Ausgabe 
18.10.1935
 
Einzelbild herunterladen

Aus aller Welt.

Der Sinn der Kabineiisumbildung.

Oie Stellung Schuschniggs und Starhembergs gestärkt.

der Wehrmacht und der freiwilligen Miliz zu gewährleisten. Ferner wird die Vereinheit­lichung der in einer Arbeitsgemeinschaft bereits erfaßten Jugendorganisationen als Staatsjugend unter vollkommener Wah­rung bestehender Rechte der einzelnen Verbände, insbesondere unter Berücksichtigung der im Konkordat vereinbarten Grundsätze durchgeführt.

Ein Ausruf StarhembergS.

Der Vizekanzler fordert Disziplin des Heimatschutzes.

Wien, 18. Okt. (DNB.) Im Rundfunk wurde ein Aufruf des Vizekanzlers Starhemberg verbreitet. Darin wird erklärt, daß dem neuen ver­einheitlichten Wehrverband der Heimatschutz, die Ostmärkischen Sturmscharen, die christlich-deutschen

Eine Reihe deutscher Industriezweige und Aktien­gesellschaften hat in der letzten Woche wieder Be- richte veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß Be­schäftigung und Ertragsfähigkeit der deutschen Wirt­schaft unverändert im An st eigen sind, und daß sich auch das Auslandgeschäft meist befriedigend ent­wickelt. So hat z. B. die Maschinenfabrik Augsburg - Nürnberg einen Jahresabschluß veröffentlicht, der einen Reingewinn von 1,32 Millionen Mark aufweist. Aus diesem Gewinn kann nicht nur der aus dem Vorjahr verbliebene Derlust- vortrag abgedeckt, sondern auch zum ersten Male wieder eine Iprozentige Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Der Auftragsbestand dieser großen Maschinenfabrik hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 50 v. H. erhöht, und auch die Ausfuhr hochwertiger Maschinen nahm erheblich zu. Ferner haben die Klöcknerwerke und ihre Tochter­gesellschaft, die Humboldt - Deutzmotoren­werke, ihre Dividende von 2,5 auf 3 v. H. her­aufgesetzt. Auch bei diesem Konzern haben sich Ab­satz und Reingewinn bedeutend gebessert. Der Absatz von Lastkraftwagen hat im Monat August eine weitere Steigerung erfahren, ebenso in noch höherem Maße der von Zugmaschinen. Die Nietenindustrie meldet eine starke Zu­nahme ihres Auslandgeschäfts. Bei der Adam Opel - AG. ist eine Exportsteigerung um 35 v. H. gegenüber dem Vorjahr festgestellt worden. Die ar­beitstägliche Wagen stellung der Reichs­bahn'für den Ruhrbergbau war im Sep­tember um 13,3 v. H. höher als im vergangenen Monat. *

Die italienische Po st Verwaltung hat den Post Überweisungsverkehr mit den fremden Postoerwaltungen eingestellt und ge­beten auch den Verkehr nach Italien einzustellen. Postüberweisungen nach Italien werden daher vom 18 Oktober ab nicht mehr ausgefuhrt, dagegen werben Postanweisungen noch Italien weiterhin angenommen.

