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Mittwoch, 18. Dezember 1955

185. Jahrgang

Nr. 295 Erstes Blatt

Sietzener Anzeiger

Auf boner tretet wenig werde timen

Flottenkonferenz und Geopolitik. Von Or. Paul Rohrbach.

fierriot; damit habe Herriot gegenüber Laval Fahnenflucht begangen.

Im übrigen richtet sich die Aufmerksamkeit auf Genf. Man ist in weiten Kreisen davon überzeugt, daß die Entscheidung über das Schicksal des Frie­densplanes Laval - Hoare nicht so sehr bei den bei­den Parteien Italien und Abessinien, sondern vor allen Dingen beim Völkerbund liegt. DasJournal" nimmt Italien noch einmal ins Ge­bet und sagt, wenn sich Rom nicht ganz deutlich gegen den etwaigen Vorwurf decke, für einen Miß­erfolg des Friedensplanes verantwortlich gemacht zu werden, dann zwinge es die Länder, die etwas für Italien getan hätten dazu, nur noch den Sühne­maßnahmen zu vertrauen. DerFigaro hebt her­vor, weder von Mussolini noch vom Negus sei eine einfache Annahme der Vorschläge Laval - Hoare zu

London, 18. Dez. (DRV. Funkspruch.) Die Unterhaus-Aussprache über den englisch-französi- chen Friedensplan am Donnerstag wird vom Außenminister Sir Samuel Hoare eröffnet und von Ministerpräsident Baldwin abgeschlossen werben. Die Parlamentsfraktion der Arbeiter­partei beschloß folgende Entschließung zur Re­gierungspolitik einzubringen:

Die von der britischen Regierung als Grund- läge für eine ilalienisch-abeffinische Regelung vorgeschlagenen Bedingungen belohnen den Angreifer auf Kosten des Opfers, ver­nichten die kollektive Sicherheit und stehen in Widerspruch zu dem aus­gesprochenen Willen des engli­schen Volkes und zur Völkerbund s- s a h u n g, für deren Unterstützung die Ehre Großbritanniens verpflichtet ist. Das Unterhaus verlangt daher, daß diese Bedingungen sofort verworfen werden."

Die Regierung wird die Entschließung als Miß­trauenserklärung betrachten. 14 Mit­glieder der Regierungsparteien, darunter 2 Ver­treter der nationalen Arbeitergruppe unter Füh­rung des Brigadegenerals S p e a r s, haben einen Abänderungsantrag zu der sozialistischen Entschließung eingebracht, der besagt, das Unter-

Flußübergang von Mai Timchet (65 Kilometer südwestlich von Aksum) angegriffen. Unsere erythräischen Truppen haben sich nach hartnäcki­gem Widerstand auf den Paß Dembeguina (20 Ki­lometer nördlich vom Mai Timchet) zurückgezo­gen. Zur gleichen Zeit hat eine andere Gruppe abessinischer Krieger den Fluß überschrit­ten, um mit einem Umgehungsmanöver in der Landschaft Schire zu operieren, deren Bevöl­kerung sich unterworfen hatte. Das gegnerische Manöver hat zu Kämpfen geführt, die unter reger Teilnahme unserer Luftwaffe und Tankabteilungen zur Zeit im Gange sind. Bei den ersten Zusam­menstößen sind vier Offiziere und 9 Soldaten der Heimatarmee gefallen und drei Offiziere verwun­det worden. Die Verluste der Eingeborenentruppen belaufen sich auf einige Dutzend Tote und Ver­wundete. Die Verluste des Feindes sind noch nicht festgestellt, sie sind aber beträchtlich.

Amerikas Aufrüstung zur Lust.

Washington, 18. Dez. (DRB.) Das Kriegs­ministerium bat am Dienstag einen Auftrag auf 10 0 Jagdflugzeuge vergeben. Ferner wurden 110 große Douglas-Bombenflugzeuge be­stellt. Die Jagdflugzeuge find Ganzmetallflug­zeuge mit einschiebbarem Fahrgestell. Sie sind zweisitzig und einmotorig und können eine Höchstgeschwindigkeit von 4 0 0 Kilometer in der Stunde entwickeln. Be­stückt sind sie mit fünf Maschinengewehren und einer Einrichtung zum Abwurf von 20 kleinen Bomben. Ferner find sie so eingerichtet, daß B e - b ä [ t e r mit Chemikalien eingebaut wer­den können. Mit diesen Flugzeugen will man kleine Formationen auf der Erde mit Bomben und Che­mikalien angreifen.

