Ur. 270 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Montag, (8. November (035
das Tannenholz und hinterdrein fielen sacht dunkle Rosen. Eine getragene Stimme erklang und sprach non Trost und ewigen, Frieden. Edle Kräuter wurden geräuchert. Ein Lied schwang über die Grude, verwehte hinter den Lebensbäumen, und hinterließ lastende Stille.
Die kohlenden Briese schrumpften, stürzten zusammen und versanken zu Asche, und in der Asch» flammte ein letztes bengalisches Rot aus, so wie ea am Schlüsse großer Ereignisse zur Erhellung de» Hintergrundes gewöhnlich abbrennt. Und als alle» zu Ende war, begann die Spreu der Briefe weißlich zu schimmern, ähnlich dem Märzenstaub, wenn der Winter vorüber ist und der Frühling noch nicht begonnen hat.
Schütterling stand schwerfällig auf und tastete sich hinaus. Dann lieferte er die Schlüssel ab und begab sich zur Bahn.
Vas flreife Brautpaar.
Als kürzlich in Tindale-Crescent, das in der englischen Grafschaft Durham gelegen ist, ein Brautpaar das Aufgebot bestellte, sah der Standesbeamte verwundert auf. Bor ihm stand ein siebzigjähriger Mann und ein Fräulein von 04 Fahren. Der Bräutigam war wenige Tage zuvor aus Kanada nach England gekommen, um sich zu vermählen. In wenigen Worten ist die seltsame Geschichte dieser treuen Liebe erzählt. Als Matthew Store»), so heißt der Bräutigam, noch ein lunger Mann war, bewarb er sich um die Hand der schönen Frances Jane Ela»)ton. Obwohl sie ihm nicht abgeneigt mar, schlug sie seinen Antrag ob. Sie erklärte, sie habe ihrer Mutter auf dein Totenbett versprochen, daß sie bei ihren, Vater bleiben und biß an das Ende seines Lebens für Ihn sorgen werde. An dieses Versprechen fühle sie sich gebunden, und wenn Matthew Store,) sie liebe, so solle er ihr die Erfüllung dieses Versprechens nicht allzuschwer machen. Da versprach der junge Freier, solange geduldig warten zu wollen, bis Frances Jane (Llayton, die er als feine Braut betrachte. Ihr Wort elngelöft habe. Er verließ England und ging nach Kanada: die Entfernung konnte ihn so wenig bewegen, das Verlöbnis aufzugeben, wie die langen Jahre des Wartens. Im Jahre 1800 hatte er Jane Elayton feinen Antrag gemacht, und als ihr Vater vor einigen Wochen verstarb, kehrte er zurück, um die Braut heimzuführen. Sechsunddreißtg lange Jahre waren darüber hingegangen. Run soll die Hochzeit in der Stille stattfinden. Aber alle guten 'Wünsche der Mitmenschen oegleiten die beiden, die eine so lange Zeit wie Im Märchen — aufeinander gewartet haben und die nun endlich zusammengekommen sind.
die
an
eit ihrer
iolk und
dieser
Aus der Provinzialhauptstadt
Neue Meister und Meisterinnen des oberhessischen Handwerks.
Feierliche Verpflichtung und Ueberreichung der Meisterbriefe.
gebührende Existenzmöglichkeit zu schaffen. Bon Erkenntnis ausgehend betonte er die Rot-
Als Vertreter des Kreisamtes Gießen überbrachte Negierungsrat W c b e r die besten Grüße und Wünsche der Behörde. Er erinnerte kurz an den Niedergang des Handwerks unter dem frühere,, politischen System und stellte demgegenüber die fruchtbare Aufbauarbeit heraus, die seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus auch für das Handwerk geleistet wurde. Sein Wunsch an das Handwerk ging dahin, es möchte stets getreulich die Verpflichtung für Führer und Vaterland erfüllen.
