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Nr. (65 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, l8.Zuli (935

Aus der Provinzialhauptstadt.

Kleine Wunden im Sommer.

Von Or. Karl Gruthos.

An heißen Tagen muh jeder praktisch tätige Arzt die Beobachtung machen, daß die Zahl der Kranken, die mit mehr oder weniger schweren Verletzungen und Infektionen der Haut 3u ihm kommen, zu­nimmt. Jede Jahreszeit hat ihr eigenes Krankheits­bild. Die Erkältungskrankheiten beherrschen das Frühjahr oder den Herbst, Kälteschäden häufen sich im Winter, im Sommer aber wissen wir, daß unsere Haut, dieses überaus lebenswichtige Organ, nur in höchst ungenügender Weise dem klimatischen Wandel sich anpassen läßt und daß sie eine auf­fallende Schutzlosigkeit gegen Infektionen aller Art zeigt. Hierbei wirken die verschiedensten Faktoren als Ursache: die starke Sonnenstrahlung, die erhöhte Tätigkeit der Schweiß- und Talgabsonderung, die Unbedecktheit erheblicher Hautbezirke, die sonst fest und dauerhaft verhüllt sind und die ein beliebtes Objekt für Insekten und Getier aller Art bilden, schließlich mechanische Verletzungen und Reizungen, wie sie der Aufenthalt im Freien und die vermehrte körperliche Betätigung mit sich bringen.

Wer viel Sport treibt, sollte es sich zur Pflicht machen, auch die notwendigsten Kenntnisse über die Hygiene der Haut zu beherrschen. Denn ebenso wichtig wie die Beherrschung einer sportlichen Tech­nik ist die Fähigkeit, das kostbare Instrument des eigenen Körpers sachgemäß zu verwenden und vor unnötigem Schaden zu bewahren. Eine besondere Beachtung bei der Behandlung der Haut verdient gerade für diejenigen, die sich durch sportliche und körperliche Hebungen ein gesundes und abgehärte­tes Hautorgan verschaffen wollen, die Heilkraft des Lichtes. Bereits im Altertum mit Recht gepriesen und viel benutzt, ist die Wirkungskraft des Lichtes allmählich in Vergessenheit geraten, um zu Beginn des Jahrhunderts durch Rollier und andere Aerzte des Alpenlandes wieder in die Medizin eingeführt zu werden. Man erkannte den hohen Heilwert der im Sonnenlicht enthaltenen ultravioletten Strahlen, und die Physik hat als ärztliche Hilfswissenschaft die Möglichkeit gefunden, diese im Sonnenlicht nur in geringer Menge enthaltenen ultravioletten Strahlen in konzentrierter und genau meßbarer Form für die ärztliche Praxis verwertbar zu machen. Heute ist die künstliche Höhensonne ein unentbehrliches Requisit in der allgemeinen Be­handlung fast jedes Arztes geworden. Wir aber wollen uns hier vor allem der besonderen Fähigkeit der Quarzlampenbestrahlung erinnern, die Hei­lungsdauer von Wunden abzukürzen und die Rei­nigung verunreinigter Wunden zu fördern.

Wo gehobelt wird, da fliegen Späne. Es ist ganz unvermeidlich, daß angesichts der gesteigerten Arbeitskraft unseres Volkes, der Wiedereinführung der Wehrpflicht und der gewaltigen Leistungen des männlichen und weiblichen Arbeitsdienstes bei den Beteiligten die Zahl der kleinen Unfälle und Ver­letzungen zunimmt. Wie man eine großzügige Auf­klärung betreibt zur Verhütung von Brandschäden in Wald und Feld, so sollte man auch die Vor­beugung gegen vermeidbare Hautschäden ernsthaft betreiben. Denn durch Unvorsichtigkeit und Unacht­samkeit kann auch hier aus einer kleinen Störung ein schwerer Schaden für die Gesundheit des ein­zelnen und damit für die Volksgesamtheit er­wachsen. In fast allen größeren Städten und sicher auch auf dem Lande besteht die Möglichkeit, eine Wunde nach den modernsten wissenschaftlichen Grundsätzen mit Bestrahlung sorgfältig zu behan­deln. Für Brandwunden eignet sich besonders die Quarzlichtbehandlung, weil durch sie die glatte Ver­narbung, die gerade bei Brandwunden häufig un­angenehme Störungen erfährt, gewährleistet wird. Ebenso haben sich die ultravioletten Strahlen be­währt bei den offenen Beinwunden, wie sie mit Vorliebe am Unterschenkel aufzutreten pflegen. Diese Fußgeschwüre, die in ihrer Hartnäckigkeit von

