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Kammerausschusses für Auswärtige Angelegen­heiten:Glänzend ausgestattete Propagandaschrif­ten berichten uns über die Leistungen der Sowjets. Man verschweigt aber, daß diese Ergebnisse durch die Versklavung von 160 Millionen erreicht wurden, durch die Zwangsarbeit von Tausenden politisch Verdächtiger. Wir wissen, daß trotz aller Verkap­pung in Moskau eine enge Gemeinschaft zwischen Räte-Regierung und Leitung der kommunistischen Bewegung besteht, die durch eine großzügige Pro­paganda in allen Ländern den Klassenkampf zu entfesseln sucht. Dazu kann eine Annäherung an Rußland schwere äußere Verwicklungen herbeifüh­ren: Gegensätzlichkeit zu England, Konfliktgefahr mit Japan, Verletzung Polens." Soweit der Be­richt, man war sich also in Paris durchaus im klaren über die Tragweite und die möglichen Ge­fahren einer Erneuerung der Allianz mit Sowjet­rußland. Und es ist begreiflich, daß die Blätter der Regierung und des Generalstabs eifrig bemüht sind, aus dem Satz des amtlichen Kommuniques, daß Stalin die Maßnahmen der französischen Landes­verteidigung billige, eine Absage des Sowjetgewal- tiaen an die französischen Kommunisten herauszu­lesen, um das durch das letzte Wahlergebnis nicht mit Unrecht verängstigte französische Bürgertum zu beruhigen. Andere Blätter allerdings weisen auf die früher schon so oft bewiesene Doppelzüngigkeit der Sowjets hin, die auch jetzt wieder sich an ge­gebene Versprechen nicht kehren werden, und die marxistische Presse, die aus ihrer Verlegenheit kei­nen Ausweg findet, kündigt Fortsetzung der anti­militaristischen Propaganda an.

So ist der Widerhall des Pakts mit Moskau trotz der von Laval durchgesetzten, zu innerpoliti­schem Gebrauch gewünschten Erklärung Stalins in Frankreich durchaus zwiespältig. Zuguterletzt tröstet man sich mit der militärischen Stärke des neuen Verbündeten und berauscht sich an den be­geisterten Schilderungen der französischen Presse­berichterstatter, die in Moskau zusammen mit Laval auf großartigen Paraden aller Waffengattungen Zeuge sein konnten von der bis zum Aeußersten ge­steigerten Aufrüstung Sowjetrußlands. Auch das weckt Erinnerungen an die zahlreichen Besuche, die im letzten Jahrzehnt vor dem Weltkrieg französische Minister und Parlamentarier dem Zarenreich ab­statteten, um sich von der richtigen Verwendung der den Russen bewilligten Anleihen selber zu über­zeugen. Anspielungen darauf, daß Rüstungen Geld kosten und man auf Frankreichs offene Hcmb rechne, sind auch diesmal nicht ausgeblieben. Man will ja sogar einen Dreh gefunden haben, um die sich ge- vrellt fühlenden Inhaber russischer Staatspapiere der Vorkriegszeit zu beruhigen und gleichzeittg dem unersättlichen russischen Militarismus neue Geld­quellen zu eröffnen. Denn an der Verstärkung der militärischen Rüstungen des neuen Verbündeten ist Frankreich natürlich alles gelegen. Diplomatisch wird zwar noch immer der alte Gedanke eines jedem dritten Staat offenstehenden Systems von Regionalpakten gleicher Sicherheit in den Vorder­grund geschoben, aber das zweiseitige Militärbünd­nis alten Stils tritt immer unverhüllter als Ziel und Ergebnis der Moskauer Besprechungen ans Licht. Pariser Blätter berichten ja bereits von dem bevorstehenden Besuch zweier ganzer französischer Regimenter in Sowjetrußland, der auch der Oef- fentlichkeit beider Völker den wahren Charakter der Allianz sinnfällig vor Augen führen soll. Wich- tiger sind die ebenfalls für den Sommer vorge­sehenen Besprechungen oer Generalstäbe beider Armeen. Man weiß ja, daß die hohen Militärkreise Frankreichs, trotz ihrer weltanschaulichen Abneigung gegen das herrschende Regime des Bolschewis­mus, sich für das Bündnis mit der Sowjetunion stark eingesetzt haben. In dem bereits genannten Gutachten des außenpolitischen Ausschusses der französischen Kammer hieß es auch:Räterußland stellt heute vom militärischen Gesichtspunkt aus und besonders für einen Luftkrieg einen Faktor dar, dessen Unterstützung unter umständen von größtem Nutzen sein kann".