Wien, 17. Okt. (DNB.) In politischen Kreisen er­blickt man in der Umbildung der Regierung eine Stärkung des Kurses Starhembergs und zugleich eine Zurückdrängung des Wiener Heimwehrflügels. Bemerkenswert ist die Ausschaltung des bisherigen Landwirtschafts­ministers R e i t h e r , der als Bauernführer die Po­litik Starhembergs und auch die der Heimwehren angegriffen hatte. Die Bedeutung des Erfolges des Heimatschutzes bei der Regierungsumbildung wird darin gesehen, daß die neuen M i n i st e r mit Ausnahme des Generalprokurators Dr. Winterstein als Heimwehrmänner gelten können. Der neue Finanzminister Dr. D r a x l e r gilt als Ver­trauensmann des Fürsten Starhem­berg. Seine Kanzlei vertritt auch die Interessen des Hauses Habsburg bei den Vermögensverhand­lungen mit dem Staat. Als ein Beweis für die starke Ausschaltung des christlich - sozialen Elements wird auch der Umstand angesehen, daß der langjährige Finanzminister und frühere Landes­hauptmann von Niederösterreich Dr. Karl B u r e s ch Minister ohne Portefeuille geworden ist. Der neue Landwirtschaftsminister Ingenieur Strobl, Präsi­dent der steierischen Landwirtschaftskammer, hat als Freund des verstorbenen Bundeskanzlers Dr. Doll­fuß gegolten. Man sagt ihm nach, daß er, ohne ausgesprochener Heimatschützler zu sein, stark mit den Heimatschutz sympathisiere. Das gleiche gilt von dem Bundesminister für soziale Verwaltung, dem Grazer Universitätsprofessor Debretsberger. Der neue Innenminister Ed. Baar-Baren- f e l s , bisher Landeshauptmann von Niederöster­reich und als Landesleiter der Niederösterreichischen Heimwehr, steht im Rufe eines treu ergebenen Anhängers Starhembergs. Der ausge­schiedene Staatssekretär für den gesetzlichen Schutz der Arbeiter Großauer, der dem Kunschak-Kreis angehörte, wurde durch einen Mann des Heimat­schutzes, den bisherigen Obmann der Metallarbeiter­gewerkschaft Theodor Z n i d a r i c, ersetzt. Der neue Justizminister Dr. W i n t e r st e i n gilt als der Vertrauensmann des Bundeskanz­ler s Dr. S ch u s ch n i g g.

Die persönliche Stellung Schuschniggs ist durch die Kabinettsumbildung nicht angetastet, im Gegen­teil, man glaubt sogar an eine Stärkung seiner Stellung, wie überhaupt alle diejenigen Richtungen und Männer, die nicht bedingungslos hinter

Schuschnigg und Starhemberg standen, aus dem Kabinett schieben. Der Sozialminister Neustäd­ter-Stürmer, der die Durchführung des Ständestaates geleitet hat, gehört ebenfalls nicht mehr dem neuen Kabinett an. Er war Heimat­schützer, doch soll er Meinungsverschiedenheiten mit Starhemberg gehabt haben. Ferner gehören dem Kabinett nicht mehr an der Staatssekretär der Justiz K a r w i n s k y und der Staatssekretär für das Sicherheitswesen Hammer st ein-Equord. Beide waren Beamte.

Den Heimwehrerfolg glaubt man aber besonders deutlich aus dem Umstande herauszulesen, daß das neue vereinheitlichte SchutzkorpsFreiwillige Miliz Oesterreichischer Heimat- schütz" heißen wird. Der Name der Ostmärkischen Sturmscharen und des Freiheitsbundes wird daher in den Schutzkorpsoerbänden verschwinden. Unklar ist noch, ob die Reserveformationen und die zivilen Organisationen det Ostmärkischen Sturmscharen und des Freiheitsbundes ihre Namen weiter behalten werden. Denn das Schutzkorps umfaßt ja nur die aktiven, ständig im Dienst stehenden Milizmänner, während es außerhalb dieses Schutzkorps noch die große Zahl jener Wehrverbandsmitglieder gibt, die nur gelegentlich in Aktion treten und sonst ihren bürgerlichen Berufen nachgehen.