Reiselektüre

Von Hans Brandenburg.

Reiselektürei Wir hören den Mann mit der fliegenden Buchhandlung dies Wort am Zug ent­lang ausrufen, und der Reifende ersteht einen grell bebilderten Schmöker, den er, wenn er ihn ausge­lesen hat, liegen läßt, um sein Gepäck nicht über­flüssig zu belasten. Und doch ist er wenigstens der Käufer eines Buches, während sich die übrigen Insassen des Abteils mit illustrierten Zeitschriften begnügen. Die Seiten sind bald durchgesehen, nun kommt auf der letzten ein Kreuzworträtsel, und in dieses versinkt man für den Rest der Fahrt. Aber ob Buch, ob Blatt: beides gehört zusammen mit den Butterbroten, die man aus Langeweile in den längst satten Magen schlingt, mit dem übermüdeten Blick ins Freie, mit dem unerquicklichen Rüttel­schlaf auf der Bank, mit dem leeren Gespräch, das man anknüpft. Alles das soll nur die Zeit tot- schlagen.

Muß das sein? Ist nicht vielmehr solche Zeit im Eisenbahnzug ein kostbares Geschenk? Für Stun­den, vielleicht für einen ganzen Tag einmal losge­löst aus allem sonst Alltäglichen, aus Arbeit, Pflicht, Gewohnheit und von Raum und Ort und damit sogar von uns selbst, sind wir dennoch nicht frei und in dieser Freiheit schon wieder neuen Verskla­vungen ausgeliefert, sondern eine Wohltat für den Geist in ein fliegendes Gefängnis gebannt. Das sind die schönsten Lesestunden. Darum gehört ein* Buch in den Koffer, das uns im Buchladen lange vergeblich lockte oder lange vergeblich auf unserer Borte stand, weil uns die Muße und Ruhe fehlte, es zum ersten oder zum zweiten oder 3um dritten Male zu durchwandern. Jetzt haben wir sie, jetzt, wo der Geist wandern kann, weil der Körper getragen wird, und man sage nicht, es fei bester, zum Fenster hinauszuschauen, denn diese ewige Bilderflucht gleitet schließlich stumpf an uns ab, doch sie erfrischt und schärft sich stets von neuem, wenn innerer und äußerer Blick abwechseln und unsere Augen über den Seiten eines Buches in die begleitende Welt da draußen eintauchen. So habe ich einen unvergeßlichen Reisetag mit Gottfried KellersSinngedicht" erlebt, und für immer schlingt sich mir durch diesen Geschichtenkranz das farbige Landschaftsband des Maines und Rheines.

Allein selbst am Ziel ihrer Reise, wenn es eine Urlaubsreise ist, selbst in den Bergen und am Meer bleiben die meisten Menschen bei ihrer fal­schen und schlechtenReiselektüre". Sie wissen namentlich mit den Regentagen nichts anzufangen, wissen nicht, daß auch diese auf der Reife ein Ge­schenk sind, Tage ohne Unternehmung, aber auch ohne Störung, Tage der ruhenden Glieder und Nerven, die man nicht auch wieder über Zeitschrif-

Aerzten und Patienten in gleicher Weise gefürchtet sind, reinigen sich nach der Bestrahlung in kurzer Zeit und die Wunde beainnt sich zu schließen. Von wie weittragend biologischer Bedeutung die Ultra­violettstrahlen sind, beweisen die aufsehenerregenden Untersuchungen Havliceks, der bei Operationen in­nerer Organe das Wundfeld ober einen Abschnitt der Darmschlinge kurzdauernd bestrahlt und auf diese Weise völlig die unangenehmen Operations- folgen der Thrombose ober Embolie zu oermeiben glaubt. Auch bie Einspritzung bestrahlten Blutes bei Eiterungen unb entzünblichen Krankheitsvoraängen hat sich nach Havlicek außerorbentlich bewährt.

