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Unser Führer und Ob er st er Befehls­haber der Wehrmacht Sieg-Heil!

In die dreimaligen Sieg-Heil-Rufe stimmte alles begeistert ein. Gemeinsam wurden hierauf die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel- Liedes gesungen.

Vorbeimarsch vor Hem Divisionskommandeur.

Anschließend folgte ein schneidiger Vorbeimarsch des Bataillons unter Führung von Oberstleutnant Schmidt vor dem Divisionskommandeur General Lüdke. Für die Zuschauer, in deren Mitte sich viele alte Soldaten und Kriegsteilnehmer befanden, war dieser Vorbeimarsch der Kompanien eine ganz besondere Freude des denkwürdigen Tages.

Besichtigung der Kasernengebäude.

Während die Regimentsmusrk unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e auf dem Kasernenhofe durch schneidige Militärmärsche erfreute, besichtia- ten die Teilnehmer der Feier mit starkem Interesse die Gebäude und die Einrichtungen der Kaserne. Dabei konnte man überall die erfreuliche Feststel­lung machen, daß in dieser Unterkunft in der besten Werfe für die Soldaten gesorgt ist. Schöne helle Mannschaftsstuben, mit Bildern und Möbeln gut eingerichtet, reichlich Raum bietend für die Be- woyner, weiträumige Korridore und Treppenhäuser, ebenfalls mit zahlreichen Bildern geschmückt (Bilder des Führers, des verstorbenen Generalfeldmarschalls von Hindenburg, des Reichskrieasministers von Blomberg, des Generalfeldmarschalls von Macken­sen, Schlachten- und Soldatenbilder der verschieden­sten Art usw.), helle und luftige Unterrichtssäle, vortreffliche Bade- und Wascheinrichtunaen in gro­ßen Räumen, neuzeitliche sanitäre Anlagen, Zen­tralheizung, Trocknungsräume für nasse Uniformen, blitzblanke und modern eingerichtete Küchen, schöne Heime für die Freizeit, zweckmäßige Aufbewah­rungsräume für Fahrräder usw. werden die Sol­daten rasch und frohgestimmt heimisch werden lassen.

Gemeinsamer Mittagstisch.

Im Anschluß an die Besichtigung versammelte man sich in den Kantinenräumen zum gemeinsamen Mit­tagstisch. Dabei gab es aus der Soldatenküche eine hervorragende Gemüsesuppe mit Fleischeinlage (Leip­ziger Allerlei), die ausgezeichnet schmeckte. Die Küchenunteroffiziere und ihre Helfer am Werk lieferten mit diesem hervorragenden Essen, das auch vor dem strengsten Urteil einer vielerfahrenen Haus­frau voll bestehen konnte, ein vortreffliches Zeugnis ihres Könnens. Es ist daher nur verständlich, daß die meisten Teilnehmer mit größter Befriedigung zwei Schläge" vertilgten und der Kochkunst in der Soldatenküche mit Recht die vollste Anerkennung aussprachen.

Beim Mittagstisch hielt nach kurzer Begrüßung durch den Bataillonskommanoeur, Generalmajor a. D. Mohr, Gießen, als Vorsitzender der Offi­ziersvereinigung des ehemaligen Gießener Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm Nr. 116, eine kurze Ansprache, in der er die wenig bequemen Einrichtungen in den frühe­ren Kasernen mit den jetzigen schönen Räumen ver­glich und dabei die Hoffnung aussprach, daß sich die Soldaten in dieser schönen Kaserne wohlfühlen möch­ten. Er wies dann darauf hin, daß das frühere Gießener Regiment Nr. 116 sich durch hervorragendes Schießen besonders ausgezeichnet, zahlreiche Schieß- preise erhalten und seine (Redners) Kompanie zu seiner besonderen Freude für hervorragendes Schie­ßen u. a. eine Büste seines Lieblingshelden, Fried­richs des Großen, als Schießpreis errungen habe. Es liege nahe, daß in Anknüpfung an jene hohen Schießleistungen des alten Regimentes die Offizier­vereinigung der ehemaligen 116er ihrem Traditions- Bataillon zur Erinnerung an diesen Tag des Ein­zugs in die neue Kaserne einen Schießpreis stiftete, und zwar ein Bild des Mannes, der unserem deut­schen Volke die Wehrfreiheit wiedergegeben habe und dem unser Volk dafür zu großem Danke ver­pflichtet sei. Hierauf überreichte der Redner ein großes Bild des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler als Wanderpreis für den Schießwettbewerb innerhalb der Kompanien des Bataillons an den Ba- laillonskommandeur Oberstleutnant Schmidt, der für diesen wertvollen Preis den herzlichsten Dank des Bataillons aussprach und dabei betonte, die Stifter des Preises dürften überzeugt sein, daß die Tradi­

