Dienstag, 17. Dezember M5
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)
Nr. 294 Drittes Blatt
Mlchmarkiregelung und Vutterversorgung
Nachdruck verboten!
12. Fortsetzung.
degroß- 'eichlich, Origem en, die t)W* erteilt.
st das
W\t* oU vvr lenz bei >eu und
an, daß durch die jetzige Berechnung der Milch nach Kilo eine Preiserhöhung für den Erzeuger um 0,4 Pfennig eingetreten ist, die sich in der Gesamtmenge auch auswirken wird, da die Anlieferung von 12 Millionen Liter im Jahre 1934 auf 20 Millionen im Jahre 1935 angewachsen ist. Durch die Beschaffung modernster Maschinen wird eine bessere Ausnützung erfolgen.
Kreisbauernobmann Langsdorf, Groh-Rechtenbach
forderte vom Bauern das Vorangehen mit gutem Beispiel. In seinem Bezirk wurde festgestellt, daß Genossenschaften doppelt so viel Butter beziehen, als früher und daß von Lande Butter auf dem Schwarzweg in die .Stadt geschickt wird. Allen diesen Fällen wird nachgegangen werden, denn es geh't nicht um Sondervorteile, sondern um den Sinn der Erzeugungsschlacht.
Stabsleiter Fischer
von der Kreisbauernschaft Wetzlar hob hervor, daß der Führer auf die Disziplin des Volkes vertraut. Es sei wohl klar, daß die Butter knapp sei, aber es sei zu hoffen, daß durch die rührige Arbeit des Bezirksstellenleiters Weber und durch die Einsicht der Bauern, mehr Milch erzeugt werde. Es werde eine Milchkontrolle durchgeführt werden, um auch die schlechten Kühe, die teilweise von der futtereigenen Grundlage ohne Verwendung von Kraftfutter zehren, zu beseitigen. Eine Kuh müsse mindestens 2700 Liter Milch geben. Es müsse auch vor der Anschaffung des schwarzbunten Viehes gewarnt werden, weil das bodenständige Vieh das Rotvieh ist, das die fettreichste Milch liefere. Das Fettproblem sei nur durch die Genossenschaften zu lösen, darum müßten die Bauern alle Milch zur Ablieferung bringen.
HL
inber____
Mlerun« griti__
42,01 0,141
3,053 54,79
46,90 12,275 5,405
1 ,465
168,70
20,02 0,716 5,656 61-61
49,05 11,13 63,26
80,80 34,13 iU
2,io
mäßig kurzer Zeit in der Schweiz, wo sich der Christbaum überhaupt sehr langsam einbürgerte, zunächst nur in den protestantischen, erst später in den katholischen Gegenden. (Genau so verhielt es sich in Westfalen. Auch in Ostfriesland und im Baltikum taucht er erst in neuerer Zeit auf.) Daß der Christbaum aber jedenfalls im 19. Jahrhundert in der Schweiz sich fand, bezeugt uns Gottfried Keller, der schreibt: „Der erste Tannenbaum, den ich gesehn, das war ein Weihnachtsbaum im Kerzenschimmer."
In Danzig kennt man den Christbaum seit 1815, im Sudetenland ist er seit 1820 heimisch. In wald- armen Gegenden behalf man sich jedoch auch noch im 19. Jahrhundert ohne Baum und legte z. B. in Mitteldeutschland „Weihnachtsgärtlein" an aus Moos und allerlei Wintergrün. Eingerahmt wurde das Gärtlein von zwei Reihen brennender Wachskerzen, zur Rechten und zur Linken lagen die Geschenke.
In Dänemark hing man neben dem Schmuck auch die Geschenke an den Christbaum und ließ ihn schon am heiligen Abend plündern, was in Deutschland
„Es war eine Bekannte von früher, aus der Heidelberger Zeit, weißt du", sagte er mit harmloser Miene. „Sie ist mit Costa befreundet, dessen .Goldfasan* leider um seine Lorbeeren gekommen ist. Ich konnte mich ihrer Gesellschaft natürlich nicht entziehen, hatte ja schließlich auch keine Ursache dazu."
