsatz hat im Laufe der Geschichte an seiner inneren Kraft nichts verloren, aber seine prak­tische Anwendung ist zu einem erheblichen leit unmöglich geworden durch die sinnlose politische Verschuldung, die der Krieg und die Friedensdiktate gebracht haben. Wan möchte zwar den Schuldendienst in Devisen

boner Kommunique brachte einen von England und ~ ' gesehenen Ueberblid über die schwe-

7 igen, und außerdem den präzisen Vorschlag'eines Luftpaktes unter ben fünf Locarnomächten. Deutschland, bas zur Mitarbeit am Frieden im allgemeinen und zur Teilnahme an dem geplantenLuftlocarno" im besonderen eingeladen wurde, hat bereits elf Tage fpäter eine ausgesprochen positive Antwort erteilt.

Außenminister von Neurath erklärte am 14. Fe­bruar dem englischen und nachher auch dem fran­zösischen Botschafter das Einverständnis der Reichsregierung,die Sicherung des Friedens zu fördern, dessen Erhaltung ebenso im Interesse der Sicherheit Deutschlands wie im Inter­esse der Sicherheit der anderen europäischen Staa­ten liegt." Wenn der französische Außenminister Laval seinen ersten persönlichen Eindruck von der deutschen Stellungnahme vor Journalisten nun an­geblich dahin formuliert hat, daß sieferne Mög­lichkeit ausschalte, aber noch keinen B e w ei s für Deutschlands wirklichen Wunsch zur internatio­nalen Zusammenarbeit darstelle", so ist eine solche Logik nicht recht verständlich. Das Londoner Com- munique enthielt nun einmal nichts anderes als freie Möglichkeiten, weil Bedingungen für alle Be­teiligten unannehmbar wären, und was konnte das Reich mehr tun, als keine Möglichkeit zum Frieden ^Tattachlich geht die deutsche Antwort vom 14. Fe­bruar noch einen wichtigen Schritt weiter, nämlich zur unumwundenen Annahme des Luftpaktes. Die Reichsregierungist grundsätzlich bereit ihre Luftstreitkräfte als Abschreckungsmittel gegen Frie­densstörungen einzusetzen Sie ist daher geneigt in freier Vereinbarung mit den in Frage kommenden Regierungen alsbald Mittel und Wege zu finden mit denen eine solche Konvention ve r w irk licht werden kann, welche die größtmögliche Sicherheit aller Unterzeichner verbürgt." Damit ist deutscher­seits die gleiche Bereitschaft ausgedruckt, die Bel­gien und Italien letzteres allerdings mit spe­ziellen Einschränkungen bereits kundgegeben haben, und man sollte meinen, daß der Luftkon­vention alseinem bedeutsamen Schritt auf dem Wege zur Solidarität der europäischen Staaten nun nichts mehr im Wege stände

In Frankreich wird ledoch Deutschlands Ja­wort aus zwei Gründen kritisch beurteilt: erstens fürchtet man, die militärische Gleichbe­rechtigung werde auf diese Weise ohne .weiteres vorweg genommen, und zweitens stoßt man sich daran, daß Deutschlandnach den vorange- gangenm französisch-britischen Beratungen auch seinerseits einenunmittelbaren Mei­nungsaustausch" mit England begrüßen würbe. Dazu ist folgendes zu sagen: über die Gleich­berechtigung ist in den vergangenen Jahren schon

Verbi«// brV eotimu'niquos. bafj

r.saÄKi'M?* ä ^7n:7V^n -ing-fügt werden kann. Wenn e- sich h.-rum eine ^Vorwegnahme handelt, dann ist sie tW ber deutschen Antwort, sondern schon m London

schrittweise Realpolitik des Fadens.