Wir sehen, bie Lichtbehanblung ist heute ein fast unerläßliches Hilfsmittel ber Wunbbehanblung ge­worben. Wer rechtzeitig auch bei geringfügig er» fcheinenben Verletzungen ben Arzt um feinen Rat fragt, wirb bie ©törenfriebe ber sommerlichen Freube nicht zu fürchten haben.

Glücksmänner die Werber für die Arbeitsschlacht.

Fast täglich ist von Gewinnern bei ber Reichs­lotterie für Arbeitsbeschaffung bie Rebe.. Natürlich finb es meist nur die großen Gewinne, von denen gesprochen wird, von' den Zehntausendern und ihren frohen Besitzern.

Wenn hier einmal von einem kleineren Gewinn in Gießen erzählt wird, dann hat dies seinen be­

sonderen Grund. Tagaus, tagein stehen die braunen Glücksmänner auf den Straßen und kommen abends in die Gaststätten, um ihre Glückslose an» Anbietern Sie wollen Werber sein für die Arbeits­schlacht und durch den Losverkauf mithelfen, einige Millionen für die Arbeitsbeschaffung freizumachen.

Bei ihrem Bemühen müssen sie häufig erfahren, daß es noch eine große Anzahl von Volksgenossen gibt, die den Sinn der Arbeitsbeschaffungslotterie nicht völlig verstehen.Ihr habt ja doch nichts in euren Kasten!" Das ist eine beliebte Ausrede, um den Kauf eines Loses abzuschlagen. Diese Volks­genossen beweisen damit, daß sie meist noch nicht einmal ein Los gekauft haben, sonst hätten sie sich über die Gewinnmöglichkeit informiert, die auf jedem Los bekanntgegeben ist.

Es freut deshalb alle Mitarbeiter bei der Ar­beitsbeschaffungslotterie, wenn ein fiasbrief gezogen wird, der auch dem einzelnen Glück bringt. So, wie am Montagabend, als ein hiesiger Gaststätten­besitzer ein Los kaufte und es feiner Tochter schenkte. Große Freude, als es ein 100-Mark-Ge- minn war, um so mehr als die glückliche Besitzerin demnächst zu heiraten beabsichttgt.

ten ober über einem beliebigen Leihbibliotheksband des Hotels versitzen sollte. Der Körper erholt sich besser, wenn sich ber Geist auf bie rechte Weife er­holt, unb auch an schönen Tagen soll man nicht immer etwasunternehmen", bas ist oft nur Fort­setzung ber Stadthetze in anberer Gestalt, sondern manchmal bie erfüllte Ruhe einer Lesestunbe suchen. Es ist ein zwiefaches Leden, bas man bann führt, ein rounberbares Doppelleben, welches auch stier wieder das Außen und Innen ineinanberroebt. In einer Urlaubswoche bes letzten Winters habe ich im Hochgebirge nach stählenben Skifahrten bie lan­gen Abenb in einer köstlichen Narrenburg am Ober­rhein verbracht, inbem ich ben neuen großen Roman D a s Riefenfpielzeug" von Emil Strauß las, ben man nur im Stabt- unb Alltagslebenlang­weilig" finben kann. Als junger Mensch las ich meiner Braut in ber Somerfrische benGrünen Heinrich" vor: sie ruhte in ber Hängematte, unb bie Alpenwelt stieg, wie aus ben Zeilen bes Buches, sichtbar unb wirklich vor uns auf unb legte sich boch roieber auf ben Golbgrunb ber Dichtung. Unb einen rounberbaren Nachsommer ber Vorberge feierte ich mit StiftersNachs 0 mme r", Natur unb Kunst atmeten in ber gleichen Verklärung, unb Er- benlanbschaft unb geistige Lanbschaft würben eins.