Pg. S d) i m m e l sprach als Vertreter der Deutschen Arbeitsfront. Er betonte besonders die Tat- sacke, daß die jetzigen Iungmeister und Jung- meisterinnen als erste „ach der Einführung des Befähigungsnachweises den Meisterbrief erhalten, und er leitete von dieser Tatsache besondere Verpflichtungen gegenüber Führer und Volk her. Er unterstrich weiterhin, daß nunmehr das Leistungsprinzip in, Handwerk volle Geltung habe und damit jedem Handwerksmeister besondere Aufgaben zugefallen sind. Weiter machte er auf die große Planung der Aufbauarbeit des Nationalsozialismus aufmerksam, deren Auswirkungen natürlich nicht von heute auf morgen zu erwarten feien, sondern allmählich und immer weiter greifend und tiefer wirkend sich ergeben würden. Er forderte die Zuhörer auf, dieser Aufbauarbeit mit großer Zielsetzung allezeit vertrauensvolles Verständnis entgegenzubringen und sid) dabei immer bewußt zu bleiben, daß der nationalsozialistische Staat es als seine vornehmste Aufgabe ansehe, jedem deutsche,, Volksgenossen die
Nie Nicke Wer«.
Bürger von Gießen! Wenn ihr in diesen Vor- winterlugen durch die Wälder und Felder euerer schönen Heimat schweift, so stoßt ihr allerorten auf die Spuren der Dicken Wera. Wera! Nid)t einmal Dera! Die Vöglein im Walde, die Tiere aus dem Felde, sie werden nod) in diesen kalten Tagen an jedem Margen, den der Schöpfer uns neu werden läßt, an ihre liebe gute Dicke ÜÜera und damit weh mutsvoll auch an die marinen Sommertage erinnert, in denen Wera unter uns wandelte. Berühmten Männern pflegt man stets nur ein Denk- m a l zu fetzen. Auf jeden Fall nur ein Denkmal in jeder Stadt. Und auch dieses erst nod) ihrem Tode. Ich hoffe und wünsche, daß die Dicke Wera nod, heute unter den Lebenden weilt und gönne es ihr auch von Herzen, wenn sie Inzwischen einen weiteren halben Zentner ihrer zarten Gestalt einverleibt hat. Aber warum gerade ihr diese Unzahl von Gedächtnisstätten? Denn die Zahl der Denkmäler, die in Gestallt ellenlanger Plakate von ihr noch heute künden, die man ihr also schon zu ihren Lebzeiten setzte, muß, allein nach den ihr in und um Gießen geklebten und noch heute klebenden Gedenkschriften gemessen, unermeßlid) fein.
Mit Recht? Nur „ca. 506 Pfund" gibt diese „schwerste Jungfrau der. Welt" als Ihr „eminentes" Lebendgewicht der staunenden Mitwelt an. Ich wage nicht, and) nur an einer dieser Ihrer Schmuck- bezeichnungen zu zweifeln. Die Folgen könnten für mich Normalpfündker verderblich fein. Fräulein
Oder für die Güte des offenbar unverwüstlichen Papiers ober der Druckerschwärze, die hier gleichfalls nicht umzubriuge», ist?
Doch Scherz beiseite. Die Äunftftätte, die den Einwohnern unserer Stadt diesen hohen Genuß ver» schasste, sollte aus den, reichen Gewinn, der aus den Taschen ihrer sckönheitvtrunkenen Besucher zweisel- los ihr zugeflossen sein wird, doch auch noch jetzt die Mittel ausbringen können (ober vielleicht gar n, ässe „?), um uns nun endlich die Erinnerung an diese holde Dome endgültig ans dem Herzen zu reißen. Vielleicht hoben gerade die, die Schon« Wera selbst bewundern dursten, ein ganz besonderes Interesse hieran und beteiligen sid) mit einem größeren ober kleineren Beitrag? Gor mancher Arbeitslose wird fiel) eine besondere Freude daraus machen, hier seine Fähigkeiten zu zeigen! Und sei unser aller Schmerz auch nod) so groß. Oder sollte and) die Dicke Wera, trotz Naturschutz und trotz Verschönermigsverein, von sid) sagen dürfen: Es soll die Spur von meinen Erdentagen nicht In Aeonen untergehnl? Im Interesse der Schönheit unserer Wälder wollen mir dies nicht hassen.
E. M
Vornoiizen.
Tagevkalender für Montag.
316(9. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 »ihr Reiten, Reitschule SchÖmbs. - Stadttheater: 20 bl» 22 Uhr Tanz Gastspiel: Palucea tanzt. — (Moria- Palast, Seltersweg: „Liselotte von der Pfalz". —< Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Baboona".