Und warum nichtdas Dreieck e n '

wie die Times" es nennt, indem England, das

staunt gewesen, wenn die Deutschen stch^etw ge

hielt bann eine Tischrede, in der er zunächst auf die Ausstellung hinwies, die ein beredtes Zeugnis von ber Aufbauarbeit und dem Aufbauwillen aller Beteiligten ablege. Wenn der Führer bet dieser Gelegenheit eindringlich die Erfolge der letzten zwei Jahre aus diesem Gebiete herausgestellt und Worte der Anerkennung für das Geleistete gefunden habe, so werde gerade die Kraftverkehrswirtschaft anerken­nen müssen, was sie der Förderung durch denFührerverdanke. Der Wiederaufbau die­ses Wirtschaftsabschnittes sei s e i n ureigenstes Werk: er habe bie Pläne entworfen und d i e Wege gewiesen, die diese Ergebnisse er­möglicht hätten. Und er habe durch seine unermüd­liche Erziehungsarbeit an dem ganzen deutschen Volke der Kraftverkehrswirtschaft den festen Boden geschaffen, auf dem sie neu habe bauen

London, 19. Febr. (DNB.-Funkspruch.)Mor- ning Post" schreibt, England und Frankreich wur­den z u m zweiten Male an Deutschland h e r a n t r e t e n. Die beiden Regierungen erwögen gegenwärtig die deutsche Antwort, aber Ende der Woche würden sie einen Meinungsaustausch haben, und das nächste Ziel scheine nicht in einer neuen Note an Berlin, sondern in einer englisch-deut­schen Konferenz zu bestehen. Die deutsche Ant­wort sei in allen Punkten zurückhaltend, mit Aus­nahme des Luftpaktes. Die britische und bie fran­zösische Regierung wollten nicht gerne annehmen, daß bi-jfe Zurückhaltung eine Ablehnung bedeute. Sie würden sich beide bemühen, die deutsche Regie­rung zu veranlassen, sich deutliche r z u erklä­ren, und wenn das Ergebnis der Erklärung nega­tiv sein werde, eine erneute Erwägung her­beiführen. Da die Deutschen den Wunsch nach un­mittelbarer und zweiseitiger Fühlungnahme aus­drückten, und da bie Franzosen gegen diese Methode nichts einzuwenden hätten, sei es wahrscheinlich, daß früher oder später derBesucheinesdeut- schen Ministers in London oder eines englischen Ministers in Berlin verein­bart werde. Der Vorteil einer Entsendung eines britischen Vertreters nach Deutschland liege in der Möglichkeit einer persönlichen Begegnung mit Herrn Hitler, ohne den kein Beschluß von irgendwelcher Bedeutung gefaßt werden könne. Die Luftkonvention von dem Rest der vorgeschlagenen Regelung loszulösen, sei die britische Regierung gegenwärtig nicht bereit.

Daily Telegraph" schreibt: Zwischen Pa­ris und London ist ein diplomatischer Meinungs­austausch über die Antwort der deutschen Regierung im Gange. Diese Besprechungen haben das völlige Vertrauen gezeigt, das die Regierung Flandm in die britische Regierung setzt. Es kann aber noch­mals erklärt werden, daß der so oft vorgebrachte Gedanke, Sir John Simon solle sofort nach Berlin reifen, sich nicht verwirk­lichen dürfte. Diese Reise werde verfrüht fein. Außerdem bestehe der Wunsch, erst mit voll­kommener Billigung Frankreichs und Italiens vorzugehen. Es verlautet, daß bie italienische Regierung deutliche Winke gegeben habe, daß sie vier- ober fünffettige Ver­handlungen unter Vermittlung d er Botschafter vorziehen würde, bis das Terrain aenüqenb geklärt fei.

