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Nr. 92 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, l8. April M5

Aus der Provinzialhaupistadi.

Karfreitag.

Haben wir schon einmal unsere Wege nur Einen Tag lang genau geprüft, warum wir sie gingen und wohin sie führten? Wie ernst, wie erschütternd ernst müßte erst die Antwort auf die Frage nach den Weaen in unserem ganzen bis­herigen Leben ausfallen! Ob bei vielen Menschen unter all den tausend Wegen ihres langen Lebens auch der Weg nach Golgatha zu finden ist? Ob wir diesen heiligen Weg wenigstens einmal schon ge­gangen sind? Oder ist er unser Lebensweg gewor- oen, so daß wir mit Zinzendorf jubeln können: -öch bin durch manche Zeiten, wohl auch durch Ewigkeiten mit meinem Sinn gereist. Nichts hat mir Herz genommen, bis daß ich hingekommen gen Golgatha. Gott sei gepreistl"? Wie dem auch sei morgen am Karfreitag, sollten wir diesen Weg nach Golgatha hin zu dem Gekreuzigten gehen.

Wenn wir dann unter seinem Kreuz angekom­men sind, wird uns auch heute wieder heiliges Staunen überkommen. Welch eine Wandlung ist mit diesem Kreuz von Golgatha geschehen! Einst vor 1900 Jahren ist auf Golgatha ein Mensch gekreuzigt worden, wie viele vor ihm und nach ihm. Er stirbt dort, scheinbar verlassen von Gott und aller Welt. Seine Feinde triumphieren, denn sie sind am Ziel, und er ist am Ende. Jesus von Nazareth scheint vernichtet, seine Sache verloren.

Und heute? Da ist sein Kreuz nicht mehr das Holz der Schmach, sondern das Zeichen höchster Ehre. Es leuchtet von unseren Kirchtürmen segnend ins Land. Es steht auf unseren Gräbern als Sinn­bild des Trostes. Die Botschaft von dem Gekreu­zigten, in aller Welt verkündet, bezwingt noch heute das Menschenherz und wird noch nach Jahrtausen­den die Menschen in ihren Bann ziehen. Je mehr wir diese gewaltige Tatsache bewundernd betrachten, um so klarer wird uns, daß der Gekreuzigte diesen Sieg erringen mußte. Denn dort auf Golgatha voll­endet sich ein einzigartiges Heldentum. Jesus, der in seinem Leben heldenhaft gerungen hatte mit der Not, der Sünde und dem Tod in der Welt, offen­bart dieses Heldentum in der erhabensten Größe am Kreuz mitten im Sterben und Unterliegen. Denn er bleibt seiner Sache treu. Er steht für sie ein bis zum Tode. Er trägt seine Bürde einer Welt Sünde ganz allein, ganz einsam, aber er trägt sie durch Kampf zum Sieg. Heldentum ist immer schwer zu bewähren, auch wenn man Schulter an Schulter kämpft. Aber Held bleiben, auch wenn man ganz allein und verlassen ist, Held sein und bleiben auch in schwerster Seelennot, in der selbst Gott {einen Auserwählten verlassen zu haben scheint >as hebt dieses Heldentum in Uebermenschliche. Das läßt den einzigartigen Sieg dieses Helden schon auf Golgatha ahnen.

Dort auf Golgatha offenbart sich aber noch mehr: dort vollendet sich ein einzigartiger Glaube. Der Mann, der hier den schwersten Tod stirbt, hatte in sonnigen Tagen sein Jünger gelehrt, an Gott als an ihren Vater zu glauben. Er hatte selber sein herrliches Leben gebaut auf diesen Glauben an seinen Vater. Nun muß er die Probe, eine einzig­artige schwere Probe, auf diesen Glauben bestehen. Kein Engel erscheint. Kein Wunder geschieht. In tiefes Schweigen hat sich der Gott eingehüllt, von dem er bisher immer wieder Hilfe erfuhr und Kraft entgegennahm. Aber Jesus siegt in dieser schwer­sten Glaubensprobe. Er bleibt gewiß seines Gottes und des gnädigen Ratschlusses dieses Gottes, daß nur dieser Weg durch Sterben und durch Bluten zur Erlösung der Menschheit führt.

