Nr. 41 Zweiter Blaff
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, l8.§ebrnarlyZ3
LleberaN deutsche Landsleute in Chile!
Vorbildliche Kulturarbeit des Deutschtums in Südamerika.
Bon Kurt Bauer, puertro Baras ((Wie).
Viele, viele tausend Meilen von unserm Vaterland, jenseits des hohen und schroffen Andenwalles Südamerikas erstreckt sich über fast 4000 Kilometer das schmale Land Chile, viermal so lang als die Strecke von Köln nach Königsberg.
Wer dorthin reisen will, kann sich etwa in Hamburg einen der Fracht- und zugleich Personendampfer der. Kosmos- und Rolandlinie anvertrauen Sie fahren diesen Weg nach Südamerikas Westküste seit 1875, seit dem Bestehen der Linie; nur bequemer ist es heutzutage und genußreicher, aber auch viel unterhaltender, auf ihnen durch den Kanal von Panama zu kommen, das Meisterwerk moderner Technik und Organisation, als in den verflossenen Jahrzehnten immer um die 8-Spitze durch die kalte, manchmal eisigkalte Wunderwelt der südpatagonischen Kanäle.
Inmitten des bekanntesten Kanals, der Magellan- straße, die den Namen des Portugiesen Fernando de M a g a l h a e s trat, jenes tapferen und klugen Erdumseglörs in spanischen Diensten, liegt die südlichste Stadt der Welt: Punta Arenas. Hier treffen wir deutsche Landsleute, hier eilen Kinder deutschen Blutes in ihre deutsche Schule. Hier verdienen Deutsche unter fremdem Himmel ihr tägliches Brot im Handel oder als Angestellte auf einer der Riesenfarmen internationaler Schafzüchter, manchmal gar als Besitzer von vielen Tausend Schafen im patagonischen Kamp im Schnee, im Frost, im Wind, im ewigen Wind, der keine Blumen duldet und Bäume, Büsche, Blätter an den Boden drückt... und das Heimweh wachhält für Maiengrün und Blumen.
Punta Arenas bewohnen wenig Deutsch-Chilenen; denn es sind meist Reichsdeutsche, die diese Handels- und Gewerbekolonie bilden, eine von den vielen an der Westküste, wie Talcahuano
Aber selten blieben diese Pioniere der Arbeit bis an ihr Lebensende dort. Selten auch wächst in den Gewerbe- und Handelskolonien der Deutschen die Zahl der Ansässigen. Es flutet ab und an. Ganz im Gegensatz zu den Siedlungen der Deutsch- Chilenen.
Um diese zu erreichen, kann der Reisende in Hamburg einen der schönen und schnellen Dampfer der Hamburg-Südamerika-Linie oder in Bremerhaven einen Sierradampfer des Norddeutschen Lloyd nehmen nach Buenos Aires, der Millionenstadt des argentinischen Kamps. In einer der billigen Mittelklassen trifft er schon bei der Ueberfahrt heimkehrende Deutsch-Chilenen, die entweder studienhalber oder besuchshalber in Deutschland weilten.
Von Buenos Aires führt die Hauptbahn einen Tag durch argentinische Steppe, in der viel Italiener siedeln; bis Mendoza braucht man 24 Stunden. Zwischen Mendoza, der Weinstadt mit deutscher Schule, und Los Andes auf chilenischer Seite durchfährt man 243 Kilometer allerschönster Landschaft, die der Wanderer je schaut. Von Los Andes ab ist die Bahn elektrisch. Beim Eisenbahnknotenpunkt Llai-Llai wenden wir uns mit dem Transandino südlich zur Hauptstadt Santiago.
In Santiago sitzt eine große Reihe deutsch-chilenischer Familien: Aerzte, Rechtsanwälte, Kaufleute, Gelehrte und einige Gewerbetreibende. Heutzutage ist Santiago der Sitz des Deutsch-Chilenischen Bundes.