In diplomatischer und militärischer Zusammen­arbeit mit Frankreich scheinen die Sowjets ihre Vor­bereitungen für einen Luftkrieg sogar schon über die eigene Grenze oorzuschieben. So sollen sowjetrus­sische Offiziere in Litauen Gelände für die An­lage von Militärflugplätzen erkundet haben, wobei anscheinend nicht einmal die unter dem Schutz des Völkerbundes und der Garantie der Großmächte stehende Autonomie des Memellandes dieses davor schützt, zum militärischen Aufmarschgelände sowjet­russischer Fliegerkorps gemacht zu werden. Der an­dere Vorstoß führt in die Tschechoslowakei, die sich ja soeben durch den Abschluß eines dem französisch - sowjetrussischen Beistandspakt nachgebil­deten Bündnisvertrags in das von Moskau und Pa­ris gesponnene System eingegliedert hat. Auch in der Tschechoslowakei sollen Flugplätze für sowjet­russische Kampfgeschwader bereitgestellt werden. Das ganze Paktsystem, das von allen Beteiligten so laut als Bürgschaft der Erhaltung und Sicherung des Friedens gepriesen wird, enthüllt sich also als eine Kette von Militärbündnissen, die auf bestimmte Fälle zugeschnitten sind und nur mit Rücksicht auf Englands Besorgnisse äußerlich der Völkerbunds­satzung angepaßt wurden. Sollte es aber gegebenen- falls im Völkerbundsrat den verbündeten Mächten nicht gelingen, durch konzentrischen Druck auf die übrigen Ratsmitglieder einen Beschluß herbeizufüh­ren, wie man ihn braucht, um vom Leder ziehen zu können, so werden die verbündeten Mächte eben von sich aus die erforderlichen Maßnahmen tref­fen", das heißt zum Kriege schreiten. Nächst Deutsch­land muß sich natürlich Polen von dieser syste­matischen Einkreisung Der Mitte Europas bedroht fühlen. Der Tod des Marschalls P i l s u d s k i, des­sen überragende Persönlichkeit in ihrer gar nicht zu überschätzenden Bedeutung für das Schicksal des von ihm geschaffenen und gestalteten jungen pol­nischen Staates wir an dieser Stelle bereits ge­würdigt haben, hat in Frankreich Hoffnungen ge­weckt, als ob nun die Möglichkeiten für einen Kurs­wechsel der polnischen Außenpolitik eher gegeben wären, als zu Lebzeiten des großen alten Mar­schalls, dessen Todfeindschaft gegen Rußland als stärkstes Hindernis für eine Eingliederung Polens in das neue französisch - sowjettussische Bündnis- system betrachtet wurde. Wir möchten glauben, daß Herr Laval sich bei seinem neuerlichen Besuch in Warschau davon wird überzeugen müssen, daß die politische Linie Polens nicht von einer einzelnen Persönlichkeit vorgezeichnet ist, sondern von den unveränderlichen völkischen und geographischen Ge­gebenheiten im osteuropäischen Raum bestimmt werden. Diese Gegebenheiten zwingen Polen, sich jedem europäischen Verbündeten Rußlands zu ver­sagen, der ja im Bündnisfall mit dem Durchmarsch russischer Truppen durch Polen rechnet. Hat dieser Zwang im ersten Nachkriegsjahrzehnt sicherlich zu einer Vertiefung des Gegensatzes zu Deutschland beigetragen, so führt er heute Polen von der Seite Frankreichs, dem militärischen Verbündeten Mos­kaus, an die Seite der Macht, die Sowjetrußland

als ihren Gegner betrachtet. In derselben Linie wirkt die Beteiligung der Tschechoslo­wakei an dem französisch-sowjetrussischen Bünd­nis. Zwischen Prag und Warschau bestehen trotz der Rassenverwandtschaft und dem in manchem ge­meinsamen historischen Schicksal durch die Aberken­nung des von Polen bewohnten Herzogtums Teschen ehr erhebliche Spannungen. Polen muß sich also >urch das Bündnis vom 2. Mai und den Anschluß Prags geradezu von einer Zange umklammert füh­len, denn auch mit Litauen, das seit langem schon bei Sowjettußland den einzigen Halt gefunden hat, lebt Polen heute noch ohne geregelten diplomatischen Verkehr.

