Zeichnung der Feuerwerkskörper anzuzeigen. In Kaufläden darf der Vorrat 2% Kilogramm nicht übersteigen, und im Hause außerdem nicht mehr als 10, höchstens 15 Kilogramm, vorrätig gehalten werden. Die Aufbewahrung von Mengen über 2Kilogramm muß auf dem Dachboden in einem abgesonderten Raum, welcher nicht mit einem Schornsteinrohr in Verbindung steht, erfolgen.
Knallkorken und sonstige Feuerwerkskörper dürfen in Kaufläden nur in verschlossenen Kisten aufbewahrt, oder unter Glas ausgelegt werden und in jedem Falle möglichst weit entfernt von Ofen und Ansteckflammen.
Kanonenschläge und solche Feuerwerkskörper, die mit Abschußvorrichtungen abgefeuert werden müssen, dürfen in Verkaufsläden nicht aufbewahrt werden.
6 Millionen treten an!
Am Mittwochabend treten im ganzen Deutschen Reich in feierlichen Standortappellen 6 Millionen Hitlerjungen und -mädel zusammen. Mobilmachung! Auf in den Kampf gegen Hunger und Kälte! Man muß sich einmal vorftellen, was es heißt, wenn 6 Millionen begeisterter junger Menschen eine Aufgabe in Angriff nehmen. Wer einmal auf dem Parteitag das Riesenfeld der Luitpoldarena mit den über 100 000 Braunhemden dort aufmarschiert ge- sehen hat und sich dann ausrechnet, daß erst mindestens 50 solcher Plätze die HI. fassen würden, die Mittwoch abend aufmarschiert, der erkennt die ganze Größe der kommenden Aktion. Am 19. Dezember tritt dann dieses junge Deutschland vor euch hin und appelliert an euren Kameradschaftsgeist.
Schon am Abend dieses Tages muß der größte Teil der wunderschönen Holzreiter, welche die HI. verkaufen wird, abgesetzt sein. Das ist nicht nur Ehrensache — wir machen ja keinen „Rummel" —, sondern das ist Herzenssache für 6 Millionen junger Sozialisten der Tat!
Wenn also vom 19. bis 22. Dezember wieder der dumpfe Klang der Landknechtstrommeln durch die Straßen schallt, marschierende Kolonnen durch die Straßen ziehen, Verkaufszelte an euren Wegen tehen, Sprechchöre durch die klare Winterluft klingen und Fackellicht in den Abendstunden aufflackert, !)ie Hellen Augen der Jugend der Nation euch an- trahlen, dann gebt, dann opfert! Und gebt der Jugend gerne!
** Ein tolles Gerücht über ein angebliches Familiendrama in D e ck e n b a ch bei Homberg bzw., nach neueren Erzählungen, in N o r d e ck (Rabenau) wird seit mehreren Tagen in unserer Stadt und in einigen anderen Orten kolportiert. An all diesen Erzählungen ist, wie uns auf Anfrage bei den zuständigen Stellen wiederholt erklärt wurde, kein wahres Wort. Hoffentlich findet das dumme Geschwätz nun endlich sein Ende.
** Aufgehobene Straßensperre. Vom heutigen Mittwoch, 18. Dezember, ab ist die Straßensperre in der Ortsdurchfahrt Birklar der Provinzialstraße wieder aufgehoben.
** Di e Ausgabe von Brennstoff-Bezugsscheinen betrifft eine Bekanntmachung des städtischen Wohlfahrtsamtes in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir die Interessenten besonders Hinweisen.