Der D.-C. B. wurde während des Krieges gegründet zur Verteidigung deutscher Interessen, nicht zuletzt zur Verteidigung deutscher Ehre und zum Kampfe gegen die schamlose Lügenwerbung der Feinde Deutschlands. Die Zeiten sind nun vorbei. Heute sammelt sich im Bunde alles, was für d e u t-
f ch e Kultur arbeitet. Deshalb unterhält er eine große Wanderbibliothek; deshalb druckt er auch in seinem Wissenschaftlichen Archiv die Arbeiten deutscher Forscher und Gelehrten des Landes. Der Bund veranstaltet Vorträge, Konzerte und Ausstellungen. Er gibt die „Deutschen Monatshefte in Chile" heraus,' wirbt für gute Beziehungen zwischen Deutschland und Chile, kurz: er leistet eine glänzende Arbeit für unser Volkstum.
Santiagos deutsch-chilenische Bevölkerung ist wichtig, aber sie wohnt am Rande des eigentlichen großen deutsch-chilenischen Siedlungsgebietes, dem wir uns nähern, wenn wir von Buenos Aires aus über Bahia Bianca reisen und dann nach Westen vorstoßen, bis die Bahn endet. Einige gute Stunden Autofahrt bringen den Reisenden bis Bariloche am Nahuel-Huapi See, der letzten argentinischen Stadt. Von hier aus führt ein immer mehr bereister Weg durch die „Chilenische S ch w e i z" über die Kordillere mitten hinein ins deutsch-chilenische Seegebiet: Llanquihue.
Der Llanquihue-See ist um die Hälfte größer als der Bodensee. 187 Kilometer muß man reiten, wenn man um ihn herum will. Drohend steht über ihm nordwärts im schneeweißen Haupte der Vulkan Osorno, südöstlich grollt der Vulkan Calbuco, weit hinten ragt in blauer Ferne der zackige Tronador hervor.
Weithin weidet fettes Vieh auf grünen Wiesen. Weithin wogt gelber Weizen, weithin ziehen sich dunkle Kartöffelsträucher. Freundlich blinken helle Fenster an der festen Straße. Fern ist der Urwald.
Eisenbahn und Dampfer verfrachten goldenen Honig, gelbe Butter, fetten Käse, prachtvolles Holz, schöne Möbel, feste Kisten, derbe Fässer, kühlen Apfelwein, kräftiges Leder, bodenständiges Edeloieh Weizen und Kartoffeln.
Die Arbeit der deutschen Einwanderer war für Chile allenthalben ein Segen. Erst vor kurzem bestätigte uns der Präsident von Chile diese Tatsache. Der Deutsch-Chilene ist trotz seiner geringen Zahl ein wichtiges Glied in der Kette des bodenständigen Auslandsdeutschtums und hat seine Daseinsberechtigung mehr als einmal glänzend bewiesen.
Oberheffen.
mit Concepcion, Valparaiso, Antofagasta, Jquique.
Concepcion ist eine stille Stadt und weckt auf Schritt und Tritt altspanische Erinnerungen. Ihre deutsche Kolonie schuf sich eine Realschule, die mustergültig zu nennen ist wie das deutsche Krankenhaus, an dem der Arzt Christoph Martin amtiert, der ein Jahrzehnt lang der Führer und die Seele deutsch - chilenischen Kulturwissens im Deutsch-Chilenischen Bunde gewesen ist; aber auch in Concepcion überwiegt reichsdeutscher Einfluß, und sein Wahrzeichen wächst nicht weit von der Stadt empor: ein Bismarckturm zur Erinnerung an die Chilekämpfer für Deutschland während des letzten Krieges. Nicht weit von der Küste (Coronel) lag Graf S p e e s Geschwader im siegreichen Gefechte mit englischen Kriegsschiffen; nicht weit davon warteten jahrelang die wenigen Ueber- lebenden der Falkland-Schlacht auf die Stunde des Friedens (Quiriquina). Fast noch stärker ist reichsdeutscher Einfluß in Valparaiso, der Stadt der Erdbeben und der Stürme; in deren Hafen man merkt, daß der Stille Ozean mit Unrecht seinen Namen trägt. In Stockwerken klettert die Stadt hügelaufwärts. Fahrstühle sausen empor auf die Hügel: Concepcion und Alegre, wo die Deutschen siedeln, wo ihre Kirche, Schule und Turnhalle der deutschen Kultur dienen.
Valparaiso ist Ausfuhrhafen; hanseatischer Wagemut fuhr schon vor hundert Jahren hier vor; heute beherrschen große deutsche Häuser den Handel und werfen ihre Netze über das Land aus.