In Wien herrscht völlige Ruhe. Gerüchte über eine Zusammenziehung der niederösterreichi­schen Heimwehr an der Grenze Wiens und über die Alarmierung der Wiener Heimwehr werden von zuständiger' Stelle als unrichtig bezeichnet. Die öffentlichen Gebäude wurden in verstärktem Maße gesichert. Die Kabinettsumbildung soll durch eine Kundgebung für Minister F e y beschleunigt worden sein. Fey erklärte Pressevertretern, daß ihn die Er- eignisse überrascht hätten.Ern Aenderung des Kurses werde nicht eintreten. Fey hat einen Landesbefehl an die Wiener Heimwehr erlassen, in dem es heißt. Ich befehle, daß sämtliche Kameraden und Truppen des Wiener Heimatschutzes vollkommene Ruhe und Diszplin zu halten haben, sich durch keinerlei Vorgänge, Gerüchte oder Agitationen zu Eigenmächtigkeiten und Disziplinlosigkeiten verlei­ten lassen. Kameraden! Ihr habt mir gestern eure Liebe und Treue gezeigt, und ich erwarte dafür von euch, daß ihr obigem Befehl restlos Folge leisten werdet.

Internationale Automobil-Ausstellung in London.

Die 29. Internationale Automobil- Ausstellung wurde in der Olympiahalle in Lon­don durch den Prinzen von Wales eröffnet. Unter den 54 Ausstellern, deren Motore durchweg beredtes Zeugnis von dem hohen Stand der heutigen Kraft­wagenindustrie ablegen, befinden sich mehrere deutsche Firmen von internationalem Ruf. Schon bald nach Eröffnung der Ausstellung waren die Stände von Adler,Autounion und Mer­cedes-Benz von Interessenten umlagert. Der Prinz von Wales verweilte bei seinem Rundgang längere Zeit an den Ständen der deutschen Firmen, wobei besonders ein Horch-Wagen und der 5-Liter- Mercedes mit Kompressor seine Aufmerksamkeit aus sich zogen. Er ließ sich durch das. Personal über die Eigenschaften der verschiedenen Wagen unterrichten und bemerkte, daß er sich schon auf der Pariser Aus­stellung deutsche Erzeugnisse angesehen habe.

Der Auto-Berichterstatter derEveninq News" schreibt gleichfalls, daß dem Prinzen von Wales un­ter den ausländischen Wagen die deutsche Gruppe am meisten interessiert habe, deren wet­terfeste Karosserien auf dem Festlande sehr beliebt seien. Ein die gegenwärtige außenpolitische Lage kennzeichnender Umstand ist, daß der für die ita­lienische Firma Fiat reservierte Stand zur Zeit noch unbesetzt ist.

Die Reichsbahnzentrale fürdendeut- schen Fremdenverkehr ist bei der dies­jährigen Autoausstellung mit einem 13 Meter lan­gen Stand vertreten, auf dem eine wirkungsvolle Karte das Straßennetz der Reichsautobahnen in den einzelnen Bauabschnitten darstellt. Der deutsche Teil der Ausstellung wird ergänzt durch die Ehrentafel der deutschen Rennwagen- und Mo­torradsiege im Jahre 1935. Die in Silberrahmen gehaltenen Tafeln sind von Mercedes-Benz, Auto- Union und BMW. zur Verfügung gestellt.

Am Tage vor der Eröffnung der Ausstellung hatte Mercedes-Benz zu einer Vorschau Einladun­gen ergehen lassen, denen besonders von englischer Seite zghlreich Folge geleistet worden war. In einer Ansprache hatte Direktor Merlin (Stuttgart) auf den Reiseverkehr als völkerverbindendes Mittel hingewiesen und hatte seiner Freude über den großen Besuch von Engländern in Deutschland wäh­rend dieses Jahres Ausdruck gegeben. Mit Inter­esse waren die Gäste hierauf den Schilderungen des deutschen Meisterfahrers Carracciola gefolgt. Carracciola hofft, im nächsten Jahr auch in Eng­land auf einem Rennen seine Fahrkunst beweisen zu können. Diese Ankündigung war mit großem Beifall ausgenommen worden.

Dr. Goebbels zur Duchwoche an die HI.