England regt Erklärungen über die Flottentzauprogranime an.

London, 17. Dez. (DRV.) Die britische Abord­nung hat auf der Flottenkonferenz die Abgabe ein­seitiger Erklärungen über die Flottenbauprogramme vorgeschlagen. Preß Association meldet, daß der britische Vorschlag von der amerikanischen Abordnung unter st ützt worden sei. Auch Frankreich und Italien hätten ihm grund­sätzlich z u g e st i m m t. Sie hätten jedoch gefordert, daß die Bauprogramme auf einen geringe- , ren Zeitraum als sechs Jahre, wie dies -jron England vorgeschlagen worden sei, im voraus . bekannt gegeben werden.

erwarten. Die Entscheidung liege beim Völker­bund selbst. Wenn der Völkerbund ablehne, so laufe er selbst Gefahr, bei Verschärfung der Lage und Ausdehnung des Streites eines Tages von den vorwürfen der öffentlichen Meinung erdrückt zu werden.

Die ZeitungOrdre" schlägt als besten Ausweg aus den außenpolitischen Schwierigkeiten vor, den kaum aussichtsreichen Vorschlag Laval-Hoare f al­le n z u l a s s e n und dafür mit Einverständnis des Negus und des Völkerbundes Abessinien zu einem gemeinsamen englisch - französisch- italienischen Herrschaftsgebiet zu machen, in dessen Rahmen Italien unter gewissen Bedingungen ausschlaggebenden Einfluß erhalten könnte.

der ersten Sitzung der eben eröffneten Lon« Flottenkvnferenz hat der amerikanische Der» einen scheinbar allgemein gehaltenen uni belangreichen Satz gesprochen: Amerika niemals den Anfang mit einem rnari« ........ Wettrüsten machen. Genauer betrachtet ent­halten diese Worte aber den unausgesprochenen Nachsatz: Sollte das Wettrüsten von andere« Seite begonnen werden, so werden wir in Amerikq den längeren Atem haben! Unter diesem Eindruck hat die erste Sitzung, auf der diese Aeußerung fiel.

Mßttauensanttag gegen das Kabinett Valdwin Ein Abänderungsantrag der Nationalen Arbeitergruppe hat Aussicht aus Annahme im englischen Llnterhaus.

Rücksprache in Rom.

Giornale d'Ztalia" gegen die antifaschistische Agitation

R o m , 17. Dez. (DRB.) Staatssekretär S u v i ch vorn italienischen Außenamt hat den englischen Bot­schafter Sir Eric Drummond und am Tage vor­her den französischen Botschafter Chambrun empfangen. Amtlich wird erklärt, daß diese Unter­redung in keiner Weise als Eröffnung einer neuen Verhandlungsphase aus­gelegt werden könne, wenngleich nicht ausgeschlos­sen ist, daß in London und Paris tatsächlich Auf­klärung über einige Punkte verlangt wurde. Sachlich bleibe die feit Überreichung der englisch- französischen Verhandlungsvorschläge entstandene Lage auch nach den letzten Unterredungen unver­ändert. Zu der Tagung des Dölkerbunds- r a t e s hat Italien vorerst keinen Dele­giert en nach Genf entsandt.

Das halbamtlicheGiornale d'Italia" er­hebt unter der ÜberschriftSabotage an Europa" seine warnende Stimme gegen den anti- italienischen und antifaschistischen Sanktionismus, in dem heute völlig ent­gegengesetzte Interessen Zusammenarbeiten. Das Blatt zitiert aus verschiedenen Sanktionsländern Stimmen zum Beweis dafür, daß sowohl die Agita­tion von rechts, als auch die Agitation von links gegen das faschistische Regime und gegen Mussolini persönlich gerichtet sei. Das Blatt betont, daß Italien gegenüber dieser antiitalienischen Agitation mehr denn je allen Grund habe, unnachgiebig an seinem Standpunkt fe st zuhalten. Italien stelle fest, daß höchst verdächtige antiitalienische Strömun­gen sich in den abessinischen Konflikt eingeschaltet haben. Italien werde daher keine Lösung des ita­lienisch-abessinischen Konfliktes annehmen, die noch irgendeine Tür für neue Zwischenfälle und neue antiitalienische Spekulationen offen lasse. Die ver­antwortlichen Regierungen Europas hätten dagegen ihrerseits dringenden Anlaß, mit klaren Augen bie trüben Hintergründe der sanktioni- stischen Auslegung zu betrachten.

Italien meidet schwere Kämpfe im Mrdwesten.

