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Montag, 18.MrzM5

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Hr.65 Drittes Blatt

Die Heldengedenkfeier in Gießen.

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Der Aufmarsch der Garnison und der nationalen Verbände auf Oswaldsgarten.

Die Gießener SA. bewirtet Kriegsopfer

Der Kommandeur bei seiner Ansprache im Verlaufe der Gedenkfeier auf Oswaldsgarten.

Kriegsopfer als Gäste bei der Gießener SA. (Ausnahme: Photo-Pfaff.)

Die SA.-Standarte 116 stattete in beson­derer Form einen Teil des Dankes an die gefalle­nen Helden des Weltkrieges ab. Die Standarte hatte etwa 250 Kriegerwitwen, Kriegerwaisen, Kriegsverletzte, Väter und Mütter von gefallenen Söhnen zu einigen kameradschaftlichen Stunden in das Studentenhaus eingeladen, gleichzeitig auch zu einem gemeinsamen Eintopf-Mittagessen, sowie zu Kaffee und Kuchen. Die Veranstaltung nahm einen sehr schönen und abwechselungsreichen Verlauf.

Standartenführer Lutter hieß die Teilnehmer willkommen. Das Andante cantabile von Beetho­ven, gespielt von einem Teil des Musikzuges der Standarte 116, leitete nach dem Mittagessen den ernsten Teil >der Zusammenkunft ein.

Standartenführer Lutter

Oer weitere Verlauf der Stunden.

Der weitere Verlauf der kameradschaftlichen Stunden brachte eine Reihe ausgezeichneter musika­lischer Darbietungen. Ein Chor, der sich aus An­gehörigen des Sturmbannes II zusammensetzte, brachte unter Leitung von Paul Nieren einige Lieder zum Vortrag. Paul Nieren wartete mit zwei Gedichtvorträgen auf (Das Bauernhaus" von Ilse Franke undAuch dies wird einst vorübergehen' von Klara Prieß). Richter sang einige Lieder (eine Arie aus demGlöckchen des Eremiten , Grün ist die Heide",Rolandsbogen",Der Kuckuck",Die Mühle", und das Auftrittslied des Barinkai' aus demZigeunerbaron"). Paul Nie­ren wußte einige unterhaltsame Anekdoten um Friedrich den Großen zu erzählen. Verschiedene Lieder wurden gemeinsam gesungen. Ein Soldaten- lieder-Potpourri, unter Leitung von Paul Nieren gesungen, unterhielt ausgezeichnet.

Ortsgruppenleiter H o r st dankte im Namen der Kriegsopfer für die unterhaltsamen Stunden. Zum Andenken an diese Veranstaltung wurde jedermann ein Bild des Führers, mit dem Namenszug des Standartenführers auf der Rückseite überreicht. Gegen 18 Uhr sprach Standartenführer Lutter das Schlußwort. Die schönen Stunden werden allen, die daran teilnehmen konnten, in guter Erinnerung bleiben.

rungenen Sieg mitzufeiern. Er fährt fort:Als der Geistliche das Schlußgebet sprach, sanken alle An­wesenden, junge Soldaten und alte Landstürmer, unter dem gewaltigen Eindruck des Erlebten auf die Knie. Ein würdiger Abschluß ihrer Heldentaten.

So ist es auch ein rechter Abschluß unseres Ge­denkens an die Opfer der großen Zeit, daß wir hintreten zum Kreuz unseres Heilandes, um un­ter seinem Kreuze uns die Kraft zu holen, m seiner Nachfolge den Weg der opferbereiten Pflichterfül­lung zu gehen nach seinem Wort:Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde." Amen.

Nach dem Vater Unser und anschließender wei­terer Choralmusik des Musikkorps folgte bie Ge- denkanjprache des

Katholischen Standortpfarrers Or. Hernmes

der in seiner Ansprache u. a. sagte: Eine einize große Familie stehn wir still und erheben unsere Toten­klage. Mit welch aufflammender Begeisterung sind sie, hoch und niedrig, jung und alt, einst hin- ausgezogen, um für die Ehre Deutschlands zu streiten. Wir erinnern uns, wie die allen voran­leuchtende große Idee Deutschland war. Deutsch­land schützen zu dürfen, gilt als eine selbstverständ­liche Pflicht. Da gibt es kein Prahlen, kein hohles Phrasengeklingel, aber auch kein Abmarkten, ferne Schlappheit. Eine geschlossene Phalanx, echte ger­manische Brudertreue! Wie zart und tief waren unsere Kameraden mit Gott verbunden.

