llr.92 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstages. April M5
Mit Kreuzer „Emden" um die halbe Welt
richtigen Brückenhund geworden ist und sehr fleißig mit auf Wache geht.
Trincomalee ist der Haupthafen des britifch-o st indischen Geschwaders. Unter den rund 10 000 Einwohnern gibt es außer den Besatzungsangehörigen der englischen Schiffe nur noch wenige Weiße. Deutsche wohnen hier nicht, aber aus Colombo sind einige herübergekommen, um uns zu begrüßen. An Land sieht man überall die bunte Tracht der Bevölkerung, Singhalesen und Inder herrschen vor Die einfachen Häuser der Eingeborenen liegen eingestreut zwischen Palmen, und in fast jeder Straße trifft man auf mehrere Tempel Vishnus oder Shivas. Auch recht viele Vertreter der mohammedanischen Religion findet man hier. In einem Tempel Shivas zeigte man uns den künstlerisch ausgestalteten Götterwagen, auf dem ein Abbild des Gottes bei besonderen Festlichkeiten durch den Ort gefahren wird. Ein anderer dieser Wagen befindet sich bei einem Handwerker nebenan im Bau, seine Fertigstellung dauert fünf Monate und sein Preis wird 10 000 Rupees betragen.
Ueberall kommen die Händler aus ihren nach der Straße zu vollkommen offenen Läden heraus und laden zur Besichtigung ihrer Waren ein. Sie preisen an, holen ihre Schätze hervor und handeln; sie wissen ganz genau, — es hat sich schon herumgesprochen — daß wir nur beschränkt über Devisen verfügen, aber trotzdem versuchen sie fieberhaft, uns ein Mitbringsel zu verkaufen. „Heil Hitler, Master?" Mit diesem Gruß kommen viele der Händler nach Dienstschluß an Bord und dann beginnen sie ihre Ware an Bord auszubreiten. Ganze Herden aus Elfenbein und Ebenholz geschnitzter Elefanten bauen sie auf beiden Mitteldecks auf, und aus ihren Koffern kommen Kästen und Päckchen mit Edel- und Halbedelsteinen hervor. Ceylon ist ja das Land der Edelsteine. Dann halten sie die schöngeschliffenen Steine in eine dunkle Ecke und bewegen sie mit den Fingern
VII.
ArMeriefchießen vor Ceylon.
Von Korvettenkapitän (3ng) Weber*
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
An Bord Kreuzer „Emden", April 1935.
Der Hafen von Trincomalee an der Westküste von Ceylon ist ein prachtvoller Naturhafen. Beim Einlaufen feuern wir den Landessalut und den Salut für die Flagge des englischen Admirals, die beide erwidert werden.
In den ersten Märztagen findet das Artillerie- und Torpedöschießen statt. Die Scheibe, die unser Begleitdampfer „Mittelmeer" aus der Heimat mitgebracht hat, wird früh morgens durch ein Arbeitskommando aufgebaut. Die Artilleristen unter der Führung des 1. Artillerieoffiziers sieht man durch Zentrale, Leitstände und an den Geschützen vorbei ziehen, überall werden die letzten Anweisungen erteilt. Dann treffen wir mit unserem Begleitdampfer zusammen, der jetzt als Scheibenschlepper dient und wenig später fällt programmgemäß der erste Schuß. Das Oberdeck hat ein ganz anderes Gesicht bekommen; das Sonnensegel ist geborgen, die Reeling ist herunter- geschlagen und die Panzerblenden der Seitenfenster sind geschlossen. Im Innern des Schiffes steigen die Temperaturen ins Unerträgliche. Munition wird über Oberdeck gemannt. Weit drüben sieht man das Verkehrsboot, das das Scheibenkommando an Bord hat. Nach jedem Anlauf geht es an die Scheibe, um die Trefferzahl festz'ustellen und bei uns an Bord freut sich ein jeder, wenn das Resultat gut war.