Abessinische Angriffe am Takazzc-Flutz.

Rom, 17. Dez. (DNB.) Der italienische Heeres­bericht Nr. 73 besagt: Beträchtliche gegnerische Kräfte, öle auf 3000 Krieger geschätzt werden, haben un j er.e am Takazze-Fluß verteil­ten Beobachtungsvorposten bei dem

Paris, 17. Dez. (DNB.) Ministerpräsident La­val erklärte in der Kammer bei der Beratung des Haushalts des Außenministeriums, Frankreich habe alles getan, um den Versuch zu machen, den Krieg xu verhindern. Als er dennoch erklärt worden sei, fei in Genf der Mechanismus der kollek­tiven Sicherheit in Kraft gefetzt worden. Die französische Regierung habe sich mit der britischen dahin geeinigt, daß keinerlei militärische Sühnemaßnahmen angewandt und keine Maß­nahmen durchgeführt werden würden, die zu einer Blockade führen konnten. Mit einem Wort, man habe alles ausgeschaltet, was eine Ausdehnung des italienisch-abessinischen Strei­tes auf Europa zur Folge haben könnte. Vor Be­ginn der Feindseligkeiten habe er mit Sir Samuel Hoare und Eden die wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen in Aussicht genommen, die zur Beendigung des Streites angewendet wer­den könnten. Er habe den Wunsch geäußert, daß die schärfsten Maßnahmen nicht i n K r a f t tre­ten vor dem Scheitern eines neuen Vermitt­lungsversuches.

Die Ausdehnung der wirtschaftlichen Maßnah- * men sei auf seinen Wunsch vertagt worden, weil er zunächst mit Sir Samuel Hoare eine Unter­redung haben wollte. Diese habe zu dem bekannten Plan geführt. Dieser Plan stelle für die englische Regierung und für die französische Regierung d i e Grenze ihrer Anstrengungen dar. Frank­reich und England seien durchaus berechtigt ge- rvesen, das zu tun, was sie getan hätten, denn Frankreich und England seien in Genf aufge­fordert worden, die Vermittlung fortzufetzen. Frankreich habe nur die Aufgabe erfüllt, die ihm vom Völkerbund gestellt worden war. Dem Völkerbund gebühre es, einen endgültigen Be­schluß zu fassen. Die an dem Plan geübte Kritik sei ungerecht und falsch. Was würden an seiner Stelle die Gegner unternehmen? Würden sie vielleicht zu der vollkommenen und brutalen Anwendung aller

Sühnemaßnahmen schreiten? (Zwischenruf von rechts:Sie würden den Krieg erklären." Er­neuter anhaltender Lärm und erregte Antwort von der Linken.) Die verschiedenen Länder hätten be­wußt die verschiedenen in den Völkerbundssatzungen vorgesehenen Bestimmungen beschränkt, und bewußt hätten sie jede Gefahr eines euro­päischen Krieges ausschalten wollen. Keines der anderen Länder habe jemals eine an­dere Meinung geäußert. Um die Gefahr einer Aus­dehnung des Krieges zu vermeiden, habe er vorge­schlagen, Anregungen zu machen, die zu einer fried­lichen, ehrenhaften und aerechten Lösung des Strei­tes führen könnten. (Erregte Zwischenrufe von links.) Die ganze Welt wolle den Frieden, und zugunsten des Friedens habe er gehandelt. Er würde es bedauern, wenn man in das schwerwiegende Problem, das jetzt in Genf gelöst werden müßte, Ansichten über die verschiedenen ausländischen Re­gime hineintragen würde. Er habe mit allen Re­gierungen verhandelt, die sich bereit erklärten, dem Werk des europäischen Wiederaufbaues ihren An­teil zu leihen. In der Würde Frankreichs wolle er die Sicherheit des Landes aufrechterhalten und werde eine Politik fortsetzen, von der einige gesagt hätten, daß sie nicht glänzend sei, die aber sein Gewissen befriedige, weil sie ausschließlich auf die Aufrechterhaltung des Friedens abgeftellt fei. (An­haltender Beifall in der Mitte und auf der Rechten.)

Der Radikalfozialift Pierre Cot griff den eng­lisch-französischen Plan außerordentlich scharf an. Er warf Laval vor, durch Mißachtung der kollektiven Sicherheit die Sicherheit Frankreichs gefährdet zu haben. Der Kommunist Peri erklärte, je schneller ein Regierungswechsel eintrete, um so besser wäre es für Frankreich. L a Dal betonte, er lasse sich nicht darauf ein, unter erniedrigenden Umständen nach Genf zu gehen. Er werde in Genf keine andere Politik machen, als er sie bargelegt habe. Lieber wolle er abtreten. Er fei damit einverstanden, daß am 27. Dezember eine umfassende allgemeine außenpolitische Aussprache erfolge.