Der Reichsminister für Dolksaufklärung und Pro­paganda, Pg. Dr. Goebbels, stellte aus Anlaß der B u ch w o ch e der Hitlerjugend folgende Worte zur Verfügung:

Es ist unsere Hoffnung und unser Glaube, daß aus der in der Hitlerjugend zusammengefaßten jungen Generation dereinst die Schöpferkräfte er­wachsen, die dem Nationalsozialismus auf dem Gebiete der Kunst und Literatur seine plastische Ausdrucksform verleihen. Dieser Aufgabe dient auch die Presse der Hitlerjugend, wenn sie sich in diesen Tagen mit ganzer. Kraft für das Gelingen der dritten deutschen Buchwoche einsetzt.

Gez.: Dr. Goebbels.

Starke Preissteigerungen für Molkereierzeugniffe in Holland.

Die bereits seit einiger Zeit deutlich zu verzeich­nende Neigung zu starken Preis st eigerungen für Butter und Molkereierzeugnisse in Holland hat sich in den letzten Tagen wesentlich ver­stärkt. Auf dem größten holländischen Vuttermarkt in Leeuwarden stieg am Donnerstag der Großhan- delsnettopreis um 6 Cents auf 71 Cents. Die Preisnotierungen für Edamer Käse haben in den letzten Tagen sogar um 25 v. H. angezogen.

Zeitweise Außerbetriebsetzung des Großsenders Mühlacker.

Der Großrundfunksender Mühlacker wird wegen dringender Ueberholungsarbeiten am Funk­turm vom 21. Oktober ab auf etwa drei bis vier Wochen wochentäglich bis 16 Uhr außer Be­trieb gesetzt. An seiner Stelle versieht der Rund­funksender Stuttgart-Degerloch auf der gleichen Welle den Sendebetrieb wochentäglich bis 16 Uhr. Nach einer Mitteilung der Reichspostdirektion Düsseldorf ist der Rundfunksender Langenberg seit dem 17. Oktober früh 5.55 Uhr mit verstärkter Sendeleistung von 17 Kilowatt in Betrieb.

Vatermörder zum Tode verurteilt.

Das Dresdener Schwurgericht verurteilte den 42- jährigen Willibald Caspar aus Pirna-Popitz wegen M o r d e-s zum Tode und dauerndem Ver­lust der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Angeklagte hatte am 19. März seinen in Arnsdorf lebenden 70jährigen Vater im Laufe einer Auseinander­setzung mit einem Eisenstab niedergeschlagen. An den Folgen der schweren Verletzungen war der Vater neun Tage später gestorben. Der Angeklagte, der ein liederliches Leben führte, beging die Tat, da sein Vater ihn nicht weiter mit Geld unter­stützen wollte. Der Vater war wiederholt für die Schulden seines Sohnes ou^etommen.

Turner, der Freiheitsbund und die Burgenländischen Bundesschützen angehören werden. Dann heißt es weiter:Ich bin fest entschlossen, die Bedeutung des österreichischen Heimatschutzes im politischen Leben Oesterreichs zu erhalten und zu beweisen, daß der österreichische Heimatschutz seiner neuen Auf­gaben würdig ist. Ich werde daher rücksichtslos gegen jeden einzelnen, wenn es notwendig ist auch gegen jede Gruppe oorgehen, die durch unoerant- 'wortlichen demagogischen Radikalismus wie durch Disziplinlosigkeit die Schlaasertigkeit des Heimat­schutzes bedroht. Die politische Richtung bestimme ich. Ebenso liegt es an mir, das Marschtempo zu bestimmen, mit dem wir uns unserem Ziele, der Erreichung des christlichen Stände- st a a t e s, nähern. Undisziplinierte, Kleingläubige und Querulanten und solche, die nur an eigenen Vorteil denken oder ihrer persönlichen Eitelkeit dienen wollen, mögen rechtzeitig ausscheiden.