Und doch, es war ein schweres Sterben. Jede Nation, die etwas auf sich hält, weiht ihren toten Helden ein unauslöschliches Andenken. Das Sterben unserer Krieger war aber auch ein b e i -

hielt eine Ansprache, in der er den Geist des Front­soldaten kennzeichnete, in kurzen Umrissen schilderte, und dabei betonte, daß es die Aufgabe der Front­kämpfer sei, der heutigen Jugend das ^ronterlebnis nahezubringon, damit es nicht mit den Frontkämp­fern ins Grab sinke. Die SA. glaube, den Helden­gedenktag nicht besser begehen zu können als mit einem Zusammensein mit den Angehörigen der Ge­fallenen und mit den Kriegsopfern. Einem Front­soldaten, unserem Führer Adolf Hitler, sei es ge­lungen, unser Volk von dem drohenden Abgrund zurückzureißen und ihm seine Ehre wiederzugeben. Die ersten SA.-Männer seien Frontsoldaten ge-. wesen. Der Frontsoldat hasse das Maulheldentum, das Bonzentum, die fadenscheinige Persönlichkeit, er dulde nichts Halbes, er wolle nur ein klaresJa oder ein klaresNein". Der Frontkämpfer werde nie ein Sklave sein. Adolf Hitler habe deshalb auch die Frontkämpfer zuerst bei sich gefunden. Mit der Verkündung der Allgemeinen Wehrpflicht habe der Führer bewiesen, daß unser Volk nicht wehrlos sein solle. Es könne auch niemals wieder einen g 1Q1R aphf>n .hinter dem Führer aber

müsse sich eine Front aus dem ganzen Volke auf- bauen. Den Müttern und Vätern, besonders den Frauen aber sei an diesem Tage dafür gedankt, daß sie ihr Liebstes gaben, den Mann, den Sohn, die im Weltkriege fielen, damit Deutschland leben könne. Mit einem erneuten Treugelöbnis zum Führer und mit dem Dank an den Führer, daß er mit der Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht dem deutschen Volke die Ehre wiedergegeben hat, schloß Standartenführer Lutter seine Ansprache. Die Mu­sik spielte sodann das Lied vom guten Kameraden.

Der gestrige Heldengedenktag gestaltete sich auch in unserer Stadt zu einem großen Erleben, das Tausende von Volksgenossen im gleichen Geiste ver­einigte. Schon zu früher Morgenstunde wurden an den meisten Häusern die Fahnen auf Halbmast ge­hißt. Etwa von 9 Uhr ab erfolgte der Anmarsch unserer Garnison, die nach dem Willen des Füh­rers die Heldengedenkfeier veranstaltete, der PO., der SA., der SS., des Arbeitsdienstes, des NSDFB. (Stahlhelm), der Polizei, der Militär- und Rcgi- mentsvereine und zahlreicher weiterer Organisatio­nen nach dem Platze der Feier, dem Oswaldsgarten, zur gleichen Zeit versammelte sich dort eine nach Tausenden zählende Menschenmenge, um in inniger Volksgemeinschaft mit der Wehrmacht und den na­tionalen Verbänden unserer gefallenen Brüder zu gedenken. Die Reichskriegsflagge, die Fahnen des Dritten Reiches und die Fahne des Dolksbundes Deutsche Kriegsqräberfürsorge waren auf Oswalds­garten Halbmast gehißt. Die Soldaten und die For­mationen der nationalen Verbände füllten nahezu den ganzen Platz.

Das Musikkorps der Garnison unter Leitung von Obermusikmeister Krauße eröffnete die eindrucks­volle Feierstunde mit weihevoller Choralmusik. Hier­auf sprach der

Evang. Gtandoripfarrer AuSfeld.

Er sagte u. a.t Wenn am heutigen Gedenktag die Helden des Weltkrieges vor unsere Seele treten, so verstehen wir das, was sie getan und gelitten haben erst dann in seiner ganzen Bedeutung, wenn wir daran denken, daß es Opfer sind, für uns gebracht, wenn über all dem Geschehen dieser großen Zeit das Wort leuchtet: Für dich!

Für uns haben sie gekämpft, für u n s haben ri- i <; v v» r. (tnh Ha noffnrhpn Sie lind

Vorbeimarsch vor dem Kommandeur am Gefallenendenkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz. (Sämtliche Aufnahmen: Photo-Pfaff.)

liges Sterben. Das klasfifche Wort:Uns treibt nicht Eroberungslust, uns beseelt der un­beugsame Wille, den Platz zu behaupten, auf den Gott uns gestellt (jat zuckte wie ein elektn^er Funke durch unsere Heere und zündete von Herz zu Herz die Liebe zum Vaterlande zur hellodernden Flamme, die Liebe, die stärker isi als bte Liebe zum Leben, die stärker ist als der Tod.

So weilen am heutigen Tage unsere Gedanken bei den toten Kameraden. Aber wir gedenken auch voller Dankbarkeit und Verehrung aller derer, Die glücklicherweise noch unter uns leben, nachdem sie auf der Walstatt für Deutschlands Ehre gestritten oder tatkräftige Helfer im großen Ringen gewesen sind. Es ist ja angeordnet worden, daß sie durch Ehrenzeichen aus dem Volke herausgehoben wer­den, damit man, Ehrfurcht im Herzen, sich freue, mit Helden und verdienten Männern des Krieges Zusammenwirken zu dürfen. Unter diesen sei be- onders des unbekannten Soldaten gedacht, den ein Heldengeist nimmer rasten ließ, bis er tn bet» pielloser Zähigkeit die höchste Höhe erklommen, um das zerrissene Volk zu einen und mit macht­voller Hand zum Frieden zu führen, und zum Schluß soll noch eines Heldentums Erwähnung ge­schehen: Es ist das stille Heldentum der Mutter!