Große Strafkammer Gießen.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte das Gericht gegen den B. M. und den H. P., beide ous Ruppertsburg, wegen Verbrechens an einem Mädchen unter 14 Jahren. Unter Annahme mildernder Umstände wurde M. zu 8 Monaten G e - f ä n g n i s unter Anrechnung von 2 Monaten 2 Wochen erlittener Untersuchungshaft, P. zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
Wegen Unterschlagung im Amt wurde der Heinrich Ernst Schäfer aus Groß-Karben unter Annahme mildernder Umstände zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte war als Untererheber der Gemeinde Groß-Karben tätig. Als solcher trug er in der Zeit von April 1932 bis Juni 1935 in einer größeren Anzahl Fälle Geldbeträge, die ihm von Steuerpflichtigen übergeben worden waren, nicht ein, sondern verbrauchte sie für persönliche Zwecke. Um diese Unterschlagungen zu verschleiern, führte er die Register unrichtig und legte falsche Buchauszüge vor.
Der I. K. aus Homberg stand wegen Kuppelei unter Anklage. In der gestrigen Hauptverhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, wurde der Angeklagte mangels Beweises freige- s p r o ch e n.
3m Lager des Winterhilfswerkes
Oie Eröffnung der Wildspeisungen.
Gestern um die Mittagsstunde wurde in den unteren Räumen des früheren „Einhorn" zu Gießen wieder, wie im vergangenen Jahre, die Wild- s p e i s u n g eröffnet. Neben den vielen Volksgenossen, die nach ihren Kräften und Verhältnissen das Winterhilfswerk unterstützen, haben sich auch die Jäger des Kreises Gießen in den Dienst der guten Sache gestellt. Manches Stück Wild wurde im vergangenen Jahre an das Winterhilfswerk abgegeben. So wird es auch in diefem Jahre wieder fein. Von der Jägerschaft bzw. von den Forstbehörden war in diesen Tagen bereits Wild zur Verfügung gestellt worden, das in der Küche im Erdgeschoß des „Einhorn" von Mitgliedern der Frauenschaft zubereitet und im Rahmen des Winterhilfswerks 1935/36 gestern an minderbemittelte Volksgenossen ausgegeben wurde.
täglichen Bedarfs. So ist ein großer Raum gefüllt mit langen Kleiderständern, mit hohen Schuhregalen, mit Kisten und Kasten, in denen sich viele praktische Dinge befinden. In den Schuhregalen, die zum Teil mit Schachteln gefüllt sind, die neue Schuhe bergen, findet man auch viele Schuhe, die gestiftet und von den Schuhmachern repariert wurden und nun in gut brauchbarem Zustande ausgegeben werden können. Auf vielen Kleiderbügeln hängen Anzüge, Mäntel und Kleider. In besonderen Regalen ist viel Wäsche untergebracht, die zum großen Teil von den Frauenschaften der vier Ortsgruppen und von anderen freiwilligen Helferinnen genäht worden ist. Unter den Beständen an Kleidungsstücken befinden sich auch diejenigen Dinge, die von Schülerinnen der Aliceschule und des
Lyzeums gefertigt worden waren. In einer großen Nähstube, in der eine stattliche Anzahl von Nähmaschinen steht, ist bisher schon viel geleistet worden und wird auch immer wieder an vier Abenden der Woche von den Frauenschaften und anderen Helferinnen gearbeitet. Neben den getragenen, gereinigten und wiederhergestellten Kleidungsstücken, Schuhen usw. befinden sich auch viele neue Dinge im Lager, die aus Mitteln des Winterhilfswerkes anaekauft wurden.
Für das Hilfswerk „Mutter und Kind" ist eine besondere Abteilung eingerichtet, in der alle Dinge zusammengetragen sind, die für die Wöchnerin notwendig und für das Kind unentbehrlich erscheinen.
Der Rundgang in seiner Gesamtheit ließ erkennen, daß durch die Kreisführung des Winterhilfswerkes nicht nur eine sehr sorgfältige, sondern auch eine gut organisierte und aufopfernde Arbeit geleistet wird, die an alle, die unmittelbar im Dienste der großen Sache stehen, hohe Anforderun- aen stellt und den besonderen Dank der Volksgesamtheit verdient.