Slabllljcaler Gießen.
Heute abend einmaliges Tanzgastspiel von Deutsch« lanvs atzet 1 änjerin P a i u < » a Am Flügen Victor Schwinghammer. Außer Abonnement. Dauer van 20 bis 22 Uhr.
Ortsgruppe Gietzen-Mitte.
Die Sprechstunden für das Hilfswerk „M u t- t e r unb K i n d" finden von jetzt an Freitags von 16 bis 17 Uhr statt.
Deutsche Arbeitsfront.
Abteilung für Arbeitsführnng und verufserziehung In der ttreivwallung Gießen.
Die Abteilung beginnt mit folgenden Lehrgängen: Hvchfrequenztechnik am Donnerstag, 21. November, um 18 Uhr in der Arbeitssd)ule der DAF., Louystraße 18, Raum 2.
Höhere Mathematik am Montag, 18. No« oember, um 16 Uhr in der Arbeitsschule der DAF., Lonystraße 18, Raum 2.
Der Beginn weiterer Lehrgänge wird jeweils recht, zeitig bekanntgegeben.
Interessenten an diesen Lehrgängen können noch bei Unterrichtsbeginn ihre Anmeldung abgeben.
Ner Busttafl in Hessen.
Der Bußtag am Mittwoch, 20. November, Ist auch In Hessen staatlich geschützter Feiertag. Es hat Ar- beitsrnhe zu herrschen, die Läden sind geschlossen , zu halten. Für Veranstaltungen am Bußtag gelten die bekannten Einschränkungen.
Starter Besuch in der Waldkaserne.
i Der Einladung des II. Bataillons Inf.-Rgt. 36 , zur Besichtigung seiner neuen Waldkaserne an der ' Sicher Landstraße wurde am gestrigen Sonntngvor- । mittag im" nachmittag außerordentlich zahlreich ' Folge geleistet. Nicht nur aus der Stadt, sondern i auch aus dem Kreise Gießen und darüber hinaus > aus den angrenzenden Kreisen waren die Besucher, t in der Hauptsache natürlich alte Soldaten, zu Fuß, ) mit der Bahn, mit Autos oder mit Kraftomnibussen gekommen, um sich in den schönen Räumen bi । Wawkaß । ne gi Ündklch unizuseyen Unter den . Besuchern befanden fid) auch viele Frauen vom > Lande, die bei dieser Gelegenheit vor allem einmal - den beim Bataillon dienenden Sohn in seinem Sol« , datenhelm aufsuchen und sid) von seiner guten lln- । Erbringung überzeugen wollten. Alle Besucher ' wurden von den Soldaten In ka»neradsd)aftllck)er
Im Saale des Cafö Leib zu Gießen versammelten sich am gestrigen Sonntagvormittag viele Handwerksmeister aus Gießen und aus allen Teilen der Provinz Oberhessen zu der feierlichen Verpflichtung zahlreid)er junger Handwerksmeister und Handwerksmeisterinnen und der Ueberreichung der Meisterbriefe an diesen Nachwuchs unseres ober- hessischen Handwerks. Der Saal des Eafö Leib war bis zum letzten Plätzchen vollbesetzt, als gegen 10.15 Uhr die Feier begann.
Der Musikzug der SA.^tandorte 116 unter Leitung des Musikzugführers H e r r m a n n gab mit seiner ausgezeichneten Musik der Feier einen würdigen Auftakt. Dann begrüßte der Vorsitzende der Meisterprüfungskommission für die Provinz Oberhessen, Buchbindermeister Steinhäuser (Gießen), die große Versammlung, insbesondere die Vertreter der Partei, der Handwerkskammer, der Behörden, der Kreishandwerkerschaften, der Innungen und die Prüsungsmeister. Er wies weiter dar- auf hin, daß fünftig nicht jeder Handwerker zu- gleid) Meister fein könne und daß die Verleihung der Meisterwürde eine besondere Auszeichnung für den Handwerker bedeute, zu deren Erlangung bestes handwerkliches Können und die gute charakterliche Eignung die Voraussetzungen seien. Er empfahl den Iungmeistern und Jungmeisterinnen, fid) alle« ßeit dieser hohen Verpflichtung bewußt zu sein und m vorbildlicher Art ihren handwerklichen Beruf zu erfüllen im Dienste des ganzen deutschen Vater« landes.