Abends wird noch eine andere Gruppe sehr rege. Es ist die des Ing.-Offiziers für die elektrischen Anlagen und seiner Scheinwerfermänner. Nach einem Gang an den Dieseln vorbei, die die Dynamomaschinen antreiben, geht's
fiel er in einen 24 Stunden langen todähnlichen Schlaf. Vergessen darf auch „Whisky", ein Ter- _ , rier, nicht werden, der im Laufe der Zeit zum I als wenn sie
die Wasserstandsgläser der Kessel. Dann rasselt der Düsentelegraph, das Schiff geht auf eine geringere Geschwindigkeit. Auf der Brücke ist inzwischen das Aufkommen des Torpedo festgestellt worden. Der wachhabende Offizier bringt das Schiff in seine Nähe: ein Kutter wird ausgesetzt, der den „Aal" wieder einfängt und an Bord bringt. Kaum liegt er an Deck, so beginnt der neue Anlauf. Nach dem Schießen gehen wir gegen Abend wieder vor Trincomalee zu Anker.
Inzwischen hat sich bei uns an Bord allerlei Getier angesammelt Zuerst kam neben Vögeln und sonstigem kleinen Viehzeug rote Schildkröten, Chamäleons usw eine Gazelle an Bord, die damals in Porto Amelia vielleicht 14 Tage alt war. Es ist ein wunderhübsches Tier mit großen Augen und feingliederigen Läufen. Es muß noch mit der Flasche groß gezogen werden. Auf dem Backbord-Signaldeck sitzt ein Halbaffe, ein zutrauliches Wesen, das eine besondere Vorliebe für bunte Getränke und Zigarettenstummeln hat. Ein richtiger Affe ist „Iäcky", der aber in einen Käfig gesperrt werden mußte, weil er unseren Chinesen die frisch gewaschene Wäsche herunterholte und auch sonst den ganzen Tag über nichts als Unsinn trieb. Dagegen ist gang ungefährlich „Johanna", d i e Riesenschilokröte. Sie bewegt sich kaum und nimmt nicht den geringsten Anteil an den Geschehnissen dieser Welt. Auch die Gattung der Raubtiere ist durch zwei FI p i n e Leoparden feit Trincomalee vertreten. Für die Belustigung unserer Kranken im Lazarett sorgt „Moritz", ein kleiner Affe, der anfangs auch noch die Flasche haben mußte. Neulich hat er bei einer Bestandsaufnahme dem Sanitätsmaaten eine Schlaftablette gestohlen und diese gefuttert, woraufhin ihm zunächst die Beine versagten, dann konnte er den Kopf nicht mehr oben halten und schließlich
n leicht hin und her. „Look Here, Master!“, und aus dem Finstern heraus sieht man die Steine blitzen, n I als wenn sie mitten in der Sonne lägen. Drüben
hinauf zu den Scheinwerfern. Nachtartille- r i e s ch i e ß e n gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die man an Bord eines Kriegsschiffes haben kann. Wenn in dunkler Nacht das gesammelte Licht der Scheinwerfer die Scheibe trifft und kurz darauf das Geschützfeuer aufblitzt, dann hält es niemanden mehr unter Deck, es sei denn, daß er Wache hat und deshalb diesem Schauspiel nicht beiwohnen kann. Nach dem Artillerieschießen tritt die Torpedowasfe in den Vordergrund. Wir haben eine Menge Kriegs- und Nachkriegstorpedobootsfahrer an Bord. Sie alle verfolgen mit regstem Interesse die Vorbereitungen und das Schießen selbst. „Rohr III fertig!" — „Rohr III ist fertig" — „Rohr III---los!"
Kurz nach dem letzten Kommando des 1. Torpedooffiziers klatscht der „Aal" ins Wasser. Dann folgt das Kommando „Beide Maschinen 25 Meilen" und mit allmählich steigender Geschwindigkeit schert der Kreuzer in die Blasenbahn ein.