Der Kreisamtsleiter der NSV. und des Winterhilfswerkes, Pg. Klöß, hielt aus diesem Anlaß vor den Vertretern der Partei und der Stadtverwaltung, wie auch vor den Volksgenossen, die sich zum Essenempfang eingefunden hatten, eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, daß auch das Winterhilfswerk im Kreise Gießen mit der Einrichtung der Wildspeisung einem Wunsche des Reichsjägermeisters Göring nachkomme und so- mit der Segen des deutschen Waldes aus den minderbemittelten Volksgenossen zuteil werde. Mit einem Gedenken an den Führer, der die Not des Volkes am eigenen Leibe verspürte und weiß, wo geholfen werden muß, schloß Kreisamtsleiter K l ö ß seine kurze Ansprache. In das dreifache Sieg-Heil auf den Führer stimmte alles kräftig ein.
Sodann begann die Essenausgabe. Das Wild war prächtig zubereitet, dazu gab es Gemüse und Kartoffeln. Wer wollte, konnte sich sogleich an den weißgedeckten und mit Tannenzweigen geschmückten Tischen satt essen; viele hatten aber Geschirr mitgebracht und faßten kräftige Portionen, um sie ihren Angehörigen mit nach Hause zu nehmen. Bei der Verteilung wurde reichlich gegeben, so daß mit dieser ersten Wildspeisung mancher Hunger gestillt sein dürfte.
Bei dieser Gelegenheit wurden den Vertretern der Partei, der Behörden usw. auf einem interessanten Rundgang die Lagerräume des Winterhilfswerkes des Kreises Gießen gezeigt. Der Rundgang durch das Lager mußte allen Teilnehmern nicht nur als ein getreues Spiegelbild des Opfergeistes der Bevölkerung in Stadt und Kreis Gießen erscheinen, sondern auch als ein Kennzeichen der großen Arbeit, die hier durch das Winterhilfswerk und alle feine Helfer und Helferinnen geleistet wird.
Die Besucher lernten zunächst das Lebensmittellager kennen, das gerade jetzt vor Weihnachten einen bedeutend erhöhten Ein- und Abgang zu verzeichnen hat. Viel Kleinarbeit ist gerade jetzt zu leisten. Die Lebensmittelspenden müssen ausgewogen werden. In viele Düten wird abgewogen und verpackt. Das Winterhilfswerk läßt es sich aber auch angelegen sein, dafür zu sorgen, daß auch der minderbemittelte Volksgenosse für das Weihnachtsfest ein Stück Kuchen haben kann.
Beachtenswert ist, daß durch die Kreisführung des Winterhilfswerkes jede Spende karteimäßig erfaßt wird. Die Kreisführung hat bei all ihrer Arbeit immer wieder darauf zu sehen, daß sie einen gerechten Verteilungsschlüssel errechnen kann. Aus diesem Grunde müssen alle Spenden, selbst wenn sie einmal wieder in die spendenden Gemeinden zurückfließen sollten, durch die Lager der Kreisführung gehen. Das ist verständlich, denn aus manchen Gemeinden kann viel gespendet werden, während dort vielleicht nur wenige Hilfsbedürftige vorhanden find, in anderen Gemeinden dagegen ist das Spendenaufkommen geringer, die Zahl der Unterstützungsbedürftigen aber um so größer. Hier hat das Winterhilfswerk die durchaus nicht leichte Arbeit, den gerechten Ausgleich zu schaffen.
Gerade jetzt vor Weihnachten gilt es für die Helferinnen und Helfer des Winterhilfswerkes, mit besonderem Eifer oft bis tief in die Nacht hinein zu arbeiten, wenn alles zu rechter Zeit in die Hände der Volksgenossen kommen soll, für die die gespendeten Dinge bestimmt sind. Die umfangreichen Arbeiten vollziehen sich in vollendeter Ordnung.
Neben den Lebensmitteln befinden sich in besonderen Räumen auch noch viele andere Dinge des
Obecheffen.
Umwandlung der Zellenstrafanstalt Butzbach in ein Zuchthaus.