Damit stehen wir bei der tiefsten Wahrheit, die uns der Gekreuzigte am Karfreitag wiederum ver­kündet, bei der Botschaft von einer einzigartigen Liebe. Jesus von Nazareth, dessen ganzes Leben Liebe und weiter nichts als Liebe zu seinen Mit­menschen war, vollendet diese Liebe am Kreuz. Er sagt Ja zu Gottes heiligem Willen der Welterlösung Er sagt Ja zu dieses Gottes größter Liebestat, ob­gleich "die Menschheit ihm ihr Nein in der entsetz­lichsten Form entgegenschleudert, indem sie den Boten dieser göttlichen Liebe ans Kreuz schlagt.

Die NGV. verteilt Ostereier.

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(Aufnahme: Photo-Pfaff)

Eier werden ausgepackt und für die Ausgabe vorbereitet.

Im Lager des Winterhilfswerkes: die

Als eine Sondermaßnahme zum Oster- f e ft verteilte die NS. - Volkswohlfahrt am gestrigen Mittwoch an hilfsbedürftige Volksgenossen in unserer Stadt Ostereier. Bei dieser Osterfreude war die NSV. in der Lage, an die Gießener Volksgenossen rund 13 0 0 0 Eier aus dem Er­trag der Ostereiersammlung in unserer Stadt ab­zugeben. Mit dieser Sondermaßnahme der NSV., durch die in viele Familien von Volksgenossen eine schöne Osterfreude gebracht wurde, ist der

reiche Segen dieser Arbeit erneut in sehr ein­drucksvoller Weise zutage getreten. Man kann sich nur freuen, daß durch diese Arbeit der NSV. und durch die verständnisvolle Mithilfe aller Volks­genossen es möglich ist, den hilfsbedürftigen Fami­lien in wirkungsvoller Weife beizustehen und ihnen das starke Erleben der deutschen Volksgemeinschaft im Geiste des Führers Adolf Hitler zuteil wer­den zu lassen.

Gerade an dieser Größe der menschlichen Schuld offenbart sich die ganze Größe der göttlichen Liebe in dem Gekreuzigten. Wir können dies Geheimnis von Golgatha nicht besser andeuten, als mit den Worten: Jesus starb für uns. Einer hat sich für alle geopfert. Und dadurch hat dieser Eine uns alle erlöst.

Erscheint uns das unglaublich? Nun, dann wol­len wir doch bedenken, daß schließlich alles wahre Leben stellvertretendes Opfer ist. Eine Mutter opfert sich für ihr Kind, eine Frau für ihren Mann. Unsere deutschen Heldenbrüder opferten sich für des Vaterlandes Leben. Alle Großen dieser Welt haben für ihre Sache opfernd einstehen müssen. Ja, alles Leben kommt nur durch Opfer zustande. Und da sollte es bei dem Größten, der über diese Erde ging, anders gewesen sein?! Nein! Bei diesem Größten offenbart sich eben auch das größte Opfer, mehr: das einzigartige Opfer! Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt." Darum, du gequältes Menschenherz, du geängstetes Gewissen, du beladene Seele:Suchst du Frieden für das arme Herz, dürstest du nach ew'gem vielem Heil, willst du Balsam für des Lebens Schmerz, brauchst du Deckung vor der Sünde Pfeil geh nach Gol­gatha, da wird alles, alles dir zuteil!"

Das hat der Gekreuzigte für uns getan. Was tun wir für ihn? Etwas müssen wir heute für ihn tun, denn die Botschaft vom Kreuz ist nicht nur da für eine andächtige Betrachtung, für stimmungsvolle Feiern, für grübelndes Nachdenken, sondern sie zwingt uns mit linder und doch starker Gewalt zum Handeln. Sie verlangt von uns eine Tat. Darum wollen wir mit der Wahrheit vom Karfrei­tag dadurch ernst machen, daß auch wir in die Ge­meinschaft derer eintreten, die Opfer zu bringen