Nördlich davon, unter ewiger Sonne zwischen dem 16. und 26. Breitenkreise dehnen sich in 50 Kilometer Breite mächtige Salzlager aus. Chile- Salpeter und Jod sind weltbekannt. Hier arbeitet auch deutsches Geld; deutsche Ingenieure, Kaufleute und Händler halten auf wüster, rostroter und gelbglitzernder Erde jahrelang aus, um ihr Geld zu verdienen. Mancher nüchterne, sparsame und zähe Deutsche schuf sich hier die Grundlage zu einem Vermögen. ___
Neuer Bürgermeister in Friedberg.
LPD. Friedberg, 16. Febr. An Stelle des freiwillig von seinem Amt zurückgetretenen Bürgermeisters Dr. S e y d wurde der stellvertretende Kreisleiter Vieth kommissarisch mit der Leitung der Bürgermeistergeschäfte betraut. Der zurückgetretene Bürgermeister war seit 1919 im Amt.
Gtadtvorstand Lauterbach.
A Lauterbach, 16. Febr. Der hiesige Stadtvorstand trat zu einer Sitzung zusammen, in der nicht weniger denn 42 verschiedene Punkte zur Beratuna standen. Bürgermeister Peter umriß in seiner Ansprache die kommunalpolitischen Aufgaben des Jahres 1935 für die Stadt Lauterbach. Er wies auf die neue Deutsche Gemeindeordnung hin, die am 1. April in Kraft trete und manche Veränderung bringen werde. Getrost und zuversichtlich könne die Stadt Lauterbach in das Jahr 1935 blicken. Der Voranschlag sei im wesentlichen fertiggestellt und zeige ein günstiges Bild. Im neuen Voranschlag sind erhebliche Mittel für Arbeitsbeschaffung vorgesehen. Daneben wird es möglich sein, weitere Schuldentilgungen vorzunehmen. Für die Erfüllung sozialer Ausgaben sind gleichfalls größere Beträge vorgesehen. Zum Schluß seiner Ansprache dankte Bürgermeister Peter allen für die seitherige treue Mitarbeit. Im Verlaufe der Sitzung wurde beschlossen, den Bau der neuen Wasserleitung noch in diesem Jahre durchzuführen. Die Quellenfassung dafür ist bereits vorgenommen. Da mit der Erbauung der neuen Wasserleitung eine erhebliche Verbesserung der Brandreserve gesichert ist, wird auch die Brandversicherungskammer einen beträcht-
lichen Bauzuschuß leisten. Der Ausbau bzw. die Fertig st ellung verschiedener Straßen wurde gutgeheißen und die notwendigen Mittel genehmigt. Desgleichen wurden die Mittel für die Urbarmachung von Oedungen bei der Steinmühle, im Kies und vor dem Hainig genehmigt. Sämtliche Arbeiten sind als Notstandsarbeiten auszuführen. Im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms 19 3 5 sollen zu den bereits aufgeforsteten 50 Morgen Land am Altenberg noch weitere 50 Morgen angepflanzt werden. Zu diesem Zwecke wurden vom Hofgut Sickendorf 18 Morgen Gelände erworben. Ferner wurde beschlossen, daß der P r ä m i e n m a r k t am 5. Juni in althergebrachter Weise stattfinden soll. Für die Instandsetzung des Krankenhauses Eichenhof und den Einbau einer Heizanlage in das Krankenhaus wurden die Mittel ebenfalls genehmigt. Nachdem noch über verschiedene Zuwendungen an gemeinnützige Organisationen Beschluß gefaßt war, fand die Sitzung ihren Abschluß.
Landkreis Gießen.
} Rödgen, 16. Februar. Gestern konnte der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Bahnarbeiter i. R. Ludwig Spuck, im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder seinen 9 0. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist noch recht rüstig und nimmt an den Geschehnissen unserer Zeit lebhaften Anteil. Er hat 45 Jahre im Dienste der Reichsbahn gestanden und half die ersten Vermessungsarbeiten zum Ausbau der Strecke Gießen—Fulda durchführen.
Watzenborn - Steinberg, 17. Febr. Die erste Jahres-Hauptversammlung der Milch- absatz - Genossenschaft Watzenborn- Steinberg fand am Samstagabend im Saale
Das ForscheranW Sven Hedins Zu seinem 70. Geburtstag am 19. Februar. 23 on Alfons von Czibulka.