tion der 116er beim Bataillon in besten Händen liege und das Bataillon auch im Schießen immer bestrebt sein werde, die besten Leistungen zu erreichen.

Kaufmann Petri überreichte, als Vertreter der­jenigen Offiziere, die unmittelbar nach dem Kriege in ihrer militärischen Weiterbildung von dem Ba­taillon die größte Förderung erfahren hatten, ein Bild, das einen Ausschnitt aus dem Eingreifen des Regiments in der Schlacht von Gravelotte darstellt.

Als Vertreter der Landesuniversität erinnerte Se. Magnifizenz der Rektor, Professor Dr. Pfähler, an die gemeinsamen Aufgaben, die von der Univer­sität und dem Regiment bei der Erziehung des jun­gen deutschen Nachwuchses zu erfüllen seien, ebenso an die enge Verbindung, die von jeher zwischen dem Regiment und der Universität geherrscht hat. Beide, das Regiment und die Universität, seien ein Bild der wahren Volksgemeinschaft. Das komme auch bei diesem gemeinsamen Mittagessen erfreulicherweise dadurch zum Ausdruck, daß rechts von ihm (dem Rek­tor) der Kommandeur des Regiments sitze, bei dem er (Redner) soeben seine Uebung gemacht habe, während ihm gegenüber der Schlossermeister Karl Braun, sein Sturmführer in der Gießener SA., zu Tisch sitze, der als Handwerksmeister an diesem Bau für das Bataillon mitwirkte. Um die gute Ka­meradschaft und enge Nachbarschaft zwischen der Universität und dem Regiment zu unterstreichen, habe die Landesuniversität eine Geldsumme zur Ausschmückung der Kasernengebäude gestiftet.

Der Bataillons - Kommandeur, Oberstleutnant Schmidt, brachte den Spendern mit kurzen herz­

lichen Worten den Dank des Batillons für die freundlichen Gaben zum Ausdruck.

Bei der zweiten Tischgesellschaft der großen Teilnehmerzahl wegen mußte in zwei getrennten Kantinensälen gespeist werden übermittelte Haupt­mann Adam die Grüße des Bataillonskomman­deurs und des Bataillons und bat um die weitere enge Verbundenheit zwischen der Bevölkerung und den Soldaten, wie sie an diesem denkwürdigen Tage sich in so schöner Weise gezeigt habe.

Der gestrige 17. Oktober 1935, an dem das zweite Bataillon unseres Infanterie-Regiments sein neues Heim bezog, wird in der Geschichte der Stadt Gießen für alle Zeiten ein bedeutsamer Gedenktag bleiben. Mit dem Bataillon empfindet unsere Einwohnerschaft aufrichtige Freude über das schöne Werk, das hier als Stätte des Wirkens für Volk und Vaterland ge­schaffen wurde.

Besichtigung der Kaserne durch die Bevölkerung.

Wie der Bataillonskommandeur uns mitteilt, wird die neue Kaserne im Laufe des Monats November an einem Samstagnachmittag oder an einem Sonntag der Bevölkerung von Stadt und Land zur Besichtigung frei- gegeben werden. Wir möchten schon heute auf diese Möglichkeit, das schöne neue Heim unserer Soldaten kennenzulernen, besonders Hinweisen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Ich entrümpele!