LPD. D a r m st a d t, 17. Dez. Die Justizpressestelle Darmstadt teilt mit: Der Herr Reichsminister der Justiz hat angeordnet, daß die Zellenstraf- anstalt Butzbach mit Wirkung vorn 1. Januar 1936 in ein Zuchthaus umgewandelt wird. Es werden dahin in den besonderen Dollzugsanstalten des hiesigen Oberlandesgerichtsbezirks, der Zellenstrafanstalt Butzbach und dem Landeszuchthaus Marienschloß, nur noch Zuchthausstrafen vollstreckt. Die beiden Anstalten fino zur Aufnahme aller zu Zuchthausstrafen verurteilten Männer aus den Oberlandesgerichtsbezirken Darmstadt und Frankfurt a. M. und aus den Landesgerichtsbezirken Koblenz (Oberlandesgerichtsbezirk Köln) und Siegen (Oberlandesgerichtsbezirk Hamm) zuständig. Gefängnisstrafen von mehr als drei Monaten an verurteilten Männern des Oberlandesgerichtsbezirks Darmstadt müssen vom 1. Januar 1936 ab außerhalb des Oberlandesgerichtsbezirks vollstreckt werden. Zuständig für die Vollstreckung dieser Strafen sind bezüglich aller Jugendlichen des Oberlandesgerichtsbezirks und bezüglich der volljährigen Männer des Landgerichtsbezirks Gießen das Zentralgefängnis Freiendiez, bezüglich der Jungmänner im Alter von 18 bis 21 Jahren aus dem ganzen Oberlandesgerichtsbezirk die Gefangenenanstalt in Heilbronn a.N. und bezüglich der volljährigen Männer aus den Landgerichtsbezirken Darmstadt und Mainz die Gefangenenanstalt in Zweibrücken.
Schäferhunde-Prüfung in Großen-Buseck.
wg. Großen-Buseck, 17. Dez. Die Fachgruppe für Deutsche Schäferhunde Großen-Buseck hielt dieser Tage die dritte Hundeprüfung dieses Jahres ab. Es nahmen insgesamt 15 Deutsche Schäferhunde teil, und zwar 4 Schutzhunde, 1 Zuchthund und 10 Junghunde. Als Richter war Gauübungswart B r e i t b a ch (Ober- lahnstein) erschienen.
Die Ergebnisse der Prüfung:
Schutzhundprüfung: Olly vom Busecker Schloß, sehr gut, Führer und Besitzer: Johann Rahn, Trohe; Otmar vom Busecker Schloß, sehr gut, Führer und Besitzer: Wilhelm W e h r u m , Großen-Buseck; Olas vom Busecker Schloß, sehr gut, Führer und Besitzer: Heinrich Henkel, Großen- Buseck; Juno vom Busecker Schloß, sehr gut, Führer und Besitzer: Heinrich Zecher, Großen-Buseck.
Zuchtprüfung: Odwin vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Ludwig Schmidt, Großen-Buseck.
Jugendveranlagungsprüfung: Prando vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Heinrich Wagner, Großen-Buseck; Pitzo vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Heinrich Harbach, Großen-Buseck; Primus vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Wilh. Kimmel, Großen-Buseck; Prando vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Johann Becker, Rödgen; Pia vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Ernst Schwarz, Beltershain; Rando vom Busecker
Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Wilhelm Wehrum, Großen-Buseck; Remo vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Wilhelm Schmidt, Großen-Buseck; Ria vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Ludwig Schmidt, Großen-Buseck; Rest vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Karl Alt» Haus, Großen-Buseck; Stern vom Felsenturm, vorzüglich, Führer und Besitzer: Karl Franz, Hochelheim.
Außer letzterem sind sämtliche Hunde im Besitze der Mitglieder der Kreisfachgruppe Großen-Buseck und stammen aus dem hiesigen bekannten Zwinger vom Busecker Schloß von Alfred Hahn.