Wien, 17. Okt. (DNB.) Amtlich wird u. a. mitgeteilt: Bundeskanzler Dr. S ch u s ch n i g a hat dem Bundespräsidenten Miklas einen Vorschlag unterbreitet, sämtliche Mitglieder seiner Regierung zu entlassen. Gleichzeitig gab der Bundeskanzler dem Bundespräsidenten seine Demission. Der Bun­despräsident gab dem Vorschlag hinsichtlich der Ent­lassung der Regierungsmitglieder statt, nahm jedoch das Ersuchen des Bundeskanzlers um seine Ent­hebung vom Amte nicht zur Kenntnis, sondern er- uchte ihn, ihm unverzüglich Vorschläge hinsichtlich )er neuen Zusammensetzung der Regie­rung zu erstatten. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg kam diesem Auftrag des Bundespräsidenten nach und erstattete seine Vorschläge, die vom Bundes­präsidenten genehmigt wurden.

Im Kabinett wird somit Bundeskanzler Dr. Schuschnigg die Ressorts Bundeskanzler­amt, Landesverteidigung und Unterricht führen. Außerdem wurden folgende Persönlichkeiten zu Mitgliedern der Bundesregierung ernannt: Ernst Rüdiger Starhemberg. Vizekanzler; Egon Verger-Waldenegg, Auswärtige Angelegenheiten; Eduard Baar-Baren- s e l s, innere Verwaltung und Sicherheits­wesen; Universitätsprosessor Dr. Debrets- berger, soziale Verwaltung; Staatsrat Rechtsanwalt Dr. Draxler, Finanzen; Fritz S t o ck i n g e r, handel und Verkehr: General­prokurator Dr. Vinterstein, Justiz; Inge­nieur Strobl, Land- und Forstwirtschaft; Dr. Karl B u r e s ch, Vundesminisler ohne Porte­feuille (Verwaltung gemeinsamer wirtschaftlicher

Angelegenheiten).

Ferner wurden zu Staatssekretären be­stellt: Sektionschef Dr. Hans Pertner (Unter­richt), General der Infanterie Wilhelm Zehmer (Landesverteidigung), Theodor Znidaric, bis­heriger Obmann der Metallarbeitergewerkschaft (so­ziale Verwaltung für den gesetzlichen Schutz der Arbeiter und Angestellten). Ein Staatssekretär für die Behandlung der Angelegenheiten der Berg­bauernschaften wird aus dem Bauernstände bestellt.

Die Angelegenheiten des Generalstaatskommissars für Bekämpfung staats- und regierungsfeindlicher Bestrebungen in der Privatwirtschaft wurden mit dem Bundeskanzleramt Inneres vereint.

Zu gleicher Zeit wird die Vereinheit- lichungder Wehrverbände in der vom Bundesführer der Vaterländischen Front und Führer der Wehrfront Ernst Rüdiger Star­hemberg im Einvernehmen mit Bundeskanz­ler Dr. Schuschnigg bereits vor einiger Zeit angekündigten Form durchgeführk. Der neue ge­meinsame Dehrverband führt die Bezeichnung ,,F r e i w l l l i g e M i l i z O e st e r r e i ch i - scher heimatschutz" und wird der einzige Träger der Freiwilligen Wehrbewegung in Oesterreich sein. Um die zweckmäßige Ausbil­dung und Vereinheitlichung der ge­samten Wehrkräfte des Volkes zu ermöglichen, wird für eine enge und siete Füh­lungnahme zwischen Wehrmacht und Miliz vorgesorgt sein. Der Bundeskanz­ler und Bundesminisier für Landesverteidigung Dr. Schuschnigg hat dem Vizekanzler und Füh­rer der Wehrfront Starhemberg die Vollmach­ten elngeräumt, die erforderlich sind, um die zweckmäßige und reibungslose Zusammenarbeit

Llmöildung des österreichischen Kabinetts.