„Du brauchst nicht zu beichten — brauchst auch nichts zu beschönigen. Ich habe dir ja keine Vorschriften zu machen und denke auch nicht daran. Aber einen wohlgemeinten Rat wirst du wohl nicht Übelnehmen: Sieh dich vor — aus solchen Sachen erwachsen leicht die größten Dummheiten. Und wenn auch vielleicht nicht, so wäre es doch bedauerlich, wenn Annelies dahinterkäme und sich unnötige Gedanken machte."
„Aber nein, dazu liegt wirklich keine Veranlassung DOr — die Sache ist doch ganz harmlos. Dir etwas vormachen zu wollen, würde natürlich keinen Zweck haben — also: Mia Rechberg war natürlich so eine kleine Jugendliebe. Aber welcher Mann hätte die denn nicht gehabt! Und heute ist man doch längst darüber weg — du brauchst dir also wirklich keine Sorge deswegen zu machen. Und Annelies auch nicht."
„Na, wollen's hoffen —!"
Ein prüfender Blick glitt über Günters Geßcht hin. Dann stiegen sie beide die Treppe hinauf.
Die Frau Senator saß mit ihrem Gatten und Annelies im Wohnzimmer. Sie war zu Mittag auf- gestanden und aufgeblieben. Offenbar fühlte sie sich wieder besser. Man nahm es mit ihrem Kranksein auch nicht allzu tragisch. „Sie ist nicht gesund, wenn sie nicht immer ein bißchen krank sein kann! hatte Korbinian Sartorius einmal gesagt, und damit hatte er wohl recht gehabt. Für ihre Umgebung war es nicht immer erfreulich: aber man hatte sich mit der Mit daran gewöhnt und richtete sich danach.
Günter trat mit etwas übertriebener Lustigkeit ins Zimmer.
„Na, Herrschaften, bin ich lange geblieben?
Es geht —!", lächelte Frau Eugeme. „Wir dachten schon, der Strolch würde heute überhaupt nicht wiederkommen."
Er lachte leise und dunkel und trat zu Annelies heran Mit etwas unsicheren Händen umfaßte er ihren Kopf und hob ihr Gesicht zu sich auf. Er betrachtete es wie etwas, das ihm fremd geworden
"W. 41,96 $ tz 61-57
den schwülen Nachmittag? War es nicht Mias Kuß, der ihm den Atem nahm und ihm das Herz aus der Brust zu reißen drohte?
Er richtete sich fast gewaltsam wieder auf.
„Schlaf wohl, Annelies!" wiederholte er gepreßt und ließ sie los.
Er sah ihrer schlanken Gestalt nach, wie sie die Treppe zu ihrer Wohnung hinaufstieg, wie sie sich auf dem Treppenabsatz noch einmal umwandte und mit der Hand zurückwinkte. Er sah es wie ein fremdes Bild. Als wäre er selber ein Fremder m diesem Hause.
5. Kapitel.
Der Dienstag war für Günter ein Tag großer Unruhe und Spannung. Heute wollte Mia anrufen. Es traf sich gut, daß Annelies am nächsten Vormittag einige Besorgungen zu machen hatte, die sie bis zum Mittagessen in Anspruch nehmen würden.
Das war vorläufig die einzige Gelegenheit. Er wollte Mia also bitten, am Mittwochvormittag um elf Uhr ihren Besuch zu machen. Sie würde allerdings wohl Einwendungen dagegen machen, denn sie wußte, daß er um diese Zeit im Geschäft war. Er hörte im Geiste deutlich, wie sie mit leisem Spott fragen würde: „Hast wohl Angst davor, Bubi, vor den Herrschaften mit mir zusammenzutreffen?" Er wollte ihr also versprechen, etwas zeitiger aus dem Geschäft nach Hause zu kommen.