Der Richter, Gauübungswart Br e i t b ach, sprach anschließend über die Leistungen der Hunde. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck und erklärte, daß er selten eine Fachgruppe mit derart gutem ausgeglichenen Hundematerial gesunden habe. Nicht ein einziger Hund sei dabei, an dem Wesensschwächen festzustellen seien. Fachgruppenobmann Wilh. Wehrum dankte dem Richter für feine Mühewaltung und sprach dem Uebungswart und Züchter Alfred Hahn (Großen-Buseck) seinen Dank aus. Ihm, sowie H. Zecher, H. Henkel und H. Wagner wurden für Verdienste in der Fachgruppe Ehrennadeln verliehen.
Landkreis Gießen.
± Heuchelheim, 17. Dez. Die Frauen- schäft und die Evangelische Frauenhilfe veranstalteten eine gemeinsame stimmungsvolle Adventsfeier. Die Tische des Saales waren mit Tannengrün geschmückt. Vor jedem Platz stand eine Adventskerze. Ehrengäste waren die über 75jährigen und die Einsamen, deren eine große Zahl bis hoch in die 80er Jahre erschienen war. Der erste Teil des Abends war ganz auf Advent und Weihnacht eingestellt. Dem Charakter der Zeit entsprachen die Chöre, die Ansprache des Pfarrers und das weihevolle Adventsspiel. Der zweite Teil des Abends war der heiteren Muse geweiht, unterbrochen von einigen allgemein gelungenen Liedern. Den Abend eröffnete mit einer warmen Begrüßung die Leiterin der Frauenschaft, Frau W o b k e r, das Schlußwort sprach Ortsgruppenleiter W o b k e r. Das gegenseitige Verhältnis von Frauenschaft und Evangelische Frauenhilfe ist dank den beiden Leiterinnen ein vorbildliches. — Chinamissionar Michelfelder von der Basler Mission besuchte letzten Sonntag unsere Gemeinde. Er hielt den Hauptgottesdienst, den Kindergottesdienst, einen Lichtbildervortrag für die Kinder und einen solchen für die Erwachsenen.
# Rödgen, 17. Dez. Am Sonntag hielt die hiesige NS. - Frauenschaft im Saalbau Wagner ihre A d v e n t s f e i e r ab, zu der die Frauenhilfe und die alten Leute über 70 Jahre eingeladen waren. Die Gäste waren zahlreich erschienen. Bei brennendem Adventskranz und Weihnachtsbaum begann die Feier. Die Führerin der NS.-Frauen- schaft Frau Lotz begrüßte die Gäste herzlich und dankte für ihr Erscheinen. Einige Kinder trugen schöne Weihnachtsgedichte vor und die Singgruppe
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Nicht müde werden, Annelies?
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.
13 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Nach dem Abendessen saß man in dem Turmzimmer hinten im Garten. Die Luft war schwer von Düften und von dem goldenen Licht der scheidenden Abendsonne. Die alten, knorrigen Eichen hoben sich dunkel von dem rötlichen Abendhimmel ab, ruhig lag dahinter das grünlich schimmernde Band des Flusses.
Korbinian Sartorius kam eben die Treppe herab, um sich gleichfalls nach dem Turm zu begeben, als ein fremdes, elegantes Auto vor dem Hause anhielt. Er trat an das offene Fenster der Diele. Kam da jetzt noch Besuch?
Es schien so. Eine junge, elegant gekleidete Dame stieg aus und rief bepi Chauffeur etwas zu, der gleich darauf mit dem Wagen weiterfuhr. Dann wandte sie sich um, ließ einen kurzen Blick über das Haus gleiten und kam mit raschen, festen Schritten auf die Haustür zu.
Korbinian Sartorius räusperte sich und zog die Lust durch die Nase. Aha, das war „sie"! Na, nun würde man ja sehen ...
Er war vom Fenster zurückgetreten, da ertönte auch schon die Türglocke. Mit unbewegter Miene öffnete er und machte eine knappe Verbeugung.