Angesichts dieser Spannungen, die durch bie Militärbündnisse der letzten Tage nur noch ver- chärft worden sind, ist der Optimismus erstaun­lich, die der wieder genesene britische Lordsiegel- bewahrer Eden in feiner Rede am Donnerstag zur Schau getragen hat Die unerhörte Aktivität der sowjetrussischen Außenpolitik, die erst mit den Vereinigten Staaten ins Reine zu kommen suchte, dann durch den Verkauf der ostchinesischen Bahn einen akuten Anlaß zu einem gefährlichen Konflikt mit Japan aus dem Wege räumte, und nun sich

energisch nach Westen wendend nach Aufnahme in den Völkerbund durch Bündnisse mit Frankreich und der Kleinen Entente in Europa einen Block hochgerüsteter Mächte zu schassen trachtet, diese Aktivität sieht nicht so aus, als ob Sowjetrußland fein ganzes Interesse auf das wirtschaftliche Expe­riment konzentriere, das es im Innern begonnen hat. Im Gegenteil dünkt uns Sowjettußland immer stärker zu einer ernstlicken Gefahr für den Frieden zu werden, fo sehr Eden dies auch nicht wahr haben will, je mehr die Erfolglosigkeit des bolschewistischen Wirtschaftsexperiments zutage tritt und die rote Diktatur eine Ablenkung nach außen braucht. Dafür spricht ja auch die durch die ver­schiedensten Zeugnisse belegte Tatsache, daß die In­dustrialisierung Svwjettußlands ausschließlich un­ter dem Gesichtspunkt rüstungspolitischer Bedürf- nisse erfolgt. Aber in Moskau hat man Herrn Eden wohlweislich mit andern Vorführungen unterhalten als den für Flugzeugparaden empfänglicheren Laval.

So steuert England auch angesichts der soeben abgeschlossenen Militärbündnisse unbeirrt weiter auf ein kollektives Sicherheitssystem los, für das es im Völkerbund den besten Rahmen gefunden zu

haben glaubt. Eden hat zum Schluß feiner Rede angedeutet, daß Englandkonstruktive Beiträge erwartet und es ist nicht schwer zu erraten, von wem es sie erwartet. Wir meinen, es hätte wesent­lich zur Klärung beigetragen, wenn Eden sich schon einmal darüber geäußert haben würde, ob Eng­land etwa in dem französisch-foröjettussisch-tschecho- slowakischen Bündnisvertrag mit seinen bereits er­folgten oder noch zu erwartenden militärischen Ab­reden einen solchenkonstruktiven Beittag" zur ge­meinsamen guten Sache der Sicherung des Frie­dens erblickt. Uns scheint, man erwarte von Deutsch­land immer dann etwas, wenn die eigene Politik in der Sackgasse steckt und nicht den Entschluß auf- zubringen vermag, auch die andere Seite zu Bei­trägen zu zwingen, die einem wahren Frieden dienen. Der Führer und Reichskanzler wird am Dienstag in feiner Rede im Reichstag verkünden, was Deutschland im gegenwärtigen Augenblick zu sagen hat, aber nur wenn die Gegenseite auch den aufrichtigen Willen hat, seine Worte zu hören und zu begreifen, kann daraus die Atmosphäre des Vertrauens zwischen den Völkern erwachsen, die wichtiger ist für die Erhaltung des Friedens als Pakte und Formeln.

polens Hauptstadt nimmt Abschied von Marschall pilsudski

Scherl-Bildmaterndienst

Unsere Bilder zeigen links den Sarg des Marschalls auf der Lafette. Darüber sieht man das polnische Banner mit der Soldatenmütze und dem Säbel Pilsudskis. Dem Sarge folgen die Familienangehörigen des verstorbenen Staatsmannes. Auf dem Bilde rechts sieht man den preußischen Minister­präsidenten General Göring mit dem deutschen Botschafter in Warschau v. Moltke, den General der Infanterie v. B o ck als Vertreter des Reichs- Heeres, Admiral W i tz e l von der Reichsmarine und Generalmajor Weser von der Reichsluftwaffe im Trauerzuge.