Als Vertreter der Hessischen Handwerkskammer sprach deren Geschäftsführer Dr. Reif (Darmstadt). Er wies zunächst auf die große Tradition des deutschen Handwerks in früheren Jahrhunderten hin, deren Grundlagen in vielerlei Hinsicht mit der natio- nalsozialistischen Weltanschauung übereinstimmten. Mit dem Zerfall der Zünfte und der Einführung der Gewerbefreiheit fei später der Gemeinschaftsgeist im Handwerk vernichtet worden, und eine ort- und rassefremde Kultur sei nickt imstande gewesen, dem Deutfdjen Handwerk in gebührendem Maße Rechnung zu tragen. Erst durch den Nationalsozialismus sei auch dem Handwerk wieder ein guter Boden zum Aufbau bereitet worden. Auf diesem Boden müsse das Handwerk wieder zu der guten deutschen Volks« fulttir zurückkehren, in deren Mittelpunkt der deutsche Mensch und fein Können stehe. Weiter ermahnte der Redner alle Handwerker, insbesondere den jungen Nachwuchs, fid) stets der Verpflichtungen gegenüber dem Berufsstand, den Mitarbeitern und allen Volksgenossen der deutschen Station bewußt zu lein und unter diesem Gesichtspunkt auch bei der Ausnahme von Lehrlingen für den handwerklichen Nachwuchs zu verfahren. Neben dem handwerklichen Können dürfe aber auch die charakterliche Veranlagung nicht außer Acht gelassen werden. Eignungs- Prüfungen vor der Einstellung der Lehrlinge und Zwischenprüfungen während der Lehrzeit müßten den Wertmaßstab zur Beurteilung der jungen Hand werter bilden. Ein besonders strenger Maßstab sei bei den Meisterprüfungen anzuwenden, denn Handwerksmeister dürfe nur derjenige fein, der nad) jeder Richtung hin die volle Befähigung dazu besitze. Schließlid) wies der Redner auf die umfangreiche und für das Handwerk, wie and) für die ganze Volksgemeinschaft gedeihliche bisherige Neformorbeit der notionalsozialiftifchen Reichsregierung auf dem Gebiete des Handwerks hin und betonte dabei, daß jeder deutsche Handwerker eine große Aufgabe zu erfüllen habe bei der Unterstützung und Förderung der Aufbaumaßnahmen der Negierung. Diese Aus° gäbe stellte er besonders den Iungmeistern und Jungmeisterinnen vor Augen, und mit den Glückwünschen der Handwerkskammer zur Erlangung der
Wera ist ja oud) eine vorsichtige Dame, an die man auf diesem Gebiet nur schwer wird herankommen können. Damit keiner ihrer Bewunderer, etwa mit einer Briefwaage im Gewände, ihr zu nahe trete und bann, je nad) dem Tageskurs vielleicht um ein halbes Pfund betrogen, etwa das mühsam verdiente Eintrittsgeld zurückfordere, gibt sie in anerkennenswerter Selvstbeschränkung selbst ja nur „c a. 506 Pfund" als ihren jungfräulichen Weltrekord an.
Aber sei dem wie ihm sei. Ihr Rekord sei ihr neidlos gegönnt. Und mögen die Reize ihrer eminenten Jungfräulichkeit nod) so hinreißend fein: das, was sie uns als Spuren ihrer Gießener Erdentage an Plakaten, die nod) heute an Bäumen und Zäunen, an Telegraphenstangen und an sonstigen hervorragenden Gegenständen prangen, hinterließ, ist weder hinreißend nod) In seinem tiefsten Grunde erkennbar. Oder hat Fräulein Wera oud) hier ein besonderes Privileg? Wie wäre es, wenn es alle so machen wollten? Nicht nur die Dicken, sondern auch die Dünnen. Die Langen und die Kurzen? Die Herren und die Damen mit ober ohne Stopf, mit ober ohne Unterleib ober was sonst ber Meiisd) ohne 6d)aben entbehren kann? Es wäre wahrhaftig nicht aiiszudenken! Dann sähe man wlrklick) einmal ben Walb vor Bäumen nicht mehr. Vorausgesetzt, baß bie Bäume unseres bescheibenen Erbballes Dann hierzu überhaupt ausreichten. Ober soll hier für bie Gute bes Leimes Reklame gemacht werben, mittels beffen man biefe Gebenktafeln anfcheinenb unzertrennlich ber Natur auf ben Rücken klebte?