„Bitte...?"
Die Besucherin — es war Mia — umfaßte fein unbewegtes Gesicht mit einem raschen, abschätzenden Blick.
„Ich komme zu wenig passender Zeit, aber ich mochte der Frau Senator gern noch guten Tag sagen. Ich habe ihr Grüße zu bringen. Ob gnädige Frau noch empfängt?"
„Gewiß!" erwiderte Korbinian Sartorius gemessen. „Frau Rechberg, wenn ich nicht irre...?"
„Jawohl!"
Mia sah ihn wieder prüfend an. Ob der merkwürdige alte Herr zur Familie gehörte?
Ein verteufelt hübsches Weib! Ein gefährlich schönes Weib! dachte Korbinian.
„Ich kenne Sie bereits vom Sehen!" sagte er.
„So ...? Ich wüßte nicht..." lächelte Mia verwundert und nicht ganz sicher. Wie sonderbar der alte Herr das gesagt hatte!
„Es trifft aber zu. Gestern nämlich. Auf dem Rennplatz.
„Ach...!"
„Ja! Das ist doch interessant — nicht?" „Allerdings..."
Mias Lächeln schien im Augenblick wie eingefroren zu sein. Was wußte der Mann? Und wer war er überhaupt?
„Sartorius!" verbeugte Korbinian sich wieder knapp. Er schien zu sehen, daß die Besucherin mit dem Namen allein nicht viel anzufangen wußte, darum fügte er mit dem Anflug eines Lächelns hinzu: „Onkel des Herrn Senators und Großonkel von Günter. Und außerdem — freiwilliger, aber, wie ich hoffe, erfolgreicher und daher verdienstvoller Wächter des Hauses Sartorius."
Mia lachte leise. Eine ulkige Nummer, dieser Onkel und Großonkel! Aber einer, vor dem man sich vorzusehen hatte. Er hatte so merkwürdig durchdringende Augen, deren Blick die verborgensten Winkel in einem bloßzulegen schien. Der Mann kannte offenbar die Welt und ließ sich bestimmt nichts vormachen. Man muhte auf der Hut sein und versuchen, sich von vornherein mit ihm auf guten Fuß zu stellen.
„Das haben Sie entzückend gesagt, Herr Sartorius!" lächelte sie bestrickend und mit einem strahlenden Blick ihrer dunklen Augen. „Wächter des Hauses Sartorius — das klingt großartig, feudal und ein bißchen geheimnisvoll. Empfindsame Natu- ren konnte dabei so ein leises, angenehmes Gruseln überkommen. Man denkt unwillkürlich daran, wie einem die Mutter so wunderbar dunkle'Geschichten erzählte, von geheimnisvollen Wäldern und stolzen Ritterburgen, und wie einem da jedesmal so ein unglaublich süß-banger Schauer über Herz und Körper ging. Wenn man nicht genau wüßte, daß man sich mitten in einer mooernen Großstadt befindet, könnte man sich in dunkle Urzeiten zurückversetzt glauben."
<5ie ließ unwillkürlich einen Blick durch die mo
dern ausgestattete, in ihrer ganzen Anlage aber an vergangene Zeiten erinnernde Diele hingleiten.
„Es erscheint manches dunkel und ist doch sonnenklar, wenn man nur richtig sehen will!" erwiderte Korbinian Sartorius mit undurchdringlichem Gesicht. „Aber die Herrschaften sind hinten im Turm. Wenn Sie mir also folgen wollen ...!"
„Im Turm?" forschte Mia, während sie durch das Haus gingen. „Hat das Haus denn auch einen Turm? Man sieht doch von außen nichts davon."
„Er gehört auch nicht zum Hause, sondern liegt hinten im Garten, schließt den Garten mit der Mauer von der Wasserseite ab."
Mia ließ einen Ausruf des Entzückens hären, als sie den Garten betraten. Goldenes Abendlicht. lag wie ein zarter Hauch über Bäumen und Sträuchern und ließ alle Blüten in seltsam eindringlicher Schönheit aufleuchten.