Zu meiner Wohnung gehört auch ein Dachboden. Ich weiß nicht mehr, wann ich zuletztoben" war. Es muß wohl schon lange her sein. Aber kürzlich war unser Luftschutzhauswart bei mir, hat von der Entrümpelung des Bodens gesprochen und mir dringend ans Herz gelegt, mich um dieollen Kamellen" zu kümmern, die dort liegen. Und des­wegen bin ich gestern mit meinem Aeltesten hinauf- geklettert, um nach dem Rechten zu sehen. Kisten, Koffer und Kasten standen da herum, und erst kam

Als Auftakt für die Winterhilfsarbeit haben sich in diesem Jahr die Jungmädels verpflichtet, am 20. Oktober Kinderwäsche und Kinder­kleidung zu sammeln. Gebt reichlich und bereitet den Bedürftigen und den Samm­lerinnen durch eure Spende eine Freude!

ich mir einigermaßen hilflos vor. Hier hatte sich wirklich die Vergangenheit ein Stelldichein gegeben, und sie forderte ihren Tribut. Der alte verwitterte Koffer erinnerte mich an meine erste Reise zu den Großeltern vierzig Jahre sind darüber vergan­gen, den jetzt zerbrochen in der Ecke liegenden Lehnstuhl habe ich einst beim Großvater gesehen. Die Bleisoldaten und die Eisenbahn waren auch da, aber weil auch noch mein Aeltester mit ihnen gespielt hatte, war jetzt kein Staat mehr damit zu machen. Das schönste waren noch die zerkritzelten Bilderbücher, die stark gealterten Schulbücher und die in Hülle und Fülle vorhandenen Schreibhefte. Warum hat man das alles eigentlich aufgehoben, fragte ich mich, indem ich in den Kisten wühlte, blätterte und las. Eine befriedigende Antwort auf diese selbstgestellte Frage fand ich nicht. Alles, was man allenfalls für das Aufbewahren solcher im Grunde überflüssigen Sachen ins Feld führen konnte, waren schlechte Vorwände für eine alte Gewohnheit, die wir alle, ohne viel zu fragen, von den Vorfahren übernommen haben. Aber die Zeiten sind anders geworden, mit der Gartenlauben­romantik ist es vorbei. Das Leben ist härter, der Kampf schärfer geworden, und wenn heute im Zeichen des modernen Flugzeugs eine völkische Ge­meinschaft noch eine Zukunft haben will, muß sie ihre einzelnen Glieder mehr denn je dem Dienst an

der Allgemeinheit verpflichten. In der Tat: Die Entwicklung des Flugzeuges in der Zeit nach dem Weltkriege zwingt alle Volksgenossen, sich im Frie- den mit den Möglichkeiten des Selbstschutzes vor Luftangriffen vertraut zu machen. Jeder muß wissen, daß mit leicht entzündlichem Plunder ge­füllte Dachböden ein Paradies für Brandbomben und eine Riesengefahr für alle Bewohner des Hauses, übrigens nicht nur im Ernstfall, sind. Jeder muß mithelfen, diese Gefahren zu bannen und zu­nächst einmal an die Entrümpelung des Dachbodens Herangehen!

Sortwfhen.

Tageskalender für Freitag.

NSG.Kraft durch Freude": 20.30 bis 22 Uhr Fröhliche Gymnastik und Spiele im Lyzeum, Dammstraße; 20.30 bis 21.30 Uhr für Frauen und Männer und 21.30 bis 22.30 Uhr nur für Frauen Schwimmen im Volksbad: 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrDer Prinz von Homburg". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße: ,Königswalzer".

Stadttheater Gießen.

Heute, 20 Uhr, als 3. Vorstellung im Freitag- Abonnement derPrinz von Homburg" von Heinrich von ftleift. Spielleitung: Intendant Schultze- Griesheim. Ende 22.30 Uhr.

Die Intendanz des Stadttheaters macht darauf aufmerksam, daß diese Aufführung des Kleistschen SchauspielsDer Prinz von Homburg", das in der Neuinszenierung mit großem Erfolg die neue Spiel­zeit einleitete, die letzte öffentliche Vorstellung dieses heroischen Dramas ist.

Deutsche Skenographenschaft, Ortsgruppe Gießen.

Morgen, Samstag, 19. Oktober, im Hotel Hinden­burg, Bunter Abend. (Siehe heutige Anzeige!)