bereit sind. Wir wollen Menschen werden, welche die Not unserer Weggenossen mehr empfinden als die eigene und die darum an der Linderung dieser Not arbeiten müssen mit der Drangabe der ganzen Kraft, ja mit Drangabe des Lebens. Wir wollen Kämpfer werden, die dadurch dem Gekreuzigten nachfolgen, daß sie sich einsetzen mit heiligem Wil­len und brennender Seele gegen die Sünde in uns und um uns. Wir wollen auch darin unferm Erlöser nachfolgen, daß wir das Opfer des Glau­bens bringen, Gott zu vertrauen auch da, wo wir nur Dunkel, nur Sinnlosigkeit, nur Tod sehen. Erst aus solchem Opfer wächst auch für den Glauben neues Leben. Und vor solchen Opfern stehen die Menschen still und kehren um. Solche Opfer zerbre­chen noch heute Sünde und Not und sind stärker als die Welt. Denn in solchem Opfer ist Gott. In diese Gottesgemeinschaft wollen wir eintreten, indem wir geloben, durch unser Leben unseren Mitmenschen den Gekreuzigten zu verkündigen und damit den Gott der Liebe!

Daten für den 19. April.

1560: Der Reformator Philipp Melanchthon in Wittenberg gest. (geb. 1497). 1713: Pragma­tische Sanktion Kaiser Karls VI. 1824: Der eng­lische Dichter Lord Byron in Missolunghi gest. (geb. 1788). 1882: Der Naturforscher Charles Dar­win in Down bei Beckenham gest. (geb. 1809). 1906: Der französische Physiker Pierre Curie, Ent­decker des Radiums, in Paris gest. (geb. 1859). 1916: Der preußische Generalfeldmarschall und tür­kische Pascha Colmar Freiherr v. d. Goltz in Bag­dad gest. (geb. 1843).

Vornotizen.

Tageskalender f ü r Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße,Oberwachtmeister Schwenke". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg,Im

Schatten der Unterwelt." Oberhessischer Kunst­verein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr, 2. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz.

Tageskalender für Karfreitag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße,Oberwachtmeister Schwenke." Astoria-Lichtspiele, Seltersweg,Im Schatten der Unterwelt" MTV., Karfreitag- Wanderung, 8.20 Uhr Abfahrt nach Bieber, Nach­zügler Treffpunkt 16 Uhr auf dem Gleiberg.

SA -Appell am Samstagabend

Die S A. des Standorts Gießen mar­schiert am kommenden Samstag, dem Geburts­tag des obersten SA.-Führers Adolf Hitler, um 20 ll h r zu einem SA. - Appell mit Gro­ßem Zapfenstreich auf Oswaldsgarten auf.

Kaust neue Schulbücher!

In Elternkreisen besteht vielfach noch Unklarheit über die ab Ostern 1935 gültigen, amtlich zugelasse­nen Schulbücher. Um Verdruß und Fehleinkäufe zu vermeiden, sei auf einen Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 5. Februar 1935 hinge­wiesen. Dieser Erlaß bestimmt,daß im kommen­den Schuljahr 1935/36 mit Ausnahme des Lese­buches für das 5. und 6. Schuljahr und der Fibel mit Neueinführungen von Schulbüchern für die Volks schulen nicht zu rechnen ist". Welche Fibel ab Ostern 1935 (1. Schuljahr) gebraucht wird, gibt der Schulleiter im Einvernehmen mit der Schul­aufsichtsbehörde den Eltern bekannt. Das neue, vom Reichskultusministerium vorbereitete Lese­buch für das 5. und 6. Schuljahr wird etwa um Pfingsten erscheinen. Für alle anderen Volksschul­klassen und Unterrichtsfächer bleibt es bei den bis­her eingeführten Büchern. In den Mittel- und höheren Schulen bleiben die bisher eingeführ­ten Bücher auch für das Schuljahr 1935/36 in Ge­brauch. In dem genannten Erlaß des Reichskultus­ministers heißt es weiter:Ich lege Wert darauf, daß alle Schüler im Besitz der vorgeschriebenen Schulbücher sind, und bitte, die Schulaufsichtsbeam­ten anzuweisen, bei den Besichtigungen besonders darauf zu achten". Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Deutsche Buchwerbung macht daher die Eltern auf folgendes aufmerksam: Wie ein Handwerker nicht ohne Werkzeug arbeiten kann, so gehört auch 3ur Schularbeit das eigene Buch zum geistigen Rüst­zeug. Eltern, kauft euren Kindern neue Schul­bücher! Ihr erzieht sie dadurch zu Ordnung und Sauberkeit. Jeder Schüler, der ein eigenes Buch besitzt, wird sich intensiver mit seinem Inhalt be­schäftigen und daher besser vorwärts kommen. Eltern, bedenkt auch, daß jedes neue Buch deut­schen Arbeitern Lohn und Brot gibt! Helft mit am Aufbau der deutschen Wirtschaft!