Die beiben letztgenannten Fälle finb Beispiele für bie schönste Art ber Reiselektüre, mit ber uns ein Dichter bie Seele berjenigen Lanbschaft, wo wir unsere Ruhetage verbringen, erst erschließt.Wer ben Dichter will verstehn, muß in Dichters Lanbe gehn", sagt Goethe. Aber auch wer bie Lanbe ver­stehen will, muß sie burch bie Augen ber Dichter sehen unb burch sie erst sehen lernen. Ich verstaub Oberschlesien, weil Eichenborff es mir geschenkt hatte, Holstein verstaub ich burch Storm, bie Heibe burch Löus, bie Umgebung Hamburgs burch Liliencr 0 n, unb in ben Bayern- unb Böhmer- walb muß uns Abalbert Stifter begleiten unb leiten. Viele Leser haben mir versichert, baß ihnen erst mein BüchleinSchöpfung nah um uns" ben Blick für Lanbschaft, Tier unb Pflanze geöffnet hat ober daß sie mit meinem BucheFestliches Laub" als Führer burch München zum Hochgebirge reisten. Das ist mir ber teuerste Lohn für einen Teil meines Schaffens. Aber ich schließe mit biefer persönlichen Bemerkung über ben Dank, ben man mir erstattete, nur beshalb, weil ich biefen Dank so reichlich weiter- geben barf an biejenigen Bücher, bie mir selbst erst mit bazu verhalfen, mit offenen Augen zu reifen. Reiseführer unb Kartenwerke in Ehren, sie finb unentbehrlich aber in Natur unb Kultur, in Ge­schichte, Menschen unb Sitten bes Laubes unb ber ßänber führen uns wahrhaft boch nur solche Bücher ein, bie keine bloßen Orieutieruugs- unb Nachschlage­werke, fonbern Werke bes nach- unb ueugestaltenben Geistes,schaffeube Spiegel" finb.

Unb nun mögen alle diejenigen, die wegen dem Nichtgewinn noch kein Los gekauft haben, einmal ben Losoerkäufer Nr. 134 fragen, wieviel 100-Mark- Gewiuue bei ihm in biefem Monat schon gezogen worben finb, bamit sie überzeugt finb, bah aus ben vielen Loskästen boch zu gewinnen ist.

Deutsche Arbeitsfront.

Amt für Berufserziehung.

Die Kurzschrift - Vereinigung veranstaltet Sams­tag, 20. Juli, im Garten bes RestaurantsKarls­ruhe" einen Kamerabschaftsabenb. Gäste finb will­kommen!

Bekanntmachung derNS.-Gemeinschast »Kraft durch Freude".

Sonderzug

zu dem Grohfluglag am 21. Juli nach Kassel.

Das deutsche Volk muß ein Volk von Fliegern werden!" Nach diesen Worten bes Oberbefehls­habers ber beutfchen Luftwaffe, Hermann Goring, unb unter biefem Motiv finbet am Sonntag, bem 21. Juli 1935, in Kassel ber l.NS.-Volks flug- t a g statt, in besten Rahmen bie besten Flieger, Luftakrobaten unb Fallschirmabspringer (Übet, Oskar Dimpfel, List Schwab u. a. m.) Mitwirken. Der Souberzug I fährt ab Marburg. Die Fahrt kostet eiuschl. Eintrittspreis 3 Mark. Ab Gießen

kostet bie Fahrt eiuschl. Eintritt 3,60 Mark. Dieser Preis ist wohl für jeben tragbar, bietet boch biefer Großflugtag, ber mit militärischen Hebungen ber verschiebensten Waffengattungen ausgestattet ist, ein sicherlich unvergeßliches Erlebnis. Schlußtermin für bie schriftliche Anmelbung: 18. Juli 1935.