Ministerpräsident Göring in Warschau.

Warschau, 17. Mai. (DNB.) Ministerpräsident General Göring ist gegen 8.30 Uhr im Sonder­zug auf dem Warschauer Ostbahnhof eingetroffen. Zur Begrüßung war der polnische Außenminister Beck erschienen, ferner der Chef des polnischen Generalstabes General G o n s i o r o w s k i, der Chef des polnischen Militärflugwesens General R a y s k i, General Garnuzkiewicz und Botschafter von M o l t k e mit den Mitgliedern der Botschaft. Mini- terpräfibent Göring schritt die Front der Ehren­kompanie des Warschauer Infanterieregiments Nr. 30 ab und begab sich in die deutsche Botschaft. Durch Major Conrath und Hauptmann Kintzel wurden in der Kathedrale am Sarge des Marschalls Pilsudski vier Lorbeerkränze mit Schleifen in den deutschen Farben niedergelegt, und zwar ein Kranz des Führers und Reichskanzlers mit der Widmung Dem großen Marschall Polens, der deutsche Reichskanzler" und je ein Kranz des deutschen Reichsheeres, der Reichsmarine und der Reichsluftwaffe. mit den gleichlautenden In­schriftenDem er st en Soldaten Polens".

Der Trauergottesdienst.

Warschau, 17. Mai. (DNB.) Die Trauerfeier- lichkeiten für Pilsudski begannen um 10 Uhr mit dem feierlichen Trauergottesdienst in der Kathedrale. An dem Gottesdienst nahmen der Staatspräsident, die Vertreter der ausländischen Staatsoberhäupter und Armeen, die Regierung, die Generalität, das Diplomatische Korps, die Vertreter von Sejm und Senat teil. Der Erzbischof von War­schau, Kardinal K a k o w s k i, zelebrierte unter Assi­stenz der hohen Geistlichkeit das feierliche Totenamt. Im Chor hatte der Nuntius M a r m a g g i als Son­dergesandter des Heiligen Stuhles Platz genommen. Am Katafalk hielten Offiziere und Soldaten der pol­nischen Armee und des 16. rumänischen Infanterie- Regiments, dessen Chef der Marschall war, die Ehrenwache. Feldbischof G a w l i n a hob in seiner Trauerrede die großen Eigenschaften des Verstorbe­nen hervor.

Der Trauerzug durch Warschau.

Nach Beendigung des Gottesdienstes trugen zehn Offiziere und danach die Mitglieder der Regierung den Sarg auf den Schultern aus dem Gotteshaus, um ihn auf eine Lafette zu legen. Unter dem Geläute aller Glocken setzte sich sodann der Trauerzug in Bewegung. Voran schritten die Fahnenabordnungen aller polnischen Regimenter und die katholische Geistlichkeit, an ihrer Spitze Kardinalerzbischaf K a k o w s k i und Feldbischof Gawlina. Hinter der Lafette wurden die Kränze des Staatspräsidenten, der ausländischen Staats­oberhäupter und der Armeen, sowie die Orden, der Marschallstab, der Säbel und die Feldmütze des Verstorbenen getragen. Es folgten bie Witwe bes Marschalls, van bem Generalinspekteur ber polnischen Armee Rydz-Smigly geleitet, bie Töchter, ber Staatspräsibent unb oie Vertreter ber auslänbischen Staatsoberhäupter, barunter Ministerpräsibent General Göring, ber Earl o f Caoan unb Außenminister Laval. Marschall P 61 a i n folgte bem Zuge in einem Kraftwagen. Man sah ferner bie Regierung, bi$ Marschälle von Sejm unb Senat, bas Diplomatische Korps, bie Inhaber bes Orbensvirtuti militari unb un­zählige Adorbnungen der Legionäre, des Schützen­verbandes unb anberer Organisationen.

Eine unübersehbare Menschenmenge bildete in den Straßen Spalier. Balkone, Dächer und Bäume waren mit Menschen besetzt, die ihrem toten Mar­schall die letzte Ehre erweisen wollten. Soldaten in

Stahlhelm mit präsentiertem Gewehr säumten die Straßen. Sämtliche Büros und Läden hatten ge­schlossen, überall sah man Trauerfahnen.