Handelskammerstenographen-Prüfung Frühjahr 1935.

Arn vergangenen Sonntag fand bei dem örtlichen Prüfungsausschuß der Industrie- und Handelskam­mer Gießen die Frühjahrs-Geschäfts-Stenographen- Prüfung 1935 statt, der sich sieben Prüflinge unter­zogen.

Da in vielen Kreisen über die Anforderungen, die bei diesen Geschästs-Stenographen-Prüfungen ge­stellt werden, noch Unklarheit herrscht, sollen nach- folgend die wichtigsten Bestimmungen nochmals kurz erörtert werden: Wer ein Prüfungszeugnis erwer­ben will, wird in der Geschwindigkeit von 150 bzw. 180 Silben in der Minute und in Geschwindigkeiten von je 20 Silben mehr geprüft. Eine Vorprüfung, die lediglich den Zweck hat, Anfängern über ihre Leistungsfähigkeit Gewißheit und damit für die Hauptprüfung ein Gefühl der Sicherheit zu verschaf­fen, findet in der Geschwindigkeit von 120 Silben statt. Bei ihrem Bestehen wird eine einfache Be­scheinigung ausgestellt. Nach einem Vordiktat von einer Minute erfolgen zwei Diktate von je fünf Mi­nuten Dauer mit einer Zwischenpause von einer Minute. Das Uebertragen kann sowohl handschrift­lich, wie mit der Maschine geschehen. Von besonde­rer Bedeutung ist, daß Gegenstand der Prüfungen

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einem Herrn

still und schwer über Hof und Haus,lllft Petrus ging hinaus und meinte bitterlich."

Judas.

In festlicher Erwartung faß der Kreis der Zwölfe um den Herrn. Funkelnd stand der Wein, und duf­tend harrte das heilige Brot des göttlichen Segens. Doch einer war unter den Zwölfen, den Ungeduld erfüllte in der Stunde des Versöhnungsmahls: er hungerte nach seines Meisters Tat; und heiß brannte das Begehren in ihm, Jesum auf dem Königsthrone zu sehen. Langsam ging der Blick des Herrn von einem zu andern; sie lagen alle an feinem Mund und harrten eines Wortes, und das Wort kam aus dem Munde des Gottessohns; Tropfen um Tropfen; wie aus der Ewigkeit:Wahrlich, ich sage Euch: Einer unter Euch wird mich verraten .

Drei von den Elfen, seine Lieblingsjünger, hatte Jesus in den Garten Gethsemane genommen; sie zitterten und zagten um den Herrn doch zwang auch sie die Müdigkeit und Traurigkeit von ihm weg. Und inmitten der Nacht stand er, sich beu­gend unter den göttlichen Willen, in leuchtender Klarheit vor ihnen in der Stunde,da des Men­schen Sohn in der Sünder Hände überantwortet" ward.Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfe einer und mit ihm eine große Schar". Sie fürchteten sich vor ihm es hätte nur eines einzigen königlichen Wortes bedurft, und sie hätten ihn auf den Schild gehoben, und Judas und die Hohepriester statt feiner gekreuzigt; statt dessen aber litt er den Verräterkuß; befahl er Petrus: Stecke dein Schwert an seinen Ort"!; heilte er das abgeschlagene Ohr des Häschers und ließ sich grei­fen.Seine Jünger aber verließen ihn alle und flohen"

Doch von der Stunde an, da Jesus dem Gericht überantwortet ward, zerfraß der Verrat des Judas Seele. Die Dornenkrone, die sie Jesus in die bleiche Stirn gepreßt, drang mit spitzen Stacheln in des Verräters Herzund er brachte wieder die dreißig Silberlinge den Hohepriestern und den Aeltesten und sprach: Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe."

Die aber zuckten die Achseln.Da siehe du zu! Und sie kauften für das befleckte Geld den Töpfers­acker für das Begräbnis landfremder Pilger. Judas aber floh in die Nacht hart und schaurig hallten seine Schritte wider in den menschenverlassenen Straßen; wie ein glühendes Feuer brannte der ver­räterische Kuß in ihm fort; Jesus stand schweigend und in göttlicher Heiterkeit unter den Geißelschlägen der Knechte; Judas aber ging hin und erhängte sich. Und Jesus war bei ihm im Schrecken seines Todes

Passion.