Sonderzug zu dem Großen Preis von Deutschland am 28. Juli 1935 auf dem Nürburgring.

Zu diesem Zuge sind noch einige Karten zu 5 Mark (eiuschl. Eintritt) zu haben. Wir bitten die Arbeitskameraden, sich zu dieser Fahrt möglichst umgehend schriftlich zu melden, oder den Betrag von 5 Mark sofort zu bezahlen.

Urlaubszug nach Danzig (Ostpreußen).

Dieser Zug muß wegen technischer Schwierig­keiten leider ausfalleu. Wir bitten die Teilnehmer, die sich für diesen Zug schon voraugemeldet haben, sich eine andere Ferieusahrt auszusuchen.

Sonderzug zum Autorennen am 28. Juli auf dem Nürburgring.

Zu diesem Zug gehen in den letzten Tagen die Meldungenu derart zahlreich ein, daß wir alle

Gießener Stadttheater.

Franz und Paul von Schönthan:

Der Raub der Sabinerinnen".

Wir haben diesen Schwant gestern sicher zum dritten Male in Gießen auf der Bühne gesehen, und wir können uns, im Augenblick, nicht besinnen, wie all er jetzt schon ist. Aber daß er unter den älteren Stücken seiner Gattung einer der erprobte­sten und unverwüstlichsten ist, daran kann nicht ge­zweifelt werden, und das hat wohl auch der stür­mische Heiterkeitserfolg wieder einmal bewiesen.

Es braucht kaum daran erinnert zu werden, daß die Rolle des sächsischen Theaterschmiereudirektors Emanuel ©triefe zum Repertoire eines Schauspie­lers wie Bassermaun gehört hat. Mau muß sich, so oft man denRaub der Sabinerinnen" sieht, immer aufs neue wundern, mit welcher Treffsicher­heit das Ganze aufgebaut, eingefäbelt unb bis zur letzten Szene bes vierten Aktes burchgehalteu stt.

Es gehört zweifellos Geschick unb Routine dazu, jede der zahllosen Pointen, Ueberraschuugen, Ver­wechslungen und Schwindeleien so vorzubereiteu und wieder aufzugreifen, daß sie im gegebenen Augenblick ihre Wirkung tun. Es klappt hier alles aufs Stichwort, und keiner der kleinen Witze und großen Effekte, über die die Leute vor Jahren schon gelacht haben, fällt unter den Tisch.

Da ist Strieses Sondervorstellung in fünf ver­schiedenen Rollen hintereinander. Da ist die witzig ausgeknobelte Sache mit dem im Kreise herumge- pumpteu Geldschein, der in aller Kürze bei seinem rechtmäßigen Besitzer zu dessen eigner Verwunde­rung unversehrt wieder anfommt. Da ist die Ge­schichte vom Papagei im Pinienhain, welcher der Aufführung der Römertragödie mitten im zweiten Akt durch unklassische und unsachliche Zwischenrufe ein stürmisches Ende bereitet. Da ist auch, worauf sich manche schon den ganzen Abend gefreut hatten, die unfehlbare Szene mit dem ausgestopften, drei­mal ein- und wieder ausgepackten Vogel bet den Reifevorbereitungen im letzten Akt.

Und dabei ist von dem wilden Weinhändler aus Berlin unb seinem ungeratenen Sohn Emil noch nicht einmal bie Rebe gewesen, nicht von ber in Rührung zerfließenben Köchin Rosa, von ber jäh unb schrecklich unterbrochenen Babereise nach He- ringsborf, von ben erschwinbelten Stubentenstrei- chen bes Schwiegersohnes unb bem künstlich arran­gierten Familienkrach fünf Minuten vor Beginn ber Vorstellung.

Dies alles erlebte in völlig ungebrochener Frische eine fröhliche Auferstehung unter Herrn V 0 lcks

Interessenten bitten, sich möglichst umgehend schriftlich anzumelben ober ben Fahrpreis, einschl. Eintrittspreis, in Höhe von 5 Mark sofort zu be* zahlen.