Gportantt »Kraft durch Freude".

heute folgende Kurse:

All gemeine Körperschule für Frauen und Männer von 20.30 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.

Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen) von 20.30 bis 21.30 Uhr, L-ollar, Kantinengebäude der Firma Buderus.

Schwimmen von 20.30 bis 21.30, Volksbad, für Frauen und Männer; von 21.30 bis 22.30 Uhr, Volksbad, nur für Frauen.

Reiten von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs. Hinein in die SportkurseKraft durch Freude "I

MiWlnMioöM

Vornan von Anny von panhuys

Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

20 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Die Kapelle begann zu spielen. Die Melodien vieler der Rheinlieder des alten Musikers reihten sich aneinander zu einer klingenden, buntschimmern- Den Perlenschnur und alles lauschte wie gebannt. Man schwieg, als säße man im Konzert. Und die Melodien drangen ins Herz, machten den Sinn froh und heiter, brachten Augen zum Glänzen und Lippen zu heiterem Lächeln. Die Kapelle war aus- gezeichnet, rasender Beifall brach los, als der letzte Ton verklungen.

Gleich darauf kam der junge Kapellmeister durch den Saal auf den Tisch in der Ecke zu und sich vor Wilderling tief verneigend, sagte er:Im Namen aller hier, die eben Ihre prächtigen, zündenden Rheinlieder gehört, möchte ich Ihnen danken für das herrliche Geschenk Ihrer Lieder. Auch ich danke Ihnen sehr, ich werde niemals den heutigen Abend vergessen, an dem mir das Glück zuteil wurde, vor Ihnen zu spielen, was bald ganz Berlin, nein, ganz Deutschland spielen wird." Er ergriff spontan das gefüllte Glas, das ihm am nächsten stand, und sich halb dem Saale zuwendend, rief er laut:Ein dreifaches Hoch dem großen Meister Wilderling und ein dreifaches Hoch seiner Loreley!"

Wie viele Gläser sich da erhoben bei dem drei­fachen Hochruf, wie viele Gläser danach geleert wurden bis zur Nagelprobe, wer weiß es.

Konrad Wilderling neigte den Kopf, feine dicken Graulocken strudelten durcheinander. Er sagte laut: Ich danke Ihnen allen!" Er lächelte:Und meine Loreley dankt Ihnen auch."

Der Kapellmeister entfernte sich nach tiefer Ver­beugung, und Konrad Wilderling, der sich erhoben hatte, setzte sich wieder, meinte leise:Das eben hat mir sehr wohl getan. Ich werde die Erinnerung daran wie etwas Wunderschönes mit heimnehmen in unser liebes altes Städtchen am Rhein." Er sah alle der Reihe nach an.Wissen Sie, wie mir jetzt zumute ist? Stolz war ich noch eben und glücklich, oas heißt, traurig und mißgestimmt bin ich auch jetzt noch nicht, aber Heimweh spüre ich mit einem Male, Heimweh nach dem Rhein. Ich freue mich, ihn schon in wenigen Tagen wiederzusehen und zu Hause zu sein." Er griff nach seinem Glase:Auf unseren

geliebten Rhein wollen wir trinken, auf Deutsch­lands Stolz!"

Man saß nicht mehr lange beisammen, und als man aufstand und Wilderling neben Bettina dem Ausgang zuschritt, hörten sie überall raunen und flüstern: Loreley!

Wie ein Kosename, wie eine Auszeichnung, glitt das Wort in Bettinas Ohr, das der junge Kapell­meister vorhin laut ausgesprochen.

Für den nächsten Tag lud Gräfin Jutta den alten Musiker und Bettina zu Tisch in ihre Pen­sion, am Morgen danach wollten dann beide ab­reisen. Nach Hause! Die Künstlerfahrt hatte die Rheinlieder bekanntgemacht, die Künstlerfahrt war nun zu Ende.

Als man sich draußen befand, nannte Gretel die Freundin lachend: Loreley! und Dr. Diendorf dachte: Ungefähr so, wie Bettina Hochwald aussah, stellte er sich die Loreley vor, wenn sie sich verkörpert zeigen könnte.