Meisterwürde oerbanb er bie Ermahnung jungen Meister unb Meisterinnen, allez ei hohen Verpflichtung gegenüber Führer, Vi Vaterland eingedenk zu sein.
Wendigkeit, oud) im Handwerk kurzsichtige Kritiker mrückzuweisen und In vollem Vertrauen )u dem Führer und seinen Mitarbeitern alle Kräfte ein- zusetzen, Damit im Nahmen des Relchsstanoes des deutschen Handwerks oud) von der Seite der Handwerker her wirkungsvolle Mitarbeit zum Nutzen des deutschen Volkes geleistet werde. In diesem Sinne und mit diesem Wunsche svrach er den Iungmeistern und Jungmeisterinnen die herzlichen Glückwünsche der Partei und der Deutschen Arbeitsfront aus.
Im Ansck)luß an einen stimmungsvollen, feinen Musikvortrag des Musikzuges der Standorte 116 fand unter Leitung des Kreishondwerksmeisters Stühle r und unter Assistenz des Friseur-Obermeisters GÖtz unb bes Metzgermeisters Adolf M ö h l jun. bei geöffneter Jnnungslode, bie von brennenden Kerzen umgeben war, die feierliche Losspred)ung ber Iungmeister unb Jungmeisterinnen von ihrer Gesellenpilicht unb ihre Verpflichtung als Meister unb Meisterinnen statt. Dieser feierliche Akt wurde eingeleitet mit dem gemeinsamen Gesang „Siehst du im Osten das Morgenrot". Dann wurde' nach altem handwerklichem Brauch die Jnnungslode geöffnet, sodann gemeinsam der Gefallenen des proben Krieges und der Gefallenen des nationalsozialistischen Freiheltskompfes gebad)t, währenb bie Musik leise das Lieb vom guten Kameraben spielte. Hierauf traten zwei Iungmeister unb eine Jung- Meisterin vor bie Jnmmoslabe, während fid) alle übrigen Iungmeister und Jungmeisterinnen von ihren Plätzen erhoben, um gemeinsam unter der Leitung des Kreishandwerksmelsters S t ü l) l e r die vorgeschriebene Verpflichtung als Meister und Meisterinnen des deutsd)en Handwerks abzulegen. Die eierlidje Handlung sand ihren Abschluß mit dem reudlgen Treugelöbnis ziim Führer und Neichs- kanzler Adolf Hitler, ziim beut(d)en Vaterland und zum beutfdwn Handwerk. Den dreimaligen Sleg-Heil-Nufen folgte der gemeinsame Gesang der ersten Verse des Horst-Wessellieds und des Deutschlandliedes. Danod) wurde die Innungslade gefchlof- । Jen, die Kerzen gelöscht, die feierliche Vervflichtimg war beendet. Niinmehr wurden die Meisterbriefe ausgehändigt.
Den Abschluß ber Feier bilbete ein frohgestimmteo I geselliges Beisammensein.
Die Mdonna aus der Zeltbahn.
Von (Sricf? Grisar.
Johann Peter Hebel erzählt uns in seinem „Schatzkästlein" eine nette Geschichte von einein Bauern, ber eine Tür in eine Apotheke schleppt unb erklärt, es sei, als ber Arzt zu seinem kranken Weibe gekommen sei, kein Stück Papier und keine Schreibfeder im ganzen Hause gewesen, nur ein Stück Kreide. Da habe ber Arzt ihm bas Rezept für feine Frau auf bie Tür gemalt, unb da sei er nun mit der Tür, und man möge ihm bas Trank- lein brauen, bas feiner Frau auf bie Beine helfe.
garth half fid), wenn er sich unooroeieuv. ........ M-nsch-n fleHenü6er (ab bef en
•=üae er für eines feiner figurenreichen Bilber feft- ballen wollte, damit, baß er, was chm an feinem feeaenüber intereffierte, auf bie 3mßerndflel malte, unb es fo nach Haufe brachte.