Ausfallende Sprechstunden.

Die Sprechstunden der Abteilung II der Hessischen Landesregierung fallen am Samstag, dem 20. Juli 1935, aus.

IagdkreiS Gießen.

2Im 13. Juli fand im HotelHindenburg" die erste Versammlung des Hegeringes Gießen statt. Der Hegeringleiter, Oberforstmeister Lipp, be­tonte in seinen Begrüßungsworten, daß diese Abende zwei Aufgaben erfüllen sollten: nämlich die Jäger im Sinne des Reichsjagdgesetzes erziehen und die Kameradschaft in einer gleichgesinnten- gerschaft pflegen. Er wies ferner darauf hin, daß die Teilnahme an diesen Abenden für jeden Jagd­scheininhaber, der im Gebiete des Hegerings wohnt, Pflicht ist. Es scheinen darüber noch Unklarheiten zu bestehen. Es kommt nicht darauf an, in welchem Hegeringbezirk das Jagdrevier liegt. Die Anwesenheitspflicht besteht nur für den Hegeringbezirk des Wohnortes. Selbstverständlich kann es nur ratsam sein, wenn ein Jagdpächter darüber hinaus freiwillig auch an den Hegering­versammlungen des Bezirkes teilnimmt, in dem sein Revier liegt. Das Fehlen einer Anzahl von Jagdscheininhabern mochte sich aus diesem Irrtum erklären. Es wird in Zukunft auf die regelmäßige Anwesenheit besonders geachtet werden müssen. Denn wer durch Nichterscheinen sein mangelndes Interesse an der Arbeit der deutschen Jägerschaft unter Beweis stellt, wird für die Folgen selbst einzustehen haben.

Im Rahmen der regelmäßigen Besprechung ein­zelner Abschnitte des Reichsjagdgesetzes behandelte der Hegeringleiter selbst dieWildfolge", während Regierungsrat Freiherr Schenck zu Schweins­berg über das Thema sprachWelche Patrone darf und welche soll der Jäger zur Jagd verwen­den?"

Von besonderem Interesse war eine Schau ber Gehörne ber bis jetzt erlegten Abschußböcke. Sie sollte bezwecken, ben BegriffAbschußbock" klären zu helfen. Es ergab sich babei, baß meist mit gutem Derstänbnis abgeschossen worben war. Fehler wer­ben immer vorkommen, werben sich aber immer mehr oermeiben lassen, je großer bie Erfahrung des einzelnen auf biefem für viele Jäger noch neuen Gebiete ist. Die endgültige Wertung ber Einzelstücke erfolgt erst auf ber Kreisausstellung im Januar 1936.

Hingewiesen würbe auf bie P f l i ch t s ch i e ß e n, die am 20. unb 21. Juli unb am 14. August jeweils von 15 bis 19 Uhr mit Pistole unb Flinte statt- finben. Betont würbe ferner, baß im Zeichen bes Reichsjagbgesetzes Hochsitze unb Pirschwege an nach­barlichen Grenzen sich überlebt hätten unb balbigft zu beseitigen seien.

Der nächste Hegeringabenb würbe auf den 10. 21 u g u ft festgesetzt.

Das Ergebnis des Rundfunksprecher- Wettbewerbs.

Der diesjährige Rundfunksprecherwettbewerb des Reichssenders Frankfurt hat allenthalben ein über- rafchendes Interesse gesunden. Mehr denn 700 Be- Werber und Bewerberinnen drängten sich auf den ersten Anhieb zu den Ausscheidungskämpfen. Diese erkleckliche Zahl wie auch das größtenteils vorhan­dene Können machte es nicht leicht, die 52 Kreis­gruppensieger zu ermitteln, die eines Tages in schärfstem Wettbewerb in Frankfurt a. M. noch ein­mal um die Palme des Sieges ringen oder, besser gesagt sprechen mußten. Der Frankfurter Ausscheidungskampf sah zuletzt noch 10 Sprecher am Mikrophon,, von denen, den Besten zu küren, Sache der Gesamthörerschaft des Reichssenders Frankfurt am 13. Juli in Bad Homburg gewesen