Von Hellmuth Langenbucher.

Die große Verlassenheit.

Und er nahm das Brot dankte und brach s und gab's ihnen"; und es lag nun wieder we eine stille Zuversicht auf seinem Anlitz; und md)ts löschte die Zuversicht aus: nicht das Wort.Doch siehe, die Hand meines Verräters ist nut nur über Tische", und nicht das andere,Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleug­net hast, daß du mich kennest". Dann aber war die große Verlassenheit um ihn. In leiser, drän­gender Schwüle lag eine junge Fruhlmgsnacht über Gethsemane. Juda marHbenb-

mahl hinausgegangen den Herrn zu verraten. Bon den Elsen nahm Jesus dreii mit sich. drei daß sie mit ihm wachten tn Gethsemane.Uno er riß sich von ihnen einen Steinwurf wett und kme e nieder' betete und sprach:

nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, son dem dein Wille geschehe!" - Mit Mim gingern griff die Einsamkeit nach ihm; em Engel vom Himmel erschien ihm und stärkte ihn, die and aber hatten ihn alle verlassen; - reglos lag d Landschaft; nicht eines einzigen Vogels Schr störte, löste die bleierne Stille, seine Junger fenin Traurigkeit"; sie schliefen, auch als von ferne das Waffengeklirr der von dem Verräter Ju das geführten Häscher laut und grell die Ruhe sy>ndit verbrach.Und es kam, daß er mit lobe rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf Die E^e." Die Natur hielt den Atem an; allein, einen Steinwurf wett von den schlafenden ^uiigern, taub ber Herr; allein in ber großen Verlassenheit aller Kreatur; wie Blutstropfen fiel fern Schweiß auf bie Erbe, unb es wuchs baraus die Blume ber Vergebung, - Jesu Seele aber warb frei, - unbfk traten hinzu unb legten die Hande an Jesum und griffen ihn .

Die Verleugnung des Petrus.

Ueberrounben war bie Stunbe am Oelberg, ba alle Not ber Welt unb eines menschlichen Herzens auf ben Herrn eingebrochen war; ba er mit bem göttlichen Vater gerungen hatte um ein Zeichen feines Willens; ba fein Schweiß wie Blutstropfen auf bie Erbe gefallen war unb ba bie Einsamkeit mit schwarzen Schwingen über ihm zusammen­geschlagen im Angesicht seiner schlafenben Jünger.

Ueberrounben war auch ber Verräterkuß bes Jubas, benn Jesus wußte um bie eherne Unab- änberlichkeit bes von Gott gefügten Schicksals, bas sich bie(en unglücklichen Menschen zum Werkzeug ausersehen hatte.

Dann aber kam bie Stunbe, ba er geschlagen unb gehöhnt, bespien unb bumpfer, irrer Rohheit ausgesetzt, als gemeiner Verbrecher mißhanbelt, schweigenb stanb in einem Raume bes hohepriester- lichen Hauses, bieroeU im Vorhofe neugierige, gaf- fenbe Menschen sich ber Kühle ber moraenlanbischen Nacht erwehren wollten burch ein offenes Feuer, um bas sie lauernb, irgenb etwas Ungewöhnliches erhoffenb, hockten. Aber ber stille Dulber erfüllte nicht bie gierenben Erwartungen, unb bie hier um bas Feuer saßen, hatten Lust, ein anberes Opfer sich auszusuchen. War nicht einer unter ihnen, ber um Jesus gewesen war, ber vor einer Stunbe erst einem ber gefangennehmenben Knechte bas Ohr abgehauen hatte?Da sah ihn eine Magb sitzen.

Ich kenne ihn nicht." Unb noch einmal unb zum brittenmal:Ich kenne ihn - nicht .

Ein rascher harter Kampf mit Worten. Schon roieber brütete bie schläfrige Mübigkeit um das s^uer. Unb keiner von benen, bie hier saßen, unb keiner von benen, bie ben Sohn Gottes mit geiler Lust zermarterten, unb kein Mensch auf ber weiten Welt spürte in sich wie Jesus bas Beben ber Erbe, bie Klage ber Nacht unb aller Kreatur; keiner hörte ben Wellenschlag bes Meeres der unendlichen Todeseinsamkeit, in dem Jesus mitten mne stand.