Er verabschiedete sich draußen sofort, bestieg eine Taxe und fuhr heim. Er überfann den Verlauf des Abends. Am meisten dachte er an die kleine Kom­tesse, es lag so ein eigener Reiz um das zierliche Persönchen. Etwas Kindliches und Schelmisches. Auch sie war ein Rheinlandmädel wie Bettina Hoch­wald und wenn sich beide auch nicht ähnelten, hat­ten sie doch etwas Gemeinsames. Ein guter Men­schenschlag lebte am Rhein, die blonden Frauen waren so überaus liebenswert.

Er schrak zusammen. Liebenswerte Frauen gab es für ihn nicht mehr. Nur seine Mutter ließ er gelten. Wenn eine so feige zu lügen verstand wie es Wally Wald verstanden, verlor man mit dem Glauben an sie zugleich den Glauben an alle die schönen jungen Geschöpfe dann wurde man hart und mißtrauisch gegen sie, wenn sie auch wohl noch lo liebenswert schienen.

Er dachte mit spöttischem Lächeln daran, daß er vorhin, als ihm die kleine Komtesse von ihrem toten Hund erzählt, vorgehabt hatte, ihr einen Hund ähnlichen Aussehens zu schenken. Jetzt erschien ihm die Idee albern und kindisch.

Er hatte nicht weit zu fahren und betrat leise die Wohnung, ging leise in sein Schlafzimmer. Er glaubte, seine Mutter schliefe bereits, Doch schon klopfte es an die Tür und seine Mutter trat ein.

Sie lächelte ihm entgegen. Sie war ja so froh, daß sich ihr Sohn heute zu dem Konzertbesuch ent­schlossen. Er war sa nirgends mehr hingegangen, seit Wally gestorben, das aber war nur schon über ein halbes Jahr her. Und die Rheinreise war ihm auch nicht bekommen, in sehr gedrückter Stimmung war er davon heimgekehrt.

Sie fragte:Nun, wie war es, Gerhard, und hast du Konrad Wilderling sprechen können?"

Sie ließ sich auf einen nahen Stuhl nieder und blickte den Sohn erwartungsvoll an.

Gerhard Diendorf erzählte, und so erfuhr sie von ihm, daß er auch mit Bettina Hochwald, der Sänge­rin der Wilderlingschen Lieder, zusammengewesen, die ihm in der kleinen rheinischen Stadt, im Gold- schmiedeläochen ihres Vaters, den Amethystanhänger verkauft, den er ihr, der Mutter, mitgebracht.

Weiter erwähnte er fein Wort. Keine Silbe durfte die Mutter erfahren von der Geschichte mit dem Bild im Silberrahmen und dem, was damit Fusammenhing, sonst zertrümmerte das gute An­denken, das feine Mutter Wally bewahrte und be­wahren sollte. Nicht, weil Wally es verdiente, son­dern weil er der armen Mutter einen unendlich großen Schmerz ersparen wollte.

Nur deshalb schwieg er nur deshalb.

Er bestellte ihr die Grüße des Detters und daß der morgen kommen würde ihr ,Guten lag* zu sagen. Daß er sie beide gern zum Konzert einge­laden hätte, aber überzeugt gewesen wäre, man würde, der Trauer wegen, das Konzert doch nicht besuchen. Er erzählte auch von dem großartigen Erfolg der Rheinlieder und dem Beisammensein im Weinrestaurant.

Zum Mittagessen sind Onkel Konrad und Fräu­lein Hochwald bei der Gräfin Syden eingeladen", berichtete er,ich bat beide, zum Kaffee zu uns zu kommen, gegen fünf Uhr." Er sah die Mutter an. Ich dachte, es würde dir recht fein. Weißt du, die Sängerin mußte ich miteinladen, ich glaube näm­lich, unterwegs auf der Reise macht Onkel keinen Schritt ohne feine Schülerin."

Seine Augen leuchteten auf.Singen kann das Mädel, fingen! Wenn die wollte, würde sie rasend viel Geld verdienen!"

Die Mutter fragte:Wie sind denn die gräflichen Damen, sind sie nett?"