Es war im Jahre 1295, daß einer in Venedig eingelaufenen Galeere drei anscheinend sehr vornehme Mongolen entstiegen. Nicht allzu lange war es her, daß der Mongolensturm, bis an das Herz des Abendlandes rührend, die Staaten und Menschen vor sich hergeweht hatte wie Blätter im Herbste und in den Kirchen der Christenheit Tag für Tag die Worte gesprochen worden waren: „Herr, erlöse uns von der Wut der Tartaren!" Dennoch schien dem europäischen Menschen von damals die Welt Ostasiens fremder, ferner und unerreichbarer als uns Heutigen der Mond. So ist es nur natürlich, daß diese der Galeere entstiegenen Fremden in Venedig wie die Meerwunder begafft wurden, um so mehr als sie eine Schiffsladung an Gold Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten mit sich führten. Noch größer wurde das Staunen, als ich der älteste dieser die Lagunenstadt m Aufruhr versetzenden Ankömmlinge als em Landsmann, als der seit einem Menschenalter verschollen gewesene Reisende Marco Polo entpuppte, der fast noch als Knabe ein Vierteljahrhundert zuvor ausgesa^ ren war und nun wohlbehalten und zudem reich wie der Kaiser von China in seine Vaterstadt heim-
kehrte.
An dieses Urbild der berühmten Weltfahrer, an Marco Polo den Venezianer, muß man sich erinnern, will man Bedeutung und Leistung S v e Hedins verstehen. Denn seit Marco Polos fernen Tagen beruhten unsere Kenntnisse von der geheimnisvollen Welt Zentralasiens durch fast 600 Jahre im Grunde auf des Venezianers abenteuerlichen Erzählungen. Wohl hatten m der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Münchener Adolf von Schlagintweit, der dann auf einer feiner Reifen enthauptet wurde, und der rustifche General Nikolai Michajlowitsch P r f ch e w a l s k l 1 da und dort schon den Vorhang bewegt, Ihinter dem sich die Welt Zentralasiens den europäischen; Mmen verbarg, aber unsere noch aus dem Mittelalter stammende Anschauung hat erst Sven Hedin zu einem klaren Bilde gewandelt. Wie Berge im Sonnenaufgang, so tauchten durch seine Fahrten uno Forschungen Landstück um Landstück, Gebirge um Gebirge, Seen,. Ströme und Wüsten aus dem weiten Nebelmeere, das noch vor fünfzig Jahren über jene ferne Welt sich breitete. Und man kann verstehen, daß der sonst so Bescheidene, als er auch
die Quellen des Indus und Brahmaputra gefunden und das riesenhafte Alpengebirge des Transhimalaja entdeckt hatte, in freudigem Stolze schrieb: „Der ganze große weiße Fleck nördlich des Brahmaputra, der niemals auch nur von einem Punditen durchquert wurde, ist jetzt mit Bergen, Seen, Flüssen und Tempeln ausgefüllt. Es ist vielleicht die größte geographische Entdeckung, die auf der Erde noch zu machen war."
Doch ist damit, daß man sich ins Gedächtnis zu- rürfruft, daß Hedin den Pamir und weite Gebiete nördlich des Kuen-lun erforschte und geographisch erschloß, den Tarimfluß hinunterfuhr und dem diesen Strom aufnehmenden rätselhaft wandernden See Lop-nor sein Geheimnis entriß, die Quellen des Indus und des uralten Sagenstromes Brahmaputra entdeckte, achtmal die von kaum einem Geographen auch nur geahnte Kette des Transhlmalafa überschritt und versunkene Städte aus dem Sandmeere der Wüste Gobi hob, zu Sven Hedins Forschergestalt nicht das Entscheidende gesagt. Be
deutsamer noch für uns Menschen von heute ist das Heldische seines Wesens, die Synthese von gelehrtem Forscher und echtem Soldatentum.