Und der Herr wandte sich unb sah Petrus an." Der eisige Schauer ber letzten Kreuzesverlassenhett wehte ben Gottessohn hier an; einen Augenb ick lang schlugen bie Flammen ber Verzweiflung zu­sammen über bem Glauben an ben Sinn feiner Passion boch eines einzigen Augenblickes Lange nur Die Hanb Gottes legte sich auf bes Sohnes Haupt, bas noch bes Dornenschmuckes harrte, unb eine namenlose Milbe leuchtete im Auge des Dul­ders auf.Unb ber Herr roanbte sich unb sah Petrus an." Die kühle, bunkle Nacht bie über tote Steine selbst bas große Erbarmen brachte, stanb

Der Einzug Jesu in Jerusalem war zu rauschenben Fest geworben. Das Tier des , ging auf Teppichen; Palme unb grüne Zweige zeigten ben Weg bes Gefeierten an; bie Menge rief ihm bas taufenbfache Hosiannah jubelnb zu; die Blicke des Herrn gingen lächelnd über bie wo- cenbe Menge weit hinaus; unb sie sahen fern ein Kreuz, aufgerichtet in einen grauen Morgen unb aus ihrem Hosiannah klang ihm bumpf unb schwer das Kreuziget" entgegen.

und hatte längst die unselige Tat vergeben um aller menschlichen Sünde willen.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Martin Sticker, der bekannte Seuchenforscher und frühere Ordinarius für Ge­schichte der Medizin in Würzburg, beging am 17. April den 7 5. Geburtstag. Er stammt aus Köln, promovierte in Bonn, war dort Unterarzt an der Medizinischen Klinik, Assistent des bedeuten­den Magenarztes Professor Riegel in Gießen, habilitierte sich dort 1895, gehörte 1897 ber von Ro­bert Koch geleiteten Deutschen Kommission zur Be­kämpfung der Beulenpest in Ostindien an, wurde 1899 außerordentlicher Professor in Gießen, 1905 Direktor des Städtischen Krankenhauses in Mün­ster i. W., 1913 ordentlicher Honorarprofessor unb ging 1922 als Orbinarius nach Würzburg. In zahl­reichen Arbeiten hat er bie Fragen ber Krcmkheits- unb Seuchenentstehung bearbeitet unb ist eine an­erkannte Größe auf bem Gebiet ber Seuchenfor- schung. Er hat auch volkstümliche Schriften zur Verhütung von Krankheiten verfaßt, bie zu ben besten ihrer Art gehören.

In ber Medizinischen Fakultät ber Universität Frankfurt finb am 1. April zwei orbentliche Professoren in ben Ruhest anb versetzt worben: Professor Dr. von Mettenheim, Ordinarius für Kinderheilkunde, unb Professor Dr. Schnaub- igel, Orbinarius für Augenheilkunbe.

An ber Universität Hamburg würben wegen Erreichung ber Altersgrenze von ben amtlichen Ver­pflichtungen entbunben: ber orbentliche Professor für Sprache unb Kultur Chinas, Dr. Alfreb Forke; ber orbentliche Professor für afrikanische Sprachen, Dr. Karl M e i n h o f; ber orbentliche Professor für Völkerkunbe, Dr. Georg Thilenius; ber orbent­liche Professor für Astronomie, Dr. Richard Scharr; der ordentliche Professor für Hygiene. Dr. Paul Rabe; der außerordentliche Professor für innere Medizin, Dr. Hugo S ch o t t m ü l l e r; der ordentliche Professor für Chemie, Dr. Paul Rebe, ber außerorbentliche Professor für Philo­sophie, Dr. Albert G ö r I a n b. Die Entpflichtung ber Professoren Forke, Meinhof, Thilenius, Scharr, Neumann unb Schattmüller erfolgte mit ber Maß­gabe, baß sie weiterhin mit ber Vertretung ber non ihnen innegehabten Professuren beauftragt warben finb.

Professor Dr. Fischbeck van ber Universität Tübingen hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl für physikalische Chemie an ber Universität Hei­delberg angenommen.