Aber der Vormittag verging, ohne daß sie sich meldete. Auch am Nachmittag kam kein Anruf. Bei jedem Klingelzeichen, das ihn an den Apparat rief, hoffte er, ihre Stimme zu hören; aber es war immer umsonst. Jedesmal, wenn er das Privatkontor verließ, machte er der Zentrale Mitteilung, wo er zu erreichen sei. Der Geschäftsschluß kam — Mia hatte nichts von sich hören lassen. Hatte sie es vergessen? Hatte sie Abhaltungen gehabt? Vergessen — nein, das ganz bestimmt nicht. Und Abhaltungen — die Zeit zu einem kurzen Anruf blieb auf jeden Fall auch übrig. Es konnte also nur Absicht sein, daß sie ihn warten ließ. Aber was bezweckte sie damit? Wollte sie ihn in Spannung halten? Oder — ein unbehagliches Gefühl beschlich ihn — beabsichtigte sie etwa, ganz plötzlich und überraschend einzufallen? Zuzutrauen war es ihr schon. Man mußte es unbedingt verhindern, mußte selbst einmal anrufen, gleich morgen früh.
(Fortsetzung folgt!)
Geschäftsführer Fritz
von der Hauptgenossenschaft unterstrich die weltanschauliche Grundlage dieser Probleme und kennzeichnete diejenigen, die keine Milch und Butter abliefern wollen, als Quertreiber, die auch den Nationalsozialismus verneinen und die agrarpolitischen Maßnahmen sabotieren. Es müsse auf restlose Ablieferung der Milch gedrungen werden, damit auch der Butterhändler feine Ware nur noch durch die Molkerei erhalten könne.
rNolkereibesiher Grieb
forderte die Rechner auf, schon in den Auftragsbüchern Kürzungen der Bestellungen aus der örtlichen Kenntnis heraus vorzunehmen, um eine gerechte Verteilung einzuleiten.
Vezirkssiellenleiter Weber
sagte in seinem Schlußwort, daß nur durch Disziplin und vollständige Einordnung in die Volksgemeinschaft diese Probleme beseitigt wurden zum Wohle des Vaterlandes und zum Siege des Nationalsozialismus. Die Versammlung brachte auf den Führer und Reichskanzler und den Reichsbauernführer ein dreifaches „Sieg-Heil!" aus.
Nicht müde werden, Annelies!
Vornan von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.
Mn rin., der
iinher
inber. weine ’n 13 'chafe. ht in -43), en a)
len a) 40 (40 b) 64 12-55 c) 45 ' nicht b) 55 en gl) lebhaft, ). M- Schafe ilt.
waren. ;e Käl. ie. No- Ochsen- 74 bis eisch b) 74—84. b) 74. ’ ruhig.
Zweigen hängen."
Dornotizen.
23 Uhr „Maskenball". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die blonde Carmen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Gefangene des Königs'. —>- Turmhaus am Brandplatz: 17 bis 19 Uhr: Weihnachtsausstellung oberhessischer Künstler.
Stadttheater Gießen.
Heute von 20 bis 23 Uhr Erstaufführung von Verdis Meisteroper: „Maskenball". Musikalische Leitung: Paul Walter; Spielleitung: der Intendant. 12. Dienstag-Abonnement.
Oer Führer an die deutsche Jugend.
Das neue Deutschland soll Erfüllung bringen der Sehnsucht vieler deutscher Generationen. Ein Reich soll erstehen, stark und kraftvoll. Seine Kraft und Starke aber kann nur liegen in seinen Bürgern. Seine Bürger werden aber einst nur das sein, was sie zu sein vorher gelernt haben. Was wir vom kommenden Deutschland ersehnen und erwarten, das müht Ihr, meine Jungens und Mädchen erfüllen. wenn wir ein Deutschland der Stärke wünschen, so müht Ihr einst stark sein, wenn wir ein Deutschland der Kraft wollen, so müht Ihr einst kraftvoll fein. Wenn wir ein Deutschland der Ehre wiedergestalten wollen, so müht Ihr einst die Träger dieser Ehre fein. Wenn wir ein Deutschland der Ordnung vor uns sehen wollen, fo müht Ihr einst Träger dieser Ordnung sein. Wenn wir wieder ein Deutschland der Treue gewinnen wollen, müht Ihr selbst lernen, treu zu sein. Keine Tugend dieses Reiches, die nicht von Euch selbst vorher geübt wird, keine Kraft, die nicht von Euch ausgeht, keine Gröhe, die nicht in Eurer Disziplin ihre würzet hat. Ihr seid das Deutschland der Zukunft, und wir wollen daher, dah Ihr so seid, wie dieses Deutschland der Zukunst sein soll und sein muh.