Er nickte.Ja, sehr nett und liebenswürdig. Die Komtesse ist schon von der Schule her mit Bettina Hochwald eng befreundet."

Sie lächelte:Ich freue mich, daß du endlich einmal aus anderem Grunde draußen warst als nur deiner Kranken wegen. Bist noch zu jung, um dich so von der Welt abzuschließen, dein Leben soll noch lang und schön sein, wünsche ich. Und jetzt: Gute Nacht, mein lieber Junge."

Sie reichten sich die Hände und er zog die Hand der Mutter an seine Lippen, sagte innig:Du bist die liebste, gütigste Frau der Welt."

Ich danke dir, Gerhard, für etwas, was eigent­lich selbstverständlich sein sollte und es doch leider

Polizeistundenverlängerung in der Weinwerbewoche.

Dom VDA., Landesverband Hessen, Bezirk Giz ßen, wird uns geschrieben:

Mit dem Herbst ist auch der uns vom vorige, Winter her gut bekannte Gast aus der deutsch« Sprachinsel G o 11 s ch e e wieder eingetroffen. W« im Vorjahr, wird dieser Volksgenosse allabendlij mit feinem Korb voll Süßigkeiten die ©aftftättei besuchen, wo man ihn und seinen Nummernbeutt

daher den Gottscheer, der um der Erhaltung seine, Bodens willen im Winter als Hausierer arbeitet, freundlich auf wie im Vorjahr. Wir beweisen (j

mit der es stets eng verbunden war, Abschied. Fi alle Zukunft wird den Gießener Teutonen die e hebende Erinnerung bleiben an schöne, für il ganzes Leben wertvolle Gießener Zeiten.

Für das aktive Corps: A. Gros.

Für die Altherrenschaft: Dr. L. Heß.

Oie Gottscheer sind wieder da!

Die Polizeidirektton Gießen teilt mit: Aus Anlaß der diesjährigen Weinwerbewoche wird die Polizei

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schon erwartet, um angrab ober ungrab" antief' o®in usw. fein Glück zu versuchen. fiM)2t

Im Zusammenhang mit der Weinwerbewoch, werben zu verschiedenen Tagesstunden Proben bei Patenweins aus Oppenheim am Rhein an drei Der schiedenen Plätzen in Gießen ausgegeben, und zwei am Selterstor, am Rathaus und im romantijf Schloßhof des Alten Schlosses. Im Schloßhof-Au , schank bietet sich außerdem die Gelegenheit zur Bel . _ sichtigung des Heidenturmes. Auf die heutige An zeige zur Weinwerbewoche fei aufmerksam gemacht.^- rti

Corps Lemonia aufgelöst.

Das Corps Teutonia hat nach über 96 Jahrei ehrenvollen Bestehens feine Fahne eingezoge, Wenn auch keiner der von verschiedenen Seiten gegen das Corpsstudententum erhobenen Vorwürs auf Teutonia zutraf, mußte doch das ganze (9t schehen der letzten Zeit zu seiner Auflösung führen Namentlich durften die der SA. angehörenben dorps brüber nicht vor die Entscheidung gestellt werden zwischen SA. und Corps zu wählen. Wenn nun mehr die grünrotgoldenen Farben aus dem Straßen bild verschwinden, so nimmt das Corps Teutoch von der Universität und der Bevölkerung Gießen^

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stunde für den Bezirk der Stabt Gießen am Sams tag, 19., Sonntag, 20., unb Samstag, 26. Oktober allgemein gebührenfrei bis 4 Uhr verlängert. SjLftrc

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Die Verhältnisse in der deutschen Spradjinftl m ö0 Gottschee sind nicht leichter geworden. Nehmen nie] chfen - iti koste (M

praktisch die über alle staatlichen Grenzen reichende Volksgemeinschaft der Deutschen, in der der Gotl- scheer Volksgenosse ein treues, schwer ringend» Glied ist.

Wir bitten besonders die Gastwirte, dem Gottscheer Hausierer seine Arbeit in ihren Lokalen zu geftatien unb sie ihm so weit wie möglich zu erleichtern. Der Gottscheer wird sich stets durch seine blaue Karte aus- weisen. Sollten sich irgendwie Schwierigkeiten er­geben, so wende man sich schriftlich an die Geschäfts- stelle des VDA., Gießen, Schillerschule.