Ich gehe zum Maschinenleitstand hinunter. Dort steht der wachhabende Ingenieur, den Blick au das Instrumentenbrett gerichtet. Don achtern her klingt das singende Geräusch der Rädergetriebe herauf; der Ton wird mit den steigenden Umdrehungen Immer höher. Unten in den Maschinenräumen liegen hinter den Manövrierständen der Maschinisten die Turbinen. Sie tun wie immer auch heute ihre Pflicht, manche Million an Umdrehungen haben sie schon hinter sich gebracht. Auch auf dieser Reise ist es so, bald wird die zehnte voll sein. In den Kesselräumen ist Hochbetrieb. Unter dem Aufheulen der Lüfter kann sich der Unteroffizier nur noch durch Pfeifensignale verständlich machen. Die Heizer führen die Befehle aus und werfen hin und wieder einen Blick auf
* Vgl. den letzten Brief in Nr. 81 des „Gießener
Anzeiger" vom 5. April.___________________
BdM begrüßt den Führer im Ruhrgebiet.
D-rFührerundReichskanzler wellte in den letzten Tagen >m Ruhige biet wo er dem 88jährigen Parteigenossen und Wirischastsführer Geheimrat Emil Kirdorf einen Besuch abstattete. Man sieht hier den Führer bei der Begrüßung durch Madel vom BdM.
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zeigt man die Härte der Steine Der Händler nimmt zwei Kupfermünzen und legt einen Stein dazwischen, bann tritt er mit voller Wucht darauf. Die Geldstücke sind verbogen, der Stein ist unbe- chädigt. Aber er will seinem Opfer, das ihm vielleicht doch eine Kleinigkeit abkauftn wird, doch noch einen anderen Beweis für die Güte feiner Wassersaphire liefern. Er fährt quer über das Seitenfenster der Oberfeldwebelküche und ist stolz, als doch ein Riß zu sehen ist nach dieser Prozedur. Dann knickt er merklich zusammen: der Oberbootsmann, dem die Sorge für das äußere Aussehen des Schiffes obliegt, hat ihn einmal kräftig an geblinzelt! Und am nächsten Tage bringt er für eine Versuche eine Glasscherbe von Land mit...
Jeden Tag ist das Bild dasselbe, aber auch immer wieder macht es Spaß zu sehen, mit welch neuen Mitteln die Händler es versuchen, ihre Ware an den Mann zu bringen. — Unterdesien hat sich zwischen uns und den Offizieren. Unteroffizieren und Mannschaften der im Hafen lieaenben enali- schen Schiffe „Emerald" unb „Colombo" ein freunb* chaftliches Verhältnis herausgebilbet Man beucht sich gegenseitig, schlendert zusammen durch die Straßen des Ortes und treibt zusammen Sport.
3n Cochm.
Cochin, wo wir am 15. März einlaufen, liegt an d e r Malabarküste. Hinter einem schmalen Landstreifen liegt ein großer Binnensee, dessen teilweiser Ausbau zu einem Hasen ü r Ueberseedampfer erst seit einigen Jahren betrieben wird. Heute ist es so, daß bereits mehrere große Schiffe dort an die Boje gehen können. Zu beiden Seiten der schmalen Fahrrinne, die in den Hafen hineinführt, sieht man große Senknetze von einer eigentümlichen Bauart, wie man sie sonst an der indischen Küste nicht findet: An einem riesigen Hebel aus Baumstämmen hängt ein großes, mit seinen Enden nach unten geführtes Holzkreuz. Zwischen diesen Enden ist ein quadratisches Netz gespannt Dor allem bei auflaufendem Wasser werden die Netze herunter gefiert und nach etwa einer Stunde wieder hoch geholt. Der Fang ist nicht überwältigend groß, aber er genügt, um außer der Befriedigung des eigenen Magens auch noch einen Handel im kleinen Stile zu betreiben. Diese, wenig Arbeit verursachende Art des Fischfangs soll vor zwei Jahrtausenden von den Chinesen hierher gebracht worden sein.