Die letzte Parade.

Kurz nach 14 Uhr erschien nach über dreistündigem Marsch bie Spitze bes Trauerzuges, eine Kompanie Chevauleger^ mit bem schwarzbehängten Reitpferb bes Marschalls auf bem Mokotowplatz. Die enblose Reihe ber Kränze wirb rings um b e n Marschallhügel gelegt. Die Offiziere mit ben Orbenskissen unb bie Aborbnung ber Legionäre mit ihren alten Fahnen nehmen an bem Aufgang zum Hügel Aufstellung. Alle Häupter entblößen sich, als sechs Generäle ben Sarg auf ben Hügel tragen unb auf bie Lafette heben. Oden auf dem Sarg liegt wieder der Marschallstab, der Säbel und die schlichte blaue Feldmütze bes Toten.

Inzwischen haben sich am äußersten Enbe bes Platzes bie Truppenabteilungen formiert. Ihre Spitze setzt sich langsam in Bewegung. Als sie mit bem Generalinspekteur Rydz-Smigly an ber Spitze von etwa 100 Generälen sich bem Marschallhügel nähern, haben sich alle, bie biefer ergreifenben Parabe beiwohnen, von ihren Plätzen erhoben unb ihre Häupter entblößt. Dreimal senken sie Degen unb Fahnen, ehe sie an bem toten Mar­schall vorbeiziehen. Die je 100 Mann ber 90 Jnfan- terieregimenter, unter ihnen bie Ehrenkompanie bes 16. rumänischen Infanterie-Regiments, ber 48 Kavallerie Regimenter unb ber Flieger, Marine, Grenzschutzkorps unb ber Artillerie bifben einen enblofen Zug, ber erst nach etwa einer Stunbe sein Ende erreicht. Hin unb roieber unterbrechen bie Flugzeuge, bie über bem Platz in Staffeln krei­sen, bie Totenstille. Sonst ist nur bas bumpfe un­unterbrochene Wirbeln ber Trommeln vernehmbar. Es ist so still, baß man bie einzelnen Kommanbos ber Offiziere versteht unb bie gedämpfte Stimme bes Sprechers am Mikrophon hört.

Kurz nach 15.30 Uhr ist bie Parade beenbet. Der Trommelwirbel reißt ab unb bie Kapelle intoniert bie Nationalhymne. Die Ge­nerale betreten roieber ben Hügel, um ben Sarg in Empfang zu nehmen. Dumpf übertönt ber letzte Ehrensalut ber Geschütze bie Melobie ber Nationalhymne. Langsam tragen bie Generals auf ihren Schultern ben Marschall an ber Ehren­loge unb ben Hinterbliebenen vorbei auf ben bereit» stehenben Eisenbahnwagen. Offiziere tragen bie Kränze auf ben langen Wagen. Der bes Füh - rers wirb unmittelbar vor ber Protze niebergelegt. Eisenbahner treffen bie letzten Vorbereitungen für die Reise. Zu beiden Seiten bes Sarges beziehen sechs Offiziere mit gezogenem Degen bie Ehren­wache. Tränen finb in vielen Augen, als ber lange Wagen von ben Generalen roieber bis zu ber etwas weiter entfernt bereitstehenben Lokomotive gezogen wirb. Die tiefverschleierte Gattin bes Toten mit ihren beiben Töchtern besteigen ben für sie be­stimmten Salonwagen. Langsam setzt sich ber Zug in Bewegung. Zu beiden Seiten stehen bichtge- drängte Menschenmengen, um mit tränenden Augen ben größten Helden ber mobernen polnischen Ge­schichte stumm unb ehrfürchtig noch einmal zu grüßen.