Wir alle erneuern nunmehr das Gelöbnis und weihen es als geistigen Jmmortellenkranz den Toten: Wir wollen Nachahmer sein der erhabenen Tugenden, der Vaterlandsliebe, Kameradschaft und zutiefst der Religion, der Wurzel alles wahrhaft Großen und Segensvollen. Dann ist Gott mit uns.

gestorben, damit wir leben sollten. Wenn wir das fassen, dann verstehn wir erst etwas von dem Wort unseres Herrn und Heilands:Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben löstet für seine Freunde."

Dann wissen wir aber auch, daß ihr Opfer uns zu unauslöschlichem Dank verpflichtet, einem Dank, Der sich nicht darin erschöpft, daß wir hie und Da einmal an sie denken, der vielmehr im ganzen Leben bewährt sein will durch die gleiche Opferbereitschaft, die nicht an sich denkt, die nicht das Ihre sucht, son­dern hingibt, was wir haben und was wir find, als Opfer für unser Vaterland, für unsere Brüder.

Man hat in der Zeit nach dem Kriege gar manch­mal das irrige Wort hören müssen von den vielen vergeblich gebrachten Opfern des Kriegs. Wir wis­sen, daß diese Opfer eine Saat gewesen sind, die. aufgegangen ist, ohne die wir wohl in unserem Volk und Vaterland nicht einig geworden wären. Wir ernten, was jene Helden gesät haben. Sie ruhen im Frieden Gottes, und über ihren Gräbern erhebt sich das Kreuz, dieses Zeichen des höchsten Opfers und zugleich des vollkommenen Sieges. Wohl denen, die draußen im Blick auf den gekreu­zigten Heiland selig gestorben find, deren opferbe­reite Liebe ein Widerschein war von der Liebe, die Christus getrieben hat, sich für uns selber zu opfern.

Unser Heimgegangener Reichspräsident und Gene- ralfeldmarschall erzählt, daß er nach der Schlacht bei Tannenberg in die Kirche zu Allenstein einge­treten um den Dankgottesdienst nach dem er-

Nach dem Willen des Führers und Reichskanzlers soll der heutige Tag ein Tag des Erinnerns an jene 2 Millionen Helden sein, die in dem gemaltigett Völkerringen auf Frankreichs blutgetränktem Boden, in den weiten Steppen und Wäldern Rußlands, auf allen Kriegsschauplätzen, auf der Erde, auf Dem Wasser und in der Luft starben, Damit wir leben können, und an jene, die nach dem Kriege D<m Kamps um Deutschlands Erneuerung aus tiefster Zerrissenheit zäh, treu, tapfer führten. Die Wehr, macht als Hüterin des Erbes der alten ruhmreichen Amee und Marine ist Träger der Feier, die das ganze Volk in stolzer Trauer um die Opfer des Weltkrieges zusammenschließt.

Und wenn heute in vielen Städten die vom ver­ewigten Feldmarschall von Hindenburg ge­stifteten Ehrenkreuze an Die Fahnen unD Stan­darten Der alten Armee geheftet werden, wird in uns die Erinnerung lebendig an jene gewaltige Zeit, die wir miterleben durften. Wie war es? Weißt du noch, wie wir den Kemmel stürmten, weißt du noch, wie es bei Verdun, in der Cham­pagne, vor Arras, am Jsonzo und in der Winter­schlacht in Masuren war? Und dann sehen wir I wieder vor uns unsere tapferen grauen Kameraden

Im Anschluß an bas Vater Unser und das Spiel des Niederländischen Dankgebets hörte die Trauer­gemeinde bann folgenbe Ansprache bes

stellv. StandottsMesten der Garnison:

Mögen Jahrtausenbe vergehen, man wirb nie von Helbentum fingen unb sagen bürfen, ohne des deutschen Heeres im Weltkriege, ohne voll tiefer Dankbarkeit des Feldgrauen im Stahlhelm zu ge­denken, der auf blutiger Walstatt kämpfte, litt und starb für Deutschland.

Daß eure Mühlen wieder mahlen, daß eure Augen wieder strahlen, daß eure Sensen wieder klingen, daß eure Frauen wieder fingen, daß eure Herde wieder glühen und eure Kinder wieder blühen hat Gott uns vor dem Feind geboten! Wir haben's getan... Wir Toten!

Dieser loten zu gedenken, ihr heiliges Ver­mächtnis treu zu bewahren, ihren Willen zu das ist jedes Deutschen ernsteste Pflicht.