Die Abstimmung 'über die Festsetzung der außenpolitischen Aussprache auf den 27. Dezember ergab 3 0 4 Stimmen für Laval und 252 gegen i h n. Die Regierung hatte die Vertrauens­frage gestellt.

Zwiespältiges Echo in der presse.

Paris, 18. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Be­urteilung der Kammersitzung in der Pariser Mor­genpresse ist uneinheitlich. Das Laval ergebene Journal" schreibt, die Abstimmung bedeute d i e Billigung der Lavalschetz Politik. Auf vbiefe Weise habe die Regierung Laval seit Wieder­beginn der Parlamentssitzungen in drei Fra­gen den Sieg davon getragen, von denen man geglaubt hatte, daß sie ihr gefährlich werden könnten: der Nordverordnungen, der Innenpolitik und der Außenpolitik.

DasOeuvre" zweifelt die Einmütigkeit innerhalb der Regierung Laval an. Gestern habe Laval sein eigenes Spiel ge­spielt. Seine Rechtfertigung habe sich weniger gegen die Linke der Kammer, als gegen einige feiner Mitarbeiter gerichtet. Herriot habe offensichtlich Zurückhaltung bewahrt und andere Kabinettsmitglieder hatten Laval nur sehr vorsichtig etwas Beifall gespendet. DerJour brandmarkt diese Zurückhaltung des Staatsrnmstters

haus halte die Pariser Vorschläge für unan­nehmbar und fordere daher die Minister auf, die im September vom britischen Außenminister in Genf bezeichnete und bei den letzten Wahlen vom Lande überwältigend bekräftigte Politik wieder aufzunehmen. Es steht noch nicht fest, ob es par­lamentarisch-technisch möglich sein wird, eine Ab­stimmung über diesen Antrag herbeizuführen. Der Parlamentsberichterftatter derTimes" glaubt, daß der Antrag, falls es darüber zu einer Ab­stimmung kommt, mit überwältigender Mehrheit angenommen werden wird.

Die Gruppe der Nationalen Liberalen hielt am Dienstagabend eine Zusammenkunft ab, um die Lage zu erörtern. Da aber Sir John Simon am Erscheinen verhindert war, herrschte allgemeine Ratlosigkeit. Diele Mitglieder schienen entschlossen zu sein, am Donnerstag gegen bie Regie­rung zu stimmen, falls die Erklärungen Hoares nicht ihre Zustimmung finden. Die sogenannte imperialistische Gruppe der konser­vativen Fraktion, die sich aus rechtskonser­vativen Ober- und Unterhausabgeordneten zusam­mensetzt, telegraphierte an den Ministerpräsidenten, daß sie die Bemühungen der britischen Regierung zur Lösung des italienisch-abessinischen Konflikts auf friedlichem Wege unterftüfce. Das Telegramm wurde von 37 Abgeordneten unterzeichnet.

auch gestanden.

Es ist eine Ironie der Geschichte, daß gerade bie Vereinigten Staaten vor achtzig Jahren die O e f f n u n g Japans für den Verkehr mit der Außen­welt gewaltsam erzwangen und heute mit den Folgen ihres damaligen Vorgehens am meisten zu tun haben. Als der amerikanische Commodore Parry 1854 mit vier Segelschiffen, die zusammen wenig über hundert Kanonen trugen, in der Bucht von Tokio erschien, um der damaligen Schogunatsregie» rung den von Washington geforderten Handelsver­trag abzunötigen, konnte man noch mit solch einer Flottille den Stillen Ozean kreuzen und sich am andern Gestade auf alles verlassen, was die kleinen schwimmenden hölzernen Festungen mit sich trugen* Der Wind war die bewegende Kraft: Kohlendepots, Niederlagen für Del, Docks, große maschinelle Repa­raturwerkstätten brauchte die einmal unter Segel gegangene Flotte nicht. Ebensowenig war Japan imstande, bewaffnete Gegenwehr zu leisten.