Liest man seine bei Brockhaus erschienenen Werke, etwa „Transhimalaja", „Auf großer Fahrt", „Mein Leben als Entdecker", „Rätsel der Gobi" oder das wundervolle Buch feiner Schwester Alma „Mein Bruder Sven", so kann man sich des Erstaunens, ja der Verblüffung über seine unbändige Arbeitskraft so wenig erwehren wie der Bewunderung über Ausmaß und Verwegenheit feiner Entdeckungszüge. Neben aller körperlichen Anstrengung und seelischer Spannung, trotz aller Gefahr und Ermüdung fand er immer noch Zeit und Kraft, Tag für Tag' sorgfältigste und umfassende wissenschaftliche Arbeit zu leisten. 6000 Quartjeiten allein umfassen die Tagebuchblätter einer einzigen seiner großen Fahrten. .
Nichts vermochte ihn von seinem Wege und feiner Arbeit abzubringen. Ein gefährliches Augenleiden, das er sich während feines ersten Aufenhalts am Kaspischen Meere schon als Zwanzigjähriger geholt hatte, quälte ihn fein Leben lang. Mitten in den Sandstürmen der Wüsten, in den Schneeorkanen der tibetischen Hochgebirge befielen ihn qualvolle Rückfälle seiner Regenbogenhautentzündung. Ost drohte das Gespenst völliger Erblindung. Aber sein beispielhafter Wille brachte es zuwege, daß auch in solchen Zeiten seine Arbeitskraft kaum wesentlich nachließ.
Selten nur ließ er sich von einem Plane abbringen. Als er zum zweitenmale nicht allzufern von 'Lhasa zur Umkehr gezwungen wurde und tibetische Machthaber ihn drohend fragten, wie er es denn habe wagen können, das verbotene Land von neuem zu betreten, gab er die kühne Antwort: „Solange ich in einem Sattel sitzen kann, werde ich immer wiederkommen!" Und hört man nun auch noch, daß er auf feiner grauenvollen Durchquerung der gnadenlosen Wüste Tekla-makan schon halb verschmachtet und schon von den Schatten des nahenden Verdurstungstodes umflattert, auch nicht einen Augenblick lang seine wissenschaftlichen Beobachtungen unterbrach und alle hundert Schritte stehen blieb, um mit Chronometer und Kompaß die Wegrichtung festzulegen und Skizzen aufzunehmen, so zeigt dies alles schon jenes Soldatische seines Wesens, ohne das alle feine berauschenden Züge, seine die Geographie des Innern Asiens begründenden Erfolge unmöglich gewesen wären.
Nur dieses Heldische seiner Gestalt ermöglichte es ihm, unbeirrbar, allen Gefahren, allen physischen und seelischen Mühen zum Trotz Wege zu gehen, die kein Europäer vor ihm gegangen war
Hanna Waag, die bekannte Gießener Filmschau- fpielerin, als Constantia in dem Film „Abschieds* walzer", der Leben und Liebe des Komponisten!
Chopin behandelt.
des Lokals „Zum goldenen Stern" statt. Das Aufsichtsratsmitglied Karl Hirz I. begrüßte im Namen des Vorstandes und Aufsichtsrates und gedachte bann des verewigten Aufsichtsratsmitgliedes Karl Sommer I., der in üblicher Weise geehrt wurde. Sodann berichtete Direktor Schmand über das erste Geschäftsjahr 1934, an dessen Schluß die Genossenschaft 206 Mitglieder zählte, lieber den Geschäftsgang im Berichtsjahre ist folgendes zu sagen: Der Umsatz betrug insgesamt 41 360,39 Mark. An Milch wurden an die Molkerei Gießen 235 957 Liter geliefert; in unserer Gemeinde wurden 71105,5 Liter durch die beiden Milchverteiler ausgetragen. Der Milchpreis betrug vom Januar bis einschl. Oktober 13 Pf., ,m November 13,3 Pf., im Dezember o. I. 13,5 Pf. Einige Dergleichszahlen seien hier aufgeführt: Im Januar des abgelaufenen Geschäftsjahres wurden 10 134 Liter nach Gießen geliefert und in der Gemeinde 5464,5 Liter verbraucht. Nach der Abrechnung des diesjährigen Monats Januar wurden nach Gießen 34 828 Liter geliefert und am Orte 6759 Liter verbraucht. Somit wurden täglich 1100 Liter Milch in ine Molkerei geliefert und der Verbrauch am Ort von 175 Liter täglich auf 218 Liter gesteigert. Sodann erstattete der Rechner Karl Philipp IX Bericht über bie Rechnung: Einnahme für Milch gelb 39 446,27 Mark, Ausgabe für gelieferte Milch an bie Genossenschaften 36 856,76 Mark. Die Bilanz setzt sich zusammen: Aktiva 1460,09 Mark, Passiva 1220,16 Mark, somit einen Reingewinn von 239,93 Mk. Der Vorstand unb der Aufsichtsrat wurden entlastet. Karl SchmandtV. wurde als Direktor wieder bestimmt. Für bie ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder K. Sommer I. und K. Kol - mer wurden K. Häuser XI. unb Hch. Schäfer bestimmt. Unter Punkt „Verschiebenes" gab der Direktor noch einiges über den Milchpreis bekannt. Die anschließende Aussprache war rege. Für das Winterhilfswerk wurden 15 Mark bereitgestellt. Mit dreimaligem Sieg-Heil auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler und Reichsbauernführer Darre wurde der geschäftliche Teil geschlossen.