Die Hitlerjugend sammelt vom 19.bis 2 2.Dezember für das Whw.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
Die im Bereich der Ortsgruppe Gieß en-Ost wohnenden Angehörigen der SA., SS., NSKK. usw., die nicht Parteigenossen sind, müssen am heutigen Mittwoch, 18. Dezember, als letzten Termin die Hilfskassenbeiträge bezahlen. Die Zahlung hat von 20 bis 22 Uhr in der Ortsgruppen-Gefchäfts- stelle, Kaiserallee 141, zu erfolgen. Wer mit feiner Zahlung nicht pünktlich ist, wird bei der Hilfskasse abgemeldet.
ASKOD.
RSKOB.» Ortsgruppe Giehen.
Morgen Mittwoch, 18. Dezember, 20 Uhr, findet im Cafe Leib gemeinsam mit „Kraft durch Freude" : unsere Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung und 1 Unterhaltungsvorführungen statt. Eintrittskarten : nur für Mitglieder sind bis morgen 12 Uhr in der 1 Geschäftsstelle zu haben.
Prof. Or. Hirt 70 Jahre alt.
Die Bezirk^stelle Gießen des Milchwirtschaftsverbandes Hessen, die außer dem Kreis Gießen auch den größten Teil des Kreises Wetzlar umschließt, veranstaltete am gestrigen Montagnachmittag im „Frankfurter Hof" zu Gießen eine stark befuchte Versammlung der Rechner der Milchabsatzgenossenschaften. Der Leiter der Bezirksstelle, Weber, erteilte sofort
Oberrevisor Hartmann (Giehen)
das Wort zu einigen buchtechnischen Erläuterungen für die Milchabsatzgenossenschaften. Dabei hob der Redner hervor, daß die Buchführung in den Genossenschaften des Kreises Gießen in sehr guter Ordnung sei. Er behandelte eingehend die auf Grund der Gesetzgebung erforderlichen Maßnahmen genossenschaftlicher Art.
Oberrevisor Berg
von der Kreisstelle Wetzlar betonte besonders den durch Gesetz angeordneten Zwang des Zusammenschlusses der Milchlieferanten, dem im Wetzlarer Gebiet noch nicht überall entsprochen worden ist. Außer der Gründung der Genossenschaften ist die Eintragung in das Genossenschaftsregister und der Anschluß an einen Revisionsverband dringende Verpflichtung.
Vezirkssiellenleiter Weber
63,«J
HO,7»
33,81
war, weil er es feit undenklichen Zeiten nicht gesehen hatte.
„Und du —?", fragte er leise.
Das warme Goldbraun ihrer Augen strahlte ihm entgegen.
„Wenn es dir nur gefallen hat!", erwiderte sie, glücklich, ihn wiederzuhaben. „Du haft ja die ganze ÄZoche über zu arbeiten, warum sollst du dir nicht auch mal ein bißchen Zerstreuung gönnen!"
Ein tiefes Gefühl der Beschämung überkam ihn. Wie selbstlos sie war! Und sie hatte keine Ahnung, mit wem er den Nachmittag verbracht hatte —
„O ja, es war sehr nett!", sagte er, ihren Kops wieder aus seinen Händen lassend. „Uebrigens", wandte er sich der Frau Senator zu, „du wirst demnächst Besuch bekommen, Mama! Es war eine Dame dabei, die ich von Heidelberg her kenne, eine Frau Rechberg. Sie soll dir Grüße von einer Frau Konsul Berndt überbringen, einer Pensionsfreundin von dir, wie ich hörte!"
Frau Eugenie wurde lebhaft.
„Von meiner alten Sophie? Das freut mich aber. Wie lange haben wir nichts voneinander gehört! Da freue ich mich wirklich. Frau Rechberg — ich kenne sie wohl nicht. Ist sie auch in unserem Alter?"
„Nein, es ist eine junge Frau! Junge Witwe. Sie hat auch gleich eine Eroberung gemacht. Schulenburg ist ganz vernarrt in sie."
„Na, der! Der brennt ja gleich für jede hübsche Frau. Hat Frau Rechberg gesagt, wann sie kommen wird?" c. .