An Land angekommen, ist man zunächst etwas enttäuscht. Es ist ein anderes Indien, als man es erwartete, und wie man es aus Büchern kennt. Keine prunkvollen Bauten und Tempel zeugen hier von der alten Kultur Indiens Die Bevölkerung ist trotz des reichen Hinterlandes sehr arm unb lebt unter recht bürftigen Verhältnissen, es sinb zu viel Menschen, bie dieses Land ernähren soll. Geht man durch das Eingeborenenviertek mit seinen einfachen, von der Straße durch Flechtwerk abgegrenzten Hütten oder gar durch die engen Straßen des Hafenviertels, so merkt man diese Uebervölkerung recht deutlich: es wimmelt geradezu von Menschen. Zwischen ihnen herum laufen Kühe und Ziegen, ein scharfer, nicht gerade sehr angenehmer Geruch herrscht überall vor.
Besonders zutraulich sind die Kinder. Gewiß, sie betteln um einen Backschisch; aber wo >m Orient wird nicht gebettelt? Man gibt gerne eine Münze, schon um die zuversichtliche Erwartung, die in ihren klaren, manchmal wirklich schönen Kinderaugen geschrieben steht, zu erfüllen und tue Freude zu sehen. Die Alten stehen beiseite mit freundlichem Gesicht, sie scheinen zu fühlen, daß uns ihre Kinder nicht unsympathisch sind. Eines nur stört dieses schöne Bild unseres Erlebens. Das sind die Krankheiten, die unter der eingeborenen Bevölkerung herrschen. Besonders die Elefantiasis mit ihren furchtbaren Auswirkungen ist hier sehr stark vertreten! Auf dem Rückwege
„Oberwachimeister Schwenke"
Lichtspielhaus.
Marianne Hoppe als Maria Schönborn.
und der handelnden Personen. Wie der ursprüngliche Fall einer Deoisenschiebung n einen neuen Fall schwerer Erpressung und schließlich in eine dritte Affäre, einen Mordfall übergeht wie private Beziehungen in die amtliche Untersuchung hm- einspielen, und wie endlich die Jagd nach dem Tater aus einem doppelten Antrieb, einem amtlichen und einem persönlichen zugleich, ausgenommen rotrb. Und erst in dem Augenblick, als ber Verbrecher schon gestellt, gefaßt und scheinbar unschädlich gemacht ist, beginnt für ben Beamten ein Kampf, wenn nicht auf Tob unb Leben, so hoch um ferne moraIt^ unb ^dienstliche Existenz, ein Kampf, der ihn fast
Dieser Film der Europa wurde nach dem yleich- ; namigen Roman von H. I. Freiherrn von Reitzenstein gedreht, der vor einiger Zeit in einer Illustrierten erschienen ist. Das Drehbuch schrieben R A. S t c m m l c und E. Freiherr von Spiegel. Es ist ein großer und sehr spannender Film, der einen Kriminalfall behandelt, sich aber von den meisten ähnlichen Fällen dieser Art (im Film) durch zwei Umstände wesentlich unterscheidet: norm lich dadurch, daß es sich nicht um einen Bericht nach ben Akten, sondern ausdrücklich um einen Roman handelt, und daß zweitens in diesem Roman der Fall durchaus von der Polizei aus gesehen ist; genauer, daß der Beamte, der im Mittelpunkt der Ereignisse sieht, nicht nur dienstlich, sondern — auf eine ziemlich verwickelte Art und Weise - auch persönlich an dem Fall und an dessen Aufklärung beteiligt ist. Das verlegt den Schwerpunkt in der Darstellung so, daß man beinah von einem Polizei- Roman sprechen kann; jedenfalls intereffiert hier in erster