9 LautTimes" wirb bas Kabinett am Mitt­woch den Vorschlag unmittelbarer englisch-deutscher Besprechungen einer Prüfung unterziehen. Der französische Botschafter habe gestern Sir John Simon mitgeteilt, daß die französische Regierung keinen Einwand erheben werde, wenn be­

schlossen werden würde, daß der Außenmini- st er Berlin besucht. Die Prüfung der deutschen Antwort habe indessen gezeigt, daß die Verhand­lungen, bevor der Außenminister nach Berlin gehen könne, auf dem gewöhnlichen diploma­tischen Wege weitergeführt werden muß­ten. Der Berliner Vertreter derTimes" glaubt feftfteUen zu können, daß nach deutscher Aufsassung eine englisch-deutsche Besprechung nicht nur der näch fte geeignete Schritt sei, sondern auch der einzige Schritt, der die Dinge wirklich in Se­me gung bringen würde. In einflußreichen Kreisen herrsche die Auffassung, daß eine neue französisch- britische Note und im Anschluß daran eine neue französisch-britische Erörterung keinen guten Eindruck in Deutschland machen würden, wo man seit langem empfinde, daß der wahre Locarnogei st etwas verwässert fei. Die­sem Geist hätte es mehr entsprochen, wenn Groß­britannien vor Abgabe der Londoner Erklärung Deutschland ebenso wie Frankreich befragt hätte. Daß. dies unterblieben fei, werde in Berlin auf die Versailler Gewohnheiten der letzten 15 Jahre zurückgeführt. Nach deutscher Auf­fassung sei England als Bürge von Locarno für die Vermittlerrolle geeignet.

Gemeinsame englisch-französische Antwort?

Paris, 19. Februar. (DRV. Funkspruch.) 3m heutigen RUnisterrat wirb ber Außenminister La­va l den französisch-englischen Weinungsaustausch über die deutsche Antwortnote auf die Londoner Vorschläge vom 3. Februar b. 3. zur Kenntnis bringen. WieWatin" berichtet, wird Laval auch den Entwurf der Antwort bekanntgeben, die England und Frank­reich gemeinsam auf die letzte deutsche Wit- teilung abzusenden gedenken. Der französische Vot- schafter in London, Kor bin, hat eine längere Unterredung mit Sir 3 ohn Simon gehabt. Der diplomatische Weinungsaustausch zwi­schen England und Frankreich sott fortgesetzt werden.

Japans Interesse in Abessinien.

Tokio, 18. Febr. (DNB.) Die japanische Zei- tungA h as i" stellt fest, daß der italienisch-abes- sinische Konflikt die volle Aufmerksamkeit der japa­nischen Oeffentlichkeit gefunden habe. Bei einem Vergleich dieses Konfliktes mit dem mandfchu-

wirklich nicht erstaunt fein, wenn wir nicht sofort mit der Tür bei ihnen ins Haus fallen

Im übrigen handelt es sich ja nicht mehr um die Entente Cordiale Frankreich - England aus der Vor­kriegszeit, sondern um das n eue Dreieck v o n Locarno. Wir haben einen ebenso inhaltsreichen wie summarischen Text aus London zur gefälligen Kenntnis zugestellt bekommen, und nichts liegt näher, als daß wir uns den unbedingt notwendigen Kommentar dazu ebenfalls aus L o n d o n er­bitten. Das englisch-französische Einverständnis vom 3. Februar erscheint uns trotzdem nicht nur keine Erschwerung, sondern die beste V o r b e d i n- qunq zur gedeihlichen Friedensarbeit. Da wäre es doch mehr als seltsam, wenn die englischen Minister als Interpreten dieses Einverständnisses nicht jede Eignung besäßen, von ihrer natürlichen Distanz zu gewissen kontinentalen Meinungsverschiedenheiten $ Diese Meinungsverschiedenheiten sindoorhan- den, und nachdem sie im Londoner Commumque zwar genannt, aber wohlweislich in keiner Weise vertieft worden sind, war es undenkbar, unsererseits ins Einzelne zu gehen. Die Reichsregierung wird den gesamten Komplex ... einer eingehenden Prüfung unterziehen. Diese wird ebenso vom Geist überzeugten Friedenswillens wie von der Sorge um die Sicherheit des Deutschen Reiches in {einer geographisch besonders exponierten Lage im