„Oh — das ist ja wundervoll!" staunte Mia. „Park und Garten in einem. Das reine Paradies, mitten in der Großstadt. Man ahnt nichts davon, wenn man auf der Straße steht. Hier kann man es sich wirklich wohl sein lassen."
Immer wieder blieb sie stehen und ließ ein bewunderndes Wort hören. Und dann zeichnete sich vor ihnen die zackige Silhouette des Turmes gegen den rötlichen Abendhimmel ab. Korbinian Sartorius hob die Hand:
„Das ist der Turm!"
„Oh — wie romantisch! Ein Stück Mittelalter?"
„Nicht ganz! Er ist erst später angelegt worden. Und er hat auch seinen Namen, wenn auch nur in der Familie."
„Ja...?"
„Korbinian Sartorius hat ihm den Namen ,$him= merturm‘ gegeben."
„Das ist ja eine merkwürdige und seltene Bezeichnung!"
„Besagter Korbinian ist auch ein seltenes und merkwürdiges Tier!"
„Ist oder war...? Ich stelle mir darunter einen — sagen wir mal so: ein bißchen griesgrämigen alten Herrn im langschößigen Rock, mit der Puderperücke auf dem Kopfe und steifen Vatermördern unter dem Kinn vor."
„Das ist ein ganz klein bißchen danebengeraten, Iurie Sie bei einiger Aufmerksamkeit finden werden.
Korbinian Sartorius wandelt nämlich noch heute auf dieser schönen Erde herum."
Mia blieb stehen.
„Ach, da habe ich ja was Schönes gesagt...! Sind Sie das selbst?"
„Es scheint so! Die Bezeichnung ,Shimmerturm* ist übrigens nur scherzhaft gemeint. Aber hoffentlich kommt nicht mal eine Zeit, wo er den Namen zu Recht führt..."
„Das wäre allerdings bedauerlich."
Korbinian hob langsam die Schultern.
„Es gibt Menschen, die Kummer bringen, wohin sie auch kommen. Vor allem dann, wenn sie schon mit der festen Absicht kommen. Wäre es nicht möglich, daß das auch dem Hause Sartorius mal passiert?"
Mias Gesicht überzog sich unter seinem Blick langsam mit einer dunklen Röte.
„Sie nehmen es mit Ihrer Eigenschaft als Wächter des Hauses Sartorius anscheinend sehr ernst!" entgegnete sie mit leise flackernder Stimme. „Aber muß man sich da nicht fürchten, überhaupt den Fuß über die Schwelle des Hauses zu setzen?"
„Das gilt nur für Menschen, die dunkel sind wie ihre Absichten. Wer guten Willens ist, der ist jeder- zeit willkommen."
Damit wandte er sich um, weiterzugehen. Stumm folgte Mia ihm. Ein rätselhaftes Licht stand in ihren Augen.
Die Tür zum Turmzimmer stand weit offen. Der Senator gewahrte die beiden Herankommenden zuerst und beugte sich verwundert vor. Korbinian Sartorius blieb an der Tür stehen, seine Rechte durchschnitt mit einer seltsamen Bewegung die Lust:
„Frau Rechberg...!" meldete er steif. Es klang, als ob er ein Unglück ankündigte.
Der Name wirkte elektrisierend. Frau Eugenie richtete sich lebhaft in ihrem Korbsessel auf. Günter mar vor Ueberraschung einen Moment wie gelähmt gewesen; aber jetzt sprang er auf. Mia...? Es traf also ein, was er im stillen gefürchtet hatte — sie kam unvorbereitet, absichtlich natürlich.
Da trat sie auch schon ein, ruhig, weltgewandt, ein gewinnendes Lächeln um die Lippen.
„Das ist aber nett, Frau Rechberg!" sagte Frau Eugenie und streckte ihr die Haick) entgegen.
(Fortsetzung fotgtt)