„N ... nein! Ich habe vorläufig em bißchen gebremst. Ich wollte doch erst mal hören, ob es dir überhaupt recht ist, und ob du dich wohl genug fühlst, fremde Besucher zu empfangen."
„Ach, ich.fühle mich doch wieder ganz wohl. Sie mag ruhig kommen."
„So! Da kann man ja gelegentlich mal anrufen, sie wohnt gleich hier drüben im Continental-Hotel."
Der Rest des Abends verging sehr schnell. Als Günter Annelies gute Nacht sagte, nahm er ihren Kopf wieder in seine Hände, ganz sacht und zögernd, als hätte er kein Recht mehr dazu.
„Schlaf wohl, Annelies!"
Sie hob ihm die Lippen entgegen. Er beugte sich herab. Rauschte es nicht über ihm und um ihn her in den Blättern der Waldbäume? Zog da vvr ihm nicht der Regen seinen silbergrauen Vorhang durch
Tageskalender für Dienstag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen) in der Alten Pestalozzifchule; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis
Mr. '• h. Mn Sold. 13,65, ines« i1,75, w )6,25, Lino- irben holz- '110, kauf- ugs-
ibrige je i5, W16 68, R15 reife der tterqerfte ! 225 bis .3 28,05, zgenmehl ,50, plus ,1)1 17,00, 13 10,65, Menkleie 19 10,50, chrot mit N. 16,80, t notiert, 1 Fabrik- Noggen- idelt 3,50 r SeM bis 2,95, jenb,2'70 \ Fracht ii0'
erst sehr viel später, in manchen Gegenden erst am Dreikönigstag geschieht. Mancherorts wird der Christbaum, oder wenigstens sein Wipfel, nach den Feiertagen an die Zimmerdecke gehängt und nochmals angezündet. Im Gailtal stellt man ein Fichtenstämmchen im Schnee an der Ecke des Gehöftes auf. (Bern weist man dem Weihnachtsbaum den Platz so an, daß man sein Widerspiel im Spiegel sieht. So schildert auch Theodor Storm in der von Weihnachtsduft durchzogenen Novelle „Unter dem Tannenbaum" den Christbaum feiner Kindheit:
..Vor uns, zurückgestrahlt von dem großen Wandspiegel, steht der brennende Baum mit seinen Flittergoldfähnchen, feinen weißen Netzen und goldenen Eiern, die wie Kinderträume in den dunklen
E. B.
Er stieg aus und half Mia aus dem Wagen. Sie sprachen noch ein paar gleichgültige Worte, die j der hören konnte, dann verabschiedete sich Günter. ÜQit raschen Schritten, ohne sich umzusehen, ging er nach dem elterlichen Hause zurück.
Die Fenster des Wohnzimmers waren erleuchtet. !"b die Mutter wohl noch mit auf war? Man brachte lie Sache am besten gleich heute zur Sprache, dann rear man das Gefühl der Unsicherheit los. Vor- liufig wenigstens. Und man konnte in Ruhe weiter Überlegen.
In der Diele traf er auf Korbinian Sartorius, ter mit langen Schritten rauchend auf und ab ging.
„Machst du hier deinen Sonntagsfpaziergang, t'nkel" fragte er mit nicht ganz natürlicher Heiter- lsit.
„Das nun nicht gerade. Den habe ich bereits linter mir. Aber ich habe heute abend schon etliche nm diesen heftigen Dingern geraucht, und die Frau Senator machte fo eine zarte Andeutung, daß sie fod) vorkomme wie ein Hering in der Räucher- Inmmer. Da rauche ich nun die vorletzte hier unten."
Das war nur zum Teil richtig. Es war ihm vor cllem darum zu tun gewesen, Günter allein sprechen zu können. Er blieb jetzt dicht vor ihm stehen und nahm noch einen langen Zug aus feiner Zigarre.
„Ja, also — ich war nämlich auch zum Rennen —" ,,Ach so — daher also —?"
„Daher, jawohl! Denn ich hatte natürlich meinen Feldstecher mit. Und der Sattelplatz interessiert einen cTten Steppenreiter wie mich ganz besonders —"
lieber Günter kam es wieder wie leichter Trotz. E ich etwa bevormunden lassen wie ein Schuljunge, tas gab es natürlich nicht. Es war jetzt auch gleich Gelegenheit, der Sache die Spitze zu nehmen. Onkel Korbinian besaß einen sehr scharfen Blick und ließ sch fo leicht nichts vormachen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Seit wann strahlen die Kerzen am Weihnachtsbaum?