* Leihgestern, 17. Febr. Das neun Jahre alte Töchterchen des Spenglers Martini von hier kam unglücklich zu Fall unb erlitt einen Bruch bes linken Oberschenkels. Das bedauernswerte Kind mußte der Gießener Klinik überwiesen werden.
4- Lich, 16. Febr. Gestern abend fand im hiesigen Stiftschen Gemeindesaal eine Verpflich -
und Erfolge zu erzielen, die jeder andere für unerreichbar gehalten hätte. So sehr ist Sven Hedin Soldat seiner Idee und seiner Sendung, daß er, der vor nun einem halben Jahrhundert zum ersten Male die Grenzen Asiens sah, an dem Tage, an dem er in sein achtes Jahrzehnt hinüberschreitet, immer noch unermüdet und von seinen Zielen besessen das Innere jenes Erdteils erforscht, der ihm zu Lebenssinn, Ruhm und Schicksal geworden ist. und es fügt sich zu seinem Bilde, wenn die Presse vor kurzem berichten konnte, daß er sich trotz feines hohen Alters freudig bereit erklärt hat, an dem zur Erforschung Brasiliens geplantem Zeppelinfluge teilzunehmen.
Sven Hedins Leben zeigt noch einmal jene heroischen Züge, die so vielen Entdeckern und Weltfahrern eigen waren, den unerschütterlichen, durch nichts zu brechenden Willen, den fanatischen Glauben an ihren guten Stern, den rastlosen, schon bä1 monischen Drang nach immer neuem Schauen und Erforschen unb jenes unaufhaltsame Vorwärtsstürmen einen ber übrigen Welt oft phantastisch erscheinenden Ziele zu. Aber noch mehr! Sein Soldatentum erklärt es auch, daß alle seine Reisen in Anlage und Durchführung meisterlichen Feldzügen gleichen, was sich in Organisation, Aufbau und Leitung nun an jener großartigen, seit acht Jahren tätigen Asienexpedition in solchem Maße zeigt, daß man Sven Hedins Forschergestalt vielleicht damit am klarsten und einprägsamsten umreißt, wenn man ihn den größten Strategen und Taktiker ber Entbeckerkunst nennt.
Zeitscknbeu.
— Georg Friebrich Hänbel unb seinem Werk ist bie neueste Nummer ber „I 11 u st r i r t e n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) gewibmet — feiert boch bie musikalische Welt am 23. Februar ben 250- jährigen Geburtstag bes großen Meisters, dessen Musik in ihrer Große, ihrer heldenhaften Klarheit und Kraft niemals zeitgemäßer war als gerade jetzt. Der bekannte Musikschriftsteller Joseph Müller-BIat- tau hat es unternommen, das Leben und Wirken Händels darzustellen, und bie zahlreichen zeitgenössischen Illustrationen, bie in biefes ßebensbilb hineingewoben sinb, -gestalten ben interessanten Beitrag zu einem abgerundeten Ganzen. — Zugleich ist auch bes großen Händelforschers Friebrich Chrysanber gedacht, bem wir es verdanken, daß bie Kunst Hän- bels vor bem Schicksal bes Vergessenwerbens bewahrt wurde, und ber durch seine Händel-Ausgabe zu einem (Erneuerer ber Händelschen Musik wurde. Einige Händel-Anekdoten bringen uns den Menschen Händel nahe. .