Vereinheitlichung her Wehrverbände und Zusammenfassung her Jugendorganisationen

Wie sieht es in der Wirtschaft aus? Die deutsche Außenhandelsbilanz für den Monat September schließt wieder mit einem Ausfuhrüberschuß von 55 Millionen Mark ab. Das bedeutet gegenüber dem Vormonat eine weitere Erhöhung des Ueberschusfes um 5 Millionen Mark. Um den gleichen Betrag ist die deutsche Ausfuhr gestiegen, während die Einfuhr ungefähr auf dem Stande des Vormonats stabil blieb. Sowohl inner­halb der Ausfuhr wie der Einfuhr sind Verlage­rungen eingetreten, die aber zum großen Teil jah­reszeitlich begründet sind. So hat z. B. die Aus­fuhr deutscher Textilfertigwaren um 4,1 Millionen Mark, die von Wasserfahrzeugen um 3,6 Millionen Mark und die von Kinderspielzeug um 1,5 Millio­nen Mark zugenommen. Dafür hat sich der Export von Eifenerzeugnissen, Maschinen und Chemikalien entsprechend vermindert. Die Steigerung der deut­schen Ausfuhr entfällt diesmal ausschließlich auf die Gruppe der Rohstoffe. Insbesondere hat sich der Export von Steinkohle und Koks um je 1,9 Millionen Mark erhöht. Was die Aus­fuhrländer anbetrifft, so haben mehrere euro­päische Länder (so z. B. Belgien, Dänemark, England und Italien) mehr deutsche Waren bezogen. Dafür hat sich jedoch der Absatz deut­scher Waren nach Frankreich und den meisten überseeischen Ländern (auch nach den Per- einigten Staaten) vermindert. Innerhalb der Einfuhr sind ebenfalls Veränderungen erkenn­bar, die den Bedarfsverschiebungen Deutschlands entsprechen. So ist aus den bekannten Gründen die Einfuhr von Butter, Fleisch, Schmalz und Eiern gesteigert worden. Dagegen hat die von Küchen­gewächsen, Holz, Baumwolle und Flachs erheblich abgenommen. In erhöhten Mengen sind ferner Mineralöle, Eisenerze, Zinn und Thomasphosphat- mehl eingeführt worden. Die Septemberbilanz kann, wenn auch der Ausfuhrüberschuß noch etwas er­höht werden konnte, indessen nicht darüber Hinweg­täuschen, daß die Aktivierung der Außenhandels­bilanz leider noch nicht das für die notwendigen Zahlungen anzustrebende Ausmaß erreicht hat.

Elf Tote, siebzig Verletzte bei einem Zugunglück in Rio de Janeiro.

In einer Dorortstation bei Rio de Janeiro raste ein Erpreßzug auf einen dort haltenden Personen­zug. Sei dem Zusammen st wurden dib drei letzten Wagen des Personenzuges, der mit heim­kehrenden Arbeitern voll besetzt war, vollkommen eingedrückt, elf Arbeiter wurden getötet und über 7 0 verletzt. Die Ursache des Unglücks soll eine Nichtbeobachtung des Haltesignals gewesen sein. Das empörte Publikum zerstörte die Einrichtung der Bahnstation völlig.

Straßenbahnunfall in Berlin.

Ein Straßenbahnunfall ereignete sich in Berlin-Lichtenberg. Dort stießen aus bisher noch nicht geklärter Ursache zwei Straßenbahnwagen zu­sammen. Insgesamt wurden 13 Fahrgäste, anschei­nend leicht, verletzt. Das sofort am Unfallort er­schienene Verkehrunfallkommando stellte sogleich Er­mittlungen zur Klärung der Schuldfrage an.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Der im Nordseegebiet zur Neigung gekommene Sturmwirbel ist rasch nach Finnland hin vorge­stoßen. Unter seinem Einfluß setzten auffrischende Winde ein, die uns etwas kühleres und auch leicht unbeständiges Wetter brachten. Mit dieser Neigung hat die Wirbeltätigkeit wieder lebhaftere Formen angenommen, und es ist zu erwarten, daß die neu vorgedrungenen, zur Entwicklung kommenden Wir­bel stärkeren Einfluß auf unser Wetter nehmen.