„Wie gern doch seh ich glänzen mit all den reichen Kränzen den grünen Weihnachtsbaum ingt Robert Reinick, und er ist nicht der einzige lichter, der von dem Zauber des Weihnachts- aumes sagt und singt, gehört doch für uns Heutige er strahlende Lichterbaum als ganz selbstverstand- ch zum Christfest.
Aber noch nicht gar lange ist bas so, denn em ir die Gegend des Oberrheins für’s Jahr 1551 befugter Christbaum blieb wohl einzig in seiner rt. Zuerst bürgerte sich die Sitte des geschmück- in Christbaums in Straßburg ein. Don dort hetzen wir eine Nachricht aus dem Jahr 1605, die l jo lautet: „auff Weihnachten richtet man dannen- aume zu Straßburg in den stuben auff, daran mrfet man rosen auß vielfarbigem papier geschnit- !N, äpfel, Oblaten, zischgold, zucker usw." Wieder an einer — diesmal mit Lichtern geschmückten — anne hören wir im Jahr 1611 aus Schlesien, ort bescherte die Herzogin Dorothea Sibylla von rieg den armen Kindern zu Silvester unter dem !id)terbaum. Ganz allgemein üblich war der 1 hristbaum um’s Jahr 1642 in Straßburg, wo er , „nächst seltsamer Weise von der Kirche heftig beimpft wurde. (Uebrigens wehrten sich auch die eformierten der Schweiz lange Zeit gegen den Zeihnachtsbaum, in dem sie eine Veräußerlichung tiefen Sinns des Christfestes sahen).
Vielfach waren nun die damaligen Christbäume uferen heutigen recht unähnlich, denn es waren tine Tannen. So berichtet 1708 Liselotte von der salz von ihren Kindertagen in Hannover, wo man im „Christkindel" Tische wie Altäre hergerichtet abe mit den Gaben für die Kinder. Auf die Tische eilte man Buchsbäume und befestigte an jedem roeig ein Kerzlein. Und offenbar ist nicht nur in annooer der Christbaum früher ein Buchsbaum eroefen, sondern auch in der Pfalz, wo er noch eute in manchen Gegenden „Boßbaum" heißt, lluch im schwäbischen Besigheim wird der Christ- aum „Buchsbaum" genannt.) In anderen Teilen er Pfalz hieß der Weihnachtsbaum um 1780 Zuckerbaum", wie wir aus einem Gedicht des ialers Müller erfahren. Der pfälzische Christbaum urde nicht am heiligen Abend, sondern erst am briftmorgen angezündet; fein Schmuck bestand über aus Zimmtwaffeln, Aepseln, Nassen, „Zucker- acfes", „Zuckerdings" und ausgeblasenen Eierhalen. Als Lichter dienten Nußschalen mit Rüböl
Seinen 70. Geburtstag kann am 19. Dezember der frühere langjährige Ordinarius für vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft und Sanskrit an der Ludwigs-Universität Gießen, Professor Dr. phil. Hermann Hirt, begehen. Der in Magdeburg geborene Gelehrte wurde 1891 Privatdozent in Leipzig und 1896 außerordentl. Professor. Am 1. Oktober 1912 wurde er Ordinarius in Gießen, wo er nach mehr als 20jähriger stiller, aber erfolgreicher Lehr- und Forschertätigkeit 1933 sich emeritieren ließ. Er wurde aber nicht voll entpflichtet, sondern erhielt noch einen Auftrag für Sprachwissenschaft. Die Wissenschaft und namentlich fein Spezialgebiet hat er durch zahlreiche sprachwissenschaftliche Werke bereichert. Seine Forschung galt den Jndogermanen. Hierüber und über die indogermanische Grammatik hat er seine bedeutendsten Werke geschrieben. Seine . erfolgreiche Forschertätigkeit fand äußere Anerkennung durch die Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Suomalais-Ugrilaisen Seuran (Finnisch-Ugrischen Gesellschaft) in Helsingfors, zum Ehrenmitglied der Linguistic Society of America und zum Auswärtigen Mitglied der Societas regia bohemica in Prag. Als Lehrer und Mensch erfreut er sich großer Verehrung.__
itnb Docht.