Hausschlachtvngen nicht kontingentier! oder verboten.

Der Schlachtviehoerwertungsverband Hessen-Ros' sau teilt mit: Hiermit bringen wir der Öffentlichkeit zur Kenntnis, daß alle Gerüchte, auf (Brunb bere: die Hausschlachtungen der Erzeuger fontingentiei ober verboten mürben, unzutreffend sind.

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nicht ist. Alle Mütter sollten für ihre Söhne dl liebsten, gütigsten Frauen der Welt fein bis übt das Grab hinaus. Daß es nicht fo ist, dar« tragen oft die Mütter, aber oft auch die Söhne di Schuld. Bei vielen Männern wird die Liebe zia Mutter matt und matter, wenn sie heiraten um die Liebe zur Lebensgefährtin ist doch eine gam andere Liebe, als die zur Mutter. Aber es gibt viele kleine Herzen, barin ist nicht Raum genug m die Liebe $ur Mutter unb Frau zusammen." eil lächelte glücklich.Die Gefahr, von dir einrntj weniger geliebt zu werden, die bestand nicht um besteht nicht. Gott sei Dank! Schön ist bas, reii bin ich, denn ich weiß und ich bebaure sie sehr, fl gibt so viele bettelarme Mütter."

Sie entfernte sich fo leise wie sie gekommen um Gerharb Diendorf blickte ihr nach unb dachte, wil gut, daß diese so durch unb durch mütterliche Frou! nichts wußte von dem Brief, den er in Wallys Köfferchen gefunden.

Er blickte auf eine Stelle der Wand, eine klein! Landschaft hing da. Vorher hatte dort ein M Wallys gehangen. Er wünschte eines Tages, do Bilb. sollte abgenommen werden und die Mutti hatte sofort eingewilliat in dem Glauben, er wollt durch ben Anblick der Bilder nicht immer wieder 0 seinen Verlust erinnert werden. Sie ahnte nicht, bl er fürchtete, fein Zorn könne ihn einmal über mannen, so daß er die Bilder gewaltsam von bl Wand riß.

Er seufzte unb plötzlich mußte er lächeln. In D danken sah er die kleine Komtesse vor sich. <9 schaute ihn mit so warmem Blick an, und er fall Ob Gretel Syden auch solcher Falschheit fähig wesen wäre, wie Wally Wald? Er konnte sich bi nicht vorstellen.

Aber hätte er es sich von Wally vorstellen ko nen, vorher ehe er den Brief gelesen. Niemal Er machte eine Handbewegung, als verscheui er ein zudringliches Infekt, denn wie zudringlii böse Insekten waren die Gedanken an Wally. Lieb wollte er an die kleine Komtesse denken, und nahm sich vor, sie nicht zu enttäuschen. Er wollt sie in der Pension besuchen unb sich das Bild oo Tyras anschauen. Wie ein Kind erschien ihm ba zierliche Madel, dem man gern einen Gefallen * weist.

Er ging zur Ruhe unb als dqr Schlaf ins Zimmi trat, brachte er ein paar non den rheinischen ffieW des alten Wilderling mit, sie wurden zu SchlM meriiebern unb fangen Gerhard Dienborf ein. |

(Fortsetzung folgt!)

** I n den Ruhe st and versetzt. Der Oben regierungsrat und Vortragende Rat bei der Ober rechnungskarnmer in Darmstadt Dr. August Heß der lange Jahre als Oberregierungsrat am Kreis amt Gießen tätig war, wurde auf feinen Antroi mit Wirkung vom 1. November ab in ben Ruht stand versetzt.

** Ei n Dreiundachtzigjähriger. Dr hiesige Schneidermeister Konrad Oehler, Neu stabt 8, kann am morgigen Samstag, 19. Oktober seinen 83. Geburtstag feiern. Der hochbetagte Marn ist feit 50 Jahren treuer Lefer desGießener 2In Zeigers".

** SterbefäHe in Gießen. Es verstarb« in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. Oktober: I