Intereffant ist auch, was man von V an o flb ^nrerenani I ' gelt, als Von Gogh noch l6 her torube einen jungen Bergmann,
BÄRitt ton i6m äÄ Ä
Das ist eine nette Geschichte, unb von einem Zimmermann, dem fein Bauherr eine Skizze zu feinem Bau auf ben Wirtshaustisch gemalt hat unb ber nun ben flauen Tifch mit auf bie Baustelle schleppt, wirb sie ähnlich erzählt. Aber bas sind wohl nur Geschichten. Doch kann es immerhin wohl mal vorkommen, baß wer etwas aufschreiben mochte, unb er hot kein Papier. Das ist bem berühmten Mathematiker Empöre so ergangen. Der ging eines Tages in seine Probleme versunken durch bie Straßen von Paris. Plötzlich zog ihn eme mathematische Ueberlegung so in ihren Bonn, baß er. Da er geraDc kein Papier zur Hanb hatte, seine Sonnet mit Kreibe auf bie Nückwonb einer vor ihm haltenden Droschke schrieb. Zum Unglück jebod) setzte sich die Droschke in Bewegung, so baß Ampöre, wenn er seine Ueberlcgungen unb Formeln nicht im Sucy lassen wollte, nichts tun konnte, als mit gezuckter Kreibe hinter ber fahrenben Droschke herzulaufen.
Glücklicher war in einem ähnlichen Falle Johann Strauß baran, bem bas Motiv zur Eimiebler- Romanze einfiel, als er mitten in ber Nacht aus einem Traum erwachte. Er wollte feine Frau, Die neben ihm schlief, nicht stören, unb so suchte er im Dunkeln nach Papier unb Bleistift, um bas Motiv xu notieren. Er fanb jebod) nur ben Bleistift unb so blieb ihm nichts übrig, als bie Anfangstakte bes Motivs in Buchstaben auf bie Bettbecke zu schreiben, von wo er sie am anberen Morgen Übertrag. Der englische Maler Hoc *
unvorbereitet einem :
Mö-
Mit bumpfem Knall würben bie Türen des belwagens geschlossen. Dann rollte er langsam davon, weit fort nad) einer fremden Stadt
-2um letzten Male stieg Sckütterling hinaus in das arohe Atelier, wo er so viele Jahre gelebt und gemalt hatte. Sein Schritt klang laut und hohl durch den leeren Raum. Das kahle, mächtige Nord- lenster das sonst voller Pflanzen gewesen war, starrte'auf nackte, nüchterne Wände. Die Stellen, wo die Bilder gehangen hatten, hoben sich scharf von der Tünche ab. Das dicke Ofenrohr fah wie eine ^Sch^itteriimg riaMum Fenster und nahm Abschied von der Stadt, die ihm eine zweite Heimat gewor- den war. Der Dunst ber Dämmerung lag auf ben Dächern unb bas Gewirr ber Firste schmolz zu einer einx acn grauen Ebene zusammen, aus ber bie roten Campen bes fernen Gaskessels herausschwelten.
Unten im Brauereigarten, wo bie Kastanien gilbten und bas Laub auf ben Tischen lag, jagte ein» Katz« einem mtrbelnben Blatt nach.
Da er jebod) roeber Papier nad) Bleistift bei fid) trug, hob er ein Stück Kohle vom Boben unb zeichnete bamit bie Gestalt bes Bergmanns auf bas Vorsatzpapier ber Bibel, bie er bei sich trug.
Auch von bem 1845 verstorbenen Maler Joseph Danyauser wirb eine Geschichte bieser Art erzählt. Einen Tag vor seinem lobe hatte Danhau- fer fid) aus bem Bette erhoben, um von seinem Atelier Abschieb zu nehmen. Dabei kam ihm ber Gebaute, baß seine Frau von ihm kein Porträt aus letzter Zeit besitze. Er fuhr, bie Linien seines Gesichtes nachzieheno, mit bem Bleistift auf bem Spiegel umher, bis er, zufammengebrochen, auf fein Lager getragen würbe.