bewährter Spielführung. Es klappte auch auf ber Bühne alles, wie es im Buche steht, unb bie Kern­stellen unb bie Höhepunkte ber Situationskomik weck­ten Heiterkeit unb Beifall bei offener Szene, beren Ausstattung mit ben gutbürgerlichen Requisiten der neunziger Jahre Herr Löffler besorgt hatte.

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Als Theaterbirektor ©triefe aus Leipzig erschien Herr Hub. Er verzichtete zwar barauf, in ber schon berühmt geworbenen Figur etwas von ber mensch­lichen Tragikomöbie biefer Wanberbühnenexistenz sichtbar werben zu lassen, was in einzelnen Szenen in ber Tat nahe liegt. Aber es blieb auch so noch eine Paraberolle, bie mit ihrem Wortschwall unb ihren aufgebonnerten Theatergebärden ihres Ein­drucks in jebem Augenblick gewiß war.

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Herr V 0 l ck hatte bie kaum minber bankbare Auf­gabe, jenen vollbärtigen Gymnasialprofessor unb verschämten Autor einer blutrünstigen Römertragö­die zu verkörpern, besten häusliches Leben in einem erschreckenben Gegensatz zum heroischen Pathos sei­ner antiken Helben steht.

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Luise Schubert-Jüngling machte auf han­növersch bas getreue, geschwätzige, theaterbegeisterte unb bis zu Tränen gerührte Faktotum Rosa, Herr Geiger mit robusten Gesten unb lärmenben Er­zählungen ben zur Unzeit auftauchenben Gast aus Berlin. Frau © t i r I als zürnende Professorsgattin, Fräulein W i e l a n d e r als heulender und kichern­der Backfisch, Fräulein Decker und Herr Lindt als das junge Ehepaar vervollständigten die Fami­lie des geprüften Pädagogen. Herr Schorn, Strieses jugendlicher Held, und Herr Nieren als Schuldiener rundeten das Ensemble mit Geschick und Humor ab. Das Publikum ging angeregt erhei­tert nach Hause. hth.

Hochscbulnnchrichken.

Der ordentliche Professor der wirtschaftlichen Staatswissenfchaften an der Universität Frank­furt, Dr. phil. Paul Arndt, wird mit Ende September d. I. wegen Erreichung der Altersgrenze von seinen amtlichen Verpflichtungen entbunden.

Die Unversität Leipzig hat den Professor der Geschichte an der Universität Aberdeen, Dr. Dr. Charles Sanford Terry, anläßlich des Bachfestes in Leipzig auf Grund feiner Verdienste um die Er­forschung der Lebensschicksale Joh. Seb. und Joh. Ehr. Bachs zum Doktor der Philosophie ehrenhalber er­nannt. Charles Sanford Terry ist der Verfasser der früher an dieser Stelle besprochenen, jetzt in neuer Auflage erscheinenden großen Bach-Mono­graphie des Insel-Verlages zu Leipzig.

Georg Friedrich Händel

der große deutsche Musiker, dem ganz Deutschland im Bach-Händel-Schütz-Jahr 1935 seine Huldigung darbrachte, ist der Held unseres neuen Romans. Ein junger Dichter schrieb hier mit hinreißendem Temperament und verblüffender Einsühlungs- krast einen leidenschaftlich bewegten, überaus fesselnden Roman, eine Erzählung von dramatischer Spannung und Lebendigkeit. Die kampferfüllten LondonerJahre des Meisters, sein aufreibender Theaterkrieg mit den Italienern und den Prima­donnen, endlich die entscheidende Wendung von der Oper zum Oratorium bilden die Grundlage des heute wahrhaft aktuellen Romans. Er beginnt Freitag, 19.Iuli

in de« FamMenblStleen