Heute wäre das entscheidende Problem für die Amerikaner, wie sie überhaupt eine Seeschlacht in den japanischen Gewässern liefern sollen. Die Ja­paner würden sich hüten, die amerikanische Küste am Stillen Ozean anzugreifen. Das Streitobjekt liegt nicht in Amerika, es liegt in 0 ft a f i e n , und es ist, in der Hauptsache, das Recht auf freie wirtschaftliche Betätigung in dem Dier- hundcrtmillionenland China. Die Amerikaner haben es sich eine halbhundertjährige intensive An­strengung kosten lassen, um materiell, aber auch gei­stig, in China Fuß zu fassen. Die ganze geistige Einstellung Jung-Chinas in Verfassungs-,' Wirt­schafts- und Weltanschauungsfragen ist großenteils ein Werk amerikanischer Schulung in Missions- anftalten und Hochschulen auf chinesischem und ame­rikanischem Boden. Amerika hat seinerzeit die ganze Borerentschädigung, mehrere Hundert Millionen Mark, für amerikanisch-chinesische Schulungszwecke gestiftet. Und nun kommen die Japaner und rufen den Weißen, Amerikanern wie Europäern, kalt­blütig zu: Hände weg von Ostasien, die Gelbe Rasse wird für sich selbst sorgen, und wir werden die Führenden sein!

Es wäre interessant, den kulturphilosophisch-natio­nalen Theorien nachzugehen, die jetzt in Japan ent­wickelt werden, um jenen Anspruch zu begründen. Wichtiger sind aber in diesem Augenblick die geo­politischen und seestrategischen Gesichtspunkte, von denen Japan, Amerika und die Flottenkonferenz be­stimmt werden. Eine moderne Flotte ist nicht mehr fähig, in großer Entfernung von ihrer Heimat- b a f i 5 zu operieren und zu schlagen, vor allem nicht gegen einen ebenbürtigen Gegner. Sie ist zu ab­hängig von der Versorgung mit Treibstoffen und von der Möglichkeit, beschädigte Kampfeinheiten zu retten und sich nach stärkeren Verlusten auf eine nahe­gelegene sichere Basis zurückzuziehen. Das könnten die Japaner jederzeit, für die Amerikaner aber find selbst die beiden Kriegshäfen von Honolulu und Ma­nila sehr weit ab von den japanischen Küsten, an denen die Entscheidung fallen müßte.

Das Grundproblem für die Amerikaner heißt: Sollen wir den ganzen o st asia tischen Markt den Japanern kampflos preisgeben, oder sollen wir äußersten Falls um seine Erhaltung Krieg führen? Auch England ist hervorragend an ihm interessiert, aber bleiben wir zunächst noch beim amerikanisch­japanischen Gegensatz. Amerika braucht, wenn es das Rennen nicht von vornherein verloren geben will, offenbar eine Flotte, die stärker ist, als die japanische. Japan verwendet bereits etwa die Hälfte seiner Staatseinkünfte für seine Rüstung, aber die Drohung, die der amerikanische Vertreter, Norman Davis, eben in London ausgesprochen hat, bedeutet: Wenn ihr das Flottenwettrüsten haben wollt, so könnt ihr es haben, und wir werden e 5 länger ausha11en ! Natürlich hängt daran indirekt auch die englische Flottenstärke, und wei­terhin die französische und italienische.

Es ist der ungeheure geopolitische Raum des Stillen Ozeans, der diese Spannung erzeugt. Die Amerikaner haben, um seine Nachteile für sich etwas auszugleichen, die Waffe der Flugzeug- Mutterschiffe besonders entwickelt: mächtige Fahrzeuge bis zu 30 000 und mehr Tonnen, die eins große Anzahl von Bombenflugzeugen bis nahe an die japanische Küsten herantragen und feuriges Verderben auf die aus Holz gebauten japanischen Großstädte niedergehen lassen können. Japan schlägt auf der Flottenkonferenz die Abschaffung der Angriffswaffen vor, und es nennt unter diesen an erster Stelle die Flugzeug-Mutter­schiffe. Natürlich find sie für die Amerikaner In erster Linie Angriffswaffen, wie denn überhaupt ein amerikanisch-japanischer Krieg formell den Ent- i schluß Amerikas zum Appell an die Waffen vor­aussetzt aber, sagen die Amerikaner, ist denn bat , offenbare Streben der Japaner nach Monopolisie« rung ganz Oftafiens kein Angriff auf lebenswichtig^ , amerikanische Interessen?

Der Moment ist günstig für Japan, vor allem 'deshalb, weil England behindert ist, solange

Laval verteidigt die Kriedensformel.

Der Ministerpräsident geht mit einem neuen Vertrauensvotum der Kammer nach Genf

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