Was nun sind die Vorläufer des Christbaums? i unächst wohl die Tannen- oder Buchszweige, mit jenen man am 24. Dezember die Bilder der Heilten schmückte. Erst allmählich dachte man daran, cüch die Tische zu zieren. Es entstanden nun die .Weihnachtspyramiden", die, sich drehend, von der 1 ecke herab hingen oder aufgestellt wurden, und i e der Erzgebirgler noch heute schnitzt, wie auch noch immer der arme Mann im Adlergebirge das .Christhäusel" errichtet aus Holzstäben, die er mit Buntpapier beklebt und, nachdem er sie in Aepfel L.pfterft hat, durch Schnüre verbindet, an die er Süßigkeiten für die Kinder hängt. Oder man fymückte auf dem Lande den großen „Weihnachts- vpsel", der auf vier Stäbchen stand und mit buntem H apier usw. geziert war, das „Weihnachtsscepter", fc e Lichterpyrämide auf einem Holzgestell, oder man taute den „Weihnachtsberg" auf. Vielfach hieß die tantbemalte Weihnachtspyramide auch „Paradiestau m" und war dann reichlich mit Buchs besteckt.
Im Sudetenland wurde zu Weihnachten ur- nünglid) nur die Krippe aufgebaut und erst \ <Imäl)lid) durch den Christbaum zurückgedrängt, :»r hier womöglich eine Edeltanne fein soll. Ihr 5 lätzlein unter dem Weihnachtsbaum findet die hippe aber sowohl hier, wie auch im Saarland, immer noch ganz regelmäßig.
Seinen eigentlichen Siegeszug trat der Weih- iDchtsbaum," an dem nach holdem Kinderglauben (christkindlein selber die Kerzen entzündet, erst im 9. Jahrhundert an, aber auch jetzt war er kemes- r egs immer eine Tanne: ein Stich von 1820 zeigt cne Schmuck und Geschenke tragende Stechpalme, de von der Decke herabhängt. Durchaus üblich statt ter Tanne war die Stechplame bis vor verhältnis-
roanbte sich nach kurzer Aussprache über die ersten Vorträge der Frage der Butterversorgung und der Milchmarktregelung zu. Die Reichsregierung hat durch die Festsetzung der Preise alle Preisschwankungen unterbunden. Die Reichsregierung sah sich weiter veranlaßt, den Butterverbrauch einzuschränken. Es sollten nur 80 v. H. des normalen Verbrauches freigegeben und der Ueberfchuß den Reserven zugewiesen werden. Dabei ergab sich, daß der Butterverbrauch in den letzten Jahren stark angestiegen war. Auch in Gießen war erheblicher Mehrverbrauch zu verzeichnen. Die Molkereigenossenschaft Hungen hat zur Aufklärung und Beachtung ein Flugblatt heraus- gegeben, das der Redner verlas. In diesem Flugblatt sind die Gründe festgehalten, die zur Butterverknappung in unserem Vaterlande führten, es wird darauf hingewiesen, daß eigennützige Händler und Bauern nicht dazu beitragen dürften, die Situation gewissenlos auszunützen, es werden ferner die Möglichkeiten der gerechten Verteilung erörtert und deren Notwendigkeit betont. Es wird zur Sparsamkeit im Butterverbrauch aufgerufen und die Bauern aufgefordert, durch restlose Ablieferung der Milch an die Molkereien deren wirtschaftlichste Auswertung zu ermöglichen.
Der Bezirksstellenleiter ergänzte hierzu, daß es im Kreise Wetzlar noch Bauern gibt, die Butter zu Preisen von 2 bis 2,50 Mark verkaufen, sich damit strafbar machen und eine gerechte Verteilung sabotieren. Aber auch auf dem Markt m Gießen fehlen die Händler, weil sie hier an die Höchstpreise gebunden sind, beim Verkauf im Haus aber einen höheren Preis bekommen. Er führte weiter
leihe .mit ichs- ngs. Mn Mn Here eben