Was aus biefen seltsamen Silbern geworben ist, ist ungewiß. Man hat keinen Fingernagel Hogarths aufbewahrt, bie Bibel Van Goghs mag wohl Ir- genbroo noch existieren, ber Spiegel Danhausers ist verschollen, aber ein anberes Bilb, bas auf merk- mürbige Art zustanbe gekommen ist, hängt in einem Museum in Berlin. Es ist eine Mabonna, bie ber Maler Erich Heckel im letzten Kriege in einem flanbrischen Schützengraben auf eine Zeltbahn gemalt hat. Weil er wohl Farben, aber keine Lein- manb zur Hanb hatte. Heute hängt biefe Zelt- bahn im ehemaligen Kronprinzenpalais Unter ben Linben als ein lebendiger Beweis dafür, daß die Kraft, die einen Künstler zeigt, zu schaffen, stärker ist als alle Hemmnisse, die Mangel an Material und die Ungunst äußerer Umstände Ihm entgegen- stellen.
Abschied im November.
(Erzählung von Gert Lynch.
Schütterling stand, fdmute und sann, bis es dun- fei wurde unb allenthalben bie Lichter aufglommen. Da roanbte er sich ab unb erinnerte sich, baß noch etwas zu erlebigen war. Eine letzte Pflicht hatte er noch, ehe er bas Atelier unb bie Stadt für immer verließ.
Da bie Lampen abgefchraudt waren, suchte er unter ben Abfällen einen Kerzenstummel heraus, zün- bete ihn an unb stellte ihn auf das Ofenblech. Dann fetzte er fid) mit untergeschlagenen Füßen davor, griff nad) der Pappschachtel neben dem Ofen und offnte sie.. Sie war bis an den Rand mit Briefen gefüllt. Zarte, lavendelblaue Briefe, die alle die gleiche zierliche Handschrift trugen und einen (elfen Duft ausströmten, Den Schütterling mit acroel- teten Nüstern einsog. Briefe, Die von Der glücklichsten Zeit seines Lebens zeugten und eine lichte Zukunft verhießen hatten.
Eine feierliche Stimmung kam über Schütterling. Er faltete jeden einzelnen Brief auseinander, bauschte ihn auf und legte ihn aus den Ofenrost. Einmal fand er ein bleiches vierblättriges Kleeblatt zwischen den Seiten, dort ein dürres Veraißmein- nicht. Als er auf eine Haarsträhne mit [eibenem Schleifchen stieß, zögerte er. Doch bann schüttelte er ben Kopf unb ließ auch bieses Angebinbe im Ofen versck)winben.
Die Kerze, vor ber er hantierte, flackerte unruhig, unb bie Schatten huschten wie schwarze verstörte Vögel über Decke unb Wänbe. Im Kamin sang ber Wind auf einem hohen, gequälten Ton, und auf die Scheiben des schrägen Fenster» klatschten einige dicke Tropfen.
Schütterling knüllte den letzten Brief zusammen und stopfte iyn in den Ofen. Dann nahm er die brennende Kerze, warf sie in den Paplerhaulen, schlang die Arme um feine Knie und fah in den entstehenden Brand.
Ein Dehnen, Strecken und Knistern ging durch die Briefe. Nauchspiralen pufften hervor. Eine kleine blaue Zunge leckte hindurch und fchmlegte fid) an die Knäuel und Bäusche. Gelbe unb braune Kreis- selber entstanden, wuchsen unb blähten sid) auf, unb schließlich sprang eine wabernde Flamme empor unb hüllte alles in ihren Mantel. Und die Briese begannen zu glühen und wurden lebendig, bogen unb roanbten sich, bäumten sich auf unb umschlan- gen sich, wisperten unb tuschelten von all ihren Heimlichkeiten unb heißem Geschehen. Mohnblumen lohten wie Adenbrot aus großen, ernsten Kränzen hervor. Ein sd)warzer Zug bewegte sich langsam zwischen Hügeln unb Scheinzypressen entlang. Kreuze überschnitten sich, unb die Glocken läuteten. Weiße Tauben flogen über frisch aufgeworfene Muttererde. Eine Truhe wurde an Seilen hinab- gelassen. Ein paar Schollen polterten plump auf