pilsudskisletzteFahttnachKrakau

An ber ganzen Eisenbahnlinie von Warschau nach Krakau, Die ber Sonberzug mit dem Sarge Pilsudskis in der Nacht zum Sams­tag befuhr, hatte sich bie bäuerliche Bevölkerung eingefunben, um von bem großen Toten Abschied zu nehmen. Vielerorts waren riesige Feuer rechts und links der Bahnlinie angezün» bet. Freiwillige Feuerwehren aus ben anliegenben Ortschaften bildeten mit Pechfakeln einen Ehren­spalier. Vielfach war die Bevölkerung zu Fuß und

auf Wagen schon am Freitagmittag an ber Bahn­strecke angekommen unb harrte bort aus bis in bie tiefe Nacht hinein, trotz Regenwetter. Auf ben grö­ßeren Bahnhöfen wurde ein kurzer Aufenthalt ein­gelegt, bei dem von Geistlichen an Felbaltären M e ss e n gelesen wurden. Im Sonderzug würbe der Sarg in einem offenen Wagen in ber Mitte bes Zuges befördert. Auf ber ganzen Fahrt hielten Offiziere unb Solbaten am Sarge bie Ehrenwache. Ihn schmückten Kränze unb bas Drbensbanb Polonia restituta" sowie bie Staatsflagge. Damit man den Sarg des Nachts auch weithin sehen konnte, wurde er von kleinen Scheinwerfern be­leuchtet.

Die Ankunst in Krakau.

Kurz nach 8 Uhr traf der Sonderzug auf dem Hauptbahnhof in Krakau ein. Als der Sarg von den polnischen Generälen vom Wagen gehoben wurde, grüßten ber Staatspräsibent mit ber Regie­rung und bie militärischen Sonberaborbnungen und ausländischen Vertreter. Der Kardinal-Erzbischof K a k o w s k i mit den anderen kirchlichen Würden­trägern sprachen Gebete. Von der Straße her tönte dumpfer Trommelwirbel herüber, und in der ganzen Stadt läuteten bie Glocken. Durch ein langes Spalier von Offizieren trugen bie Generäle ben Sarg auf bie Lafette, bie auf bem Bahnhofsplatz wartete. Un­mittelbar hinter bem Sarg führte General Rybz - S m i g l y bie Gattin bes Dahingeschiebenen und andere Offiziere die beiden Töchter. Der Staats­präsident folgte. Langsam formierte sich der Trauer­zug in dem auch die deutsche Abordnung mit dem Ministerpräsidenten General Goring an der Spitze und dem deutschen Botschafter v. M o 11 k e sowie die drei Vertreter der deutschen Wehrmacht schritten. Draußen auf bem Platz vor bem Bahnhof harrten in stummer Trauer bie Aborbnungen ber verschiebensten militärischen unb halbmilitärischen Verbänbe, ber Vereine unb Aborbnungen von Bau­ern aus allen Teilen bes Laubes. Nur das Schluch­zen der Frauen unb auch vieler Männer unterbrach die tiefe Stille. Lange schwarze Fahnen kennzeich­neten ben Weg, ben ber Zug nahm. Auf hohen Kan- belabern züngelten Flammen.

Oie künftige Politik Polens.

L o n b o n , 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Times" beschäftigt sich mit ber voraussichtlichen Entwicklung der polnischen Außenpolitik nach bem Tobe Pilsubskis. Angesichts ber politischen Erb­schaft, bie Pilsubski hinterlassen habe, fei gegen­wärtig nicht mit einer Aenberung in ber polnischen Außenpolitik z u rech­nen. Allerdings werbe ber vereinheitli­ch e n b e Einfluß bes Marschalls schwer vermißt werden. Sein tiefer Haß gegen Ruß­land werde von der Mehrzahl seiner Nachfolger nicht geteilt. Pilsudskis größter persönlicher Erfolg in der Außenpolittk sei das in Zusammenarbeit mit Reichskanzler Hitler erzielte Abkommen mit Deutschland gewesen. Nach seinem Tode sei es möglich, obwohl bie Tendenz hierzu wahr­scheinlich nicht ausgeprägt fein werde, daß d i e Spannung mit Rußland abgeschwächt und ein Teil der früheren herzlichen Begehungen mit Frankreich wiederhergestellt werden könne. Die Bemühungen Lavals in Moskau und Warschau seien naturgemäß darauf hinaus gegangen, die drei Staaten so eng wie möglich zusanünenzubringen^ Erhebung her deutschen unh chinesischen

Gesandtschaften zu Botschaften.

Berkin, 17. Mai. kDNB.) Die Reichsregierung hat beschlossen, der chinesischen Regierung vorzu­schlagen, bie beiberfeitigen Gesanbtschasten zu Bot­schaften zu erheben. Der Reichsminister bes Aeußern, Freiherr von Neurath, hat heute den chj-,