Aussichten für Samstag: Nach anfäng­lich leichter Beruhigung und Besserung wieder neue und voraussichtlich stärkere Witterungsverschlechte- rung mit Regentätigkeit, zunächst abflauende west­liche Winde, dann wieder lebhaftere südwestliche Winde, Tagestemperaturen zwischen 10 und 15 Grad Celsius.

Lufttemperaturen am 17. Oktober: mittags 15,4 Grad Celsius, abends 13,5 Grad; am 18. Oktober: morgens 11,2 Grad. Maximum 15,4 Grad, Minimum 9,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Oktober: abends 11,8 Grad; am 18. Oktober: mor­gens 10,7 Grad Celsius. Niederschläge 0,5 mm.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 35: 9929. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein­druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einscyließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Df. mehr.

All AU U PrsiÄM ft&ä pnm 1> Ami IE Mjg,

Die Aktionen, die dem Ziele einer Verstär - kung der deutschen Rohstofferzeugung dienen, machen auf den verschiedensten Gebieten beachtenswerte Fortschritte. So berichtete General­direktor Wisselmann von der Preußag kürzlich über den Bau der neuen Zinkhü11 eb e i Oker im Harz, die 40000 Tonnen Zink jährlich nach einerrt neuen hüttentechnischen Verfahren erzeugen wird. Damit wird Deutschland in der Zinkversor­gung hn wesentlichen vom Auslande unabhängig. Die deutsche Bleierzeugung ist von 8996 Ton­nen im Monat Juli auf 10 271 Tonnen im Monat August 1935 gestiegen. Der Versorgung der Alu- miniuminouftrie mit Bauxit dient die Grün­dung derDeutschen Bauxit-Vertriebsgesellschaft" in Berlin, die sich mit 40 Prozent an der Ungarin Bauxit AG. in Budapest beteiligen wird, um die Versorgung Deutschlands mit ungarischen Bauxiten auf eine feste Grundlage zu stellen. Um auch die Fettversorgung nach Möglichkeit auf inlän­dische Rohstoffquellen umzustellen, ist vor einigen Tagen eine neue Verordnung erlassen worden, die die Verwendung von Leinöl für die Lack-, Farben- und Kittindustrie einschränkt, weil für diese Zwecke jetzt genügend andere inländische Stoffe zur Ver­fügung stehen. Im Flachsbau haben wir eine gute Ernte, die Anbaufläche belief sich auf rund 25 000 Hektar und damit ist in diesem Jahr die Hälfte unseres Bedarfes an Leinen gedeckt. Für das nächste Jahr ist die Verdoppelung der Anbau­fläche vorgesehen, so daß wir voraussichtlich unse­ren Bedarf in der Gesamtheit decken können und nur ganz feine Gespinste einzuführen haben. Auch im Schiffbau holt Deutschland auf. Es ist das einzige Land, das nach Lloyds Register im dritten Vierteljahr dieses Jahres eine Steigerung zu ver­zeichnen hat und mit einer Bautonnage von 268 000 RT. fast die Hälfte des englischen Schiffbaustandes erreichte. Die Butter- und Schweine­fleischverknappung, die durch außerordent- ! liche Umstände eingetreten war, läßt nach, die Mahnungen der Regierung, nicht die Nerven zu verlieren, haben gewirkt. Die Neuordnung des Vieh- marktes, vor allem des Auftriebes der Schweine und die Verhinderung der Abschlachtung minder- gewichtigen Viehes wird ihre guten Folgen zeiti­gen. Es ist doch bemerkenswert, daß wir an Rind-, Kalb- und Hammelfleisch überhaupt keine Minder­zufuhr und damit keine Minderversorguna beobach­teten. Allerdings muß sich auch die Hausfrau inso­fern in den nächsten Jahren umstellen, als die ver­mehrte Schafhaltung zur Wollerzeugung mehr ge­schlachtete Schafe auf den Markt bringt und damit muß das Hammelfleisch mehr als bisher in der Küche verwendet werden.