Linie und am Ende ganz ausschließlich die Geschichte (nicht zuletzt auch: die Liebesgeschichte) eines Poftzeibeamten, eben jenes Oberwachtmeisters^ der dem Film seinen Namen gab. Daß dies em Mami der Berliner Polizei ist, scheint ebenfalls wesentlich, denn irgendwo in der Provinz wurde sch s cher Fall kaum in dieser Form haben abspielen kom nen Daß dabei überhaupt einmal, wenn auch nur flüchtig ein Blick in das dienstliche und private Dasein eines reichshauptstädtischen Schupomannes ge- worfen" wir?, macht den Film besonders interessant und anziehend, weil hier em sonst kaum h trachtetes Lebensgebiet erschlossen .. °?er wemg stens am Rande gestreift wird. Das lstnun wiederum ein springender Punkt: zu einem PaUzeiroman oder dem Roman eines Polizisten langt es nicht gan^ eben weil es sich um einen Film H°E^' „i/da? eine Verfilmung. Der Roman seinerseits, konnte da , aber das Drehbuch hat (notwendigerwefte wie durch aus zugegeben werden muß) recht einschneidend Veränderungen mit dem Stoff vorgenommen. D kommt zwar der Konzentration und der fi msichen Spannung ohne Zweifel zugute, «der mit dieser Konzentration mußte natürlich auch vieles - schwinden, was den Roman als ß^ben9au5J^^ni besonders we«rtvoll und eben zu emem (realistische ) Roman machte. Der Beschauer muh dagegen man ches kombinieren, was dort sehr klar und ursächlich verbunden zutage lag; und es konnten auch in der epischen Schilderung die im Brennpunkt der Favei zuiammenlaufenden und sich teilweise uberschnei- benben sehr verschiedenen Lebensspharen viel gründ-
licher und beziehungsreicher entwickelt und zur Anschauung gebracht werden. Immerhin merkt man dem Film noch deutlich genug die literarische Herkunft an: es ist nicht nur ein interessanter, spannender und stellenweise geradezu aufregender Film, sondern auch ein — bei aller Realistik — etwas romanhafter und fast romantischer Film. Wir meinen hier nicht den abweichenden Schluß, der bet Reitzenstein auch nicht überzeugender war, sondern die Verkettung der Vorgänge, der Handlungsteile
wehrlos findet; eine bösartige Verstrickung, der er beinahe zum Opfer fällt. Gerade diesen, rein menschlich interessantesten Abschnitt, werden manche gewiß als romanhaft, vielleicht sogar in seinen Voraussetzungen als unwahrscheinlich empfinden, aber man sollte bedenken, daß das Leben und der Zufall nicht einmal selten Situationen schafft, die ein Romanschreiber aus Instinkt ablehnen, und die man im Film unglaubwürdig finden würde.
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Die Regie — Carl Froelich — ist ausgezeichnet: sie bringt alles, was aus dem Drehbuch irgend herauszuholen war. (Daß die Vorlage nicht restlos ausgeschöpft werden konnte, wurde bereits gesagt und hat mit der Inszenierung nichts zu tun.) Die Vorgänge sind filmifch mit bestechender Sicherheit gesehen, Milieu, Schauplätze und einzelne Gestalten, auch in kleinen Episoden, mit einer oft verblüffenden Echtheit dargestellt. Daß die im Stoff begründete Aktivität und Spannung der Fabel vollkommen erfaßt und intensiv auf den Beschauer übertragen wird, versteht sich nahezu von selbst.
Den Schwenke gibt Gustav Fröhlich. Nur wenige werden sich erinnern, daß er schon einmal, noch im stummen Film, eine ganz ähnliche Rolle mit gleicher Sicherheit gespielt hat. Er ist ein netter Junge, tüchtiger Beamter, anständiger Kerl; er macht seine Sache dienstlich und menschlich ganz überzeugend, und es kann fein Zweifel sein, daß alle Sympathien auf seiner Seite sind. Was wir einzuwenden haben, wäre allenfalls dies, daß er gelegentlich um einen halben Grad zu sicher, zu gepflegt, fast hätten wir gesagt: zu weltmännisch wirkt für diese Rolle, die er hier zu spielen hat, und die natürlich von der Erinnerung an frühere und sehr andersartige Rollen empfindlich belastet wird. Äon den Frauen ist die Maria der Marianne Hoppe ein ganz anderer Typ als ihr Modell im Roman; aber sie spielt auch diese verwandelte Maria mit dem wachen Blick und dem warmen Gefühl, welches die Gestalt menschlich so anziehend und glaubhaft macht Auch die Fanny ist im Roman etwas anders angelegt, wird aber von Claire Fuchs, einer bisher kaum bekannten Darstellerin, in Geste, Tonfall und Aufmachung sehr sicher erfaßt. Eine überraschend geschlossene Leistung bietet Harald Paulsen, der von der Operette herkommt, unb dem man eine so echte Figur wie diesen zähen und gerissenen Erpresser schlechterdings nicht zutrauen konnte. Sehr gut Sibylle Schmitz als Erna Zuwade an ihrem verhängnisvollen Zwiespalt und Doppelspiel zwischen den Fronten. Emmy Sonne- mann gibt die Lena Wenkstern mit überlegener, gesellschaftlicher Gewandtheit, aber auch sehr nobel und menschlich in dem Konflikt, in den diese Frau ahnungslos und schuldlos verstrickt wird. Aus einer
Fülle scharf und realistisch gesehener Gestalten, die den Film bevölkern und so lebendig-bewegt machen, seien noch S t e i n b e ck als Wenkstern, D a n n e • mann als Wölfert, Dienert als Kommissar, Gernot als Chauffeur Fritsch und Oscar S a b o als überaus natürlicher Berliner Straßenbahner hervorgehoben.
Im Beiprogramm sieht man eine Reihe hübscher Tieraufnahmen und einen drolligen englischen Farbenfilm. Aus der Wochenschau interessiert vor allem ein Bildbericht von der Trauung des Reichsministers Göring in Berlin. — r —
Zeitschriften.
— „Der Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik". Preis vierteljährlich 2,50 Mk., einzeln 1,00 Mk. Hugo Bermühler Äerlag, Berlin- Lichterfelde. — Vertiefung naturkundlichen Wissens erhöht die Freude an der Natur. Darum sollte jeder ernsthafte Naturfreund diese Zeitschrift lesen. Mft dem ersten Heft des 12. Jahrganges legt „Der Naturforscher" wieder ein eindrucksvolles Zeugnis feiner rühmlichen Leistungen ab. Vielseitig, prachtvoll bebildert, tiefgründig und doch allaemeinver- ständlich sind die Aufsätze der bebeutenoen Fachwissenschaftler, bie barin zu Wort kommen. Aus bem reichen Inhalt sei nur auf einige bebeutfame Beiträge hingewiesen: Zu ber wichtigen Frage, ob „menschliche Krankheiten unb Rassenmischungen" in Beziehungen zueinander stehen, äußert sich der berufenste Vertreter der Rassenpathologie vom Kaifer- Wilhelm-Jnstitut für Anthropologie, Professor Dr. Otmar Freiherr von Derschuer. — Auch in der Pflanzenzucht gewinnt die Frage nach den Rassen immer mehr an Bedeutung Wie weit gegenwärtig die durch züchterische Mittel erzeugte Rassenent- stehung im Pflanzenreich gediehen ist. zeigt an gut bebilderten Beispielen Dr. H. Stubbe. Der bekannte Tierpsychologe Prof. Dr. Bastian Schmid (München) und der Tierphotograph Ferd. Hartung (Düsseldorf) haben gemeinsam einen hervorragend bebilderten zoologischen Beitrag geliefert: „Tiermütter und Tierkinder". — Der Pflanzengeograph Dr. K. Hueck legt die „Bedeutung der vegetationskundlichen Forschungen für die Bodenberoirtschastung" an Hand von einleuchtenden Beispielen und Bildern bar. — Die Frage nach bem „Golb im Meere" ist neuerdings von der Preußischen Meeresforschungskommis- fion in Kiel wohl endgültig gelöst worden. Hierüber gibt Dr. H. Wattenberg (Kiel) einen Bericht. — lieber ein neues Naturschutzgebiet auf der Insel Rügen berichtet Professor Dr. W Schoenichen. — Unter „Technik und Wirtschaft" finden wir einen bebilderten Aussatz über „Die Bekämpfung der Forstschädlinge mit Giftstoffen".


